Mit seiner gedächtnismäßig unzuverlässigen Hauptfigur, die immer nur so viel wissen kann wie das Gegenüber preisgibt, erinnert "Sleeping Dogs" ein wenig an "Memento", ist allerdings eher dessen gemütliche Rentnervariante, gerade vom Tempo und vom Ereignisfluss her. Aber natürlich wird das Gimmick der unzuverlässigen bis fehlenden Erinnerungen immer noch für Plottwists genutzt, gerade gegen Ende.
Ich hatte schon früh die Vermutung, dass die Hauptfigur am Ende selbst mit drin hängt oder verantwortlich war - vielleicht, weil "Sleeping Dogs" mich direkt an all jene 2000er-Thriller und -Horrorfilme erinnert hat, bei denen am Ende rauskam, dass der Held selbst Dreck am Stecken hat oder der Täter ist. Spätestens bei den Erinnerungsfetzen mit Karen Gillan im Restaurant war ich mir dann sicher (auch wenn ich eine Affäre zwischen den beiden als Grund vermutete).
Und wenn man der vermeintlichen Auflösung nach knapp 15 Minuten auf der Uhr sind, dann weiß man schon, dass der Film nicht einfach auslaufen wird, sondern der nächste Twist noch kommt. Immerhin ist das Figureninventar durchweg so abgerockt und/oder charakterlich verdorben, dass quasi jeder als Täter in Frage kommt. Noch nicht einmal um das Opfer tut es einem leid. "Sleeping Dogs" legt trotz des überschaubaren Figureninventars einige falsche und halbrichtige Fährten aus, zeichnet dummerweise eine Figur aber so konsequent unsympathisch, dass man schon früh ahnt, dass diese zumindest mit drin hängt. Auch sind die Motive nicht aller Verdächtiger gleich stark, sodass mancher Plottwist nur so semi-überraschend ist.
Das Alzheimer bleibt ein erzählerischer Gimmick, gekoppelt mit der experimentellen Behandlung, sodass man sich eher auf die Filmlogik einlassen muss, wie vergesslich der Protagonist ist. Manchmal muss er sich via Zettel daran erinnern, wie man Essen in der Mikrowelle macht, manchmal zieht er tiefgründige Erkenntnisse aus Indizien. Der Look mit seinen farbarmen Grau- und Brauntönen soll wohl auch seine Wahrnehmung darstellen, wirkt aber in seiner Konsequenz teilweise echt unansehnlich.
Immerhin ist Russell Crowe eine Schau. Dass der Mann zu seiner Leibesfülle steht, mag man wahlweise mutig oder faul finden, aber im Gegensatz zu einem Steven Seagal spielt er dann auch nicht mehr den tollen Action-Hecht, sondern einen gealterten Ermittler, der von seinem Leben und seiner Krankheit gezeichnet ist und gut im Futter steht. Sein Roy Freeman ist eine weitestgehend unheroische Figur, die einfach nur diesen Fall lösen möchte und sich bisweilen fragt, ob sie jemals ein guter Cop war. Der Rest vom Fest muss möglichst undurchschaubare, verschlossene Typen geben, denen man durch die Bank weg misstraut, was die meisten allerdings dann auch eher eintönig spielen - gerade Karen Gillan wirkt dabei nur so semi überzeugend. Als Thriller ist "Sleeping Dogs" halbwegs okay, aber nicht allzu aufregend, die Story packt wegen der kalten Figuren nur so halbwegs, aber Russell Crowe in der Hauptrolle veredelt das Ganze immerhin.

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