Der Vollidiot
Warum? Nun, ich mag Oliver Pochers offenen, sehr aggressiven Humor ... Das kann doch nicht alles sein? Naja, ich hatte keinen Bock auf die Turtles und der neue Bruce Willis klingt sehr äääähm, ja ... "interessant" ... Der Mord kommt über die Internetbekanntschaft ... wer braucht das? Also den Vollidiot geguckt und mehr als positiv überrascht wurden. Pocher spielt Simon Peters (mein Name ist Simon Peters ... meine freunde nennen mich Simon ... Peters

) und damit das, was die heutige Gesellschaft gerne als Loser abtut: Er steckt in einem Job fest, der nichts taugt, er hat kein Geld und die Weiber gucken ihn net mal mit dem Arsch an. Da er sich selber auch einredet, dass dieser Zustand echt scheiße ist, versucht er etwas dagegen zu unternehmen ... mit mehr als zweifelhaften Ergebnis. Das Schöne am Vollidiot ist, dass er von hinten bis vorne absolut stimmig geraten ist und herrlich funktioniert, da der Film seinen Fokus nie verändert. Simon Peters steht immer im Mittelpunkt, es gibt keine ablenkenden, wirklich storyrelevanten Nebenfiguren und sogar das übliche kitschige Liebesgezeter bleibt komplett aus. Wir erleben Simon Peters beim Flirten und Werben ... mehr nicht. So verändert sich seine Figur zwar nicht allzusehr, aber der Film nutzt dies zu immer neuen, wirklich tollen Zeitgeistkriteleien in deren Verlauf eigentlich so gut wie jeder sein Fett wegkriegt. Zwar zündet nicht jeder Gag aber zumeist sitzt man schon breit grinsend in seinem Sessel. Alleine die Einlagen an Simon Peters Arbeitsplatz sind absolut Gold wert: "Internet? Nein, haben wir nicht mehr. Morgen kriegen wir aber neues rein" oder: "Ey Alda, hab ich Klingelton runtergeladen, drücke Knopf, ist Klingelton weg!" Peters waffelt dem Typen volle Kanne eine in die Fresse und meint so: "Und? Klingelts wieder?" LOL.
Problemfrei ist der Streifen dabei aber nicht. Das Hauptproblem ist Oliver Pocher. Er ist - vom Humor des Streifens her - absolut ideal besetzt ABER er ist KEIN Schauspieler. Nicht er streift sich die Rolle des Simon Peters über sondern Simon Peters streift sich Oliver Pocher über. Pocher bleibt im Bewußtsein des Zuschauers zu JEDER Sekunde eben Pocher (das versucht man mit einem seltsamen Kniff zu umgehen: So schaut Peters Mediamarktwerbung mit Pocher an und auch in einem Teeniezimmer hängt mal ein Pocherposter ... dieser abstrakter Versuch, Pocher zu einem anderen Charakter zu machen, funktioniert aber nur bedingt, ist aber recht interessant). Das funktioniert in den komischen Momenten auf den Punkt, weil Pocher hier seine Funny Bones und sein Timing ausspielen kann, in den gefühligeren Szenen ist er dann aber ziemlich deplatziert, eben weil Simon Peters durchaus gefühlig sein könnte, nur eben Pocher nicht dieser Peters ist ... Auch geht dem Film zum Ende hin ein wenig der Verve aus. Doch das fällt gar nicht so sehr ins Gewicht, zumal der Film eben mehr und mehr zu einer Art Zustandsbeschreibung der Generation mutiert, in der meiner Einer ja nun auch angekommen ist: 30 und irgendwie total verloren ... Optisch ist der Streifen wie Pocher: Manchmal Hui, manchmal TV Langeweile pur. Im Durchschnitt aber absolut ordentlich. Der Soundtrack ist megadufte und sehr stimmig. Kurzum: Der Film wird nie die Aufmerksamkeit bekommen, die er eigentlich verdient hat ... Grund dafür dürfte vor allem sein zu extrem polarisierender Hauptdarsteller sein. Lässt man sich drauf ein, wird man zumindest 90 Minuten ordentlich unterhalten!
In diesem Sinne:
freeman