[Plattenspieler Test] Reloop RP 6000-MK6

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[Plattenspieler Test] Reloop RP 6000-MK6

Beitrag von gelini71 » 08.07.2010, 17:56

In Sachen DJ Plattenspieler bzw Plattenspieler für Clubs & Discotheken gibt es seit Jahrzehnten nur einen Standart: den Technics 1210 (kurz „Zwölfzehner“ genannt). Bereits Mitte der 70iger Jahre ursprünglich als Hi-Fi High-End Gerät konzipiert , wurde dieser Plattenspieler aufgrund seiner bis heute technischen Überlegenheit unverändert gebaut & ist in fast jeder Discothek rund um den Globus zu finden. Groß Werbung wurde um ihn nie gemacht , lediglich der Spruch „Zu besichtigen in Ihrer Örtlichen Disco“ wurde zum geflügelten Wort. Lediglich Edelhersteller Thorens wagte sich ebenfalls mal in dieses Segment , landete aber einen Flop weil der große , sehr klobige & auf Federn (!!!) gelagerte Plattenspieler nicht sonderlich leicht zu benutzen war (im großen Club vom Dorian Gray waren übrigens die Thorens Plattenspieler im Einsatz).

Bild
(Bild 01) Das Objekt vieler junger DJ Träume: Der Technics 1210

Als Anfang der 90iger durch den Siegeszug von House & Techno nicht mehr der Musiker sondern der DJ im Mittelpunkt standen & bei Jugendlichen auf einmal der Berufswunsch DJ auf der Liste stand kam Bewegung in den Markt. Firmen wie Numark , Vestax oder Gemini warfen den Markt mit günstigen Nachbauten des Technics förmlich zu. Qualitativ waren die „Plastikbomber“ teilweise echt übel , jeder Nachwuchs DJ der sagt er arbeite mit einem Nachbau musste sich Spott der Marke „Und – wann fängst Du mit dem auflegen richtig an ?“ anhören.
Auch die Deutsche Firma Reloop mischt seit Mitte der 90iger in diesem Segment mit. Anfangs hatten die Reloop Produkte keinen so guten Ruf , schlechte Verarbeitung & technische Unzulänglichkeiten (Stichwort: Gleichlaufschwankungen) sorgten nicht gerade für Beliebtheit bei den Profis.
Doch Reloop arbeitete an seinem Ruf , verbesserte seine Produkte stetig & seit kurzem gibt es mit dem RP-6000 MK6 einen Plattenspieler der sogar ganz Stolz als „Profi Gerät“ angepriesen wird.
Berechtigt oder Schaumschlägerei ?

Bild
(Bild 02) Der Reloop RP 6000-MK6 in seiner ganzen Pracht

Lieferung / Verpackung
Im großen matt Silberen Karton wird der Plattenspieler geliefert , beim auspacken unbedingt darauf achten das man die Styroporhalter von allen Seiten unter die Lupe nimmt , da sich hier diverse Kleinteile befinden. Auch die Pappdreiecke am Boden nicht achtlos wegwerfen , hier sind nämlich die Anschlusskabel versteckt.
Zusammenbauen muß man nicht viel , lediglich den Plattenteller auf den Motor setzen & diverse Klebefolien & Drahtbänder lösen.
Wer sich mit Plattenspielertechnik nicht sonderlich auskennt & Hilfe durch die Bedienungsanleitung erhofft bekommt hier einen kleinen Dämpfer: diese ist nämlich äußerst knapp gehalten & hilft nicht wirklich weiter. Alleine der Punkt „Gegengewicht & Anti Skating“ (eh eine Wissenschaft für sich) wird sehr knapp & ohne helfende Zeichnung erklärt. Hier ist dringend Nachbesserungsbedarf.

Lieferumfang
Neben dem Plattenspieler wird noch ein Headshell ohne Tonabnehmersystem & Nadel mitgeliefert – also unbedingt noch daran denken ein System mitzukaufen sonst wird das nix mit dem Plattenhören.
Auf eine Gummimatte auf dem Plattenteller hat man verzichtet & man liefert direkt eine Slipmat mit – diese ist allerdings ein besserer Pappdeckel & nicht zu gebrauchen. Am besten im Zubehörhandel direkt eine hochwertige dazukaufen.
Ein Plattenpuck für 7“ Singles ist ebenfalls dabei , leider gibt es keine Stelle am Plattenspieler wo man diesen ablegen kann.
Ebenfalls dazukaufen sollte man eine Staubschutzhaube , denn einen Deckel hat der Reloop nicht. Ist ja auch logisch , denn Profis machen den Deckel sowieso ab & legen ihn auf Seite.

Design
Sicher: Einen Plattenspieler kauft man nicht wegen dem Aussehen sondern wegen der inneren Werte , aber das Auge kauft ja bekanntlich mit & schönes Aussehen hat ja auch noch nie geschadet.
Die runden Ecken wirken sehr modern , das schlanke Gehäuse wirkt wesentlich flotter als der kantig Kastenförmige Technics. Die Schalter sind allesamt silber & leuchten beim Betrieb im zarten Blau.
Als Clou gibt es den Reloop in zwei Farben: Entweder im bekannten Hi-Fi Standart Schwarz sowie im leuchtend hellen Weiß. Ich habe mir die weiße Version gegönnt & das Teil sieht richtig Stylisch aus. Ist der garantierte Hinkucker im jeden Hi-Fi System weil eben ungewöhnlich als der bekannte Standart.

Aufstellung
„Plattenspieler kauft man nach Gewicht“ lautet eine alte Weisheit. Der Reloop bringt mal eben lockere 11 Kg auf die Waage was nach einem festen Untergrund verlangt. Papis alter Tapeziertisch für den Partykeller fällt somit ebenso flach wie das billige Regal aus dem Baumarkt – ein festes stabiles Regal bzw Tisch ist hier gefordert , wer sogar zwei Plattenspieler plus Mixer haben will der sollte sich mal auf lockere 25 Kg Gewicht gefasst machen.
Das Aufstellen & Ausrichten geht ohne Probleme von der Hand. Die 4 großen runden Füße lassen sich leicht rausdrehen & das gerade ausrichten mit Hilfe einer Wasserwaage ist schnell erledigt.

Anschlüsse
Neumodischen Schnick-Schnack wie Fernbedienung oder USB Anschluß gibt es hier nicht. Neben dem Netzanschluß gibt es lediglich die beiden Buchsen zum Anschluß an den Verstärker bzw Mixer. Auf eine Erdung hat man verzichtet , was sogar ganz praktisch ist. Viele neuen Verstärker haben gar keinen Phonoeingang mit Erdungsklemme mehr & auch bei den neuen Midi Mischpulten ist diese nicht immer dabei. Neben den Buchsen befindet sich ein kleiner Kippschalter wo man das Ausgangssignal (Line oder Phono) auswählen kann.

Bild
(Bild 03) Ansicht von oben

Bedienelemente
Fangen wir von links nach rechts an.
Eingeschaltet wird der Reloop ganz klassisch an der Strobolampe mit einem Drehschalter. Die Strobolampe leuchtet wie die Schalter beim Betrieb in Blau. Unterhalb der Strobolampe befindet sich der Start-Stop Schalter. Dieser ist rund & ist ähnlich schwergängig wie der vom Technics. In der linken oberen Ecke befindet sich ein zweiter Start-Stop Schalter – ideal für Hip-Hop DJs die den Plattenspieler in der 90° gedrehten Battle Stellung aufstellen. Somit kein verknoten der Arme mehr möglich.
Rechts daneben befinden sich die Geschwindigkeitsschalter: Einer für 33 , der andere für 45 UpM. Drückt man beide Schalter gleichzeitig bekommt man sogar 78 UpM – wer also noch Schellackplatten von Oma hat wird sich sicher darüber freuen (ob die alten Platten aber unsere modernen Systeme mögen steht auf einem anderen Papier). Die Schalter sind etwas schwergängig & wackeln auch etwas – leider kein Vergleich zu den leichten Sensortasten des Technics.

Auf der rechten Seite vom Plattenteller befindet sich der Reverseknopf. Einmal gedrückt & der Plattenspieler läuft rückwärts. Nun kann man ohne Probleme feststellen ob auf Beatles oder Led Zeppelin Platten wirklich geheime Botschaften versteckt sind. Für den ein oder anderen Effekt sicherlich ganz brauchbar , fällt jetzt nur dadurch der coole Aschenbechertrick weg.
Neben der Nadelaufsatzleuchte befinden sich zwei Potidrehschalter. Mit dem einen kann man die Motorbremse anstellen – von sofortigen Start-Stop bis hin zu ganz....Langsamen....Anlauf....Und....Stop. – ganz so wie es einem gefällt. Das zweite Poti steuert das Motordrehmoment – voll aufgedreht ist es unmöglich den Plattenteller mit der Hand anzuhalten (außer man steht auf blutige Finger).
Ganz rechts befindet sich die Pitcheinheit. Der Pitchregler ist ein typischer Schieberegler mit etwas Wiederstand , langsames hoch- oder runterregeln der Platte während diese läuft ist ohne Probleme möglich , die Änderung der Geschwindigkeit ist nicht hörbar. Einen Null-Einrastpunkt hat der Regler nicht , es leuchtet lediglich eine Lampe auf. Neben dem Regler befindet sich ein „Pitch-Lock“ Knopf mit dem man den eingestellten Pitch feststellen kann – wer mal auf einer Party aufgelegt hat wo ein Heini hinter dem Rücken sich am Pitch zu schaffen macht während man mixt (bzw dieses versucht) wird diese Feature sehr begrüßen.
Der Standart Pitchbereich ist +/- 10% , was normalerweise komplett ausreichend ist. Durch Tastendruck lässt sich der Bereich auf +/- 20% erhöhen , drückt man beide Tasten erhält man sogar +/- 50%. Für was man allerdings solch einen riesigen Pitch Bereich braucht ist mir eher ein Rätsel.
Der Tonarm lässt sich in der Höhe verstellen , ein kleiner Schalter sorgt dafür das die Höhe fest eingestellt bleibt. Der Tonarm ist komplett aus Metall , der Tonarmlift lässt den Tonarm schön langsam & sanft auf die Platte ab.

Die Nadelaufsatzleuchte
Neben den Plattenteller befindet sich die Nadelaufsetzleuchte. Diese ist nicht wie beim Technics versenkbar sondern ist in eine Buche aufgesteckt & leuchtet permanent. Will man die Lampe ausschalten muß man diese abziehen , wodurch dann eine offene Buchse zu sehen ist. Die Lampe selber ist verdammt hell & um 360° drehbar & kann im dunklen Club / Partykeller durchaus als Nottaschenlampe herhalten.
Leider ist die Lampe vom Design her recht hässlich , ihr etwas klobriges Äußeres passt nicht so recht zum übrigen Plattenspieler.

Praxistest
In der Praxis erlaubt sich der Reloop keinerlei Schwächen , der sehr Durchzugsstarke Motor läuft Geräuschlos & ohne irgendwelche Schwankungen munter vor sich hin , das gesamte Handling des Plattenspielers ist Problemlos & ohne große Schwächen. Mehr noch: Nach einigen Minuten hat man komplett vergessen das man es nicht mit einem Technics sondern mit einem Reloop zu tun hat – ein besseres Kompliment kann man einem Plattenspieler wohl nicht machen.

Pro / Contra im Überblick

Pro
- Durchzugsstarker , laufruhiger Motor
- Sehr gute Verarbeitung
- Keinerlei großer Unterschied zum Technics spürbar

Contra
- Schlechte Bedienungsanleitung
- Minderwertige Slipmat
- Hässliche , nicht versenkbare Nadelaufsatzleuchte
- schwergängige Knöpfe bei der Geschwindigkeitseinstellung

Fazit
Die Luft wird so langsam dünn für die Technics Fanatiker. Der Reloop RP-6000 MK6 hat so gut wie keine Schwäche & ist tatsächlich der wohl beste 1210er Klon den ich bis jetzt in den Händen hatte. Die Bedienung ist intuitiv sehr einfach & nach einigen Minuten merkt man nicht mehr das man es mit einem Reloop zu tun hat.
Qualität hat natürlich ihren Preis: Mit ungefähr 400 Euro (unbedingt Preise vergleichen) ist der Reloop nicht gerade günstig & zeigt das auch bei Reloop Qualität etwas teuerer ist. (Natürlich ist solch ein Preis Wasser in den Mühlen der Technicsfraktion – Tenor „Leg 200 Euro drauf & Du bekommst das Original“).
Wer also einen wirklich guten Profiplattenspieler sucht & nicht unbedingt soviel Geld für einen Technics ausgeben will der macht mit dem Reloop nicht viel verkehrt. Da zudem es i.M. eine künstliche Verknappung von Seiten Technics mit dem 1210er gibt ist der Weg für den imo Gleichwertigen Reloop frei. Wer also kein übermäßig viel Geld für einen Gebrauchten Technics Zweifelhafter Herkunft ausgeben will ist beim RP-6000 MK6 an der richtigen Stelle. In manchen technischen Werten (Drehmoment) schlägt der Reloop den Technics sogar.

Schulnote: 1 Minus (wegen der Kinderkrankheiten)
Oder im Liquid-Love Schema
:liquid9:

Und hier noch ein Witz aus der Bedienungsanleitung
„Bei diesem Gerät handelt es sich um einen professionellen Plattenspieler , mit dem sich handelsübliche 12“ und 7“ Schallplatten abspielen lassen. Das Gerät wird dabei an ein Mischpult angeschlossen.“
Also man darf damit keine 10“ abspielen , so so. :wink:
Und was ist wenn man kein Mischpult hat sondern es direkt an einen Verstärker anschließt ? Erlischt dann die Garantie ? :lol:

Technische Daten
- 3 Geschwindigkeiten (33 / 45 / 78 UpM) , voll manuell
- Quartzgesteuerter Upper Torque Direktantrieb
- Start- / Stopzeit. 0,2 – 6 Sekunden (Stufenlos einstellbar)
- Startdrehmoment: 2500 – 5000 g/cm (Stufenlos einstellbar)
- Gleichlaufschwankung: <0,1% bei 33 UpM
- Gewicht: circa 11 Kg
- Maße: 450 x 15 x 353 mm

Lieferumfang
- Plattenspieler
- Bedienungsanleitung
- Slipmat
- Headshell ohne Tonabnehmersystem
- Plattenpuck
- Anschlusskabel (circa 2 m lang)
- Stromkabel (circa 2 m lang)

Wichtige Internetseiten
Deutsche Reloop Webseite

Bildnachweise
Bild 01: Deutsche Technics Webseite
Bild 02 & 03: Deutsche Reloop webseite
Die beiden Reloopbilder wurden von meiner Seiter aus her von der Größe angepaßt
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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Beitrag von SFI » 08.07.2010, 19:14

Tolles Review, auch die kleine Geschichtsexkursion ist interessant. Zum Thema Farben sage ich aber nur: Pro-ject Audio Systems - die gibts auch in diversen Lackfarben darunter klassisch weiß aber auch blau, rot, grün, gelb ect. Weiß sieht aber wirklich klasse aus, meiner war auch in Lack weiß gehalten, sehr stylisch sah das im Rack aus.
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„Fate: Protects fools, little children and ships named Enterprise.“

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Beitrag von SFI » 08.07.2010, 19:18

PS: Haste keine eigenen Bilder? Diese Photomontagen sind immer etwas öde.
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Beitrag von gelini71 » 08.07.2010, 19:21

Das Problem ist: Der Plattenspieler ist glänzend , das Spiegelt wie verrückt.
Ich probiere es mal am WE , versprechen tue ich aber mal nix.
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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