Ich hab bei Netflix irgendwie überhaupt keine Werbung. Den Dienst schau ich über meine PS3 - eventuell liegt´s daran.
Filmtagebuch: Vince
Moderator: SFI
Re: Filmtagebuch: Vince
Re: Filmtagebuch: Vince
Ja, liest man öfters. Die PS3-App wird nicht mehr aktualisiert, könnte ich mir vorstellen.
Re: Filmtagebuch: Vince
Crime 101

Per Kopfüber-Kamerarotation unter der nächtlichen Skyline hindurch, geblendet von ihren tausend Lichtern und den Opening Credits zugleich, legt sich der Staub trotz der meditativen Stimmbegleitung aus dem Off nur gemächlich. L.A. ist eben das Zentrum des amerikanischen Chaos und somit als Schauplatz prädestiniert für Crime Stories, derer sich an Hollywoods Schreibtischen sicherlich schon Abertausende ereignet haben müssen, was echte Originalität in diesem Bereich zunehmend zu einem raren Gut werden lässt.
Das „101“ im Filmtitel könnte man so als amerikanische Variante der 1001 arabischen Nächte interpretieren, tatsächlich beschreibt es aber den Versuch, ein Muster im Chaos zu identifizieren, entdeckt von einem abgehalfterten Detective mit dem Namen einer Comicfigur, dem niemand glauben möchte. Man kommt also schon in den ersten der stolzen 141 Minuten auf den Trichter, dass „Crime 101“ zumindest im Geiste wohl doch wieder ein Thriller von der Stange werden wird, der die Intimität zwischen Jäger und Gejagtem wiederzukäuen versucht, die einen „Heat“ zum Klassiker gemacht hat.
Nach Stangenware sehen Regie und Besetzung dagegen nicht aus. Chris Hemsworth mit der Haltung eines Models, Mark Ruffalo noch mit dem Rückenwind aus seinem bockstarken Justizdrama „Vergiftete Wahrheit“ (2019), Halle Berrys niemals versiegende Klasse und Barry Keoghan als geheimnisvolle Zutat X, das ist Charakterschach, verpackt in unwiderstehliche Hochglanzbilder, die von den verglasten Fronten der Versicherungsgebäude und all der Audis, BMWs und Cadillacs auf den Straßen zehren.
Bart Layton spielt das Spiel mit diesen Figuren professionell, indem er ihre unterschiedlichen Transparenzstufen (Ruffalo und Berry Marke glasklar, Hemsworth milchig, Keoghan die undurchdringliche rosa Kaugummimasse) dramaturgisch sinnhaft, aber eben auch ein bisschen wie vorprogrammiert gegeneinander ausspielt. Um dieses Quartett herum, davon können unter anderem Monica Barbaro als Hemsworths Freundin und Jennifer Jason Leigh als Ruffalos Frau ein Liedchen singen, erfüllen weit mehr noch als das Quartett einen rein funktionalen Zweck, nämlich den, die Entwicklung des Quartetts voranzutreiben.
Das Ergebnis ist ein stilsicherer, flüssig inszenierter Großstadtthriller, der vom Kiosk um die Ecke bis zum Büro mit Dresscode alle Milieus der Stadt fließend miteinander verknüpft und den grauen Asphalt dazwischen als Verbindungselement betrachtet, auf dem standesgemäß auch die ein oder andere Car- bzw. Bike-Chase-Sequenz stattfindet, damit es packend bleibt. Das sättigt weitestgehend, aber das neue Crime-Juwel, das man sich aufgrund der vorzüglichen Bildsprache erhoffen würde, kommt eben nicht zustande, wenn man dieselben Plot-Koordinaten zum 101. Mal bemüht, ohne sie mit einem neuen Kniff zu versehen.

Die My Love

Manchmal sind Menschen Hunde. Während Regisseurin Lynne Ramsay unerreichbaren Schmetterlingen wie Chantal Akerman nachjagt, beginnt Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence sich im Kreis zu drehen, als sie versucht, ihren eigenen Schwanz zu jagen. Denn an genau dieser Stelle war sie schon einmal, acht Jahre zuvor, als sie unter Darren Aronofsky „Mother!“ drehte. Wozu also nun diese Rückkehr?
Begonnen mit der allerersten Einstellung, einem statischen Frame Shot in die Tiefe des Querschnitts eines renovierungsbedürftigen Hauses hinein, tritt „Die My Love“ permanent auf der Stelle. Die wilde Natur der Protagonistin bleibt ein Trugschluss in einem berechenbaren Algorithmus, der nonkonformes Verhalten durch beharrliche Wiederholung zur Normalität erklärt und sie an einem armen Robert Pattinson abprallen lässt, dessen Figur ebenso gut von einem Boxsack hätte gespielt werden können. Die Verhältnisse bleiben, wie sie sind, Eskalationen führen nur wieder in den Kreislauf zurück. Nichts in dieser Erzählung deutet auf ein Ziel hin, alles ist bloß Zustandsbeschreibung.
Dass sich die Handlung jeglicher Entwicklung verwehrt, ist natürlich kein Versäumnis Ramsays, sondern ihr erklärtes Ziel. Festgezurrt durch das klassische 4:3-Bildformat, ist dieses Drama um postpartale Depression als kahle Gefängniszelle konzipiert, aus der es kein Entrinnen gibt. Einem Referenzwerk wie „Jeanne Dielman“ ist es trotz ähnlicher Stilmittel dennoch gelungen, einen Fortgang in den Stillstand zu pflanzen, trocken und hart wie ein Schlag, den man nicht hat kommen sehen, obwohl er sich über Stunden hinweg angekündigt hat.
„Die My Love“ hingegen fühlt sich bemüßigt, mit abgedroschenen Feuer-Metaphern zu hantieren, um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Es ist wohl der letzte Baustein, der Jennifer Lawrences darstellerische Selbstaufopferung endgültig zur schwerfälligen Performance-Kunst gerinnen lässt, die mit dem bitteren Realismus, den die Regisseurin postuliert, nicht mehr viel zu tun hat. Dem kann man aus künstlerischen Aspekten heraus wohl applaudieren, der ursprüngliche Zweck allerdings wird verfehlt.

Outcome

Wie schon „Good Fortune“ im Vorjahr spielt nun auch „Outcome“ gezielt mit dem Sweetheart-Image, das die Medien insbesondere in den letzten Jahren um Keanu Reeves herum konstruiert haben. Er wird damit gewissermaßen in die Fußstapfen seiner Kollegen Jean-Claude Van Damme („JCVD“), Nicolas Cage („Massive Talent“) oder Bruce Campbell („My Name is Bruce“) gedrängt, die ihre jeweilige Star-Persona in ähnlicher Manier zu einem Meta-Kommentar verarbeiteten.
Weil auch Jonah Hill dank „Das ist das Ende“ entsprechende Erfahrungen gemacht hat, ist er wohl genau der richtige Mann in seiner Vierfach-Position als Regisseur, Autor, Produzent und Nebendarsteller dieser Hollywood-Satire, die im Wesentlichen ein großes Problem hat: Reeves, darauf deuten alle Indizien, ist einfach ein viel zu lieber Kerl.
Die Ecken und Kanten seiner eingangs genannten Kollegen kann der Bärtige mit den Hundeaugen eben nicht vorweisen, also lenkt Hill den Tinseltown-Craze auf seine Co-Stars und das gesamte Umfeld um, in der Hoffnung, der Kontrast zur heillos naiven Hauptfigur werde schon sein Übriges tun. Es werden wirklich keine Gefangenen gemacht. Ob Ex-Kinderstar Drew Barrymore als Moderatorin am Rande des Nervenzusammenbruchs, Cameron Diaz endgültig Back in Action als flippige „Best Buddy“ oder Matt Bomer in der Gay-Comfort-Zone, es tummelt sich allerhand Schillerndes mit autobiografischen Tendenzen im Support, wobei es Hill selbst ist, der dank der Kombination aus Pullover, Vollbart, Brille und Vollglatze den Vogel abschießt. Wenn man sich diese schräge Gestalt anschaut, besteht kein Zweifel mehr: Die Traumfabrik ist völlig plemplem.
Nur wussten wir das alle vorher schon. Und mehr wissen wir danach auch nicht. „Outcome“ steigert sich anfangs dermaßen in seine heillos überkonstruierten Dialoghülsen, dass nicht nur die Krampfadern auf der Stirn des Autoren sichtbar werden, sondern auch der Übergang zu den eher dramatischen, stillen Momenten zur Mitte hin nur holprig vonstatten geht.
Währenddessen sitzt Reeves einfach nur da, lässt den Irrsinn über sich ergehen und wirkt in den fordernden schauspielerischen Momenten gewohnt steif und verloren. Zum Glück, muss man da beinahe sagen, denn nur so behält er seine Glaubwürdigkeit. Man stelle sich nur vor, er hätte diese Selbstanalyse gerockt wie er es immer mit seinen Action-Vehikeln zu tun pflegte. In dem Fall hätte er sich wohl als Teil des Systems geoutet und wir ihn für immer verloren.


Per Kopfüber-Kamerarotation unter der nächtlichen Skyline hindurch, geblendet von ihren tausend Lichtern und den Opening Credits zugleich, legt sich der Staub trotz der meditativen Stimmbegleitung aus dem Off nur gemächlich. L.A. ist eben das Zentrum des amerikanischen Chaos und somit als Schauplatz prädestiniert für Crime Stories, derer sich an Hollywoods Schreibtischen sicherlich schon Abertausende ereignet haben müssen, was echte Originalität in diesem Bereich zunehmend zu einem raren Gut werden lässt.
Das „101“ im Filmtitel könnte man so als amerikanische Variante der 1001 arabischen Nächte interpretieren, tatsächlich beschreibt es aber den Versuch, ein Muster im Chaos zu identifizieren, entdeckt von einem abgehalfterten Detective mit dem Namen einer Comicfigur, dem niemand glauben möchte. Man kommt also schon in den ersten der stolzen 141 Minuten auf den Trichter, dass „Crime 101“ zumindest im Geiste wohl doch wieder ein Thriller von der Stange werden wird, der die Intimität zwischen Jäger und Gejagtem wiederzukäuen versucht, die einen „Heat“ zum Klassiker gemacht hat.
Nach Stangenware sehen Regie und Besetzung dagegen nicht aus. Chris Hemsworth mit der Haltung eines Models, Mark Ruffalo noch mit dem Rückenwind aus seinem bockstarken Justizdrama „Vergiftete Wahrheit“ (2019), Halle Berrys niemals versiegende Klasse und Barry Keoghan als geheimnisvolle Zutat X, das ist Charakterschach, verpackt in unwiderstehliche Hochglanzbilder, die von den verglasten Fronten der Versicherungsgebäude und all der Audis, BMWs und Cadillacs auf den Straßen zehren.
Bart Layton spielt das Spiel mit diesen Figuren professionell, indem er ihre unterschiedlichen Transparenzstufen (Ruffalo und Berry Marke glasklar, Hemsworth milchig, Keoghan die undurchdringliche rosa Kaugummimasse) dramaturgisch sinnhaft, aber eben auch ein bisschen wie vorprogrammiert gegeneinander ausspielt. Um dieses Quartett herum, davon können unter anderem Monica Barbaro als Hemsworths Freundin und Jennifer Jason Leigh als Ruffalos Frau ein Liedchen singen, erfüllen weit mehr noch als das Quartett einen rein funktionalen Zweck, nämlich den, die Entwicklung des Quartetts voranzutreiben.
Das Ergebnis ist ein stilsicherer, flüssig inszenierter Großstadtthriller, der vom Kiosk um die Ecke bis zum Büro mit Dresscode alle Milieus der Stadt fließend miteinander verknüpft und den grauen Asphalt dazwischen als Verbindungselement betrachtet, auf dem standesgemäß auch die ein oder andere Car- bzw. Bike-Chase-Sequenz stattfindet, damit es packend bleibt. Das sättigt weitestgehend, aber das neue Crime-Juwel, das man sich aufgrund der vorzüglichen Bildsprache erhoffen würde, kommt eben nicht zustande, wenn man dieselben Plot-Koordinaten zum 101. Mal bemüht, ohne sie mit einem neuen Kniff zu versehen.
Die My Love

Manchmal sind Menschen Hunde. Während Regisseurin Lynne Ramsay unerreichbaren Schmetterlingen wie Chantal Akerman nachjagt, beginnt Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence sich im Kreis zu drehen, als sie versucht, ihren eigenen Schwanz zu jagen. Denn an genau dieser Stelle war sie schon einmal, acht Jahre zuvor, als sie unter Darren Aronofsky „Mother!“ drehte. Wozu also nun diese Rückkehr?
Begonnen mit der allerersten Einstellung, einem statischen Frame Shot in die Tiefe des Querschnitts eines renovierungsbedürftigen Hauses hinein, tritt „Die My Love“ permanent auf der Stelle. Die wilde Natur der Protagonistin bleibt ein Trugschluss in einem berechenbaren Algorithmus, der nonkonformes Verhalten durch beharrliche Wiederholung zur Normalität erklärt und sie an einem armen Robert Pattinson abprallen lässt, dessen Figur ebenso gut von einem Boxsack hätte gespielt werden können. Die Verhältnisse bleiben, wie sie sind, Eskalationen führen nur wieder in den Kreislauf zurück. Nichts in dieser Erzählung deutet auf ein Ziel hin, alles ist bloß Zustandsbeschreibung.
Dass sich die Handlung jeglicher Entwicklung verwehrt, ist natürlich kein Versäumnis Ramsays, sondern ihr erklärtes Ziel. Festgezurrt durch das klassische 4:3-Bildformat, ist dieses Drama um postpartale Depression als kahle Gefängniszelle konzipiert, aus der es kein Entrinnen gibt. Einem Referenzwerk wie „Jeanne Dielman“ ist es trotz ähnlicher Stilmittel dennoch gelungen, einen Fortgang in den Stillstand zu pflanzen, trocken und hart wie ein Schlag, den man nicht hat kommen sehen, obwohl er sich über Stunden hinweg angekündigt hat.
„Die My Love“ hingegen fühlt sich bemüßigt, mit abgedroschenen Feuer-Metaphern zu hantieren, um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden. Es ist wohl der letzte Baustein, der Jennifer Lawrences darstellerische Selbstaufopferung endgültig zur schwerfälligen Performance-Kunst gerinnen lässt, die mit dem bitteren Realismus, den die Regisseurin postuliert, nicht mehr viel zu tun hat. Dem kann man aus künstlerischen Aspekten heraus wohl applaudieren, der ursprüngliche Zweck allerdings wird verfehlt.
Outcome

Wie schon „Good Fortune“ im Vorjahr spielt nun auch „Outcome“ gezielt mit dem Sweetheart-Image, das die Medien insbesondere in den letzten Jahren um Keanu Reeves herum konstruiert haben. Er wird damit gewissermaßen in die Fußstapfen seiner Kollegen Jean-Claude Van Damme („JCVD“), Nicolas Cage („Massive Talent“) oder Bruce Campbell („My Name is Bruce“) gedrängt, die ihre jeweilige Star-Persona in ähnlicher Manier zu einem Meta-Kommentar verarbeiteten.
Weil auch Jonah Hill dank „Das ist das Ende“ entsprechende Erfahrungen gemacht hat, ist er wohl genau der richtige Mann in seiner Vierfach-Position als Regisseur, Autor, Produzent und Nebendarsteller dieser Hollywood-Satire, die im Wesentlichen ein großes Problem hat: Reeves, darauf deuten alle Indizien, ist einfach ein viel zu lieber Kerl.
Die Ecken und Kanten seiner eingangs genannten Kollegen kann der Bärtige mit den Hundeaugen eben nicht vorweisen, also lenkt Hill den Tinseltown-Craze auf seine Co-Stars und das gesamte Umfeld um, in der Hoffnung, der Kontrast zur heillos naiven Hauptfigur werde schon sein Übriges tun. Es werden wirklich keine Gefangenen gemacht. Ob Ex-Kinderstar Drew Barrymore als Moderatorin am Rande des Nervenzusammenbruchs, Cameron Diaz endgültig Back in Action als flippige „Best Buddy“ oder Matt Bomer in der Gay-Comfort-Zone, es tummelt sich allerhand Schillerndes mit autobiografischen Tendenzen im Support, wobei es Hill selbst ist, der dank der Kombination aus Pullover, Vollbart, Brille und Vollglatze den Vogel abschießt. Wenn man sich diese schräge Gestalt anschaut, besteht kein Zweifel mehr: Die Traumfabrik ist völlig plemplem.
Nur wussten wir das alle vorher schon. Und mehr wissen wir danach auch nicht. „Outcome“ steigert sich anfangs dermaßen in seine heillos überkonstruierten Dialoghülsen, dass nicht nur die Krampfadern auf der Stirn des Autoren sichtbar werden, sondern auch der Übergang zu den eher dramatischen, stillen Momenten zur Mitte hin nur holprig vonstatten geht.
Währenddessen sitzt Reeves einfach nur da, lässt den Irrsinn über sich ergehen und wirkt in den fordernden schauspielerischen Momenten gewohnt steif und verloren. Zum Glück, muss man da beinahe sagen, denn nur so behält er seine Glaubwürdigkeit. Man stelle sich nur vor, er hätte diese Selbstanalyse gerockt wie er es immer mit seinen Action-Vehikeln zu tun pflegte. In dem Fall hätte er sich wohl als Teil des Systems geoutet und wir ihn für immer verloren.
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