
Originaltitel: Fall, The
Herstellungsland: Großbritannien, Indien, USA
Erscheinungsjahr: 2006
Regie: Tarsem Singh
Darsteller: Catinca Untaru, Justine Waddell, Lee Pace, Kim Uylenbroek, Aiden Lithgow, Sean Gilder, Ronald France, Andrew Roussouw, Michael Huff, Grant Swanby u.a.
Die kleine Alexandria ist bei der Arbeit auf einer Orangenfarm von der Leiter gestürzt und hat sich dabei den Arm gebrochen. Sie kommt ins Krankenhaus, wo ihre Eltern auf eine schnelle Genesung drängen. Als russische Einwanderer sind sie in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht gerne gesehen und nachdem Einheimische ihre Stallungen niedergebrannt haben und selbst das letzte verbliebene Pferd stahlen, hält die Familie nichts mehr in dem Landstrich. Doch Alexandria will gar nicht gesund werden. Hat sie doch in dem fatal gestürzten Stuntman Roy Walker einen Freund gefunden, der ihr tagein, tagaus ein spannendes Märchen um den Blauen Banditen und dessen Mitstreiter erzählt, die sich gemeinsam dem Kampf gegen den bösen Governor Odious verschrieben haben. Dabei merkt Alexandria gar nicht, dass Roy sie missbraucht, denn er erzählt seine Geschichte immer nur für kleine Gefälligkeiten weiter, die alle nur ein Ziel haben: Roy will Selbstmord begehen, hat er doch alles verloren, was ihm auf dieser Welt wichtig war …

Was für eine Arbeit hinter diesem Projekt gesteckt haben muss, offenbart bereits der ewig lange Abspann des Filmes, der offen legt, dass sich die Produktion über mehrere Jahre hinweg von Schauplatz zu Schauplatz wuchtete, immer in dem Bestreben, dem optischen Gespür des Regisseurs Tarsem Singh gerecht zu werden. Und wer dessen Hollywooddebüt The Cell gesehen hat, der bekommt ungefähr eine Ahnung davon, was der indischstämmige Regisseur hier für ein Feuerwerk der Bilder abbrennt, um ganz nebenbei die Schönheit dieses unseres Planeten zu zelebrieren. In 16 Ländern suchte er dafür seine Schauplätze und lässt diese dank raffinierter Montage beständig ineinander übergehen und erschafft so eine ganz eigene, wunderbar entrückte Welt, die dank Bildern vom Eifelturm oder ähnlich bekannten Gebäuden, zwar in unserer (vergangenen) Realität verankert ist, ansonsten aber nicht viel mit unserer Gegenwart gemein hat.

Hinsichtlich der Geschichte arbeitet Singh auf zwei Ebenen. Da ist zum einen die zunächst alles dominierende Geschichte um zwei Außenseiter, die zusammenfinden und sich gegenseitig die Zeit vertreiben. Dieser Storypart entwickelt sich ruhig und bedächtig, nur um mit zunehmender Laufzeit immer düsterer und trauriger im Ton zu werden, vor allem, wenn man eben merkt, was Roy wirklich bezweckt. Diese Außenseiterhandlung wird flankiert von einem märchenhaften zweiten Storystrang, der wie eine wundervolle Fabel für Erwachsene anmutet und recht ernste Themen um Mord, Rache und gestohlene Liebe transportiert. Und je düsterer die Außenseiterstory wird, umso bedrückender wird auch der Märchenpart, mischen sich doch die Befindlichkeiten von Roy und Alexandria in die Märchenstory und kulminieren in dem verzweifelten und tränenziehenden Kampf Alexandrias um ihre lieb gewonnenen Märchenfiguren. Und je düsterer die Story wird, umso mehr drängt sie auch in den Vordergrund und verhindert das, was sich zunächst anzudeuten schien. Denn vor allem zu Beginn von The Fall hat man das ungute Gefühl, dass die Geschichte den Bildern nicht würde standhalten können. Das ist dann vor allem gegen Ende kein Thema mehr … zumal die Auflösung eher subtil denn effektheischend ausfällt.

Zudem bemerkt man mit zunehmender Laufzeit, dass The Fall nicht nur ein Märchen für Erwachsene ist, sondern auch eine großartige Hommage an das Kino an sich. Das beginnt bei jedem einzelnen der grandios durchkomponierten Bilder, die die Kraft des Filmes und des Kinos zelebrieren und endet noch lange nicht bei Schlüssellöchern, die zu Cameras Obscuras (Wiki hilft ;-) ) mutieren oder dem offenen Feiern der Stars des Stummfilmes.
Technisch ist der Film über alle Zweifel erhaben. Die Bilder sind farbstark und von intensiver Leuchtkraft, der Schnitt lässt die Bilder auf wundervolle Weise verschmelzen, die Musik rangiert zwischen traumhaften Eigenkompositionen und immer passenden klassischen Musikstücken und Freund Computer hat über weite Strecken Pause, ein Umstand, den man den fertigen Bildern dieses Bildersturmes nicht zutraut. Dazu kommen hervorragende Schauspielleistungen, wobei vor allem die damals gerade einmal 9jährige Catinca Untaru als Alexandria dank unbefangener Natürlichkeit hervorsticht und mit Roy Darsteller Lee Pace (Der Kuchenbäcker aus Pushing Daisies) den Film im Alleingang trägt.

Was bleibt ist pure Bildermagie. Seien es von Axthieben getroffene Mystiker, die anstelle von Blut flatternde und davonfliegende Vögel vergießen (eine tolle Szene!), die Schmetterlingsinsel, der schwimmende Elefant oder die blaue Stadt. The Fall atmet in jeder Szene pure, bildgewordene Poesie. Dem steht anfangs die Geschichte noch deutlich nach, doch mit zunehmender Laufzeit entwickelt auch sie eine ungeahnte Sogwirkung auf den Zuschauer und lässt sicherlich niemanden kalt. Gekrönt von grandiosen schauspielerischen Leistungen haben wir hier eines der seltenen filmischen Kleinode, die es wert sind, entdeckt zu werden … zumal, wenn sie erst mit zweijähriger Verspätung den Weg zu uns finden …

Der deutsche Anbieter Capelight hat sich dann bei The Fall auch richtig ins Zeug geworfen. Neben einer eher vernachlässigbaren Single DVD, die nur den Film und einen Audiokommentar enthält, veröffentlichten sie ein schönes Mediabook mit dem gedruckten Presseheft, einer randvollen und interessanten Bonus DVD (unter anderem mit einer längeren Version der düsteren Stop Motion Animation um Alexandrias Operation) und der Blue Ray Disc für den optimalen Filmhochgenuss. Eine mehr als würdige Umsetzung …
In diesem Sinne:
freeman








