Expert, The

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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freeman
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Expert, The

Beitrag von freeman » 21.11.2007, 00:03

The Expert

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Originaltitel: Expert, The
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1994
Regie: Rick Avery / William Lustig
Darsteller: Jeff Speakman, James Brolin, Michael Shaner, Alex Datcher, Wolfgang Bodison, Elizabeth Gracen, Norm Woodel, Jim Varney, Michelle Nagy u.a.

Martin Kagan ist ein Psychopath, wie er im Buche steht. Doch bei der Auswahl seines letzten Opfers macht er einen entscheidenden Fehler: er erkor John Lomax' Schwester zu seinem Opfer und besiegelte mit dem Mord an der jungen Frau sein eigenes Urteil. Dank John Lomax, der dem Killer in der Tatnacht zufällig begegnete, wandert Kagan ein und soll hingerichtet werden. Lomax, der als taktischer Berater für Spezialeinheiten der staatlichen Ordnungshüter arbeitet, hat aber weiterhin ein wachsames Auge auf Kagan. Als er erfährt, dass Kagans Urteil ausgesetzt werden soll, damit er einer neuen Form der Resozialisierung zugeführt werden kann, bricht Lomax kurzerhand in den Knast ein, um Kagan selbst die Lichter auszuknipsen ...

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The Expert stammt aus der Schaffensperiode von Jeff Speakman, deren Ausstoß auch heute noch jedem Actionfan uneingeschränkt ans Herz gelegt werden kann. Geballte Fäuste, Perfect Weapon, Deadly Takeover und eben The Expert sind allesamt Streifen, die das Actiongenre vielleicht nicht neu erfinden, es aber absolut zufriedenstellend bedienen. Die Action ist hart und brutal, die Story quasi nicht vorhanden und es werden gute alte Actionfilmlieblinge wie die unverhohlene Selbstjustiz abgefeiert. So auch in the Expert, was hier in Sprüchen wie Folgendem kulminiert: "Kagan ist nicht im Knast, um die Gesellschaft vor ihm zu schützen. Er ist da drin, um ihn vor mir zu schützen!" Männlicher geht wirklich kaum noch und auch der Plan, in einen Knast einzubrechen, um da einem Verurteilten den Scheitel zu ziehen, ist so herrlich absurd, dass es fast schon weh tut. Aber: Das Ding unterhält einfach und hey, was will man(n) mehr?

Leider vergeht bis zu diesem Knasteinbruch ein wenig zu viel Zeit. Und da wären wir bei dem größten Manko vom Expert: Er ist ein wenig zu actionarm. Im Grunde gibt es vier Actioneinlagen. Und keine hat eine wirklich ausufernde Länge. So ist es nur dem herrlichen Bäddie zu verdanken, dass der Mittelteil nicht komplett vor den Baum geht, denn er hält als einziger mit seinen Behavourismen die Pace des Filmes im ansonsten ereignislosen Mittelteil halbwegs oben. Michael Shaner als Martin Kagan kann somit als wesentlichster Clou des Filmes angesehen werden, denn sein gelackter, megaaroganter Bad Ass ist eine riesige Show und es macht wirklich Spaß, Shaner zuzusehen, wie er zwischen harmlos / affektiert und kreuzgefährlich hin- und herschaltet. James Brolin ist dabei als Gefängnischef der Einzige, der ihm so etwas wie Paroli bieten kann, indem er in Kagans Gegenwart mit einigen herrlichen Zynismen um sich schmeißen darf. Dagegen sieht der Rest des Castes ziemlich schnell ziemlich alt aus. Insbesondere die Frauen im Cast kommen extrem schlecht weg und rangieren unentwegt zwischen nervig und überflüssig. Bekannt ist dabei eigentlich nur Elisabeth Gracen, die Jahre später dank der Highlander Serie so etwas wie eine Art Semibekanntheit aufbauen konnte. Jeff Speakman ist - obwohl Held des Filmes - erstaunlich wenig zu sehen, da er für Brolin und Shaner teils extrem zurückgenommen wird. In den Momenten, in denen er zu sehen ist, wirbelt er dann entweder wieder ein paar Bäddies aus dem Film oder spult recht unaufgeregt sein Programm ab. Ein wenig peinlich ist eigentlich nur die Tatsache, dass ihn der Tod seiner Schwester irgendwie zu keinem Zeitpunkt zu tangieren scheint. Keine Träne, kein trauriger Blick, nichts. Seltsam. So ein schlechter Darsteller ist er dann ja eigentlich nicht, dass man diese Momente hätte aussparen müssen.

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Aber naja, es ist ja nun mal ein Speakman Film und da geht es eh um etwas anderes. Genau: Action. Wie bereits erwähnt ist diese rein von Aufkommen und Dauer her recht enttäuschend, ansonsten aber einfach vom Feinsten! Das Blut spritzt im hohen Bogen, Gliedmaßen werden krachend verbogen, Körpertreffer sind immer blutig und auch Messer kommen recht schlitzig zum Einsatz. Dazu gibt es ein paar herrliche, knackig kurze Kenpo Demonstrationen von dem gedrungenen Kraftpaket Speakman, die ohne Spielereien wie Zeitlupen recht ruppig und effektiv auf den Zuschauer niedergehen. Ergo könnte man das Thema Action wie folgt zusammenfassen: Menge pfui, Präsentation hui.

Und auch abseits der Actionumsetzung ist The Expert handwerklich von absolut überdurchschnittlichem Niveau. Man sieht in jeder Einstellung, dass The Expert ein noch deutlich höheres Budget hatte, als der Großteil der Speakman Streifen, die folgen sollten. Kein Stock Footage, keine arme Videooptik, keine dämlichen CGIs. The Expert ist technisch einfach absolut sauber inszeniert und hebt sich vor allem im netten Showdown mit Hilfe ausgeprägter Licht- und Schattensetzung, dynamischer Kameraführung und netten Perspektiven deutlich vom Genredurchschnitt ab.

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Somit ist The Expert ein handwerklich absolut gelungener Genrevertreter, dem ein prägnanterer Mittelteil und ein wenig mehr Action gut zu Gesicht gestanden hätte. Trotz der angedeuteten Mängel und der dünnen Story (oder gerade deswegen? ;-) ) findet der Genrefan hier ordentliche Unterhaltung. In Speakmans Vita reiht sich The Expert mühelos in den höheren Rangplätzen ein und lässt Gurken wie Land of the Free oder Scorpio One mühelos im Regen stehen. Schade, dass Speakman vom Niedergang des Genres auch ziemlich rabiat überfahren wurde, der Mann hatte einfach Potential - wer ihn einmal richtig hat wirbeln sehen, weiß, was ich meine.
:liquid6:

Die britische uncut DVD kommt von dem Label Hollywood und leidet ein wenig an übersteuerten Rottönen. Auch das aufgespielte 4:3 Format mutet nicht unbedingt so an, als sei es das korrekte Bildformat.

In diesem Sinne:
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Beitrag von McClane » 21.11.2007, 09:41

Der Film macht Laune, der letzte vernünftige Speakman bevor es bergab ging, aber wie du schon sagst, etwas actionarm. Würde mich anschließen mit :liquid6:.

Zum Thema Bildformat: Die TV-Fassung von RTL 2 war definitiv in Widescreen 1,85:1, nur leider geschnitten. Ich hab auch die UK DVD, weiß aber jetzt nicht genau, ob die gezoomt oder open matte ist, da meine TV-Sichtung schon ne ganze Weile zurückliegt.
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Beitrag von freeman » 21.11.2007, 22:34

Die ist definitiv eher gezoomt als Open Matte ... da fehlen imo am Rand schon immer mal nen paar Sachen ... etwa wenn der Jeff dem einen am Hals aufschlitzt (im Gerichtsgekeile) ist meines Erachtens normalerweise noch mehr von dessem Kopf zu sehen und auch von der Blutfontäne, die dann an der Kamera vorbeigespritzt kommt ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von C4rter » 16.01.2011, 15:06

John Lomax(Jeff Speakman) ist Trainer von Sondereinsatzkommandos. Er selbst ist vom richtigen Einsatz vor einigen Jahren zurückgetreten. Doch als seine Schwester von einem wahnsinnigen Killer ermordet, könnte sich dies ändern. Zwar wird wird Martin Kagan(Michael Shaner) zum Tode verurteilt und in das Gefängnis von Warden Munsey(James Brolin) überführt, doch eine eifrige Kämpferin für Todeskandidaten bringt es durch, das Kagan zum Überraschen Aller in eine neue Heilanstalt überführt werden soll. Das Kagan nicht seiner gerechten Strafe zugeführt wird ist für Lomax nicht zu dulden. Also begibt er sich auf eine riskante Mission und erstürmt den Todestrakt…

Jeff Speakman ist einer der klangvollen Namen der 90er Action-Szene. Neben Gary Daniels und anderen hat Speakman in den 90er Jahren eine ganze Reihe an launigen Actionfilmen abgeliefert. Seine Kenntnisse über Kampfkunst machten ihn zu einem gern gesehen Schauspieler in Filmen mit Martial Arts Elementen. Doch wie alle Schauspieler dieser Ära, brach für Speakman irgendwann die Zeit an in der die DTV-Actioner niemand mehr so recht sehen wollten. „The Expert“ zählt zum Glück noch nicht dazu.

Die Story von „The Expert“ ist überraschend gelungen geschrieben. Dies liegt in erster Linie wohl an der Figur des Gefängnisdirektors. James Brolin(Vater von Josh Brolin) spielt den fiesen Gefängniswärter herrlich ironisch und hat alle guten Sprüche des Drehbuchs auf seine Figur übertragen bekommen.
Aber auch ein großer Teil der restlichen Handlung weiß zu gefallen. Der Mord, Gerichtsverhandlung und der Alltag von John Lomax wird alles recht gut in die Handlung verpackt. Hier wiederrum ist Bad-Boy Michael Shaner wohl Hauptverantwortlich, der den irren Killer ziemlich gut spielt.
Zudem kann sogar der Music-Score überzeugen und klingt erstaunlich hochwertig.
Leider bekamen es die Autoren aber nicht hin ein paar Actionszenen homogen in die Story zu integrieren. Bis auf den Showdown im Finale passieren die restlichen 2 oder 3 Actionszenen während des Films einfach nebenbei und haben keine wirkliche Verbindung zur Hauptstory. Wenn eine Redneck-Familie ein Gerichtsgebäude erstürmt oder eine Bande betrunkener Raufbolde sich mit Speakman anlegen ist das zwar ganz gelungen, aber eine Verbindung der Action zur Handlung wäre doch besser gewesen. Doch trotz dieser Actionarmut überbrückt der Film die ersten 45 Minuten erstaunlich gut.

Insgesamt gehört „The Expert“ definitiv zu den besseren Vertretern des Genres. Alles wirkt erstaunlich hochwertig, was man auch am klangvollen Namen von James Brolin erkennen kann. Aber auch ansonsten ist „The Expert“ gut gefilmt und man sieht ihm und dem Drehbuch einfach die Qualität an. Würde „The Expert“ nun noch etwas mehr und besser in den Film integrierte Action bieten, würde der Film wohl definitiv zu den Knallern des Genres gehören. So aber reicht es leider nur zu einem feinen, überdurchschnittlichen Actioner und einer guten:

:liquid6:

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Beitrag von kami » 17.01.2011, 09:07

Sehe den auch bei knappen 6/10 Punkten, letztlich ist die Story zu konventionell, um die Actionarmut vollständig zu kompensieren.

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Re: Expert, The

Beitrag von Actionfilmfan » 30.05.2020, 13:57

Das Interessante bei The Expert finde ich das Larry Cohen das Drehbuch schrieb und Spiro Razatos war Second Unit Dircetor. War Michael Shaner in Open Fire noch eine Randfigur bei Kilpatrick Leute ist er hier schon präsenter. Jim Varney Cameo hat sicher viele überrascht. Kein Blödel Charakter aller Ernest sondern eine erste Rolle.

Jeff prügelt sich hier sehr wenig wenn er darf dann in seinem gewohnt schnellen Tempo.

Alles ist sauber inszeniert, es gibt gute Action-Szenen. Es ist ein schöner Film von Avery und Lustig. :liquid7: Punkte.

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