Hello

Technische Daten
Vertrieb: Rodeostar Records
Laufzeit: 46:33 Min.
Anzahl der Tracks: 13
Extras: 100-seitiges Fotobuch und Bonus-DVD mit 7 Livetracks und Interview
Booklet: 16 Seiten
Verpackung: 2 Jewel Cases im Pappschuber
Tracklist
01. The Grind (2:51)
02. Shadow Valley (4:06)
03. Hello (For You I'm Dying) (3:56)
04. World's Gone Crazy (3:40)
05. Too Much of Anything (3:08)
06. Nostalgia (3:29)
07. Lovemaker / Soulshaker (2:47)
08. The Jumpoff (3:10)
09. This Heart (4:07)
10. Cowboys (4:25)
11. Kissing the Barrel (Bonustrack) (3:31)
12. One Day I Come Along (Bonustrack) ( 3 : 2 6 )
13. Don't Take Me For Granted (3:56)
Kritik
...und täglich grüßt das Murmel-LYN und streckt uns freundlich die Hand entgegen. “Hallo” brabbelt es schon wieder aus seinem rosigen Honigkuchengesicht - stolz wie Oskar drauf, dass es in der bösen Kritikerwelt so lange überlebt hat. Weil eben nicht die Kritiker darüber bestimmen, wer in der Versenkung verschwindet, sondern immer noch die Fangemeinde.
Der Titel spricht also Bände. 7 Jahre, 5 Alben und das vierköpfige Stehaufmännchen denkt gar nicht daran, auf Wiedersehen zu sagen. Man möchte sich beinahe an Dr. Uwe Boll erinnert fühlen, der seine Kritiker in den Boxring einlud, um abseits der gedruckten Worte mal eine Entscheidung herbeizuführen. “Hello”, das ist ein gottverdammter Fehdehandschuh, blitzblank poliert und überoffensichtlich. Unterstes Niveau, aber es ist ja nicht so, dass die Kritiker nicht darauf anspringen würden - ich verweise auf die “Compadres”-Kritik bei laut.de mit feinstem Gebashe gegen die 4Lyn-Fanboys... und gestehe, mich von der Schlammschlacht zwischen Niveau- und Partyfun-Kultur aufs Höchste amüsiert zu fühlen. Weiter so, Compadres!
Fakt ist: in Deutschland sind die Hamburger Jungs gewissermaßen nach wie vor jenseits jeglicher Konkurrenz. Anständige Nu Metal-Bands gibt es heuer hierzulande einfach nicht mehr, da ist doch klar, dass sich ein letztes Überbleibsel irgendwie über die Zeit gerettet hat, obwohl das Genre eigentlich so langsam amtsgemäß in Frieden ruht.
Nur sollte das kein Freifahrtschein dafür sein, wie zu Anfang der Karriere unverhohlen auf Diebestour zu gehen. Die Zeiten dafür sind einfach vorbei. Eine Band wie Korn läuft selbst schon am Krückstock, da stibitzt man doch nicht irgendwelche Hooks vom müden Untitled-Album. Aber der Titeltrack “Hello (For You I’m Dying)” und das dahinschwelgende “Nostalgia” belehren uns des Gegenteils. Ach, LYN!
Überhaupt vermisst man die Ideen. Zwar lässt sich “Hello” noch am ehesten mit dem druckvollen, rohen Debüt “4Lyn” und dem zu energiegeladenen Überraschungsmomenten fähigen “Compadres” vergleichen, weil der alternativrockige Experimentalismus von “Take it as a Compliment” ebenso fehlt wie die Struktur von “Neon” mit den Quoten-Balladen und -Hip Hop-Nummern. Dennoch hat sich das “Whoaaaa”-Gen verabschiedet, über welches die Band bislang durchaus verfügte. Die Scheibe ist zwar durchaus laut, fett und antreibend wie üblich, aber berechenbar.
Songs vom Kaliber “Lyn”, “Pearls & Beauty” oder “Even” sind ohnehin nicht mehr dabei, eventuell für diesen Part auserkorene Titel wie “Nostalgia” sind allenfalls nett (und das auch nur im Refrain), keinesfalls mehr. Der Rest dümpelt vor sich hin, nicht wirklich schlecht, aber eben belanglos. Das betrifft vor allem die Rhythmusfraktion, die ganz und gar dem Muster der Radiotauglichkeit folgt. Keine Breaks, keine Ablenkungsmanöver, keine Überraschungen.
Auf das Grußwort “Hello” ein herzliches “Time to Say Goodbye” zu entgegnen, läge demzufolge nahe, doch irgendwie ist das Ding noch nicht durch. Ich für meinen Teil bin weiter daran interessiert zu sehen, wie sich ganz Deutschland das Maul zerreißt über eine Band, die es vermutlich gar nicht mal wert ist, dass man sie derart mit Diskursen belohnt. Die Kritiker tun’s beruflich, aber dass auch die Hörerschaft nicht müde wird zu betonen, wie sehr sie das Gepose hasst (respektive liebt), zeigt ja, dass irgendwo ein heimliches Interesse begraben ist. Wie im Fernsehen gilt auch bei der Musik: Jeder bekommt, was er verdient. Dies war der fünfte Streich, und der sechste folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogleich.
Artdesign
Bei allem Respekt: das Cover ist scheiße. Egal ob wir hier von der auf der Pappschachtel prangenden Logo-Hand mit vier erhobenen Fingern sprechen oder von den Silhouetten der vier Bandmitglieder vor einer blauen, blütenförmigen Lichtquelle. Dazu noch die vorschulmäßige Kursivschrift des eh schon dämlichen Albumtitels “Hello”... das macht echt nicht an. Dass die Verpackung der Bonus-DVD das gleiche Design hat, nur in Rot statt in Blau, macht es echt nicht besser, höchstens austauschbarer.
Immerhin, die Pappschachtel ist sehr massiv und stabil und mit dem 100-seitigen, geklebten Fotobuch hat das neue Label der LYN, Rodeostar Records, gute Arbeit geleistet. Trotzdem wäre für die beiden Scheiben ein schönes Digipak schicker gewesen als zwei schnöde Jewel Cases (auch noch die alten mit undurchsichtigem Rillenscharnier.
Extras
Während die Standardvariante des Albums recht günstig angeboten wurde, schlägt die Limited Edition mit gleich doppelt so viel zu Buche. Dafür kriegt man dann aber auch etwas Gegenwert. Das Wichtigste: Das Album verfügt hier über drei Bonustracks, durch welche überhaupt erst eine normale Laufzeit erreicht wird (ohne die Bonustracks kommt die Scheibe auf gerade mal 35 Minuten).
Neben dem schon erwähnten Fotobuch (welches suggeriert, dass das Leben der Band eine einzige Party ist) gibt es dann eben noch eine DVD. Die enthält sieben Livetracks als Video, eingespielt laut Cover “@rehearsals.com”. Überwiegend Material vom neuen Album, aber auch mit drei Tracks aus “Take it as a Compliment” und “Compadres”. Abschließend winkt dann noch ein auf englisch geführtes Interview mit der gesamten Band (Mit einer Laufzeit von 12:50 Min., nicht wie auf dem Cover angegeben 4:29 Min.), in dem nach Einflüssen, Zielen für die Zukunft et cetera gefragt wird.
Fazit
Musikalische Stagnation: nach dem recht peppigen “Compadres” zeigt “Hello” keine neuen Ideen mehr. Im Gegenteil, es wird wieder geklaut, als wären wir im Jahr 2001, und das noch nicht mal besonders gut. Aber als Partysnack für den kleinen Hunger zwischendurch taugt’s allemal immer noch. Die Limited Edition kann zumindest inhaltlich überzeugen, wenn auch nicht immer in Sachen Design.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
Weitere Bilder
CD


DVD


Fotobuch






