
Originaltitel: Mixed Nuts
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1990
Regie: Nora Ephron
Darsteller: Steve Martin, Madeline Kahn, Robert Klein, Anthony LaPaglia, Juliette Lewis, Rob Reiner, Adam Sandler, Liev Schreiber, Rita Wilson, Parker Posey, Jon Stewart u.a.
Philipp und sein Team von "Lifesavers" kümmern sich per Telefon um Selbstmordgefährdete und haben am Heiligabend naturgemäss besonders viel zu tun. Hinzu kommt, dass der Vermieter soeben den Mietvertrag für das Büro der Lebensretter gekündigt und Philips Freundin mit ihm Schluss gemacht hat. Als schliesslich noch eine Hochschwangere, ihr verrückter Ehemann im Nikolaus-Kostüm, ein Transvestit und ein Ukulele spielender Botenjunge auftauchen, ist das Chaos perfekt.
Niemand geringeres als „Schlaflos in Seattle“ -Regisseurin Nora Ephron hat für diese Slapstick-Kömodie auf dem Regiestuhl Platz genommen und ist darüber hinaus zusammen mit ihrer Schwester Delia Ephron auch für das Drehbuch verantwortlich. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass die Geschwister zusammenarbeiten. Unter anderem kreieren sie später auch das Drehbuch für den Liebesfilm „You’ve Got Mail“.
Der in Los Angeles handelnde Film wurde vor Ort gedreht und erzählt eine Geschichte über das Team einer Help-Hotline während der Weihnachtszeit. Da gerade in solch besinnlichen Zeiten vom Leben geplagte Menschen ihre Sorgen ausplaudern möchten, laufen die Drähte entsprechend heiss.
Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick frisch und komisch, doch bereits in den Anfangscredits wird vermerkt, dass die Idee von dem Film „Le père Noël est une ordure“ herrührt, einer französische Produktion von 1982, unter anderem mit Christian Clavier und Thierry Lhermitte in Hauptrollen. Tatsächlich also ist „Lifesavers - die Lebensretter“, beziehungsweise der plump an eine beiläufige Bemerkung im Film angelehnte Originaltitel „Mixed Nuts“, nur ein Remake.
Immerhin aber bemühte man sich um ein nettes Staraufgebot. Neben Steve Martin, der für solche Filme wie geschaffen zu sein scheint, geben sich auch noch Juliette Lewis, die leider schon verstorbene Madeline Kahn, Adam Sandler, Anthony LaPaglia sowie „Misery“ –Regisseur Rob Reiner als gestresster Tierarzt die Ehre. Weiter erkennt man Liev Schreiber in der gar nicht mal so unwitzigen Rolle als deprimierter Transvestit.
Zweifellos: Die gesamte Truppe erscheint äusserst spielfreudig – doch kann sie nicht gegen das einfallslose, viel zu dialoglastige Drehbuch ankommen. Ein paar Lacher kann der Film dennoch verbuchen und langweilig wird es während den gut 93 Minuten auch nie, doch als Gesamtpaket gesehen ist der Film aber nicht ganz der erhoffte Komödienspass. Der Film ist laut und schreit geradezu nach Pointen, die aber verhältnismässig wenig ins Schwarze treffen. Nur weil die Darsteller spielfreudig sind, heisst das aber noch nicht, dass sie restlos überzeugen können. Adam Sandler versucht sich als singender Spassvogel, manchmal wirkt das ganz nett, manchmal aber auch etwas nervend, Juliette Lewis schreit nur rum und Anthony LaPaglia erweist sich leider als komplett ersetzbar. Immerhin Steve Martin und Madeline Kahn scheinen ihren Spass gehabt zu haben und kommen noch am besten weg. Auch Liev Schreiber spielt seine Figur soweit recht amüsant, aber das recht plumpe Drehbuch fesselt und knebelt auch ihn.
Die Positionen der Figuren sind nicht klar genug ausgearbeitet, oftmals fragt man sich, welchem Anlass das gegenwärtige Geschrei denn nun überhaupt zu verdanken ist. Eine Komödie verlangt keine Figurentiefe, aber die Handlungen sollten schon etwas nachvollziehbar sein.
Einige Gags, wie Philips’ erfolgloser Anrufversuch bei der Los Angeles Times, sind aber gut gemacht und erinnern in ihrer Art an die richtig guten Steve Martin –Lachern aus früheren Filmen. Auch ganz nett ist der Umstand, dass es in Los Angeles an Weihnachten nie schneit, was anfangs ganz nett in den Film verarbeitet wird. Wenn leichtbekleidete Rollerblader am sonnigen Strand ihren frisch gekauften Weihnachtsbaum nach Hause fahren und im Hintergrund das „White Christmas“ –Lied ertönt, hat das schon seinen Reiz.
Derartige Einfälle hätte es aber zweifellos mehr benötigt – ein Haufen guter Gags reicht für eine gute Komödie nicht, vor allem wenn dem doppelt so viele Rohrkrepierer gegenüberstehen. Andererseits kann man sich dennoch gut unterhalten, aber die Meinungen können weit auseinandergehen. Während die einen den Film als klasse Sketchparade abfeieren, ärgern sich andere über verschwendete Lebenszeit.
Es ist immer wieder schade, wenn ein Haufen gutgelaunter Stars gnadenlos verheizt wird, und in diesem Fall ist Nora Ephron leider die Oberheizerin, denn sowohl Drehbuch und Regie sind leider enttäuschend.
Der Film beinhaltet viele bekannte Weihnachtslieder, die auch entsprechende Stimmung aufkommen lassen, doch eine empfehlenswerte Alternative zu den bekannteren Weihnachtsfilmen wie „Home Alone“, „Die Hard“ :wink“ oder „Christmas Vacation“ ist „Mixed Nuts“ leider nicht. Die Kinogänger schienen derselben Meinung gewesen zu sein: Der Film spielte in den Kinos der USA gerade mal 6,8 Millionen Dollar ein.
Fazit: Eine Weihnachtskomödie ohne Witz und Charme - laut und lärmig einem ziemlich dünnem roten Faden. Anspruchslose Komödien-Fans können aber dennoch einen Blick riskieren. Zu Gute halten sind dem Film aber die spielfreudigen Darsteller und eine gewisse Kurzweiligkeit. Aus der Grundidee hätte man aber einiges mehr rausholen können. Einer der schwächeren Steve Martin -Filme.
Die deutsche DVD von Columbia Tristar bietet eine gute Bild- und Tonqualität, beinhaltet aber keinerlei Extras. Nicht mal für eine Kapitelanwahl hat es gereicht.
