DocVirus hat geschrieben:
WIESO SEHE ICH JETZT ERST DAS DEIN REVIEW FERTIG IST ????
Weiß ich auch net, du Blindfisch!
Aber danke fürs ausführliche Lesen mit Ausdrucken und so, das dürften wohl die wenigsten machen. Da lohnt es sich dann doch, solche Romane zu schreiben!
Sindbads gefährliche Abenteuer
Wie ein Remake von "Sindbads 7. Reise", das die gleiche Geschichte im gleichen Handlungsverlauf nochmals erzählt, bis hin zum Endkampf zweier Fabelwesen, dabei aber die vielleicht überwältigendeste Märchenwelt und die coolsten Kreaturen aus der Harryhausen-Schmiede überhaupt zu bieten hat. Schon jenseits der Stop Motion-Effekte hat kein Film der Reihe besser funktioniert, alleine schon wegen der schelmischen Ausstrahlung von Sindbad-Darsteller John Phillip Law im Matthew McConaughey / Hugh Jackman-Stil und der wohlbemoppten Caroline Munro, die einfach nur geil aussieht. Bei den Fabeltieren ragt vor allem der pottenhässliche Zentaurenzyklop heraus sowie die sechsarmige Kali, deren Auftritt wohl DAS Meisterwerk Harryhausens ist.

, weil hier nicht Originalität zählt, sondern Schauwerte und Märchenfeeling.
Gridlock'd

Netter Film über den Wahnsinn der US-Bürokratie, erzählt aus der Perspektive zweier Gestalten aus der Ghetto-Unterschicht der Gesellschaft. Wegen Tupac Shakurs Mitwirken besteht die Gefahr, dass der Film überidealisiert ist, denn so temporeich und kurzweilig er ist, so wenig steckt letztendlich dahinter.
Das Bild zweier Erdnüsse in einer verschrumpelten Hülse beschwört sich nicht erst dann als Metapher, wenn die zweite Urne der ersten in einem kleinen Kasten beigesetzt wird. Zwei Todkranke, die auf ihre letzten Tage nochmal ein Abenteuer erleben und all das tun wollen, was sie nie geschafft haben, das hört sich auf dem Papier nach einem astreinen "Knockin' on Heavens' Door"-Klon an. Der Vergleich stellt sich aber nur bedingt, findet Rob Reiner doch einen ganz anderen Ansatz, mit dem Thema umzugehen. Die Gemeinsamkeiten vereinen sich in genreüblichen Moralklischees nach dem "Carpe Diem"-Prinzip, dem leider einige stereotype Charaktere (Morgan Freemans Frau, Jack Nicholsons Privatsekretär) dienen, die den erfrischenden Dialogansätzen zwischen den sehr gut aufgelegten Hauptdarstellern immer wieder ein Bein stellen. Wäre nicht das sorglose Fügen dieser dummen, dummen Charaktere in die Schablonie der dramatischen Komödie, "Das Beste kommt zum Schluss" hätte eine wahrlich wundervolle Komödie dramatischen Schlags werden können. Das Ende des Films, eine romantische Variante der "Sieben"-Schlusspointe, gibt Zeugnis davon ab.
Brügge sehen... und sterben?

Obwohl von der Werbung in die wohlbevölkerte Ecke der "Pulp Fiction"- und "Snatch"-Epigone verbannt, und obwohl Bestandteile der designierten Gangsterkomödie sich vorfinden lassen, ist "Brügge sehen... und sterben?" von erfrischender Andersartigkeit. Ein belgischer Kulturort mit bürgerlich-mittelalterlichem Flair und ein urbaner Profikiller, der negativ darauf reagiert. Wenn diese prickelnde Ausgangssituation nun doch wieder mit "wer-erschießt-wen"-Konstellationen, mit skurrilen Zufällen, mit Gangsterprinzipien und gar mit Kleinwüchsigen aufgefüllt wird, so möchte man meinen, da ist jemand wieder bemüht cool gewesen. Denkste! Der Brügge-Urlaub läuft so natürlich, wenngleich sicherlich kauzig ab, wie Wasser aus dem Hahn in den Ausguss. Am Ende ist es beinahe noch eine Hommage an "Wenn die Gondeln Trauer tragen - nein, das wäre zuviel gesagt, eine VERBEUGUNG - als inmitten dieser fast schon Simon Pegg'schen Zeichnung des eigentümlich-vorörtlichen Schreckens (der, wann immer es nötig wird, auch vor Guts 'n Gore nicht Halt macht) die surreale Jagd über den Kopfsteinpflastermarkt der handlung ein jähes Ende bereitet wird.
Wären da nicht die Ungereimtheiten im Skript, unerklärliche Handlungsverläufe, könnte man auf etwas mehr Sorgfalt in der Herleitung der Situationen zurückgreifen, dieser Ausflug nach Belgien hätte etwas gewaltig Großes werden können, nicht nur ein Rührstück über die unentdeckten Flecken dieser Erde, auch jene Flecken im menschlichen gewissen, deren Wahrwerdung wir dem klassischen Stoff der Schuld und Sühne zu verdanken haben.
