Federal Protection - Im Visier der Mafia

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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Federal Protection - Im Visier der Mafia

Beitrag von StS » 17.11.2005, 19:08

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Originaltitel: Federal Protection
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2002
Regie: Anthony Hickox
Darsteller: Armand Assante, Angela Featherstone, Dina Meyer, David Lipper, …


In der Welt des B-Films ist Anthony Hickox einer jener Regisseure, auf die man sich größtenteils verlassen kann. Mit diversen Werken verschiedener Genres – wie etwa aus den Bereichen Horror („Hellraiser 3“), Thriller („Invasion of Privacy“), Action („Submerged“) oder Kombinationen dieser („Full Eclipse“) – hat er sich unter Fans (trotz vereinzelter Ausnahmen a la „Jill the Ripper“) im Laufe der Zeit einen Namen gemacht. „Federal Protection“ (2002) entstand während einer Phase, in der Hickox verstärkt Thriller (“Last Run“/“Consequence“) drehte, bei welchen er den ansonsten für ihn typischen Action-Anteil eher gering hielt – und trotzdem trägt der Film noch genügend seiner Handschrift, dass er Fans einigermaßen zufrieden stellen dürfte…

Frankie „Chop Shop“ Carbone (Armand Assante) hat sich mit dem Stehlen und Ausschlachten von Autos im Laufe der Jahre einen respektierten Namen in der kriminellen Szene Chicagos erarbeitet. Eines Tages entscheidet der Unterweltboss Pagnozzi jedoch, dass Frankies Zeit im Business nun vorüber sei, und hetzt ihm zwei Killer auf den Hals. Zwar gelingt es Carbone, die Angreifer auszuschalten, aber er wird im Verlauf des Anschlags selbst derart schwer verletzt, dass ihm letztendlich keine Wahl bleibt – entweder er hilft dem FBI, Pagnozzi hinter Gitter zu bringen, oder er selbst wandert ins Gefängnis, wo er vor weiteren Übergriffen erst recht nicht sicher ist…

Monate Später: Während der Prozess inzwischen vor der entscheidenden Phase steht, bezieht der im Zeugenschutzprogramm aufgenommene Frankie gerade als „Howard Akers“ sowie mit leicht verändertem Äußeren ein schönes Haus in einer ruhigen Vorstadtgegend irgendwo in Arkansas. Gleich beim Einzug fällt er der schräg gegenüber wohnenden Leigh (Angela Featherstone) ins Auge, deren Mann Dennis (David Lipper) sie mit ihrer flippigen Schwester Bootsie (Dina Meyer) betrügt. Per Zufall entdeckt sie kurz darauf Howards tatsächliche Identität, was ihn für sie aber eher noch anziehender wirken lässt. Es entsteht eine Freundschaft, die sich zu einer Romanze entwickelt, nachdem Leigh von Dennis´Affäre Wind bekommt. Die Sache ist nur, dass inzwischen auch Bootsie von Howard/Frankie weiß – und 1 Million Dollar von der Pagnozzi-Familie für seinen Aufenthaltsort klingen verdammt gut! Aus diesem Grund macht sie sich zusammen mit Dennis auf nach Chicago, um den Deal in die Wege zu leiten…

Hmmm, die Geschichte erinnert doch irgendwie an – ja, genau: „the whole nine Yards“, und tatsächlich ruft „Federal Protection“ mehr als einmal das Gefühl eines Déjà Vus hervor, nur dass die Story in diesem Fall eine Gewichtsklasse tiefer sowie mit mehr Gewalt und weniger Humor umgesetzt wurde. Diese Tatsache stört aber letztendlich nicht ganz so stark, schließlich ist dies nicht einer jener Filme, die ihre Stärken aus der Handlung generieren. Etwas mehr Kreativität wäre trotzdem vorteilhaft gewesen, denn das Drehbuch offenbart noch weitere Schwächen, welche man nicht so einfach ignorieren kann: Abgesehen von einigen netten Twists verbleibt der Ablauf vorhersehbar, Motive, Figuren und Situationen sind aus diversen anderen Werken zu diesem Thema bekannt, es gibt eine Reihe von Plot-Löchern und einige Charaktere verhalten sich einfach nicht glaubwürdig. Letzteres gilt hauptsächlich für die Beziehung zwischen Frankie und Leigh, denn schon nach dem ersten Date (trotz ihrer Langeweile in der Ehe) bereits von der großen Liebe und einer gemeinsamen Zukunft zu sprechen, ist doch etwas weit hergeholt. Klischees sind reichlich vorhanden (der eigentlich doch ganz nette „Ex“-Gangster etc), Stereotypen tauchen vor allem bei den italienischen Unterweltlern auf (mal abgesehen von dem asiatischen Killer, der irgendwie deplaziert in der Truppe wirkt), die Spannung hält sich in Grenzen.

Armand Assante (“1492“/“Q&A“) spielt Frankie/Howard als einen Macho mit weichem Kern, der nach seinem Ausstieg einfach endlich mal ein ruhiges Leben führen möchte und in Leigh gar eine sympathische Partnerin findet. Assante bietet eine gute Vorstellung, denn man nimmt ihm die erforderlichen Persönlichkeitsfacetten problemlos ab – und dass er als „harter Kerl“ eine gute Figur macht, wissen wir ja nicht erst seit „Judge Dredd“. Zum Glück hat man ihm aber nach seinem Einstieg ins Zeugenschutzprogramm einen besseren Haarschnitt verpasst, denn das, was er anfangs als Frisur trägt, sieht schon sehr mehrwürdig aus. Zusätzlich stimmt die Chemie mit Kollegin Angela Featherstone (“Zero Effect“/“Soul Survivors“), welche ich als sehr charmant empfand. Der eigentliche Star des Films ist aber eindeutig Dina Meyer (“Starship Troopers“/“Saw“) als durchtriebene Bootsie, welche ohne Skrupel mit dem Mann ihrer Schwester ins Bett geht, noch nicht ganz sicher ist, ob S/M-Praktiken wirklich etwas für sie sind, und sich schließlich abenteuerlustig auf einen Deal mit der Mafia einlässt, in dessen Verlauf sie aber beweist, dass sie nicht nur clever und gerissen ist, sondern sich zudem durchaus zur Wehr setzen kann. Meyer hatte allem Anschein nach viel Spaß beim Dreh, was sich unmittelbar auf die Laune des Zuschauers überträgt. Ihre Figur ist im Endeffekt eine dieser sexy „Vorstadt“- Femme Fatales, wie man sie beispielsweise seit geraumer Zeit bei den „Desperate Housewives“ (zumindest in ähnlicher Form) zu Gesicht bekommt.

Neben der Besetzung lassen sich auf der positiven Seite noch folgende Punkte verbuchen: Obwohl der Film keine Komödie ist, besitzt er doch ein gewisses Maß an schwarzem Humor und netten Sprüchen (Stickwort: Shania Twain), die Action ist anständig über den Verlauf verteilt, das Tempo streckenweise recht zügig, einige nette Twists/Ideen sowie skurrile Figuren/Situationen sind vorhanden. Zwar ist das Finale nicht so spektakulär geraten wie ein Angriff Frankies auf einen Unterschlupf inmitten eines Schrottplatzes, bei welchem man eine Reihe anständiger Explosionen präsentiert bekommt, kann aber ebenfalls aufgrund der fast schon klassischen Inszenierungsweise (inmitten eines Gewitters etc) überzeugen. Allgemein ist Hickoxs Regie als Stärke der Produktion anzusehen, denn sie ist absolut solide und nutzt darüber hinaus auf zurückhaltende (jedoch effektive) Weise für ihn typische Elemente und Techniken (wie die „Montage“ des Bildes im Sinne der Vorder- und Hintergrundschärfe). Ein Bekannter von mir hat mal geäußert, Hickox würde erst bei einer „keine Jugendfreigabe“-Einstufung zu Form auflaufen – in diesem Fall ging das Endprodukt mit einer „16er“ durch, bietet dafür aber trotzdem reichlich blutige Momente (hauptsächlich Einschüsse sowie eine Tat mit einem langen, spitzen Damenschuhabsatz). Letztendlich ist der Verlauf abwechslungsreich, weshalb keine Langeweile aufkommt – und das ist immerhin mehr, als man von einer Vielzahl artverwandter Werke behaupten kann…

Fazit: „Federal Protection“ ist ein anständig besetzter, unterhaltsamer sowie gut inszenierter B-Film-Thriller, der leider unter seinem recht einfallslosen Drehbuch leidet, weshalb es am Ende nur für durchschnittliche „5 von 10“ reicht.

:liquid5:


In Deutschland ist der Film von „EuroVideo“ (ungeschnitten mit einer „FSK 16“-Freigabe) auf DVD veröffentlicht worden.

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Ed Hunter
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Beitrag von Ed Hunter » 10.01.2008, 22:26

Größtenteils zustimmende Meinung von mir:

Ursprünglich aus dem Horrorfach („Warlock“, „Hellraiser III“) kommend, hat sich Anthony Hickox seit Ende der 90er vor allem auf dem B-Actionsektor einen Namen als versierter Regisseur gemacht. Unter anderem gehen die Lundgren-Filme „Jill Rips“ und „Stormcatcher“ sowie das Seagal-Highlight „Submerged“ auf sein Konto und auch das 2002er Werk „Federal Protection“ erweist sich als überaus brauchbare Genrekontribution, für die Hickox nur ein Jahr nach „Last Run – In den Fängen des Verrats“ erneut mit Armand Assante als Hauptdarsteller zusammenarbeitete.

Frank Carbone (Armand Assante) hat als Kronzeuge vor Gericht gegen seine Mafiakollegen ausgesagt und wurde infolgedessen ins Zeugenschutzprogramm des FBI aufgenommen. Bei einem „Kollegen“, der es ihm gleichtat, stehen aber schon bald Hitmen auf der Matte und auch Frank muss um sein Leben fürchten, denn da man vor Gericht in Berufung ging, sind die Gangster noch immer auf freiem Fuß und hinter dem Verräter her. Ausgerechnet die Schwester seiner sympathischen neuen Nachbarin Leigh (Angela Featherstone) schmiedet zusammen mit ihrem Freund, der dummerweise gleichzeitig Leihgs Ehemann ist, Pläne, sich auf einen Deal mit der Mafia einzulassen: 1 Million gegen die Information, wo sich Frank aufhält. Es kommt, wie es kommen muss: Die Gangster sind weder willens, sich diese Chance durch die Lappen gehen zu lassen noch sich von ihrem Geld zu trennen und schon bald sprechen die Waffen…
„Federal Protection“ bemüht das gängige Szenario der Kronzeugenthematik, ohne ihm neue inhaltliche Aspekte abgewinnen zu können, zieht seine klassisch gestrickte Story aber flott und unterhaltsam auf, was neben einigen grotesken, schwarzhumorigen Einzelszenen vor allem an Hickox’ souveräner Regie liegt, der die Crimestory mit gewohnt stylish inszenierten Actionszenen garniert. Ohne den Stilmitteloverkill eines „Submerged“ zu erreichen, sorgen chice Zeitlupen und gelungene Kameraperspektiven für eine ansprechende Optik, während Explosionen, Fußverfolgungsjagden und gekonnt eingefangene, teils sehr cool konzipierte (der Auftakt, in dem der zweite Kronzeuge von zwei Hitmen überrascht wird) Shootouts, bei denen auch einige Bloodpacks platzen, das Geschehen ohnehin mit rasanten Schauwerten schmücken. „Federal Protection“ entwickelt sich dabei aber nie zum reinen Krawalloverkill, sondern setzt seine Action stets wohl dosiert ein.
Dank einiger spannend und höchst unterhaltsam erdachter Episoden wie dem Informationsaustausch Geld gegen Franks Aufenthalt, bei dem Leighs Schwester kurzerhand zwei Polizisten als Träger ihrer Geldkoffer rekrutiert, mischen sich auch so nur selten Längen in die konventionelle Story und während dem nur solide spielenden Cast ein echter Genrestar als Hauptdarsteller fehlt, weiß immerhin ein mehr als flotter, stylisher Score weitere Pluspunkte zu verbuchen.

Fazit: „Federal Protection“ erfindet das Rad nicht neu und liefert mit seiner klassisch gestrickten Handlung nicht mehr als gelungene B-Unterhaltung im oberen Durchschnittsbereich, das aber überaus gekonnt, wozu vor allem die von Anthony Hickox gewohnt stylish eingefangenen Actionszenen ihren Beitrag leisten. Genrefans können bedenkenlos einen Blick riskieren!

:liquid6:
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Beitrag von Vince » 10.01.2008, 23:50

Aus dem alten, doppelt angelegten, inzwischen gelöschten Thread:
Ed Hunter hat geschrieben:Oh, sorry, ich hatte einfach in der ofdb nach nem Liquid-Link geschaut und keinen gefunden :?
Deswegen am besten immer hier im vorliegenden Review-Index nachschlagen, denn nicht alle Reviews in der ofdb sind verlinkt, da zB. StS und ich auch in der ofdb veröffentlichen.

Jetzt allerdings kann ich den Thread dank deines Reviews verlinken. ;)

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