Würde auch posten, naive Fragen stellen und Unkenntnis zeigen!
Filmtagebuch: Vince
Moderator: SFI
Re: Filmtagebuch: Vince
Re: Filmtagebuch: Vince
Laut Letterboxd-Zählung sind es 2023 bei mir folgende Zahlen gewesen:
Films Logged: 400
Films Reviewed: 203
Hours Watches: 711
Most Watched Actor: Peter Cushing
Most Watched Director: Alfred Hitchcock
Most Watched Week: Week 42 (Oct 16 - 22) - 17 films
Hitchcock also wie erwartet. Peter Cushing hingegen hatte ich nicht auf dem Zettel. Ich glaube, der war schon mal auf Platz 1 bei mir... der spielt einfach überall mit!
Films Logged: 400
Films Reviewed: 203
Hours Watches: 711
Most Watched Actor: Peter Cushing
Most Watched Director: Alfred Hitchcock
Most Watched Week: Week 42 (Oct 16 - 22) - 17 films
Hitchcock also wie erwartet. Peter Cushing hingegen hatte ich nicht auf dem Zettel. Ich glaube, der war schon mal auf Platz 1 bei mir... der spielt einfach überall mit!
- deBohli
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Re: Filmtagebuch: Vince
Genau 400, eine schöne Zahl. 
Re: Filmtagebuch: Vince
So, bevor die Tage irgendwann die Jahresstatistik kommt, erstmal noch die wenigen Kurzkritiken, die neben den regulären Kritiken zustande gekommen sind:
Evil Does Not Exist

Ob man zuerst die natürlich fließenden Bewegungen des Wassers im Bach registriert oder die künstlich modellierten Formen des Geländewagens, der in der Nähe parkt, ob man sich eher in den hoch stehenden Wipfeln der Nadelbäume verliert oder im flachen Design des Laptops, auf dem Baupläne abgespeichert sind, ob der Weg mit dem Blattwerk eines Winterwaldbodens ausgelegt ist oder mit dem Asphalt einer Schnellstraße... die Linien sind stets kristallklar herausgearbeitet in Ryûsuke Hamaguchis meditativem Drama „Evil Does Not Exist“, das ein Modell der Koexistenz zwischen Tradition und Moderne auf die Probe stellt, ohne dazu auf die sonst üblichen Extreme von Gut und Böse zurückgreifen zu können.
Die winterliche Idylle, die in hochauflösenden, kontrastreichen Bildern mit einem magischen Realismus angereichert wird, repräsentiert dabei ein natürliches Gleichgewicht, das aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen Gefahr läuft, seinen Halt zu verlieren. Hamaguchi nimmt sich viel Zeit, mehr womöglich als es die Konventionen eines Spielfilms ihm eigentlich erlauben, den ursprünglich als Kurzfilm konzipierten Stoff zu einem 107-minütigen Monument mit viel Stillstand auszuweiten, der im Verborgenen allerdings auch viel in Bewegung versetzt. Er lässt den Betrachter die ungewohnte Ruhe der Bilder am eigenen Leib spüren, beinahe, als solle auch ihm als Konsumenten und Teilnehmer einer schnelllebigen Zivilisation eine Lektion in Sachen Geduld erteilt werden.
Mag die Redundanz des fünften gehackten Stücks Holz und des achten gefüllten Wasserkanisters innerhalb der laufenden Szene auch unnötig erscheinen, so gewinnt „Evil Does Not Exist“ erst durch diese Ritualisierung von Abläufen im Nachgang seine Intensität. Die wie eine La-Ola-Welle durch den Raum gleitende Dynamik des Diskussionsverlaufs im Bürgerhaus beispielsweise kann sich nur deswegen entwickeln, weil dieser einen Sequenz volle 15 Minuten Zeit zur Entfaltung gegeben werden; Zeit, die trotz der vermeintlichen Ereignislosigkeit genutzt wird, nicht nur im dramaturgischen Sinne, indem sich die vermeintliche Informationsveranstaltung für die Redner unerwartet in ein wahres Verhör verwandelt, sondern auch, weil hier etliche Metaphern und harte Fakten gestreut werden, die für die weiteren Ereignisse von Bedeutung sein werden.
Gerade weil Hamaguchi Dämonisierungen vermeidet und den erzählerischen Fokus gleichmäßig auf einen Repräsentanten des Dorfs und zwei Vertreter der Industrie verteilt, von denen insbesondere einer mit seiner Stellung hadert, könnte „Evil Does Not Exist“ abseits der schönen Bilder ein wenig trocken, ja im unangenehmen Ausmaß dokumentarisch wirken. So allerdings hallt das aufreibende Ende erst recht nach, weil es wie ein dumpfer Faustschlag aus dem Nichts zu kommen scheint. Die Wirkung ähnelt jener, die auch die Arbeiten von Lee Chang-dong („Burning“, „Peppermint Candy“) verströmen: Erst mit den letzten Bildern wird einem schockartig klar, was die ganze Zeit bereits sichtbar war.

Mr. Crocket

Haben Sie Ihre Kinder mal wieder so richtig satt?
Empfinden Sie Schuldgefühle deswegen?
***Party!!!***
Motto: Be Kind, Rewind, oder: Wie man in die Ära der Videokassette zurückspult.
Als das mit der Erziehung noch einfacher war.
Weil der Fernseher die Erziehung übernommen hat.
Einladung für zwei Personen (Mama/Papa), bevorzugt afroamerikanisch.
Bring Your Own Barbecue:
Bill Cosbys Pullover
Röhrenfernseher mit durchlässiger Mattscheibe für ektoplasmische Signalübertragung
Bart-Simpson-Poster
Seifenblasenpistole
Magic Marker
Wichtig: Denken Sie an Ihr Kind. Es dient gleichzeitig als Ihre Eintrittskarte.
Die Veranstaltung findet statt in der leeren Lagerhalle mit aussortierten Krümelmonstern an der Ecke Sesamstraße / Augsburger Puppenkiste.
Vorher treffen wir uns noch kurz zu einer Flasche Bier und einer Spritze Heroin in der lokalen Hood.
Beachten Sie bitte unser Smartphone-Verbot. Unerlaubte Aufnahmen werden zur Anzeige gebracht, es sei denn, sie wurden auf Videoband gedreht.
Leider musste Freddy Krueger kurzfristig absagen. Als Host an diesem Abend begleitet Sie stattdessen Mr. Crocket, der Sie mit seinen magischen Tricks in Windeseile um den Finger wickeln wird.
Mr. Crocket ist eher Erwachsenen- als Kinderschreck, das mag Sie im ersten Moment irritieren, doch seien Sie versichert, dass Sie sich an seine eigenwillige Art im Laufe des Abends gewöhnen werden.
Freuen Sie sich außerdem auf bizarre Tanzunterhaltung, inspiriert von den Teletubbies.
Romantisch wird es in den Abendstunden im fluoreszierenden Schein des Bildschirms.
Für Blut, Gekröse und praktische Effekte (in Maßen) ist gesorgt.
Für alles andere eher nicht. Sorgen Sie also bitte selbst vor mit Ausweichplänen für die Abendgestaltung.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir schamlos auf der Retro-Welle reiten, bis sie am Black-Social-Horror-Sandstrand zerschellt.
Beschwerden richten Sie bitte nicht an unsere ratlosen Drehbuchautoren, sondern ans Catering – denn mit leerem Magen arbeitet sich schwer.
Es besteht weder Anspruch auf ein schlüssiges Konzept, noch auf Spannung, Spaß oder Schokolade.
Fisch und Fleisch stehen nicht auf der Speisekarte. Stattdessen servieren wir verdrehte Moralkeule in einem Bett aus diffus angerührter Elternangst.
Wir garantieren Ihnen, dass unsere Servicekräfte immer freundlich lächeln werden.
Im Voraus entschuldigen wir uns für Fahrstuhlmusik und gediegene Oberflächlichkeit statt inhaltlicher Substanz. Diese ist leider unseren Vorbildern vorbehalten.
Falls der Abend erfolgreich verläuft, planen wir die Veranstaltung dennoch zu einem jährlichen Event auszubauen.
Spenden werden gerne entgegengenommen, damit wir Ihnen beim nächsten Mal bessere Örtlichkeiten bieten können.
Wir hoffen, Mr. Crocket gefällt Ihnen.
Ihm gefallen jedenfalls Ihre Kinder.

Orphans

Drehst du die Mutter von der Schraube, dann musst du damit rechnen, dass sich die Schraube löst. Als Konsequenz kann dir da auch schon mal die Abdeckung wegfliegen... oder in Extremfällen gleich das komplette Kirchendach.
„Orphans“ geniert sich nicht. Weder vor vulgärer Sprache (die „Cunts“ und „Fucks“ zu zählen, wäre wohl ein heiteres Trinkspiel wert), noch vor tiefschwarzem Humor oder Zynismus, erst recht nicht vor Peinlichkeiten, ja nicht einmal vor dem Einsatz absurder Übersteigerungen zwecks klimaktischer Steigerung, bis die Ereignisse mit einem bodenständigen Drama nicht mehr viel zu tun haben.
Geschrieben von Regisseur Peter Mullan im Gefühlschaos nach dem Tod seiner eigenen Mutter, verkörpern die vier Geschwister im Mittelpunkt der Handlung nicht etwa einen Teil seiner sieben eigenen Geschwister im wahren Leben, sondern eigener Aussage nach vielmehr Teile seiner eigenen Persönlichkeit. Ein Stück weit legitimiert das den streckenweise karikaturistischen Ton des Films und entbindet von der Pflicht des bodenständigen Erzählens. So können die Figuren immer einen Schritt weiter gehen als Figuren eines klassischen Alltagsdramas, um wildeste Pointen zu streuen und mit ihnen dennoch eine Geschichte voller Herz zu erzählen, die viel mit Unabhängigkeit und Selbstfindung zu tun hat.
Während Rosemarie Stevenson als behinderte Tochter eher im Hintergrund bleibt und dort vielleicht auch ein wenig den Prozess des emotionalen Verdrängens symbolisiert, wird der in drei sich kreuzenden Erzählsträngen voranschreitende Plot von der männlichen Energie der Hauptdarsteller Stephen McCole, Douglas Henshall und Gary Lewis bestimmt, wobei die nüchterne Korrektheit des Letzteren ein Gegengewicht zur heißblütigen Natur der anderen Beiden erzeugt. Das Ergebnis ist ungehemmte Selbsttherapie, die nicht nur innerhalb der familiären Grenzen ausgelebt wird, sondern vor der gesamten Gemeinde – beim Karaoke im Pub, auf dem örtlichen Funfair oder auf einem Streifen Wiese zwischen den stark befahrenen Spuren der Schnellstraße.
Auf 100 Minuten gestreckt sorgt dieses Bad in Selbstmitleid nicht nur für schrumplige Finger, sondern sägt auch an den Nerven des Zuschauers, die sich bald in die Position eines beliebigen Bürgers des Ortes versetzen können und der Familie Flynn, wo immer sich die Gelegenheit ergäbe, aus dem Weg gehen würden. Unser Mitgefühl ist den Flynns am Ende aber trotzdem sicher – nicht zuletzt aufgrund der sympathischen Schluffigkeit dieses authentisch schottischen Bürgerspiels.

The Last Kumite

Einem Prügelfilm verzeiht man so einiges an Unzulänglichkeiten. Tanzeinlagen in thailändischen Bars, Kitscheinlagen an Bruce Lees Grab, peinliche Gebärden im Ring ohnehin. "The Last Kumite" ist einer von diesen Kandidaten, denen man am liebsten bedingungslos Absolution erteilen möchte, noch bevor man auch nur eine Minute vom fertigen Film gesehen hat.
Ach, wären die Unzulänglichkeiten, insbesondere jene des Drehbuchs, doch bloß nicht so offensichtlich. Das macht sich vor allem an dem von Matthias Hues gespielten Antagonisten bemerkbar, der permanent seine selbst aufgestellten Regeln torpediert. Mal markiert er den harten Hund, als wäre er Shang Tsung höchstpersönlich (ohne Cary-Hiroyuki Tagawas einzigartigen Spezialeffekt natürlich, seine konkurrenzlos arroganten Gesichtsverrenkungen), dann lässt er sich hilflos von seinen Spielzeugsoldaten auf der Nase rumtanzen, so dass man fast schon wieder eher das Gefühl hat, man hat es da mit Papa Robert und den Geissens zu tun. Zuckerbrot und Peitsche, ohne jedes erkennbare Muster. Dadurch geht komplett der Flow verloren, den ein solcher Film eigentlich so dringend braucht.
Dass der Streifen dann doch irgendwie Spaß macht, liegt wohl daran, dass die einzelnen Versatzstücke schon ziemlich viel Laune machen. Sei es das herrlich auf 80er getrimmte Intro, seien es die doofen Visagen der Fighter (oder der schlecht kostümierten Komparsen im Fake-Publikum... oder des dubiosen Polizeichefs... oder oder), seien es nicht zuletzt die abwechslungsreichen Kampfeinlagen. Nur hätte man sich eine etwas elegantere Verknüpfung dieser Elemente gewünscht, inklusive Background der übrigen Kämpfer und vor allem einer zwingenderen Dramaturgie im Turnierbaum.
Das ist schon schade, denn wer so für seinen Stoff brennt, dem würde man doch auch unterstellen, dass gerade auch ins Drehbuch viel Herzblut investiert wird. Niemand erwartet bei so einem Film fette Production Values, auch erwartet keiner den Oscar für das beste Skript, sehr wohl aber kann man von einem solchen Prestigeprojekt erwarten, dass es weiß, wie es die primitiven emotionalen Trigger des Zielpublikums möglichst effektiv zu bedienen weiß, was Rache und Vergeltung, Aufstieg, Triumph und Überlegenheit betrifft. Bei der schlampigen Schreibe fällt es aber schwer, all das reuelos nachzuempfinden. Und das ist bei aller Unterhaltung, die "The Last Kumite" bietet, doch ein wenig schade.

The Most Dangerous Game

Ob Mahjongg oder Attentat mit Scharfschützengewehr, in Toru Murakawas „The Most Dangerous Game“ ist das Leben nichts als eine große Spielesammlung. Wie oft man gewinnt oder verliert, hängt entschieden vom Talent des Spielers ab... und davon, ob der Spieler das für ihn geeignete Spiel wählt.
Ein Mann, der nicht einmal die Sonnenbrille ablegt, wenn er durchs Zielfernrohr schaut, hat seine Wahl zweifellos getroffen. Man mag den von Yusaku Matsuda überaus charismatisch gespielten Antihelden Narumi überzeichnet finden, so wie er sich mit seiner braunen Lederjacke in den hässlichsten Situationen lässig in Szene setzt, aber hinter den Posen verbirgt sich eine reizvolle Ambivalenz, die das Unvereinbare eines Verlierer- und Gewinnertypen in sich vereint, ohne sich um die Konsequenz in Form einer wenig durchkomponierten, eher unrunden Ästhetik des Tötens zu scheren. Dieser Mut gehört zu den Stärken eines Skripts, das ansonsten eher in den Basics des 70er-Actionkrimis und Noirs um tragische Gestalten im Sumpf des Verbrechens verhaftet ist.
Gerade heute, da das Bild des Killers im Kino ein vorwiegend überstilisiertes ist, ganz egal, ob es sich um populäre Action-Franchises wie „John Wick“ oder anspruchsvolle Portraits wie David Finchers „The Killer“ handelt, spielt ein Narumi seine Dissonanzen wie Asse aus. Sympathien spielen dabei noch weniger eine Rolle als Idolisierung. Im Gegenteil soll man abgestoßen werden von seinem verwerflichen Verhalten und seinen perfiden Methoden, berufliche Ziele zu erreichen oder auch persönlichen Idealen zu entsprechen, die sich auch mal an dem Nacktmodell auf dem zentral platzierten Poster in der schmuddeligen Junggesellenwohnung festmachen lassen. Mit jeder Szene wird deutlicher, dass Murakawa das Portrait eines Mannes zeichnet, der in seinem moralisch verwerflichen Job so gut ist, weil er in anderen Bereichen seines Lebens versagt.
Optisch überzeugt „The Most Dangerous Game“ mit seinem offensichtlich kostengünstig gefilmten, dafür aber äußerst authentisch wirkenden Stadtportrait, das seine Skyline geradewegs für den Hauptdarsteller zu biegen scheint. Es wird wenig mit dem Auto gefahren und stattdessen viel über Straßen und Häuserdächer gerannt, was einerseits für ein recht hohes Tempo sorgt, andererseits aber in langen Einstellungen genug Übersicht bietet, um den fast egoperspektivischen Blickwinkel der Erzählung gelingen zu lassen. Und das Beste: Es ist nur der Auftakt einer ganzen Trilogie, dem es problemlos gelingt, Vorfreude auf die kommenden Teile zu entfachen.

The Killing Game

Unversehrt bleibt oft nicht nur der klassische Superheld im Gefecht. Auch wer Todeswünsche hegt, den straft der Sensenmann ironischerweise mit Ignoranz, und je achtloser man sich in die Kugeln wirft, desto mehr verbiegt sich ihre Flugbahn, um das Hindernis zu umgehen.
Nun war „The Most Dangerous Game“ noch nicht ganz der überzeichnete Comic im Sinne einer sich für den Protagonisten verbiegenden Realität, wie man ihn heute etwa von „John Wick“ spätestens in der vierten Ausgabe kennt, die in vielerlei Hinsicht einer „Matrix“ glich. Damals, in den 70ern, da war zwar alles noch rauer und echter, aber die Argwohn gegenüber dubiosen Kartellen, die am Rande der Grundordnung operierten, war bereits etabliert. In dem dreckig-düsteren Actionkrimi von Toru Murakawa war es lediglich die Hauptfigur, die aus einem Cartoon entsprungen schien. Matsuda konnte sich als ambivalenter Killer mit bildfüllender Präsenz ohnehin alles erlauben, so also auch, die vielen brenzligen Situationen zu überleben, die er selbst herbeiführte, bloß um in einem schnell abgekurbelten Sequel aufzutauchen, das einfach da weitermacht, wo der Vorgänger aufgehört hatte.
Narumis Unverletzbarkeit wird in „The Killing Game“ als eine Art Running Gag fortgesetzt, in einer Kaskade aus Fehlschüssen der Henchmen beziehungsweise Volltreffern des Killers, die sich fein säuberlich abwechseln. Dabei entstehen auch immer mal wieder aus der Bewegung heraus aufwändige Plansequenzen, in denen durch Türen hindurch nach dem Prinzip „Schiffe versenken“ die Position des Gegners ausgelotet wird. Der Ton wird dadurch comichafter, heller, heiterer, während Narumi, der sich im ersten Teil immerhin als misogynes Arschloch entpuppte, langsam doch etwas Kultiges zu umwehen beginnt, sicher auch der unwiderstehlichen Lässigkeit seines Darstellers zum Dank.
Dennoch klammert sich das Skript an altmodische Schemata der Killerfilm-Subkategorie. Man nehme nur die beiden neuen Frauen im Leben des Taugenichts: Eine Femme Fatale und eine Blüte der Unschuld, ganz wie im ursprünglichen Hardboiled-Noir, damals beim Attentat verschont und nach einem Zeitsprung wieder ins Leben des Killers getreten – ein Erzählmuster, das ebenfalls gerade erst bei „John Wick 4“ wieder zu sehen war, ganz zu schweigen von Daniel Craigs 007-Abschied „Keine Zeit zu sterben“. Und mit dem Traditionsbewusstsein kommt die Mäßigung, denn in Sachen Sex, Sleaze und Kaltschnäuzigkeit wird ein paar Nummern heruntergefahren.
„The Killing Game“ wirkt dadurch bisweilen ähnlich unentschlossen wie die Hauptfigur. Es wird nicht mehr der ganz heftige Punch ausgeteilt, mit dem ein tiefschwarzer City Noir den Zuschauer in die Seile jagen würde, und man fühlt sich nicht ganz so dreckig, wenn die Nummer durch ist. Eine gewisse Entschlossenheit ist aber doch zu spüren. Denn es ist längst offensichtlich, wo der Fixpunkt der sich anbahnende Trilogie zu finden ist: In der Aura von Yusaku Matsuda.

The Execution Game

Ein letzter Tango noch, denn aller guten Dinge sind drei. Getanzt wird im Abschluss der Game-Trilogie zu etlichen Varianten des memorablen Jazz-Themas von Yuji Ohno, das in keinem der beiden Vorgänger dermaßen prägnant war. Die neue Dominanz des Scores ist auch ein Zeichen der fortschreitenden Stilisierung der Hauptfigur. Narumi Shohei, Attentäter, in die Welt geboren wie Schimmel hinter den Schränken eines abgehalfterten Apartments, inzwischen aufgestiegen zu einer Art Posterboy der Unterwelt, dessen Ruf sich längst bei allen wichtigen Auftraggebern herumgesprochen hat.
Dass „The Execution Game“ beginnt wie ein Amnesie-Thriller, bei dem sich die Bruchstücke der Erinnerung erst nach und nach durch Rückblenden zusammensetzen, passt in dieses Bild, denn offenbar werden die bis hierhin aufgebauten Trademarks der Reihe nun zu einer Yûsaku-Matsuda-Bronzestatue verarbeitet, Sonnenbrille und Lederjacke inklusive. Was bis dahin rau wirkte, bekommt nun einen gewissen Feinschliff. Auf Shaky Cam, unangenehme Close Ups und reichlich Dreck auf der Linse möchte Tôru Murakawa zwar weiterhin nicht verzichten, hinter der Low-Budget-Fassade breiten sich aber längst Spuren sorgfältiger Handwerkskunst aus. Seien es die Shootout-Plansequenzen, die diejenigen aus dem direkten Vorgänger in Sachen Choreografie noch einmal toppen möchten, seien es die dynamischen Kontraste aus Farbe und Lichtsetzung, mit denen selbst das Gespräch in einem Club oder einem Büro einen gewissen Nägelkaufaktor hat, sei es nicht zuletzt die Mythologisierung des Killers, die stark von dem Dschungel des moralischen Verfalls geprägt ist, durch den er sich schlägt, und vielleicht noch stärker von seinem ambivalenten Verhältnis zum weiblichen Geschlecht.
Mit diesem Ansatz gelingt somit womöglich sogar der beste Teil der Trilogie... auch wenn man sie wohl, ähnlich wie vergleichbare Mehrteiler der Marke „Lone Wolf & Cub“, am besten einfach als monumentales Gesamtwerk begreift.

Rookie - Der Anfänger

Kaum zu glauben im Grunde, dass Clint Eastwood auch heute noch vor und hinter der Kamera aktiv ist, wenn man sich mal vor Augen führt, dass er schon 1990 der alte Knochen am Ende der Nahrungskette war, der alles Grüne mit Argwohn bemusterte. Und viel grüner als mit Charlie Sheen, der sich auf dem Schlachtfeld von „Platoon“ oder an der Seite von Michael Douglas in „Wall Street“ wie ein kleiner Junge vorgekommen sein muss, konnte es gar nicht mehr werden.
Eastwood und Sheen müssen damals jedenfalls auf dem Papier der Studiobosse das „Perfect Match“ für die florierende Buddy-Formel gewesen sein. Dabei war die zu jenem Zeitpunkt in Wirklichkeit schon wieder am Ende ihrer kurzen Blüte angekommen. „Rookie – Der Anfänger“ verhält sich zu den wilden Paarungen der Marke Murphy/Nolte oder Gibson/Glover fast schon wie eine biedere Karikatur aus der Feder eines konservativen Comiczeichners. Man hebt jedenfalls einige Male verwundert die Augenbraue, wenn Eastwood zum Beispiel nach einer Kollision mit rauchendem Haar aus seinem demolierten Auto steigt und nach Feuer für seine Zigarette fragt, bevor er umkippt wie ein Besenstiel, oder wenn er mit Sheen auf dem Beifahrersitz lockere Bonmots austauscht, während er mit dem Auto aus einer höheren Etage eines mehrstöckigen Hauses durch eine Glasscheibe bricht und so dem Feuerball einer sich ausbreitenden Explosion entkommt. Man vergisst zwar oft, dass Eastwoood selbst bis zum heutigen Tage immer mal wieder Entgleisungen von den eher grimmigen Grundtönen seiner Filme zulässt, aber das hat mitunter schon etwas von einem Bugs-Bunny-Cartoon.
Ansonsten geht „Rookie – Der Anfänger“ beim Abhaken der Standards jedoch so vorschriftsmäßig mit Scheuklappen vor, dass man nicht nur jeden Schritt des Drehbuchs vorhersieht, sondern am Ende tatsächlich wieder der Kreis zum Anfang geschlossen wird, indem die Bürosequenz als Pointe einfach noch einmal variiert wird. Würde jemand auf die Idee kommen, heute, 34 Jahre später, eine Fortsetzung zu drehen, wären die Machtverhältnisse vermutlich immer noch dieselben: Eastwood die knorrige Eiche, inzwischen festgewachsen am Schreibtisch, Sheen die wilde Sau, die sich an ihr reibt.

Road House

...und wenn sich die Gäste in verdammte Vampire verwandeln, die Band spielt weiter. Selbst wenn die Titanic schon wieder sinkt. Die Band. Spielt. Weiter.
Fresse polieren ist die neue Normalität. Dafür steht ein routinierter Rausschmeißer nicht einmal mehr auf. Messer im Bauch? Kein Grund, das Gesicht zu verziehen. Erstmal schauen, ob der Kerl sein Messer überhaupt zurückhaben will.
Von einem handelsüblichen Remake unterscheidet sich „Road House“ dadurch, dass er es längst nicht mehr nötig hat, das Original zu dekonstruieren. Er dekonstruiert die Coolness an sich. Um Sam Elliott wird sich ebenso wenig geschert wie um Jeff Healey. Nicht einmal Patrick Swayze ist heilig. Alles bedeutungsloser Ballast, der abgerissen gehört wie marodes Bauwerk. Stehen bleibt nur das Road House, das nicht einmal mehr den Anstand hat, Double Deuce zu heißen. Es ist einfach nur noch das Road House. Mit Anbindung zum Krankenhaus, 25 Kilometer weiter den Highway hinauf.
Conor McGregor kommt eine gefühlte Stunde zu spät zu seinem eigenen Filmdebüt, stolziert dann aber wie ein Hahn mit blankem Arsch über die Florida Keys, auf dass Jake Gyllenhaal seinen eigenen nicht zeigen muss. Ein wenig ähnelt er tatsächlich Foghorn Leghorn aus den Warner-Brothers-Cartoons, wie er sich mit geschwellter Brust, buntem Tattooschmuck und absurdem Kinnbart seinen Weg zu seinem Widersacher bahnt.
Gyllenhaal hingegen sieht aus wie eine demolierte UFC-Actionfigur, die man ein paarmal zu oft gegen die Wand geworfen hat. Ganz dicht in der Birne sind jedenfalls beide nicht. Selbst wenn sich Billy Magnussen und Joaquim de Almeida zwischenzeitlich mit ihren Hawaiihemden und pfirsichfarbenen Maßanzügen aus Italien wie glitschige Aale dazwischenschieben, kann das Duell am Ende nur heißen: Godzilla vs. Kong.
Aus den psychologischen Unwuchten, die theoretisch in den Charakteren stecken, macht Doug Liman eine völlig überzuckerte Farce. Ein Rausch aus Adrenalin und Testosteron, dessen Moschusdünste den Zugang zu den inneren Dämonen der Prügler verwehren, trotz der in Träumen und seltenen Momenten der Selbstreflektion gezeigten, aber hoffnungslos verschütteten Traumata. Die Kamera schwingt mit jedem Faustschlag mit, als ginge es darum, den Tunnelblick zu bewahren. Als ginge es darum, bloß nicht das Momentum der Oberflächlichkeit zu verlieren. Es ist ein verdammter Samstagmorgencartoon.
Leerer könnte ein Beat-em-Up-Film kaum sein. Desillusionierender könnte er kaum sein, weil Gut und Böse hiernach kaum mehr eine Bedeutung haben. Dahingehend ist „Road House“ immerhin konsequent. Und irgendwie sogar ein würdiges Remake.

Hypnotic

So kanariengelb wie die Luft gefärbt ist, kann sie ja gar nicht echt sein. Ein Film wie ein Konstrukt, das aus Schichten von Scheinrealitäten besteht. Horizontal übereinandergestapelt wie halbtransparente Folien, bedruckt mit Fakten, die jedes Mal als unwahr entlarvt werden, wenn man eine weitere Lage abzieht. Als würde man sich mit 64 Scheiben amerikanischem Käse an den Küchentisch setzen, eine Scheibe nach der anderen futtern und dabei einen Berg leerer Folien anhäufen. Währenddessen arbeiten die Thriller-Mechanismen darauf hin, gegen Zeitdruck zu einer Wahrheit durchzustoßen, die, einmal bei der untersten Lage angekommen, viel zu dünn geraten ist, um überhaupt noch eine Bedeutung zu haben. Kein Wunder, dass sich Robert Rodriguez gerade in diesem Moment per Abspann elegant aus der Affäre zieht, just zu dem Zeitpunkt, an dem er eigentlich hätte liefern müssen.
Denn in seiner Konzeption, in seinem gesamten Aufbau versteht sich "Hypnotic" als anspruchsvolles XXL-Erwachsenenpuzzle, das mit seinen 64 Teilen gerne in der Nolan-Liga mitspielen würde. Deswegen auch William Fichtner in der Rolle des Architekten, der, würde er aus der Matrix stammen, sicher vom Hugo-Weaving-Virus befallen wäre. Gemeinsam mit einigen namhaften Gesichtern im Support Cast (Alice Braga, Jackie Earle Haley, Jeff Fahey...) und dem kernigen Affleck in der Hauptrolle ergibt sich da schon ein fesches Hypnoseduell mit reichlich Starpower, das immerhin nicht ganz so albern geraten ist wie in den Fortsetzungen zu Cronenbergs "Scanners", allerdings in kurzen Momenten dann doch deren Swing in den Knochen hat.
Gerahmt ist all das in artifizielle Hintergründe, die mit teuren, leblosen Kulissen dekoriert sind, welche sich schließlich so weit entblättern, dass man glauben könnte, ein Hinter-den-Kulissen-Video zu den Dreharbeiten von "Hypnotic" zu sehen anstatt "Hypnotic" selbst. Eine verkappte Hollywood-Parabel ist das also womöglich auch noch, die mit jedem ihrer kleinen Twists einen Hauch intelligenter werden möchte, letztlich aber kaum mehr als eine flotte Tour durch die Filmgeschichte zu bieten hat: Von "Terminator" zu "Inception", von "Botschafter der Angst" bis "Echoes". Nur Robert Rodriguez, dessen Handschrift liest man nun wirklich nicht heraus. Fast wie damals, als sich Affleck seinen Paycheck bei John Woo abholte.
Spätestens als sich "Hypnotic" mehr wie eine Comicverfilmung als wie ein Mindgame-Thriller anzufühlen beginnt, kann man seine Hoffnungen auf endlich mal wieder anspruchsvolles Mittelklasse-Kino begraben... und mit gelockerten Erwartungen vielleicht sogar ein wenig Spaß haben. Man sollte eben nur nicht hoffen, hinter der letzten Scheibe auf etwas Wahrhaftiges zu stoßen. Zurück bleibt lediglich ein großer Berg leerer Käsefolien.

Evil Does Not Exist

Ob man zuerst die natürlich fließenden Bewegungen des Wassers im Bach registriert oder die künstlich modellierten Formen des Geländewagens, der in der Nähe parkt, ob man sich eher in den hoch stehenden Wipfeln der Nadelbäume verliert oder im flachen Design des Laptops, auf dem Baupläne abgespeichert sind, ob der Weg mit dem Blattwerk eines Winterwaldbodens ausgelegt ist oder mit dem Asphalt einer Schnellstraße... die Linien sind stets kristallklar herausgearbeitet in Ryûsuke Hamaguchis meditativem Drama „Evil Does Not Exist“, das ein Modell der Koexistenz zwischen Tradition und Moderne auf die Probe stellt, ohne dazu auf die sonst üblichen Extreme von Gut und Böse zurückgreifen zu können.
Die winterliche Idylle, die in hochauflösenden, kontrastreichen Bildern mit einem magischen Realismus angereichert wird, repräsentiert dabei ein natürliches Gleichgewicht, das aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen Gefahr läuft, seinen Halt zu verlieren. Hamaguchi nimmt sich viel Zeit, mehr womöglich als es die Konventionen eines Spielfilms ihm eigentlich erlauben, den ursprünglich als Kurzfilm konzipierten Stoff zu einem 107-minütigen Monument mit viel Stillstand auszuweiten, der im Verborgenen allerdings auch viel in Bewegung versetzt. Er lässt den Betrachter die ungewohnte Ruhe der Bilder am eigenen Leib spüren, beinahe, als solle auch ihm als Konsumenten und Teilnehmer einer schnelllebigen Zivilisation eine Lektion in Sachen Geduld erteilt werden.
Mag die Redundanz des fünften gehackten Stücks Holz und des achten gefüllten Wasserkanisters innerhalb der laufenden Szene auch unnötig erscheinen, so gewinnt „Evil Does Not Exist“ erst durch diese Ritualisierung von Abläufen im Nachgang seine Intensität. Die wie eine La-Ola-Welle durch den Raum gleitende Dynamik des Diskussionsverlaufs im Bürgerhaus beispielsweise kann sich nur deswegen entwickeln, weil dieser einen Sequenz volle 15 Minuten Zeit zur Entfaltung gegeben werden; Zeit, die trotz der vermeintlichen Ereignislosigkeit genutzt wird, nicht nur im dramaturgischen Sinne, indem sich die vermeintliche Informationsveranstaltung für die Redner unerwartet in ein wahres Verhör verwandelt, sondern auch, weil hier etliche Metaphern und harte Fakten gestreut werden, die für die weiteren Ereignisse von Bedeutung sein werden.
Gerade weil Hamaguchi Dämonisierungen vermeidet und den erzählerischen Fokus gleichmäßig auf einen Repräsentanten des Dorfs und zwei Vertreter der Industrie verteilt, von denen insbesondere einer mit seiner Stellung hadert, könnte „Evil Does Not Exist“ abseits der schönen Bilder ein wenig trocken, ja im unangenehmen Ausmaß dokumentarisch wirken. So allerdings hallt das aufreibende Ende erst recht nach, weil es wie ein dumpfer Faustschlag aus dem Nichts zu kommen scheint. Die Wirkung ähnelt jener, die auch die Arbeiten von Lee Chang-dong („Burning“, „Peppermint Candy“) verströmen: Erst mit den letzten Bildern wird einem schockartig klar, was die ganze Zeit bereits sichtbar war.

Mr. Crocket

Haben Sie Ihre Kinder mal wieder so richtig satt?
Empfinden Sie Schuldgefühle deswegen?
***Party!!!***
Motto: Be Kind, Rewind, oder: Wie man in die Ära der Videokassette zurückspult.
Als das mit der Erziehung noch einfacher war.
Weil der Fernseher die Erziehung übernommen hat.
Einladung für zwei Personen (Mama/Papa), bevorzugt afroamerikanisch.
Bring Your Own Barbecue:
Bill Cosbys Pullover
Röhrenfernseher mit durchlässiger Mattscheibe für ektoplasmische Signalübertragung
Bart-Simpson-Poster
Seifenblasenpistole
Magic Marker
Wichtig: Denken Sie an Ihr Kind. Es dient gleichzeitig als Ihre Eintrittskarte.
Die Veranstaltung findet statt in der leeren Lagerhalle mit aussortierten Krümelmonstern an der Ecke Sesamstraße / Augsburger Puppenkiste.
Vorher treffen wir uns noch kurz zu einer Flasche Bier und einer Spritze Heroin in der lokalen Hood.
Beachten Sie bitte unser Smartphone-Verbot. Unerlaubte Aufnahmen werden zur Anzeige gebracht, es sei denn, sie wurden auf Videoband gedreht.
Leider musste Freddy Krueger kurzfristig absagen. Als Host an diesem Abend begleitet Sie stattdessen Mr. Crocket, der Sie mit seinen magischen Tricks in Windeseile um den Finger wickeln wird.
Mr. Crocket ist eher Erwachsenen- als Kinderschreck, das mag Sie im ersten Moment irritieren, doch seien Sie versichert, dass Sie sich an seine eigenwillige Art im Laufe des Abends gewöhnen werden.
Freuen Sie sich außerdem auf bizarre Tanzunterhaltung, inspiriert von den Teletubbies.
Romantisch wird es in den Abendstunden im fluoreszierenden Schein des Bildschirms.
Für Blut, Gekröse und praktische Effekte (in Maßen) ist gesorgt.
Für alles andere eher nicht. Sorgen Sie also bitte selbst vor mit Ausweichplänen für die Abendgestaltung.
Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir schamlos auf der Retro-Welle reiten, bis sie am Black-Social-Horror-Sandstrand zerschellt.
Beschwerden richten Sie bitte nicht an unsere ratlosen Drehbuchautoren, sondern ans Catering – denn mit leerem Magen arbeitet sich schwer.
Es besteht weder Anspruch auf ein schlüssiges Konzept, noch auf Spannung, Spaß oder Schokolade.
Fisch und Fleisch stehen nicht auf der Speisekarte. Stattdessen servieren wir verdrehte Moralkeule in einem Bett aus diffus angerührter Elternangst.
Wir garantieren Ihnen, dass unsere Servicekräfte immer freundlich lächeln werden.
Im Voraus entschuldigen wir uns für Fahrstuhlmusik und gediegene Oberflächlichkeit statt inhaltlicher Substanz. Diese ist leider unseren Vorbildern vorbehalten.
Falls der Abend erfolgreich verläuft, planen wir die Veranstaltung dennoch zu einem jährlichen Event auszubauen.
Spenden werden gerne entgegengenommen, damit wir Ihnen beim nächsten Mal bessere Örtlichkeiten bieten können.
Wir hoffen, Mr. Crocket gefällt Ihnen.
Ihm gefallen jedenfalls Ihre Kinder.
Orphans

Drehst du die Mutter von der Schraube, dann musst du damit rechnen, dass sich die Schraube löst. Als Konsequenz kann dir da auch schon mal die Abdeckung wegfliegen... oder in Extremfällen gleich das komplette Kirchendach.
„Orphans“ geniert sich nicht. Weder vor vulgärer Sprache (die „Cunts“ und „Fucks“ zu zählen, wäre wohl ein heiteres Trinkspiel wert), noch vor tiefschwarzem Humor oder Zynismus, erst recht nicht vor Peinlichkeiten, ja nicht einmal vor dem Einsatz absurder Übersteigerungen zwecks klimaktischer Steigerung, bis die Ereignisse mit einem bodenständigen Drama nicht mehr viel zu tun haben.
Geschrieben von Regisseur Peter Mullan im Gefühlschaos nach dem Tod seiner eigenen Mutter, verkörpern die vier Geschwister im Mittelpunkt der Handlung nicht etwa einen Teil seiner sieben eigenen Geschwister im wahren Leben, sondern eigener Aussage nach vielmehr Teile seiner eigenen Persönlichkeit. Ein Stück weit legitimiert das den streckenweise karikaturistischen Ton des Films und entbindet von der Pflicht des bodenständigen Erzählens. So können die Figuren immer einen Schritt weiter gehen als Figuren eines klassischen Alltagsdramas, um wildeste Pointen zu streuen und mit ihnen dennoch eine Geschichte voller Herz zu erzählen, die viel mit Unabhängigkeit und Selbstfindung zu tun hat.
Während Rosemarie Stevenson als behinderte Tochter eher im Hintergrund bleibt und dort vielleicht auch ein wenig den Prozess des emotionalen Verdrängens symbolisiert, wird der in drei sich kreuzenden Erzählsträngen voranschreitende Plot von der männlichen Energie der Hauptdarsteller Stephen McCole, Douglas Henshall und Gary Lewis bestimmt, wobei die nüchterne Korrektheit des Letzteren ein Gegengewicht zur heißblütigen Natur der anderen Beiden erzeugt. Das Ergebnis ist ungehemmte Selbsttherapie, die nicht nur innerhalb der familiären Grenzen ausgelebt wird, sondern vor der gesamten Gemeinde – beim Karaoke im Pub, auf dem örtlichen Funfair oder auf einem Streifen Wiese zwischen den stark befahrenen Spuren der Schnellstraße.
Auf 100 Minuten gestreckt sorgt dieses Bad in Selbstmitleid nicht nur für schrumplige Finger, sondern sägt auch an den Nerven des Zuschauers, die sich bald in die Position eines beliebigen Bürgers des Ortes versetzen können und der Familie Flynn, wo immer sich die Gelegenheit ergäbe, aus dem Weg gehen würden. Unser Mitgefühl ist den Flynns am Ende aber trotzdem sicher – nicht zuletzt aufgrund der sympathischen Schluffigkeit dieses authentisch schottischen Bürgerspiels.
The Last Kumite

Einem Prügelfilm verzeiht man so einiges an Unzulänglichkeiten. Tanzeinlagen in thailändischen Bars, Kitscheinlagen an Bruce Lees Grab, peinliche Gebärden im Ring ohnehin. "The Last Kumite" ist einer von diesen Kandidaten, denen man am liebsten bedingungslos Absolution erteilen möchte, noch bevor man auch nur eine Minute vom fertigen Film gesehen hat.
Ach, wären die Unzulänglichkeiten, insbesondere jene des Drehbuchs, doch bloß nicht so offensichtlich. Das macht sich vor allem an dem von Matthias Hues gespielten Antagonisten bemerkbar, der permanent seine selbst aufgestellten Regeln torpediert. Mal markiert er den harten Hund, als wäre er Shang Tsung höchstpersönlich (ohne Cary-Hiroyuki Tagawas einzigartigen Spezialeffekt natürlich, seine konkurrenzlos arroganten Gesichtsverrenkungen), dann lässt er sich hilflos von seinen Spielzeugsoldaten auf der Nase rumtanzen, so dass man fast schon wieder eher das Gefühl hat, man hat es da mit Papa Robert und den Geissens zu tun. Zuckerbrot und Peitsche, ohne jedes erkennbare Muster. Dadurch geht komplett der Flow verloren, den ein solcher Film eigentlich so dringend braucht.
Dass der Streifen dann doch irgendwie Spaß macht, liegt wohl daran, dass die einzelnen Versatzstücke schon ziemlich viel Laune machen. Sei es das herrlich auf 80er getrimmte Intro, seien es die doofen Visagen der Fighter (oder der schlecht kostümierten Komparsen im Fake-Publikum... oder des dubiosen Polizeichefs... oder oder), seien es nicht zuletzt die abwechslungsreichen Kampfeinlagen. Nur hätte man sich eine etwas elegantere Verknüpfung dieser Elemente gewünscht, inklusive Background der übrigen Kämpfer und vor allem einer zwingenderen Dramaturgie im Turnierbaum.
Das ist schon schade, denn wer so für seinen Stoff brennt, dem würde man doch auch unterstellen, dass gerade auch ins Drehbuch viel Herzblut investiert wird. Niemand erwartet bei so einem Film fette Production Values, auch erwartet keiner den Oscar für das beste Skript, sehr wohl aber kann man von einem solchen Prestigeprojekt erwarten, dass es weiß, wie es die primitiven emotionalen Trigger des Zielpublikums möglichst effektiv zu bedienen weiß, was Rache und Vergeltung, Aufstieg, Triumph und Überlegenheit betrifft. Bei der schlampigen Schreibe fällt es aber schwer, all das reuelos nachzuempfinden. Und das ist bei aller Unterhaltung, die "The Last Kumite" bietet, doch ein wenig schade.
The Most Dangerous Game

Ob Mahjongg oder Attentat mit Scharfschützengewehr, in Toru Murakawas „The Most Dangerous Game“ ist das Leben nichts als eine große Spielesammlung. Wie oft man gewinnt oder verliert, hängt entschieden vom Talent des Spielers ab... und davon, ob der Spieler das für ihn geeignete Spiel wählt.
Ein Mann, der nicht einmal die Sonnenbrille ablegt, wenn er durchs Zielfernrohr schaut, hat seine Wahl zweifellos getroffen. Man mag den von Yusaku Matsuda überaus charismatisch gespielten Antihelden Narumi überzeichnet finden, so wie er sich mit seiner braunen Lederjacke in den hässlichsten Situationen lässig in Szene setzt, aber hinter den Posen verbirgt sich eine reizvolle Ambivalenz, die das Unvereinbare eines Verlierer- und Gewinnertypen in sich vereint, ohne sich um die Konsequenz in Form einer wenig durchkomponierten, eher unrunden Ästhetik des Tötens zu scheren. Dieser Mut gehört zu den Stärken eines Skripts, das ansonsten eher in den Basics des 70er-Actionkrimis und Noirs um tragische Gestalten im Sumpf des Verbrechens verhaftet ist.
Gerade heute, da das Bild des Killers im Kino ein vorwiegend überstilisiertes ist, ganz egal, ob es sich um populäre Action-Franchises wie „John Wick“ oder anspruchsvolle Portraits wie David Finchers „The Killer“ handelt, spielt ein Narumi seine Dissonanzen wie Asse aus. Sympathien spielen dabei noch weniger eine Rolle als Idolisierung. Im Gegenteil soll man abgestoßen werden von seinem verwerflichen Verhalten und seinen perfiden Methoden, berufliche Ziele zu erreichen oder auch persönlichen Idealen zu entsprechen, die sich auch mal an dem Nacktmodell auf dem zentral platzierten Poster in der schmuddeligen Junggesellenwohnung festmachen lassen. Mit jeder Szene wird deutlicher, dass Murakawa das Portrait eines Mannes zeichnet, der in seinem moralisch verwerflichen Job so gut ist, weil er in anderen Bereichen seines Lebens versagt.
Optisch überzeugt „The Most Dangerous Game“ mit seinem offensichtlich kostengünstig gefilmten, dafür aber äußerst authentisch wirkenden Stadtportrait, das seine Skyline geradewegs für den Hauptdarsteller zu biegen scheint. Es wird wenig mit dem Auto gefahren und stattdessen viel über Straßen und Häuserdächer gerannt, was einerseits für ein recht hohes Tempo sorgt, andererseits aber in langen Einstellungen genug Übersicht bietet, um den fast egoperspektivischen Blickwinkel der Erzählung gelingen zu lassen. Und das Beste: Es ist nur der Auftakt einer ganzen Trilogie, dem es problemlos gelingt, Vorfreude auf die kommenden Teile zu entfachen.

The Killing Game

Unversehrt bleibt oft nicht nur der klassische Superheld im Gefecht. Auch wer Todeswünsche hegt, den straft der Sensenmann ironischerweise mit Ignoranz, und je achtloser man sich in die Kugeln wirft, desto mehr verbiegt sich ihre Flugbahn, um das Hindernis zu umgehen.
Nun war „The Most Dangerous Game“ noch nicht ganz der überzeichnete Comic im Sinne einer sich für den Protagonisten verbiegenden Realität, wie man ihn heute etwa von „John Wick“ spätestens in der vierten Ausgabe kennt, die in vielerlei Hinsicht einer „Matrix“ glich. Damals, in den 70ern, da war zwar alles noch rauer und echter, aber die Argwohn gegenüber dubiosen Kartellen, die am Rande der Grundordnung operierten, war bereits etabliert. In dem dreckig-düsteren Actionkrimi von Toru Murakawa war es lediglich die Hauptfigur, die aus einem Cartoon entsprungen schien. Matsuda konnte sich als ambivalenter Killer mit bildfüllender Präsenz ohnehin alles erlauben, so also auch, die vielen brenzligen Situationen zu überleben, die er selbst herbeiführte, bloß um in einem schnell abgekurbelten Sequel aufzutauchen, das einfach da weitermacht, wo der Vorgänger aufgehört hatte.
Narumis Unverletzbarkeit wird in „The Killing Game“ als eine Art Running Gag fortgesetzt, in einer Kaskade aus Fehlschüssen der Henchmen beziehungsweise Volltreffern des Killers, die sich fein säuberlich abwechseln. Dabei entstehen auch immer mal wieder aus der Bewegung heraus aufwändige Plansequenzen, in denen durch Türen hindurch nach dem Prinzip „Schiffe versenken“ die Position des Gegners ausgelotet wird. Der Ton wird dadurch comichafter, heller, heiterer, während Narumi, der sich im ersten Teil immerhin als misogynes Arschloch entpuppte, langsam doch etwas Kultiges zu umwehen beginnt, sicher auch der unwiderstehlichen Lässigkeit seines Darstellers zum Dank.
Dennoch klammert sich das Skript an altmodische Schemata der Killerfilm-Subkategorie. Man nehme nur die beiden neuen Frauen im Leben des Taugenichts: Eine Femme Fatale und eine Blüte der Unschuld, ganz wie im ursprünglichen Hardboiled-Noir, damals beim Attentat verschont und nach einem Zeitsprung wieder ins Leben des Killers getreten – ein Erzählmuster, das ebenfalls gerade erst bei „John Wick 4“ wieder zu sehen war, ganz zu schweigen von Daniel Craigs 007-Abschied „Keine Zeit zu sterben“. Und mit dem Traditionsbewusstsein kommt die Mäßigung, denn in Sachen Sex, Sleaze und Kaltschnäuzigkeit wird ein paar Nummern heruntergefahren.
„The Killing Game“ wirkt dadurch bisweilen ähnlich unentschlossen wie die Hauptfigur. Es wird nicht mehr der ganz heftige Punch ausgeteilt, mit dem ein tiefschwarzer City Noir den Zuschauer in die Seile jagen würde, und man fühlt sich nicht ganz so dreckig, wenn die Nummer durch ist. Eine gewisse Entschlossenheit ist aber doch zu spüren. Denn es ist längst offensichtlich, wo der Fixpunkt der sich anbahnende Trilogie zu finden ist: In der Aura von Yusaku Matsuda.
The Execution Game

Ein letzter Tango noch, denn aller guten Dinge sind drei. Getanzt wird im Abschluss der Game-Trilogie zu etlichen Varianten des memorablen Jazz-Themas von Yuji Ohno, das in keinem der beiden Vorgänger dermaßen prägnant war. Die neue Dominanz des Scores ist auch ein Zeichen der fortschreitenden Stilisierung der Hauptfigur. Narumi Shohei, Attentäter, in die Welt geboren wie Schimmel hinter den Schränken eines abgehalfterten Apartments, inzwischen aufgestiegen zu einer Art Posterboy der Unterwelt, dessen Ruf sich längst bei allen wichtigen Auftraggebern herumgesprochen hat.
Dass „The Execution Game“ beginnt wie ein Amnesie-Thriller, bei dem sich die Bruchstücke der Erinnerung erst nach und nach durch Rückblenden zusammensetzen, passt in dieses Bild, denn offenbar werden die bis hierhin aufgebauten Trademarks der Reihe nun zu einer Yûsaku-Matsuda-Bronzestatue verarbeitet, Sonnenbrille und Lederjacke inklusive. Was bis dahin rau wirkte, bekommt nun einen gewissen Feinschliff. Auf Shaky Cam, unangenehme Close Ups und reichlich Dreck auf der Linse möchte Tôru Murakawa zwar weiterhin nicht verzichten, hinter der Low-Budget-Fassade breiten sich aber längst Spuren sorgfältiger Handwerkskunst aus. Seien es die Shootout-Plansequenzen, die diejenigen aus dem direkten Vorgänger in Sachen Choreografie noch einmal toppen möchten, seien es die dynamischen Kontraste aus Farbe und Lichtsetzung, mit denen selbst das Gespräch in einem Club oder einem Büro einen gewissen Nägelkaufaktor hat, sei es nicht zuletzt die Mythologisierung des Killers, die stark von dem Dschungel des moralischen Verfalls geprägt ist, durch den er sich schlägt, und vielleicht noch stärker von seinem ambivalenten Verhältnis zum weiblichen Geschlecht.
Mit diesem Ansatz gelingt somit womöglich sogar der beste Teil der Trilogie... auch wenn man sie wohl, ähnlich wie vergleichbare Mehrteiler der Marke „Lone Wolf & Cub“, am besten einfach als monumentales Gesamtwerk begreift.

Rookie - Der Anfänger

Kaum zu glauben im Grunde, dass Clint Eastwood auch heute noch vor und hinter der Kamera aktiv ist, wenn man sich mal vor Augen führt, dass er schon 1990 der alte Knochen am Ende der Nahrungskette war, der alles Grüne mit Argwohn bemusterte. Und viel grüner als mit Charlie Sheen, der sich auf dem Schlachtfeld von „Platoon“ oder an der Seite von Michael Douglas in „Wall Street“ wie ein kleiner Junge vorgekommen sein muss, konnte es gar nicht mehr werden.
Eastwood und Sheen müssen damals jedenfalls auf dem Papier der Studiobosse das „Perfect Match“ für die florierende Buddy-Formel gewesen sein. Dabei war die zu jenem Zeitpunkt in Wirklichkeit schon wieder am Ende ihrer kurzen Blüte angekommen. „Rookie – Der Anfänger“ verhält sich zu den wilden Paarungen der Marke Murphy/Nolte oder Gibson/Glover fast schon wie eine biedere Karikatur aus der Feder eines konservativen Comiczeichners. Man hebt jedenfalls einige Male verwundert die Augenbraue, wenn Eastwood zum Beispiel nach einer Kollision mit rauchendem Haar aus seinem demolierten Auto steigt und nach Feuer für seine Zigarette fragt, bevor er umkippt wie ein Besenstiel, oder wenn er mit Sheen auf dem Beifahrersitz lockere Bonmots austauscht, während er mit dem Auto aus einer höheren Etage eines mehrstöckigen Hauses durch eine Glasscheibe bricht und so dem Feuerball einer sich ausbreitenden Explosion entkommt. Man vergisst zwar oft, dass Eastwoood selbst bis zum heutigen Tage immer mal wieder Entgleisungen von den eher grimmigen Grundtönen seiner Filme zulässt, aber das hat mitunter schon etwas von einem Bugs-Bunny-Cartoon.
Ansonsten geht „Rookie – Der Anfänger“ beim Abhaken der Standards jedoch so vorschriftsmäßig mit Scheuklappen vor, dass man nicht nur jeden Schritt des Drehbuchs vorhersieht, sondern am Ende tatsächlich wieder der Kreis zum Anfang geschlossen wird, indem die Bürosequenz als Pointe einfach noch einmal variiert wird. Würde jemand auf die Idee kommen, heute, 34 Jahre später, eine Fortsetzung zu drehen, wären die Machtverhältnisse vermutlich immer noch dieselben: Eastwood die knorrige Eiche, inzwischen festgewachsen am Schreibtisch, Sheen die wilde Sau, die sich an ihr reibt.
Road House

...und wenn sich die Gäste in verdammte Vampire verwandeln, die Band spielt weiter. Selbst wenn die Titanic schon wieder sinkt. Die Band. Spielt. Weiter.
Fresse polieren ist die neue Normalität. Dafür steht ein routinierter Rausschmeißer nicht einmal mehr auf. Messer im Bauch? Kein Grund, das Gesicht zu verziehen. Erstmal schauen, ob der Kerl sein Messer überhaupt zurückhaben will.
Von einem handelsüblichen Remake unterscheidet sich „Road House“ dadurch, dass er es längst nicht mehr nötig hat, das Original zu dekonstruieren. Er dekonstruiert die Coolness an sich. Um Sam Elliott wird sich ebenso wenig geschert wie um Jeff Healey. Nicht einmal Patrick Swayze ist heilig. Alles bedeutungsloser Ballast, der abgerissen gehört wie marodes Bauwerk. Stehen bleibt nur das Road House, das nicht einmal mehr den Anstand hat, Double Deuce zu heißen. Es ist einfach nur noch das Road House. Mit Anbindung zum Krankenhaus, 25 Kilometer weiter den Highway hinauf.
Conor McGregor kommt eine gefühlte Stunde zu spät zu seinem eigenen Filmdebüt, stolziert dann aber wie ein Hahn mit blankem Arsch über die Florida Keys, auf dass Jake Gyllenhaal seinen eigenen nicht zeigen muss. Ein wenig ähnelt er tatsächlich Foghorn Leghorn aus den Warner-Brothers-Cartoons, wie er sich mit geschwellter Brust, buntem Tattooschmuck und absurdem Kinnbart seinen Weg zu seinem Widersacher bahnt.
Gyllenhaal hingegen sieht aus wie eine demolierte UFC-Actionfigur, die man ein paarmal zu oft gegen die Wand geworfen hat. Ganz dicht in der Birne sind jedenfalls beide nicht. Selbst wenn sich Billy Magnussen und Joaquim de Almeida zwischenzeitlich mit ihren Hawaiihemden und pfirsichfarbenen Maßanzügen aus Italien wie glitschige Aale dazwischenschieben, kann das Duell am Ende nur heißen: Godzilla vs. Kong.
Aus den psychologischen Unwuchten, die theoretisch in den Charakteren stecken, macht Doug Liman eine völlig überzuckerte Farce. Ein Rausch aus Adrenalin und Testosteron, dessen Moschusdünste den Zugang zu den inneren Dämonen der Prügler verwehren, trotz der in Träumen und seltenen Momenten der Selbstreflektion gezeigten, aber hoffnungslos verschütteten Traumata. Die Kamera schwingt mit jedem Faustschlag mit, als ginge es darum, den Tunnelblick zu bewahren. Als ginge es darum, bloß nicht das Momentum der Oberflächlichkeit zu verlieren. Es ist ein verdammter Samstagmorgencartoon.
Leerer könnte ein Beat-em-Up-Film kaum sein. Desillusionierender könnte er kaum sein, weil Gut und Böse hiernach kaum mehr eine Bedeutung haben. Dahingehend ist „Road House“ immerhin konsequent. Und irgendwie sogar ein würdiges Remake.
Hypnotic

So kanariengelb wie die Luft gefärbt ist, kann sie ja gar nicht echt sein. Ein Film wie ein Konstrukt, das aus Schichten von Scheinrealitäten besteht. Horizontal übereinandergestapelt wie halbtransparente Folien, bedruckt mit Fakten, die jedes Mal als unwahr entlarvt werden, wenn man eine weitere Lage abzieht. Als würde man sich mit 64 Scheiben amerikanischem Käse an den Küchentisch setzen, eine Scheibe nach der anderen futtern und dabei einen Berg leerer Folien anhäufen. Währenddessen arbeiten die Thriller-Mechanismen darauf hin, gegen Zeitdruck zu einer Wahrheit durchzustoßen, die, einmal bei der untersten Lage angekommen, viel zu dünn geraten ist, um überhaupt noch eine Bedeutung zu haben. Kein Wunder, dass sich Robert Rodriguez gerade in diesem Moment per Abspann elegant aus der Affäre zieht, just zu dem Zeitpunkt, an dem er eigentlich hätte liefern müssen.
Denn in seiner Konzeption, in seinem gesamten Aufbau versteht sich "Hypnotic" als anspruchsvolles XXL-Erwachsenenpuzzle, das mit seinen 64 Teilen gerne in der Nolan-Liga mitspielen würde. Deswegen auch William Fichtner in der Rolle des Architekten, der, würde er aus der Matrix stammen, sicher vom Hugo-Weaving-Virus befallen wäre. Gemeinsam mit einigen namhaften Gesichtern im Support Cast (Alice Braga, Jackie Earle Haley, Jeff Fahey...) und dem kernigen Affleck in der Hauptrolle ergibt sich da schon ein fesches Hypnoseduell mit reichlich Starpower, das immerhin nicht ganz so albern geraten ist wie in den Fortsetzungen zu Cronenbergs "Scanners", allerdings in kurzen Momenten dann doch deren Swing in den Knochen hat.
Gerahmt ist all das in artifizielle Hintergründe, die mit teuren, leblosen Kulissen dekoriert sind, welche sich schließlich so weit entblättern, dass man glauben könnte, ein Hinter-den-Kulissen-Video zu den Dreharbeiten von "Hypnotic" zu sehen anstatt "Hypnotic" selbst. Eine verkappte Hollywood-Parabel ist das also womöglich auch noch, die mit jedem ihrer kleinen Twists einen Hauch intelligenter werden möchte, letztlich aber kaum mehr als eine flotte Tour durch die Filmgeschichte zu bieten hat: Von "Terminator" zu "Inception", von "Botschafter der Angst" bis "Echoes". Nur Robert Rodriguez, dessen Handschrift liest man nun wirklich nicht heraus. Fast wie damals, als sich Affleck seinen Paycheck bei John Woo abholte.
Spätestens als sich "Hypnotic" mehr wie eine Comicverfilmung als wie ein Mindgame-Thriller anzufühlen beginnt, kann man seine Hoffnungen auf endlich mal wieder anspruchsvolles Mittelklasse-Kino begraben... und mit gelockerten Erwartungen vielleicht sogar ein wenig Spaß haben. Man sollte eben nur nicht hoffen, hinter der letzten Scheibe auf etwas Wahrhaftiges zu stoßen. Zurück bleibt lediglich ein großer Berg leerer Käsefolien.
Re: Filmtagebuch: Vince
Resümee 2024:
The Zone of Interest (8.5/10)
Familienidylle als Fassade für den nackten Horror. Bescheidenheit und Ordnung überdeckt Chaos. Lediglich gedämpfte Schreie am Horizont schaffen es durch den Filter... kaum ein Film spielte dieses Jahr gekonnter auf der Klaviatur des Grauens, und wohl keiner nutzte eine der größten Mächte des Kinos mit mehr Effizienz: Die Implikation des nicht Gezeigten.
Civil War (8.5/10)
Love it or Hate it. Der Tunnelblick, mit dem Alex Garland seine Nahzukunfts-Dystopie aufzieht, kann in Rage versetzen oder in den Bann ziehen. Ich habe in Sachen World Building nicht das Geringste vermisst; die Episoden am Wegesrand vermitteln genug von der Welt, während die klare Linie des Drehbuchs ein Momentum aufbaut wie beim Absprung von einer Sprungschanze. Unangenehm nah an kriegsdokumentarischer Realität ist der Beginn, merkwürdig surreal das Ende der Reise. Eine meisterhafte Simulation der subjektiven Perspektive im Angesicht eines Ausnahmezustands.
Mars Express (8/10)
Geht niemals den Weg des geringsten Widerstands und blendet nie mit oberflächlichen Schauwerten, sondern setzt immer seine vielschichtige Story in den Vordergrund. Tugenden, die 2024 nicht mehr allzu gefragt sind, gerade deswegen aber nicht hoch genug eingeschätzt werden können.
Dune - Part Two (8/10)
Denis Villeneuve ist längst genug Meister seines Fachs, um die Sequel-Stolperfallen zu umgehen, in die seine Kollegen sehenden Auges Jahr für Jahr reihenweise stolpern. Und doch bleibt der erste „Dune“ mit seinen zahllosen Innovationen das eigentliche Meisterstück Villeneuves; so wie es beim Schach auch die Erfindung des Spiels ist und nicht etwa die anschließende Partie, in der das gesamte Potenzial gespeichert ist.
MaXXXine (8/10)
Der glorreiche Abschluss von Wests X-Trilogie, zum Bersten gefüllt mit ikonischen LA-Impressionen und etlichen Verweisen auf das Noir- und Thrillerkino, auf Sleaze und Hochglanz, Kunst und Kunstfertigkeit
Kinds of Kindness (8/10)
Sperrig und unterkühlt, dafür aber formalästhetisch mit einer aromatischen Zwiebelnote, schauspielerisch hochklassig und inhaltlich aus zahllosen hauchdünnen Schichten bestehend, durch die man sich mühsam durchkauen muss. Derart widerspenstig mag ich meinen Lanthimos noch am liebsten.
Challengers - Rivalen (8/10)
Kein Film über den Tennissport, sondern eine hemmungslose, fast schon unangenehm intime Verschmelzung aus Begierden, Leidenschaften und innerem Antrieb, eingefasst in konservierte Abschnitte der Zeit, kanalisiert in einem Sog, der von Minute zu Minute stärker wird.
The Holdovers (7.5/10)
Nicht nur der wohl beste Weihnachtsfilm der Saison, sondern überhaupt ein Kandidat für die oberen Ränge des gesamten Filmjahrs... zumindest bis aus der wunderbar selbsttherapeutischen Zusammenkunft einer kleinen Gruppe unterschiedlichster Menschen in einer verlassenen Fakultätsanlage ein Road Movie wird. In den letzten Akten versucht Alexander Payne unnötig seinen Plot voranzutreiben und versinkt in Klischees um Nächstenliebe und Selbstaufopferung. Dieser Makel kann die Wärme der ersten beiden Filmdrittel aber nicht vollständig verdrängen.
The Substance (7.5/10)
Exzessiv, plakativ, radikal - Coraline Fargeat überrascht weniger inhaltlich (insbesondere nicht, wenn man ihren Kurzfilm "Reality+" schon kennt) als vielmehr in Sachen Intensität. Manchmal muss Kino einfach auch mal kotzen, um sich selbst zu reinigen.
Furiosa: A Mad Max Saga (7.5/10)
In der richtigen zeitlichen Reihenfolge genossen, liefert Miller hiermit die Sprungschanze für ein im wahrsten Sinne des Wortes episches Double Feature.
Planet der Affen: New Kingdom (7.5/0)
Vielleicht fehlt die letzte schreiberische Finesse, um aus „Planet der Affen: New Kingdom“ ein weiteres, ein viertes Meisterstück in Serie zu machen. Ein Vollblutabenteuer ist der mit Skepsis erwartete vierte Teil der Saga in jedem Fall geworden. Und streckenweise sogar weit mehr als das.
Late Night with the Devil (7/10)
Eine effektive Abhandlung über die Medialität und die Formung von Realität in einem wunderbar heimeligen Late-Night-Rahmen, der keineswegs nur fürs Kino, sondern gerade auch für die Couch gemacht ist. Aber bei Harald Schmidt wäre das alles nicht passiert.
Beetlejuice Beetlejuice (7/10)
Im Grunde hatte mich diese Fortsetzung bereits mit den Title Credits in leuchtenden Buchstaben mit "Frighteners"- bzw. "Ghostbusters"-Font und der Kamerafahrt durch die Miniaturkleinstadt. Was Tim Burton angeht, ist meine Kinoseele längst entzwei gerissen; hier aber reißt er mich noch einmal auf seine Seite, überrascht Szene für Szene mit neuen Absonderlichkeiten und verschafft mir das wohlige Gefühl, dass alles wieder so ist wie es mal war... so wie es unzählige Fortsetzungen alter Hits der 80er zuletzt versuchten und selten schafften. Die episodische Struktur mag "Beetlejuice Beetlejuice" dramaturgisch scheitern lassen, aber viel wichtiger ist, dass ich hier endlich wieder das Gefühl hatte, einen echten Tim-Burton-Film zu sehen.
Der Junge und der Reiher (7/10)
Animationsfilmlegende Hayao Miyazaki liefert am mutmaßlichen Ende seiner aktiven Karriere als Regisseur beileibe nicht seinen besten, wohl aber einen seiner reflektiertesten Filme, der sich wie eine Werkschau über sein bisheriges Schaffen niederlegt. Inhaltlich nicht immer wasserdicht, handwerklich aber fast so magisch wie zu besten Zeiten.
Dream Scenario (7/10)
Berührt das Herz vielleicht nur flüchtig, spricht aber dafür diese eine verborgene Stelle tief unter dem Frontallappen an, von der man gar nicht wusste, dass man sie hat. Wie dem Zuschauer hier die eigene Psychologie nach außen gezogen wird, das hat schon viel von einer Charlie-Kaufman-Behandlung.
Evil Does Not Exist (7/10)
Gerade weil Dämonisierungen vermieden werden, könnte „Evil Does Not Exist“ abseits der schönen Bilder ein wenig trocken, ja im unangenehmen Ausmaß dokumentarisch wirken. So allerdings hallt das aufreibende Ende erst recht nach, weil es wie ein dumpfer Faustschlag aus dem Nichts zu kommen scheint. Die Wirkung ähnelt jener, die auch die Arbeiten von Lee Chang-dong („Burning“, „Peppermint Candy“) verströmen: Erst mit den letzten Bildern wird einem schockartig klar, was die ganze Zeit bereits sichtbar war.
Poor Things (7/10)
Märchen auf links gedreht; für Feuilleton und Publikum ein magischer Zaubertrick, im Portfolio des griechischen Regisseurs aber doch eher ein Hütchenspiel für zwischendurch, wenn auch eins mit phänomenaler Ausstattung.
Terrifier 3 (7/10)
Mit „Terrifier 2“ wurde Art zum Star, mit „Terrifier 3“ wird ihm nun die Bühne für die große Weihnachtsshow gegeben, während Millionen zuschauen. Die Chance hat er genutzt. Das Mikrofon bleibt zwar wie gewohnt aus, dafür spielt er auf Axt, Kettensäge, Flüssigstickstoffkanone, Zeitbomben und ähnlichen Instrumenten die besten Weihnachtssongs der Saison nach. Für ein großes Publikum bietet der dritte Teil vielleicht sogar die beste Gesamtmischung der bisherigen Reihe, auch wenn "Terrifier 2" unübertroffen bleibt.
The First Omen (7/10)
Wie David Sandberg vor ein paar Jahren mit "Annabelle 2" bekommt Nachwuchsregisseurin Arkasha Stevenson ein Projekt zugewiesen, von dem niemand so genau weiß, warum es überhaupt produziert wurde... um dann Saft rauszupressen, von dem man gar nicht wusste, dass er da ist.
Inside Out 2 (7/10)
Flutscht dank der schönen Coming-of-Age-Geschichte samt zugehörigem Gefühlschaos noch etwas besser als der manchmal etwas sperrige Erstling.
Land of Bad (6.5/10)
"Wir merken gar nicht, wie wir uns in die Scheiße reiten, bis wir plötzlich mittendrin sind und alles zu spät ist" als High-Concept-Format, das funktioniert ganz wie bei den indonesischen Actionscharmützeln, die seit "The Raid" die Schule machen. Und möchte man Crowe nicht bei seiner Ansprache im Aufenthaltsraum einfach nur applaudieren?
Road House (6/10)
Von einem handelsüblichen Remake unterscheidet sich „Road House“ dadurch, dass er es längst nicht mehr nötig hat, das Original zu dekonstruieren. Er dekonstruiert die Coolness an sich.
Bad Boys - Ride or Die (6/10)
Im zweiten Comeback-Anlauf machen sich Adil El Arbi und Bilall Fallah endlich nichts mehr vor und liefern fast schon so etwas wie eine Parodie auf den Regiestil Michael Bays, die in Idee und Ausführung schreiend komisch geraten ist - wenn man mit dem richtigen Mindset an die Sache herangeht. Der stilistische Maßstäbe setzende erste und der Action-Maßstäbe setzende zweite Teil bleiben natürlich unangetastet, dafür ist "Ride or Die" auch einfach zu klein skaliert. Der blasse dritte Teil wird aber klar in den Schatten gestellt.
Monkey Man (6/10)
Archaisch und roh, exotisch und konsequent prügelt Dev Patel sein Wunschprojekt ins Bewusstsein eines größeren Publikums, das eigentlich andere Actionhelden in anderen Settings gewohnt ist... und trotzt ihnen dank seiner Beharrlichkeit Respekt ab.
Rebel Ridge (6/10)
Die meditative Ruhe, die Aaron Pierre seinen Peinigern in diesem Thriller entgegenbringt, ist politisches Statement und Fundament für grundlegende Genre-Mechanismen zugleich; sie steigern die subversive Wirkung von "Rebel Ridge" auf das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers ins Unermessliche. Schade, dass dem Drehbuch auf lange Sicht die Puste ausgeht.
Hope and Glory - A Mad Max Fan Film (6/10)
Simpel, effektiv und auf den Punkt... ein Trostpflaster für alle, denen "Furiosa" too much war, und der Beweis, dass die Franchise nicht zwingend hohe Budgets braucht, um zu funktionieren.
Damsel (6/10)
Es ist der herrlich fiese Drachen, der den Film rettet, indem er ihm zu einer unerwartet bedrohlichen Grundstimmung verhilft. Was seinen feministischen Subtext angeht, ist „Damsel“ ein austauschbares Produkt seiner Zeit, plump zusammengestellt aus Zutaten, die es inzwischen zuhauf gibt. Als Fabelhorror-Variante des eher am Action-Genre orientierten „The Princess“, der mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, macht das Frollein dann aber zum Glück doch noch aus der Not eine Tugend, so dass es wenigstens zu einem fetzigen Märchenfilm der modernen Spielart reicht.
Ghostbusters: Frozen Empire (6/10)
Das Drehbuch platzt inzwischen vor Figuren und die Regie weiß nicht, wohin mit ihnen. Dennoch: „Ghostbusters: Frozen Empire“ zeigt neben all seinen unverkennbaren Schwächen nicht nur ein besseres Händchen für den Umgang mit den alten Helden als „Legacy“, sondern beweist auch reifere Ansätze, um die initialen Stärken des Neustarts noch besser hervorzuheben.
Carry-On (6/10)
Eine erstaunlich solide Netflix-Premiere für den schnellen Kick mit konstruiertem Plot, aber reichlich 90s-Flair. Das Setting ist aber zu nah an einem gewissen Klassiker des Genres dran, so dass man bei jeder sich bietenden Gelegenheit daran erinnert wird, dass es Vergleichbares nicht nur in solide, sondern auch in richtig gut gibt.
Orion und das Dunkel (6/10)
Schwarz steht dem Computeranimationsfilm durchaus gut. Sollte er öfter mal tragen.
Kung Fu Panda 4 (6/10)
Obgleich die schwächste Fortsetzung bisher, bleibt "Kung Fu Panda" auch mit seinem vierten Teil eine der stabilsten Animationsreihen im Betsand von Dreamworks.
The 4:30 Movie (6/10)
Kevin Smith flunkert diesen semidokumentarischen Rückblick auf seine Jugend eher dahin als dass er ihn authentisch nacherzählt, aber das ist ja auch genau der Punkt, wenn man in die Jugendjahre eines Filmnerds zurückblickt. Herz hat das Ding trotzdem, mehr als seine vielen Hit-Fortsetzungen der letzten Jahre allemal.
A Quiet Place - Day One (6/10)
Das Prequel besticht mit starken Schauspielleistungen und einer originellen Erzählperspektive, die effektiv zwischen einer Todkranken, einem Ausländer und einer Katze pendelt. Da verzeiht man - wie bei den Vorgängern - auch den nicht immer geglückten Balanceakt, das Spiel mit Geräuschen in Einklang mit der Logik zu bringen. Suboptimal allerdings, dass sich "Day One" als teures Apokalypse-Spektakel verkauft. Spätestens die letzte Pointe macht aber deutlich: Das ist kein vollwertiger Kinofilm mehr, sondern eher ein Spin-Off der Marke "aus dem Universum von".
Knock Knock Knock (6/10)
Ein thematisch klassischer Bedtime-Story-Horrorfilm mit zwei grundverschiedenen Hälften, die beide ihre ganz eigenen Schwächen, aber zweifellos auch ihre eigenen Stärken haben, was den Horror- und Familiendramateil angeht.
Immaculate (6/10)
Dank der starken Kamera und Kulissen noch sehenswert, aber das schwache Skript verwehrt höhere Weihen.
Im Wasser der Seine (6/10)
Die Autoren müssen sich schon gewaltig strecken, um die fragwürdige Prämisse zu rechtfertigen. Außerdem stehlen sie bei dem einen großen Klassiker des Haifilms wie die Raben (und ehrlich gesagt kann man sie nicht mehr sehen, die ignoranten Politiker, die alle Ratschläge der Experten in den Wind schießen). Kaum ein Haifilm hat es aber je näher an die immer noch so faszinierende wie unterhaltsame Mischung aus Öko-Horror, Hi-Tech-Thriller und B-Action aus Renny Harlins "Deep Blue Sea" geschafft. Das ist dann doch ein paar Punkte wert.
Saints and Sinners (6/10)
Zum Glück kein weiterer Fließbandactioner, wie Neeson sie zuletzt alle Nase lang ablieferte, sondern ein stilles Unterweltdrama, das sich so ein bisschen anfühlt wie eine pulpige Kleinformatmischung aus Colin-Farrell-dreht-in-Irland-Filmen und Killer-mit-seltsamen-Marotten-Filmen.
Becky 2 - She's back (5.5/10)
Die Gene einmal aktiviert, metzelt's sich ganz ungeniert. Das Becky-Sequel hat nicht genug auf dem Kasten, um den ersten Teil zu toppen, kann aber befreit von sämtlichen Regeln so ziemlich alles tun, wonach ihm gerade der Sinn steht.
Alien: Romulus (5/10)
„Alien: Romulus“ ist letztlich ein Film, den James Cameron schon 1986 hätte drehen können, wenn ihm nichts besseres eingefallen wäre. Stattdessen drehte er "Aliens" und ebnete den Weg für eine Autorenreihe, zu der Fede Alvarez nur technisch seinen Beitrag leisten kann.
Arcadian (5/10)
Nicolas Cage zum Nichtstun verdammt, muss das Brüderduo Jaeden Martell / Maxwell Jenkins ein postapokalyptisches Drama auf seinen schmächtigen Schultern tragen, das eine Spur zu schwer für sie ist. Das Creature Design sorgt immerhin für Alleinstellungsmerkmale mit perfiden Anleihen aus der Natur (diese ausfahrbare Kralle! Diese Klapper!), auch wenn die Gesamterscheinung der Gestalten nie ganz homogen wirkt. Ansonsten ein typisch stilles Indie-SciFi-Drama der Marke "The Road" oder "Maggie", das Szene für Szene seinen Platz in der Filmwelt zu behaupten versucht.
Project Silence (5/10)
Dogs on a Bridge. Die Prämisse sorgt im Alleingang für die gehobene Braue der Aufmerksamkeit, die Umsetzung orientiert sich aber leider allzu deutlich an gängigen Hollywood-Klischees und verpasst es, das ein oder andere koreanische Überraschungsmoment zu installieren. Die Hunde sind derweil gut getrickst, aber ein Tier, das dem Menschen so nah ist wie der Hund, ist aus dem Rechner so schnell entlarvt, dass jeglicher Thrill im Eifer des Gefechts einfach verpufft.
The Killer (5/10)
So ganz ist die kleine Flamme in John Woo noch nicht erloschen, wenn man das hohe Tempo und die teils immer noch mitreißenden Stunts und Ballereien betrachtet. Leider ist die Inszenierung inzwischen derart steril, dass man das Remake seines eigenen Actionklassikers von 1989 guten Gewissens als Sakrileg bezeichnen darf... wo man doch gerade schon einmal in der verlassenen Kirche ist.
Deadpool & Wolverine (5/10)
Mitleid, Fremdscham, Euphorie und Überdruss sind ganz nah beieinander in dieser Implosion nicht nur einer Comicfigur oder ihres Universums, sondern eines ganzen Studios. Eine beispiellose Selbstdemontage, die ganz freiwillig herbeigeführt wurde, und im Grunde kann man nur noch irre kichern. Wer hätte zu Beginn des Jahrtausends bei Erscheinen von "X-Men" gedacht, dass es je soweit kommen könnte?
Boy Kills World (5/10)
Eine Tarzan-Legende in neumodischer Verpackung, deren Produktionsdesign in dem Nebeneinander aus Dschungel und Hi-Techgerade am Anfang einige Highlights kredenzt. Die originelle Grundidee um den taubstummen Helden mit der Videospielautomatenstimme nutzt sich aber schnell ab, so dass der Nerv-Faktor mit jeder Minute steigt. Wahrscheinlich muss man genau die richtige Stimmung abpassen, um hier voll im grünen Bereich zu landen.
IF (5/10)
"IF" überzeugt mit schrulligen Figuren, einigen stimmungsvollen Bildern und mindestens einer herausragenden Plansequenz, bleibt aber in seiner Aussage eindimensional und inhaltlich vorhersehbar. Darüber hinaus scheint das Konzept viel zu schmal geschneidert, um wirklich alle Arten von Menschen unter einen Hut zu bringen, so dass ein doch recht eindimensionales Bild der kindlichen Muster entsteht, von denen das Verhalten Erwachsener immer noch geprägt wird.
Abigail (5/10)
Durchaus unterhaltsamer Action-Horror-Mix, der allerdings gewaltige Probleme mit der Sympathieverteilung seiner Figuren hat und sich dadurch zunehmend zu fragwürdigen Plottwists genötigt fühlt.
Codename 13 (5/10)
Gemetzelt wird so radikal, dass sich die Choreografien ganz und gar aus der Härte ergeben. Als Betrachter erfriert man aber irgendwann in der Pose der Anerkennung und lässt den Blutzoll emotions- und ausdruckslos auf sich herabregnen.
The Beekeeper (5/10)
Statham prügelt sich barer Fäuste durch ein politisches Hi-Tech-Wabensystem und liefert höchstpersönlich vorab immer die Audiodeskription dessen, was er in der nächsten Minute dann möglichst konsequent in die Tat umsetzen wird... so unkompliziert, doof und unterhaltsam war nicht mal das diesjährige Kumite-Turnier.
The Last Kumite (5/10)
Niemand erwartet bei so einem Film fette Production Values, auch erwartet keiner den Oscar für das beste Skript, sehr wohl aber kann man von einem solchen Prestigeprojekt erwarten, dass es weiß, wie es die primitiven emotionalen Trigger des Zielpublikums möglichst effektiv zu bedienen weiß, was Rache und Vergeltung, Aufstieg, Triumph und Überlegenheit betrifft. Bei der schlampigen Schreibe fällt es aber schwer, all das reuelos nachzuempfinden.
Sting (5/10)
Das Setting erinnert ein wenig an den letzten "Evil Dead"-Ableger, die B-Movie-Ambitionen mitsamt all der Comic Reliefs an den Anspruch von "Arac Attack", aber für einen Horrorfilm über eine immer größer werdende Spinne in einem Wohnkomplex fehlt es einfach an Thrill, Ekelfaktor und originellen Überraschungsmomenten.
Spaceman: Eine kurze Geschichte der Böhmischen Raumfahrt (5/10)
In seinen besten Momenten wie ein Kammer-Monolog aus den Philosophiewelten der osteuropäischen Literatur, scheitert diese Romanadaption am Ende doch an den Barrieren des filmischen Mediums.
Das Erwachen der Jägerin (5/10)
Neil Burger nähert sich der psychologischen Komponente seines Thrillers auf eine alternative, selten gesehene Weise, zu Lasten allerdings von Tempo, Spannung und Stringenz.
City Hunter (5/10)
Nicht ganz so durchgeknallt wie die erste Realverfilmung mit Jackie Chan, staunt man aber doch Bauklötze, wie die neue Adaption nicht nur physikalische Regeln missachtet, sondern bisweilen auch die moralischen Sensibilitäten unserer Zeit. Das verdient Respekt. Albern bleibt es trotzdem.
Badland Hunters (5/10)
Der gleich zu Beginn des Jahres im Streaming versendete koreanische Ödland-Actioner liefert zwar keine bleibenden Eindrücke, die am Ende des Jahres noch zugegen sind, aber zumindest liefert er eine zuverlässige Klimaprognose für ein ödlandlastiges Film- und Serienjahr 2024.
Beverly Hills Cop: Axel F (5/10)
Immerhin um Klassen besser als das katastrophale Zamunda-Sequel, letztlich aber trotzdem zu steif, um den unbeschwerten Spaß aus den 80ern aufleben zu lassen.
Der Abgrund (5/10)
Nüchtern, spröde, unaufgeregt, geordnet und solide, ganz der skandinavischen Neutralität entsprechend... nicht gerade die Attribute, die man sonst mit Katastrophenfilmen verbinden würde.
The Ministry of Ungentlemanly Warfare (5/10)
Der Guy Ritchie-Funke ist in den Anfangsminuten kurz zu spüren, bevor er von den lustlos variierten Men-on-a-Mission-Mustern und niemals endenden Nazi-Parodien der immer gleichen Art erstickt wird.
Hold Your Breath (5/10)
Mit Sarah Paulson und Ebon Moss-Bachrach interessant besetzt, aber unter dem Strich viel zu trocken, zumal die Staubige-alte-Hütte-ohne-Nachbarn-im-Wilden-Westen-Karte in den letzten Jahren schlichtweg zu oft ausgespielt wurde.
Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer (5/10)
Die Vampir-Tragikomödie, die sich im Kern um Individualismus in einer Gesellschaft dreht, in der man mit dem Strom schwimmen muss, sucht sich interessante Vorbilder ("Only Lovers Left Alive", "5 Zimmer Küche Sarg", "A Girl Walks Home Alone At Night"...), lässt beim Anrühren der Mischung aber selbst den letzten Biss vermissen und gerät letztlich zu einer kitschigen Außenseiterromanze.
Ein Jackpot zum Sterben! (4.5/10)
Temporeiche Manhunt-Variation mit Slapstick-Schwerpunkt, die ihre gesellschaftskritischen Ansätze schnell unter den überdrehten Auftritten von John Cena und Awkwafina vergraben hat.
Sixty Minutes (4/10)
Wie ein Placebo für ausgewachsene, international konkurrenzfähige Echtzeit-Spielfilmformate. Es ist dennoch schön und wichtig, dass sich deutsche Filme weiter beharrlich an Genres versuchen, die weder dem Geschichtsfilm noch der Komödie noch dem intellektuellen Drama angehören.
Borderlands (4/10)
Nicht die Vollkatastrophe, auf die man sich allseits geeinigt hat, dafür ist der bunte Trubel zu flott und kurzweilig. Kostüme, Dialoge, Darsteller und Handlung aktivieren aber zuverlässig den Facepalmmodus.
The Palace (4/10)
Reichen-Satiren sind angesagt, da möchte auch Roman Polanski seinen Beitrag leisten. Der liefert mit seiner Schweizer Schneekugel allerdings ein Montagsexemplar mit Leck... und trägt prompt eine der schwächsten Arbeiten seiner Karriere in seine Vita ein.
The Fall Guy (4/10)
So viel Potenzial für eine fette Meta-Stunt-Show der Extraklasse... doch am Ende wartet bloß ein ungelenker Flachköpper, während um die Beule herum ein Ring mit RomCom-Vögeln zwitschert.
Mr. Crocket (4/10)
Wenn die Nightmare-on-Elm-Street-VHS-Sammlung mal wieder verliehen ist, tröstet Mr. Crocket auch nicht unbedingt über das miese Vorabendprogramm hinweg.
Atlas (4/10)
Unoriginelles SciFi-Flickwerk und unverhohlenes Star-Vehikel zugleich, bei dem die Effekte die Sinne betäuben und gemeinsam mit der Hauptdarstellerin die Sicht auf eventuelle KI-Diskurse im Hintergrund versperren.
Die Werwölfe von Düsterwald (4/10)
Prädikat Wertvoll: Hebt den Wert von Gesellschaftsspielen dadurch hervor, dass die Verfilmung so doof geworden ist. Hat aber mit der Dialogzeile "ich will auch mal probieren" zumindest einen guten Lacher.
No Way Up (4/10)
Seit Haie mit Tornados gekreuzt wurden, locken sie pur keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. "No Way Up" kombiniert sie deswegen mit einem abgestürzten Flugzeug und überlebenden Passagieren in einer Wasserblase. Dass man aus derart begrenzten Settings einiges an Spannung herausholen kann, haben etliche Filme in ähnlichen Konstellationen bereits bewiesen. Dieser Versuch bleibt den Beweis leider schuldig.
Canary Black (4/10)
Wüsste man es nicht besser, würde man meinen, den hat man letztes Jahr schon bei Netflix gesehen. Und vorletztes... und vorvorletztes...
Trigger Warning (4/10)
Schön, Jessica Alba nach längerer Pause mal wiederzusehen, aber man hätte ihr doch ein besseres Comeback gewünscht als diesen Bausatz aus öden Verschwörungsthriller-Versatzstücken.
Red One (3.5/10)
Es gibt da diese Fotokünstler, die Kinderbilder von Tieren als Vorlage nehmen, um die Tiere mitsamt ihrer schiefen Proportionen fotorealistisch darzustellen. "Red One" ist analog dazu der Versuch, den Mythos des Weihnachtsmanns in der realen Welt zu verankern. Das Ergebnis ist eine Nonstop-Actionjagd durch eine winterliche Kunstwelt, aus der im Grunde nur das einsam spielende Piano auf einer deutschen Landstraße herausragt.
The Crow (3.5/10)
Die Entfremdung vom Original bedeutet zugleich auch eine Entfremdung von der Comicvorlage. Nach fünfzehn Jahren Entwicklung kommt der fertige Film zu einer Unzeit. Die Ratlosigkeit, den Stoff dem aktuellen Zeitgeist anzupassen, ist in jedem Moment spürbar. Das stilistische Bekenntnis zum modernen Hochglanz-Actionkino höhlt letztlich den emotionalen Kern der Saga aus, der hinter der Fassade aus schwarzweißer Schminke kaum mehr zu erkennen ist; Tränen hin oder her.
Argylle (3.5/10)
Matthew Vaughn verhaspelt sich zunehmend in seinen überkandidelten Scheinrealitäten. Nur mit Eskapismus hat das nichts zu tun, weil man dann doch lieber seine Zeit in der echten Welt verbringt.
Godzilla x Kong: The New Empire (3.5/10)
Da kann Hollow Earth noch so hübsch leuchten... wenn man die Monster derart von ihrer eigenen Mythologie entkoppelt, sind sie nur noch Metallkugeln in einem Flipperautomaten.
The Union (3.5/10)
Amnesie-aktivierendes Agenten-Allerlei aus der Netflix-Modulhölle.
Alienoid 2: Return to the Future (3/10)
Bei dem offenen Ende von Teil 1 wusste man ganz genau, dass dieses sterile Kuddelmuddel aus SciFi und Historienfilm genauso nichtssagend einfach nochmal zwei Stunden weiterlaufen würde. Und so ist es das schwere Los des Komplettisten, sich wohlwissend in die Hölle der Berieselung zu begeben, die inzwischen die Aussagekraft eines Fernsehtestbilds erreicht.
Dear Santa (3/10)
Eine Rechtschreibschwäche der Hauptfigur bringt Jack Black in dieser Weihnachtskomödie als Satan auf den Plan, was zunächst einmal nach solidem Verwechslungsspaß klingt. Irgendwie gelingt es dem Film aber, den anfangs sympathisch wirkenden Jungdarsteller in der Hauptrolle, der auch aus Stephen Kings "Club der Verlierer" stammen könnte, mit fortlaufender Handlung in einen Unsympathen ersten Grades zu verwandeln. Und Jack Black im Hintergrund auf der Bühne eines Autotune-Musikers herumhüpfen zu sehen, der von einer Armee 12-jähriger Mädchen angehimmelt wird, das tut einfach nur weh.
Garfield - Eine Extra Portion Abenteuer (2024)
Bei Garfield schmerzt die Homogenisierung des Computeranimationsfilms besonders schwer, ist der faule, fette Kater doch eigentlich eher die Antithese zu allem, was in dieser Sparte seit Jahren angesagt ist. Ihn nun wie einen hyperaktiven Flummi durch einen Action-Plot fliegen zu sehen, fühlt sich zutiefst unnatürlich an. Vielleicht will's das Zielpublikum von heute ja nicht anders haben, aber wenn du Garfield noch aus deiner eigenen Kindheit der 80er und 90er kennst, fühlt es sich so an, als würde dir jemand absichtlich das Fell gegen den Strich bürsten. Brrr!
Rebel Moon - Teil 2: Die Narbenmacherin (2/10)
Wer soll denn da noch Lust haben auf die anstehenden Extended Cuts? „Kind des Feuers“ war in der Kinofassung schon ein Lustkiller erster Güte, doch mit „Die Narbenmacherin“ unterzeichnet Zack Snyder seine endgültige Bankrotterklärung.
Madame Web (2/10)
Die ultimative Zusammenfassung für alles, was falsch läuft bei Sonys Expansionsplänen mit den Bestand an belanglosen Randfiguren ohne Zugpferde - und anschließend auch ohne jegliche Idee, wie man aus den Randfiguren Zugpferde macht.
Einige Darsteller der o.g. Filme, die Eindruck hinterlassen haben:
Paul Giamatti (The Holdovers)
Kirsten Dunst (Civil War)
Sandra Hüller (Zone of Interest)
Lupita Nyong'o (Quiet Place: Day One)
Willem Dafoe (Beetlejuice Beetlejuice)
Nicolas Cage (Dream Scenario)
Mia Goth (Maxxxine)
2024 erschienene Serienstaffeln:
The Penguin - Season 1 (8.5/10)
Den Superheldenbombast von "The Batman" als kurze Nachrichtenansage in den ersten Minuten komplett beiseite geschoben, kann sich "The Penguin" voll und ganz auf seine Gangstersaga rund um Familie, Verrat und Loyalität konzentrieren... und liefert ein aus psychologischer Perspektive ebenso hartes wie realistisches Portrait eines Mannes, der innerhalb seines Milieus eine Sonderstellung einnimmt. Die Vorbilder aus dem Gangsterfilm sind immer greifbar, und doch wirkt der Pinguin auch aufgrund der vortrefflichen Darstellung von Colin Farell immer wie ein absolutes Unikat. Die Ausstattung wirkt hochwertig, Gotham greifbar, und die Autoren unterfüttern den Plot mit einer glaubwürdigen Backstory, die zu einem völlig runden, folgerichtigen Abschluss führt, der für sich selbst zu stehen vermag und dennoch die Geburt eines Monsters bedeutet, dessen eigentliche Geschichte erst noch erzählt werden muss.
Monsters - The Lyle and Eric Menendez Story (7.5/10)
Die zweite Staffel der erfolgreichen Netflix-True-Crime-Anthologiereihe hat in keinerlei Hinsicht etwas mit der ersten zu tun. Sie mäandert mit Hypothesen und Mutmaßungen um die nie greifbare Motivation der Menendez-Brüder herum, die ihre Eltern erschossen... und trifft damit den Kern, denn es ist gerade die Ungreifbarkeit, die an ihrem Fall so fasziniert. Der Doppelmord wird bereits früh abgehandelt, im Wesentlichen geht es vielmehr um die erfolglose Suche nach dem "Warum" in Rückblenden, im Verhörraum oder im Gerichtssaal. Das kann einen ungeduldigen Zuschauer auch mal auf die Palme bringen, weil man sich an der aalglatten Fassade des sonnigen Beverly Hills und der undurchdringlichen Emotionen der Brüder die Zähne auszubeißen droht, aber gerade das macht den Reiz der zweiten Staffel aus. Eine Episode weniger hätte allerdings die ein oder andere Länge tilgen können.
Fallout - Season 1 (7/10)
Nicht ganz grundlos einer der größten Hits des Jahres für die Amazon Studios. Nicht alle Erzählstränge funktionieren gleichermaßen, aber das World Building überzeugt auf voller Linie, Humor, Drama, Horror und Spannung sitzen und Walton Goggins liefert eine der memorabelsten Serienfiguren 2024.
Them - The Scare (7/10)
Staffel 1 gehörte 2021 zu den positiven Überraschungen, was Horrorserien anging, allerdings hatte man die Serie bei der Kurzlebigkeit vieler Streaming-Produktionen längst unter "ferner liefen" abgespeichert. Nun ist doch Staffel 2 da. Das ist überraschend. Dass sie eine völlig andere Zeitebene wählt und damit auch Figuren, Settings, Look und Narrative neu gedacht werden, überrascht sogar noch mehr. Zumal sich das Ergebnis locker mit der ersten Staffel messen kann. Mancher Zuschauer würde sie sogar der ersten vorziehen.
The Boys - Season 4 (7/10)
Bemüht sich immer noch nach Leibeskräften, die Grenzen zu erweitern und muss dabei gegen die Abstumpfung des Zuschauers ankämpfen, geht aus dem Kampf aber immer wieder überraschend als Sieger heraus. "The Boys" bleibt eine der relevantesten Serien derzeit.
The Bear - Season 3 (7/10)
Bleibt auch in der dritten Staffel eines der intensivsten Serienerlebnisse derzeit, dank des weiterhin konsequenten Tunnelblicks in der Hektik des Alltags und eines famosen Jerry Allen White, der von seinen starken Co-Stars noch einmal zusätzlich gepusht wird. Die "Shameless"-Saat trägt hier eine ihrer bittersüßesten Früchte aus.
Geister - Exodus (7/10)
Eigentlich 2022 produziert, ist die späte Fortsetzung von Lars von Triers prägender Serie "Geister" erst in diesem Jahr bei uns zugänglich gemacht worden, weshalb sie in dieser Liste landet. Es ist das definitive Hit or Miss des Jahres. Lars von Trier hat ja im Laufe seiner Karriere die Eigenschaft entwickelt, den Zuschauer mit seinen selbstreferenziellen Spielchen an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Diesmal schien er es wahrhaftig zu übertreiben. Es ist eher Meta-Kommentar als echtes Sequel, ein wenig so wie der vierte "Matrix". Allerdings gelingt es von Trier nach holprigem Start, die Wurzeln des Krankenhauses tiefer auszuleuchten und dem Universum eine neue Komponente abzugewinnen, bis hin zu einem packenden Finale. In den besten Momenten gelingt Vergleichbares wie das, was David Lynch mit der dritten Staffel "Twin Peaks" gelungen ist; wie bei Lynch fehlt aber das Organische der Ur-Serie.
Shogun (7/10)
Ein opulentes Ausstattungsfest, dessen langsames Erzähltempo eine meditative Ruhe erzeugt, die einen geeigneten Rahmen liefert für einen erstklassigen Kulturschock.
3 Body Problem (6/10)
Verspricht nach einigen Folgen eine hochwertige Adaption der Romanreihe von Liu Cixin zu werden, die Auge und Geist stimuliert, verliert dann aber immer mehr die Kontrolle über seine komplexen Handlungsfäden und artet in einem Chaos aus nicht vernünftig abgeschlossenen Handlungssträngen aus. Unwahrscheinlich, dass es der zweiten Staffel gelingen wird, den Knäuel vernünftig zu entwirren.
Invincible - Season 2 (6/10)
Der Überraschungseffekt ist verpufft, die Luft ist schon halb raus. Inzwischen schaut der Aha-Effekt nur noch für einzelne Momente vorbei, nicht mehr als Stammgast.
John Sugar (5/10)
Die ultimative Renaissance des Neo-Noir mit einer faszinierenden Hauptfigur, vorzüglich gespielt von Colin Farrell. Dann kommt der radikale Twist - und überführt doch wieder alles in den Serien-Zeitgeist, der allem Authentischen scheinbar immer einen künstlichen Kniff mitgeben muss, um sich selbst zu rechtfertigen. Das ist nicht einfach nur schade, sondern eine enorme Enttäuschung.
Parasyte: The Grey (5/10)
Unverbindlicher, kurzweiliger SciFi-Action-Horror mit schlonzigen Body-Horror-Effekten, der allerdings nach einigen Folgen repeptitiv wirkt.
American Horror Story - Delicate (Season 12) (5/10)
Wie positiv oder negativ man "Delicate" im AHS-Ranking einstuft, hängt wohl entscheidend davon ab, ob man mit der Mutter-vs-Karriere-Thematik etwas anfangen kann; die typischen Stärken und Schwächen sind jedenfalls dieselben wie immer. Der Cast lässt allerdings im Vergleich mit früheren Staffeln doch merklich Federn, wenn man nun schon Emma Roberts als Zugpferd verkaufen muss.
Masters of the Universe - Revolution (5/10)
Ein Selbstversuch in Form einer Konfrontation des Erwachsenen mit seinen Fantasy-Adventure-Wurzeln aus der Kindheit. Die Neuauflage pendelt aber zu unentschlossen zwischen den Mustern klassischer Kinderserien und Adult Animation, um den Mann wie auch das Kind im Manne zufriedenzustellen. Beides gelingt nicht so ganz, des ambitionierten Drehbuchs und der hübsch leuchtenden Verpackung zum Trotz.
Terminator Zero (4/10)
Die Anime-Adaption der Franchise liefert einige interessante Ansätze zum Thema KI, arbeitet diese aber nicht ausreichend aus und verzettelt sich irgendwann in seinen ambitionierten philosophischen Ansätzen. Auch die Animation fällt er zweckmäßig als inspirierend aus. Fatal ist letztlich vor allem, dass keinerlei Terminator-Atmosphäre entsteht. Das hätte man besser als eigenständigen Beitrag zur Thematik produziert und vermarktet.
Star Wars - The Acolyte (3.5/10)
Mehr eine Kostümparty als eine Star-Wars-Serie, zirkulierend um einen dünnen Plot, der gleich aus mehreren Perspektiven eingefangen werden muss, um die Laufzeit auf Serienlänge zu strecken. Der bisherige Tiefpunkt der Bemühungen Disneys, das Star-Wars-Universum in einem Zyklus von TV-Serien zu expandieren.
Die besten Seriendarsteller:
Colin Farrell (The Penguin, John Sugar)
Jeremy Allen White (The Bear)
Walton Goggins (Fallout)
Cooper Koch / Nicholas Alexander Chavez / Javier Bardem / Chloe Sevigny (Monsters)
Statistik:
FILME
gesehene Filme: 430 (2023: 390, 2022: 396, 2021: 456, 2020: 324, 2019: 253, 2018: 306, 2017: 279, 2016: 247, 2015: 227, 2014: 297)
- davon keine Erstsichtung: 47 (10,93%)
- davon Filme aus 2024: 80 (basierend auf deutscher Erstveröffentlichung, d.h. entweder Kinostart oder Heimkinorelease) (18,60%)
Kinobesuche: 7 (2023: 6, 2022: 4, 2021: 5, 2020: 1, 2019: 8, 2018: 8, 2017: 10, 2016: 7, 2015: 9)
% Verteilung UHD / Blu-ray / DVD / VOD / Kino:
2024: 4,19% / 47,21 % / 6,98 % / 40,0 % / 1,63 %
2023: 5,38 % / 50,26 % / 4,10 % / 38,46 % / 1,54 %
2022: 2,78 % / 45,96 % / 6,57% / 43,69 % / 1,01 %
2021: 0,88 % / 63,16 % / 7,68% / 27,19 % / 1,10 %
2020: 0 % / 64 % / 4 % / 32 % / 0,31 %
prozentuale Verteilung amazon Prime / Netflix / Disney / Youtube / Netzkino / Paramount + / Plex / Apple TV / Wow / Mubi / Joyn:
2024: 48,26 % / 19,77 % / 7,56 % / 1,16 % / 0 % / 1,74 % / 0 % / 8,14 % / 1,74 % / 11,05 % / 0.58 %
2023: 55,33 % / 22,0 % / 14,0 % / 3,33 % / 0,58 % / 0 % / 4,67 % / 0,67 % / 0% / 0% / 0%
2022: 50,29 % / 34,10 % / 13,29% / 1,73 % / 0,58 % / 0 % / 0 % / 0% / 0% / 0%
2021: 56,45 % / 31,45 % / 12,10 % / 0 % / 0 % / 0 % / 0 % / 0% / 0% / 0%
SERIEN
gesehe Serienstaffeln: 39 (2023: 39, 2022: 39, 2021: 33, 2020: 52, 2019: 47, 2018: 37, 2017: 41, 2016: 47, 2015: 47, 2014: 47)
% Verteilung Blu-ray / DVD / VOD:
2024: 17,95 % / 10,26 % / 71,79 %
2023: 12,82 % / 15,38 % / 71,79 %
2022: 7,69 % / 12,82 % / 79,49 %
2021: 30,30 % / 24,24 % / 45,45 %
2020: 17,3 % / 42,3% / 40,3 %, 2019: 36 % / 26% / 38 %)
% Verteilung amazon Prime / Netflix / Disney / Paramount + / Apple TV:
2024: 17,86 % / 35,71 % / 35,71 % / 3,57 % / 7,14 %
2023: 17,86 % / 53,57 % / 25,0 % / 3,57 % / 0 %
2022: 9,68 % / 74,19 % / 16,13 % / 0 % / 0%
2021: 26,67 % / 45,45 % / 13,33 % / 0 %
Filmsichtungen nach Produktionsland sortiert (basierend auf ofdb-Angaben / bei mehreren Produktionsländern pro Film wurde jedes Land prozentual berechnet):
USA: 185,91
Großbritannien: 40,72
Japan: 38,53
Frankreich: 31,90
Hongkong: 23,73
Italien: 16,32
Deutschland: 14,51
Mexiko: 7,33
Südkorea: 7,00
Kanada: 6,99
Spanien: 6,32
Australien: 6,00
China: 4,33
Irland: 3,33
Polen: 3,16
Indonesien: 3,00
Ungarn: 2,20
Argentinien: 2,00
Griechenland: 1,70
Schweiz: 1,53
Philippinen: 1,50
Schweden: 1,50
Sowjetunion: 1,50
Tschechische Republik: 1,50
Niederlande: 1,44
Brasilien: 1,33
Belgien: 1,20
Indien: 1,20
Neuseeland: 1,03
Island: 1,00
Thailand: 1,00
Tschechoslowakei: 1,00
Serbien: 0,75
Dänemark: 0,50
Finnland: 0,50
Vereinigte Arabische Emirate: 0,50
Taiwan: 0,33
Türkei: 0,33
Uruguay: 0,33
Filmsichtungen nach Jahrzehnt (basierend auf ofdb-Angaben):
2020er: 163
2010er: 34
2000er: 21
1990er: 42
1980er: 50
1970er: 55
1960er: 40
1950er: 12
1940er: 2
1920er: 1
The Zone of Interest (8.5/10)
Familienidylle als Fassade für den nackten Horror. Bescheidenheit und Ordnung überdeckt Chaos. Lediglich gedämpfte Schreie am Horizont schaffen es durch den Filter... kaum ein Film spielte dieses Jahr gekonnter auf der Klaviatur des Grauens, und wohl keiner nutzte eine der größten Mächte des Kinos mit mehr Effizienz: Die Implikation des nicht Gezeigten.
Civil War (8.5/10)
Love it or Hate it. Der Tunnelblick, mit dem Alex Garland seine Nahzukunfts-Dystopie aufzieht, kann in Rage versetzen oder in den Bann ziehen. Ich habe in Sachen World Building nicht das Geringste vermisst; die Episoden am Wegesrand vermitteln genug von der Welt, während die klare Linie des Drehbuchs ein Momentum aufbaut wie beim Absprung von einer Sprungschanze. Unangenehm nah an kriegsdokumentarischer Realität ist der Beginn, merkwürdig surreal das Ende der Reise. Eine meisterhafte Simulation der subjektiven Perspektive im Angesicht eines Ausnahmezustands.
Mars Express (8/10)
Geht niemals den Weg des geringsten Widerstands und blendet nie mit oberflächlichen Schauwerten, sondern setzt immer seine vielschichtige Story in den Vordergrund. Tugenden, die 2024 nicht mehr allzu gefragt sind, gerade deswegen aber nicht hoch genug eingeschätzt werden können.
Dune - Part Two (8/10)
Denis Villeneuve ist längst genug Meister seines Fachs, um die Sequel-Stolperfallen zu umgehen, in die seine Kollegen sehenden Auges Jahr für Jahr reihenweise stolpern. Und doch bleibt der erste „Dune“ mit seinen zahllosen Innovationen das eigentliche Meisterstück Villeneuves; so wie es beim Schach auch die Erfindung des Spiels ist und nicht etwa die anschließende Partie, in der das gesamte Potenzial gespeichert ist.
MaXXXine (8/10)
Der glorreiche Abschluss von Wests X-Trilogie, zum Bersten gefüllt mit ikonischen LA-Impressionen und etlichen Verweisen auf das Noir- und Thrillerkino, auf Sleaze und Hochglanz, Kunst und Kunstfertigkeit
Kinds of Kindness (8/10)
Sperrig und unterkühlt, dafür aber formalästhetisch mit einer aromatischen Zwiebelnote, schauspielerisch hochklassig und inhaltlich aus zahllosen hauchdünnen Schichten bestehend, durch die man sich mühsam durchkauen muss. Derart widerspenstig mag ich meinen Lanthimos noch am liebsten.
Challengers - Rivalen (8/10)
Kein Film über den Tennissport, sondern eine hemmungslose, fast schon unangenehm intime Verschmelzung aus Begierden, Leidenschaften und innerem Antrieb, eingefasst in konservierte Abschnitte der Zeit, kanalisiert in einem Sog, der von Minute zu Minute stärker wird.
The Holdovers (7.5/10)
Nicht nur der wohl beste Weihnachtsfilm der Saison, sondern überhaupt ein Kandidat für die oberen Ränge des gesamten Filmjahrs... zumindest bis aus der wunderbar selbsttherapeutischen Zusammenkunft einer kleinen Gruppe unterschiedlichster Menschen in einer verlassenen Fakultätsanlage ein Road Movie wird. In den letzten Akten versucht Alexander Payne unnötig seinen Plot voranzutreiben und versinkt in Klischees um Nächstenliebe und Selbstaufopferung. Dieser Makel kann die Wärme der ersten beiden Filmdrittel aber nicht vollständig verdrängen.
The Substance (7.5/10)
Exzessiv, plakativ, radikal - Coraline Fargeat überrascht weniger inhaltlich (insbesondere nicht, wenn man ihren Kurzfilm "Reality+" schon kennt) als vielmehr in Sachen Intensität. Manchmal muss Kino einfach auch mal kotzen, um sich selbst zu reinigen.
Furiosa: A Mad Max Saga (7.5/10)
In der richtigen zeitlichen Reihenfolge genossen, liefert Miller hiermit die Sprungschanze für ein im wahrsten Sinne des Wortes episches Double Feature.
Planet der Affen: New Kingdom (7.5/0)
Vielleicht fehlt die letzte schreiberische Finesse, um aus „Planet der Affen: New Kingdom“ ein weiteres, ein viertes Meisterstück in Serie zu machen. Ein Vollblutabenteuer ist der mit Skepsis erwartete vierte Teil der Saga in jedem Fall geworden. Und streckenweise sogar weit mehr als das.
Late Night with the Devil (7/10)
Eine effektive Abhandlung über die Medialität und die Formung von Realität in einem wunderbar heimeligen Late-Night-Rahmen, der keineswegs nur fürs Kino, sondern gerade auch für die Couch gemacht ist. Aber bei Harald Schmidt wäre das alles nicht passiert.
Beetlejuice Beetlejuice (7/10)
Im Grunde hatte mich diese Fortsetzung bereits mit den Title Credits in leuchtenden Buchstaben mit "Frighteners"- bzw. "Ghostbusters"-Font und der Kamerafahrt durch die Miniaturkleinstadt. Was Tim Burton angeht, ist meine Kinoseele längst entzwei gerissen; hier aber reißt er mich noch einmal auf seine Seite, überrascht Szene für Szene mit neuen Absonderlichkeiten und verschafft mir das wohlige Gefühl, dass alles wieder so ist wie es mal war... so wie es unzählige Fortsetzungen alter Hits der 80er zuletzt versuchten und selten schafften. Die episodische Struktur mag "Beetlejuice Beetlejuice" dramaturgisch scheitern lassen, aber viel wichtiger ist, dass ich hier endlich wieder das Gefühl hatte, einen echten Tim-Burton-Film zu sehen.
Der Junge und der Reiher (7/10)
Animationsfilmlegende Hayao Miyazaki liefert am mutmaßlichen Ende seiner aktiven Karriere als Regisseur beileibe nicht seinen besten, wohl aber einen seiner reflektiertesten Filme, der sich wie eine Werkschau über sein bisheriges Schaffen niederlegt. Inhaltlich nicht immer wasserdicht, handwerklich aber fast so magisch wie zu besten Zeiten.
Dream Scenario (7/10)
Berührt das Herz vielleicht nur flüchtig, spricht aber dafür diese eine verborgene Stelle tief unter dem Frontallappen an, von der man gar nicht wusste, dass man sie hat. Wie dem Zuschauer hier die eigene Psychologie nach außen gezogen wird, das hat schon viel von einer Charlie-Kaufman-Behandlung.
Evil Does Not Exist (7/10)
Gerade weil Dämonisierungen vermieden werden, könnte „Evil Does Not Exist“ abseits der schönen Bilder ein wenig trocken, ja im unangenehmen Ausmaß dokumentarisch wirken. So allerdings hallt das aufreibende Ende erst recht nach, weil es wie ein dumpfer Faustschlag aus dem Nichts zu kommen scheint. Die Wirkung ähnelt jener, die auch die Arbeiten von Lee Chang-dong („Burning“, „Peppermint Candy“) verströmen: Erst mit den letzten Bildern wird einem schockartig klar, was die ganze Zeit bereits sichtbar war.
Poor Things (7/10)
Märchen auf links gedreht; für Feuilleton und Publikum ein magischer Zaubertrick, im Portfolio des griechischen Regisseurs aber doch eher ein Hütchenspiel für zwischendurch, wenn auch eins mit phänomenaler Ausstattung.
Terrifier 3 (7/10)
Mit „Terrifier 2“ wurde Art zum Star, mit „Terrifier 3“ wird ihm nun die Bühne für die große Weihnachtsshow gegeben, während Millionen zuschauen. Die Chance hat er genutzt. Das Mikrofon bleibt zwar wie gewohnt aus, dafür spielt er auf Axt, Kettensäge, Flüssigstickstoffkanone, Zeitbomben und ähnlichen Instrumenten die besten Weihnachtssongs der Saison nach. Für ein großes Publikum bietet der dritte Teil vielleicht sogar die beste Gesamtmischung der bisherigen Reihe, auch wenn "Terrifier 2" unübertroffen bleibt.
The First Omen (7/10)
Wie David Sandberg vor ein paar Jahren mit "Annabelle 2" bekommt Nachwuchsregisseurin Arkasha Stevenson ein Projekt zugewiesen, von dem niemand so genau weiß, warum es überhaupt produziert wurde... um dann Saft rauszupressen, von dem man gar nicht wusste, dass er da ist.
Inside Out 2 (7/10)
Flutscht dank der schönen Coming-of-Age-Geschichte samt zugehörigem Gefühlschaos noch etwas besser als der manchmal etwas sperrige Erstling.
Land of Bad (6.5/10)
"Wir merken gar nicht, wie wir uns in die Scheiße reiten, bis wir plötzlich mittendrin sind und alles zu spät ist" als High-Concept-Format, das funktioniert ganz wie bei den indonesischen Actionscharmützeln, die seit "The Raid" die Schule machen. Und möchte man Crowe nicht bei seiner Ansprache im Aufenthaltsraum einfach nur applaudieren?
Road House (6/10)
Von einem handelsüblichen Remake unterscheidet sich „Road House“ dadurch, dass er es längst nicht mehr nötig hat, das Original zu dekonstruieren. Er dekonstruiert die Coolness an sich.
Bad Boys - Ride or Die (6/10)
Im zweiten Comeback-Anlauf machen sich Adil El Arbi und Bilall Fallah endlich nichts mehr vor und liefern fast schon so etwas wie eine Parodie auf den Regiestil Michael Bays, die in Idee und Ausführung schreiend komisch geraten ist - wenn man mit dem richtigen Mindset an die Sache herangeht. Der stilistische Maßstäbe setzende erste und der Action-Maßstäbe setzende zweite Teil bleiben natürlich unangetastet, dafür ist "Ride or Die" auch einfach zu klein skaliert. Der blasse dritte Teil wird aber klar in den Schatten gestellt.
Monkey Man (6/10)
Archaisch und roh, exotisch und konsequent prügelt Dev Patel sein Wunschprojekt ins Bewusstsein eines größeren Publikums, das eigentlich andere Actionhelden in anderen Settings gewohnt ist... und trotzt ihnen dank seiner Beharrlichkeit Respekt ab.
Rebel Ridge (6/10)
Die meditative Ruhe, die Aaron Pierre seinen Peinigern in diesem Thriller entgegenbringt, ist politisches Statement und Fundament für grundlegende Genre-Mechanismen zugleich; sie steigern die subversive Wirkung von "Rebel Ridge" auf das Gerechtigkeitsempfinden des Zuschauers ins Unermessliche. Schade, dass dem Drehbuch auf lange Sicht die Puste ausgeht.
Hope and Glory - A Mad Max Fan Film (6/10)
Simpel, effektiv und auf den Punkt... ein Trostpflaster für alle, denen "Furiosa" too much war, und der Beweis, dass die Franchise nicht zwingend hohe Budgets braucht, um zu funktionieren.
Damsel (6/10)
Es ist der herrlich fiese Drachen, der den Film rettet, indem er ihm zu einer unerwartet bedrohlichen Grundstimmung verhilft. Was seinen feministischen Subtext angeht, ist „Damsel“ ein austauschbares Produkt seiner Zeit, plump zusammengestellt aus Zutaten, die es inzwischen zuhauf gibt. Als Fabelhorror-Variante des eher am Action-Genre orientierten „The Princess“, der mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte, macht das Frollein dann aber zum Glück doch noch aus der Not eine Tugend, so dass es wenigstens zu einem fetzigen Märchenfilm der modernen Spielart reicht.
Ghostbusters: Frozen Empire (6/10)
Das Drehbuch platzt inzwischen vor Figuren und die Regie weiß nicht, wohin mit ihnen. Dennoch: „Ghostbusters: Frozen Empire“ zeigt neben all seinen unverkennbaren Schwächen nicht nur ein besseres Händchen für den Umgang mit den alten Helden als „Legacy“, sondern beweist auch reifere Ansätze, um die initialen Stärken des Neustarts noch besser hervorzuheben.
Carry-On (6/10)
Eine erstaunlich solide Netflix-Premiere für den schnellen Kick mit konstruiertem Plot, aber reichlich 90s-Flair. Das Setting ist aber zu nah an einem gewissen Klassiker des Genres dran, so dass man bei jeder sich bietenden Gelegenheit daran erinnert wird, dass es Vergleichbares nicht nur in solide, sondern auch in richtig gut gibt.
Orion und das Dunkel (6/10)
Schwarz steht dem Computeranimationsfilm durchaus gut. Sollte er öfter mal tragen.
Kung Fu Panda 4 (6/10)
Obgleich die schwächste Fortsetzung bisher, bleibt "Kung Fu Panda" auch mit seinem vierten Teil eine der stabilsten Animationsreihen im Betsand von Dreamworks.
The 4:30 Movie (6/10)
Kevin Smith flunkert diesen semidokumentarischen Rückblick auf seine Jugend eher dahin als dass er ihn authentisch nacherzählt, aber das ist ja auch genau der Punkt, wenn man in die Jugendjahre eines Filmnerds zurückblickt. Herz hat das Ding trotzdem, mehr als seine vielen Hit-Fortsetzungen der letzten Jahre allemal.
A Quiet Place - Day One (6/10)
Das Prequel besticht mit starken Schauspielleistungen und einer originellen Erzählperspektive, die effektiv zwischen einer Todkranken, einem Ausländer und einer Katze pendelt. Da verzeiht man - wie bei den Vorgängern - auch den nicht immer geglückten Balanceakt, das Spiel mit Geräuschen in Einklang mit der Logik zu bringen. Suboptimal allerdings, dass sich "Day One" als teures Apokalypse-Spektakel verkauft. Spätestens die letzte Pointe macht aber deutlich: Das ist kein vollwertiger Kinofilm mehr, sondern eher ein Spin-Off der Marke "aus dem Universum von".
Knock Knock Knock (6/10)
Ein thematisch klassischer Bedtime-Story-Horrorfilm mit zwei grundverschiedenen Hälften, die beide ihre ganz eigenen Schwächen, aber zweifellos auch ihre eigenen Stärken haben, was den Horror- und Familiendramateil angeht.
Immaculate (6/10)
Dank der starken Kamera und Kulissen noch sehenswert, aber das schwache Skript verwehrt höhere Weihen.
Im Wasser der Seine (6/10)
Die Autoren müssen sich schon gewaltig strecken, um die fragwürdige Prämisse zu rechtfertigen. Außerdem stehlen sie bei dem einen großen Klassiker des Haifilms wie die Raben (und ehrlich gesagt kann man sie nicht mehr sehen, die ignoranten Politiker, die alle Ratschläge der Experten in den Wind schießen). Kaum ein Haifilm hat es aber je näher an die immer noch so faszinierende wie unterhaltsame Mischung aus Öko-Horror, Hi-Tech-Thriller und B-Action aus Renny Harlins "Deep Blue Sea" geschafft. Das ist dann doch ein paar Punkte wert.
Saints and Sinners (6/10)
Zum Glück kein weiterer Fließbandactioner, wie Neeson sie zuletzt alle Nase lang ablieferte, sondern ein stilles Unterweltdrama, das sich so ein bisschen anfühlt wie eine pulpige Kleinformatmischung aus Colin-Farrell-dreht-in-Irland-Filmen und Killer-mit-seltsamen-Marotten-Filmen.
Becky 2 - She's back (5.5/10)
Die Gene einmal aktiviert, metzelt's sich ganz ungeniert. Das Becky-Sequel hat nicht genug auf dem Kasten, um den ersten Teil zu toppen, kann aber befreit von sämtlichen Regeln so ziemlich alles tun, wonach ihm gerade der Sinn steht.
Alien: Romulus (5/10)
„Alien: Romulus“ ist letztlich ein Film, den James Cameron schon 1986 hätte drehen können, wenn ihm nichts besseres eingefallen wäre. Stattdessen drehte er "Aliens" und ebnete den Weg für eine Autorenreihe, zu der Fede Alvarez nur technisch seinen Beitrag leisten kann.
Arcadian (5/10)
Nicolas Cage zum Nichtstun verdammt, muss das Brüderduo Jaeden Martell / Maxwell Jenkins ein postapokalyptisches Drama auf seinen schmächtigen Schultern tragen, das eine Spur zu schwer für sie ist. Das Creature Design sorgt immerhin für Alleinstellungsmerkmale mit perfiden Anleihen aus der Natur (diese ausfahrbare Kralle! Diese Klapper!), auch wenn die Gesamterscheinung der Gestalten nie ganz homogen wirkt. Ansonsten ein typisch stilles Indie-SciFi-Drama der Marke "The Road" oder "Maggie", das Szene für Szene seinen Platz in der Filmwelt zu behaupten versucht.
Project Silence (5/10)
Dogs on a Bridge. Die Prämisse sorgt im Alleingang für die gehobene Braue der Aufmerksamkeit, die Umsetzung orientiert sich aber leider allzu deutlich an gängigen Hollywood-Klischees und verpasst es, das ein oder andere koreanische Überraschungsmoment zu installieren. Die Hunde sind derweil gut getrickst, aber ein Tier, das dem Menschen so nah ist wie der Hund, ist aus dem Rechner so schnell entlarvt, dass jeglicher Thrill im Eifer des Gefechts einfach verpufft.
The Killer (5/10)
So ganz ist die kleine Flamme in John Woo noch nicht erloschen, wenn man das hohe Tempo und die teils immer noch mitreißenden Stunts und Ballereien betrachtet. Leider ist die Inszenierung inzwischen derart steril, dass man das Remake seines eigenen Actionklassikers von 1989 guten Gewissens als Sakrileg bezeichnen darf... wo man doch gerade schon einmal in der verlassenen Kirche ist.
Deadpool & Wolverine (5/10)
Mitleid, Fremdscham, Euphorie und Überdruss sind ganz nah beieinander in dieser Implosion nicht nur einer Comicfigur oder ihres Universums, sondern eines ganzen Studios. Eine beispiellose Selbstdemontage, die ganz freiwillig herbeigeführt wurde, und im Grunde kann man nur noch irre kichern. Wer hätte zu Beginn des Jahrtausends bei Erscheinen von "X-Men" gedacht, dass es je soweit kommen könnte?
Boy Kills World (5/10)
Eine Tarzan-Legende in neumodischer Verpackung, deren Produktionsdesign in dem Nebeneinander aus Dschungel und Hi-Techgerade am Anfang einige Highlights kredenzt. Die originelle Grundidee um den taubstummen Helden mit der Videospielautomatenstimme nutzt sich aber schnell ab, so dass der Nerv-Faktor mit jeder Minute steigt. Wahrscheinlich muss man genau die richtige Stimmung abpassen, um hier voll im grünen Bereich zu landen.
IF (5/10)
"IF" überzeugt mit schrulligen Figuren, einigen stimmungsvollen Bildern und mindestens einer herausragenden Plansequenz, bleibt aber in seiner Aussage eindimensional und inhaltlich vorhersehbar. Darüber hinaus scheint das Konzept viel zu schmal geschneidert, um wirklich alle Arten von Menschen unter einen Hut zu bringen, so dass ein doch recht eindimensionales Bild der kindlichen Muster entsteht, von denen das Verhalten Erwachsener immer noch geprägt wird.
Abigail (5/10)
Durchaus unterhaltsamer Action-Horror-Mix, der allerdings gewaltige Probleme mit der Sympathieverteilung seiner Figuren hat und sich dadurch zunehmend zu fragwürdigen Plottwists genötigt fühlt.
Codename 13 (5/10)
Gemetzelt wird so radikal, dass sich die Choreografien ganz und gar aus der Härte ergeben. Als Betrachter erfriert man aber irgendwann in der Pose der Anerkennung und lässt den Blutzoll emotions- und ausdruckslos auf sich herabregnen.
The Beekeeper (5/10)
Statham prügelt sich barer Fäuste durch ein politisches Hi-Tech-Wabensystem und liefert höchstpersönlich vorab immer die Audiodeskription dessen, was er in der nächsten Minute dann möglichst konsequent in die Tat umsetzen wird... so unkompliziert, doof und unterhaltsam war nicht mal das diesjährige Kumite-Turnier.
The Last Kumite (5/10)
Niemand erwartet bei so einem Film fette Production Values, auch erwartet keiner den Oscar für das beste Skript, sehr wohl aber kann man von einem solchen Prestigeprojekt erwarten, dass es weiß, wie es die primitiven emotionalen Trigger des Zielpublikums möglichst effektiv zu bedienen weiß, was Rache und Vergeltung, Aufstieg, Triumph und Überlegenheit betrifft. Bei der schlampigen Schreibe fällt es aber schwer, all das reuelos nachzuempfinden.
Sting (5/10)
Das Setting erinnert ein wenig an den letzten "Evil Dead"-Ableger, die B-Movie-Ambitionen mitsamt all der Comic Reliefs an den Anspruch von "Arac Attack", aber für einen Horrorfilm über eine immer größer werdende Spinne in einem Wohnkomplex fehlt es einfach an Thrill, Ekelfaktor und originellen Überraschungsmomenten.
Spaceman: Eine kurze Geschichte der Böhmischen Raumfahrt (5/10)
In seinen besten Momenten wie ein Kammer-Monolog aus den Philosophiewelten der osteuropäischen Literatur, scheitert diese Romanadaption am Ende doch an den Barrieren des filmischen Mediums.
Das Erwachen der Jägerin (5/10)
Neil Burger nähert sich der psychologischen Komponente seines Thrillers auf eine alternative, selten gesehene Weise, zu Lasten allerdings von Tempo, Spannung und Stringenz.
City Hunter (5/10)
Nicht ganz so durchgeknallt wie die erste Realverfilmung mit Jackie Chan, staunt man aber doch Bauklötze, wie die neue Adaption nicht nur physikalische Regeln missachtet, sondern bisweilen auch die moralischen Sensibilitäten unserer Zeit. Das verdient Respekt. Albern bleibt es trotzdem.
Badland Hunters (5/10)
Der gleich zu Beginn des Jahres im Streaming versendete koreanische Ödland-Actioner liefert zwar keine bleibenden Eindrücke, die am Ende des Jahres noch zugegen sind, aber zumindest liefert er eine zuverlässige Klimaprognose für ein ödlandlastiges Film- und Serienjahr 2024.
Beverly Hills Cop: Axel F (5/10)
Immerhin um Klassen besser als das katastrophale Zamunda-Sequel, letztlich aber trotzdem zu steif, um den unbeschwerten Spaß aus den 80ern aufleben zu lassen.
Der Abgrund (5/10)
Nüchtern, spröde, unaufgeregt, geordnet und solide, ganz der skandinavischen Neutralität entsprechend... nicht gerade die Attribute, die man sonst mit Katastrophenfilmen verbinden würde.
The Ministry of Ungentlemanly Warfare (5/10)
Der Guy Ritchie-Funke ist in den Anfangsminuten kurz zu spüren, bevor er von den lustlos variierten Men-on-a-Mission-Mustern und niemals endenden Nazi-Parodien der immer gleichen Art erstickt wird.
Hold Your Breath (5/10)
Mit Sarah Paulson und Ebon Moss-Bachrach interessant besetzt, aber unter dem Strich viel zu trocken, zumal die Staubige-alte-Hütte-ohne-Nachbarn-im-Wilden-Westen-Karte in den letzten Jahren schlichtweg zu oft ausgespielt wurde.
Feinfühlige Vampirin sucht lebensmüdes Opfer (5/10)
Die Vampir-Tragikomödie, die sich im Kern um Individualismus in einer Gesellschaft dreht, in der man mit dem Strom schwimmen muss, sucht sich interessante Vorbilder ("Only Lovers Left Alive", "5 Zimmer Küche Sarg", "A Girl Walks Home Alone At Night"...), lässt beim Anrühren der Mischung aber selbst den letzten Biss vermissen und gerät letztlich zu einer kitschigen Außenseiterromanze.
Ein Jackpot zum Sterben! (4.5/10)
Temporeiche Manhunt-Variation mit Slapstick-Schwerpunkt, die ihre gesellschaftskritischen Ansätze schnell unter den überdrehten Auftritten von John Cena und Awkwafina vergraben hat.
Sixty Minutes (4/10)
Wie ein Placebo für ausgewachsene, international konkurrenzfähige Echtzeit-Spielfilmformate. Es ist dennoch schön und wichtig, dass sich deutsche Filme weiter beharrlich an Genres versuchen, die weder dem Geschichtsfilm noch der Komödie noch dem intellektuellen Drama angehören.
Borderlands (4/10)
Nicht die Vollkatastrophe, auf die man sich allseits geeinigt hat, dafür ist der bunte Trubel zu flott und kurzweilig. Kostüme, Dialoge, Darsteller und Handlung aktivieren aber zuverlässig den Facepalmmodus.
The Palace (4/10)
Reichen-Satiren sind angesagt, da möchte auch Roman Polanski seinen Beitrag leisten. Der liefert mit seiner Schweizer Schneekugel allerdings ein Montagsexemplar mit Leck... und trägt prompt eine der schwächsten Arbeiten seiner Karriere in seine Vita ein.
The Fall Guy (4/10)
So viel Potenzial für eine fette Meta-Stunt-Show der Extraklasse... doch am Ende wartet bloß ein ungelenker Flachköpper, während um die Beule herum ein Ring mit RomCom-Vögeln zwitschert.
Mr. Crocket (4/10)
Wenn die Nightmare-on-Elm-Street-VHS-Sammlung mal wieder verliehen ist, tröstet Mr. Crocket auch nicht unbedingt über das miese Vorabendprogramm hinweg.
Atlas (4/10)
Unoriginelles SciFi-Flickwerk und unverhohlenes Star-Vehikel zugleich, bei dem die Effekte die Sinne betäuben und gemeinsam mit der Hauptdarstellerin die Sicht auf eventuelle KI-Diskurse im Hintergrund versperren.
Die Werwölfe von Düsterwald (4/10)
Prädikat Wertvoll: Hebt den Wert von Gesellschaftsspielen dadurch hervor, dass die Verfilmung so doof geworden ist. Hat aber mit der Dialogzeile "ich will auch mal probieren" zumindest einen guten Lacher.
No Way Up (4/10)
Seit Haie mit Tornados gekreuzt wurden, locken sie pur keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor. "No Way Up" kombiniert sie deswegen mit einem abgestürzten Flugzeug und überlebenden Passagieren in einer Wasserblase. Dass man aus derart begrenzten Settings einiges an Spannung herausholen kann, haben etliche Filme in ähnlichen Konstellationen bereits bewiesen. Dieser Versuch bleibt den Beweis leider schuldig.
Canary Black (4/10)
Wüsste man es nicht besser, würde man meinen, den hat man letztes Jahr schon bei Netflix gesehen. Und vorletztes... und vorvorletztes...
Trigger Warning (4/10)
Schön, Jessica Alba nach längerer Pause mal wiederzusehen, aber man hätte ihr doch ein besseres Comeback gewünscht als diesen Bausatz aus öden Verschwörungsthriller-Versatzstücken.
Red One (3.5/10)
Es gibt da diese Fotokünstler, die Kinderbilder von Tieren als Vorlage nehmen, um die Tiere mitsamt ihrer schiefen Proportionen fotorealistisch darzustellen. "Red One" ist analog dazu der Versuch, den Mythos des Weihnachtsmanns in der realen Welt zu verankern. Das Ergebnis ist eine Nonstop-Actionjagd durch eine winterliche Kunstwelt, aus der im Grunde nur das einsam spielende Piano auf einer deutschen Landstraße herausragt.
The Crow (3.5/10)
Die Entfremdung vom Original bedeutet zugleich auch eine Entfremdung von der Comicvorlage. Nach fünfzehn Jahren Entwicklung kommt der fertige Film zu einer Unzeit. Die Ratlosigkeit, den Stoff dem aktuellen Zeitgeist anzupassen, ist in jedem Moment spürbar. Das stilistische Bekenntnis zum modernen Hochglanz-Actionkino höhlt letztlich den emotionalen Kern der Saga aus, der hinter der Fassade aus schwarzweißer Schminke kaum mehr zu erkennen ist; Tränen hin oder her.
Argylle (3.5/10)
Matthew Vaughn verhaspelt sich zunehmend in seinen überkandidelten Scheinrealitäten. Nur mit Eskapismus hat das nichts zu tun, weil man dann doch lieber seine Zeit in der echten Welt verbringt.
Godzilla x Kong: The New Empire (3.5/10)
Da kann Hollow Earth noch so hübsch leuchten... wenn man die Monster derart von ihrer eigenen Mythologie entkoppelt, sind sie nur noch Metallkugeln in einem Flipperautomaten.
The Union (3.5/10)
Amnesie-aktivierendes Agenten-Allerlei aus der Netflix-Modulhölle.
Alienoid 2: Return to the Future (3/10)
Bei dem offenen Ende von Teil 1 wusste man ganz genau, dass dieses sterile Kuddelmuddel aus SciFi und Historienfilm genauso nichtssagend einfach nochmal zwei Stunden weiterlaufen würde. Und so ist es das schwere Los des Komplettisten, sich wohlwissend in die Hölle der Berieselung zu begeben, die inzwischen die Aussagekraft eines Fernsehtestbilds erreicht.
Dear Santa (3/10)
Eine Rechtschreibschwäche der Hauptfigur bringt Jack Black in dieser Weihnachtskomödie als Satan auf den Plan, was zunächst einmal nach solidem Verwechslungsspaß klingt. Irgendwie gelingt es dem Film aber, den anfangs sympathisch wirkenden Jungdarsteller in der Hauptrolle, der auch aus Stephen Kings "Club der Verlierer" stammen könnte, mit fortlaufender Handlung in einen Unsympathen ersten Grades zu verwandeln. Und Jack Black im Hintergrund auf der Bühne eines Autotune-Musikers herumhüpfen zu sehen, der von einer Armee 12-jähriger Mädchen angehimmelt wird, das tut einfach nur weh.
Garfield - Eine Extra Portion Abenteuer (2024)
Bei Garfield schmerzt die Homogenisierung des Computeranimationsfilms besonders schwer, ist der faule, fette Kater doch eigentlich eher die Antithese zu allem, was in dieser Sparte seit Jahren angesagt ist. Ihn nun wie einen hyperaktiven Flummi durch einen Action-Plot fliegen zu sehen, fühlt sich zutiefst unnatürlich an. Vielleicht will's das Zielpublikum von heute ja nicht anders haben, aber wenn du Garfield noch aus deiner eigenen Kindheit der 80er und 90er kennst, fühlt es sich so an, als würde dir jemand absichtlich das Fell gegen den Strich bürsten. Brrr!
Rebel Moon - Teil 2: Die Narbenmacherin (2/10)
Wer soll denn da noch Lust haben auf die anstehenden Extended Cuts? „Kind des Feuers“ war in der Kinofassung schon ein Lustkiller erster Güte, doch mit „Die Narbenmacherin“ unterzeichnet Zack Snyder seine endgültige Bankrotterklärung.
Madame Web (2/10)
Die ultimative Zusammenfassung für alles, was falsch läuft bei Sonys Expansionsplänen mit den Bestand an belanglosen Randfiguren ohne Zugpferde - und anschließend auch ohne jegliche Idee, wie man aus den Randfiguren Zugpferde macht.
Einige Darsteller der o.g. Filme, die Eindruck hinterlassen haben:
Paul Giamatti (The Holdovers)
Kirsten Dunst (Civil War)
Sandra Hüller (Zone of Interest)
Lupita Nyong'o (Quiet Place: Day One)
Willem Dafoe (Beetlejuice Beetlejuice)
Nicolas Cage (Dream Scenario)
Mia Goth (Maxxxine)
2024 erschienene Serienstaffeln:
The Penguin - Season 1 (8.5/10)
Den Superheldenbombast von "The Batman" als kurze Nachrichtenansage in den ersten Minuten komplett beiseite geschoben, kann sich "The Penguin" voll und ganz auf seine Gangstersaga rund um Familie, Verrat und Loyalität konzentrieren... und liefert ein aus psychologischer Perspektive ebenso hartes wie realistisches Portrait eines Mannes, der innerhalb seines Milieus eine Sonderstellung einnimmt. Die Vorbilder aus dem Gangsterfilm sind immer greifbar, und doch wirkt der Pinguin auch aufgrund der vortrefflichen Darstellung von Colin Farell immer wie ein absolutes Unikat. Die Ausstattung wirkt hochwertig, Gotham greifbar, und die Autoren unterfüttern den Plot mit einer glaubwürdigen Backstory, die zu einem völlig runden, folgerichtigen Abschluss führt, der für sich selbst zu stehen vermag und dennoch die Geburt eines Monsters bedeutet, dessen eigentliche Geschichte erst noch erzählt werden muss.
Monsters - The Lyle and Eric Menendez Story (7.5/10)
Die zweite Staffel der erfolgreichen Netflix-True-Crime-Anthologiereihe hat in keinerlei Hinsicht etwas mit der ersten zu tun. Sie mäandert mit Hypothesen und Mutmaßungen um die nie greifbare Motivation der Menendez-Brüder herum, die ihre Eltern erschossen... und trifft damit den Kern, denn es ist gerade die Ungreifbarkeit, die an ihrem Fall so fasziniert. Der Doppelmord wird bereits früh abgehandelt, im Wesentlichen geht es vielmehr um die erfolglose Suche nach dem "Warum" in Rückblenden, im Verhörraum oder im Gerichtssaal. Das kann einen ungeduldigen Zuschauer auch mal auf die Palme bringen, weil man sich an der aalglatten Fassade des sonnigen Beverly Hills und der undurchdringlichen Emotionen der Brüder die Zähne auszubeißen droht, aber gerade das macht den Reiz der zweiten Staffel aus. Eine Episode weniger hätte allerdings die ein oder andere Länge tilgen können.
Fallout - Season 1 (7/10)
Nicht ganz grundlos einer der größten Hits des Jahres für die Amazon Studios. Nicht alle Erzählstränge funktionieren gleichermaßen, aber das World Building überzeugt auf voller Linie, Humor, Drama, Horror und Spannung sitzen und Walton Goggins liefert eine der memorabelsten Serienfiguren 2024.
Them - The Scare (7/10)
Staffel 1 gehörte 2021 zu den positiven Überraschungen, was Horrorserien anging, allerdings hatte man die Serie bei der Kurzlebigkeit vieler Streaming-Produktionen längst unter "ferner liefen" abgespeichert. Nun ist doch Staffel 2 da. Das ist überraschend. Dass sie eine völlig andere Zeitebene wählt und damit auch Figuren, Settings, Look und Narrative neu gedacht werden, überrascht sogar noch mehr. Zumal sich das Ergebnis locker mit der ersten Staffel messen kann. Mancher Zuschauer würde sie sogar der ersten vorziehen.
The Boys - Season 4 (7/10)
Bemüht sich immer noch nach Leibeskräften, die Grenzen zu erweitern und muss dabei gegen die Abstumpfung des Zuschauers ankämpfen, geht aus dem Kampf aber immer wieder überraschend als Sieger heraus. "The Boys" bleibt eine der relevantesten Serien derzeit.
The Bear - Season 3 (7/10)
Bleibt auch in der dritten Staffel eines der intensivsten Serienerlebnisse derzeit, dank des weiterhin konsequenten Tunnelblicks in der Hektik des Alltags und eines famosen Jerry Allen White, der von seinen starken Co-Stars noch einmal zusätzlich gepusht wird. Die "Shameless"-Saat trägt hier eine ihrer bittersüßesten Früchte aus.
Geister - Exodus (7/10)
Eigentlich 2022 produziert, ist die späte Fortsetzung von Lars von Triers prägender Serie "Geister" erst in diesem Jahr bei uns zugänglich gemacht worden, weshalb sie in dieser Liste landet. Es ist das definitive Hit or Miss des Jahres. Lars von Trier hat ja im Laufe seiner Karriere die Eigenschaft entwickelt, den Zuschauer mit seinen selbstreferenziellen Spielchen an den Rand des Wahnsinns zu bringen. Diesmal schien er es wahrhaftig zu übertreiben. Es ist eher Meta-Kommentar als echtes Sequel, ein wenig so wie der vierte "Matrix". Allerdings gelingt es von Trier nach holprigem Start, die Wurzeln des Krankenhauses tiefer auszuleuchten und dem Universum eine neue Komponente abzugewinnen, bis hin zu einem packenden Finale. In den besten Momenten gelingt Vergleichbares wie das, was David Lynch mit der dritten Staffel "Twin Peaks" gelungen ist; wie bei Lynch fehlt aber das Organische der Ur-Serie.
Shogun (7/10)
Ein opulentes Ausstattungsfest, dessen langsames Erzähltempo eine meditative Ruhe erzeugt, die einen geeigneten Rahmen liefert für einen erstklassigen Kulturschock.
3 Body Problem (6/10)
Verspricht nach einigen Folgen eine hochwertige Adaption der Romanreihe von Liu Cixin zu werden, die Auge und Geist stimuliert, verliert dann aber immer mehr die Kontrolle über seine komplexen Handlungsfäden und artet in einem Chaos aus nicht vernünftig abgeschlossenen Handlungssträngen aus. Unwahrscheinlich, dass es der zweiten Staffel gelingen wird, den Knäuel vernünftig zu entwirren.
Invincible - Season 2 (6/10)
Der Überraschungseffekt ist verpufft, die Luft ist schon halb raus. Inzwischen schaut der Aha-Effekt nur noch für einzelne Momente vorbei, nicht mehr als Stammgast.
John Sugar (5/10)
Die ultimative Renaissance des Neo-Noir mit einer faszinierenden Hauptfigur, vorzüglich gespielt von Colin Farrell. Dann kommt der radikale Twist - und überführt doch wieder alles in den Serien-Zeitgeist, der allem Authentischen scheinbar immer einen künstlichen Kniff mitgeben muss, um sich selbst zu rechtfertigen. Das ist nicht einfach nur schade, sondern eine enorme Enttäuschung.
Parasyte: The Grey (5/10)
Unverbindlicher, kurzweiliger SciFi-Action-Horror mit schlonzigen Body-Horror-Effekten, der allerdings nach einigen Folgen repeptitiv wirkt.
American Horror Story - Delicate (Season 12) (5/10)
Wie positiv oder negativ man "Delicate" im AHS-Ranking einstuft, hängt wohl entscheidend davon ab, ob man mit der Mutter-vs-Karriere-Thematik etwas anfangen kann; die typischen Stärken und Schwächen sind jedenfalls dieselben wie immer. Der Cast lässt allerdings im Vergleich mit früheren Staffeln doch merklich Federn, wenn man nun schon Emma Roberts als Zugpferd verkaufen muss.
Masters of the Universe - Revolution (5/10)
Ein Selbstversuch in Form einer Konfrontation des Erwachsenen mit seinen Fantasy-Adventure-Wurzeln aus der Kindheit. Die Neuauflage pendelt aber zu unentschlossen zwischen den Mustern klassischer Kinderserien und Adult Animation, um den Mann wie auch das Kind im Manne zufriedenzustellen. Beides gelingt nicht so ganz, des ambitionierten Drehbuchs und der hübsch leuchtenden Verpackung zum Trotz.
Terminator Zero (4/10)
Die Anime-Adaption der Franchise liefert einige interessante Ansätze zum Thema KI, arbeitet diese aber nicht ausreichend aus und verzettelt sich irgendwann in seinen ambitionierten philosophischen Ansätzen. Auch die Animation fällt er zweckmäßig als inspirierend aus. Fatal ist letztlich vor allem, dass keinerlei Terminator-Atmosphäre entsteht. Das hätte man besser als eigenständigen Beitrag zur Thematik produziert und vermarktet.
Star Wars - The Acolyte (3.5/10)
Mehr eine Kostümparty als eine Star-Wars-Serie, zirkulierend um einen dünnen Plot, der gleich aus mehreren Perspektiven eingefangen werden muss, um die Laufzeit auf Serienlänge zu strecken. Der bisherige Tiefpunkt der Bemühungen Disneys, das Star-Wars-Universum in einem Zyklus von TV-Serien zu expandieren.
Die besten Seriendarsteller:
Colin Farrell (The Penguin, John Sugar)
Jeremy Allen White (The Bear)
Walton Goggins (Fallout)
Cooper Koch / Nicholas Alexander Chavez / Javier Bardem / Chloe Sevigny (Monsters)
Statistik:
FILME
gesehene Filme: 430 (2023: 390, 2022: 396, 2021: 456, 2020: 324, 2019: 253, 2018: 306, 2017: 279, 2016: 247, 2015: 227, 2014: 297)
- davon keine Erstsichtung: 47 (10,93%)
- davon Filme aus 2024: 80 (basierend auf deutscher Erstveröffentlichung, d.h. entweder Kinostart oder Heimkinorelease) (18,60%)
Kinobesuche: 7 (2023: 6, 2022: 4, 2021: 5, 2020: 1, 2019: 8, 2018: 8, 2017: 10, 2016: 7, 2015: 9)
% Verteilung UHD / Blu-ray / DVD / VOD / Kino:
2024: 4,19% / 47,21 % / 6,98 % / 40,0 % / 1,63 %
2023: 5,38 % / 50,26 % / 4,10 % / 38,46 % / 1,54 %
2022: 2,78 % / 45,96 % / 6,57% / 43,69 % / 1,01 %
2021: 0,88 % / 63,16 % / 7,68% / 27,19 % / 1,10 %
2020: 0 % / 64 % / 4 % / 32 % / 0,31 %
prozentuale Verteilung amazon Prime / Netflix / Disney / Youtube / Netzkino / Paramount + / Plex / Apple TV / Wow / Mubi / Joyn:
2024: 48,26 % / 19,77 % / 7,56 % / 1,16 % / 0 % / 1,74 % / 0 % / 8,14 % / 1,74 % / 11,05 % / 0.58 %
2023: 55,33 % / 22,0 % / 14,0 % / 3,33 % / 0,58 % / 0 % / 4,67 % / 0,67 % / 0% / 0% / 0%
2022: 50,29 % / 34,10 % / 13,29% / 1,73 % / 0,58 % / 0 % / 0 % / 0% / 0% / 0%
2021: 56,45 % / 31,45 % / 12,10 % / 0 % / 0 % / 0 % / 0 % / 0% / 0% / 0%
SERIEN
gesehe Serienstaffeln: 39 (2023: 39, 2022: 39, 2021: 33, 2020: 52, 2019: 47, 2018: 37, 2017: 41, 2016: 47, 2015: 47, 2014: 47)
% Verteilung Blu-ray / DVD / VOD:
2024: 17,95 % / 10,26 % / 71,79 %
2023: 12,82 % / 15,38 % / 71,79 %
2022: 7,69 % / 12,82 % / 79,49 %
2021: 30,30 % / 24,24 % / 45,45 %
2020: 17,3 % / 42,3% / 40,3 %, 2019: 36 % / 26% / 38 %)
% Verteilung amazon Prime / Netflix / Disney / Paramount + / Apple TV:
2024: 17,86 % / 35,71 % / 35,71 % / 3,57 % / 7,14 %
2023: 17,86 % / 53,57 % / 25,0 % / 3,57 % / 0 %
2022: 9,68 % / 74,19 % / 16,13 % / 0 % / 0%
2021: 26,67 % / 45,45 % / 13,33 % / 0 %
Filmsichtungen nach Produktionsland sortiert (basierend auf ofdb-Angaben / bei mehreren Produktionsländern pro Film wurde jedes Land prozentual berechnet):
USA: 185,91
Großbritannien: 40,72
Japan: 38,53
Frankreich: 31,90
Hongkong: 23,73
Italien: 16,32
Deutschland: 14,51
Mexiko: 7,33
Südkorea: 7,00
Kanada: 6,99
Spanien: 6,32
Australien: 6,00
China: 4,33
Irland: 3,33
Polen: 3,16
Indonesien: 3,00
Ungarn: 2,20
Argentinien: 2,00
Griechenland: 1,70
Schweiz: 1,53
Philippinen: 1,50
Schweden: 1,50
Sowjetunion: 1,50
Tschechische Republik: 1,50
Niederlande: 1,44
Brasilien: 1,33
Belgien: 1,20
Indien: 1,20
Neuseeland: 1,03
Island: 1,00
Thailand: 1,00
Tschechoslowakei: 1,00
Serbien: 0,75
Dänemark: 0,50
Finnland: 0,50
Vereinigte Arabische Emirate: 0,50
Taiwan: 0,33
Türkei: 0,33
Uruguay: 0,33
Filmsichtungen nach Jahrzehnt (basierend auf ofdb-Angaben):
2020er: 163
2010er: 34
2000er: 21
1990er: 42
1980er: 50
1970er: 55
1960er: 40
1950er: 12
1940er: 2
1920er: 1
Re: Filmtagebuch: Vince
Nice, danke. Hau die Kurzkommentare gern doch auch einfach in die entsprechenden Review-Threads. 
Re: Filmtagebuch: Vince
Die Anzahl der Filme ist mal wieder amtlich. Wusste gar nicht, dass du den Pinguin geguckt hast, war ja ähnlich beeindruckt. Dito zu Zone of Interest. Jederman, den ich ihn empfahl, war ähnlich geschockt.
Re: Filmtagebuch: Vince
@StS: Ja, kann ich machen!
@SFI: Zu bedenken ist allerdings, dass ich auch Kurzfilme mitzähle. Theoretisch bin ich auch dieses Jahr schon wieder bei 6 Filmen, faktisch habe ich aber heute einen 70-minütigen Stummfilm gesehen und dann noch drei Kurzfilme des Hauptdarstellers hinterher. Wobei sich die Zahl der gesehenen Kurzfilme einigermaßen in Grenzen hält. Der Pinguin war die letzte Serie des Jahres, habe ich gerade erst beendet. War eine schöne Krönung zum Abschluss, ansonsten wäre die Serienausbeute eher ernüchternd ausgefallen.
@SFI: Zu bedenken ist allerdings, dass ich auch Kurzfilme mitzähle. Theoretisch bin ich auch dieses Jahr schon wieder bei 6 Filmen, faktisch habe ich aber heute einen 70-minütigen Stummfilm gesehen und dann noch drei Kurzfilme des Hauptdarstellers hinterher. Wobei sich die Zahl der gesehenen Kurzfilme einigermaßen in Grenzen hält. Der Pinguin war die letzte Serie des Jahres, habe ich gerade erst beendet. War eine schöne Krönung zum Abschluss, ansonsten wäre die Serienausbeute eher ernüchternd ausgefallen.
Re: Filmtagebuch: Vince
Bei dem Thema Serienausbeute begegnen wir uns immer wieder. Ich habe ja nun in der letzten Dekade schon deutlich mehr die Serienlandschaft abgegrast als du und finde dennoch immer wieder Highlights. Du erwähntest, dass dir bei "Cinematic Series" die Handlung oft zu gestreckt vorkommt, soweit so gut. Ich werde aber das Gefühl nicht los, dass dir aufgrund deines ausgeprägten Filmkonsums der Überblick im Dickicht der Serienlandschaft fehlt. Es kann doch nicht sein, dass man so wenige Serien wie du guckt und dann von Ernüchterung spricht.
Alleine schon das recht aktuelle und abgeschlossene Succession oder aber Katalog-Titel.
Re: Filmtagebuch: Vince
Ja, will ich gar nicht ausschließen, dass mir da Perlen entgehen. Bei durchschnittlich "nur" 40 Staffeln pro Jahr muss man halt ein wenig selektieren, und da spielen viele Faktoren mit ein: Welche Serien haben gute Kritiken bekommen, welche interessieren mich persönlich so sehr, dass ich sie ungeachtet aller Kritiken schauen muss, wie viele Folgen sind es, ist es ein One-Season-Event oder muss ich da 15 Staffeln durchhauen, wenn ich einmal anfange, interessiert meine Frau sich auch dafür (denn viele Serien schaue ich mit ihr zusammen) etc. Dadurch verpasse ich sicherlich das eine oder andere. Zumal es einfach kaum noch diese Massen-Events gibt, jeder hat halt so seine eigenen Favoriten. Am Querschnitt sehe ich aber schon, dass die Qualität von vor 10 Jahren nicht mehr so ganz gehalten werden kann und es inzwischen viel mehr um Quantität geht. Ich möchte mich da nicht beschweren, die aktuelle Situation ist immer noch ein Paradies verglichen mit den 90ern, wo man gefühlt nur Twin Peaks, Akte X und die Simpsons hatte.
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Re: Filmtagebuch: Vince
Ich habe es leider (mal wieder) nicht geschafft alle Filme aus 2024 zu sehen, die ich mir vornahm.
Challengers, The Substance, Longlegs trage ich seit ihrem Release als Sehwunsch mit hier herum, vor allem auf The Substance bin ich gespannt, da bei dem ja die Meinungen sehr stark auseinander gehen.

Zumindest ist mir kein Film dieses Jahr immer wieder ins Gedächtnis gekommen und hat mir dabei auch noch ein kopfschüttelndes Grinsen bereitet.
Ein Paradebeispiel dafür, was ein guter Schauspieler für einen Unterschied machen in einem stumpfsinnigen Film. Nur Gyllenhaals wegen habe ich mir den Film angesehen (bin kein großer Fan des Originals) und danach richtig Lust bekommen noch mehr von ihm aufzuarbeiten.
Challengers, The Substance, Longlegs trage ich seit ihrem Release als Sehwunsch mit hier herum, vor allem auf The Substance bin ich gespannt, da bei dem ja die Meinungen sehr stark auseinander gehen.
Widerspenstigkeit kann viele Facetten haben - das ist eine, zu der ich einfach nur "Nein" sagen kannKinds of Kindness (8/10)
Sperrig und unterkühlt, dafür aber formalästhetisch mit einer aromatischen Zwiebelnote, schauspielerisch hochklassig und inhaltlich aus zahllosen hauchdünnen Schichten bestehend, durch die man sich mühsam durchkauen muss. Derart widerspenstig mag ich meinen Lanthimos noch am liebsten.
Ein Film, den ich ganz bewusst umgangen bin. Hier habe ich deutlich mehr als bei jedem anderen Film eine ganz klare Vorstellung davon bekommen was mich erwartet und wie ich das empfinden werde und irgendwie reicht mir das bereits.The Zone of Interest (8.5/10)
Familienidylle als Fassade für den nackten Horror. Bescheidenheit und Ordnung überdeckt Chaos. Lediglich gedämpfte Schreie am Horizont schaffen es durch den Filter... kaum ein Film spielte dieses Jahr gekonnter auf der Klaviatur des Grauens, und wohl keiner nutzte eine der größten Mächte des Kinos mit mehr Effizienz: Die Implikation des nicht Gezeigten.
Du hast schon Recht, dass der sich angesichts der heutigen Zeit bisschen was traut, aber vllt möchtest du dir zum Vergleich auch mal die französische Interpretation aus 2018 ansehen - Nicky Larson (hatte letztes Jahr auch ein deutsches Release), der in der Hinsicht doch nochmal eine Spur frecher und unverschämter war.City Hunter (5/10)
Nicht ganz so durchgeknallt wie die erste Realverfilmung mit Jackie Chan, staunt man aber doch Bauklötze, wie die neue Adaption nicht nur physikalische Regeln missachtet, sondern bisweilen auch die moralischen Sensibilitäten unserer Zeit. Das verdient Respekt. Albern bleibt es trotzdem.
Nenn mich degeneriert und ich hätte es selbst nicht erwartet, aber irgendwie ist das mein Film des JahresRoad House (6/10)
Von einem handelsüblichen Remake unterscheidet sich „Road House“ dadurch, dass er es längst nicht mehr nötig hat, das Original zu dekonstruieren. Er dekonstruiert die Coolness an sich.
Zumindest ist mir kein Film dieses Jahr immer wieder ins Gedächtnis gekommen und hat mir dabei auch noch ein kopfschüttelndes Grinsen bereitet.
Ein Paradebeispiel dafür, was ein guter Schauspieler für einen Unterschied machen in einem stumpfsinnigen Film. Nur Gyllenhaals wegen habe ich mir den Film angesehen (bin kein großer Fan des Originals) und danach richtig Lust bekommen noch mehr von ihm aufzuarbeiten.
Re: Filmtagebuch: Vince
Naja, Road House als Film des Jahres zu bezeichnen, das ist jetzt auch wieder ziemlich gewagt
Kann aber nachvollziehen, weshalb der hängen bleibt, ich hatte auch das Gefühl, der wurde in der Bewertung dieses Jahr arg unterschätzt, weil viele darin einfach nur ein schlechtes, weil total überzogenes Style-over-Substance-Remake darin gesehen haben. Ich denke auch, dass da noch mehr drin steckt. Gyllenhaal selbst hat mich da aber gar nicht mal so überzeugt, eher das Gesamtpaket inklusive der rüpellosen Inszenierung.
Was Longlegs angeht, ist das wahrscheinlich die Lücke, die mich am meisten stört. Die werde ich hoffentlich bald schließen können.
Was Longlegs angeht, ist das wahrscheinlich die Lücke, die mich am meisten stört. Die werde ich hoffentlich bald schließen können.
Re: Filmtagebuch: Vince
Letterboxd sagt:
Films Logged: 477
Films Reviewed: 195
Hours Watched: 758
Most Watched Actor: Tomisaburō Wakayama (Hauptdarsteller in der "Lone Wolf & Cub"-Reihe und den "Shinobi no Mono"-Filmen)
Most Watched Director: Peter Marzen (kannte ich selber nicht; der ist nur drin, weil ich die 50-teilige Kurzfilmreihe "Europäisches Jahrmarktkino" gesehen habe und er wohl einige dieser Kurzfilme inszeniert hat
Most Watched Week: Week 14 (Apr 1 - 7) - 61 films (das wären dann die Kurzfilme)
Films Logged: 477
Films Reviewed: 195
Hours Watched: 758
Most Watched Actor: Tomisaburō Wakayama (Hauptdarsteller in der "Lone Wolf & Cub"-Reihe und den "Shinobi no Mono"-Filmen)
Most Watched Director: Peter Marzen (kannte ich selber nicht; der ist nur drin, weil ich die 50-teilige Kurzfilmreihe "Europäisches Jahrmarktkino" gesehen habe und er wohl einige dieser Kurzfilme inszeniert hat
Most Watched Week: Week 14 (Apr 1 - 7) - 61 films (das wären dann die Kurzfilme)
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Re: Filmtagebuch: Vince
Ist auch wieder einer der Horrorfilme wo viele sicher erwähnen den kenn ich gar nicht. Ich habe mir aus Interesse einen Carnage Count angeschaut.Mr. Crocket
Dieser Mr Crocket wird schnell vergessen sein wie wenn es eine gefloppte USA 80er Kinder TV Show gewesen wäre.
Wenigstens haben sie mit John Cody einen Profi Puppenspieler bekommen.
https://muppet.fandom.com/wiki/John_Cody
Re: Filmtagebuch: Vince
Resümee 2025:
Wenig Bodensatz, aber auch ein historisches Minimum an Spitzenfilmen: Keine 10/10, keine 9/10, nur eine 8/10, das gab's bei mir auch so noch nicht. Das muss nicht am Filmjahr liegen. Vermutlich habe ich einfach nur die falschen Filme gesehen. Oder ich tendiere mit zunehmendem Alter dazu, alles als grauen Brei zu sehen, ohne allzu viele Ausreißer nach oben und nach unten. Wobei das so nicht ganz stimmt, denn es gab wieder Überraschendes. Aber eben auch viel Streaming-Masse. Das schlägt sich hier wohl nieder.
Letztlich ist es bezeichnend, dass ich gleich am 1. Januar dieses Jahres mit "Romeo is Bleeding", einem der alten Kultklassiker, die ich bisher immer übergangen habe, gleich einen Film erwischt habe, der mir besser gefallen hat als jeder einzelne Film des Jahres 2025, den ich bisher gesehen habe. Vielleicht entdecke ich ja noch ein paar 2025er-Perlen im neuen Jahr.

01. Weapons
Der Horrorfilm bleibt das vitalste, kreativste, ideenreichste Genre der Gegenwart. Mancher Kritiker ist zwar inzwischen dazu übergegangen, unter dem Sammelbegriff „Elevated Horror“ alles despektierlich über einen Kamm zu scheren, was sich nicht den stumpfen Regeln des instinktgesteuerten Proto-Horrors unterwirft (eine interessante Umkehr gegenüber der Filmkritik in der Zeit der Video Nasties, die genau umgekehrt argumentierte), aber an „Weapons“ lässt sich nur wenig Gleichförmiges finden. Einen Film mit einer solchen Struktur hat es jedenfalls in der gesamten laufenden Welle nicht gegeben. Julia Garner als vermeintliche Hauptdarstellerin einzuführen, um schließlich den Blick durch die Vorstadt schweifen zu lassen und mal dieser, mal jener Figur hinein in den Kern des großen Mysteriums zu folgen, das ist ein progressiver Ansatz, der Erwartungen unterläuft anstatt ihnen gefallen zu wollen.
Gegenüber „Barbarian“ hat Zach Cregger außerdem eine Menge dazugelernt. Immer noch wirkt manche Fratze affektiert, mancher Symbolismus plakativ. Aber im gesamten Aufbau spielt er mit erschreckender Präzision auf der Klaviatur des Grauens vor den unsichtbaren Kräften, mit denen die Ordnung des geregelten Alltags aus den Fugen gerät. Dass das Böse in seinem Film letztlich eine derart profane Manifestation erfährt, nimmt einigen Szenen den Grusel (und fügt dem Rezept eine dissonante Note schwarzen Humors hinzu), multipliziert ihn aber dafür in der Nachbetrachtung. Wir stören uns seit Jahren daran, dass es dem Kino zwar kaum an Helden, dafür aber ganz enorm an starken Antagonisten mangelt. Hier spart man sich ausnahmsweise mal an großen Heldenposen und investiert lieber in ein Modell des Bösen, das die Imaginationskraft von Meisterhand zu manipulieren weiß.

02. Sinners
Es stottert ein wenig im Anlauf. Trotz des eleganten Produktionsdesigns verhält sich der erste Akt wie die Handkurbel eines bockigen Oldtimers und besteht auf die Idylle des Stillstands, während sie die Bewegung ablehnt. Ryan Coogler möchte offensichtlich jene Art Film drehen, die sich als etwas tarnt, das sie nicht ist, um in einem radikalen Schlussakkord die Katze aus dem Sack zu lassen. Das gelingt ihm nicht ganz mit der gleichen Stilsicherheit, die Rodriguez und Tarantino im offensichtlichen Vergleichsobjekt „From Dusk Till Dawn“ an den Tag legten.
Wenn der Motor aber einmal läuft, dann läuft er so richtig. Coogler lässt in der Abenddämmerung die Pupillen funkeln, mit einer Maske der Freundlichkeit den Horror walten. Der selbst beschworene Rassismus wird mit einer furiosen Tanzsequenz gekontert, die Dekaden afroamerikanischer Kultur miteinander verschmelzt. Der Spieß ist gedreht; nun ist es der Stillstand, der nicht willkommen ist. Dem Zuschauer soll es recht sein, er wird Zeuge eines gewaltigen Infernos, mit gewissen Anklängen an die HBO-Serie „Lovecraft Country“ und auch an das diesjährige Serien-Event „IT – Welcome to Derry“.
Michael B. Jordan reibt sich derweil in einer Doppelrolle auf, die die innere Zerrissenheit des Films und des Regisseurs auf den Punkt bringt. Die vollständige Kontrolle über das Genre-Handwerk gilt es noch zu erlernen, aber das dazu nötige Feuer lodert in ihm.
03. The Brutalist
Dass er zu architektonischen Meisterwerken in der Lage sein würde, deutete Brady Corbet bei seinem streitbaren „Vox Lux“ bereits an, der selbst die glatte Form der Popmusik annahm, die er behandelte. In „The Brutalist“ geht er nach dem gleichen Schema vor und imitiert erneut das Objekt, das er behandelt: Riesige, minimalistische Flächen formen sich zu Kapiteln, die sich zu einem monströsen filmischen Konstrukt verbinden, das von seinen scharfen Kontrasten lebt, seinem Korn, seiner Haptik und seinem schieren Volumen.
Dabei kondensiert unentwegt Leere in die Stratosphäre; es ist schließlich nur ein Mann, ein schmächtiger Strich in der Landschaft noch dazu, um den sich die dreieinhalb Stunden drehen. Adrien Brody wirkt immerzu wie ein geprügelter Hund, den man ein paar Mal zu oft durch die brennenden Reifen des Holocaust gepeitscht hat. Umso faszinierender ist die Größe, die sein Schatten am Ende auf die überdimensionale Betonleinwand wirft.
04. The Ugly Stepsister
Wenn eine hohle Redewendung wie „Wer schön sein will, muss leiden“ als Zusammenfassung einer Filmhandlung dient, kann von Innovationen natürlich nicht die Rede sein. Emilie Blichfeldt beweist mit ihrem Regiedebüt, dass man mit einem solchen Stoff trotzdem bis an die Schmerzgrenze gehen kann. „The Ugly Stepsister“ ist aufgrund der gezeigten selbstzerstörerischen Akte streckenweise unerträglich anzusehen, gerade weil hinter dem Körperhorror die pervertierten Sitten der oberen Schicht die Psyche eines unausgereiften Geistes beeinflussen. Im Kontrast dazu steht die surreal verfremdete Optik mit ihren Ähnlichkeiten zu Märchenklassikern wie „Viy“ oder mit Bezug auf die expliziten sexuellen Inhalte auch Borowczyks „Das Biest“.
05. Wake Up Dead Man
Kein Puzzle wie das andere. Das ist die Erfolgsformel der Knives-Out-Reihe, die zum dritten Mal in Folge völlig neue Settings beackert, neue Schlussfolgerungen ableitet, neue Kippbilder konstruiert, oder, wie in diesem Fall, Buntglasmosaike einsetzt – und ihr Niveau dabei durchgehend bewahrt. Die Kirche hat in Bezug auf die Anliegen dieser Murder-Mystery-Reihe die Spendierhosen an und geizt als Motiv nicht mit Angriffspunkten. Geheimgänge, doppelte Böden und symbolische Verschlüsselungen sind nur allzu dankbare Instrumente, die nicht ohne Bezug zur aktuellen Politik und Religion für ein artistisches Kunststück des Whodunit eingesetzt werden, das man ob der Scheinkomplexität der sich überschlagenden Ereignisse beinahe schon zum Whodidwhat taufen muss. Stark mal wieder die hochkarätigen Neuzugänge, die mit dem neuen Einsatzgebiet einhergehen; die einzige Konstante bleibt hingegen Daniel Craig. Ein Fels in der Brandung, den man schon jetzt nicht mehr ausschließlich mit James Bond assoziieren kann. Benoit Blanc hat er sich mindestens ebenso sehr zu eigen gemacht.
06. Nosferatu
Ähnlich wie Guillermo del Toro mit „Frankenstein“ macht sich Robert Eggers mit „Nosferatu“ einen Stoff zu eigen, der in der Popkultur längst ein Eigenleben entwickelt hat; nur dass Eggers Seele ungleich düsterer zu sein scheint. Seine Titelfigur pendelt am Abgrund zwischen Mensch und Monstrum, in ihr vermischen sich Entitäten, die man instinktiv in ontologischer Trennung voneinander halten möchte. Skarsgard ist nicht mehr zu erkennen, spielt aber ohnehin nur einen Schatten in einer Erzählung, die sich ganz auf die Spiegelungen in den aufgerissenen Augen von Lily-Rose Depp fokussiert.
Eigentlich möchte man von Eggers lieber originäre Stoffe sehen, aber in Schlüsselmomenten oszilliert „Nosferatu“ eine animalische Kraft, der man sich kaum entziehen kann.
07. Juror #2
Ein durch und durch klassisches Gerichtsdrama, das konsequent um sein durchdachtes Drehbuch herum aufgebaut ist, so etwas bekommt man nicht mehr alle Tage. Vielleicht braucht es dafür tatsächlich inzwischen einen Dinosaurier wie Clint Eastwood. Der hatte sein Mojo in den letzten Jahren ein wenig verloren, meldet sich auf die alten Tage aber mit seiner besten Regiearbeit seit langer Zeit zurück. Hier ist jeder Zug präzise beobachtet und mit Sorgfalt arrangiert. Zwischen jenen, die persönlich in den Fall verstrickt sind, und jenen, die ihn von außen zu bewerten haben, flimmert die unausgesprochene Anspannung unentwegt, und die Kamera ist als neutrale Instanz immer mit dabei, um das Augenmerk auf unscheinbare Indizien zu legen. Derart fokussiertes Filmemachern unter Vermeidung ablenkender Haken und Ösen erscheint wie eine Fata Morgana, eine Reise zurück in die 90er.
08. Better Man
Es sind nicht die Märchenfiguren, die durch bunte Computerwelten hüpfen und ihre Arien in die Stratosphäre trällern, die den Musikfilm retten... sondern es ist tatsächlich ein exzentrischer Sonderling wie Robbie Williams, der diesen Job erledigt. An seine Biografie konnte man, sofern man sich nicht zu seinen Fans zählte, keine besonderen Erwartungen haben, insofern überrascht „A Better Man“, überrumpelt, überfährt und plättet, während die Erkenntnis reift, dass seine rotzigen Popsongs dem Genre mehr zu geben haben als eigens zu diesem zweck komponierte Orchestersinfonien.
Zwar hat der vom Popstarleben vorgegebene Rise-and-Fall-Aufbau keinerlei Besonderheiten zu bieten, was ja überhaupt der Grund ist, weshalb man sich von einer Robbie-Williams-Biografie keine Wunder erwartet hat. Aber den Mann, den man sich ohnehin vor dem inneren Auge immer wie einen Schimpansen ausgemalt hat, tatsächlich von einem Schimpansen spielen zu lassen, das ist schon ein kleiner Geniestreich, und die Musical-Szenen sind von einer ungebremsten, unaufgesetzten, spontanen Lebendigkeit, wie man sie lange nicht gesehen hat.
09. Frankenstein
Guillermo del Toros großes Herzensprojekt ist einmal mehr etwas durch und durch Klassisches, eine bereits oft erzählte Parabel aus alten Tagen, zu deren illustren Runde von Erzählern er sich gesellen möchte. Es geht offensichtlich um seinen persönlichen Ausdruck als Erinnerung an das Vergangene.
Diese Art des konservativen Filmemachens trägt wenig Aufregendes in sich. Dramaturgisch dümpelt „Frankenstein“ mit der für den Regisseur typischen geschwungenen Trägheit vor sich hin. Er hält seine Kapitel flach und ebenmäßig wie die Seiten zwischen einem Buchdeckel, lässt selbst vermeintlichen Höhepunkten wie der Erweckung des Monsters nicht mehr Aufmerksamkeit zukommen als eben die Zeit, die es braucht, um die Szene zu vollenden, ihm bietet.
Gleichwohl wäre „Frankenstein“ zweifellos einer der schönsten Filme des Jahres, wenn man sich die ein oder andere CGI-Entgleisung wegdenkt. Diese Ausstattung, diese Kostüme, diese endlose Farbenpracht. Jede einzelne Szene ein Kunstwerk, in das man eintauchen kann, dessen Pigmente man ertasten kann wie die Erhebungen von Öl auf Leinwand.
Im Ergebnis steht wieder diese seltsame Mischung von Langeweile und Faszination, wie eine ganz eigene Geschmacksrichtung, die diesen Regisseur so relevant, weil einzigartig bleiben lässt.
10. The Great Flood
Wie so viele Katastrophenfilme beginnt „The Great Flood“ im Kleinen, um seinen Fokus nach und nach auszuweiten und zum Schluss die große Welle zu machen. Zum Schluss? Diesmal nicht so ganz. Was nämlich zunächst wie ein konventioneller Vertreter seines Fachs klingt, dreht die sonst so traditionell verlaufenden Genre-Markenzeichen völlig auf links. Das mag eine Enttäuschung sein für jene, die sich auf einen altmodischen Thriller gefreut haben, zumal Kim Byung-woos Streifen in der ersten Hälfte enorm abliefert und mit gut getricksten Riesenwellen effektiv Aquaphobien fördert... nicht ohne mit der Darstellung des beengten Zusammenlebens in einem Wohnkomplex in Seoul eine weitere Phobie zu befeuern, die in diesem Jahr noch spezifischer sogar in „84m²“ adressiert wurde.
Dass die Natur keineswegs die einzige sadistische Macht im Film bleibt, scheidet offenbar die Geister. Rein technisch ist durchaus ein Spannungsabfall bemerkbar, als die Intensität der Ereignisse im zweiten Teil spürbar in sich zusammenfällt. Die philosophischen Gefilde, die am Ende von den Wellen geflutet werden, bergen allerdings genug Reizvolles, um sich Anerkennung zu verdienen, und sei es nur in Form hitzköpfiger Diskussionen. Niemand, der diesen Film in einer größeren Runde sieht, wird ihn anschließend wortlos zu den Akten legen und zum nächsten Film wechseln.
11. Broken Rage
Selbstportrait eines Veteranen in zwei Perspektiven. Kitano, der alte Kauz, zeigt mal wieder, wie man auch heute noch mit eigenwilligen Erzählmethoden abseits ausgetrampelter Pfade aus der Reihe tanzen kann. Hätten all die anderen bei den Streamern versendeten Auftragskillerfilme eine solche Eigentümlichkeit an sich, bräuchte man eigentlich drumherum gar keine anderen Themen mehr.
12. Predator: Killer of Killers
Die Kontextualisierung des Killers, die bereits mit „Prey“ begann, nimmt endgültig Fahrt auf. In einem zugegeben gewöhnungsbedürftigen Animationsstil, dessen Ecken und Kanten in Bewegung allerdings schnell unsichtbar werden. Was als Häppchen zur Verkürzung der Wartezeit auf den nächsten Film gedacht war, ist in Wirklichkeit der bessere der beiden diesjährigen Filme zu dieser Figur. Ein Husarenritt durch drei Kapitel Menschheitsgeschichte, in denen der Spitzenprädator seine volle Bandbreite im Umgang mit harter Defense, Stealth-Einlagen und Frontalattacke austesten kann. Heimspiel-Epilog inklusive. Abwechslungsreich und spektakulär.
13. A Real Pain
Zwei Blutsverwandte, die unterschiedlicher nicht ticken könnten... und doch durch ihre Identität eng miteinander verbunden sind. Ein Eurotrip wird zu einer Reise durch die Familienhistorie, in deren Verlauf Wahrheiten und Geständnisse unweigerlich an die Oberfläche drängen. Jesse Eisenberg leistet seinen wichtigsten Beitrag als Autor und versorgt sich selbst, vor allem aber seinen grandios aufspielenden Co-Star Kieran Culkin mit vorzüglichen Dialogen, die das Ding im Alleingang nach Hause tragen. Da kann man den mit durch die Handlung geschliffenen Selbstfindungskitsch im Rucksack ausnahmsweise mal ignorieren. Culkin, entfremdet von der Welt, mit sich selbst im Reinen auf einer Bank am menschenvollen Flughafen, das ist früh im Kinojahr eine Erinnerung, die gespeichert bleibt.
14. Fight or Flight
Zugegeben: Ich hatte längere Zeit nicht mehr so viel Spaß bei einem Film. Wenn man den naheliegenden Vergleich mit Bullet Train bemühen will, dann ist das hier die viel lockerere, sympathischere Variante davon. Natürlich muss man in Sachen Logik einige Kröten schlucken, aber Hartnett spielt das unter seiner potthässlichen Haarpracht (und der teilweise wirklich absurden Garderobe) so locker-flockig runter, dass es eine wahre Freude ist.
15. The Toxic Avenger
Holt die Festtagslätzchen raus, sperrt die Schwiegermütter ein: Der Name des vielleicht nicht ersten, aber mit Sicherheit knuddeligsten aller Avengers flimmert wieder Blutrot auf Glibbergrün über die Schleimwände.
16. Fantastic 4: First Steps
Das sehr eigene 60s-Retro-Design vermittelt in Kombination mit dem geschlossenen Szenario eine sehr konkrete Vision, die allen bisherigen Versuchen, die „Fantastic Four“ auf die Leinwand zu bringen, noch abgingen. In dem weltenverschlingenden Antagonisten, dem irdischen Widerstand und der interstellaren Kommunikation zwischen den Parteien durch die silberne Wellenreiterin sind politische Parabeln verborgen, die den Krieg zwischen Außerirdischen und Übermächtigen stets begreifbar wirken lässt, die lautstarke Menge immer im Rücken. Wie gut oder schlecht die Fantastic Four in Bezug auf ihre Eignung für die jeweilige Rolle gelungen ist, sei dahingestellt; es ist aber im Gegensatz zum letzten Versuch eine Chemie zu spüren, die bei einem Team-Up immer wichtiger ist als der Einzelne. Insofern ist wohl nicht nur von der bis dato besten „Fantastic Four“-Verfilmung zu sprechen, sondern vermutlich auch von der besten Superheldenverfilmung 2025.
17. A House of Dynamite
Die Rashomon-Struktur weiß Kathryn Bigelow nur bedingt zur Intensivierung der dramatischen Minuten vor einem Raketeneinschlag zu nutzen, um welche die Handlung von „A House of Dynamite“ gestrickt ist. Mit diesem Kniff legt sie lediglich schichtweise die Perspektiven der Entscheidungsträger frei, denen es ohne den gezeigten Kontext noch an Nachvollziehbarkeit mangeln könnte. Es fehlen jedoch die dadurch initialisierten Plotwenden, wie sie beispielsweise Ridley Scott zuletzt noch in „The Last Duel“ in Gang setzte.
Die Handlung ist aber bewusst aerodynamisch zugeschnitten, ihre Muster folgen stringent der geraden Flugbahn der Rakete. In der Irreversibilität der Geschehnisse lag immer schon Bigelows große Stärke; hier durchstößt das unerbittliche Ticken des Countdowns ein unentwirrbares Gestrüpp aus moderner Technologie zum Zwecke der Kommunikation und der Kriegsführung. Dass sie auf einen klassischen, rationalen US-Präsidenten als Entscheidungsträger setzt, unterstreicht ihr Verlangen, die Bedingungen für ein Experiment zu setzen, das unter neutralen Bedingungen stattfindet. Trotz dieser Abweichung zur amerikanischen Jetztzeit ist das Gedankenspiel realistisch genug, dass man die eigenen Finger in den letzten Sekunden in die Polster gekrallt wiederfindet.
18. The Surfer
Unangenehm, beklemmend, und dennoch auf bizarre Weise einer dieser Wacky-Cage-Streifen, die man einfach nur abgefahren finden kann.
19. Black Bag
Schlank. Fokussiert. Vielschichtig. Stilbewusst. Smart. Attribute, die rar geworden sind im Kino. „Black Bag“ ist völlig aus der Zeit gefallen, ein Produkt aus einer weit zurückliegenden Epoche im Grunde, das sich ganz und gar auf die Ausstrahlung seiner Stars verlässt. Der Haken: Es ist eher ein unverbindliches Gedankenspiel als ein waschechter Spionagethriller, als ein Film im wahrsten Sinne. Nichtsdestotrotz: „Black Bag“ verkörpert das solide Mittelklasse-Kino, das früher mal so relevant war und heute fast obsolet geworden ist. Dabei wird es weiter dringend gebraucht, damit auf der Waage zwischen dem Multimillionen-Dollar-Kino und den Indie-Produktionen das Gleichgewicht gehalten werden kann.
20. Together
Body Horror mit Melt-Effekten als Paartherapie. Merkwürdige Entwicklung, wenn man von „The Thing“ kommt. Auch „Together“ kommt von „The Thing“, wie die Eröffnungssequenz einem aufs Brot schmiert, aber der Rest bedient sich aus der Indie-Autorenschmiede für kleine, kompakte Dramen. Dave Franco und Alison Brie zweckentfremden ihren Schauspielberuf für psychoanalytische Selbstbeobachtung, und Michael Shanks schreibt ihnen dazu etwas auf den Leib, das einem Mikropräparat unter einem Mikroskop ähnelt. Verschmelzen statt zerreißen, bis zur vollkommenen Symbiose; die gilt aber nur für die Figuren, nicht für die involvierten Genres, denn es profitiert nur das Beziehungsdrama, nicht der Body Horror. Das nennt man dann wohl Kommensalismus.
21. Mission: Impossible – The Final Reckoning
Zu viel Volumen, zu wenig Inhalt. Mit seinen fast drei Stunden Laufzeit ist der achte Teil der Reihe schlicht und ergreifend zu umständlich erzählt. Um die Gefahren künstlicher Intelligenz zu erörtern und Kritik an der Fremdbestimmung der digitalisierten Gesellschaft zu üben, gibt es sicherlich bessere Plattformen als diese Reihe und schärfere Pointen als jene, die Christopher McQuarrie in seinen endlosen Ausführungen eher schlecht als recht mit ihren Markenzeichen zu verknüpfen versucht. Noch dazu hat sich sein Regiestil nach dem herausragenden sechsten Teil überlebt. Und doch gibt es einmal mehr Gründe für Begeisterung. Sie liegen tief unter Wasser, hoch in der Luft... und weiterhin im motivierten Leuchten der Augen des Hauptdarstellers, dem die Zeit nichts anzuhaben scheint.
22. Ballerina
Es ist immer noch rätselhaft, wieso jemand auf die Idee kam, ausgerechnet einen Film wie „John Wick“, einen einfachen, kleinen Rachefilm, wie Dutzende von ihnen in geringerer oder gleicher Qualität jedes Jahr angespült werden, zum Ausgangspunkt eines technokratischen Weltenbaus zu erklären, der seitdem seinesgleichen sucht. Auch wenn seither unterhaltsame Fortsetzungen entstanden sind: Gebraucht hätte es nichts davon. Den stilistischen Überbau, der seitdem so viele Zuschauer begeistert, hätte man genauso gut auf neue Ideen pflanzen können.
Daraus folgt, dass natürlich auch „Ballerina“ maximal überflüssig ist, nicht anders, als schon die Prequel-Miniserie vor zwei Jahren. Nur zusätzliche Anhäufung von Ballast. Hier wird nun eben eine neue, weibliche Figur eingeführt, wie um die Balance im Universum zu halten. Anna de Armas hält sich trotz der wenig einfallsreichen Anlage ihrer Figur wacker, aber ihre Anfälligkeit für Gegentreffer wirkt einstudiert, so als solle ganz bewusst gegen das Normativ der unbesiegbaren Powerfrau angekämpft werden, um endlich wieder die Glaubwürdigkeit des feministischen Actionfilms zu rekonstruieren.
Bei einem Spin-Off würde man aber trotzdem Nachlässigkeiten erwarten, was die Konzeption zwingender Action und Kinematografie angeht. Das ist hier wider Erwarten nicht der Fall; nicht nur leuchten die in Österreich, Tschechien und Ungarn gefilmten neonweißen Winterlandschaften magischer als wohl jeder 2025 erschienene Weihnachtsfilm, auch werden mit einer ausladenden Flammenwerfer-Sequenz mal wieder neue Maßstäbe für das Genre gesetzt.
23. Superman
Die unschuldige Freude an der ursprünglichen, reinen Pop Art, wie die Kinder der späten 1930er sie bei Erscheinen des ersten Superman-Comics empfunden haben müssen, will man dieser Neuausrichtung nicht unbedingt durch den eigenen Zynismus wieder wegnehmen, der sich aus der Lawine von Comicverfilmungen in den letzten 15 Jahren gebildet hat. So naiv war Superhelden-Unterhaltung schließlich seit den 90ern nicht mehr. Das Art Design zeugt von einer entsprechenden Klarheit, es gibt nur Wolken, Eis und den hellblauen Himmel. Die DC Studios fühlten sich diesmal sogar bemächtigt, Krypto in die Handlung einzubinden, das Doggy-Accessoire, das in „DC League of Super-Pets“ bereits einen Testlauf durchzogen hatte und nun vorausgeschickt wird, um die Sympathien eines Massenpublikums zu gewinnen. Eine vor wenigen Jahren noch undenkbare Konstellation. Ein Stück weit fühlt sich hier alles frei an, auch wenn hiermit natürlich auch wieder ein neuer Startpunkt gesetzt werden soll für eine Storyline, die sich im Erfolgsfall über etliche Fortsetzungen und Spin-Offs erstrecken wird.
David Corenswet ist nach Henry Cavill trotzdem ein gewaltiges Downgrade, Nicholas Hoult bestenfalls ein unauffälliger Kontrahent, und auch James Gunn gelingt es nicht, der Hauptfigur eine emotionale Komponente abzuringen. Auch der neue „Superman“ ist in erster Linie Architektur und perspektivisches Staunen, weniger ein Held zum Anfassen, für dessen Bürden man sich wirklich interessiert.
24. Final Destination Bloodlines
Was für ein Geniestreich James Wong 2000 mit „Final Destination“ gelungen war, wussten Kritiker bei Erscheinen noch überhaupt nicht zu würdigen: Er hatte die Blaupause für eine neue Art von Slasher des neuen Jahrtausends gelegt, die sich dazu eignete, hundertfach reproduziert zu werden. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hat, dann liefert ihn 25 Jahre später „Final Destination Bloodlines“. Es ist die Reaktivierung einer Franchise, die gefühlt nie tot war, sondern immer nur darauf wartete, aus dem Eisfach geholt zu werden. Und der Tod macht einfach weiter, wie es ihm beliebt. Es ist die überbordende Kreativität dieses unsichtbaren Parcoursbauers, die verhindert, dass sich das Konzept überlebt. Was diesen Neustart angeht, braucht man zwar eine hohe Logiktoleranz und ein dickes Fell, was bescheuerte Handlungsmuster einiger Figuren angeht. Aber die Pause seit Teil 5 hat gezeigt, dass keine andere Reihe dazu in der Lage ist, vergleichbaren Achterbahn-Horror zu bieten. Kein über die Maßen guter Film zwar, aber doch einer, der zeigt, dass das Rezept absolut wasserdicht ist. More sequels incoming.
25. Eden
Das Spekulative von „The Philosophers“ (2013) vermischt sich in „Eden“ mit historischen Ereignissen rund um die Galápagos-Affäre , die in erster Linie durch Medienberichte überliefert ist und deswegen viel Raum zur freien Interpretation bietet. Und Ron Howards Robinsonade hält sich diesbezüglich nicht zurück. Um gehaltvolles Spannungskino zu bieten, spannt er ein Netz aus Intrigen über einem philosophischen Unterbau, in dem vor allem Ana de Armas dazu angehalten ist, maßlos zu überziehen, um die anthropologischen Grundlagen auf der Insel schnellstmöglich zur Zivilisationsbasis zurückkehren zu lassen, die gleichzeitig auf dem Festland ins Monströse ausgeartet ist. Sämtliche Darsteller im Film sind letztlich Repräsentanten von gewissen Typen Mensch; der Überlebenskampf da draußen zwischen Gemüseanbau und Wildtierangriffen wird dadurch zu einem stark vereinfachten Modell des menschlichen Aufstiegs und Untergangs. Streckenweise packend und vereinzelt gut gespielt ist das Ergebnis, aber in der Aussage auch ein wenig plump.
26. Wolf Man
Wenn es um den Wolfsmenschen geht, eine der großen klassischen Gestalten des Horrorfilms, sind gewisse gefestigte Erwartungen im Spiel. Nicht einmal unbedingt darauf bezogen, wie genau der Wolfsmensch auszusehen hat; dazu hat er im Laufe der Jahrzehnte zu viele Stadien der Metamorphose mitgemacht. Aber doch zumindest, was die mythologische Darstellung seiner kreatürlichen, rohen Urgewalt angeht. Für Leigh Whannells Ansatz, den Universal-Horror in entsättigtes Gegenwartskino zu übersetzen, scheint sich der „Unsichtbare“ aber besser zu eignen. Sein „Wolf Man“ gerät ihm zur spröden Naturforschung, die sich in vielerlei Hinsicht nicht von realistischen Öko-Thrillern um menschliche Eindringlinge ins Tierreich unterscheidet. Jedwede Art metaphorischen Subtextes verdampft durch diesen Ansatz einfach in der Luft. Ein paar spannende Sequenzen und vor allem eine kreative Weiterentwicklung der klassischen „Monster Vision“, die tatsächlich mal Einblick in die sich verändernde Denkweise des Wer-Monsters gibt, stimmen versöhnlich.
27. Novocaine
„Novocaine“ ist aufs Essenzielle reduzierte Gimmick-Action, die beinahe geistesverwandt mit „Upgrade“ sein könnte, würde sie nicht so konsequent auf SciFi-Diskurse und jede andere Art von Ballast verzichten. Das Ergebnis ist die ideale Rezeptur für schnörkellosen Actionspaß mit dem besonderen Twist, der durchaus funktioniert, auch wenn manches am Rande der Glaubwürdigkeit balanciert. Nebenbei bemerkt, baut sich da offenbar auch gerade ein Trend auf, unscheinbare Normalos zu den Protagonisten eines Actionfilms zu erklären. Viel zu knabbern hat man an dem gebotenen Inhalt zwar nicht, aber da kommt ja bestimmt irgendwann Nachschub...
28. The Prosecutor
Die First-Person-Action im Opening ist ein Eröffnungsplädoyer, mit dem sich der Staatsanwalt definitiv der Aufmerksamkeit des gesamten Saals sicher sein kann. Schließlich wird „The Prosecutor“ zu einem Hybriden aus Actionfilm und Justizdrama, der darauf ausgerichtet ist, die Wechselwirkungen, aber auch die Konflikte zwischen Judikative und Exekutive herauszuarbeiten. Das gelingt nicht immer wie aus einem Guss, weil in der Aufbereitung des dramatischen Teils einiges im Argen liegt, aber trotz aller Haken und Ösen bewegt sich Donnie Yen lebendig wie eh und je durch diese Welten und zeigt, wie man auch mit über 60 Jahren noch den Hammer schwingt.
29. The Life of Chuck
So wie die Lichter im ersten Akt nach und nach erlöschen, zersetzt sich auch die gesamte Drei-Akt-Struktur von „The Life of Chuck“ mit fortschreitender Laufzeit in ihre Bestandteile. Die Wahl fiel auf einen grundsätzlich reizvollen, weil radikal antiklimaktischen Aufbau, wie man ihn sonst nicht allzu oft zu sehen bekommt. Ihn plagt lediglich das Dilemma, ausgerechnet mit dem Akt beginnen zu müssen, der mit Abstand am interessantesten erscheint, des packend eingefädelten und visualisierten Mysteriums wegen, das ein ungewöhnliches Szenario verspricht, das nach einer besonderen Erzählung verlangt.
Obwohl auch die anderen beiden Akte gespickt sind mit Mysterien, so handelt es sich hier enttäuschenderweise zumeist „nur“ um die Thematisierung der alltäglichen Wunder des Lebens, ausgehend von der universellen Sprache der Mathematik, die sich in Tanzschritten offenbart und Universen in der Nussschale bildet.
Vermutlich ist die daraus gebildete Esoterik bereits der Kurzgeschichte von Stephen King innewohnend; Mike Flanagan dürfte lediglich die Übersetzung zugekommen sein, die er in leichtfüßigen, lebensbejahenden und nur in flüchtigen Momenten beängstigenden Augenblicken konstruiert. Wenn die Geschichte für manchen Zuschauer über den ersten Akt hinaus nicht funktioniert, dann ist das wohl weniger ihm als Regisseur und Autor zuzuschreiben, weil die Bildsprache eigentlich durchgehend glasklar bleibt und selbst geisterhafte Visionen eine faszinierende visuell-akustische Präsenz behalten, bis das Sein von einer Sekunde auf die nächste zum Nichtsein geworden ist.
„The Life of Chuck“ behandelt ganz offensichtlich die abschweifenden Gedanken eines alternden Autoren über die Endlichkeit des Lebens und scheint sich von spezifischen Ideen, mit denen sein ganzes Wirken über Jahrzehnte hinweg gespickt war, bereits verabschiedet haben. Es ist wie Donnie Darko, nur bei Tage betrachtet aus der Perspektive einer alten Seele statt einer jungen. Chuck ist Erde, Asche und Staub, und das sind wir alle. Ob man mit dieser Erkenntnis dargeboten als Spielfilm glücklich wird, liegt mehr noch als gewöhnlich im Auge des Betrachters, der sich vollkommen erfüllt oder um seine Zeit betrogen fühlen kann.
30. Companion
Von Twists geschüttelt, die nicht immer ganz so überraschend kommen, gefällt sich „Companion“ darin, die Dinge anders erscheinen zu lassen, als sie sind. Die Fässer, die er am Ende geöffnet hat, sind allerdings größer als der Durst, und so bleibt es bei eher oberflächlichen Kommentaren zu Themen, die man durchaus in der Tiefe hätte erörtern können. Eine Bereitwilligkeit, sich von den Wendungen mitnehmen zu lassen, ist aber da, auch wenn es wohl ganz bewusst an Sympathieträgern mangelt – insbesondere Jack Quaid möchte man manchmal einfach eine scheuern.
31. Paddington in Peru
Es ist immer ein Wagnis, sich von der Basis zu entfernen, aber eines, das man wohl irgendwann riskieren muss, um sich nicht zu wiederholen. „Paddington in Peru“ tut gut daran, seinen animierten Hauptdarsteller auf eine Selbstfindungsreise zu schicken. Es geht zwar zu Lasten der britischen Eigenarten, die für die Reihe so wichtig sind, entschädigt wird man aber mit Abenteuer-Flair, das mit Action nicht überfordert, sondern Übersicht walten lässt und genau das richtige Tempo anschlägt. Emily Mortimer ist ein solider Ersatz für die ausgeschiedene Sally Hawkins, Antonio Banderas spielt enthusiastisch mit seiner zwielichtigen Rolle, was man wohl auch von Olivia Colman als Mutter Oberin behaupten kann. Manche Gut-Böse-Zeichnung orientiert sich klar an der einfachen Aufteilung eines reinrassigen Kinderfilms; die Schlüsse, die aus den Ereignissen gezogen werden, wirken aber manchmal ungewöhnlich erwachsen.
32. Jurassic World: Rebirth
Gareth Edwards weiß durchaus ein paar gelungene Konzeptszenen in sein Dschungel-Abenteuer zu integrieren (das sich nun grob an Spielbergs "Lost World" orientiert, wo "Jurassic World" noch den Originalfilm neu interpretierte). Diese Szenen wirken aber immer wie isolierte Abschnitte in einem Themenpark-Fahrgeschäft, sogar inklusive natürlicher Barrieren, die Gefahren- und Sicherheitszone sichtbar im Bild platzieren - wie das seichte Wasser vor der Küste, in das der Mosasaurus nicht gelangen kann, oder Felsen am Fluss, durch die der T-Rex nicht passt. So stark die zugehörigen Sequenzen in Sachen Spannungsaufbau und Thrill-Faktor isoliert betrachtet auch geraten sein mögen, sie werden einfach nicht zu einem rundum packenden Abenteuer verwoben.
Dabei ist der Ansatz, die Dinos wieder in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen, ja gar nicht so verkehrt. Aber das Figurenmaterial gibt einfach zu wenig her. Familienkonflikte auf der einen Seite und Kapitalismus-versus-Humanismus-Debatten auf der anderen Seite decken unter Rückgriff auf scherenschnittartige Figuren lediglich Basics ab.
Wo bei Spielberg vor allem aber durchweg die Faszination der Wissenschaft in Verbindung mit ihren Gefahren spürbar wurde, da gibt es hier nur blasse Erinnerungen an diese Qualitäten in Form halbgarer Verweise auf alle Teile der Originaltrilogie, mit denen die Bedrohlichkeit, aber auch das Faszinosum der Tiere nie so treffgenau auf den Punkt gebracht wird wie dort, obwohl sogar versucht wird, etliche Signature-Szenen mit neuen Dinosauriern zu kopieren, die aber durch ihre genetische Künstlichkeit auf den zerstörerischen Erschafferdrang des Menschen verweisen und schon deshalb nicht viel mit der ursprünglichen Dino-Mania aus Spielberg-Zeiten zu tun haben. Wenn am Ende ein Mutant auf den Plan tritt, den sein Schöpfer guten Gewissens hätte "Licker-o-saurus" oder "Giger-o-saurus" taufen können, fühlt man sich schlichtweg in der falschen Franchise.
Verständlich derweil, dass man sich mit dem Zeitsprung des Zivilisationschaos aus dem letzten Teil entledigen wollte, zumal sich dadurch die Möglichkeit bietet, den Plot in den politischen Dienst der Klimawandel-Debatte zu stellen. Nur geht damit einfach viel von der Unschuld verloren, die in den ersten Abenteuern der Jurassic-Reihe schlummerte. Wenn man beide Augen zudrückt, kann "Jurassic World: Die Wiedergeburt" aufgrund seines flotten Tempos und seiner spannenden Etappen trotzdem etwas sein, das die letzten drei Filme nicht waren. Wenn man sich dann aber noch einmal daran erinnert, wie echt die Illusion des Aufeinandertreffens zwischen Mensch und Dinosaurier in der Wildnis des fast drei Jahrzehnte alten "Lost World" im Vergleich wirkte, ist es schwer, eine gewisse Enttäuschung zu unterdrücken.
33. Killer's Game
Malen nach Zahlen mit erstaunlich guter Besetzung. Das Thema Profikiller kann einem eigentlich inzwischen nur noch zum Hals raushängen, Bautista und Boutella geben aber ein unerwartet knuddeliges Pärchen ab und helfen über den Mangel an Überraschungen hinweg, zumal sich eben auch im Support eine Menge Prominenz tummelt. Wie so oft in diesen Zeiten: solides Streamingfutter, dessen Konsum man weder bereut noch vermisst.
34. Guns Up
Kevin James hat offenbar Gefallen an Abwegen gefunden. In „Guns Up“ weicht er zwar bei weitem nicht so radikal von seinem angestammten Rollenprofil ab wie in „Becky“, das Drumherum ist aber mindestens ebenso düster. Die Nacht scheint gar nicht zu enden, die Gangster kennen auch mit dem unschuldigsten Manchild im Filmgeschäft keine Gnade. Tonal wirkt das manchmal ein wenig unentschlossen, eine echte Zielgruppe scheint es nicht zu geben. Außer vielleicht jene, die mit dem Twist zur Mitte hin angesprochen werden soll.
35. Drachenzähmen leicht gemacht
Man sollte mit Dreamworks und Universal eigentlich ebenso böse sein wie mit Disney für den fragwürdigen Trend, Animationsfilmklassiker als Live Action nachzudrehen, ohne allzu viel am Inhalt zu ändern. Aber irgendwas macht „Drachenzähmen leicht gemacht“ anders. Vielleicht liegt es daran, dass Dean DeBlois weiter die Kontrolle über sein Baby bewahrt und so dafür sorgt, dass genug Herz und Seele einfließt. Kostüme und Ausstattung heben sich kaum von der „Wickie“-Realverfilmung ab, aber gerade Gerard Butler grummelt sich hinter seinem Bart unheimlich viel Leidenschaft zusammen. Davon abgesehen: Drachen kann es nie genug geben.
36. Fear Street: Prom Queen
Besser gut geklaut... und so weiter. Die ersten drei „Fear Street“-Ableger waren sicherlich progressiver in ihrer Ausrichtung, mit der Konsequenz, dass auch die Fallhöhe größer war. „Prom Queen“ hingegen klebt an den Tropes wie das Blut am Abschlussballkleid und denkt gar nicht erst daran, irgendwas Verrücktes zu versuchen. Das klingt erst einmal öde, ist aber handwerklich gut gemacht und im Endeffekt launiger als so manches, was sich im Slasher-Bereich wider aller Logik zum Klassiker entwickelt hat.
37. Wallace & Gromit: Vergeltung mit Flügeln
Das unzertrennliche Duo hält sich einzig aufgrund der liebgewonnenen Marotten am Leben. Rein filmisch gehört „Vergeltung mit Flügeln“ zu ihren schwächeren Abenteuern: zu lang (trotz der knappen 80 Minuten), zu ideenlos, schlussendlich auch zu krawallig. Claymation ist und bleibt eine sehenswerte Art der Animation, aber inhaltlich befindet sich Nick Park bereits seit geraumer Zeit im Sinkflug.
38. Play Dirty
Der Big Bang ist Shane Black nicht gelungen. Nahezu unbeachtet gerät sein Comeback zum Streaming-Tipp des Monats und ist zum Ende des Jahres praktisch schon nicht mehr relevant. Vielleicht nicht ganz unbegründet; obwohl „Play Dirty“ unter dem Strich durchaus mehr zu bieten hat als mancher Rohrkrepierer aus den hauseigenen Studios, liegt die Latte eben auch nicht allzu hoch, und dieses Pferd springt definitiv nicht höher als es muss. Was die Wahlberg-Filme der letzten Jahre angeht, darf man das hier aber durchaus als „gute Wahl“ bezeichnen.
39. The Thursday Murder Club
Völlig befreit von den Erwartungen an verschachtelte Konstellationen, die man automatisch an die „Knives Out“-Reihe stellt, lebt „The Thursday Murder Club“ von seiner unaufgeregten Sonntagnachmittagsroutine und seinem namhaften, aber zurückgenommen spielenden Ensemble. Natürlich möchten die Kaffeekranzveranstaltungen im Seniorenheim ganz bewusst so wenig ernst genommen werden, damit eine Mirren, ein Kingsley und ein Brosnan dem Zuschauer anschließend frech mit dem Arsch ins Gesicht springen können. Die Masche geht aber trotzdem auf, weil es gerade in diesem Kinojahr einen solchen Kontrast braucht zu den harten Mafia-Stoffen, an denen auch gerade Brosnan selbst mit Feuereifer beteiligt war, sowie natürlich zu Rian Johnsons Platzhirsch unter den Mystery-Krimis, der zum Ende des Jahres noch einmal ein Ausrufezeichen setzen sollte.

40. Ash
Inhaltlich selbst für einen Style-Over-Substance-Film ein wenig dünn. Parallelen zu "Event Horizon", "The Dark Side of the Moon" und "Moon" treffen auf Farbkompositionen, die aus einer außer Kontrolle geratenen Parfumwerbung stammen könnten. Audiovisuell trotzdem berauschend, man fühlt sich fast wie in einem Cosmatos-Film. Die „The Thing“-Verbeugung im Finale nehme ich dankend an. Was das Schauspiel angeht: Während Eliza Gonzalez auf dem Trip durchweg überfordert wirkt, ist Unterforderung für alle anderen das Motto. Wozu braucht man zum Beispiel einen Iko Uwais, wenn man ihn mitsamt der restlichen Crew flüchtig in Rückblenden abhakt?
41. Mickey 17
„Starship Troopers“ mal als diplomatische Hypothesensammlung, beseelt von der Trial-and-Error-Komik der permanenten Reproduktion und Reinkarnation, die fast schon in die Computerspiel-Philosophie eingreift, gewürzt mit den Barrieren interspezifischer Kommunikation am Beispiel eines Alien-Mensch-Krieges... das klingt in einem weiteren Sequel- und Reboot-Jahr mit aufgewärmten Marken nach der dringend benötigten Frischzellenkur. Bong Joon-ho nimmt den Mund allerdings zu voll. Weder unter SciFi-Gesichtspunkten noch als Slapstick-Komödie oder gar als soziale Parabel entwickelt „Mickey 17“ die nötige Durchschlagskraft, sondern droht jeweils an seinen Ansätzen zu ersticken. Möchten Sie mehr wissen? Einfach nochmal Paul Verhoevens bissige Satire einlegen. Und am besten dann noch Villeneuves Meisterstück „Arrival“ hinterher.
42.The Long Walk
„The Long Walk – Todesmarsch“ bleibt eine Art Märchen, gedämpft wie mit den Weichfiltern eines irrealen Traums, ohne die absolute existenzielle Wahrheit eines echten Kriegsfilms. Es gibt Momente, in denen man aufwacht und kurz den realen Horror des Daseins vermittelt bekommt. Leider bleibt es bei den Momenten. Francis Lawrence gelingt es nie völlig, das potenzielle Grauen eines langen Weges ohne Ziellinie für seine Ziele zu nutzen, das Grauen einer perspektivlosen Welt nicht nur zu zeigen, sondern fühlbar zu machen. Das ist nicht unbedingt die Schuld des Mediums Film; andere Filme haben bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man mit ähnlich minimalistischen Szenarien eine wesentlich größere Wirkung erzielen kann. Die Verfilmbarkeit / Unverfilmbarkeit von Stephen Kings vielleicht grimmigstem Roman bleibt somit weiter unbewiesen.
43. Until Dawn
Wenn man sich von den Erwartungen an eine akkurate Verfilmung des zugrundeliegenden Videospiels löst, das sich eher als Über-Slasher definierte, dann bietet Sandbergs eigenwillige Sandbox-mit-Sanduhr-Interpretation des Stoffs immerhin nettes Gimmick-Monsterkino. Sam Raimis Hüttenkoller wirkt offensichtlich immer noch nach. Im letzten Jahrzehnt war „Evil Dead“ bereits in den Next-Gen-Meta-Würfel „The Cabin in the Woods“ transzendiert; „Until Dawn“ wirkt nun wie ein weiterer Setzling von „The Cabin in the Woods“, nur nochmals glatter und mit noch mehr Clippingfehlern.
44. The Monkey
Stephen-King-Flair kommt allenfalls gedämpft in den Reibungen zwischen Theo James Nr. 1 und Theo James Nr. 2 auf. Ansonsten macht Oz Perkins hier sein eigenes Ding. Wobei, was macht er eigentlich? Autarke Freak Accidents mit reichlich CGI aufreihen, das kann im Grunde jeder dahergelaufende Wald- und Wiesenregisseur. Was „The Monkey“ in erster Linie fehlt, ist Folklore als Verbindungselement. So bleibt es bei der Aneinanderreihung von hübsch arrangierten Derbheiten, aus denen allenfalls schwarzer Humor spricht, jedoch keinerlei Konzept.
45. 28 Years Later
Gewisse Ansätze mit Potenzial zeigen Danny Boyle und Alex Garland im Zusammenspiel zwischen Aaron Taylor-Johnson und Alfie Williams, die ein archaisches Vater-Sohn-Verhältnis mit viel Ausdruck zum Leben erwecken. Über die von Zombies überrannte Welt da draußen gibt es 28 Jahre später allerdings ungleich weniger zu erzählen. Das krude World Building um fette Kriecher, muskulöse Sprinter und gewaltige Totenkopfberge trifft auf technische Innovationsversuche mit dem Smartphone, im Ergebnis stehen aber höchstens leidlich packende Konfrontationen, die unentwegt im Affekt entstehen. Zuletzt schlägt auch noch völlig der Ton um; für die Fortsetzung schwant einem trotz Nia DaCosta Übles.
46. Predator: Badlands
Konsequent treibt Dan Trachtenberg zunächst seine in zwei Vorgängerfilmen vorbereitete Vision voran und wagt den dauerhaften Sprung ins Predator-Blickfeld, das nicht länger bloß ein Thermovision-Gimmick ist, sondern narratives Herzstück. Das tut er im vollen Vertrauen in die Mythologie der Yautja, die er völlig zu Recht als stark genug einschätzt, um einen ganzen Film auch ohne direkte Einmischung des Menschen zu tragen. Hauptfigur Dek sorgte nach Veröffentlichung der Trailer für reichlich Skepsis, wird den Anforderungen in Aktion jedoch durchaus gerecht, auch wenn seine Figurenzeichnung sich vor allem auf die Stereotype alter Kulturen stützt. Kritisch wird es erst im Rudel, als man sich auf einmal eher in einem Familien-Animationsfilm wähnt als in einem Kampf auf Leben und Tod. Weil die bis dahin so organisch fließende Entwicklung der Reihe gleichzeitig zum Stehen kommt, bleibt der dritte „Predator“ in vier Jahren hinter seinen Erwartungen zurück – trotz vielversprechender Ansätze.
47. Warfare
Rein. Taktik. Schmerzensschreie. Tote. Raus. Kaum etwas folgte in diesem Jahr stringenter der geraden Zeitlinie, die einem Film grundsätzlich seine mediale Form verleiht. Die als Echtzeit-Episode aus der Zeit der Besetzung des Iraks konzipierte Regiearbeit von Alex Garland in Kooperation mit dem früheren Navy Seal Ray Mendoza vermischt konsequent die Eigenschaften seines Mediums mit einer situativen Erfahrung, verfängt sich aber schon mit der Eröffnungssequenz in einer Wiederholung der Muster des Kriegsfilms und findet aus der repetitiven Struktur bis zum Ende nicht mehr heraus. Gut gespielt ist das aber, und die Unaufmerksamkeit der umstehenden Soldaten gegenüber den verletzten Kameraden am Boden schmerzt bis in die Fußspitzen.
48. Jay Kelly
Noah Baumbachs verspieltes Verhältnis zum Kino macht sich nicht nur durch das Meta-Verhältnis zwischen Leben und Film bemerkbar, mit deren Klammer „Jay Kelly“ eröffnet und schließt, sondern vor allem durch die kreativen Wege, mit denen er sein Road Movie vorantreibt, ohne sich auf etablierte Konventionen zu verlassen. Örtliche Distanzen vereinen sich ganz ohne Splitscreen in der gleichen Einstellung, die objektive Kamera tauscht mit der subjektiven im fliegenden Wechsel die Plätze und keine Episode wirkt wie die nächste, weil jede von anderen Nebenfiguren geprägt wird. Adam Sandler, der seinen eigenen „Jay Kelly“ bereits mit „Sandy Wexler“ abgeliefert hat, sowie ein Stück Käsekuchen sind die einzigen permanenten Begleiter in diesem Wandel der Episoden, die mit blühender Fantasie auf die Leinwand gebracht werden.
Der Doppelbödigkeit zum Trotz, ungeachtet all der extravaganten Spielereien, ist diese fiktive Autobiografie letztlich eine durch und durch konservative, gewollt bittersüße, streckenweise regelrecht kitschige Angelegenheit. Baumbach hat ein zentrales Problem: Es liegt ausgerechnet im Kernstück seines Films, dem für den normalen Betrachter weitgehend uninteressanten Tauchgang in die Lebenskrise seiner Hauptfigur: Jay Kelly, Filmstar.
49. Heart Eyes
Garstige Kills stehen im scharfen Kontrast zu einem Sehgefühl wie aus einer waschechten RomCom. Was wie ein gewaltiger Spagat klingt, den man so erst einmal zustande bringen muss, ist anno 2025 natürlich längst keiner mehr. Olivia Holt, die in Reese-Witherspoon-Manier die Naivität aus der einen Welt in die andere zu übertragen weiß, macht einen guten Job, aber letztlich ist die Genre-Tradition zu mächtig. Was schließlich als „Scream“-Hommage gedacht ist, grenzt vielmehr an eine Kopie. Wenn man dieses Jahr zum Valentinstag nur Zeit für einen Film hatte, war man allerdings etwas besser beraten, diesen zu nehmen anstatt den mit Ke Huy Quan.
50. Alfred Moretti's Opus
Eine Personenkult-Horrorsatire, die durch ihre geheimnistuerische Art eine Zeit lang tatsächlich Neugier weckt, bevor das meiste dann doch auf die vorgeschnittene Silhouette des gemeinen Sekten-Horrorfilms passt. John Malkovich spielt das immerhin mit einer gewissen tuntigen Passion, die sehenswert mit der Natürlichkeit von Ayo Edebiri kollidiert. Sie ist allerdings nicht die einzige, die sich wohl innerlich die ganze Zeit fragt, was da eigentlich abgeht und wieso hier nicht bald mal der Stecker gezogen wird.
51. Karate Kid Legends
Umgarnt werden vor allem jene Zuschauer, die sich in der soapigen Wärme der erfolgreichen „Karate Kid“-Serie geborgen gefühlt haben. Eine Grundvoraussetzung ist die Kenntnis der Serie – trotz aufgegriffener Handlungsstränge - zum Glück nicht, weil die von Ben Wang gespielte Hauptfigur, die in der Pizzeria nebenan wohl besser nicht nach einer Pizza mit Käserand gefragt hätte, eine neue ist. Die Serie wird allerdings als Schablone für die stilistische Ausrichtung nur zu gerne angenommen. Um kreative Wege des Drehbuchs oder gar Maßstäbe setzende Kampfchoreografien bemüht sich hier niemand; es geht ganz und gar darum, das rote Licht der Abenddämmerung perfekt auf die bepflanzten Hausdächer New Yorks fallen zu lassen, um die amerikanische Arche für Immigranten von außerhalb möglichst einladend leuchten zu lassen. Wenn das der Präsident wüsste.
52. A Minecraft Movie
Wer hätte gedacht, dass einmal der Tag kommen würde, an dem man Jack Black und Jason Momoa nicht mehr auseinanderhalten kann? Passiert wohl, wenn man Filme in geringer Pixel-Auflösung dreht und alle Figuren wie Würfel aussehen. Mit der Spielevorlage hat zumindest die Optik trotzdem nicht allzu viel gemein, und Nicht-Spieler werden sich bei manchem Gimmick wohl fragen, was das soll. Als buntes Hollywood-Fantasy-Familienabenteuer geht der Minecraft-Film aber schon irgendwie klar.
53. Heads of State
Es ist der guten Chemie zwischen Idris Elba und John Cena zu verdanken, dass diese Actionkomödie aus dem Baukasten trotz des ideenlosen Drehbuchs gerade so zu amüsieren in der Lage ist. Die teils überschwänglichen Reaktionen sind mir dennoch ein Rätsel.
54. The Accountant 2
Eine Fortsetzung, die einzig zu dem Zweck existiert, die Marotten des schrägen Buchhalters im Zusammenspiel mit dem coolen Bruder nach dem Buddy-Prinzip der Gegensätze weiter auszuschlachten, um am besten eine Kultfigur für eine potenzielle Marke zu erschaffen. Dafür ist der Stoff aber nach wie vor zu ernst aufgezogen.
55. Thunderbolts*
Man muss Jake Schreier zugute halten, dass er zumindest im Mittelteil dazu in der Lage ist, sich ganz und gar auf seine Figuren einzulassen und ihre Geschichte kompakt und effizient um sie herum aufzubauen, ohne sich allzu sehr von dem Ballast des MCU ablenken zu lassen. Das ist mehr, als man manch anderem Marvel-Erzeugnis der 2020er Jahre nachsagen kann. Das Material, das Marvel ihm zum Arbeiten gibt, ist allerdings nicht gerade die höchste Güteklasse, und diesen Umstand selbstironisch bei jeder Gelegenheit zu deklarieren, ändert nichts an den Fakten. Am Ende ist das Konzept wieder interessanter als das Ergebnis. Sollte man wirklich darauf gespannt sein, wie sich die „Thunderbolts*“ in Zukunft in das Universum eingliedern werden, dann wohl eher deswegen, weil man dabei mit anderthalb Augen doch wieder eher auf die Vereinslegenden schielt, die seit Phase I am Ruder sind... hoffend, dass die Neuzugänge wenigstens dazu taugen, den müden Helden einmal kurz in den Arsch zu treten, auf dass die endlich wieder aus ihrem Winterschlaf erwachen und abliefern.
56. Drop
Kleine Thriller, in denen unsichtbare Erpresser die Protagonisten auf engem Raum unter Zugzwang setzen, nimmt man immer gerne mit – vorausgesetzt, das nachfolgende Katz- und Mausspiel ist entweder glaubwürdig oder zumindest packend genug geschrieben, dass man ihr Verhalten nicht in Frage gestellt. Gerade hier lässt „Drop“ Federn. Nicht nur Meghann Fahys Date, auch der Zuschauer verliert zunehmend die Ungeduld mit ihr und der Gesamtsituation. Ein paar Ideen funktionieren, die Twists reißen aber nicht unbedingt aus dem Hocker und am Ende hat man höchstens Lust, nochmal so etwas wie „Nicht auflegen!“ einzulegen.
57. Den of Thieves 2: Pantera
Die größenwahnsinnigen „Heat“-Ambitionen sind in der Fortsetzung noch nicht verstummt. Im Gegenteil; durch den Schauplatzwechsel nach Europa wähnen sich die Macher beinahe in der Nouvelle Vague. Dabei liefern sie im Kern eine B-Action-Sause nach alter Schule, die einfach nur weiß, wie man sich aufplustert. Gelegentlich droht die um zwei Hauptfiguren herum aufgebaute Fortsetzung an ihrem Styling zu ersticken, letztlich darf man aber wohl froh sein, hier ausnahmsweise mal wieder einen Gegenentwurf zu all den CGI-verseuchten Agenten-Actionern zu bekommen, in die neuerdings das Geld der Streaming-Anbieter gebuttert wird.
58. Holland
Modellbau im Modellbau: Der Slow-Burn-Thriller spinnt mehrere Realitätsebenen zu einer artifiziellen Vorstadtkulisse, in der der Schein das Sein überstrahlt. Mimi Cave gelingen immer mal wieder angenehm fremdartige Kompositionen, die in einer surrealen Traumsequenz als Höhepunkt gipfeln. Nicole Kidman vermag die notwendigen Emotionen in der Hauptrolle aber längst nicht mehr zu transportieren, wodurch letztlich das komplette Gerüst in sich zusammenfällt.
59. Happy Gilmore 2
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung zu Adam Sandlers vielleicht beispielhaftestem Film Realität werden würde. Er macht Besseres draus als viele seiner Kollegen, die in den letzten Jahren Vergleichbares mit ihren früheren Hits probiert haben; allerdings war die Fallhöhe auch nicht so tief. Unterhaltsamer Blödsinn mit Powerschlag-Gimmick war es damals; nun, da der Golfball die Erdkugel einmal umrundet hat, sind einige Figuren gestorben und andere gealtert, auch gewisse Filmkonventionen haben sich geändert. Aber der Schlag ist immer noch derselbe. Weil Sandler es auch ist.
60. The Alto Knights
Ein doppelter De Niro bedeutet leider noch lange nicht, dass man hier Goodfellas und Casino in einem bekommt. Nicht nur in der deutschen Fassung (mit einem fistelstimmigen Christian Brückner auf De Niro Nr. 2) streift Levinsons Mafia-Epos in Maske und Gestikulation manchmal die Parodie auf ein solches. Geschrieben ist der Stoff immerhin einigermaßen geschmackvoll und solide, dann aber auch wieder ohne jedes besondere Merkmal, das den Zuschauer davon überzeugen könnte, dass man einen weiteren De-Niro-Streifen dieser Art gebraucht hat.
61. Mountainhead
Carell, Schwartzman und Smith sind gerade die richtigen Visagen, um das Ausrufezeichen hinter diese Business-Satire zu setzen. Vom Setting irgendwo in den Gipfeln von Utah, weit über den Köpfen des gemeinen Pöbels, bis hin zum eiskalten Geschwafel der Individuen, die da oben ein freundschaftliches Konzept imitieren, darf praktisch alles an diesem Film mit Argwohn beäugt werden. In den besten Momenten gelingt es Jesse Armstrong, die Kluft zwischen der erlebten digitalen KI-Scheinrealität der Protagonisten und dem wahren Leben pointiert hervorzuheben. Insgesamt bleibt „Mountainhead“ in der Konsequenz seines Ausdrucks aber ähnlich halbseiden wie die windigen Gestalten, die er in den Mittelpunkt stellt.
62. Death of a Unicorn
Unentschlossenes stilistisches Durcheinander, das sich nicht entscheiden kann, ob es dem postmodernen Kult des Regenbogen kotzenden Einhorns anschließen, mit ernsthaftem Gestus ein Erwachsenenmärchen erzählen oder Jurassic-Park-Spannungskino machen will. Wer will es den Darstellern da verdenken, dass sie stets ein wenig hilflos vor der Kamera stehen. Zumindest die Effektabteilung hätte sich etwas mehr Mühe geben können. Immerhin darf Alex Scharfman von sich behaupten, eine Mischung angerührt zu haben, die es so in diesem Produktionsjahr wohl kein zweites Mal gab.
63. The Pickup
Die gute alte Mentor-Novice-Rezeptur durch den Mixer gejagt mit allen Zutaten, die bei Amazon gerade auf Lager waren: Ein Murphy aus der Konserve, ein Davidson aus dem Ei gepellt, seine kesse Lippe im Brabbelmodus und jede Menge Signalfarben, die man über kollidierenden Großfahrzeugen explodieren lassen kann, auf dass die Streaming-Zombies Signalreize empfangen und angelockt werden. Damit wären Netflix & Co. mal wieder für einen Filmabend ausgekontert.
64. Havoc
Brutal und hart auf die Fresse, aber leider nicht mehr als das. Kein Maß, keine Relation; digitale Squibs, wohin das Auge blickt. Gareth Evans ist auf dem vorläufigen Tiefpunkt seiner Kreativität angekommen; er weiß zwar immer noch, wie man Druck aufbaut, aber nicht mehr, was er mit der Entladung bezweckt. Schwer zu sagen, ob er diesmal keine besseren Ideen hatte oder ob ihm von oben kreative Fesseln angelegt wurden. Hardys Figur zeigt hinter den üblichen Klischees rund um Vaterschaft und gescheiterte Ehen durchaus ein paar Ansätze von Tiefe, die man erst auf den zweiten Blick erkennt, letztlich wirkt er aber einfach nur ausgelaugt. Am Ende fühlt man sich wie all die identitätslosen Leichen im Film und ist einfach nur froh, wenn es vorbei ist. Gerade noch Mittelmaß, weil man die Signatur des Machers trotz allem noch erkennt.
65. Lilo & Stitch
Das alte Problem der Disney-Live-Action-Remakes. Die putzige Hauptdarstellerin und ihr frecher Begleiter, der auch in der dritten Dimension die Zuschauerherzen auf seiner Seite hat, können nicht dieses dumpfe Gefühl verhindern, dass man all das schon in besser gesehen hat. Was für eine Verschwendung von Ressourcen.
66. Ziam
Der garstige Mix aus Martial Arts und Zombie-Horror investiert einiges in sein Tempo und erreicht dadurch beachtliche Binge-Qualitäten, die ihn zum idealen Streamingfutter machen. Das matschige Produktionsdesign, die hässliche Braun-in-Braun-Farbpalette und ganz allgemein die abgenutzte Zombie-Action-Rezeptur können einem den Spaß aber ganz gehörig vermiesen.
67. The Parenting
Dieser Versuch, Family Comedy zu modernisieren, während man sie mit den bekömmlichen Spielarten des Spukfilms kombiniert, ist leidlich unterhaltsam geraten, aber leider bieder bis zum Anschlag.
(weiter geht's im zweiten Posting)
Wenig Bodensatz, aber auch ein historisches Minimum an Spitzenfilmen: Keine 10/10, keine 9/10, nur eine 8/10, das gab's bei mir auch so noch nicht. Das muss nicht am Filmjahr liegen. Vermutlich habe ich einfach nur die falschen Filme gesehen. Oder ich tendiere mit zunehmendem Alter dazu, alles als grauen Brei zu sehen, ohne allzu viele Ausreißer nach oben und nach unten. Wobei das so nicht ganz stimmt, denn es gab wieder Überraschendes. Aber eben auch viel Streaming-Masse. Das schlägt sich hier wohl nieder.
Letztlich ist es bezeichnend, dass ich gleich am 1. Januar dieses Jahres mit "Romeo is Bleeding", einem der alten Kultklassiker, die ich bisher immer übergangen habe, gleich einen Film erwischt habe, der mir besser gefallen hat als jeder einzelne Film des Jahres 2025, den ich bisher gesehen habe. Vielleicht entdecke ich ja noch ein paar 2025er-Perlen im neuen Jahr.
01. Weapons
Der Horrorfilm bleibt das vitalste, kreativste, ideenreichste Genre der Gegenwart. Mancher Kritiker ist zwar inzwischen dazu übergegangen, unter dem Sammelbegriff „Elevated Horror“ alles despektierlich über einen Kamm zu scheren, was sich nicht den stumpfen Regeln des instinktgesteuerten Proto-Horrors unterwirft (eine interessante Umkehr gegenüber der Filmkritik in der Zeit der Video Nasties, die genau umgekehrt argumentierte), aber an „Weapons“ lässt sich nur wenig Gleichförmiges finden. Einen Film mit einer solchen Struktur hat es jedenfalls in der gesamten laufenden Welle nicht gegeben. Julia Garner als vermeintliche Hauptdarstellerin einzuführen, um schließlich den Blick durch die Vorstadt schweifen zu lassen und mal dieser, mal jener Figur hinein in den Kern des großen Mysteriums zu folgen, das ist ein progressiver Ansatz, der Erwartungen unterläuft anstatt ihnen gefallen zu wollen.
Gegenüber „Barbarian“ hat Zach Cregger außerdem eine Menge dazugelernt. Immer noch wirkt manche Fratze affektiert, mancher Symbolismus plakativ. Aber im gesamten Aufbau spielt er mit erschreckender Präzision auf der Klaviatur des Grauens vor den unsichtbaren Kräften, mit denen die Ordnung des geregelten Alltags aus den Fugen gerät. Dass das Böse in seinem Film letztlich eine derart profane Manifestation erfährt, nimmt einigen Szenen den Grusel (und fügt dem Rezept eine dissonante Note schwarzen Humors hinzu), multipliziert ihn aber dafür in der Nachbetrachtung. Wir stören uns seit Jahren daran, dass es dem Kino zwar kaum an Helden, dafür aber ganz enorm an starken Antagonisten mangelt. Hier spart man sich ausnahmsweise mal an großen Heldenposen und investiert lieber in ein Modell des Bösen, das die Imaginationskraft von Meisterhand zu manipulieren weiß.

02. Sinners
Es stottert ein wenig im Anlauf. Trotz des eleganten Produktionsdesigns verhält sich der erste Akt wie die Handkurbel eines bockigen Oldtimers und besteht auf die Idylle des Stillstands, während sie die Bewegung ablehnt. Ryan Coogler möchte offensichtlich jene Art Film drehen, die sich als etwas tarnt, das sie nicht ist, um in einem radikalen Schlussakkord die Katze aus dem Sack zu lassen. Das gelingt ihm nicht ganz mit der gleichen Stilsicherheit, die Rodriguez und Tarantino im offensichtlichen Vergleichsobjekt „From Dusk Till Dawn“ an den Tag legten.
Wenn der Motor aber einmal läuft, dann läuft er so richtig. Coogler lässt in der Abenddämmerung die Pupillen funkeln, mit einer Maske der Freundlichkeit den Horror walten. Der selbst beschworene Rassismus wird mit einer furiosen Tanzsequenz gekontert, die Dekaden afroamerikanischer Kultur miteinander verschmelzt. Der Spieß ist gedreht; nun ist es der Stillstand, der nicht willkommen ist. Dem Zuschauer soll es recht sein, er wird Zeuge eines gewaltigen Infernos, mit gewissen Anklängen an die HBO-Serie „Lovecraft Country“ und auch an das diesjährige Serien-Event „IT – Welcome to Derry“.
Michael B. Jordan reibt sich derweil in einer Doppelrolle auf, die die innere Zerrissenheit des Films und des Regisseurs auf den Punkt bringt. Die vollständige Kontrolle über das Genre-Handwerk gilt es noch zu erlernen, aber das dazu nötige Feuer lodert in ihm.
03. The Brutalist
Dass er zu architektonischen Meisterwerken in der Lage sein würde, deutete Brady Corbet bei seinem streitbaren „Vox Lux“ bereits an, der selbst die glatte Form der Popmusik annahm, die er behandelte. In „The Brutalist“ geht er nach dem gleichen Schema vor und imitiert erneut das Objekt, das er behandelt: Riesige, minimalistische Flächen formen sich zu Kapiteln, die sich zu einem monströsen filmischen Konstrukt verbinden, das von seinen scharfen Kontrasten lebt, seinem Korn, seiner Haptik und seinem schieren Volumen.
Dabei kondensiert unentwegt Leere in die Stratosphäre; es ist schließlich nur ein Mann, ein schmächtiger Strich in der Landschaft noch dazu, um den sich die dreieinhalb Stunden drehen. Adrien Brody wirkt immerzu wie ein geprügelter Hund, den man ein paar Mal zu oft durch die brennenden Reifen des Holocaust gepeitscht hat. Umso faszinierender ist die Größe, die sein Schatten am Ende auf die überdimensionale Betonleinwand wirft.
04. The Ugly Stepsister
Wenn eine hohle Redewendung wie „Wer schön sein will, muss leiden“ als Zusammenfassung einer Filmhandlung dient, kann von Innovationen natürlich nicht die Rede sein. Emilie Blichfeldt beweist mit ihrem Regiedebüt, dass man mit einem solchen Stoff trotzdem bis an die Schmerzgrenze gehen kann. „The Ugly Stepsister“ ist aufgrund der gezeigten selbstzerstörerischen Akte streckenweise unerträglich anzusehen, gerade weil hinter dem Körperhorror die pervertierten Sitten der oberen Schicht die Psyche eines unausgereiften Geistes beeinflussen. Im Kontrast dazu steht die surreal verfremdete Optik mit ihren Ähnlichkeiten zu Märchenklassikern wie „Viy“ oder mit Bezug auf die expliziten sexuellen Inhalte auch Borowczyks „Das Biest“.
05. Wake Up Dead Man
Kein Puzzle wie das andere. Das ist die Erfolgsformel der Knives-Out-Reihe, die zum dritten Mal in Folge völlig neue Settings beackert, neue Schlussfolgerungen ableitet, neue Kippbilder konstruiert, oder, wie in diesem Fall, Buntglasmosaike einsetzt – und ihr Niveau dabei durchgehend bewahrt. Die Kirche hat in Bezug auf die Anliegen dieser Murder-Mystery-Reihe die Spendierhosen an und geizt als Motiv nicht mit Angriffspunkten. Geheimgänge, doppelte Böden und symbolische Verschlüsselungen sind nur allzu dankbare Instrumente, die nicht ohne Bezug zur aktuellen Politik und Religion für ein artistisches Kunststück des Whodunit eingesetzt werden, das man ob der Scheinkomplexität der sich überschlagenden Ereignisse beinahe schon zum Whodidwhat taufen muss. Stark mal wieder die hochkarätigen Neuzugänge, die mit dem neuen Einsatzgebiet einhergehen; die einzige Konstante bleibt hingegen Daniel Craig. Ein Fels in der Brandung, den man schon jetzt nicht mehr ausschließlich mit James Bond assoziieren kann. Benoit Blanc hat er sich mindestens ebenso sehr zu eigen gemacht.
06. Nosferatu
Ähnlich wie Guillermo del Toro mit „Frankenstein“ macht sich Robert Eggers mit „Nosferatu“ einen Stoff zu eigen, der in der Popkultur längst ein Eigenleben entwickelt hat; nur dass Eggers Seele ungleich düsterer zu sein scheint. Seine Titelfigur pendelt am Abgrund zwischen Mensch und Monstrum, in ihr vermischen sich Entitäten, die man instinktiv in ontologischer Trennung voneinander halten möchte. Skarsgard ist nicht mehr zu erkennen, spielt aber ohnehin nur einen Schatten in einer Erzählung, die sich ganz auf die Spiegelungen in den aufgerissenen Augen von Lily-Rose Depp fokussiert.
Eigentlich möchte man von Eggers lieber originäre Stoffe sehen, aber in Schlüsselmomenten oszilliert „Nosferatu“ eine animalische Kraft, der man sich kaum entziehen kann.
07. Juror #2
Ein durch und durch klassisches Gerichtsdrama, das konsequent um sein durchdachtes Drehbuch herum aufgebaut ist, so etwas bekommt man nicht mehr alle Tage. Vielleicht braucht es dafür tatsächlich inzwischen einen Dinosaurier wie Clint Eastwood. Der hatte sein Mojo in den letzten Jahren ein wenig verloren, meldet sich auf die alten Tage aber mit seiner besten Regiearbeit seit langer Zeit zurück. Hier ist jeder Zug präzise beobachtet und mit Sorgfalt arrangiert. Zwischen jenen, die persönlich in den Fall verstrickt sind, und jenen, die ihn von außen zu bewerten haben, flimmert die unausgesprochene Anspannung unentwegt, und die Kamera ist als neutrale Instanz immer mit dabei, um das Augenmerk auf unscheinbare Indizien zu legen. Derart fokussiertes Filmemachern unter Vermeidung ablenkender Haken und Ösen erscheint wie eine Fata Morgana, eine Reise zurück in die 90er.
08. Better Man
Es sind nicht die Märchenfiguren, die durch bunte Computerwelten hüpfen und ihre Arien in die Stratosphäre trällern, die den Musikfilm retten... sondern es ist tatsächlich ein exzentrischer Sonderling wie Robbie Williams, der diesen Job erledigt. An seine Biografie konnte man, sofern man sich nicht zu seinen Fans zählte, keine besonderen Erwartungen haben, insofern überrascht „A Better Man“, überrumpelt, überfährt und plättet, während die Erkenntnis reift, dass seine rotzigen Popsongs dem Genre mehr zu geben haben als eigens zu diesem zweck komponierte Orchestersinfonien.
Zwar hat der vom Popstarleben vorgegebene Rise-and-Fall-Aufbau keinerlei Besonderheiten zu bieten, was ja überhaupt der Grund ist, weshalb man sich von einer Robbie-Williams-Biografie keine Wunder erwartet hat. Aber den Mann, den man sich ohnehin vor dem inneren Auge immer wie einen Schimpansen ausgemalt hat, tatsächlich von einem Schimpansen spielen zu lassen, das ist schon ein kleiner Geniestreich, und die Musical-Szenen sind von einer ungebremsten, unaufgesetzten, spontanen Lebendigkeit, wie man sie lange nicht gesehen hat.
09. Frankenstein
Guillermo del Toros großes Herzensprojekt ist einmal mehr etwas durch und durch Klassisches, eine bereits oft erzählte Parabel aus alten Tagen, zu deren illustren Runde von Erzählern er sich gesellen möchte. Es geht offensichtlich um seinen persönlichen Ausdruck als Erinnerung an das Vergangene.
Diese Art des konservativen Filmemachens trägt wenig Aufregendes in sich. Dramaturgisch dümpelt „Frankenstein“ mit der für den Regisseur typischen geschwungenen Trägheit vor sich hin. Er hält seine Kapitel flach und ebenmäßig wie die Seiten zwischen einem Buchdeckel, lässt selbst vermeintlichen Höhepunkten wie der Erweckung des Monsters nicht mehr Aufmerksamkeit zukommen als eben die Zeit, die es braucht, um die Szene zu vollenden, ihm bietet.
Gleichwohl wäre „Frankenstein“ zweifellos einer der schönsten Filme des Jahres, wenn man sich die ein oder andere CGI-Entgleisung wegdenkt. Diese Ausstattung, diese Kostüme, diese endlose Farbenpracht. Jede einzelne Szene ein Kunstwerk, in das man eintauchen kann, dessen Pigmente man ertasten kann wie die Erhebungen von Öl auf Leinwand.
Im Ergebnis steht wieder diese seltsame Mischung von Langeweile und Faszination, wie eine ganz eigene Geschmacksrichtung, die diesen Regisseur so relevant, weil einzigartig bleiben lässt.
10. The Great Flood
Wie so viele Katastrophenfilme beginnt „The Great Flood“ im Kleinen, um seinen Fokus nach und nach auszuweiten und zum Schluss die große Welle zu machen. Zum Schluss? Diesmal nicht so ganz. Was nämlich zunächst wie ein konventioneller Vertreter seines Fachs klingt, dreht die sonst so traditionell verlaufenden Genre-Markenzeichen völlig auf links. Das mag eine Enttäuschung sein für jene, die sich auf einen altmodischen Thriller gefreut haben, zumal Kim Byung-woos Streifen in der ersten Hälfte enorm abliefert und mit gut getricksten Riesenwellen effektiv Aquaphobien fördert... nicht ohne mit der Darstellung des beengten Zusammenlebens in einem Wohnkomplex in Seoul eine weitere Phobie zu befeuern, die in diesem Jahr noch spezifischer sogar in „84m²“ adressiert wurde.
Dass die Natur keineswegs die einzige sadistische Macht im Film bleibt, scheidet offenbar die Geister. Rein technisch ist durchaus ein Spannungsabfall bemerkbar, als die Intensität der Ereignisse im zweiten Teil spürbar in sich zusammenfällt. Die philosophischen Gefilde, die am Ende von den Wellen geflutet werden, bergen allerdings genug Reizvolles, um sich Anerkennung zu verdienen, und sei es nur in Form hitzköpfiger Diskussionen. Niemand, der diesen Film in einer größeren Runde sieht, wird ihn anschließend wortlos zu den Akten legen und zum nächsten Film wechseln.
11. Broken Rage
Selbstportrait eines Veteranen in zwei Perspektiven. Kitano, der alte Kauz, zeigt mal wieder, wie man auch heute noch mit eigenwilligen Erzählmethoden abseits ausgetrampelter Pfade aus der Reihe tanzen kann. Hätten all die anderen bei den Streamern versendeten Auftragskillerfilme eine solche Eigentümlichkeit an sich, bräuchte man eigentlich drumherum gar keine anderen Themen mehr.
12. Predator: Killer of Killers
Die Kontextualisierung des Killers, die bereits mit „Prey“ begann, nimmt endgültig Fahrt auf. In einem zugegeben gewöhnungsbedürftigen Animationsstil, dessen Ecken und Kanten in Bewegung allerdings schnell unsichtbar werden. Was als Häppchen zur Verkürzung der Wartezeit auf den nächsten Film gedacht war, ist in Wirklichkeit der bessere der beiden diesjährigen Filme zu dieser Figur. Ein Husarenritt durch drei Kapitel Menschheitsgeschichte, in denen der Spitzenprädator seine volle Bandbreite im Umgang mit harter Defense, Stealth-Einlagen und Frontalattacke austesten kann. Heimspiel-Epilog inklusive. Abwechslungsreich und spektakulär.
13. A Real Pain
Zwei Blutsverwandte, die unterschiedlicher nicht ticken könnten... und doch durch ihre Identität eng miteinander verbunden sind. Ein Eurotrip wird zu einer Reise durch die Familienhistorie, in deren Verlauf Wahrheiten und Geständnisse unweigerlich an die Oberfläche drängen. Jesse Eisenberg leistet seinen wichtigsten Beitrag als Autor und versorgt sich selbst, vor allem aber seinen grandios aufspielenden Co-Star Kieran Culkin mit vorzüglichen Dialogen, die das Ding im Alleingang nach Hause tragen. Da kann man den mit durch die Handlung geschliffenen Selbstfindungskitsch im Rucksack ausnahmsweise mal ignorieren. Culkin, entfremdet von der Welt, mit sich selbst im Reinen auf einer Bank am menschenvollen Flughafen, das ist früh im Kinojahr eine Erinnerung, die gespeichert bleibt.
14. Fight or Flight
Zugegeben: Ich hatte längere Zeit nicht mehr so viel Spaß bei einem Film. Wenn man den naheliegenden Vergleich mit Bullet Train bemühen will, dann ist das hier die viel lockerere, sympathischere Variante davon. Natürlich muss man in Sachen Logik einige Kröten schlucken, aber Hartnett spielt das unter seiner potthässlichen Haarpracht (und der teilweise wirklich absurden Garderobe) so locker-flockig runter, dass es eine wahre Freude ist.
15. The Toxic Avenger
Holt die Festtagslätzchen raus, sperrt die Schwiegermütter ein: Der Name des vielleicht nicht ersten, aber mit Sicherheit knuddeligsten aller Avengers flimmert wieder Blutrot auf Glibbergrün über die Schleimwände.
16. Fantastic 4: First Steps
Das sehr eigene 60s-Retro-Design vermittelt in Kombination mit dem geschlossenen Szenario eine sehr konkrete Vision, die allen bisherigen Versuchen, die „Fantastic Four“ auf die Leinwand zu bringen, noch abgingen. In dem weltenverschlingenden Antagonisten, dem irdischen Widerstand und der interstellaren Kommunikation zwischen den Parteien durch die silberne Wellenreiterin sind politische Parabeln verborgen, die den Krieg zwischen Außerirdischen und Übermächtigen stets begreifbar wirken lässt, die lautstarke Menge immer im Rücken. Wie gut oder schlecht die Fantastic Four in Bezug auf ihre Eignung für die jeweilige Rolle gelungen ist, sei dahingestellt; es ist aber im Gegensatz zum letzten Versuch eine Chemie zu spüren, die bei einem Team-Up immer wichtiger ist als der Einzelne. Insofern ist wohl nicht nur von der bis dato besten „Fantastic Four“-Verfilmung zu sprechen, sondern vermutlich auch von der besten Superheldenverfilmung 2025.
17. A House of Dynamite
Die Rashomon-Struktur weiß Kathryn Bigelow nur bedingt zur Intensivierung der dramatischen Minuten vor einem Raketeneinschlag zu nutzen, um welche die Handlung von „A House of Dynamite“ gestrickt ist. Mit diesem Kniff legt sie lediglich schichtweise die Perspektiven der Entscheidungsträger frei, denen es ohne den gezeigten Kontext noch an Nachvollziehbarkeit mangeln könnte. Es fehlen jedoch die dadurch initialisierten Plotwenden, wie sie beispielsweise Ridley Scott zuletzt noch in „The Last Duel“ in Gang setzte.
Die Handlung ist aber bewusst aerodynamisch zugeschnitten, ihre Muster folgen stringent der geraden Flugbahn der Rakete. In der Irreversibilität der Geschehnisse lag immer schon Bigelows große Stärke; hier durchstößt das unerbittliche Ticken des Countdowns ein unentwirrbares Gestrüpp aus moderner Technologie zum Zwecke der Kommunikation und der Kriegsführung. Dass sie auf einen klassischen, rationalen US-Präsidenten als Entscheidungsträger setzt, unterstreicht ihr Verlangen, die Bedingungen für ein Experiment zu setzen, das unter neutralen Bedingungen stattfindet. Trotz dieser Abweichung zur amerikanischen Jetztzeit ist das Gedankenspiel realistisch genug, dass man die eigenen Finger in den letzten Sekunden in die Polster gekrallt wiederfindet.
18. The Surfer
Unangenehm, beklemmend, und dennoch auf bizarre Weise einer dieser Wacky-Cage-Streifen, die man einfach nur abgefahren finden kann.
19. Black Bag
Schlank. Fokussiert. Vielschichtig. Stilbewusst. Smart. Attribute, die rar geworden sind im Kino. „Black Bag“ ist völlig aus der Zeit gefallen, ein Produkt aus einer weit zurückliegenden Epoche im Grunde, das sich ganz und gar auf die Ausstrahlung seiner Stars verlässt. Der Haken: Es ist eher ein unverbindliches Gedankenspiel als ein waschechter Spionagethriller, als ein Film im wahrsten Sinne. Nichtsdestotrotz: „Black Bag“ verkörpert das solide Mittelklasse-Kino, das früher mal so relevant war und heute fast obsolet geworden ist. Dabei wird es weiter dringend gebraucht, damit auf der Waage zwischen dem Multimillionen-Dollar-Kino und den Indie-Produktionen das Gleichgewicht gehalten werden kann.
20. Together
Body Horror mit Melt-Effekten als Paartherapie. Merkwürdige Entwicklung, wenn man von „The Thing“ kommt. Auch „Together“ kommt von „The Thing“, wie die Eröffnungssequenz einem aufs Brot schmiert, aber der Rest bedient sich aus der Indie-Autorenschmiede für kleine, kompakte Dramen. Dave Franco und Alison Brie zweckentfremden ihren Schauspielberuf für psychoanalytische Selbstbeobachtung, und Michael Shanks schreibt ihnen dazu etwas auf den Leib, das einem Mikropräparat unter einem Mikroskop ähnelt. Verschmelzen statt zerreißen, bis zur vollkommenen Symbiose; die gilt aber nur für die Figuren, nicht für die involvierten Genres, denn es profitiert nur das Beziehungsdrama, nicht der Body Horror. Das nennt man dann wohl Kommensalismus.
21. Mission: Impossible – The Final Reckoning
Zu viel Volumen, zu wenig Inhalt. Mit seinen fast drei Stunden Laufzeit ist der achte Teil der Reihe schlicht und ergreifend zu umständlich erzählt. Um die Gefahren künstlicher Intelligenz zu erörtern und Kritik an der Fremdbestimmung der digitalisierten Gesellschaft zu üben, gibt es sicherlich bessere Plattformen als diese Reihe und schärfere Pointen als jene, die Christopher McQuarrie in seinen endlosen Ausführungen eher schlecht als recht mit ihren Markenzeichen zu verknüpfen versucht. Noch dazu hat sich sein Regiestil nach dem herausragenden sechsten Teil überlebt. Und doch gibt es einmal mehr Gründe für Begeisterung. Sie liegen tief unter Wasser, hoch in der Luft... und weiterhin im motivierten Leuchten der Augen des Hauptdarstellers, dem die Zeit nichts anzuhaben scheint.
22. Ballerina
Es ist immer noch rätselhaft, wieso jemand auf die Idee kam, ausgerechnet einen Film wie „John Wick“, einen einfachen, kleinen Rachefilm, wie Dutzende von ihnen in geringerer oder gleicher Qualität jedes Jahr angespült werden, zum Ausgangspunkt eines technokratischen Weltenbaus zu erklären, der seitdem seinesgleichen sucht. Auch wenn seither unterhaltsame Fortsetzungen entstanden sind: Gebraucht hätte es nichts davon. Den stilistischen Überbau, der seitdem so viele Zuschauer begeistert, hätte man genauso gut auf neue Ideen pflanzen können.
Daraus folgt, dass natürlich auch „Ballerina“ maximal überflüssig ist, nicht anders, als schon die Prequel-Miniserie vor zwei Jahren. Nur zusätzliche Anhäufung von Ballast. Hier wird nun eben eine neue, weibliche Figur eingeführt, wie um die Balance im Universum zu halten. Anna de Armas hält sich trotz der wenig einfallsreichen Anlage ihrer Figur wacker, aber ihre Anfälligkeit für Gegentreffer wirkt einstudiert, so als solle ganz bewusst gegen das Normativ der unbesiegbaren Powerfrau angekämpft werden, um endlich wieder die Glaubwürdigkeit des feministischen Actionfilms zu rekonstruieren.
Bei einem Spin-Off würde man aber trotzdem Nachlässigkeiten erwarten, was die Konzeption zwingender Action und Kinematografie angeht. Das ist hier wider Erwarten nicht der Fall; nicht nur leuchten die in Österreich, Tschechien und Ungarn gefilmten neonweißen Winterlandschaften magischer als wohl jeder 2025 erschienene Weihnachtsfilm, auch werden mit einer ausladenden Flammenwerfer-Sequenz mal wieder neue Maßstäbe für das Genre gesetzt.
23. Superman
Die unschuldige Freude an der ursprünglichen, reinen Pop Art, wie die Kinder der späten 1930er sie bei Erscheinen des ersten Superman-Comics empfunden haben müssen, will man dieser Neuausrichtung nicht unbedingt durch den eigenen Zynismus wieder wegnehmen, der sich aus der Lawine von Comicverfilmungen in den letzten 15 Jahren gebildet hat. So naiv war Superhelden-Unterhaltung schließlich seit den 90ern nicht mehr. Das Art Design zeugt von einer entsprechenden Klarheit, es gibt nur Wolken, Eis und den hellblauen Himmel. Die DC Studios fühlten sich diesmal sogar bemächtigt, Krypto in die Handlung einzubinden, das Doggy-Accessoire, das in „DC League of Super-Pets“ bereits einen Testlauf durchzogen hatte und nun vorausgeschickt wird, um die Sympathien eines Massenpublikums zu gewinnen. Eine vor wenigen Jahren noch undenkbare Konstellation. Ein Stück weit fühlt sich hier alles frei an, auch wenn hiermit natürlich auch wieder ein neuer Startpunkt gesetzt werden soll für eine Storyline, die sich im Erfolgsfall über etliche Fortsetzungen und Spin-Offs erstrecken wird.
David Corenswet ist nach Henry Cavill trotzdem ein gewaltiges Downgrade, Nicholas Hoult bestenfalls ein unauffälliger Kontrahent, und auch James Gunn gelingt es nicht, der Hauptfigur eine emotionale Komponente abzuringen. Auch der neue „Superman“ ist in erster Linie Architektur und perspektivisches Staunen, weniger ein Held zum Anfassen, für dessen Bürden man sich wirklich interessiert.
24. Final Destination Bloodlines
Was für ein Geniestreich James Wong 2000 mit „Final Destination“ gelungen war, wussten Kritiker bei Erscheinen noch überhaupt nicht zu würdigen: Er hatte die Blaupause für eine neue Art von Slasher des neuen Jahrtausends gelegt, die sich dazu eignete, hundertfach reproduziert zu werden. Wenn es dafür noch eines Beweises bedurft hat, dann liefert ihn 25 Jahre später „Final Destination Bloodlines“. Es ist die Reaktivierung einer Franchise, die gefühlt nie tot war, sondern immer nur darauf wartete, aus dem Eisfach geholt zu werden. Und der Tod macht einfach weiter, wie es ihm beliebt. Es ist die überbordende Kreativität dieses unsichtbaren Parcoursbauers, die verhindert, dass sich das Konzept überlebt. Was diesen Neustart angeht, braucht man zwar eine hohe Logiktoleranz und ein dickes Fell, was bescheuerte Handlungsmuster einiger Figuren angeht. Aber die Pause seit Teil 5 hat gezeigt, dass keine andere Reihe dazu in der Lage ist, vergleichbaren Achterbahn-Horror zu bieten. Kein über die Maßen guter Film zwar, aber doch einer, der zeigt, dass das Rezept absolut wasserdicht ist. More sequels incoming.
25. Eden
Das Spekulative von „The Philosophers“ (2013) vermischt sich in „Eden“ mit historischen Ereignissen rund um die Galápagos-Affäre , die in erster Linie durch Medienberichte überliefert ist und deswegen viel Raum zur freien Interpretation bietet. Und Ron Howards Robinsonade hält sich diesbezüglich nicht zurück. Um gehaltvolles Spannungskino zu bieten, spannt er ein Netz aus Intrigen über einem philosophischen Unterbau, in dem vor allem Ana de Armas dazu angehalten ist, maßlos zu überziehen, um die anthropologischen Grundlagen auf der Insel schnellstmöglich zur Zivilisationsbasis zurückkehren zu lassen, die gleichzeitig auf dem Festland ins Monströse ausgeartet ist. Sämtliche Darsteller im Film sind letztlich Repräsentanten von gewissen Typen Mensch; der Überlebenskampf da draußen zwischen Gemüseanbau und Wildtierangriffen wird dadurch zu einem stark vereinfachten Modell des menschlichen Aufstiegs und Untergangs. Streckenweise packend und vereinzelt gut gespielt ist das Ergebnis, aber in der Aussage auch ein wenig plump.
26. Wolf Man
Wenn es um den Wolfsmenschen geht, eine der großen klassischen Gestalten des Horrorfilms, sind gewisse gefestigte Erwartungen im Spiel. Nicht einmal unbedingt darauf bezogen, wie genau der Wolfsmensch auszusehen hat; dazu hat er im Laufe der Jahrzehnte zu viele Stadien der Metamorphose mitgemacht. Aber doch zumindest, was die mythologische Darstellung seiner kreatürlichen, rohen Urgewalt angeht. Für Leigh Whannells Ansatz, den Universal-Horror in entsättigtes Gegenwartskino zu übersetzen, scheint sich der „Unsichtbare“ aber besser zu eignen. Sein „Wolf Man“ gerät ihm zur spröden Naturforschung, die sich in vielerlei Hinsicht nicht von realistischen Öko-Thrillern um menschliche Eindringlinge ins Tierreich unterscheidet. Jedwede Art metaphorischen Subtextes verdampft durch diesen Ansatz einfach in der Luft. Ein paar spannende Sequenzen und vor allem eine kreative Weiterentwicklung der klassischen „Monster Vision“, die tatsächlich mal Einblick in die sich verändernde Denkweise des Wer-Monsters gibt, stimmen versöhnlich.
27. Novocaine
„Novocaine“ ist aufs Essenzielle reduzierte Gimmick-Action, die beinahe geistesverwandt mit „Upgrade“ sein könnte, würde sie nicht so konsequent auf SciFi-Diskurse und jede andere Art von Ballast verzichten. Das Ergebnis ist die ideale Rezeptur für schnörkellosen Actionspaß mit dem besonderen Twist, der durchaus funktioniert, auch wenn manches am Rande der Glaubwürdigkeit balanciert. Nebenbei bemerkt, baut sich da offenbar auch gerade ein Trend auf, unscheinbare Normalos zu den Protagonisten eines Actionfilms zu erklären. Viel zu knabbern hat man an dem gebotenen Inhalt zwar nicht, aber da kommt ja bestimmt irgendwann Nachschub...
28. The Prosecutor
Die First-Person-Action im Opening ist ein Eröffnungsplädoyer, mit dem sich der Staatsanwalt definitiv der Aufmerksamkeit des gesamten Saals sicher sein kann. Schließlich wird „The Prosecutor“ zu einem Hybriden aus Actionfilm und Justizdrama, der darauf ausgerichtet ist, die Wechselwirkungen, aber auch die Konflikte zwischen Judikative und Exekutive herauszuarbeiten. Das gelingt nicht immer wie aus einem Guss, weil in der Aufbereitung des dramatischen Teils einiges im Argen liegt, aber trotz aller Haken und Ösen bewegt sich Donnie Yen lebendig wie eh und je durch diese Welten und zeigt, wie man auch mit über 60 Jahren noch den Hammer schwingt.
29. The Life of Chuck
So wie die Lichter im ersten Akt nach und nach erlöschen, zersetzt sich auch die gesamte Drei-Akt-Struktur von „The Life of Chuck“ mit fortschreitender Laufzeit in ihre Bestandteile. Die Wahl fiel auf einen grundsätzlich reizvollen, weil radikal antiklimaktischen Aufbau, wie man ihn sonst nicht allzu oft zu sehen bekommt. Ihn plagt lediglich das Dilemma, ausgerechnet mit dem Akt beginnen zu müssen, der mit Abstand am interessantesten erscheint, des packend eingefädelten und visualisierten Mysteriums wegen, das ein ungewöhnliches Szenario verspricht, das nach einer besonderen Erzählung verlangt.
Obwohl auch die anderen beiden Akte gespickt sind mit Mysterien, so handelt es sich hier enttäuschenderweise zumeist „nur“ um die Thematisierung der alltäglichen Wunder des Lebens, ausgehend von der universellen Sprache der Mathematik, die sich in Tanzschritten offenbart und Universen in der Nussschale bildet.
Vermutlich ist die daraus gebildete Esoterik bereits der Kurzgeschichte von Stephen King innewohnend; Mike Flanagan dürfte lediglich die Übersetzung zugekommen sein, die er in leichtfüßigen, lebensbejahenden und nur in flüchtigen Momenten beängstigenden Augenblicken konstruiert. Wenn die Geschichte für manchen Zuschauer über den ersten Akt hinaus nicht funktioniert, dann ist das wohl weniger ihm als Regisseur und Autor zuzuschreiben, weil die Bildsprache eigentlich durchgehend glasklar bleibt und selbst geisterhafte Visionen eine faszinierende visuell-akustische Präsenz behalten, bis das Sein von einer Sekunde auf die nächste zum Nichtsein geworden ist.
„The Life of Chuck“ behandelt ganz offensichtlich die abschweifenden Gedanken eines alternden Autoren über die Endlichkeit des Lebens und scheint sich von spezifischen Ideen, mit denen sein ganzes Wirken über Jahrzehnte hinweg gespickt war, bereits verabschiedet haben. Es ist wie Donnie Darko, nur bei Tage betrachtet aus der Perspektive einer alten Seele statt einer jungen. Chuck ist Erde, Asche und Staub, und das sind wir alle. Ob man mit dieser Erkenntnis dargeboten als Spielfilm glücklich wird, liegt mehr noch als gewöhnlich im Auge des Betrachters, der sich vollkommen erfüllt oder um seine Zeit betrogen fühlen kann.
30. Companion
Von Twists geschüttelt, die nicht immer ganz so überraschend kommen, gefällt sich „Companion“ darin, die Dinge anders erscheinen zu lassen, als sie sind. Die Fässer, die er am Ende geöffnet hat, sind allerdings größer als der Durst, und so bleibt es bei eher oberflächlichen Kommentaren zu Themen, die man durchaus in der Tiefe hätte erörtern können. Eine Bereitwilligkeit, sich von den Wendungen mitnehmen zu lassen, ist aber da, auch wenn es wohl ganz bewusst an Sympathieträgern mangelt – insbesondere Jack Quaid möchte man manchmal einfach eine scheuern.
31. Paddington in Peru
Es ist immer ein Wagnis, sich von der Basis zu entfernen, aber eines, das man wohl irgendwann riskieren muss, um sich nicht zu wiederholen. „Paddington in Peru“ tut gut daran, seinen animierten Hauptdarsteller auf eine Selbstfindungsreise zu schicken. Es geht zwar zu Lasten der britischen Eigenarten, die für die Reihe so wichtig sind, entschädigt wird man aber mit Abenteuer-Flair, das mit Action nicht überfordert, sondern Übersicht walten lässt und genau das richtige Tempo anschlägt. Emily Mortimer ist ein solider Ersatz für die ausgeschiedene Sally Hawkins, Antonio Banderas spielt enthusiastisch mit seiner zwielichtigen Rolle, was man wohl auch von Olivia Colman als Mutter Oberin behaupten kann. Manche Gut-Böse-Zeichnung orientiert sich klar an der einfachen Aufteilung eines reinrassigen Kinderfilms; die Schlüsse, die aus den Ereignissen gezogen werden, wirken aber manchmal ungewöhnlich erwachsen.
32. Jurassic World: Rebirth
Gareth Edwards weiß durchaus ein paar gelungene Konzeptszenen in sein Dschungel-Abenteuer zu integrieren (das sich nun grob an Spielbergs "Lost World" orientiert, wo "Jurassic World" noch den Originalfilm neu interpretierte). Diese Szenen wirken aber immer wie isolierte Abschnitte in einem Themenpark-Fahrgeschäft, sogar inklusive natürlicher Barrieren, die Gefahren- und Sicherheitszone sichtbar im Bild platzieren - wie das seichte Wasser vor der Küste, in das der Mosasaurus nicht gelangen kann, oder Felsen am Fluss, durch die der T-Rex nicht passt. So stark die zugehörigen Sequenzen in Sachen Spannungsaufbau und Thrill-Faktor isoliert betrachtet auch geraten sein mögen, sie werden einfach nicht zu einem rundum packenden Abenteuer verwoben.
Dabei ist der Ansatz, die Dinos wieder in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen, ja gar nicht so verkehrt. Aber das Figurenmaterial gibt einfach zu wenig her. Familienkonflikte auf der einen Seite und Kapitalismus-versus-Humanismus-Debatten auf der anderen Seite decken unter Rückgriff auf scherenschnittartige Figuren lediglich Basics ab.
Wo bei Spielberg vor allem aber durchweg die Faszination der Wissenschaft in Verbindung mit ihren Gefahren spürbar wurde, da gibt es hier nur blasse Erinnerungen an diese Qualitäten in Form halbgarer Verweise auf alle Teile der Originaltrilogie, mit denen die Bedrohlichkeit, aber auch das Faszinosum der Tiere nie so treffgenau auf den Punkt gebracht wird wie dort, obwohl sogar versucht wird, etliche Signature-Szenen mit neuen Dinosauriern zu kopieren, die aber durch ihre genetische Künstlichkeit auf den zerstörerischen Erschafferdrang des Menschen verweisen und schon deshalb nicht viel mit der ursprünglichen Dino-Mania aus Spielberg-Zeiten zu tun haben. Wenn am Ende ein Mutant auf den Plan tritt, den sein Schöpfer guten Gewissens hätte "Licker-o-saurus" oder "Giger-o-saurus" taufen können, fühlt man sich schlichtweg in der falschen Franchise.
Verständlich derweil, dass man sich mit dem Zeitsprung des Zivilisationschaos aus dem letzten Teil entledigen wollte, zumal sich dadurch die Möglichkeit bietet, den Plot in den politischen Dienst der Klimawandel-Debatte zu stellen. Nur geht damit einfach viel von der Unschuld verloren, die in den ersten Abenteuern der Jurassic-Reihe schlummerte. Wenn man beide Augen zudrückt, kann "Jurassic World: Die Wiedergeburt" aufgrund seines flotten Tempos und seiner spannenden Etappen trotzdem etwas sein, das die letzten drei Filme nicht waren. Wenn man sich dann aber noch einmal daran erinnert, wie echt die Illusion des Aufeinandertreffens zwischen Mensch und Dinosaurier in der Wildnis des fast drei Jahrzehnte alten "Lost World" im Vergleich wirkte, ist es schwer, eine gewisse Enttäuschung zu unterdrücken.
33. Killer's Game
Malen nach Zahlen mit erstaunlich guter Besetzung. Das Thema Profikiller kann einem eigentlich inzwischen nur noch zum Hals raushängen, Bautista und Boutella geben aber ein unerwartet knuddeliges Pärchen ab und helfen über den Mangel an Überraschungen hinweg, zumal sich eben auch im Support eine Menge Prominenz tummelt. Wie so oft in diesen Zeiten: solides Streamingfutter, dessen Konsum man weder bereut noch vermisst.
34. Guns Up
Kevin James hat offenbar Gefallen an Abwegen gefunden. In „Guns Up“ weicht er zwar bei weitem nicht so radikal von seinem angestammten Rollenprofil ab wie in „Becky“, das Drumherum ist aber mindestens ebenso düster. Die Nacht scheint gar nicht zu enden, die Gangster kennen auch mit dem unschuldigsten Manchild im Filmgeschäft keine Gnade. Tonal wirkt das manchmal ein wenig unentschlossen, eine echte Zielgruppe scheint es nicht zu geben. Außer vielleicht jene, die mit dem Twist zur Mitte hin angesprochen werden soll.
35. Drachenzähmen leicht gemacht
Man sollte mit Dreamworks und Universal eigentlich ebenso böse sein wie mit Disney für den fragwürdigen Trend, Animationsfilmklassiker als Live Action nachzudrehen, ohne allzu viel am Inhalt zu ändern. Aber irgendwas macht „Drachenzähmen leicht gemacht“ anders. Vielleicht liegt es daran, dass Dean DeBlois weiter die Kontrolle über sein Baby bewahrt und so dafür sorgt, dass genug Herz und Seele einfließt. Kostüme und Ausstattung heben sich kaum von der „Wickie“-Realverfilmung ab, aber gerade Gerard Butler grummelt sich hinter seinem Bart unheimlich viel Leidenschaft zusammen. Davon abgesehen: Drachen kann es nie genug geben.
36. Fear Street: Prom Queen
Besser gut geklaut... und so weiter. Die ersten drei „Fear Street“-Ableger waren sicherlich progressiver in ihrer Ausrichtung, mit der Konsequenz, dass auch die Fallhöhe größer war. „Prom Queen“ hingegen klebt an den Tropes wie das Blut am Abschlussballkleid und denkt gar nicht erst daran, irgendwas Verrücktes zu versuchen. Das klingt erst einmal öde, ist aber handwerklich gut gemacht und im Endeffekt launiger als so manches, was sich im Slasher-Bereich wider aller Logik zum Klassiker entwickelt hat.
37. Wallace & Gromit: Vergeltung mit Flügeln
Das unzertrennliche Duo hält sich einzig aufgrund der liebgewonnenen Marotten am Leben. Rein filmisch gehört „Vergeltung mit Flügeln“ zu ihren schwächeren Abenteuern: zu lang (trotz der knappen 80 Minuten), zu ideenlos, schlussendlich auch zu krawallig. Claymation ist und bleibt eine sehenswerte Art der Animation, aber inhaltlich befindet sich Nick Park bereits seit geraumer Zeit im Sinkflug.
38. Play Dirty
Der Big Bang ist Shane Black nicht gelungen. Nahezu unbeachtet gerät sein Comeback zum Streaming-Tipp des Monats und ist zum Ende des Jahres praktisch schon nicht mehr relevant. Vielleicht nicht ganz unbegründet; obwohl „Play Dirty“ unter dem Strich durchaus mehr zu bieten hat als mancher Rohrkrepierer aus den hauseigenen Studios, liegt die Latte eben auch nicht allzu hoch, und dieses Pferd springt definitiv nicht höher als es muss. Was die Wahlberg-Filme der letzten Jahre angeht, darf man das hier aber durchaus als „gute Wahl“ bezeichnen.
39. The Thursday Murder Club
Völlig befreit von den Erwartungen an verschachtelte Konstellationen, die man automatisch an die „Knives Out“-Reihe stellt, lebt „The Thursday Murder Club“ von seiner unaufgeregten Sonntagnachmittagsroutine und seinem namhaften, aber zurückgenommen spielenden Ensemble. Natürlich möchten die Kaffeekranzveranstaltungen im Seniorenheim ganz bewusst so wenig ernst genommen werden, damit eine Mirren, ein Kingsley und ein Brosnan dem Zuschauer anschließend frech mit dem Arsch ins Gesicht springen können. Die Masche geht aber trotzdem auf, weil es gerade in diesem Kinojahr einen solchen Kontrast braucht zu den harten Mafia-Stoffen, an denen auch gerade Brosnan selbst mit Feuereifer beteiligt war, sowie natürlich zu Rian Johnsons Platzhirsch unter den Mystery-Krimis, der zum Ende des Jahres noch einmal ein Ausrufezeichen setzen sollte.
40. Ash
Inhaltlich selbst für einen Style-Over-Substance-Film ein wenig dünn. Parallelen zu "Event Horizon", "The Dark Side of the Moon" und "Moon" treffen auf Farbkompositionen, die aus einer außer Kontrolle geratenen Parfumwerbung stammen könnten. Audiovisuell trotzdem berauschend, man fühlt sich fast wie in einem Cosmatos-Film. Die „The Thing“-Verbeugung im Finale nehme ich dankend an. Was das Schauspiel angeht: Während Eliza Gonzalez auf dem Trip durchweg überfordert wirkt, ist Unterforderung für alle anderen das Motto. Wozu braucht man zum Beispiel einen Iko Uwais, wenn man ihn mitsamt der restlichen Crew flüchtig in Rückblenden abhakt?
41. Mickey 17
„Starship Troopers“ mal als diplomatische Hypothesensammlung, beseelt von der Trial-and-Error-Komik der permanenten Reproduktion und Reinkarnation, die fast schon in die Computerspiel-Philosophie eingreift, gewürzt mit den Barrieren interspezifischer Kommunikation am Beispiel eines Alien-Mensch-Krieges... das klingt in einem weiteren Sequel- und Reboot-Jahr mit aufgewärmten Marken nach der dringend benötigten Frischzellenkur. Bong Joon-ho nimmt den Mund allerdings zu voll. Weder unter SciFi-Gesichtspunkten noch als Slapstick-Komödie oder gar als soziale Parabel entwickelt „Mickey 17“ die nötige Durchschlagskraft, sondern droht jeweils an seinen Ansätzen zu ersticken. Möchten Sie mehr wissen? Einfach nochmal Paul Verhoevens bissige Satire einlegen. Und am besten dann noch Villeneuves Meisterstück „Arrival“ hinterher.
42.The Long Walk
„The Long Walk – Todesmarsch“ bleibt eine Art Märchen, gedämpft wie mit den Weichfiltern eines irrealen Traums, ohne die absolute existenzielle Wahrheit eines echten Kriegsfilms. Es gibt Momente, in denen man aufwacht und kurz den realen Horror des Daseins vermittelt bekommt. Leider bleibt es bei den Momenten. Francis Lawrence gelingt es nie völlig, das potenzielle Grauen eines langen Weges ohne Ziellinie für seine Ziele zu nutzen, das Grauen einer perspektivlosen Welt nicht nur zu zeigen, sondern fühlbar zu machen. Das ist nicht unbedingt die Schuld des Mediums Film; andere Filme haben bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie man mit ähnlich minimalistischen Szenarien eine wesentlich größere Wirkung erzielen kann. Die Verfilmbarkeit / Unverfilmbarkeit von Stephen Kings vielleicht grimmigstem Roman bleibt somit weiter unbewiesen.
43. Until Dawn
Wenn man sich von den Erwartungen an eine akkurate Verfilmung des zugrundeliegenden Videospiels löst, das sich eher als Über-Slasher definierte, dann bietet Sandbergs eigenwillige Sandbox-mit-Sanduhr-Interpretation des Stoffs immerhin nettes Gimmick-Monsterkino. Sam Raimis Hüttenkoller wirkt offensichtlich immer noch nach. Im letzten Jahrzehnt war „Evil Dead“ bereits in den Next-Gen-Meta-Würfel „The Cabin in the Woods“ transzendiert; „Until Dawn“ wirkt nun wie ein weiterer Setzling von „The Cabin in the Woods“, nur nochmals glatter und mit noch mehr Clippingfehlern.
44. The Monkey
Stephen-King-Flair kommt allenfalls gedämpft in den Reibungen zwischen Theo James Nr. 1 und Theo James Nr. 2 auf. Ansonsten macht Oz Perkins hier sein eigenes Ding. Wobei, was macht er eigentlich? Autarke Freak Accidents mit reichlich CGI aufreihen, das kann im Grunde jeder dahergelaufende Wald- und Wiesenregisseur. Was „The Monkey“ in erster Linie fehlt, ist Folklore als Verbindungselement. So bleibt es bei der Aneinanderreihung von hübsch arrangierten Derbheiten, aus denen allenfalls schwarzer Humor spricht, jedoch keinerlei Konzept.
45. 28 Years Later
Gewisse Ansätze mit Potenzial zeigen Danny Boyle und Alex Garland im Zusammenspiel zwischen Aaron Taylor-Johnson und Alfie Williams, die ein archaisches Vater-Sohn-Verhältnis mit viel Ausdruck zum Leben erwecken. Über die von Zombies überrannte Welt da draußen gibt es 28 Jahre später allerdings ungleich weniger zu erzählen. Das krude World Building um fette Kriecher, muskulöse Sprinter und gewaltige Totenkopfberge trifft auf technische Innovationsversuche mit dem Smartphone, im Ergebnis stehen aber höchstens leidlich packende Konfrontationen, die unentwegt im Affekt entstehen. Zuletzt schlägt auch noch völlig der Ton um; für die Fortsetzung schwant einem trotz Nia DaCosta Übles.
46. Predator: Badlands
Konsequent treibt Dan Trachtenberg zunächst seine in zwei Vorgängerfilmen vorbereitete Vision voran und wagt den dauerhaften Sprung ins Predator-Blickfeld, das nicht länger bloß ein Thermovision-Gimmick ist, sondern narratives Herzstück. Das tut er im vollen Vertrauen in die Mythologie der Yautja, die er völlig zu Recht als stark genug einschätzt, um einen ganzen Film auch ohne direkte Einmischung des Menschen zu tragen. Hauptfigur Dek sorgte nach Veröffentlichung der Trailer für reichlich Skepsis, wird den Anforderungen in Aktion jedoch durchaus gerecht, auch wenn seine Figurenzeichnung sich vor allem auf die Stereotype alter Kulturen stützt. Kritisch wird es erst im Rudel, als man sich auf einmal eher in einem Familien-Animationsfilm wähnt als in einem Kampf auf Leben und Tod. Weil die bis dahin so organisch fließende Entwicklung der Reihe gleichzeitig zum Stehen kommt, bleibt der dritte „Predator“ in vier Jahren hinter seinen Erwartungen zurück – trotz vielversprechender Ansätze.
47. Warfare
Rein. Taktik. Schmerzensschreie. Tote. Raus. Kaum etwas folgte in diesem Jahr stringenter der geraden Zeitlinie, die einem Film grundsätzlich seine mediale Form verleiht. Die als Echtzeit-Episode aus der Zeit der Besetzung des Iraks konzipierte Regiearbeit von Alex Garland in Kooperation mit dem früheren Navy Seal Ray Mendoza vermischt konsequent die Eigenschaften seines Mediums mit einer situativen Erfahrung, verfängt sich aber schon mit der Eröffnungssequenz in einer Wiederholung der Muster des Kriegsfilms und findet aus der repetitiven Struktur bis zum Ende nicht mehr heraus. Gut gespielt ist das aber, und die Unaufmerksamkeit der umstehenden Soldaten gegenüber den verletzten Kameraden am Boden schmerzt bis in die Fußspitzen.
48. Jay Kelly
Noah Baumbachs verspieltes Verhältnis zum Kino macht sich nicht nur durch das Meta-Verhältnis zwischen Leben und Film bemerkbar, mit deren Klammer „Jay Kelly“ eröffnet und schließt, sondern vor allem durch die kreativen Wege, mit denen er sein Road Movie vorantreibt, ohne sich auf etablierte Konventionen zu verlassen. Örtliche Distanzen vereinen sich ganz ohne Splitscreen in der gleichen Einstellung, die objektive Kamera tauscht mit der subjektiven im fliegenden Wechsel die Plätze und keine Episode wirkt wie die nächste, weil jede von anderen Nebenfiguren geprägt wird. Adam Sandler, der seinen eigenen „Jay Kelly“ bereits mit „Sandy Wexler“ abgeliefert hat, sowie ein Stück Käsekuchen sind die einzigen permanenten Begleiter in diesem Wandel der Episoden, die mit blühender Fantasie auf die Leinwand gebracht werden.
Der Doppelbödigkeit zum Trotz, ungeachtet all der extravaganten Spielereien, ist diese fiktive Autobiografie letztlich eine durch und durch konservative, gewollt bittersüße, streckenweise regelrecht kitschige Angelegenheit. Baumbach hat ein zentrales Problem: Es liegt ausgerechnet im Kernstück seines Films, dem für den normalen Betrachter weitgehend uninteressanten Tauchgang in die Lebenskrise seiner Hauptfigur: Jay Kelly, Filmstar.
49. Heart Eyes
Garstige Kills stehen im scharfen Kontrast zu einem Sehgefühl wie aus einer waschechten RomCom. Was wie ein gewaltiger Spagat klingt, den man so erst einmal zustande bringen muss, ist anno 2025 natürlich längst keiner mehr. Olivia Holt, die in Reese-Witherspoon-Manier die Naivität aus der einen Welt in die andere zu übertragen weiß, macht einen guten Job, aber letztlich ist die Genre-Tradition zu mächtig. Was schließlich als „Scream“-Hommage gedacht ist, grenzt vielmehr an eine Kopie. Wenn man dieses Jahr zum Valentinstag nur Zeit für einen Film hatte, war man allerdings etwas besser beraten, diesen zu nehmen anstatt den mit Ke Huy Quan.
50. Alfred Moretti's Opus
Eine Personenkult-Horrorsatire, die durch ihre geheimnistuerische Art eine Zeit lang tatsächlich Neugier weckt, bevor das meiste dann doch auf die vorgeschnittene Silhouette des gemeinen Sekten-Horrorfilms passt. John Malkovich spielt das immerhin mit einer gewissen tuntigen Passion, die sehenswert mit der Natürlichkeit von Ayo Edebiri kollidiert. Sie ist allerdings nicht die einzige, die sich wohl innerlich die ganze Zeit fragt, was da eigentlich abgeht und wieso hier nicht bald mal der Stecker gezogen wird.
51. Karate Kid Legends
Umgarnt werden vor allem jene Zuschauer, die sich in der soapigen Wärme der erfolgreichen „Karate Kid“-Serie geborgen gefühlt haben. Eine Grundvoraussetzung ist die Kenntnis der Serie – trotz aufgegriffener Handlungsstränge - zum Glück nicht, weil die von Ben Wang gespielte Hauptfigur, die in der Pizzeria nebenan wohl besser nicht nach einer Pizza mit Käserand gefragt hätte, eine neue ist. Die Serie wird allerdings als Schablone für die stilistische Ausrichtung nur zu gerne angenommen. Um kreative Wege des Drehbuchs oder gar Maßstäbe setzende Kampfchoreografien bemüht sich hier niemand; es geht ganz und gar darum, das rote Licht der Abenddämmerung perfekt auf die bepflanzten Hausdächer New Yorks fallen zu lassen, um die amerikanische Arche für Immigranten von außerhalb möglichst einladend leuchten zu lassen. Wenn das der Präsident wüsste.
52. A Minecraft Movie
Wer hätte gedacht, dass einmal der Tag kommen würde, an dem man Jack Black und Jason Momoa nicht mehr auseinanderhalten kann? Passiert wohl, wenn man Filme in geringer Pixel-Auflösung dreht und alle Figuren wie Würfel aussehen. Mit der Spielevorlage hat zumindest die Optik trotzdem nicht allzu viel gemein, und Nicht-Spieler werden sich bei manchem Gimmick wohl fragen, was das soll. Als buntes Hollywood-Fantasy-Familienabenteuer geht der Minecraft-Film aber schon irgendwie klar.
53. Heads of State
Es ist der guten Chemie zwischen Idris Elba und John Cena zu verdanken, dass diese Actionkomödie aus dem Baukasten trotz des ideenlosen Drehbuchs gerade so zu amüsieren in der Lage ist. Die teils überschwänglichen Reaktionen sind mir dennoch ein Rätsel.
54. The Accountant 2
Eine Fortsetzung, die einzig zu dem Zweck existiert, die Marotten des schrägen Buchhalters im Zusammenspiel mit dem coolen Bruder nach dem Buddy-Prinzip der Gegensätze weiter auszuschlachten, um am besten eine Kultfigur für eine potenzielle Marke zu erschaffen. Dafür ist der Stoff aber nach wie vor zu ernst aufgezogen.
55. Thunderbolts*
Man muss Jake Schreier zugute halten, dass er zumindest im Mittelteil dazu in der Lage ist, sich ganz und gar auf seine Figuren einzulassen und ihre Geschichte kompakt und effizient um sie herum aufzubauen, ohne sich allzu sehr von dem Ballast des MCU ablenken zu lassen. Das ist mehr, als man manch anderem Marvel-Erzeugnis der 2020er Jahre nachsagen kann. Das Material, das Marvel ihm zum Arbeiten gibt, ist allerdings nicht gerade die höchste Güteklasse, und diesen Umstand selbstironisch bei jeder Gelegenheit zu deklarieren, ändert nichts an den Fakten. Am Ende ist das Konzept wieder interessanter als das Ergebnis. Sollte man wirklich darauf gespannt sein, wie sich die „Thunderbolts*“ in Zukunft in das Universum eingliedern werden, dann wohl eher deswegen, weil man dabei mit anderthalb Augen doch wieder eher auf die Vereinslegenden schielt, die seit Phase I am Ruder sind... hoffend, dass die Neuzugänge wenigstens dazu taugen, den müden Helden einmal kurz in den Arsch zu treten, auf dass die endlich wieder aus ihrem Winterschlaf erwachen und abliefern.
56. Drop
Kleine Thriller, in denen unsichtbare Erpresser die Protagonisten auf engem Raum unter Zugzwang setzen, nimmt man immer gerne mit – vorausgesetzt, das nachfolgende Katz- und Mausspiel ist entweder glaubwürdig oder zumindest packend genug geschrieben, dass man ihr Verhalten nicht in Frage gestellt. Gerade hier lässt „Drop“ Federn. Nicht nur Meghann Fahys Date, auch der Zuschauer verliert zunehmend die Ungeduld mit ihr und der Gesamtsituation. Ein paar Ideen funktionieren, die Twists reißen aber nicht unbedingt aus dem Hocker und am Ende hat man höchstens Lust, nochmal so etwas wie „Nicht auflegen!“ einzulegen.
57. Den of Thieves 2: Pantera
Die größenwahnsinnigen „Heat“-Ambitionen sind in der Fortsetzung noch nicht verstummt. Im Gegenteil; durch den Schauplatzwechsel nach Europa wähnen sich die Macher beinahe in der Nouvelle Vague. Dabei liefern sie im Kern eine B-Action-Sause nach alter Schule, die einfach nur weiß, wie man sich aufplustert. Gelegentlich droht die um zwei Hauptfiguren herum aufgebaute Fortsetzung an ihrem Styling zu ersticken, letztlich darf man aber wohl froh sein, hier ausnahmsweise mal wieder einen Gegenentwurf zu all den CGI-verseuchten Agenten-Actionern zu bekommen, in die neuerdings das Geld der Streaming-Anbieter gebuttert wird.
58. Holland
Modellbau im Modellbau: Der Slow-Burn-Thriller spinnt mehrere Realitätsebenen zu einer artifiziellen Vorstadtkulisse, in der der Schein das Sein überstrahlt. Mimi Cave gelingen immer mal wieder angenehm fremdartige Kompositionen, die in einer surrealen Traumsequenz als Höhepunkt gipfeln. Nicole Kidman vermag die notwendigen Emotionen in der Hauptrolle aber längst nicht mehr zu transportieren, wodurch letztlich das komplette Gerüst in sich zusammenfällt.
59. Happy Gilmore 2
Vermutlich war es nur eine Frage der Zeit, bis eine Fortsetzung zu Adam Sandlers vielleicht beispielhaftestem Film Realität werden würde. Er macht Besseres draus als viele seiner Kollegen, die in den letzten Jahren Vergleichbares mit ihren früheren Hits probiert haben; allerdings war die Fallhöhe auch nicht so tief. Unterhaltsamer Blödsinn mit Powerschlag-Gimmick war es damals; nun, da der Golfball die Erdkugel einmal umrundet hat, sind einige Figuren gestorben und andere gealtert, auch gewisse Filmkonventionen haben sich geändert. Aber der Schlag ist immer noch derselbe. Weil Sandler es auch ist.
60. The Alto Knights
Ein doppelter De Niro bedeutet leider noch lange nicht, dass man hier Goodfellas und Casino in einem bekommt. Nicht nur in der deutschen Fassung (mit einem fistelstimmigen Christian Brückner auf De Niro Nr. 2) streift Levinsons Mafia-Epos in Maske und Gestikulation manchmal die Parodie auf ein solches. Geschrieben ist der Stoff immerhin einigermaßen geschmackvoll und solide, dann aber auch wieder ohne jedes besondere Merkmal, das den Zuschauer davon überzeugen könnte, dass man einen weiteren De-Niro-Streifen dieser Art gebraucht hat.
61. Mountainhead
Carell, Schwartzman und Smith sind gerade die richtigen Visagen, um das Ausrufezeichen hinter diese Business-Satire zu setzen. Vom Setting irgendwo in den Gipfeln von Utah, weit über den Köpfen des gemeinen Pöbels, bis hin zum eiskalten Geschwafel der Individuen, die da oben ein freundschaftliches Konzept imitieren, darf praktisch alles an diesem Film mit Argwohn beäugt werden. In den besten Momenten gelingt es Jesse Armstrong, die Kluft zwischen der erlebten digitalen KI-Scheinrealität der Protagonisten und dem wahren Leben pointiert hervorzuheben. Insgesamt bleibt „Mountainhead“ in der Konsequenz seines Ausdrucks aber ähnlich halbseiden wie die windigen Gestalten, die er in den Mittelpunkt stellt.
62. Death of a Unicorn
Unentschlossenes stilistisches Durcheinander, das sich nicht entscheiden kann, ob es dem postmodernen Kult des Regenbogen kotzenden Einhorns anschließen, mit ernsthaftem Gestus ein Erwachsenenmärchen erzählen oder Jurassic-Park-Spannungskino machen will. Wer will es den Darstellern da verdenken, dass sie stets ein wenig hilflos vor der Kamera stehen. Zumindest die Effektabteilung hätte sich etwas mehr Mühe geben können. Immerhin darf Alex Scharfman von sich behaupten, eine Mischung angerührt zu haben, die es so in diesem Produktionsjahr wohl kein zweites Mal gab.
63. The Pickup
Die gute alte Mentor-Novice-Rezeptur durch den Mixer gejagt mit allen Zutaten, die bei Amazon gerade auf Lager waren: Ein Murphy aus der Konserve, ein Davidson aus dem Ei gepellt, seine kesse Lippe im Brabbelmodus und jede Menge Signalfarben, die man über kollidierenden Großfahrzeugen explodieren lassen kann, auf dass die Streaming-Zombies Signalreize empfangen und angelockt werden. Damit wären Netflix & Co. mal wieder für einen Filmabend ausgekontert.
64. Havoc
Brutal und hart auf die Fresse, aber leider nicht mehr als das. Kein Maß, keine Relation; digitale Squibs, wohin das Auge blickt. Gareth Evans ist auf dem vorläufigen Tiefpunkt seiner Kreativität angekommen; er weiß zwar immer noch, wie man Druck aufbaut, aber nicht mehr, was er mit der Entladung bezweckt. Schwer zu sagen, ob er diesmal keine besseren Ideen hatte oder ob ihm von oben kreative Fesseln angelegt wurden. Hardys Figur zeigt hinter den üblichen Klischees rund um Vaterschaft und gescheiterte Ehen durchaus ein paar Ansätze von Tiefe, die man erst auf den zweiten Blick erkennt, letztlich wirkt er aber einfach nur ausgelaugt. Am Ende fühlt man sich wie all die identitätslosen Leichen im Film und ist einfach nur froh, wenn es vorbei ist. Gerade noch Mittelmaß, weil man die Signatur des Machers trotz allem noch erkennt.
65. Lilo & Stitch
Das alte Problem der Disney-Live-Action-Remakes. Die putzige Hauptdarstellerin und ihr frecher Begleiter, der auch in der dritten Dimension die Zuschauerherzen auf seiner Seite hat, können nicht dieses dumpfe Gefühl verhindern, dass man all das schon in besser gesehen hat. Was für eine Verschwendung von Ressourcen.
66. Ziam
Der garstige Mix aus Martial Arts und Zombie-Horror investiert einiges in sein Tempo und erreicht dadurch beachtliche Binge-Qualitäten, die ihn zum idealen Streamingfutter machen. Das matschige Produktionsdesign, die hässliche Braun-in-Braun-Farbpalette und ganz allgemein die abgenutzte Zombie-Action-Rezeptur können einem den Spaß aber ganz gehörig vermiesen.
67. The Parenting
Dieser Versuch, Family Comedy zu modernisieren, während man sie mit den bekömmlichen Spielarten des Spukfilms kombiniert, ist leidlich unterhaltsam geraten, aber leider bieder bis zum Anschlag.
(weiter geht's im zweiten Posting)
Re: Filmtagebuch: Vince
68. Memoiren einer Schnecke
Direkter, ehrlicher als so vieles, was sonst in animierter Form erscheint. Fast so, als lese man das Tagebuch einer einzelnen, echten Person, die ihr Herz ausschüttet und keinerlei Milde sich selbst gegenüber walten lässt. Zugleich verkauft „Memoiren einer Schnecke“ seine unergründliche Traurigkeit aber als Design: Mit wackligen Schriftzügen, die Unsicherheit verraten, oder Augenhöhlen, mit denen ganze Burggräben aus Tränenwasser gefüllt werden könnten. Andere Emotionen als diese haben unter dem trüben Gewitterhimmel keine Chance, sich durchzusetzen, was die als Rückblende aufgerollte Geschichte äußerst monoton wirken lässt. Ich verstehe die Begeisterungsstürme; teilen kann ich sie nicht.
69. Afterburn
Euro-Apokalypse aus dem Bastelkasten. Bautista jagt im Assassin's-Creed-Hoodie Objekten aus der prä-apokalyptischen Welt nach und darf coole Autos fahren, die auch Wolverine schmeicheln würden. Olga Kurylenko hat's immer noch drauf, weiß aber offensichtlich auch in der Endzeit, wo man sich hübsch herausputzen kann. Jackson reißt weiter seine Cameos ab, hier und da wird mal ein Gunfight ausgepackt. Filmisch ist das alles eine Schippe hochwertiger als Bautistas anderes Endzeitvehikel in diesem Jahr, drückt aber dafür wesentlich öfter auf die Bremse statt aufs Gaspedal.
70. Hellboy – The Crooked Man
Respekt ist dem erfrischend alternativen Ansatz zu bezeugen, der nicht den Bezug zu den früheren Verfilmungen sucht, sondern zur Quelle. Vereinzelt gelingt durch spezielle Techniken in Sachen Perspektive und Beleuchtung sogar eine Reproduktion der Panel-Ästhetik, die durch die desaturierte Farbgebung intensiviert wird. Unter dem Strich ist Brian Taylors Hellboy-Interpretation aber trotzdem eine ungeheuer anstrengende Angelegenheit voller willkürlicher Jump Scares geworden, die ungefähr so viel Spaß macht, als würde man gefesselt auf einem Sofa in der Evil-Dead-Hütte zu sitzen, während zwei Meter weiter permanent die Ketten rasseln und Dämonen kichern, bis du nach 100 quälend langen Minuten endlich den Verstand verloren hast.
71. Vicious
One-Woman-Show, die mit harten Schocks paralysieren will, dabei aber ihre Erschrecktechniken so penetrant in den Vordergrund stellt, dass die Entwicklung der Hauptfigur vor lauter Jump Scares auf der Strecke bleibt.
72. The Woman in the Yard
Die durchaus gruselige Ausgangskonstellation verdreht sich zunehmend zu einer platten Spiegelmetapher, die weder auf der Horror-Ebene liefert noch intelligent geschrieben ist.
73. Locked
Wir lernen, dass ein Bill Skarsgard, eine Luxus-Karosserie und die Stimme von Anthony Hopkins nicht ausreicht, um 90 Minuten mit Spannung zu füllen. Dann lieber noch einmal einer der „Knight Rider“-Ausschnitte, in denen KITT einen Dieb zum Narren hält. Das dauert nur wenige Minuten und macht mehr Spaß.
74. Captain America: Brave New World
Unfassbar, was hier an Abermillionen in eine trotzdem so klein wirkende Produktion geblasen wurde, die ein wenig so wirkt wie ein Wahlkampfballon, dem seit Captain America 2 die Luft ausgegangen ist. Nette und unerwartete Querbezüge zum stiefmütterlich behandelten zweiten Hulk stehen auf der Habenseite, ebenso wie Harrison Ford, aber Mackie taugt einfach nicht als Lead und hat es noch nie getan, da hat sich Marvel über die Filme und Serien hinweg ordentlich verrannt.
75. The Electric State
Angeteasert als das große 2025er Streaming-Event, findet die Bildband-Adaption der Russo-Brüder lange vor Ablauf des Produktionsjahrs im öffentlichen Diskurs gefühlt längst nicht mehr statt. Kein Wunder, hat sie doch abgesehen von ihrem aufgeblasenen Produktionsdesign nur Hohlräume zu bieten. Und Oberflächenreize gab es zuhauf auch woanders.
76. Love Hurts
Jonathan Ke Quan streckt sich nach Leibeskräften und vermag in einzelnen Szenen immerhin den Geist der Jackie-Chan-Phase um „First Strike“ und „Mr. Nice Guy“ zu beschwören. Aber aus den herzförmigen Valentinstagsballons ist so schnell die Luft raus, dass man bei Einsetzen des Abspanns gar nicht so richtig das Gefühl hat, einen vollwertigen Film gesehen zu haben. So oberflächlich wie eine arrangierte Umarmung für die Kamera.
77. Flight Risk
Eine Rückbesinnung auf die Mid-Budget-Actioner der späten 80er und frühen 90er, aber dann leider doch keiner der erfreulichen Sorte. Wenn Mark Wahlbergs Halbglatze die einzige erinnerungswürdige Errungenschaft eines Films ist, kann man den Rest guten Gewissens von der Hirnfestplatte löschen.
78. Back in Action
Es ist schön, Cameron Diaz mal wieder zu sehen, aber ihr Comeback ist keinen Deut sehenswerter als ihr Abgang. Wenn man schon nach mehr als 10-jähriger Schauspielpause auf die Leinwand, ähm, den Bildschirm zurückkehrt, würde man sich dann nicht etwas Exklusiveres wünschen als die Agenten-Couple-Schablone, in die Netflix so ziemlich jeden ehemaligen Star der 2000er steckt, der nicht schnell genug ablehnt?
79. Troll 2
Die Hollywood-Blockbuster-Pantomime-Maschine wurde mal wieder angeschmissen und hat ein Sequel produziert, damit nun auch Hollywood-Blockbuster-Sequels kopiert werden können. Selbst nach dem letzten „Godzilla x Kong“, der optisch ein Debakel war, wirken die Riesentrolle mit ihren dicken Nasen und genervten Gesichtsausdrücken einfach nur Banane. Sämtliche Helden des Films wirken eine Nummer zu mickrig für die uramerikanischen Posen, die sie im Kampf gegen die Riesen einnehmen. Spektakulär ist eigentlich nur die Winterlandschaft; aber die ist ja nicht auf dem Mist der Macher gewachsen, sondern wird mit freundlicher Genehmigung von Mutter Natur bereitgestellt.
80. O. What. Fun.
Aus einem traditionellen Weihnachtsfilm über ein Familienwochende im Elternhaus (tatsächlich sogar mit weihnachtlich wirkender Tapete und Küchenausstattung... hier hat das Produktionsdesign vielleicht dann doch ein wenig überzogen) wird ein Solo-Road-Movie. Dafür gibt’s einen Grund, und zwar mütterliche Unzufriedenheit über ein Problem, von dem sonst eher Fußballmillionäre berichten: Fehlende Wertschätzung. Michelle Pfeiffer ist der Motor einer Weihnachtskomödie, die es darauf anlegt, moderne Familienstrukturen zu demontieren und tief liegende Probleme offenzulegen. Die Wege, die das Drehbuch beschreitet, um das zu erreichen, sind aber selten zugänglich und zumeist eher peinlich als komisch. Und wenn man das Gefühl hat, das Komödiantische stehe der Message fast eher im Weg als sie zu unterstützen, dann ist der besinnliche Grundgedanke schnell dahin.
81. Playdate
Das Dad-Subgenre der US-Actionkomödie hat inzwischen wirklich absonderliche Formen angenommen. Wie entbehrlich Zwischenmenschliches und Emotionales inzwischen geworden ist, lässt sich an der Darstellung der Kinder ablesen, die wie Ragdollpuppen durch die Sets poltern. Das sind aber nur die ersten Symptome für ein wahrhaft roboterhaftes Finale. Mit einem sehr speziellen Sinn für Cartoon-Humor könnte es unter Umständen aber sogar funken.
82. In the Lost Lands
Es soll ja im letzten Jahr Leute gegeben haben, die „Borderlands“ als Bodensatz des Kinojahrs bezeichnet haben. Tja, und jetzt, im Jahr 2025, da mussten wir alle Paul W.S. Andersons Bier halten. Mit „In the Lost Lands“ entführt uns ein Weltenbauer, für den bröckelnder Putz seit jeher ein Markenzeichen ist, in seine neueste, monochrom glänzende Ruine von Dystopie, die vollgestopft ist mit nicht zueinander passenden Versatzstücken aus 1001 George-R-R-Martin-Frühstückspausen. Close-Ups auf Nichtigkeiten und großzügig über die Hintergründe verteilte Lens Flares versuchen erfolglos zu verschleiern, wie hässlich einfach alles in diesem computergenerierten Universum ist. Aber zugegeben: Nach einem völlig konfusen Einstieg nimmt zumindest das Tempo Fahrt auf und die immer beknackter werdenden Ideen (diese Schlangen-Flinte!) wirken wie Gleitmittel auf einer Spaßrutsche. Blöd nur, dass die Rutsche ausgerechnet durch Andersons Terrain führt.
83. The Old Guard 2
Wenn man ehrlich ist, war schon Teil 1 eine hohle Nuss, aber die Fortsetzung hat nun überhaupt nichts mehr zu erzählen. Sie quält sich regelrecht über die Zeit, füllt Leerstellen verzweifelt mit redundanten Verfolgungsjagden und körperlichen Auseinandersetzungen... und schafft es trotzdem nicht über die Ziellinie in Form eines vernünftigen Abschlusses, weil man sich den eben für einen dritten Teil aufgespart hat. Das ist um Charlize Theron und Uma Thurman dann doch zu schade.
84. A Working Man
Eigentlich wünscht man sich die ganze Zeit jenen Blue-Collar-Exploitationer, der in der Auftaktszene versprochen wird. Lasst doch einfach einem Bauarbeiter die Sicherungen durchbrennen und ihn nonstop seine Werkzeuge zweckentfremden. Stattdessen wird die dröge „Taken“-Routine einfach noch einmal aufgekocht. Dann lieber den viel gescholtenen „Beekeeper“, der zumindest die interessantere Prämisse hatte.
85. Ice Road: Vengeance
„Ice Road“ gehörte schon zu den Stinkern im Neesons Fließbandactionkarriere. Unglaublich im Grunde, dass man ihn nochmal derart zu unterbieten wusste. Zäh, unlogisch, pietät- und empathielos, trotz reichlich Pathos. Dazu künstlich in der Optik und faserig im Schnitt. Außerdem fehlt das versprochene Eis – Mogelpackung.
86. Star Trek: Sektion 31
Geheimbund feiert bizarren Maskenball. Fühlt sich so an, als hätte ein außerirdischer Parasit die Körper sämtlicher beteiligter Bevölkerungsgruppen übernommen und würde ihre leeren Hülsen wie Marionetten tanzen lassen.
87. War of the Worlds
Jetzt muss man für die Rettung der Menschheit nicht mal mehr vom Drehstuhl aufstehen. Ice Cube ist endlich da angekommen, wo er zeit seiner Karriere als Actionheld gefühlt schon immer hin wollte: Ins Büro.
Einige Darsteller der o.g. Filme, die Eindruck hinterlassen haben:
Takeshi Kitano (Broken Rage)
Nicolas Cage (The Surfer)
Michael B. Jordan (Blood & Sinners)
Kieran Culkin (A Real Pain)
2025 erschienene Serienstaffeln:
Hier habe ich wieder mehr geschafft, was daran liegt, dass ich durch die neuen P+- und Wow-Abos motiviert war, ein paar Sachen nachzuholen.
Amazon und Disney haben dafür radikal an Boden verloren (aktuell habe ich auch gar keinen Zugang mehr zu Disney, der ist im Oktober ausgelaufen).
01. Black Mirror – Season 7
Bleibt einfach die beste Anthologieserie auf dem Markt. Nirgendwo sonst wird derart konsequent über den Tellerrand hinausgedacht. Nicht jede Episode hat gezündet, aber einige haben mir wirklich körperliche Bauchschmerzen bereitet (Common People).
02. MobLand – Season 1
Es gibt schon so viel von dem Gangsterzeug. Aber wenn doch Guy Ritchie dransteht? Dann schaltet man doch gefälligst rein. Und wird nicht enttäuscht: Diese völlig kaputte Familiendynamik steckt von der ersten Minute an. Brosnan und Mirren spielen so verbissen psychopathisch, dass man sie in ihren eigenen Gesichtern nicht wiedererkennt. Hardy trägt derweil das Gerüst. Das ist die Art Wahnsinn, für die man auch in der zweiten Staffel wiederkommt.
03. Love, Death & Robots – Season 4
Die gewohnte Packung Liebe, Tod und Roboter eben. Manches wirkt nichtssagend (wie die Chili-Peppers-Episode, die im Grunde einfach ein animiertes Musikvideo ist), anderes inspirierend. Ob man aber jemals wieder die Qualität der ersten Staffel erreichen wird, sei mal dahingestellt.
04. IT – Welcome to Derry
Ein Festival der vergebenen, aber auch der genutzten Chancen. Fast wie bei der Schießbude auf dem Jahrmarkt, wo man erst ein Monatsgehalt verballert und dann doch den Teddy gewinnt. Einerseits wird das Stadtbild von Derry mit digitalem Smog verunstaltet, der sich keineswegs nur auf die Inkarnationen des Clowns beschränkt, die aber ihrerseits mitunter grenzwertige Ungeheuerlichkeiten zutage bringen. Erschreckend oder gruselig ist davon nichts, allenfalls bannt mal die eine oder andere Einlage durch ihre schiere Absurdität. Vom Fledermaus-Baby über den Waldschrat bis zum Gurken-Daddy gilt stets der Grundsatz „kannste dir nich' ausdenken“. Dazu ein neuer „Club der Verlierer“, der den Verdacht nahelegt, dass hier absichtlich nahe am sicheren Hafen gebaut werden soll, um keine Zuschauer zu verschrecken (wenn es mit dem Erschrecken eh schon nicht klappt).
Als dann nach einer endlosen Phase der Lustverzögerung endlich Bill Skarsgard als Clown in Erscheinung tritt, wendet sich das Blatt. Nicht etwa, weil er auf einmal den Grusel zurückbringen würde, sondern weil nun eine Kommunikation in Gang gesetzt wird. Der „ES“-Kosmos, auch jener aus Stephen Kings Romanvorlage, wird nun auf interessante Weise erweitert, und plötzlich ist sie da, die Vorfreude auf die nächsten Staffeln. Um die erste zu einer durchweg runden Sache zu machen, platzt der Ballon aber viel zu spät.
05. Dexter: Resurrection
Ist nun der Predator der „Killer of Killers“ oder nicht vielleicht doch Dexter? Was für eine großartige Prämisse. Ein bisschen campy, zugegeben, aber das Duell Hall vs. Dinklage ist prall gefüllt mit absurder Komik und resultiert in einer Abfolge von absurden Wendungen. An diesem Punkt in der Reihe hätte man sich wahrscheinlich nichts Besseres (und Bekloppteres) einfallen lassen können.
06. Tulsa King – Season 3
Besinnt sich auf seine Stärken und übertrifft die durchhängende zweite Staffel, ohne sich wirklich selbst zu übertreffen. Review kommt demnächst.
07. Alien Earth – Season 1
In Sachen Produktionsdesign gibt es hier echt nichts zu mäkeln, man hätte sich vor wenigen Jahren nicht träumen lassen, so etwas mal in einer Serie zu sehen. Was die Serie insbesondere aus dem Thema KI und Roboterethik macht, darüber kann man natürlich geteilter Meinung sein. Schon aufgrund der Schauwerte ist das aber eine der Event-Serien, die mich wahrscheinlich alleine dazu bewegt hätten, mal einen Monat Disney zu abonnieren.
08. Asterix & Obelix: Der Kampf der Häuptlinge
In den Momenten, in denen das Kernmaterial verfilmt wird, ist diese Miniserie ähnlich gut wie der erste der beiden Computeranimationsfilme. Was sich die Autoren zur Streckung der Laufzeit aus den Fingern gesogen haben, funktioniert leider nur mäßig gut. Ein weiterer Spielfilm wäre vermutlich die bessere Option gewesen.
09. Squid Game – Season 3
Back to back mit Staffel 2 gebingewatcht und zu dem Schluss gekommen, dass alles nach der sehr guten ersten Staffel nicht unbedingt hätte sein müssen. Mit der Auflösung war ich trotzdem einigermaßen zufrieden, auch wenn jetzt wohl die große US-Ausschlachtung beginnt.
10. Zero Day – Season 1
Der ideale Serien-Compagnon für „A House of Dynamite“ (der ja von Showrunner Noah Oppenheim auch geschrieben wurde). Das Szenario ist ein ähnliches wie in Kathryn Bigelows Thriller, nur dass es hier um die Ermittlungen nach einem Angriff geht – und dass alles eine Spur weniger ausgefeilt wirkt. De Niro als ehemaliger Präsident an der Front für die Aufklärung kämpfen zu sehen, hat allerdings etwas Erhabenes, und die Szenen, in denen seine private Isolation visualisiert wird, hallen nach.
11. Haunted Hotel – Season 1
Ich mag das Ghost-Hotel-Setting und hatte mir intelligente Adult-Animation erhofft, die allerhand Geisterfilmklischees auf die Schippe nimmt. In gewisser Weise bekommt man auch, was man erwartet, aber der Funke ist trotzdem nicht ganz übergesprungen. Wenn eine zweite Staffel kommt, schalte ich trotzdem noch einmal ein.
12. Invincible – Season 3
Ja, die Story Arcs werden weiter ausgebaut, die Figuren vertieft und neue Fässer aufgemacht. Die Begeisterung der ersten Staffel und mit Abstrichen der zweiten will sich trotzdem nicht mehr einstellen. Das liegt wahrscheinlich weniger an der Schreibe als vielmehr daran, dass ich der Über-Thematik inzwischen überdrüssig geworden bin.
13. Daredevil – Born Again – Season 1
Obwohl am Anfang ohne Rücksicht auf Verluste Tabula Rasa gemacht wird, fehlt irgendwie der Druck der regulären Staffeln. Charlie Cox darf gar nicht mehr zulangen, es ist fast ein wenig wie im dritten Teil der Nolan-Batman-Trilogie, als Batman Aua am Knie hatte. Mich dünkt die Erkenntnis, dass auch diese Serie ihre besten Zeiten hinter sich hat.
14. Cassandra – Season 1
Ein grundsätzlich ganz putziger Retro-SciFi-Versuch aus deutschen Landen, der sich aber regelmäßig an seinen Verphilosophisierungsversuchen verhaspelt, Soap-Elemente verhackstückt und am Ende mit der Shining-Routine kommt. Die Architektur der Familienbehausung hat aber Charme, das Androidendesign erst recht.
15. The Bondsman – Season 1
Gefreut hatte ich mich auf splattrige Dämonen-Action, die gerne auch etwas corny sein durfte, bekommen habe ich Country-Folklore mit jede Menge Slide Guitar und gefühlt einem Kehlenschnitt pro Folge. Kevin Bacon geht natürlich trotzdem immer, aber ich bin nicht traurig darüber, dass hier frühzeitig der Stecker gezogen wurde und er nun Zeit hat für andere Projekte.
16. Fubar – Season 2
Ach, Arnie... ich bin froh, dass das Leid ein Ende hat. Vielleicht ist die zweite Staffel ein bisschen besser als die erste, zumindest zieht sie das Tempo ein wenig an, und die zwei, drei Sockenpuppenszenen machen Spaß. Allerhand Fremdschammomente leistet sich diese Staffel aber genauso wie die erste, insbesondere, was die „Chemie“ zwischen Arnie und Carrie-Anne Moss angeht. Es gibt einen Grund, warum Fernsehen nach Machart der frühen 90er ausgestorben ist. Belasst es dabei.
Die besten Seriendarsteller:
Arnie... NOT.
Aber auch sonst wenige Highlights... vielleicht Peter Dinklage (Dexter) und der gute alte Sly (Tulsa King).
Statistik:
FILME
gesehene Filme: 435 (2024: 430, 2023: 390, 2022: 396, 2021: 456, 2020: 324, 2019: 253, 2018: 306, 2017: 279, 2016: 247, 2015: 227, 2014: 297)
- davon keine Erstsichtung: 47 (10,80%)
- davon Filme aus 2024: 87 (basierend auf deutscher Erstveröffentlichung, d.h. entweder Kinostart oder Heimkinorelease) (20,00%)
Kinobesuche: 6 (2024: 7, 2023: 6, 2022: 4, 2021: 5, 2020: 1, 2019: 8, 2018: 8, 2017: 10, 2016: 7, 2015: 9)
% Verteilung UHD / Blu-ray / DVD / VOD / Kino:
2025: 7,34 % / 43,58 % / 1,15 % / 46,56 % / 1,38 %
2024: 4,19% / 47,21 % / 6,98 % / 40,0 % / 1,63 %
2023: 5,38 % / 50,26 % / 4,10 % / 38,46 % / 1,54 %
2022: 2,78 % / 45,96 % / 6,57% / 43,69 % / 1,01 %
2021: 0,88 % / 63,16 % / 7,68% / 27,19 % / 1,10 %
2020: 0 % / 64 % / 4 % / 32 % / 0,31 %
prozentuale Verteilung amazon Prime / Netflix / Disney / Youtube / Netzkino / Paramount + / Plex / Apple TV / Wow / Mubi / Joyn:
2025: 19,27 % / 7,34 % / 1,15 % / 0,46 % / 0 % / 3,67 % / 0 % / 0,69 % / 12,16 % / 1,83 % / 0 %
2024: 48,26 % / 19,77 % / 7,56 % / 1,16 % / 0 % / 1,74 % / 0 % / 8,14 % / 1,74 % / 11,05 % / 0.58 %
2023: 55,33 % / 22,0 % / 14,0 % / 3,33 % / 0,58 % / 0 % / 4,67 % / 0,67 % / 0% / 0% / 0%
2022: 50,29 % / 34,10 % / 13,29% / 1,73 % / 0,58 % / 0 % / 0 % / 0% / 0% / 0%
2021: 56,45 % / 31,45 % / 12,10 % / 0 % / 0 % / 0 % / 0 % / 0% / 0% / 0%
SERIEN
gesehe Serienstaffeln: 48 (2024: 39, 2023: 39, 2022: 39, 2021: 33, 2020: 52, 2019: 47, 2018: 37, 2017: 41, 2016: 47, 2015: 47, 2014: 47)
% Verteilung Blu-ray / DVD / VOD:
2025: 6,25 % / 0 % / 93,75 %
2024: 17,95 % / 10,26 % / 71,79 %
2023: 12,82 % / 15,38 % / 71,79 %
2022: 7,69 % / 12,82 % / 79,49 %
2021: 30,30 % / 24,24 % / 45,45 %
2020: 17,3 % / 42,3% / 40,3 %, 2019: 36 % / 26% / 38 %)
% Verteilung amazon Prime / Netflix / Disney / Paramount + / Apple TV / Wow:
2025: 8,89 % / 33,33 % / 4,44 % / 26,67 % / 0 % / 26,67 %
2024: 17,86 % / 35,71 % / 35,71 % / 3,57 % / 7,14 % / 0 %
2023: 17,86 % / 53,57 % / 25,0 % / 3,57 % / 0 % / 0 %
2022: 9,68 % / 74,19 % / 16,13 % / 0 % / 0% / 0 %
2021: 26,67 % / 45,45 % / 13,33 % / 0 % / 0 %
Re: Filmtagebuch: Vince
Vielen Dank für den ausführlichen Rückblick! Viele der Filme habe ich leider noch nicht geschaut.

Absolut. Und dass "Weapons" und "Sinners" (auch unabhängig dessen) eigentlich bei jedem irgendwo in die Top5 2025 gehören, ist ja eigentlich auch klar.
Re: Filmtagebuch: Vince
Wow, wieder ein amtlicher Filmkonsum.
... und womöglich gab es keine anderen Filme. Ich habe schließlich den Rest gesehen und empfand genauso. Schön auch zu sehen, dass Prime Video ebenfalls in deiner Gunst fiel. Gut, du könntest jetzt behaupten, das läge an dem P+/wow Jahresabo, aber hättest du das nicht gehabt, wärest du bei Prime Video inhaltlich trotzdem nicht fündig geworden. Interessant zudem, wie sich die Auswahl dann doch ähnelt, wenn man dieselben Streaming-Plattformen bedient.
Wenig Bodensatz, aber auch ein historisches Minimum an Spitzenfilmen: Keine 10/10, keine 9/10, nur eine 8/10, das gab's bei mir auch so noch nicht. Das muss nicht am Filmjahr liegen. Vermutlich habe ich einfach nur die falschen Filme gesehen.
Re: Filmtagebuch: Vince
ich war ja mal ein wirklich großer Prime Video Fan aber auch bei mir sind die 2025 komplett ins Nirgendwo abgerauscht - ich habe da wohl noch irgendwas auf der Watchliste aber habe NULL Drang das zu schauen. Vor allen deren Unart extrem viel Werbung in das Standartabo zu pressen (selbst 30 Minuten Comedyserieren werden dreimal mit Werbung unterbrochen) hat mir den Spaß genommen mal einfach was auszuprobieren.
Die großen tollen Serien sind weg und außer "Reacher" und "Ballard" werde ich wohl auch 2026 nicht mehr sehr oft da reinschauen da einfach zu wenig interesante Neustarts. Ich finde ja den Weg "Qualität statt Quantität" ja durchaus gut und richtig aber bei Prime fehlt es aber leider auch an der Qualität.
Die großen tollen Serien sind weg und außer "Reacher" und "Ballard" werde ich wohl auch 2026 nicht mehr sehr oft da reinschauen da einfach zu wenig interesante Neustarts. Ich finde ja den Weg "Qualität statt Quantität" ja durchaus gut und richtig aber bei Prime fehlt es aber leider auch an der Qualität.
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note
Re: Filmtagebuch: Vince
Ich finde das Prime-Programm jetzt nicht sooo schlecht, aber die Werbung war tatsächlich auch ein Faktor bei mir - wobei ich auch herausgefunden habe, dass über meine olle PS3 bei Prime gar keine Werbung abgespielt wird.
Aber Netflix hat zB. meine Frau ohne Werbung abonniert, da schaut man dann schon lieber was.
Und bei Wow ist die Werbung erträglicher, weil sie nur am Anfang kommt und nicht in der Mitte. Allerdings nervt da die üble Bildqualität (habe da immer wieder Einbrüche mit Pixelbrei, bei allen anderen nicht).
Je mehr Teilnehmer auf den Markt drängen, desto mehr wird es eben zur natürlichen Auslese kommen... bin mal gespannt, da stehen uns ja mit HBO Max und dem anstehenden Netflix-oder-Paramount-Deal spannende Zeiten bevor.
Letterboxd hat jetzt auch die Statistiken bereitgestellt:

Kenny Baker als Most Watched Actor verrät natürlich, dass ich einen Star-Wars-Rewatch hinter mir habe ;)
Aber Netflix hat zB. meine Frau ohne Werbung abonniert, da schaut man dann schon lieber was.
Und bei Wow ist die Werbung erträglicher, weil sie nur am Anfang kommt und nicht in der Mitte. Allerdings nervt da die üble Bildqualität (habe da immer wieder Einbrüche mit Pixelbrei, bei allen anderen nicht).
Je mehr Teilnehmer auf den Markt drängen, desto mehr wird es eben zur natürlichen Auslese kommen... bin mal gespannt, da stehen uns ja mit HBO Max und dem anstehenden Netflix-oder-Paramount-Deal spannende Zeiten bevor.
Letterboxd hat jetzt auch die Statistiken bereitgestellt:
Kenny Baker als Most Watched Actor verrät natürlich, dass ich einen Star-Wars-Rewatch hinter mir habe ;)
Re: Filmtagebuch: Vince
Bei P+ ist es jetzt auch so nervig mit der dreimaligen Zwischenschalte.
Re: Filmtagebuch: Vince
Dreimal Werbung zwischendrin? Wow. Finde ich völlig inakzeptabel. Das würde mich wohl komplett davon abhalten, da was zu schauen.
Ich hatte bei P+ zum Glück bis zum Ende des Abos im Dezember keine Werbung.
Ich hatte bei P+ zum Glück bis zum Ende des Abos im Dezember keine Werbung.
Re: Filmtagebuch: Vince
Ich ja auch. Habe mir aber für Januar noch ein Monatsabo geholt, um Landman und Major of Kingstown zu beenden und dafür das Werbeabo gebucht. Obwohl ich bei Disney seit Monaten das Werbeabo habe, hatte ich dort noch nie Werbung.
Re: Filmtagebuch: Vince
ich habe dafür bei Netflix so gut wie nie Werbung, ich sehe zwar unten in der Zeitleiste immer die Punkte aber da kommt selten was...meistens nur ein Spot, manchmal zwei. Reicht nicht mal zum pinkeln gehen 
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note
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