
Originaltitel: Ssanghwajeom
Herstellungsland: Südkorea
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: Yoo Ha
Darsteller: Jo In-seong, Joo Jin-mo, Song Ji-hyo, Shim Ji-ho, Im Joo-hwan, Yeo Wook-hwan u.a.
Die Goryeo-Dynastie im 14. Jahrhundert. Das koreanische Reich wird immer wieder durch angrenzende Großmächte in Bedrängnis gebracht. Vor allem der unbeugsame koreanische König Goryeos ist dabei den Angreifern ein Dorn im Auge und häufiges Ziel diverser Attentatsversuche. Doch seine wehrhafte Leibwache rettet ihm immer und immer wieder das Leben. Sein verlässlichster Mann ist Hauptmann Hong, mit dem ihn obendrein eine homosexuelle Liebesbeziehung verbindet.
Eine Beziehung, die am Hofe des koreanischen Königs ein offenes Geheimnis darstellt, dem Land aber nicht hilft. Denn wenn der König nicht bald mit seiner angeheirateten Königin ein Kind zeugt, wird die Frage des Thronfolgers nicht geklärt, was das Land nach außen hin enorm schwächen und die Gegner einem Sieg näher bringen würde. Darum schmiedet der König einen perfiden Plan. Sein getreuer Hauptmann Hong soll mit der Königin den Beischlaf vollziehen, da er selbst absolut nicht im Stande ist, diese Aufgabe zu schultern. Zunächst entsetzt über den Plan lenkt Hong irgendwann ein, weiß er doch um die Notwendigkeit eines Thronfolgers für das Reich. Der erste Anlauf endet für alle Parteien unbefriedigend, doch schon Schwängerungsversuch Nummer zwei führt mitten hinein ins Chaos.

Denn Hong, der bisher nur die streng organisierte Männerwelt innerhalb der Leibwache des Königs kannte, wo Unzucht mit Frauen gar unter Strafe gestellt war, verfällt der Königin mit Haut und Haar. Und seine Gefühle bleiben nicht unerwidert. Bald treffen sich die Beiden zu immer neuen, nicht mit dem König abgesprochenen Schäferstündchen und hintergehen und belügen ihn. Doch dieser spürt, dass sich seine große Liebe Hong allmählich von ihm abwendet. Es kommt zu einer großen Tragödie.
"Blood and Flowers" ist ein ungewöhnlicher Streifen. Er mutet ein wenig an, wie ein asiatischer Brokeback Mountain, in dem ein für das Entstehungsland urtypisches Filmgenre hergenommen und in diesem vollkommen genreuntypisch mit der sexuellen Identität der Hauptfiguren experimentiert wird. Und was den Amerikanern eben ihr Western mit den herumziehenden Cowboys, die normalerweise vollkommen asexuelle in den Sonnenuntergangreiter waren, ist den Asiaten das Wuxia / Martial Arts Genre, in dem die sexuellen Befindlichkeiten der ritterähnlichen Charaktere maximal in dämlichen Softsexfilmen eine Rolle spielten, ansonsten aber - von romantisierten, über Küsse und Kostümgeraschel selten hinausgehende Beziehungen mal abgesehen - vollkommen außen vor blieben.

Homosexuelle Beziehungen wurden in dem Genre normalerweise gleich gar nicht eingebaut und wenn, waren sie meist ein Hort für grenzdebile Clownerien, die weder die Befindlichkeiten der Figuren noch der Zuschauer ernst nahmen. Doch "Blood and Flowers" wagt sich nun in mehrfacher Hinsicht etwas. Immerhin ist dieser Film in Korea als Blockbusterprojekt an den Start gegangen und trug eine fast schon ungebührliche Menge an Sex und Homoerotik ins bei den Koreanern schwer beliebte Swordsplay Genre. Die Folge war eine harsche Altersfreigabe und ordentlich Papiergeraschel in den koreanischen Medien.
Und wirklich, "Blood and Flowers" nimmt kein Blatt vor den Mund und lanciert zwischen den immer schwermütiger und komplizierter werdenden Figurenbeziehungen ausladende Softsexszenen, die ungemein erotisch inszeniert wurden und von fast schon statisch anmutenden Fummeleinlagen zu dynamisch und rasant geschnittenen, von anschwellender Musik unterlegten Sexszenen mutieren und dabei schon über die Form die zunehmende Liebe zwischen Hong und Königin verdeutlichen.
Doch auch die holde Männlichkeit räkelt sich hier in den Matratzen. Soll heißen, dem König und Hong werden nicht nur homosexuelle Tendenzen unterstellt, sie leben sie auch auf der Leinwand sichtbar aus. Dabei ist es den beiden starken und enorm glaubhaft aufspielenden Hauptdarstellern Joo Jin-mo (als König) und Jo In-seong (Hong) zu verdanken, dass die Beziehung der beiden Figuren absolut authentisch wirkt. Von unfreiwilligem Humor oder offener Verhohnepiepelung der homosexuellen Figuren findet man hier keinerlei Spur.

Zudem wirkt die Zeichnung der beiden Figuren erfrischend klischeefrei und vor allem die allmähliche Zuspitzung der Situation zwischen dem verschmähten König und Hauptmann Hong erzeugt eine wahnsinnige Intensität, die einen im Verbund mit der immer getragener und melancholischer werdenden Musik gefangen nimmt und die Gewissheit erzeugt, dass dieser Film nur in einem Sturm aus Blut enden kann. Ob durch Blicke, laut ausgesprochen oder einfach nur über die perfekte Cinematographie, hier flirrt die Luft aufgrund unerhörter und verschmähter Gefühle förmlich vor Spannung, so dass man sich der daraus resultierenden Wirkung irgendwann nicht mehr entziehen kann und vollkommen involviert wird.
Gegen diese starke Zeichnung der Liebe der beiden männlichen Hauptfiguren wirkt die Beziehung von Hong und der Königin anfangs wie eine bloße Behauptung. Allerdings schafft der Film es auch hier, aus der zwischen den beiden Darstellern definitiv vorhandenen Chemie zu zehren und eine unglaubliche Sogwirkung zu entwickeln, die den Zuschauer irgendwann vollkommen zerrissen zwischen den beiden Beziehungen hin und herschwanken lässt. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass hier kein Mann zwischen zwei Frauen bzw. keine Frau zwischen zwei Männern aussuchen muss, ergo nicht die üblichen Standardbeziehungsgebilde in Dreiecksgeschichten bedient werden. Stattdessen steht ein Mann zwischen einem Mann und einer Frau, was definitiv eine interessante Variation der gängigen Beziehungsreigen darstellt und bisexuelle Tendenzen in einen Historienfilm trägt, der zudem auf tatsächlichen Vorfällen basiert. Dabei ist nicht einmal dieser eher selten gesehene Ansatz das Aufregende an den Charakterinteraktionen in "Blood and Flowers".

Vielmehr ist es die Wahrnehmung der Liebe durch die Figuren. So wird Hong irgendwann behaupten, die Liebe zum König sei genauso erzwungen wie jene zur Königin, wissend, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Obendrein entsteht vor dem Auge des Zuschauers ein irres Spannungsfeld aus wahrer Liebe, die definitiv in BEIDEN Beziehungen mitschwingt, und dem Ehrgefühl und Pflichtbewusstsein der Figur Hong, der irgendwann gar nicht mehr weiß, wie er handeln und sich verhalten soll bzw. wem er gehorchen soll: Den Weisungen des Königs oder der Königin oder doch jenen seines Herzens?
Im Zusammenhang mit dieser gelungenen Figurenzeichnung steht dann auch das größte Problem des Filmes. Denn immer, wenn "Blood & Flowers" zugunsten anderer Nebenfiguren von dem Figurendreieck König, Königin und Hong weggeht, wirkt der Film unrund und holprig, da so manche Nebenfigur einfach überflüssig und teils sogar kontraproduktiv in Bezug auf die eigentliche Geschichte wirkt. Genannt sei vor allem der Bruder der Königin, dessen Zweck für die Handlung sich bis zuletzt nicht erschließt. Hier hätte man – auch hinsichtlich der nicht unbeachtlichen Laufzeit von über zwei Stunden – einige Figuren weglassen können / sollen.
Des Weiteren fahren immer wieder einige harsche, brachial brutale, blutspritzende, faszinierend tänzerisch inszenierte Actionszenen in die vollkommen glaubhaften Gefühlsmomente. Dabei machen diese Schwertkampfeinlagen dem Genre alle Ehre und geraten mehr und mehr zu einem Ventil für die angestauten Emotionen der beiden männlichen Hauptfiguren, was gegen Ende förmlich in eine unausweichliche Spirale der Gewalt münden muss und so gar nicht erst den Verdacht von purem Selbstzweck aufkommen lässt.

Dieses Schauspiel aus großen Gefühlen, heißblütiger Action und deftigen Sexszenen wurde in berückend schöne Bilder von überbordender Farbigkeit gewandet, die eine längst vergangene Epoche auch über eine detailverliebte Ausstattung glaubhaft zu neuem Leben erwecken. Da muss die Kamera eigentlich gar nicht viel machen, um den Zauber der Bilder auf den Zuschauer zu übertragen. Doch selbige lässt es sich nicht nehmen, durch die Kulissen zu fliegen, unheimlich viel Adrenalin in die Actionszenen zu pumpen und durchweg atmosphärisch stimmige Sequenzen zu generieren. Das ist zwar nicht unbedingt vergleichbar mit den chinesischen Bilderstürmen aus "Hero" oder "House of Flying Daggers", transportiert aber immer auch eine gewisse Erdung, die den Film fester in der Realität verankert, als es bei den chinesischen Konkurrenzprodukten der Fall war.
Eine feste Größe im Film kommt der tollen Musik zu. Diese reicht von ungeheuer melancholisch über pulsierend erotisch bis hin zu treibenden Actionstücken und unterstreicht die Gefühlslagen der Charaktere auf sehr intensive Art und Weise. Sehr faszinierend geraten auch die im Film von den Hauptfiguren gesungenen Lieder, die schon alleine aufgrund ihrer exotischen Instrumentierung zu begeistern wissen.

Was bleibt ist ein atypisch beginnender, mit über zwei Stunden Laufzeit etwas zu langer Martial Arts Genrefilm, der oberflächlich betrachtet wie ein gelackter, in Blut und Tränen endender Softporno anmutet, aber dank glaubwürdiger Charaktere, hervorragender Schauspieler, toller Kameraarbeit, genialer Ausstattung, herrlicher Musik, dynamischer, blutig poetischer Actioneinlagen und seine Figuren ernst nehmender Storyführung zu einer interessanten, sehr melodramatischen und wuchtigen Dreiecksgeschichte mutiert, die definitiv einen genaueren Blick wert ist.
Die deutsche DVD kommt von dem Label Splendid Home Entertainment, ist mit einer FSK 16 uncut und kommt in ordentlicher Bild- und Tonqualität und kann unter anderem hier bestellt werden
In diesem Sinne:
freeman


