Theatre Of Blood
UK 1973, Anthony Hickox
In London wird ein Theaterkritiker in eine alte Lagerhalle gelockt. Dort angekommen wird der er, unter der Leitung des totgeglaubten Theaterschauspielers Edward Lionheart, von einem Mob Obdachloser regelrecht geschlachtet. Die Polizei verdächtigt derweil die Tochter Lionhearts, welche einer Gruppe spöttischer Theaterkritiker die Schuld an seinem vermeintlichen Tod gibt. Während die Suche nach dem Mörder weiter geht kommen nach und nach immer weitere Kritiker, sehr frei nach Shakespeare, auf groteskeste Art und Weise ums Leben.
Der 1973 entstandene "Theatre Of Blood" ist inhaltlich doch ziemlich stark an den zwei Jahre älteren "The Abominable Dr. Phibes" (O-Titel) angelehnt. Vincent Price spielt in beiden Filmen die Rolle eines Totgeglaubten, der eine bestimmte Gruppe dezimiert, welche Ihm, seines Glaubens nach, Unrecht getan haben. Allerdings emanzipiert sich "Theatre Of Blood" in soweit von seinem Vorbild das sich dieser, im Gegensatz zu dem weitaus düstererem Dr.Phibes, nicht wirklich ernst nimmt. Als Kriminalgeschichte funktioniert der Film keinen Deut. Die Polizei kommt grundsätzlich zu spät und die Opfer laufen wirklich dumm wie Lemminge wunderbar in die Fallen Lionhearts, egal wie grotesk konstruiert diese auch sind. Es ist von Anfang an klar wer der Killer ist. Aber dies, so scheint mir, ist durchaus beabsichtigt. Der Film funktioniert lediglich auf der Slasherschiene, und macht als solcher durchaus Laune. Die Sequenzen in denen die Kritiker, die übrigens allesamt so garstig überzeichnet sind das man fast glauben könnte der Film schlägt sich bewusst auf Lionhearts Seite, in ihre Todesfallen laufen bis zu deren, meist recht harten Ableben, werden beinahe schon zelebriert. Nachdem diese den Ort ihres Ablebens betreten, meist in Lionhearts Theaterkatakomben, werden diese auch gleich von Lionheart der nebenbei vorwiegend in Shakespeareversen redet empfangen. Ab und an sogar noch in Form eines kurzen Theaterstückes bis zu dem jeweiligen Mord. Das klingt nicht nur äußerst sonderbar sondern ist es auch und bringt einen Heidenspass.
Die Besetzung des Filmes ist gut gewählt. Wirklich schauspielerische Glanzleistungen werden hier sicherlich nicht geboten da der Film an sich ohnehin bewusst überzeichnet ist. Die Kritiker kommen allesamt sehr garstig rüber, Vincent Price tendiert, eigentlich wie immer, gnadenlos zum Overacting was sich hier aber wunderbar mit seiner Rolle vereint. Lediglich Diana Riggs welche hier Lionhearts Tochter mimt wirkt hier sehr austauschbar. Hat Diese nur wenige Jahre zuvor noch in "The Avengers" ein komplett neues Frauenbild verkörpert wirkt sie hier recht farblos und schafft es nicht einmal ansatzweise irgendwie zu überzeugen.
Wer 70er Slashern nicht ganz abgeneigt ist und sich auch von dem teilweise arg groteskem Humor nicht abschrecken lässt kann hier eigentlich bedenkenlos zugreifen.
Der Härtegrad ist erstaunlich hoch und kommt trotz der eher humorigen Inszenierung recht heftig rüber. Und auch Vincent Price rockt hier derbe das (Theater)Haus, wenn er in Kostümen und Shakespeareversen zitierend nach und nach seine Opfer findet. Wem allerdings der Humor nicht zusagen sollte oder sich nicht unbedingt alle 70er Vincent Price Slasher zulegen will dem würde ich eher die Dr.Phibes Filme empfehlen. Inhaltlich sind sich diese sehr ähnlich, allerdings doch deutlich düsterer.
Ausser einem Originalkinotrailer bietet die MGM DVD leider keinerlei Extras mehr. Der Film an sich ist aber in einer wirklich guten Qualität vorhanden, so das man bei einer Anschaffung, sofern man den Film mag, sicherlich nichts verkehrt machen kann. Gehört zumindest zu meinen Lieblings-Price-Filmen.
Theater des Grauens
Hab den vor ner Weile auch mal gesehen. Douglas Hickox (der Vater von Anthony) inszeniert das Ganze als schwarzhumorige Nummernrevue, die zwar sehr gleichmäßig getaktet ist (nach den Morden im 10-Minuten-Abstand kann man beinahe die Uhr stellen), das dann aber mit viel Kreativität in der Umsetzung wettzumachen weiß: Price' legt eine Wahnsinnsshow mit seinen dauernden Shakespeare-Zitaten hin, die Morde sind einfallsreich berühmten Stücken des Dichterfürsten nachempfunden und nicht ohne Häme wird gezeigt wie da ein eitler Fatzke nach dem anderen Opfer seiner eigenen Laster wird. Wer dem Kritikermörder die Stirn bieten wird und wie das Ganze ausgeht, das kann man sich denken, bis dahin gibt es aber ein witzig-blutiges Schnetzelstück mit schöner visueller Umsetzung, bei der Kamera und Ausstattung wesentlich mehr zu tun haben als der Drehbuchautor.


Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]
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