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von kami » 17.01.2008, 09:30
Jezebel
Warners Versuch, das damalige, durch GONE WITH THE WIND (dem Buch) generierte Interesse nach Geschichten aus dem alten Süden zu bedienen, darf als durchaus sehr geglückt beurteilt werden, der mit einer grandiosen Bette Davis und Henry Fonda hervorragend besetzte Streifen wurde von William Wyler (BEN HUR) stilsicher, straff und mitreißend inszeniert und von Max Steiner musikalisch höchst passend unterlegt. Die Ausstattung ist oppulent, die Stimmung reicht von beschwingter Südstaaten-Romantik bis hin zu dekadenter Fin de Ciècle-Antizipation und wird von einem düsteren, wenig hoffnungsvollen Schlussbild final geprägt. Statt wie in GONE WITH THE WIND den Bürgerkrieg zu thematisieren, stellt JEZEBEL die Fäulnis des herrschenden feudal anmutenden Systems in den Fokus, eine Verkommenheit, die der Film ähnlich wie Thomas Mann im TOD IN VENEDIG mit einer Seuche, hier Gelbfieber, metaphorisch unterlegt und fassbar macht.
Gleich GONE WITH THE WIND setzt auch JEZEBEL auf eine starke und des öfteren skrupellose Protagonistin, deren radikaler Bruch mit dem Überkommenen vom Film aber nicht als Lösung des gesellschaftlichen Dilemmas propagiert wird, was Ende der 30er Jahre in einem auch auf das Südstaaten-Publikum ausgerichteten Hollywood-Film selbstverstänlich undenkbar gewesen wäre.
9/10
Bullet And Brain
Es rumpelt einmal mehr in Hong Kong und ich bin wenig begeistert. BULLET & BRAIN ist ein vergleichsweise aufwändiger und ausgesprochen edel gefilmter Genrebastard, dessen Regisseur, Kameramann Venus Keung, zwar viel visuelles Gespür beweist, von Dramaturgie aber offenkundig genausowenig Ahnung hat wie von Actioninszenierung. Actionregisseur und langjähriger Jackie Chan-Kollaborateur Mars kann sich Mühe geben wie er möchte, die prätentiöse Montage sorgt dafür, dass Shootouts und Fights nur selten überzeugen können, zusätzlich sind alle Auseinandersetzungen wenig mehr als Scharmützel und im Allgemeinen in wenigen Sekunden vorbei.
Inhaltlich hat der Film ebenfalls wenig zu bieten, das langweilige, konfuse und völlig unglaubwürdige Skript von Produzent Wong Jing lässt selbst den Schauspielroutiniers Anthony Wong (der schlecht nachsynchronisiert wird), Francis Ng und Eric Tsang nur wenig Möglichkeiten, ihr Können unter Beweis zu stellen, die Jungstars um Alex Fong (gemeint ist der Bengel aus Wilson Yips 2002, nicht der ONE NITE IN MONGKOK-Akteur) bleiben völlig blass.
Zusätzlich nervt das behäbige Erzähltempo, der Soundtrack dagegen kann überzeugen.
Alles in allem gibt´s von mir knappe 4/10, wer nicht wie ich HK-Action-Allesfresser ist, kann auf diesen Film getrost verzichten.