Black Christmas (Original + Remake)

Serienkiller- und Slasher-Flicks
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McClane
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Black Christmas (Original + Remake)

Beitrag von McClane » 30.11.2007, 10:14

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... und das meine ich zum in Deutschland auch als "Jessy - Treppe in den Tod" bekannten Original: :wink:
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Originaltitel: Black Christmas
Herstellungsland: Kanada
Erscheinungsjahr: 1974
Regie: Bob Clark
Darsteller: Olivia Hussey, Keir Dullea, Margot Kidder, John Saxon, Marian Waldman, Andrea Martin, …


Prinzipiell ist ein Remake eine feine Sache, an der es keinen Haken gibt. Sicher, das neu Auflegen eines bereits vorhandenen Werks ist kein überschäumend kreativer Akt – doch wie viele Produktionen da draußen können das schon reinen Gewissens von sich behaupten? Innovative Ideen sind kaum mehr auszumachen – und im Verhältnis zu der restlichen Masse an Veröffentlichungen fallen Neuverfilmungen (anteilsmäßig) allenfalls spärlich ins Gewicht. Wie die zweite Hälfte des Wortes „Showbusiness“ klar zum Ausdruck bringt, geht es vornehmlich ums Geld. Selbst der Indie-Bereich lebt nicht bloß von Luft und Liebe der Fans, sondern von deren Dollars (Euros, Pfund etc.). Ein lukratives Hollywood-Remake sichert die Finanzierung kleinerer Projekte in dessen Windschatten, was nicht nur dem Genre zugute kommt, sondern auch neue Talente hervorbringt, die belebende Impulse und Ideen mit sich führen. Horror ist wieder „in“, selbst in den Kinos dieser Welt – nicht zuletzt dank Erfolgen wie „the Ring“, „Dawn of the Dead“ oder „the Hills have Eyes“. Viele kennen die Originale nicht – oder jene interessieren sie kaum, da sie, aufgrund der Kultur oder des Zeitgeists, keinen persönlichen Zugang zu ihnen finden, weshalb man sich über die Angleichung freut und so vielleicht doch noch neugierig auf den eigentlichen Ursprung wird. Und ob man nun, wie im Falle von „TCM“ (2003), die Bezeichnung „Re-Imagining“ wählt oder eine „5“ hinter den Titel setzt, ist fürs Endergebnis letztendlich egal. Aber viele nörgeln ja auch über jede Fortsetzung, Roman-, Comic- und Game-Verfilmung, ohne dass sie erkennen, dass die überwältigende Mehrheit der „normalen Filme“ ebenfalls nicht gerade origineller daherkommt. Remakes ergänzen die Legacy ihrer Vorlage nur – eine Demontage oder Schädigung ist ausgeschlossen. Wenn man das Original mag bzw gar „liebt“, ändert eine schlechte Neuauflage kein Stück daran. Ist letztere unterhaltsam oder liefert gar frische, interessante Ansätze – umso besser! Man kann nur gewinnen – schließlich zwingt einen keiner, sich ein solches Produkt anzusehen!

Lange Rede, kurzer Sinn: Erst die 2006er Version von „Black Christmas“ brachte mich dazu, das 32 Jahre zuvor unter der Regie von Bob Clark entstandene Ur-Werk, welches ebenso unter den Namen „Stranger in the House“, „Silent Night, Evil Night“ sowie (in Deutschland) „Jessy: Treppe in den Tod“ bekannt ist, mal genauer zu betrachten. Danke, aktueller Hollywood-Trend, für diese Inspiration, die Du mir so hast zukommen lassen…

In der besinnlichsten Zeit des Jahres sind die Menschen in der kleinen Universitätsstadt Bedford gerade dabei, sich auf traditionell amerikanische Weise auf das vor der Tür stehende Weihnachtsfest einzustimmen: Man trifft letzte Vorbereitungen, fährt über die Feiertage heim zur Familie, organisiert Wohltätigkeits-Veranstaltungen, um Geld für Bedürftige zu sammeln, oder nutzt den Anlass einfach als Vorwand, aufgrund der eigenen Stimmungslage mal wieder zum Alkohol zu greifen, womit sich die allgemeine Heiterkeit angesichts persönlicher Probleme besser ertragen lässt. Am Abend vorm Fest herrscht im Haus der Studentinnen-Verbindung „Pi Kappa Sig“ eine ausgelassene Party-Laune, weshalb auch keiner mitbekommt, dass draußen auf dem Grundstück eine Gestalt herumlungert, die sich schließlich sogar, nach einer Kletteraktion die Gebäudefassade hinauf, Zugang zum Dachboden verschafft und fortan in jener mit Gerümpel und alten Möbeln vollgestellten Örtlichkeit unentdeckt lauert...

Kurz darauf erhalten die auf dem Campus verbliebenen Sorority-Girls Barb (Margot Kidder), Jess (Olivia Hussey), Phyl (Andrea Martin) und Clare (Lynne Griffith) im Erdgeschoss einen obszönen Anruf, was in der jüngsten Vergangenheit anscheinend häufiger vorgekommen ist, denn nach dem Erkennen („Hey,quiet! It´s him again – the Moaner!“) versammeln sich alle um das Telefon herum und lauschen den merkwürdigen Lauten, die der Unbekannte von sich gibt. Folgend ist die Stimmung aber nur kurzzeitig gedämpft, denn schon bald trifft die lebenslustige Miss MacHenry (Marian Waldman) ein, ihres Zeichens Aufsichtsperson der Verbindung, welche einem guten Schlückchen hier und da keineswegs abgeneigt ist und allein durch ihre Anwesenheit augenblicklich wieder für Heiterkeit sorgt. Nachdem Clare ein erneutes Mal mit der stark angeheiterten Barb aneinander geraten ist, geht sie nach oben aufs Zimmer und packt ihren Koffer zu Ende, da sie am nächsten Morgen von ihrem Vater abgeholt wird. Sie ist das erste Opfer des Killers, welcher ihre Leiche im Anschluss mit auf den Dachboden schleppt und auf einem Schaukelstuhl mit einer Puppe im Arm arrangiert, während unten die Party fröhlich weiter geht…

Der Christmas-Tag beginnt für Jess mit einer schweren Entscheidung: Sie ist schwanger und muss ihrem Freund (Keir Dullea) nun mitteilen, dass sie eine Abtreibung durchführen lassen will, da sie für ein Kind noch nicht bereit ist und ohnehin Zweifel hat, in Peter den richtigen Mann fürs Leben gefunden zu haben. Das Timing ist fern von ideal, denn sie konfrontiert ihn damit just vor einer wichtigen Prüfung (ein Klavier-Vorspielen, um Konzertpianist werden zu können), welche er dementsprechend in den Sand setzt, was zusammen mit einem abgelehnten Heiratsantrag besonders hart an ihm bzw seinem Ego nagt. Zurück im Verbindungshaus, muss sie den nächsten unschönen Anruf über sich ergehen lassen und erfährt zudem von Clare´s Vater (James Edmond), dass seine Tochter nicht zum vereinbarten Treffpunkt gekommen ist und scheinbar seit gestern von keinem mehr gesehen wurde. Man geht davon aus, Clare sei in Folge des Streits abgehauen, wofür sich Barb teilweise die Schuld gibt, während über Jess die persönlichen Probleme gerade zuhauf hereinbrechen und Miss Mac einen zunehmend schweren Stand damit hat, dem Vater angesichts der lockeren Umgangsart der Mädels (Alkohol, Jungs etc) zu versichern, dass es richtig von ihm war, seine Tochter dort wohnen zu lassen – bis die rüstige Dame ebenfalls spurlos verschwindet. Als man schließlich die örtliche Polizei einschaltet, muss sich der zuständige Beamte, Lt.Fuller (John Saxon), fortan an zwei Fronten engagieren: Da aktuell auch noch eine 13-jährige Schülerin vermisst wird, organisiert er einen Suchtrupp, der die ganze Stadt durchkämmt – zugleich wittert er die Verbindung zu den obszönen Telefonaten, weshalb er an der betreffenden Leitung eine Fangschaltung einrichten lässt. Als sich die Ereignisse immer mehr zuspitzen, erfährt er etwas, das ihn einen inzwischen wahrhaft klassischen Satz aussprechen lässt: „Jess: The Calls are coming from…“

Ganz recht, Ihr habt richtig gelesen und (vermutlich) vervollständigt: „…inside the House!“ – und das 5 Jahre bevor sich Carol Kane in „When a Stranger calls“ (1979) mit genau jener schockierenden Aussage konfrontiert sah. Eigentlich ist es erstaunlich, dass „Halloween“ (1978) bis heute allgemein bzw weitestgehend als „Ur-Slasher“ angesehen wird, wo jener offensichtlich diverse Motive von „Black Christmas“ aufgegriffen sowie zum Teil nur minimal variiert hat. Im Endeffekt lassen sich nahezu alle „Regeln“ des Genres bereits hier erkennen, welche in „Scream“ (1996) unlängst anschaulich zusammengefasst wurden. Das gesamte „Stalk´n´Slay“-Muster, in Verbindung mit den vornehmlich weiblichen, sexuell aktiven Opfern, ist vorhanden, lange bevor John Carpenter oder Sean S.Cunningham („Friday the 13th“, 1980) jenes aufgriffen und einer breiten Öffentlichkeit präsentierten. Man könnte selbst so weit gehen und mutmaßen, die Inspiration zu der grotesken Stimme des Killers in Fulci´s „New York Ripper“ (1982) stamme eventuell daher, wie sich die Anrufe in diesem Fall anhören – „Scream 2“ zollte diesem verzerrt wirkenden Gemurmel (am Anfang in der Toilettenkabine) ebenfalls Tribut. In Anbetracht der seit damals entstandenen Werke, mit all den Revivals, Sequels und Variationen, ist es ist schon unglaublich, was sich alles in diesem (verhältnismäßig) wenig bekannten Streifen wiederentdecken lässt. Die Verbindung zu „Halloween“ ist dabei zweifelsohne am stärksten: Neben dem Beuteschema des Mörders decken sich viele verwendete Stilmittel – beide Filme eröffnen beispielsweise mit einer aus der Ego-Perspektive gefilmten Sequenz, die schleichenden Kamerabewegungen sowie einige andere Einstellungen sind sich mehr als nur ähnlich. Und jetzt kommt´s: Clark und Carpenter kannten sich in den Siebzigern, als ersterer mit der Idee einer Fortsetzung schwanger ging, in welcher der (inzwischen inhaftierte) Killer aus einer Nervenheilanstalt ausbrechen und am Feiertag des 31.Oktobers erneut ein Blutbad anrichten sollte! Da Clark aber in Sachen Projektauswahl lieber vom Horror weg wollte, verwarf er diesen Plan, den John allerdings (unabhängig) weiterführte – der Rest ist Geschichte. Geistig lässt sich „Black Christmas“ demnach quasi als Prequel zu „Halloween“ bezeichnen, obwohl Bob später mal äußerte, seine Herangehensweise wäre wohl etwas anders ausgefallen.

Statt die Morde direkt in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken und diese besonders ausgefallen bzw blutig zu gestalten, konzentrierte sich Clark, ähnlich wie Carpenter, hauptsächlich auf seine Figuren sowie den Aufbau einer dichten Atmosphäre. Der fantastische Einstieg, gefilmt aus der Sicht des Killers (PoV-Kameraarbeit), baut augenblicklich ein bedrohliches Gefühl auf, da der Zuschauer sowohl zum Voyeur wird als auch einen Einblick in den Kopf des Mannes erhält, dessen Unheil-bringende Absicht dementsprechend von Minute eins an kristallklar ist. Während des Verlaufs wird immer wieder wirkungsvoll zwischen subjektiven und objektiven Einstellungen gewechselt, wodurch Spannung entsteht und man als Betrachter selbst bei den Taten erneut in die Haut des Täters schlüpft und diese förmlich mitbegeht, statt sie nur aus einer neutralen Position heraus zu goutieren. Die Tötungen finden fast ausschließlich im Off statt, wie schon bei „Psycho“ sieht man an keiner Stelle eine Waffe ins Fleisch eindringen – die Konzentration auf den Anblick einer mit jeder zugefügten Verletzung immer lebloser werdenden Hand, während man unscharf im Hintergrund das stetige Hinunterstoßen eines Objekts auf das Opfer sieht und parallel dazu draußen vor dem Haus ein Kinderchor Weihnachtslieder singt, erzeugt einen gleichwohl gewichtigen Effekt. Was an Gore „fehlt“, wird locker durch die angepasst düstere Stimmung wettgemacht, welche herrlich unheilvoll daherkommt. Die Art, wie sich die Kamera durchs Haus bewegt, lässt jenes auf der einen Seite begrenzt und unübersichtlich wirken (kleine Zimmer, Wandschränke, der mit Gerümpel gefüllte Dachboden etc), andererseits wird die zentral gelegene Treppe immerzu derart ins Bild gerückt, dass sie die Impression einer weitläufigen, schwer zu überwindenden Entfernung hinauf in den ersten Stock erweckt. Gekonnt spielt der Film mit den Erwartungshaltungen und zieht die Spannungsschraube im Vorfeld der Übergriffe jeweils geschickt an: Das Ticken einer Uhr hört sich in völliger Stille umso lauter an, irgendwo im alten Gebäude knistern und knirschen ständig die Holzdielen, Türen quietschen, ein Hund bellt, die Nacht ist dunkel – dann erhascht man einen Blick auf einen Gegenstand, der als Waffe verwendet werden könnte, gefolgt von einem „Erschrecker“ sowie der endgültigen Ausführung, welche absichtlich weitestgehend der eigenen Phantasie überlassen wird. Hier liegen die Stärken von „Black Christmas“ – im Aufzeigen eines subtilen Terrors, genährt von menschlichen Urängsten, wie vor Dingen in den Schatten oder ganz natürlichen Geräuschen alter Häuser, die nichtsdestotrotz unweigerlich Gänsehaut erzeugen.

„Billy“, so der mögliche Name des Killers, bekommt man zu keiner Zeit wirklich vor Augen. Er ist, genauso wie Michael Myers, motiv- und gesichtslos, bestenfalls als dunkle Silhouette zu sehen – seine Hände oder ein furchteinflößend aufgerissenes Auge stellen die einzigen erkennbaren Details dar. Gerade letzterer Anblick bietet einen dieser Momente, wie man ihn sich in jeder guten Horror-Produktion wünscht. Was Billy in der Vergangenheit getan hat oder wo genau seine Geisteskrankheit herrührt, kostet einige Überlegungen, da es keine konkreten Hinweise darauf gibt – mit Ausnahme seiner Taten sowie einiger Satzfetzen aus den Telefonaten, welche allerdings beinahe völlig unverständlich sind. Wie es scheint, haben er und eine gewisse „Agnes“ irgendwas Schreckliches getan, was wohl irgendwie mit einem „Baby“ in Verbindung steht, weshalb er vermutlich hauptsächlich Frauen tötet, eine derartige Obsession gegenüber Jess und ihrer angedachten Abtreibung entwickelt und Clare eine Puppe in den Arm legt. Wenn man den Kontext betrachtet, hat er vor diesem Tag (soweit wir wissen) außerdem eine junge Frau vergewaltigt und ein gerade mal knapp jugendliches Mädchen im Park ermordet. Seine obszönen Anrufe sind wohl die verstörendsten, die ich je zu hören bekommen habe. Sie klingen schlichtweg grotesk, sind teils erstaunlich vulgär, vermengen verschiedene Laute, Stimmen, Tonlagen und Persönlichkeiten in unterschiedlichen Lautstärken sowie Intensitäten miteinander, was unweigerlich an die Botschaften Satans in „the Exorcist“ (1973) erinnert, und wirken sich auf die Sinne aus wie Fingernägel, die über eine Schultafel kratzen. Vor allem ein (frühes) „Gespräch“ mit Barb bleibt in Erinnerung: Als jene ihm Contra bietet, schreit er sie zunächst weiter an, bevor er schlagartig still wird, in einer ganz ruhigen, ernsten Stimme „I´m going to kill you“ sagt und im Anschluss auflegt. Extremely freaky, creepy Shit!

Die Besetzung gefiel mir überraschend gut – nur mit Andrea Martin („Wag the Dog“) hatte ich einige „Probleme“, was jedoch weniger an ihrer Performance, vielmehr an dem gewählten „Barbara Streisand“-Look lag. Olivia Hussey (Zeffirelli´s „Romeo and Juliet“/„Psycho 4“) spielt Jess, die Hauptfigur der Geschichte, welche keinesfalls jungfräulich daherkommt, sondern gerade erfahren hat, dass sie schwanger ist und darüber hinaus gar unbedingt einen Abbruch durchführen lassen möchte. Die Zuschauersympathie befindet dennoch jederzeit auf ihrer Seite. Ihre ruhige, gefasste Art, trotz ihrer „Lage“ gepaart mit einem Hauch Unschuld, ist sehr ansprechend – sie ist eine charakterstarke junge Frau, die mit ihrer feministisch orientierten Haltung ebenso problemlos ins heutige Bild einer Studentin passen würde, da sie keinesfalls dazu bereit ist, an dem Punkt ihres Lebens für ein Kind den angestrebten Werdegang aufgeben zu müssen. Zudem ist Hussey´s argentinischer Akzent einfach entzückend. Margot Kidder („Sisters“/„Superman“) spielt das ständig fluchende, rauchende, angetrunkene, in manchen Situationen etwas bösartige und unsensible Party-Girl Barb. Dass ihr Verhalten bloß ein Abwehr- bzw Schutzmechanismus ist, geht aus verschiedenen kleinen Details hervor, wie etwa einer anfänglichen Unterredung mit ihrer Mutter. Kidder trifft den Ton, da sie diese Unsicherheiten in speziellen Momenten subtil zum Vorschein bringt. Irgendwie mag man sie, denn sie lässt sich von dem Anrufer nicht einschüchtern, nutzt die Unwissenheit eines Polizisten aus, um sich mit jenem einen Scherz zu erlauben, und bringt unabhängig davon eine menschliche Note in ihr Verhalten ein, so dass der Part nie eindimensional wirkt. Lynne Griffin („a Touch of Hope“) ist schlichtweg perfekt als das erste, unverkennbar unberührte Opfer – sie ist schön, zerbrechlich, Daddy´s little Darling. Keir Dullea, der Dave Bowman aus „2001: a Space Odyssey“, spielt den neurotischen Peter, dem an einem Tag sowohl der Wunsch nach einer Familie als auch die Karriere als Pianist entgleitet, weshalb er eine zunehmende Wut entwickelt, die ihn denkbar gefährlich werden lässt. Es gelingt ihm schnell, dass der Betrachter ihn (gewollt) nicht ausstehen kann. John Saxon („a Nightmare on Elm Street“/„Beverly Hills Cop 3“) ist als engagierter Lieutenant zu sehen – mit der Wahl, ihn als Cop zu casten, kann man ohnehin nie etwas falsch machen. Marian Waldman („Deranged“) ist köstlich als Miss Mac, die überall im Haus Schnaps versteckt hat (sogar im Spülkasten der Toilette!) und gute Laune unter den Mädchen verbreitet. Negative Ausfälle habe ich keine zu vermelden, wer genau den Killer gespielt hat, geht aus den Credits leider nicht hervor.

In den letzten Jahren sind die Angreifer immer stärker in den Mittelpunkt gerückt – sie sind die Aushängeschilder geworden, nicht unbedingt die (potentiellen) Opfer. Hier hat man sich noch auf letztere konzentriert, weshalb ihre Charaktere einen reichhaltigen und dadurch überzeugenden Eindruck vermitteln. Die jungen Leute rebellieren gegen gesellschaftliche Restriktionen und gestalten ihr Leben auf dem Campus nach eigenen Vorstellungen. Die Umgangsformen sind locker, selbst wenn kein Sex gezeigt wird – eine der wenigen „Genre-Regeln“, die unbeachtet bleiben, selbst wenn der freizügige Zeitgeist in vielen Augenblicken durchschimmert. Das Vorgehensmuster basiert auf keiner bestimmten Moralvorstellung – die Unschuldigste stirbt zuerst, die Schwangere steht im Mittelpunkt, obwohl sie abtreiben will und auch am Ende ihre Meinung mitnichten geändert hat. Das 70er-Jahre-Gefühl ist unverkennbar, weit über die grauenhaften Tapeten und Frisuren hinaus. Gemischt wird alles mit einem dunklen Humor, der ironische Auflockerungen bietet und zugleich offenbart, dass Clark einen deutlichen Sinn dafür besitzt – seinen größten Erfolg feierte er später mit „Porky´s“ (1982). Die Mischung stimmt: Ein unerwarteter Schneeball ins Gesicht, das Abfüllen eines Kindes auf einer öden Wohltätigkeitsveranstaltung mit Sekt, der als Weihnachtsmann verkleidete Student, welcher ständig seine Laune mit Flüchen kundtut, ein Cop am Empfang, der Barb´s schmutzigen Gag nicht durchschaut, während seine Kollegen sich über ihn lustig machen (etc) – diese kleinen Ergänzungen werten den Unterhaltungsgrad sowie die Figuren ein zusätzliches Stück weit auf. Dass Polizisten in Werken wie diesen meist nicht gerade die Schlausten sind, ist ja förmlich zu einer bis heute anhaltenden „Tradition“ geworden, doch gegen Ende gestaltet sich das hier einfach als zu extrem, was mich nahtlos zu den Schwächen bringt, die zweifelsohne ebenfalls vorhanden sind: Das Ende wurde weit offen gehalten und schreit geradezu nach einer Fortsetzung – mit nur wenig Fantasie ist es jedoch möglich, „Halloween“ als eine solche anzusehen. Trotzdem bleibt, für sich allein betrachtet, einfach zuviel im Dunkeln – zum Beispiel was es mit Billy´s Motiven auf sich hat, nach welchem Muster er vorgeht (vor allem angesichts der zwei anderen erwähnten Verbrechen) und so weiter und so fort. Das Finale wird vom inkompetenten Verhalten der Gesetzeshüter überschattet, die nicht einmal das ganze Haus durchsuchen bzw sichern und folgend gar einen weitaus schwerwiegenderen Fehler begehen. So cool die Schlusseinstellung auch sein mag – sie erhält dadurch einen negativen, unbefriedigenden Beigeschmack. Ohne nun weiter ins Detail zu gehen, bleibt noch Peter´s zu offenkundig in Szene gesetzter Gewaltausbruch nach seiner gescheiterten Prüfung zu nennen, der zwar sein Aggressionspotential offenbart, die dadurch erhoffte falsche Fährte allerdings zu offensiv in den Vordergrund rückt. Die hohe Lautstärke des Telefons, als sich alle darum versammeln und dem Gestöhne lauschen, hat mich schmunzeln lassen, und zudem bin ich mir sicher, dass jemand Clare´s vors Dachbodenfenster gesetzte Leiche hätte sehen müssen…

„If this Picture doesn't make your Skin crawl – it's on too tight!“ lautete damals die Tagline. Leider kommt, dem ungeachtet, letzten Endes keine wirkliche Hochspannung auf. Das Tempo ist ruhig, Gore geradezu non-existent. Hätten diese Punkte gestimmt, würde der Film inzwischen mit Sicherheit im gerechten, verbreiteten Ruf eines Klassikers stehen. Zumindest geizt das Remake nicht mit dem Vergießen des roten Lebenssafts, und wenn man das Original so betrachtet, kann man problemlos verstehen, warum eine Neuinterpretation eine gute Wahl bildet – schließlich lassen sich beinahe alle Elemente problemlos in die Gegenwart übertragen und den aktuellen Sehgewohnheiten ohne größere Mühe angleichen. Trotz einiger kleiner Schönheitsfehler bleibt unterm Strich ein hochgradig atmosphärischer, gut gespielter sowie aufs Wesentliche konzentrierter Slasher-Thriller, der fraglos mehr Aufmerksamkeit verdient und diese hoffentlich dank der 2006er Version von Glen Morgan auch erhalten wird…

:liquid8:


In Deutschland kann man getrost zur "Collector's Series Special Edition"-DVD aus dem Hause "Capelight" greifen,
welche uncut mit einer "FSK 16"-Freigabe daherkommt...

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Black Christmas (Remake)

Beitrag von McClane » 30.11.2007, 10:16

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Originaltitel: Black Christmas
Herstellungsland: Kanada/USA
Erscheinungsjahr: 2006
Regie: Glen Morgan
Darsteller: Katie Cassidy, Michelle Trachtenberg, Crystal Lowe, Mary Elizabeth Winstead, Kristen Cloke, Oliver Hudson, Lacey Chabert, Andrea Martin, Jessica Harmon, Leela Savasta, Clark Gregg u.a.

Bob Clarks „Black Christmas“ war eine Art Vorläufer von „Halloween“, ohne jedoch dessen Bekanntheitsgrad zu erreichen. Für ein Remake reichte es dann dennoch.
Wie im Original dient ein Studentinnenwohnheim als Spielwiese für Mord und Totschlag, wobei man dem Gebäude hier direkt noch eine Vorgeschichte aufs Auge drückt: Vor Jahren ermordete der Psychopath Billy Lenz (Robert Mann) seine Familie am Weihnachtsabend, der gleichzeitig sein Geburtstag ist. Mittlerweile sitzt er in einer Anstalt, wie Kollege Michael Myers und was die Gesellen an den Jahrestagen ihrer Bluttaten anstellen, ist dem Horrorfan wohlbekannt.
Jedoch werden im Wohnheim bereits die ersten Mädels über den Jordan geschickt, bevor Billy dann mit Tricks ausbricht, die er von Michael Myers oder dem Stepfather gelernt haben könnte. Statt eines Killers also zwei, da stellt sich nur die Frage, ob die beiden in Konsonanz wie in „Scream“ meucheln oder ein Futterneid Marke „Freddy vs. Jason“ ausbricht.

Derweil feiert die Mädelsclique (u.a. Michelle Trachtenberg, Mary Elizabeth Winstead und Lacey Chabert) im Wohnheim den Weihnachtsabend. Doch irgendwann fällt ihnen auf, dass Leute aus dem Wohnheim verschwunden sind...
Das Begrüßenswerte zuerst: „Black Christmas“ versucht sich tatsächlich als Neuinterpretation des alten Stoffes und wagt keine plumpe Nacherzählung des bereits Bekannten. Ganz nett z.B. die Variation der bedrohlichen Anrufe, welche das Remake an die Zeiten von Handys und Caller-ID anpasst. Andere Zitate des Originals sind etwas missglückt (z.B. der Mord mit dem Einhorn aus Kristall), während man bei den Mördern weitaus konventionellere Wege beschreibt; die Unsicherheit, die das Original prägte, ist hier klaren Identitäten und Motiven gewichen.

Probleme hat „Black Christmas“ vor allem bei seiner Erzählweise: In rund 87 Minuten (recht langer Abspann inklusive) gibt es neben dem mörderischen Weihnachtsabend noch eine ausführliche Schilderung der Vorgeschichte sowie einen langen Nachklapp nach Slasherstandard zu sehen. So kommt leider jeder der Teile etwas kurz, gerade der zentrale Part um das Wohnheimgemetzel wird zu einer Anhäufung von Mordszenen, die vor allem durch den Drehbuchkniff zusammengehalten wird, dass das Wohnheim aufgrund eines Schneesturms nicht zu verlassen ist. Der Ernst der Lage ist jedoch recht schnell erkannt.
So ist „Black Christmas“ dann nur passagenweise wirklich spannend, vor allem bei den handelsüblichen, aber doch zackig inszenierten Jagden durch Flure und Gebälk des Hauses. Leider sind derlei Parts etwas dünn gesät, häufig regiert nur das Gemetzel. Das ist dann auch von deftiger Härte, im Stile des kurz zuvor entstandenen „See No Evil“ werden Augen herausgerupft, das Blut spritzt reichlich und auch sonst sind die Killer alles andere als zimperlich. Leider fehlt bei allem Gore der Wille zur Innovation, an vielen Stellen wirkt „Black Christmas“ wie ein bloßes Zitat anderer Slasherfilme. So hat jeder auch nur halbwegs aufmerksame Zuschauer die Identität des zweiten Mörders spätestens nach dem letzten Flashback erkannt, was die Motive der beiden Killer angeht, da bombardiert „Black Christmas“ den Zuschauer mit ödipalen und Freudschen Motiven der Holzhammerkategorie.

Immerhin besitzt „Black Christmas“ noch ein gewisses Maß an schwarzem Humor, was den Film aufwertet. Weihnachtsplätzchen aus Menschenhaut oder eine etwas andere Füllung für den Sack von Santa Clause sorgen für makabere Gags, die auch meist zünden, der eine oder andere Rohrkrepierer ist bei den Witzen leider auch dabei. Leider wird „Black Christmas“ mit zunehmendem Verlauf ironiefreier, gerade der Nachklappshowdown im Krankenhaus ist simple Slasherroutine.
Darstellerisch bietet „Black Christmas“ solides Mittelmaß. Gerade Mary Elizabeth Winstead und Lacey Chabert sind zwar OK, können aber deutlich besseres leisten. Man bleibt zwar von den talentfreien Zonen, die manchen 80er Jahre Slasher ausmachten, zwar verschont, aber auch in dem Bereich gab es schon wesentlich bessere Leistungen. Katie Cassidy wird zwar von Anfang an als Final Girl gekennzeichnet, kann schauspielerisch leider nicht herausragen. Robert Mann als Psychopath hat durchaus Charisma, auch wenn man von ihm meist nur die Augen oder ein Gesicht im Schatten sieht.

Eine Neuinterpretation statt reinen Neuverfilmens, ein stimmungsvolles Weihnachtsszenario und schwarzer Humor: An sich ist die Prämisse von „Black Christmas“ ziemlich gut. Leider macht das Remake daraus wenig, ein besserer Standardslasher mit erzählerischen Mankos, das macht dann leider nur solides Mittelmaß, trotz guter Ansätze.

:liquid5:

Die deutsche Verleih-DVD entspricht wohl der US Unrated und schmaddert ganz schön, denn der Film ist doch sehr auf die Gorefans ausgelegt. Interessanter Fakt: Die deutsche Kinofassung war wohl anders, entsprach weder R- noch Unrated. Soll mehr Blut als die R-Rated besitzen und zum anderen den Showdown ändern (statt Billy ist Killer Nr. 2 der Hauptkontrahent).

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freeman wird auch mal besinnlich:

An Heiligabend findet sich die ausschließlich weibliche Einwohnerschaft eines Studentenverbindungshauses vor dem Weihnachtsbaum ein, um das alljährliche Wichteln hinter sich zu bringen. Seltsamerweise kann man im Vorfeld die Mitstudentin Clair nicht auffinden. Man denkt sich allerdings nicht viel dabei. Ist ja erwachsen, die Clair. Also beginnt man mit dem Geschenke aufmachen. Kaum ist das erste Geschenk geöffnet, klingelt das Telefon. Eine seltsame Stimme stammelt etwas und jagt damit den Mädchen einen Heidenschreck ein. Da verschwinden weitere Mädchen, der Strom fällt aus und die Anrufe häufen sich. Partizipiert etwa der geisteskranke Killer Billy an der Weihnachtsfeier? Billy hatte nämlich einst in genau diesem Haus seinen Stiefvater und seine Mutter getötet ... im Falle der Mutter verspeiste er sogar einen Teil ihrer Überreste ... gar formidabel als Plätzchen zubereitet! Doch eigentlich müsste Billy sicher verwahrt hinter den Mauern einer Klappse vor sich hin darben. MÜSSTE ...

Es fällt schwer angesichts der Story von Black Christmas in großartige Schwärmereien zu geraten. Hatte Regisseur Glen Morgan mit seinem langjährigen Partner James Wong vor Jahren mit Final Destination dem Teenslashergenre noch neue Impulse geben können, sucht man bei seinem Remake des 74er Streifens Black Christmas vergeblich jedwede Anflüge von Innovationen fürs Genre. Man versammelt die Opferschar und jagt ihnen einen (oder mehrere???) Killer auf den Hals. Mehr ist da nicht. Das ist zwar insgesamt ziemlich schade, aber seien wir ehrlich: Mehr Handlung hatte bisher eigentlich kaum ein Teenslasher. Leider macht Morgan in seinem Drehbuch einen viel schwerwiegenderen Fehler: Er lanciert Figuren vom Reißbrett, die keinerlei Form von Involvement beim Zuschauer bewirken. Ganz im Gegenteil. In ihrer oberflächlichen Zeichnungsart beginnen einige Figuren sogar recht schnell zu nerven und man wünscht sich förmlich, dass sie bald über die Klinge springen mögen. Und damit ist Morgan wieder beim Funktionsprinzip seiner Final Destination Reihe: Absolut belanglose und uninteressante Figuren stolpern durch ein Todesszenario und die einzigen Überraschungen resultieren aus der Art ihres Todes. Und diese Todesarten bilden dann die einzigen Höhepunkte des Filmes.

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Hier macht Morgan dann auch keine Gefangenen und es gilt die Devise: Was spitz ist, muss doch in den menschlichen Körper zu rammen sein. Entsprechungen dieser These findet man in Form von Eiszapfen, Grillbesteck, Kristalleinhornen oder Füllern und sogar spitz gelutschte Zuckerstangen finden ihren Weg in die Blutbahnen des menschlichen Opferinterieurs. Im Gegensatz zu Morgans Final Destination werden diese Todesszenen aber nicht großartig ausgespielt, sondern prasseln ziemlich plötzlich und vor allem hastig abgewickelt auf den Zuschauer ein. Einzig dem "Finishing Move" des Augenherausreißens (eine witzige Marotte des Killers) räumt man immer wieder einmal ein wenig mehr Screentime ein. Die Brutalität schlägt denn auch meist nur in diesen Momenten wirklich Kapriolen, da diese "Augen raus Einlagen" alles andere als schön anzusehen sind. Ansonsten gibt es in Black Christmas gar nicht allzu viel an Splatter zu bestaunen. Und wenn doch, bleibt der Splatter meist in eher grotesken Gefilden.

Diese Einlagen bilden dann, wie bereits erwähnt, die Höhepunkte des Filmes, der vor allem in der ersten Hälfte massive Tempoprobleme zu verzeichnen hat. Das liegt natürlich an den uninteressanten Figuren und den kreuzdebilen Dialogen, die sie abfeiern dürfen. Ein männlicher Charakter beschreibt sie alle irgendwann als verwöhnte Schlampen und obwohl der Film sechs Hauptcharaktere etabliert, kann man wirklich ALLE unter dieser kurzen und präzisen Einschätzung des Mannes zusammenfassen. Zwar sollen einige Charaktere durchaus etwas anders angelegt sein, doch hier besorgt dann das eingeschränkte mimische Repertoire der Darstellerinnen den Rest. Sie sehen zwar alle uneingeschränkt wie absolute Brettbitches aus, versagen beim Entwerfen der Charaktere allerdings auf ganzer Linie. Das liegt natürlich auch an dem Drehbuch, das in dieser Hinsicht einfach den Vogel abschießt. Beginnen wir mit Heldin Keli: Keli ist blond und hat einen neuen Freund, der vorher mit ihrer besten Freundin gesexelt hat. Mehr muss Katie Cassidy als Keli nicht transportieren. Den ganzen Film lang! Melissa trägt gern rote BHs unter weit ausgeschnittenen, zumeist schwarzen Klamotten. Das kann Michelle Trachtenberg ganz gut "spielen". Heather mag keiner so richtig. Diese Eigenschaft überträgt sich durch Mary Elizabeth Winsteads uninspiriertes Spiel mühelos auf den Zuschauer. Dana raucht gern und weiß, wie Sicherungen funktionieren. Da sich Dana mit Gartenarbeit nicht auskennt, ist Lacey Chabert leider viel zu kurz im Film zu sehen. Sie ist unbestritten das optische Highlight an Black Christmas. Lauren säuft gern Tequila und Rotwein durcheinander. Eine Rolle wie geschaffen für Crystal Lowe, die sich auch inbrünstig die Seele aus dem Leib kotzt, nackt duscht und dann den Rest des Filmes pennt. Clair schreibt gerne Weihnachtskarten. Leela Savasta offenbar auch, denn sie macht dabei eine gute Figur. Diese Karten gingen fast immer an Leigh. Leigh ist die Schwester von Clair und kann ganz laut schreien. Hier wird dann Kristen Cloke gnadenlos unterfordert. Ich denke, es wird klar, worauf ich hinauswill: Optik hui, Rest pfui.

Hat man diese Charaktermomente (mir fiel kein besserer Begriff ein ;-) ) überstanden, wird es hektisch. Teilweise sogar zu hektisch, denn der Killer schlägt jetzt mit einem Tempo zu, dass man sogar Probleme bekommt, beim Bodycount mitzählen. Lustigerweise tauchen alle paar Minuten auch immer wieder einmal neue Charaktere auf, die mal eben kurz zum Sterben hereingeschneit kommen. Hier ist Morgan dann in seinem Element und der Film wird eigentlich immer spaßiger und vor allem unterhaltsamer, da eben das nervige Figureninterieur recht beherzt und auch ziemlich gnadenlos über die Klinge springen darf. Morgan hatte nämlich offensichtlich keine Lust, seine Charaktere zurückschlagen zu lassen. Taucht hier der Killer hinter den Charakteren auf, sind sie zwei Sekunden später auch wirklich tot. Kein Wegrennen, kein Geprügel, kein Gelaber ... maximal Geschrei, meist nicht einmal das. Auge raus und Sense!

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Das setzt Morgan alles optisch ungemein versiert um. Filmt er seine Charaktere aus der Froschperspektive, während sie in Richtung "böser" Dachboden aufbrechen, kommt sogar kurzzeitig das auf, was in dem Film ansonsten KEINE Rolle spielt: Spannung. Auch sonst filmt Morgan zumeist aus niedrigen Standpunkten seiner Kamera und verleiht seinem Film dadurch einen recht interessanten Look, den er obendrein in harte Schatten taucht und dem er vor allem in der zweiten Hälfte kaum Licht gönnt. Richtig auf dem Höhepunkt seines Schaffens ist Morgan immer dann, wenn er in die Vergangenheit des Killers blendet und damit seinem Film herrlich schräge Einlagen und eine recht groteske Grundstimmung beschert. Diese kann oder will er leider im Rest des Filmes nicht aufrechterhalten, wodurch Black Christmas allgemein viel zu sehr nach den allgemein üblichen Slasherschemata funktioniert. Zudem macht Morgan im abschließenden Metzelpart auch noch den blöden Fehler, den Showdown zweizuteilen und die zweite Hälfte aus dem stimmig düsteren Haus in ein hell erleuchtetes Krankenhaus zu verlegen. Das lässt erstens die Spannungskurve noch einmal deutlich absacken und schickt zweitens die komplette - bis dahin aufgebaute - Atmosphäre über den Jordan. Schade. Shirley Walker liefert dazu einen Horrorscore, der sich gewaschen hat. Er bleibt zwar zu keiner Zeit in den Gehörgängen haften, ist allerdings während des Filmes sehr effektiv. Auch die immer wieder eingestreuten Weihnachtsoldies lassen ordentlich Flair aufkommen.

So ist Black Christmas ein technisch absolut tadelloser Weihnachtsfilm der etwas weniger besinnlichen Art geworden. Schaltet Glen Morgan in den Metzelgang funktioniert sein Streifen. Abseits dieser Einlagen schert sich der Film einen Dreck um die Story und seine Figuren. Den Zuschauer beschleicht aufgrunddessen mehr und mehr eine ähnliche Einstellung bezüglich des gesamten Filmes.
:liquid5:

In diesem Sinne:
freeman
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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 30.11.2007, 11:07

THX for the Review.... der Film wartet schon eine Weile auf mich :p

Kann jemand die von McClane genannten Fakten bestätigen?
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
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Beitrag von StS » 30.11.2007, 14:12

Um das Original kümmere ich mich! Review existiert ja schon... :wink:

Zum Remake:

Black X-Mas (unrated)

:liquid7:

Harter, gradliniger Slasher, der zudem nicht nur ein reines Remake (im einfallslosen Sinne) ist, da er inhaltlich wie inszenatorisch veränderte Wege geht. Nicht spannend, aber unterhaltsam.

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Beitrag von StS » 03.12.2007, 19:36

So, meine Besprechung des Originals hab ich oben eingefügt... :wink:

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Beitrag von freeman » 11.12.2007, 00:57

Hab mein Review zur Kinofassung von Black Christmas (Remake) mal eingefügt ...

Die Unterschiede zwischen der Unrated Fassung und der (ich denke mal) internationalen Kinofassung sind marginal. Die Änderungen, die mir aufgefallen sind:

- Melissas (Trachtenberg) Abgang ist in der internationalen Fassung deutlich garstiger ausgefallen. Auf der deutschen DVD im Übrigen in den Deleted Scenes zu sehen! Hier wird dann auch deutlich, warum ich in meinem Review zur Kinofassung das Augenrausreißen so hervorhebe, einfach weil es in der Kinofassung viel präsenter war und häufiger vorkam als jetzt in der Unrated.

- Laurens Ableben - bestand nur aus Andeutungen - war in der Kinofassung auch drin. Auch hierzu gibt es eine Deleted Scene

- Und das Ende war komplett anders. Hier empfehle ich die Sichtung von alternativem Ende Nummer II ... genau das war seinerzeit im Kino zu sehen.

Ansonsten ist mir nichts weiter aufgefallen ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von McClane » 11.12.2007, 09:40

Schade, auf der Verleih-DVD waren nur doofe Trailer drauf, die deleted scenes hätte ich ja gerne mal gesehen... naja, bestimmt legt sich bald irgendein Horrorfan im Bekanntenkreis die Kauf-DVD zu, dann komm ich auch in den Genuß.
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Beitrag von freeman » 12.12.2007, 00:06

Oha, das wußte ich net ... Da sich die Extras ebenfalls auf der Filmdisc befinden, hatte ich angenommen, die seien auch auf der VerleihDVD drauf ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von StS » 25.12.2007, 22:52

Hier noch einige genauere Infos zu den verschiedenen Fassungen:
Lieber Filmfan,

vielen Dank für Ihre Anfrage und Ihr Interesse an unserem Programm.Sie haben Recht: inzwischen ist es gar nicht mehr so einfach, bei den vielen unterschiedlichen Fassungen des Horrorfilms „Black Christmas“ den Überblick zu behalten! Die DVD, die am 5. Dezember bei Concorde Home Entertainment erscheinen wird, ist die internationale Lizenzgeberfassung. Diese ist länger und härter als die deutsche Kinofassung, sie wurde von der FSK ebenfalls mit einer k.J. bewertet. Für diese Fassung wurde der Film noch einmal umgeschnitten, es befinden sich darin einige Sequenzen, die in Deutschland im Kino nicht zu sehen waren, andere Szenen fehlen. Die internationale Lizenzgeberfassung ist nicht identisch mit der US-Kinofassung und entspricht weitgehend (aber nicht zu 100%, da eine Szene fehlt) der US-DVD-Fassung von Dimension.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team von Concorde Home Entertainment
...und...
Es gibt momentan vollgende Versionen:

US-Kinofassung (R-Rated)

Dies ist die kürzeste Version des Film welche in einigen
Gewaltszenen geschnitten werden musste. Bei dieseR
Fassung gibt es das blutige "Weihnachtsbaumende".

US-DVD-Fassung (Unrated)

Hierbei handelt es sich um die weltweit längste Fassung
welche alle Gewaltszenen ungeschnitten beinhaltet +
das blutige "Weihnachtsbaumende".


Internationale Kinofassung: (Keine Jugendfreigabe)

Diese Fassung beinhaltet mehr Gore als die US-Kinofassung
(R-Rated) allerdings weniger als die Unrated-Fassung.
Desweiteren hat diese Fassung das unspektakuläre O.P-Ende

Internationale DVD-Fassung: (Keine Jugendfreigabe)

Diese Fassung ist ein mix aus der Internationalen Kinofassung
und der Unrated-Fassung, es ist davon auszugehen das diese
Fassung alle blutigen Szenen der Unrated-Fassung enthält, allerdings
das unspektakuläre O.P-Ende. Concorde wird die Fassung im
deutschprachigem Raum auf DVD bannen.

SPOILER !!!

O.P-Ende:

Billy (Der Killer) stirbt im Krankenhaus an den folgen seiner
schwerden Brandverletzungen.

Weihnachtsbaumende:

Billy hat überlebt und kehrt zurück um Kelly zu töten, nach einem kurzen
Kampf wirft diese ihn vom Treppengeländer wo er am Boden von einm
Weihnachtsbaum blutig aufgespießt wird.
...aus´m Cinefacts-Forum.

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Beitrag von freeman » 25.12.2007, 23:36

Internationale DVD-Fassung: (Keine Jugendfreigabe)

Diese Fassung ist ein mix aus der Internationalen Kinofassung
und der Unrated-Fassung, es ist davon auszugehen das diese
Fassung alle blutigen Szenen der Unrated-Fassung enthält, allerdings
das unspektakuläre O.P-Ende.
Concorde wird die Fassung im
deutschprachigem Raum auf DVD bannen.
*lach* ... und schon gibbet immer mehr Verwirrung ;-)

In der Internationalen DVD Fassung ist das Tannenbaumende als Ende drin ... net das unspektakuläre (imo aber logischere) OP Ende ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von StS » 26.12.2007, 09:03

Herrje... :lol:

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 06.01.2008, 22:33

Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
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Beitrag von Vince » 20.11.2008, 22:13

Ohne das Original zu kennen: das Remake empfand ich als eher langweilig. Mal abgesehen von der leicht verschroben wirkenden Weihnachtsoptik (sich abwechselndes rotes und grünes Leuchten, das an Warnsignalfarben erinnert) ist nichts von alldem eine Eigenleistung des Films. Alles wirkt uninspiriert aufs Unvermeidliche zugesteuert, nie kann mal was überraschen. Die paar zerquetschten Augen machen die Gans auch nicht fett. Hmm, aber was wunder ich mich, weder Remakes noch Slashern bin ich normalerweise allzu wohlgesonnen...
:liquid4:

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Beitrag von Cinefreak » 23.12.2013, 19:10

gestern aufgenommen...herrje, da blieb gerade mal ne ungefähre Nettozeit von ca. 79 min. über..kann man den trotzdem schauen?

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Beitrag von Cinefreak » 28.12.2013, 07:17

fand ihn ganz ok.
Die Perversionen - Inzest-Vergewaltigungsgeschichte - fand ich ziemlich heftig, ansonsten wars ein ganz okayer Slasher, den ich aber schon mal irgendwann gesehen hatte. Fand das Finale ganz nett, wo die Frau ihm paroli bietet...

:liquid5: bis :liquid5:,5

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