[TV] Veronica Mars (Serie und Film)

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John_Clark
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Beitrag von John_Clark » 01.04.2014, 00:16

John Woo hat geschrieben:Romane zu TV-Serien finde ich eine tolle Sache für die Fans. Gerade bei Serien, die nicht mehr produziert werden, ist das sicher schön.
Besonders schön vor allem, wenn sie von Autoren geschrieben werden, die auch schon für die Serie Drehbücher geschrieben haben. Bei "Monk" z.B. habe ich ein paar gelesen und sie sind sehr unterhaltsam (da gibt es inzwischen schon stolze 17 Bücher).
Ganz der Nerd (der ich nicht sein will), lese ich die Fortsetzungsromane zu Star Trek Nemesis. Offizielles Zeugs, für Trek-Fans ein Muss.

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Wallnuss
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Beitrag von Wallnuss » 01.04.2014, 00:24

Titan oder The Next Generation?

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kami
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Beitrag von kami » 01.04.2014, 07:46

Hab auch die zwei ENTERPRISE-Fortsetzungen in Romanform gelesen. War gar nicht schlecht.
Besonders mag ich aber Roman-Tie-Ins zu Spielen, die mir was bedeuten: Gerade MASS EFFECT und DRAGON AGE boten guten Lesestoff, um die Spielerfahrung zu vertiefen.
BTW oder eher BTT: Hab jetzt mal meinen ersten Fanfiction-Roman gelesen, das rund 400 Seiten starke VERONICA MARS: PRECIPITATION. Die Handlung setzt unmittelbar nach Ende der dritten Staffel ein und führt das Heldentrio (Veronica, Keith und Logan) auf ihrer Flucht vor Staat und Russenmafia quer durch die Vereinigten Staaten. Die Handlung ist etwas mit der heißen Nadel gestrickt und sehr reißerisch, dafür ist der Schreibstil der Autorin höchst souverän und häufig gar virtuos. Detektivarbeit gibt's kaum, dafür Charaktervertiefung und deftigen, fantasievoll geschriebenen Sex.
War allerdings ne Pein, die Fanfiction Kindle-bereit zu machen, musste von der Webseite der Autorin jedes der 33 Kapitel einzeln in ein Dokument kopieren und dass dann noch in Try-and-Error-Methode so formatieren, dass es auch auf dem Reader gut aussieht. Aber das was es durchaus wert. Werde in Zukunft wohl ein waches Auge auf Fanfiction werfen.

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Vince
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Beitrag von Vince » 20.09.2014, 11:05

Ich klemm mich mal als Belag mitten zwischen das McClane-kami-Sandwich:

Er hat aber auch bitter gefehlt, der versöhnliche Schlusspunkt. Eine durchwachsene Finalstaffel und ein auch nicht gerade überzeugender Promoclip zu einer letztlich nie realisierten vierten Staffel waren kein würdiger Ausklang für eine Serie, die dermaßen charmant zwischen Highschool-Drama-Comedy, Coming-Of-Age und Detektiv-Krimi pendelte. Was nur fehlte, war der Punkt unter dem Strich.

Der kommt jetzt natürlich ein bisschen spät. Dass die Zeit nicht stehen geblieben ist, wirkt sich auf den Film in gewissen Bereichen nachteilig aus, in anderen allerdings zum Vorteil. Was zu erwarten gewesen ist: Kristen Bell kann nicht mehr das unschuldige Ding verkörpern, das sie im Alter von 24 Jahren (bei damals noch deutlich jüngerem Aussehen) bei Serienstart erfunden hatte. Sie ist jetzt 34, Mutter (demnächst sogar zweifache) und konnte zudem in zwischenzeitlichen Filmrollen nicht einmal mehr ansatzweise die Ausstrahlung abrufen, die sie als Veronica Mars mit Leichtigkeit verströmte. All diese Geschehnisse lassen sich deutlich in ihrem Gesicht ablesen. Dass der Film nun aber unbedingt auf den Charaktereigenschaften der Detektivstochter pocht, lässt die Figur anfangs gekünstelt erscheinen, unecht, verkrampft.

Zu entwaffnend sind allerdings die Mars-Methoden, als dass man sich ihnen langfristig erwehren könnte. Sollte die letzte Sichtung der Serie also schon eine gewisse Zeit her sein – kein Problem. Das alte Veronica-Mars-Feeling stellt sich trotz der Skepsis zu Beginn recht schnell wieder ein. Zum Originalformat verhält sich das per Crowdfunding realisierte Projekt genauso wie die jüngst erschienene vierte American-Pie-Episode zu ihrer Originaltrilogie, nämlich als nostalgischer Rückblick. Nicht zufällig ist in beiden Fällen ein Klassentreffen das Zentrum der Wiederkehr in alte Muster, die nicht nur von den Charakteren, sondern auch von deren Darstellern aufgegriffen werden. Zugegeben, es ist schon ziemlich viel Berechnung dahinter, aber wenn es doch Spaß macht, über die Nostalgie wieder ins Neptune-Universum einzutauchen, warum denn nicht.

Gerade weil Optik und Dramaturgie dem TV-Format treu bleiben, ist es aber auch besonders einfach, sich wieder einzufinden. Wenn Keith Mars’ erster Blick auf seine gerade in den Heimatort zurückgekehrte Tochter darin besteht, sie bei einem Geschäftsgespräch zu erblicken, das sie in seiner kurzzeitigen Abwesenheit in seinem eigenen Büro spontan angenommen hat, trifft das pointiert die kleinen Besonderheiten, mit denen vor allem die ersten beiden Staffeln glänzen konnten. Derartige Verspieltheiten finden sich verteilt über die gesamte Laufzeit immer wieder.

Neue Erkenntnisse werden allerdings nicht geboten. Nicht einmal der Versuch wird unternommen, das Meta-Level der Serie nochmals anzuheben. Tatsächlich macht der Plot sogar recht viele Zugeständnisse, um die Erwartungen der Fans stillen zu können. Der schnell beiseite geschobene Piz oder der ins Leere laufende Gastauftritt von Jamie Lee Curtis stehen stellvertretend für die Risikoarmut – man wollte es weder wagen, das neue Karriere-Ich der selbstbewussten Detektivstochter stärker ins Spiel zu bringen (und damit die latenten Veränderungen zu thematisieren) noch die Sogwirkung des von Jason Dohring wie im Schlaf verkörperten Homme Fatal in Frage zu stellen. Insofern ist der Veronica-Mars-Film reine Fan-Bedienung ohne Wagnisse im Visuellen oder Erzählerischen, doch darüber kann man hinwegsehen – wie eben immer, wenn Mrs. Mars ihr eigenes Leben mit einer bewundernswerten Nonchalance auf die leichte Schulter nimmt.
:liquid7: (knapp)

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LivingDead
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Beitrag von LivingDead » 21.12.2015, 12:35

Staffel 1
Aufgezogen wie die wohl eigensinnigste Serie der 90er, - "Twin Peaks" - mit einem Mord an einer jungen Frau und die anschließende Ermittlung, die die dunklen Seite der kunterbunten Welt von Neptune aufdeckt, so ist auch "VM" auf ihrem ganz eigenen Planeten anzusiedeln, dort, wo Film-Noir, High-School-Drama a la "90210" und Comedy aufeinander treffen, wo man es sonst kaum vermuten würde. Dreh- und Angelpunkt dieses außergewöhnlichen Gebildes, welche zugleich auch immer wieder als Kittmaterial dient, wo blitzschnelle Dialoge allzu schnell zwischen den Genres oszillieren, ist immer wieder Kristen Bell, mit ihrer entzückenden Performance, die emotional, rational, aber immer ungemein sympathisch und authentisch die Veronica Mars gibt, deren Rolle hier wohl auf ewig unzertrennlich mit der Schauspielerin verbunden sein wird.
:liquid8:

Staffel 2
Erzählerisch wird sich an der ersten Staffel orientiert, auch wenn das Busunglück nicht die emotionale Sogwirkung wie der Mord in der ersten Staffel entfaltet. Kleiner Pluspunkt gegenüber Staffel 1 ist jedoch die Entwicklung einiger Charaktere, die hier etwas mehr in den Fokus gerückt werden. Das hin- und her zwischen Veronica und Logan beginnt jedoch jetzt schon etwas an den Nerven zu zehren. Nichtsdestoweniger bietet die Staffel eine gute Mischung aus Noir, Teeniedrama und einer guten Portion Witz, bei der die Story mit einer unglaublichen Geschwindigkeit voranprischt.
:liquid8:

Staffel 3
Man verabschiedet sich vom Konzept eines großen, übergeordneten Falles und verlagert das Setting von der Highschool aufs College. Einerseits wird so etwas frische Luft geschnappt, auf der anderen Seite fehlt der rote Faden und die Serie zerfasert mit zunehmender Laufzeit zusehends. Anfangs kommt schnell das bekannte VM-Feeling auf, doch wird der Geschichte rund um Vergewaltigungen und einem anschließenden Mord nicht viel Raum zugestanden, sodass die Serie nach etwa 3/4 der Laufzeit nur noch ziellos auf ein unspektakuläres Ende zugeht. Somit gibt es auf der einen Seite ein paar wirklich starke Folgen, demgegenüber aber eine insgesamt schwache Staffel steht, die auch gerade gen Ende im Teeniedrama-Sumpf unterzugehen droht (das Veronica/Logan-Drama nimmt gar epische Züge an). Dass eine vierte Staffel nie zustande kam, ist durchaus schade, doch gemessen an der qualitativ unwürdigen dritten Staffel weniger zu bedauern als erwartet.
:liquid5:

Kinofilm
Im Nachhinein ein großer Glücksfall, dass es dieser Film gar noch auf die große Leinwand geschafft hat (wenn auch mit unterirdischem Einspiel). Doch fungiert dieser Film in gewisser Weise als Serienabschluss, den es nie gab. Es gibt ein Wiedersehen mit fast jedem lieb gewonnenen Charakter, wobei es bezeichnend ist, dass auch im Film ein großes Klassentreffen stattfindet. Sicherlich ist die Geschichte nichts weiter als ein Aufhänger für typische VM-Dogmata, die schnell jedes Fan-Herz höher schlagen lassen. Doch wird man sich dessen kaum entziehen können, wenn man die Serie bereits verschlungen hat. Als eigenständiger Film kann der Film dann jedoch nur verlieren und würde aufgrund seiner substanzlosen Geschichte eher im TV-Sektor verordnet werden. Doch nicht mehr soll dieser Film sein: Ein Geschenk für die Fans. Und das ist geglückt.
:liquid7:
Mit freundlichem Gruß
LivingDead

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