Horns

Ob Splatter, Trash oder was es sonst noch gibt ... all das findet hier seinen verdienten Platz
Antworten
Benutzeravatar
StS
Actioncrew
Actioncrew
Beiträge: 22970
Registriert: 04.10.2005, 21:43
Wohnort: Harsh Realm, Hannover

Horns

Beitrag von StS » 04.01.2015, 19:15

Bild

Originaltitel: Horns
Herstellungsland: USA-Kanada
Erscheinungsjahr: 2013
Regie: Alexandre Aja
Darsteller: Daniel Radcliffe, Juno Temple, Joe Anderson, Max Minghella, Kelli Garner, James Remar, Kathleen Quinlan, Heather Graham, David Morse, …

In Gestalt des eigenwilligen Horror-Thrillers "Horns", in welchem ein des Mordes bezichtigter junger Mann eines Morgens mit Hörnern erwacht, die ihm fortan eine Reihe spezieller Fähigkeiten verleihen, hat Regisseur Alexandre Aja 2013 den gleichnamigen Bestseller Joe Hills adaptiert…

Zur Kritik geht´s hier!

:liquid7:

Benutzeravatar
freeman
Expendable
Expendable
Beiträge: 54927
Registriert: 12.12.2004, 23:43
Wohnort: Rötha

Beitrag von freeman » 07.01.2015, 09:55

Sehr schöne Kritik. Überlege da schon ne Weile, bereits in UK zu ordern und den Kinobesuch zu umgehen. Aber eine Frage: Haben die irgendwo mal begründet, warum sie den VOR dem Kinostart VoD schicken und sich DANN noch einen Kinoerfolg erhoffen? Gibt es Zahlen dahingehend, wie erfolgreich dieser "Start" im VoD Bereich war?

In diesem Sinne:
freeman
Bild

Benutzeravatar
StS
Actioncrew
Actioncrew
Beiträge: 22970
Registriert: 04.10.2005, 21:43
Wohnort: Harsh Realm, Hannover

Beitrag von StS » 07.01.2015, 10:07

freeman hat geschrieben:Sehr schöne Kritik. Überlege da schon ne Weile, bereits in UK zu ordern und den Kinobesuch zu umgehen. Aber eine Frage: Haben die irgendwo mal begründet, warum sie den VOR dem Kinostart VoD schicken und sich DANN noch einen Kinoerfolg erhoffen? Gibt es Zahlen dahingehend, wie erfolgreich dieser "Start" im VoD Bereich war?
Danke. Das mit dem VOD-Start vorm Kino gibt es in den Staaten inzwischen offenbar häufiger - meist aber bei kleineren Produktionen. Finde das auch nicht sonderlich clever - fand die betreffende Option an jenem Abend im Oktober aber ganz nett... ;)
Daniel Radcliffe's horror fantasy Horns was anything but magical in its limited theatrical debut at the U.S. box office.

Hoping to take advantage of Halloween, the indie film opened in 103 theaters over the weekend, grossing $104,357 for a meek location average of $1,103 despite the star status enjoyed by Radcliffe, aka Harry Potter.

The good news: Horns has generated $1 million in VOD returns for distributor Radius-TWC in its first four weekends. Going out first on VOD was bound to dampen box office grosses, but Horns still did less than expected in its box office launch (generally poor reviews didn't help). (HollywoodRepoerter.com)

Benutzeravatar
freeman
Expendable
Expendable
Beiträge: 54927
Registriert: 12.12.2004, 23:43
Wohnort: Rötha

Beitrag von freeman » 07.01.2015, 10:10

Uff, für eine Million versenkt... Erstaunlich. Danke dir für die Infos.

In diesem Sinne:
freeman
Bild

Benutzeravatar
LivingDead
Action Fan
Action Fan
Beiträge: 3430
Registriert: 06.06.2006, 14:13
Wohnort: Oldenburg

Beitrag von LivingDead » 23.04.2016, 11:39

"Horns" auch endlich nachgeholt. Auch hier vollste Zustimmung. :D

Auch mit "Horns" entfremdet sich Daniel Radcliffe immer mehr vom Zauberlehrlings-Image und zeigt einmal mehr, dass seine diversen Theaterauftritte deutlich Früchte getragen haben. Sehr glaubwürdig mimt er den blassen Außenseiter, der durch diverse Schicksalsschläge auf die dunkle Seite getrieben wird.
Basierend auf dem Buch "Teufelszeug" (von Joe Hill, Sohn von Stephen King) wandelt Genre-Spezialist Alexandre Aja ("The Hills Have Eyes") auf dem schmalen Grad zwischen Horror, Parodie und Liebesdrama. Doch erzählerisch überrascht Aja hier mit einer Feinsinnigkeit, die sonst in diesem Genre so nicht zu finden ist. Zwar gibt es sicherlich ein paar Aussetzer (z.B. der "Witz" über das schwule Polizistenduo, ansonsten geht der Humor schwer in Ordnung), doch ansonsten wird freudig zwischen den Genreparadigmen oszilliert, sodass sogar die Liebesgeschichte sehr bewegend geraten ist.
In der Summe ist "Horns" sicherlich nicht für die Massen gemacht, doch wer interessiert an etwas experimentelleren Filmen ist, der dürfte hier fündig werden.
:liquid7:
Mit freundlichem Gruß
LivingDead

Benutzeravatar
Vince
Actioncrew
Actioncrew
Beiträge: 18930
Registriert: 30.09.2005, 18:00
Wohnort: Aachen

Beitrag von Vince » 23.04.2016, 14:17

Werde ich dank Amazon-Elitarismus auch demnächst mal in Augenschein nehmen...

Benutzeravatar
Vince
Actioncrew
Actioncrew
Beiträge: 18930
Registriert: 30.09.2005, 18:00
Wohnort: Aachen

Beitrag von Vince » 06.05.2016, 17:27

Horns
Die Joe-Hill-Geschichte zieht den Horror-Filmemacher Alexandre Aja ins Fantasy-Grenzgebiet und verortet ihn etwa an der gleichen Position, an der sich Guillermo del Toro zur Entstehungszeit von „Pan’s Labyrinth“ befunden hat. „Horns“ ist vieles gleichzeitig: Selten eklig und brutal, manchmal aber doch; meistens idyllisch und wunderschön gefilmt, dann aber auch wieder künstlich und bewusst aus der Szenerie herausreißend. Daniel Radcliffe wird weit aus seinem Potter-Schatten gezogen, was durch den Darsteller vermutlich begrüßt wurde, und tief psychologisiert, doch das Drehbuch ist bei Nebenfiguren auch ebenso gerne bereit, Absurditäten aufzutischen, wenn einige Akteure in Anwesenheit des Hornträgers wider Willen plötzlich völlig austicken und Regeln des sozialen Miteinanders ignorieren. Selbst verschiedene Zeitzonen werden nebeneinander erzählt, auf das Jugenddrama somit also auch noch ein Wegpfeiler gerichtet.

Aja inszeniert betont unentschlossen und bildet mit schlenkerreichen Tempo- und Perspektivwechseln die zerrissene Psyche des Protagonisten ab. Nicht zuletzt verursacht er auch beim Zuschauer ein Gefühl der Unsicherheit über die emotionale Deutung der Szenen und darüber, was als nächstes geschieht. Das fühlt sich erfrischend anders an, funktioniert aber trotzdem nur bedingt. Denn rund um die geheimnisumwitterte Juno Temple sollen die Wogen beruhigt werden, ihre Szenen sollen die kleinen leuchtenden Hügel in einem Sturm aus Verzweiflung sein. Um jedoch richtig wirken zu können, hätte die Pointe möglicherweise besser verschleiert werden sollen. So ist schon schnell deutlich, worauf alles hinausläuft, und die Magie kann ihre volle Strahlkraft nicht halten.
gute :liquid6:

Benutzeravatar
SFI
Expendable
Expendable
Beiträge: 85526
Registriert: 09.08.2004, 07:58
Wohnort: Suraya Bay
Kontaktdaten:

Re: Horns

Beitrag von SFI » 07.03.2021, 16:14

Wilder Genremix mit rohen Ausbrüchen, der die überbordende Liebesgeschichte emotional greifbar macht. Der Studiowald mit seinen Tonbandgeräuschen war das weniger. :lol: Radcliffe versteht sein Handwerk.

:liquid7:
Der Pfalzbote

"Fate: Protects fools, little children and ships named Enterprise."

Benutzeravatar
McClane
Action Experte
Action Experte
Beiträge: 6940
Registriert: 07.10.2007, 15:02

Re: Horns

Beitrag von McClane » 18.07.2021, 17:33

"Horns" wieder immer wieder gern als Teil von Daniel Radcliffes Ich-bin-nicht-Harry-Potter-Projekt gesehen, was verständlich ist: Der talentierte Star hat erkannt, was Typecasting mit einer Person und einer Karriere machen kann. Aber "Horns" ist noch mehr als das, darunter ein weiterer Beweis, dass Alexandre Aja eine Vielfältigkeit innerhalb des Horrorgenres bzw. phantastischen Films besitzt. Die Splatterfans, die ihn vor allem für "High Tension", "The Hills Have Eyes" und "Piranha 3D" lieben, kommen nur im Showdown auf ihre Kosten, sonst ist "Horns" ein Mix aus Horrorthriller, Fantasy-Märchen und schwarzer Komödie.

Vor allem in letzterer Hinsicht punktet Ajas Film: Protagonist Ig Parrish ist nach dem Verlust seiner Geliebten vollkommen entfesselt und ungehemmt, weshalb er mit den Fähigkeiten, welche die Hörner ihm bieten, genussvoll die Stadt abreißen lässt, all jene bigotten und verlogenen Heucher enttarnt oder sie ihrer Strafe zukommen lässt. Manches davon ist pures Klischee und bisweilen etwas plump, vor allem die sensationsgeilen Reporter oder die ruhmsüchtige Kellnerin, aber Aja und Vorlagenautor Joe Hill malen da bewusst mit der groben Genrekelle, die alle Nebenfiguren bewusst in irgendwelche Sparten steckt und mit Stereotypen nicht spart, auch wenn diese manchmal etwas ausgeluscht ist.

Umso schöner ist dann die Sorgfalt und die Zärtlichkeit, die dem Protagonisten und seiner Clique zuteil wird, gerade auch bei den Rückblenden in die Vergangenheit, die einen Vibe von "Es" und "Stand By Me" haben - da hat sich Joe Hill etwas von seinem Daddy Stephen King abgeschaut. Da gibt es ein vielschichtiges Bild einer Kleinstadtkindheit, von den Hoffnungen und Träumen, aber auch von Enttäuschungen. Gleich mehrere, meist unglückliche Liebesgeschichten werden erzählt, die Motivation der Figuren, auch der negativen ist irgendwie verständlich. Dabei schreckt "Horns" auch nicht vor dramatischen Enthüllungen wie jener Szene zurück, in welcher Ig von seiner Familie erfahren muss, was diese wirklich von ihm denkt.

Als roter Faden dient dann ein Whodunit-Krimi, wenn Ig den Mörder seiner Holden finden möchte und der Kleinstadtkosmos mit seinen mehr oder minder verderbten Einwohnern genug mögliche Verdächtige präsentiert. Freilich hat man (zumindest als erfahrener Filmgucker) den wahren Täter schnell ausfinding gemacht, weshalb das Script zu einem billigen Taschenspielertrick greifen muss, um den Zuschauer (und auch Ig) wieder auf eine andere Fährte zu locken. Der Showdown wirkt dann etwas nach Schema F, überzeugt aber gleichzeitig mit seiner Konsequenz: Wer gewisse Schwellen überschreitet, der kann irgendwann nicht mehr zu normaler Menschlichkeit zurückkehren.

Insofern kann man "Horns" sicher uneben finden, doch gerade diese Verquicklung unterschiedlicher Genres, Stile und Stimmungslagen, die Aja und Drehbuchautor Keith Bunin meist ziemlich geschickt jonglieren, macht den Reiz dieses ungewöhnlichen Fantasy-Horror-Comedy-Dramas aus, welches sich zudem sehr gut in den Protagonisten und sein näheres Umfeld einfühlt, die Nebenfiguren dagegen mit groben, an eine Karikatur erinnernden Pinselstrichen zeichnet.

:liquid7:
Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]

Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast