[CD] 4Lyn - Hello (Limited Edition)

Liquids kulturelles Sammelsurium.

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[CD] 4Lyn - Hello (Limited Edition)

Beitrag von Vince » 27.01.2008, 20:54

4lyn
Hello

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Technische Daten
Vertrieb: Rodeostar Records
Laufzeit: 46:33 Min.
Anzahl der Tracks: 13
Extras: 100-seitiges Fotobuch und Bonus-DVD mit 7 Livetracks und Interview
Booklet: 16 Seiten
Verpackung: 2 Jewel Cases im Pappschuber

Tracklist
01. The Grind (2:51)
02. Shadow Valley (4:06)
03. Hello (For You I'm Dying) (3:56)
04. World's Gone Crazy (3:40)
05. Too Much of Anything (3:08)
06. Nostalgia (3:29)
07. Lovemaker / Soulshaker (2:47)
08. The Jumpoff (3:10)
09. This Heart (4:07)
10. Cowboys (4:25)
11. Kissing the Barrel (Bonustrack) (3:31)
12. One Day I Come Along (Bonustrack) ( 3 : 2 6 )
13. Don't Take Me For Granted (3:56)

Kritik
...und täglich grüßt das Murmel-LYN und streckt uns freundlich die Hand entgegen. “Hallo” brabbelt es schon wieder aus seinem rosigen Honigkuchengesicht - stolz wie Oskar drauf, dass es in der bösen Kritikerwelt so lange überlebt hat. Weil eben nicht die Kritiker darüber bestimmen, wer in der Versenkung verschwindet, sondern immer noch die Fangemeinde.

Der Titel spricht also Bände. 7 Jahre, 5 Alben und das vierköpfige Stehaufmännchen denkt gar nicht daran, auf Wiedersehen zu sagen. Man möchte sich beinahe an Dr. Uwe Boll erinnert fühlen, der seine Kritiker in den Boxring einlud, um abseits der gedruckten Worte mal eine Entscheidung herbeizuführen. “Hello”, das ist ein gottverdammter Fehdehandschuh, blitzblank poliert und überoffensichtlich. Unterstes Niveau, aber es ist ja nicht so, dass die Kritiker nicht darauf anspringen würden - ich verweise auf die “Compadres”-Kritik bei laut.de mit feinstem Gebashe gegen die 4Lyn-Fanboys... und gestehe, mich von der Schlammschlacht zwischen Niveau- und Partyfun-Kultur aufs Höchste amüsiert zu fühlen. Weiter so, Compadres!

Fakt ist: in Deutschland sind die Hamburger Jungs gewissermaßen nach wie vor jenseits jeglicher Konkurrenz. Anständige Nu Metal-Bands gibt es heuer hierzulande einfach nicht mehr, da ist doch klar, dass sich ein letztes Überbleibsel irgendwie über die Zeit gerettet hat, obwohl das Genre eigentlich so langsam amtsgemäß in Frieden ruht.

Nur sollte das kein Freifahrtschein dafür sein, wie zu Anfang der Karriere unverhohlen auf Diebestour zu gehen. Die Zeiten dafür sind einfach vorbei. Eine Band wie Korn läuft selbst schon am Krückstock, da stibitzt man doch nicht irgendwelche Hooks vom müden Untitled-Album. Aber der Titeltrack “Hello (For You I’m Dying)” und das dahinschwelgende “Nostalgia” belehren uns des Gegenteils. Ach, LYN!

Überhaupt vermisst man die Ideen. Zwar lässt sich “Hello” noch am ehesten mit dem druckvollen, rohen Debüt “4Lyn” und dem zu energiegeladenen Überraschungsmomenten fähigen “Compadres” vergleichen, weil der alternativrockige Experimentalismus von “Take it as a Compliment” ebenso fehlt wie die Struktur von “Neon” mit den Quoten-Balladen und -Hip Hop-Nummern. Dennoch hat sich das “Whoaaaa”-Gen verabschiedet, über welches die Band bislang durchaus verfügte. Die Scheibe ist zwar durchaus laut, fett und antreibend wie üblich, aber berechenbar.

Songs vom Kaliber “Lyn”, “Pearls & Beauty” oder “Even” sind ohnehin nicht mehr dabei, eventuell für diesen Part auserkorene Titel wie “Nostalgia” sind allenfalls nett (und das auch nur im Refrain), keinesfalls mehr. Der Rest dümpelt vor sich hin, nicht wirklich schlecht, aber eben belanglos. Das betrifft vor allem die Rhythmusfraktion, die ganz und gar dem Muster der Radiotauglichkeit folgt. Keine Breaks, keine Ablenkungsmanöver, keine Überraschungen.

Auf das Grußwort “Hello” ein herzliches “Time to Say Goodbye” zu entgegnen, läge demzufolge nahe, doch irgendwie ist das Ding noch nicht durch. Ich für meinen Teil bin weiter daran interessiert zu sehen, wie sich ganz Deutschland das Maul zerreißt über eine Band, die es vermutlich gar nicht mal wert ist, dass man sie derart mit Diskursen belohnt. Die Kritiker tun’s beruflich, aber dass auch die Hörerschaft nicht müde wird zu betonen, wie sehr sie das Gepose hasst (respektive liebt), zeigt ja, dass irgendwo ein heimliches Interesse begraben ist. Wie im Fernsehen gilt auch bei der Musik: Jeder bekommt, was er verdient. Dies war der fünfte Streich, und der sechste folgt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sogleich.
:liquid4:

Artdesign
Bei allem Respekt: das Cover ist scheiße. Egal ob wir hier von der auf der Pappschachtel prangenden Logo-Hand mit vier erhobenen Fingern sprechen oder von den Silhouetten der vier Bandmitglieder vor einer blauen, blütenförmigen Lichtquelle. Dazu noch die vorschulmäßige Kursivschrift des eh schon dämlichen Albumtitels “Hello”... das macht echt nicht an. Dass die Verpackung der Bonus-DVD das gleiche Design hat, nur in Rot statt in Blau, macht es echt nicht besser, höchstens austauschbarer.
Immerhin, die Pappschachtel ist sehr massiv und stabil und mit dem 100-seitigen, geklebten Fotobuch hat das neue Label der LYN, Rodeostar Records, gute Arbeit geleistet. Trotzdem wäre für die beiden Scheiben ein schönes Digipak schicker gewesen als zwei schnöde Jewel Cases (auch noch die alten mit undurchsichtigem Rillenscharnier.
:liquid4:

Extras
Während die Standardvariante des Albums recht günstig angeboten wurde, schlägt die Limited Edition mit gleich doppelt so viel zu Buche. Dafür kriegt man dann aber auch etwas Gegenwert. Das Wichtigste: Das Album verfügt hier über drei Bonustracks, durch welche überhaupt erst eine normale Laufzeit erreicht wird (ohne die Bonustracks kommt die Scheibe auf gerade mal 35 Minuten).
Neben dem schon erwähnten Fotobuch (welches suggeriert, dass das Leben der Band eine einzige Party ist) gibt es dann eben noch eine DVD. Die enthält sieben Livetracks als Video, eingespielt laut Cover “@rehearsals.com”. Überwiegend Material vom neuen Album, aber auch mit drei Tracks aus “Take it as a Compliment” und “Compadres”. Abschließend winkt dann noch ein auf englisch geführtes Interview mit der gesamten Band (Mit einer Laufzeit von 12:50 Min., nicht wie auf dem Cover angegeben 4:29 Min.), in dem nach Einflüssen, Zielen für die Zukunft et cetera gefragt wird.
:liquid7:

Fazit
Musikalische Stagnation: nach dem recht peppigen “Compadres” zeigt “Hello” keine neuen Ideen mehr. Im Gegenteil, es wird wieder geklaut, als wären wir im Jahr 2001, und das noch nicht mal besonders gut. Aber als Partysnack für den kleinen Hunger zwischendurch taugt’s allemal immer noch. Die Limited Edition kann zumindest inhaltlich überzeugen, wenn auch nicht immer in Sachen Design.

Testequipment
AIWA NSX-SZ315

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Beitrag von freeman » 27.01.2008, 21:37

Wat hörst du denn? Teenievince? ;-). Habe von den 4Lyn Kameraden die ersten beiden Alben, dazwischen keine Entwicklung entdeckt und weitere Versuche was Neues von ihnen zu hören aufgegeben. Feine Kritik, die meine Befürchtungen nur unterstreicht, dass ein weiteres gekauftes Album nur die Zornesröte im Gesicht hochsteigen lassen würde.

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Beitrag von Vince » 27.01.2008, 21:44

Jeder hat seine kleinen Laster verdient. Das is halt meins. ;)

Was die Entwicklung betrifft, da haste's knapp verpasst, denn mit dem dritten Album begann ein wenig Experimentierfreudigkeit... das vierte (gibts ja hier auch als Review) hat mir dann ja sogar ziemlich gut gefallen. Aber das hier ist dann wieder recht enttäuschend. Naja. ;)

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Beitrag von freeman » 27.01.2008, 21:58

Hm, also vielleicht mal doch mal Probe hören ... also die Nachfolgewerke ... mal sehen. Mein Problem ist, dass ich derzeit so gar nicht in diesen Revieren wildere ... Höre zur Zeit nur sehr seltsamen Kram wie Peter Cincotti oder so Zeugs ... Keine Ahnung, normalerweise sind so Perioden, in denen ich vollkommen ziellos herumirre, das erste Zeichen für einen ziemlichen Richtungswechsel in meinem Geschmack ... SLUT mit ihrem neuen Album könnten das nochmal herumreißen, ABER am Freitag hatte kein Laden deren neues Album ...

If I had a Heart *summ*

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Beitrag von Vince » 27.01.2008, 22:03

freeman hat geschrieben:Hm, also vielleicht mal doch mal Probe hören ... also die Nachfolgewerke ... mal sehen.
Im alten Lyn-Thread erwähntest du, das schon mal gemacht zu haben und nicht sehr erfreut gewesen zu sein. Also lass es besser. ;)
Mein Problem ist, dass ich derzeit so gar nicht in diesen Revieren wildere ... Höre zur Zeit nur sehr seltsamen Kram wie Peter Cincotti oder so Zeugs ...
Wasn das? Hört sich ja übel an. :lol:

Kennst du Anathema? Hab mir jetzt mal zwei Alben von denen geholt und zumindest auf einem fühlte ich mich manchmal dezent an "Hurt" und "Pax Cecilia" erinnert... obwohl die Atmosphäre eher Porcupine Tree am nächsten kommt... würde ich mal probehören, falls du generell gegen die Richtung Art Rock / Melancholy Rock nicht zu allergisch bist.

Slut sagt mir übrigens auch nix.

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Beitrag von freeman » 27.01.2008, 22:07

Ja, kann sein, dass ich 4 Lyn nach deinem Review im 30 Sekunden takt bei Saturn mal angehört habe ... habs aber anscheinend verdrängt :lol:

Peter Cincotti macht einen imo hervorragenden Musikmix aus Soul, Jazz und n bisserl Funkigeren Sachen mit kraftvollem Piano und sehr feinem Gesang ... also wirklich mal was vollkommen konträres zum Board ...

Und Slut sagen dir nichts? :shock: :shock: :shock: IMO die experimentierfreudigste Band Deutschlands, die sich auchnicht so recht einordnen lässt. Die ersten zwei Alben sind einfach mal herrlich rockig mit sehr eigener Atmosphäre, dann stemmten sie eine Neuinterpretation der 3 Groschen Oper auf Rock und nun bin ich eben aufs Nächste gespannt, dass die Experimentierfreude aus der 3 Groschenoperzeit mit dem Rock paaren wird und nen bisserl komplexer werden soll ...

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 28.01.2008, 00:37

Jo, nicht mehr so knackig wie Compadres, aber ich mag den Titelsong total... hello, for you i am dying.. zu schön :)
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
Callejon <3

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Beitrag von Vince » 28.01.2008, 14:01

Jo ist ganz nett im Refrain halt, aber die Strophenparts sind (wie bei fast allen Songs auf dem Album) total gleichmäßig und auf Radio getrimmt. Gefällt mir überhaupt nicht. Beim Probehören dachte ich da noch boah, das geht gar nicht, die Scheibe kommt mir - bei aller Liebe - nicht mehr ins Haus. Dann halt wieder der Refrain und ich kam wieder ins Überlegen.

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 28.01.2008, 16:03

:wink:
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
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Beitrag von Carcass77 » 28.01.2008, 19:52

Vince hat geschrieben:Kennst du Anathema? Hab mir jetzt mal zwei Alben von denen geholt...
Auch wenn's Off Topic ist: Sehr gut! Welche denn?

Review ist klasse, Band interessiert mich nicht die Bohne... ;)

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Beitrag von Vince » 28.01.2008, 22:22

Carcass77 hat geschrieben: Auch wenn's Off Topic ist:
Wann hat uns das je gekümmert? ;)
Sehr gut! Welche denn?
"Judgement" und "A Natural Disaster". War in in so nem Sparpack... das hier:
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Gefällt mir sehr gut, zumindest die "Judgement", da werd ich definitiv dranbleiben. Ich bin über Antimatter (die dir vermutlich zu ruhig sind, würde ich mal wetten) auf die Band gestoßen.
Review ist klasse, Band interessiert mich nicht die Bohne... ;)
Alles andere hätte mich jetzt auch aus dem Stuhl geworfen. :lol:

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Beitrag von Carcass77 » 29.01.2008, 20:38

Vince hat geschrieben:Gefällt mir sehr gut, zumindest die "Judgement", da werd ich definitiv dranbleiben. Ich bin über Antimatter (die dir vermutlich zu ruhig sind, würde ich mal wetten) auf die Band gestoßen.
Anathema begleiten mich auch schon seit 1995. Eine Band, die sich immer in irgendeiner Art und Weise weiterentwickelt und gleichzeitig ihre Trademarks behalten haben.

Das letzte Album "A Natural Disaster" finde ich allerdings nicht mehr so gut, da haben sie es mit den ruhigen, chilligen Parts schon fast übertrieben. Die "Judgement" würde ich dagegen neben dem 95er-Output "The Silent Enigma" (ein absolut mächtiges Werk, solltest Du mal reinhören - wenn auch der Gesang teilweise Death Metal-lastig ist) als den Höhepunkt ihres Schaffens bezeichnen.

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Beitrag von Vince » 29.01.2008, 22:48

Hab mir schon gedacht, dass du vor allem an den Death Metal-Wurzeln interessiert bist. Ich wollte mir als nächstes zuerst mal "A Fine Day to Exit" kaufen, einfach weil's noch am billigsten ist und afaik auch gute Kritiken bekommen hast.

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Beitrag von Carcass77 » 30.01.2008, 08:51

Vince hat geschrieben:Hab mir schon gedacht, dass du vor allem an den Death Metal-Wurzeln interessiert bist. Ich wollte mir als nächstes zuerst mal "A Fine Day to Exit" kaufen, einfach weil's noch am billigsten ist und afaik auch gute Kritiken bekommen hast.
Die ist auch ziemlich geil, da sehr songdienlich komponiert...
Ich liebe "Pressure" auf dem Album (das Video dazu ist auch ziemlich cool)!

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