House on Haunted Hill - Evil Loves to Party
Originaltitel: House on Haunted Hill
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1999
Regie: William Malone
Darsteller: Geoffrey Rush, Famke Janssen, Taye Diggs, Peter Gallagher, Chris Kattan, Ali Larter, Bridgette Wilson, Max Perlich, Jeffrey Combs, Dick Beebe, Slavitza Jovan, Lisa Loeb
Kritik vom 04.10.2004
Da lief doch gestern "13 Geister" im TV (also dem Datum der Kritik zufolge am 03.10.2004... freeman, trag mal nach im "Wo horrort's heute im TV-Fred ;) )... und ich musste wehmütig an`s Debüt des selbsternannten Grusel-Produktionsstudios Dark Castle denken. Mit dem obersten Gebot, den klassischen Gruselhorror zurück in die Lichtspielhäuser zu bringen, stürzte man sich bevorzugt auf Remakes einigermassen erfolgreicher Streifen von Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts. Eine schöne Idee, wie ich finde. So wird der fehlende Anspruch nachvollziehbar erklärt, und man kann als Zuschauer das Gehirn in die Obhut des Vorführers geben und sich von primitiven Schillerspielen beduseln lassen.
Als ich "House on Haunted Hill" zum ersten Mal sah, war ich hin und weg. Die surreale Bildsprache und das seltsame Monsterdesign hauten mich aus den Socken, so sehr schrie das Ganze: "Ich bin eine Innovation!". Jetzt, da ich passionierter "Silent Hill"-Zocker bin und auch in den Genuß des genialen "Jacob`s Ladder" kommen durfte, hat die Magie der ersten Dark Castle-Produktion doch etwas an Glanz verloren. Es wurde nämlich geklaut, dass sich die Balken biegen.
Und dennoch: der Anspruch von William Malones Arbeit hatte ja auch überhaupt nichts mit Innovation zu tun; alleine schon dadurch, dass es sich um ein Remake handelte, konnte das Ziel nicht sein, etwas Neues zu schaffen. Ausserdem: besser gut geklaut...
Die Exposition hebt sich stimmungsmäßig deutlich vom Rest des Filmes ab. Bei der Charaktereinführung steht logischerweise der Besitzer des Horrorhauses im Vordergrund, Steve Price (Geoffrey Rush) sowie die Beziehung zu seiner (Noch-)Frau (Famke Janssen). Vorweg: Geoffrey Rush brilliert in seiner Rolle als Hommage auf die Ikone Vincent Price und übertrifft seine Dark Castle-Promi-Kollegen Tony Shalhoub, F. Murray Abraham (beide "13 Geister") und Gabriel Byrne ("Ghost Ship") um Längen, was er sowohl der niedergeschriebenen Rolle als auch seinem eigenen Feingefühl als Schauspieler zu verdanken hat.
Aber zurück zum Thema. Höhepunkt in der Einleitung ist die Achterbahnfahrt auf Price`s Vergnügungspark (bei dieser Achterbahn handelt es sich übrigens um eine real existierende, in die nur Special Effects eingeführt wurden). Diese erste Actioneinlage zeigt uns sofort, was wir zu erwarten haben: Horror, Schocks, Halluzinationen, aber alles eher spielerisch, auf nicht ganz so ernste Weise (der Himmel über dem Park strahlt fröhlich blau).
Diese Umschreibung lässt sich auch auf Price übertragen, der den reichen, gelangweilten Hedonisten darstellt; jemand, der sich am Spiel mit dem Schicksal anderer Menschen vergnügt, der einem Bedürftigen ein Bündel Geldscheine vorwirft, um es ihm sogleich mit einer unsichtbarer Schnur wieder zu entreissen. Seine Frau ist auch nicht besser: ein intrigantes Miststück, das sich nicht genug beachtet fühlt und nur noch Gift und Galle für ihren Gatten übrig hat.
Die (durch überirdische Kräfte zusammengestellten) Gäste der "Party" sind - in einem positiven Sinn - Klischees. Ja, auch Klischees können in einem Film wirksam sein. Wir haben den unheilahnenden Typen, der irgendwie mit den Gründern des Hauses verwandt ist, dann die neugierige Reporterin, den jungen schwarzen Helden, das leicht sarkastische Ekelpaket usw. Einige der Gäste offenbaren im Verlauf des Filmes ein paar dunkle Geheimnisse, genauso wie es sein sollte.
Spätestens, nachdem sich durch Zauberhand alle Ausgänge verschlossen haben und die ersten Exkursionen durch die dunklen Gänge unternommen werden, sind wir beim Herzstück des Streifens. In Anlehnung auf den Prolog (in diesem wird klar, dass es sich bei dem Haus um eine ehemalige Irrenanstalt unter der Aufsicht des wahnsinnigen Dr. Vannacutt (Jeffrey Combs) handelt, bei der in einer unseligen Nacht des Jahres 1931 alle Insassen ums Leben gekommen sind) wird man Zeuge der skurrilsten Ereignisse. Was Steve Beck (Regisseur der beiden Nachfolger) verwehrt blieb, schafft William Malone in bester Tradition seiner Vorbilder: die dreckigen Sets wurden so eingefangen, dass der unbehaglich-schöne Grusel richtig gut zur Geltung kommt. Das geschieht etwa durch die wackelige Handkamera der Reporterin, durch verschrobene Winkel und effektive Kamerafahrten. Absurde und skurrile Kulissen wie etwa ein elektrischer Stuhl, ein Fass voller Blut oder eine "Körperwelten"-ähnliche Ausstellung mit Pferden und Embryos sorgen dabei für die passenden Motive.
Zunehmend tritt dann der Wahnsinn in die Wahrnehmung der Gäste, und damit erhalten auch die fiesen Kreaturen Einzug in ihre Hirne. Wie gesagt, hiervon war ich am meisten begeistert. Ein Beispiel: ziemlich weit im Hintergrund steht eine Gestalt. Ihr Kopf dreht sich ganz schnell hin und her. Die Reporterin dreht sich zu der Gestalt um. Und die läuft urplötzlich blitzschnell auf die Kamera zu und hält ihre hässliche Fratze in die Kamera. Ja, das hatte schon was von der kleinen, kranken Schwester aus "Friedhof der Kuscheltiere". Des weiteren gibt es drei nackte, blutdurstige Nymphen (Dracula lässt grüßen), einen Formwandler (mehr oder weniger) und noch ein paar Überraschungen.
Wer wissen will, woher die Produzenten diese tollen Ideen bezüglich des Monsterdesigns und ihres Auftretens hatten, dem sei, wie gesagt, der Film "Jacob`s Ladder" ans Herz gelegt. Zum Beispiel ist der "Wackelkopf" sowie die gesamte Szene mit der Krankenschwester und der Fahrt auf der Liege samt Kameraeinstellung (Kamera ist ganz am Boden und hält waagerecht auf das rollende Rad der Liege) fast schon 1:1 aus Adrian Lyne`s Film übernommen worden. Insgesamt macht das aber eigentlich nicht viel aus. Der Film wirkt in der Form, auch ohne eigene Ideen.
Dass die Klasse nicht bis zum Ende hin durchgehalten werden würde, hätte man sich schon vorher denken können - und so ist es auch. Das "Endmonster" ist ironischerweise das am wenigsten furchteinflößende. Hier setzt Malone wieder zu 100 Prozent auf CGI, anstatt mit Masken, Kamera oder Schnitteffekten zu arbeiten. So verkommt der Film am Ende doch wieder zu einer schmierigen Hollywood-Oper, die nur von denen überlebt wird, die man schon von Beginn an im Auge hatte - was sonst?
Was soll`s, in Anbetracht der starken ersten drei Viertel ist das zu verschmerzen. Die Intention des Studios Dark Castle wurde jedenfalls passend umgesetzt. Als Schmankerl gibt`s zwischendurch gelungene Anspielungen auf das Original aus den Dreißigern (Vincent Price, die Waffen in den Mini-Särgen). Schönes Paket.
Unter dem Strich sind die insgesamt eher zurückhaltenden Kommentare der Kritiker so nicht ganz zu unterstützen, da "House on Haunted Hill" das Spiel mit der Angst besser zu spielen weiß als so mancher Konkurrent. Darüber hinaus stimmt die Mischung zwischen Action, Comedy, Suspense, Grusel, Horror und Splatter. Ein tolles Ding, das man als Horrorfreak und Nostalgiegrusler gesehen haben sollte.
Die DVD gibt's schon lange von Helkon / Columbia und ist dafür berühmt geworden, eeeewig lange Zeit nicht billiger geworden zu sein. Kommt mit einer großzügigen FSK16-Freigabe very uncut, mit schönen Menüs und Extras.