
Technische Daten:
Label: Mute (EMI)
Tracks: 12
Laufzeit: 68:26
Extras: Keine
Verpackung: Jewel Case
Trackliste:
1. As I Sat Sadly By Her Side
2. And No More Shall We Part
3. Hallelujah
4. Love Letter
5. Fifteen Feet Of Pure White Snow
6. God Is In The House
7. Oh My Lord
8. Sweetheart Come
9. The Sorrowful Wife
10. We Came Along This Road
11. Gates To The Garden
12. Darker With The Day
Kritik:
Nur wenige Künstler erreichen schon zu ihren Lebzeiten, im Laufe ihrer Karriere, einen gewissen Zustand der Unantastbarkeit. Nick Cave hat kann diesen Status Quo für sich verbuchen, vergleichbar eigentlich nur mit einem Johnny Cash. Wie dieser ist Nick Cave ein Mann voller Gegensätze und scheinbarer Paradoxen, die sich wie ein roter Faden durch sein künstlerisches Schaffen ziehen und ihn zu einem scheinbar unversiegbaren Quell der Kreativität werden lassen. Obwohl ihn genau jene Charaktereigenschaften auch schon oft an den Rand der Selbstzerstörung gebracht haben, aufgrund von Drogensucht, Depressionen und schweren Selbstzweifeln.
Im Jahre 2001 veröffentlichte Nick Cave „No more shall we part“, das man wohl als persönliches Opus Magnum eines Mannes bezeichnen kann, der im Laufe seines Lebens viel erlebt hat. Es ist ein Versuch der Begründung der eigenen menschlichen Existenz, verbunden mit all ihren Abgründen und Schwächen, aber auch mit einer letztendlichen Versöhnung und dem finden einer inneren seelischen Ruhe.
Am Anfang der Reise steht jedoch die Katharsis „ As I sat sadly by her side“ , die Reflektion der Erkenntnis, dass das vorbestimmte Schicksal ein Irrglaube ist und der sich damit auftuenden Leere. Der Mensch muss seinen Weg selber finden in einer Welt, die er nur in den Grenzen seines eigenen Mikrokosmus verändern kann. Im Laufe der seelischen Selbstreinigung wird auch zum ersten Mal auf Gott verwiesen, der im Verlauf der gesamten musikalischen Reise als Allegorie verstanden werden kann, er ist ein Symbol für die Leere, Angst, Einsamkeit, Oberflächlichkeit, für die Absurdität des menschlichen Handelns, das zurück Fallen in alte Gewohnheiten und doch wartet man immer wieder auf Antworten von ihm, die er einem aber nicht gibt . Immer wieder greift Nick Cave dieses Motiv auf um transzendale Bilderwelten aufzubauen, mit denen er dann, im Stile der Romantik, im nächsten Moment wieder auf tragisch ironische Weise bricht. So zeichnet er in „Hallelujah“ das Bild eines todtraurigen, einsamen Menschens, der seines eigenen Lebens überdrüssig ist und dessen einziger Bezugspunkt eine Krankenschwester darstellt. Als sich ihm die Chance, in Form einer jungen Frau, bietet aus diesem Teufelskreis auszubrechen macht er aus Angst vor Risiken und Veränderungen einen Rückzieher und kehrt zurück in die traurige Sicherheit. Im Refrain wird jenes gezeichnete Bild durchbrochen von einen an einem zutiefst sarkastisch und zynisch wirkendem „Hallelujah“. Somit sind wir auch schon beim zweiten Punkt der Reise angelangt, der Liebe. Sie scheint die einzige Möglichkeit zu sein für eine kurze Zeit mit der Welt in Einklang zu sein, auch wenn sie viele Rückschläge, Schmerzen und Unsicherheit in sich birgt, so ist wohl doch das Element was unserem Leben einen Sinn gibt. So ist die letzte Textzeile des Albums zwar "It seems so long since you went away and I just got to say that it grows darker with the day”, doch spürt man, in seiner Stimme, eine gewisse Erleichterung. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus der Poesie eines Nick Caves, viel zu vielschichtig und frei interpretierbar sind seine Texte um sie auch nur annähernd in den enggestrickten Rahmen eines Reviews zu pressen. Zumal das Geschriebene nur meine Ansichtsweise darstellt, ein anderer kommt wahrscheinlich zu einem ganz anderen Ergebnis.
Getragen werden die 12 Songs von Nick Caves tiefer melancholischer Stimme und zu großen Teilen von seinem Piano Spiel. Ab und zu wird er gesanglich von einer Frauenstimme unterstützt, die immer einen angenehm ruhigen Gegenpart bildet. Die anderen Bandmitglieder halten sich Instrumental über weite Strecken zurück, nur zum Ende der einzelnen Lieder spielen sie meistens etwas druckvoller auf, wobei vor allem die Streicherparts eine nicht ganz unwichtige Rolle spielen. So sind die größtenteils balladesken Stücke musikalisch gar nicht so einfach einzuordnen, aber starke Jazzanleihen sind zu jeder Zeit präsent.
Fazit:
Es ist schwer das Gesamtwerk in Worte zu fassen, die ihm auch gerecht werden. Das Album bietet nicht die Art von Musik, welche einen schon beim oberflächlichen zuhören aus den Socken haut. Vielmehr funktioniert alles auf gedanklicher Ebene mithilfe der Phantasie. Eine gründliche Auseinandersetzung mit den Texten ist somit Pflicht, wenn man diese Hürde aber überwunden hat, bekommt man 12 Lieder geboten, die allesamt wunderschöne, tieftraurige und melancholische Bilderwelten beschreiben. Nick Cave hat irgendwie das Wunder vollbracht alle empirischen Eindrücke, die er im Laufe seine Lebens schon gesammelt hat, auf einen Tonträger zu bannen.



