Dragon Lord

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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Dragon Lord

Beitrag von Vince » 10.12.2005, 19:27

Dragon Lord

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Originaltitel: Long xiao ye
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 1982
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, Michael Chan Wai Man, Hong-Yip, Cheng, Paul Chang Chung, Tai Bo, Fung Feng, Tien Fun, Fung Hak On, Kam-Kwong Ho, Kwan Yung Moon u.a.

Jackie Chans dritte Regiearbeit wurde 1983 mit dem Hong Kong Filmaward für die beste Actionchoreografie ausgezeichnet. Das mag auch mit einem wunderlichen Rekord zusammenhängen, der den Perfektionismus Chans unter Beweis stellt: Eine gerade mal 2 Sekunden lange Szene beanspruchte volle 1600 Takes, womit Chan den eigenen Rekord aus der Fächerszene des “Dragon Lord”-Prequels “Meister aller Klassen” schlug. Nur ist diese Choreografie - und selbst sie ist eher Geschmackssache - der einzige wirklich überragende Aspekt, mit dem sich “Dragon Lord” rühmen kann. Als Geschichtenerzähler bleibt Jackie Chan zumindest hier noch ein Schüler, der grün hinter den Ohren ist.

Das über weite Strecken als Buddy-Movie (Jackie Chan als “Dragon”, Mars als “Cowboy”) aufgezogene Werk beginnt wahrlich spektakulär mit einer Szene, der sich scheinbar auch Panom Yeerums Durchbruch “Ong-Bak” bedient hat; Vier Mannschaften mit Dutzenden von Mitspielern, darunter auch Chan, versuchen, eine Pyramide zu erklimmen, um ein auf der Spitze liegendes goldenes Ei zu erhaschen und es in einen Sack mit den Teamfarben zu stecken. Dem Massenauflauf hält das Gerüst aus Bambusstöcken und Leinentüchern nicht stand; die Pyramide bricht einschließlich der vielen Mitspielern zusammen. Es folgt ein aggressiver Kampf auf dem staubigen Boden, der einem Footballspiel gleicht, bis es dem Team von Dragon schlussendlich gelingt, das Ei einzusacken.

Schon diese ersten Minuten zeigen, was man actiontechnisch im Folgenden zu erwarten hat. Stunts stehen den Martial Arts voran, trockene Härte und Realismus sind die höchsten Prioritäten und verleihen einen Kontrast zu der poetischen Leichtigkeit und Schönheit einer Choreografie, wie sie jüngst seit “Tiger & Dragon” wieder angestrebt wurde. Die spektakulärsten Szenen des Films sind folgerichtig nur zu einem Drittel Martial Arts in Kampfchoreografien zwischen zwei oder mehr Personen; das Gros der Action liegt auf zwei verwinkelten Massenszenen, einmal der angesprochenen Einleitungssequenz und zu anderem vielleicht dem choreografischen Höhepunkt des Films. Die Rede ist von einem so genannten Footbag- oder Hacky-Sack-Spiel, bei dem ein kleines Säckchen ohne Hilfe der Hände und Arme hochgehalten und versucht werden muss, es in das gegnerische Tor zu bugsieren. Dramaturgisch eher plump und auf dem Niveau der japanischen Kindertrickserie “Kickers”, versteckt Chan in dem scheinbar undurchdringlichen Gewühl der Teams immer wieder kleine, feine und höchst raffinierte Tricks, die mit einer solchen Leichtigkeit dargestellt werden, dass man am liebsten gleich selbst mitspielen möchte - da die 1600-Takes-Szene jedoch diesem Footbag-Spiel entstammt, darf man davon ausgehen, dass hinter diesem herrlich anzusehenden Spiel eine Menge Arbeit steckte.

Über weite Strecken jedoch bleibt “Dragon Lord” sehr bodenständig und verzichtet auf akrobatische Künste der Schauspieler, um sie im komödiantischen Rahmen schauspielern zu lassen. Es gibt zwei Rahmenhandlungen, die sich gegen Ende verstricken sollen. Da wären zunächst die Abenteuer von Dragon und Cowboy, zweien Jungspunden, die scheinbar nichts besseres zu tun haben, als den ganzen Tag durchs Dorf zu traben und sich um eine Frau zu streiten. Eingeflochten wird genretypisch ein Vater-Sohn-Konflikt, der darauf basiert, dass unser Dragon ein unartiger Junge ist, der keine Lust hat, die von seinem Vater gepredigten Geschichten zu lernen - typischerweise scheinen hier wieder Generationenkonflikte durch in Bezug darauf, dass die Jugend nicht mehr dazu bereit ist, sich mit der Tradition der eigenen Kultur auseinanderzusetzen; was die Filmhandlung betrifft, hat dieser Handlungsstrang, in dem sich übrigens auch die meisten nicht deutsch synchronisierten Stellen befinden, jedoch keine weitere Bedeutung, weshalb man kritisch über seinen Sinn nachdenken muss.
Chan wirkt in seinem Auftritten noch unausgelernt und dehnbar, während er von teilweise souveräneren und teilweise dilettantischeren Akteuren umrundet wird. Sein Buddy-Partner, gespielt von Mars, beherrscht zumindest das klassische Overacting, bei dessen Darstellung ihm auch sein eckiges Gesicht eine Hilfe ist; eine Meute von keifenden Weibern komplettiert die Garde und ist darauf bedacht, die frechen Strolche, die um sie werben, mit Eiern und Tomaten zu bewerfen.

Offenbar hat sich Chan die Geschichte so gedacht, dass der eigentlich wichtige Plot um den Diebstahl von Dynastieschätzen wie ein Donnerschlag in dieses Allerwelts-Dorftreiben einschlägt und es abrupt unterbricht - doch das Vorhaben will nicht gelingen. Zu isoliert bleiben die Handlungsstränge voneinander, zu sehr erzählt Chan die duale Story nebeneinander. Beinahe zufällig werden Dragon und Cowboy in die Diebstahlsache einbezogen, so dass von interdisziplinärer Verstrickung nicht wirklich die Rede sein kann.

Das wiederum stuntlastige Finale beendet alle Versuche, eine stimmige Geschichte zu erzählen, versöhnlich. Eine Scheune dient als Austragungsort des Duells, in dessen Verlauf bildlich gesprochen mächtig viele Knochen zu Bruch gehen. Anstatt jedoch ein Konzentrat von ausbalancierten choreografischen Schritten zu erstellen, werden immer wieder auch Sequenzen eingesetzt, die weniger auf das Spiel zwischen Angriff und Konter bedacht sind, sondern vielmehr auf zunächst plump wirkende Stunts. Dies ist auch mit Geschmackssache gemeint, denn die Akteure fallen teilweise sehr tief ohne Schutzvorrichtungen, sie klammern sich wie Wrestler aneinander und zerbrechen mit ihrer Körpermasse Holzbalken - nicht unbedingt das, was die Bezeichnung “Martial Arts” suggeriert. Tatsächlich ist das Finale in seiner Darstellung jedoch aller Ehren wert, und es ist erfrischend, in einem Eastern mal ein leicht abweichendes Konzept zu finden.

Für das Prädikat “gut” fehlt jedoch ganz einfach eine fesselnde Geschichte oder zumindest ein adäquater Ersatz für eine solche. Ein Großteil der abgedrehten Szenen ist für den Handlungsverlauf einfach nicht zwingend notwendig - ein Punkt, der in den Actionszenen - von denen es drei Kernpunkte und einige kleinere Sequenzen gibt - nicht von Bedeutung sein mag; wenn man sich aber auf reine Comedy verlässt, schon. Und davon gibt es zu viel, um sie schlichtweg “im Freien” agieren zu lassen.
:liquid5:

Auf DVD erschien der Film als zweiter Teil der Jackie Chan Collection von Splendid, wahlweise als Limited Edition im Metallschuber. Die DVD ist ab 12 Jahren freigegeben, wurde aber neu geprüft, ist nun länger als die alte FSK16-Fassung (zusätzliche Szenen sind auf kantonesisch und mit festen deutschen Untertiteln enthalten) und damit uncut.
Zuletzt geändert von Vince am 28.02.2006, 21:40, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von freeman » 10.12.2005, 20:42

Ich finde es krass, endlich mal einen Menschen zu kennen, der sich sogar die uralten Dinger von Jackie vornimmt! Respekt. Das Review fetzt obendrein! Ich habe mir heute zwei meiner Lieblingsstreifen zugelegt: Police Story 1 und 2 im Steelbook von Splendid ... ich mag halt nur seine ernsteren Projekte ... zumindest aus der Hongkong Zeit.

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Beitrag von Vince » 10.12.2005, 21:00

Danke erstmal. :D
Jau, das Steelbook brauch ich auch noch unbedingt. Ich bin auch schon sehr gespannt auf New Police Story, den ich leider noch nicht gesehen habe, aber der soll ja auch wieder sehr ernst geworden sein (im Gegensatz zu "First Strike"). Blade Runner (der ja ähnliche Vorlieben wie du zu haben scheint) nannte ihn in seinem Review sogar den aus seiner Sicht besten Jackie-Streifen. Ich bin gespannt.

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Beitrag von freeman » 10.12.2005, 21:06

Habe da heute zugeschlagen, weil das Ding im Saturn 11.90 Euronen kam und das für 2 Filme in nem Steelbook. Das erschien mir sehr fair ... und jau, New Police Story freu ich mich auch schon drauf, als der im Kino kam, ging der komplett an mir vorbei, weil der hier nirgends kam ... Leider.

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Beitrag von Vince » 10.12.2005, 21:07

11.90? Bei amazon wollen die 23€. Hättst mir mal eins mitgenommen. :wink:

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Beitrag von freeman » 10.12.2005, 21:09

23? :shock: :shock: :shock:

Himmel, leider is der Saturn bei uns am Arsch der Welt, sonst würd ich sagen, ich besorg dir das Ding ... Bei ofdb wollen sie auch nur 15 Euro, da hätt ich fast zugeschlagen ...

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Beitrag von Vince » 10.12.2005, 21:11

Ich könnt natürlich versuchen, die TPG zu verwenden, aber wenn die das net annehmen, steh ich da mit meinen 23€. :wink: Na ja, mal gucken, obs den bei mir in der Nähe günstig gibt.

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Beitrag von freeman » 10.12.2005, 21:18

Is Saturn Regensburg gewesen ... falls du es versuchen willst. Ich würd ihn dir ja beschaffen, aber leider bin ich immer zu Fuß und der liegt 40 Minuten Fußweg entfernt von Arbeitsplatz UNdWohnung, das heisst, ich komm da echt net weiter vorbei, ausser wenn ich - wie heute - gezielt da hinlatsche ... Behalte auf jeden Fall mal noch Müller im Auge, die hauen den bestimmt auch für maximal 15 Eus raus ...

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Beitrag von Vince » 10.12.2005, 21:21

Ist ja auch kein Problem, ich hab bisher auch noch nicht gezielt danach gesucht, kann also durchaus sein, dass ich den irgendwo bei uns auch ganz günstig kriege. Wenn mit dem ofdb-Shop selbst ein Internetladen da ist, der nur 15€ haben will... mal sehen. Die Filme müssen aber in die Sammlung, so oder so. :wink:

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Beitrag von freeman » 10.12.2005, 21:22

Meine Rede, insbesondere die 1 rockt wie Sau! Aber schon die 3 war mir wieder zu albern. Die 2 is so nen Zwischending ... Kann man also gucken ;-)

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Beitrag von Actionfilmfan » 05.02.2015, 13:49

Hier meine Meinung zu der Japanfassung die 2014 erstmal auch hier auf DVD/Blu-ray erschienen ist

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Aus meinem Filmtagebuch
DVD: Fortune Star (Dragon Edition)
Dragon Lord (1982)


Dragon (gespielt von Jackie Chan) ist der Sohn eines reichen Meisters und hat nur Unsinn im Kopf. Durch Zufall bekommt er mit das eine Bande angeführt von Big Boss (gespielt von Whang Ing-sik) Antiquitäten sich erstiehlt und die an reiche Kunstsammler verkaufen will. Doch diese Schätze gehören dem Volk. Big Boss will sie aber nicht hergeben.

Diese Fassung ist komplett neu geschnitten und die Langfassung die es früher nur in Japan und Südkorea gab.
Es wurden viele Handlungsszenen hinzugefügt so ist die Gedichtsszene viel länger, das Felderballspiel ebenso, auch beim Schlusskampf von Dragon & Cowboy vs Big Boss (Whang Ing-sik) habe ich neue Szenen gesehen. Was auch auffällt ist das die Szenen die früher in Original waren nun in Deutsch sind. Die Szenen die für die Langfassung hinzugefügt worden sind, sind im Originalton mit deutschen Untertitel.
Das legendäre Spiel wo es um diesen goldenen Glücksbringer geht ist hier am Schluss zu sehen und das Finale. Auch das ist hier viel länger.

Ich fand den Schlusskampf von Jackie vs Whang Ing-sik bei The Young Master viel besser. Der hier war nicht schlecht konnte aber nicht mal ansatzweise an den anderen heranreichen.

Bei dem Spiel haben sich 90 Stuntmänner schwer verletzt auch Jackie hat sich da verletzt. Ürsprüglich sollte der Film in Korea gedreht werden doch es war zu Drehzeit so kalt das man in Taiwan drehte. Das Federballspiel war eine der schwierigsten Drehs im Film wie Mars im Extra Interview verriet. Es war unfassbar heiß. Den ganzen Monat schien da die Sonne. Es lagen zwar zwei große Tücher unter dem Sand doch es waren fast 50 Grad. Mars ist sogar einmal ohnmächtig geworden. Eine weitere schwierige Drehszene war der Schlusskampf gegen Big Boss.

Jackie ist hier wieder in seinem Element. Neben Comdey überzeugen auch die Kämpfe :liquid9: Punkte.
Die Hongkongfassung besitze ich auch dazu kommt auch mal eine Meinung.

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Beitrag von MarS » 05.02.2015, 15:39

Ach genau, dass war der Streifen mit dem Federballspiel. Den hab ich noch auf VHS, welche wahrscheinlich gekürzt ist.

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Beitrag von Actionfilmfan » 05.02.2015, 16:37

MarS hat geschrieben:Ach genau, dass war der Streifen mit dem Federballspiel. Den hab ich noch auf VHS, welche wahrscheinlich gekürzt ist.
Fast alle Jackie Filme sind auf VHS cut und Dragon Lord hatte ich auch zuerst auf VHS und ja der war sehr cut.

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Beitrag von MarS » 05.02.2015, 18:10

Allgemein habe ich noch einige Chan-Filme auf VHS. Ich muss sagen, dass mir die gezeichneten Cover auch heute noch gefallen. Damals war ich sowieso froh die Dinger zu haben.

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