Cruel Melody

Technische Daten
Vertrieb: I Am: Wolfpack
Laufzeit: 62:36 Min.
Anzahl der Tracks: 13
Extras: Internet-Code für zusätzliche Features
Booklet: Booklet-Band mit 6 doppelt bedruckten Seiten
Verpackung: Jewel Case mit Pappschuber
Besetzung:
• Wes Borland – Gesang, Gitarre, Bass, Programming, Percussion, Synthesizer, Piano, Rhodes, Violine, Cello, Schlagzeug auf "I Am Where It Takes Me"
• Danny Lohner – Gitarre auf "I Have A Need", "Coward", Bass auf "Coward", "Lie", Programming, Sound Design
• Josh Eustice – Synthesizer, Sound Design
• Josh Freese – Schlagzeug, Percussion
Gastmusiker:
• Johnette Napolitano – zusätzl. Gesang auf "I Am Where It Takes Me"
• Carina Round – zusätzl. Gesang auf "Cruel Melody"
• Sonny Moore - zusätzl. Gesang auf "Coward"
• Sam Rivers - Bass auf "I Have A Need"
• Charlie Clouser - Programming auf "Lie"
• The Section Quartet - Streicher auf "New Hunger" und "I Am Where It Takes Me"
Tracklist
01. Mesopotamia - 04:27
02. Animal - 04:08
03. Lie - 04:19
04. Coward - 04:36
05. Cruel Melody - 05:00
06. The Mark - 03:13
07. I Have A Need - 04:24
08. 4 Walls - 03:51
09. Stop A Bullet - 03:37
10. One Of Yours - 04:51
11. New Hunger - 05:25
12. I Am Where It Takes Me - 06:09
13. Iodine Sky - 08:31
Kritik
Wes Borland hatte immer den Ruf weg, der einzig brauchbare Teil der einstigen Nu Metal-Könige Limp Bizkit gewesen zu sein. Die Kreativität in der Band soll vorrangig von ihm ausgegangen sein und kreative Differenzen waren es dann auch, die ihn von Durst & Co. scheiden ließen. Mit dem guten Namen im Rücken sollte ein Soloprojekt namens “Big Dumb Face” gestartet werden, um die (bei Limp Bizkit neben der Musik oft durch Coverdesigns und schräge Bühnenoutfits ausgelebte) Kreativität endlich wieder ausleben zu können. Doch sowohl “Big Dumb Face” als auch die Nachfolgeprojekte “Eat the Day” und “The Damning Well” blieben aus unterschiedlichen Gründen erfolglos. Erst “Black Light Burns” mit Danny Lohner, Josh Freese (beide NIN, A Perfect Circle) und Josh Eustis (Telefon Tel Aviv) gaben Borland als Bandkopf - Gesang, Einspielen der meisten Instrumente - die Chance, oben erwähntes Urteil zu bestätigen.
Nun muss man feststellen, dass Black Light Burns’ Debüt “Cruel Melody” so gut wie alle Alben Limp Bizkits musikalisch gesehen bereits mühelos in die Tasche steckt, doch ist dieser Vergleich zum Scheitern verurteilt. Borlands alte Band scheint höchstens mal in den Riffs von “The Mark” oder in der charakteristischen Bassline von Gastmusiker Sam Rivers auf "I Am The Need" durch. Vielmehr ist ein gewaltiger Einfluss aus Nine Inch Nails-Richtung zu spüren, was aufgrund der Bandzusammensetzung nicht verwundert, und Borland genießt alle Freiheiten, seine ohnehin teilweise im Industrial-Sound begründeten Wurzeln zur Entfaltung zu bringen.
Man muss als Zuhörer zwar ein dickes Fell gegen fehlende Innovation besitzen. Ist dies jedoch gesichert, brennt Black Light Burns mit “Cruel Melody” die Erde nieder. Noch in der Glut des nur wenige Monate zuvor erschienenen “Year Zero” der NIN schießt Borlands Truppe gleich noch ein paar Feuerbälle hinterher und bestätigt das apokalyptische Szenario des Trent Reznor.
Obwohl nämlich niemals auch nur ansatzweise in Erwägung gezogen wird, Neuland zu betreten, windet sich der Borland-Wels in seinem neu erschlossenen Teich voller Inbrunst und Ideen. “Cruel Melody” ist zwar im höchsten Maße homogen. Dazu trägt auch Borlands’ erstaunlich souveräne, sich sehr angenehm ins Ganze schmiegende, aber eben niemals extravagante Stimme bei. Dennoch klingt kein Track wie der nächste und Ausfälle sind über 13 Songs und eine Stunde Laufzeit ebenfalls nicht festzumachen. Nicht ein einziger.
Insofern teilt die Scheibe tatsächlich gewisse Ähnlichkeiten mit der parallelen NIN-Veröffentlichung, auch wenn diese im Abgang deutlich wilder war. Hier wird nun mehr auf Struktur geachtet, inklusive der hymnischen Potenz-Single “4 Walls” und des atmosphärisch ausklingenden “Iodine Sky”, und vorrangig mit sich komplementierenden Gegensätzen gespielt. Vielleicht ist sogar noch eher ein Vergleich zu Filter zu ziehen, abzüglich der extrovertierten Gesangs- und Kreischstimme Richard Patricks und zuzüglich einer untergeebneten Konzeption.
Dabei spürt man die Freude des Frontmanns, die ersten Schritte seiner eigenen Welt zu erkunden und sich dabei an den vielen Details kompositorischer Möglichkeiten zu erfreuen, die es in Fred Dursts von Hip Hop beeinflusster Sphäre allenfalls auf “3 Dollar Bill, Y’all” gab. Debüttypisch wird zwar noch nicht das ganze Ausmaß dessen begriffen, was Black Light Burns potenziell als Supergroup noch herzugeben vermag, aber “Cruel Melody” macht bereits grausam viel Spaß.
Artdesign
Schon bei Limp Bizkit hat Wes Borland ja mit Freude die Stifte kreisen lassen und so hat er es sich selbstverständlich auch nicht nehmen lassen, das Album zu illustrieren, das er ja immerhin auch fast alleine eingespielt hat. Ölgemälde zieren den Pappschuber und das CD-Cover, der Rest wirkt sehr minimalistisch und ikonisch. Keine Frage, auch als Maler schlummern Talente in dem Mann, der ja neuerdings auch eine Art Gallery eröffnet hat. Auch wenn das Artwork nun nicht unbedingt kreativ aus der Rolle fällt, aber damit gibt es zumindest adäquat den Inhalt der CD wieder.
Das neue Label "I Am: Wolfpack" veröffentlicht hiermit übrigens seine allererste CD und spendierte gleich mal einen Pappschuber.
Extras
Dem Album beigelegt ist eine Karte mit einem Code, anhand dessen man auf der Homepage der Band Inhalte freischalten kann; außerdem gibt es drei Preise zu gewinnen: eine Yamaha-Gitarre mit Borland-Autogramm, 25 T-Shirts und 50 signierte Black Light Burns-Poster. Nur leider ist das Gültigkeitsdatum zu diesem Zeitpunkt schon überschritten...
bis zum 31.01.2008:
jetze:
Fazit
Noch die Grenzen auslotendes Debüt der neuen Borland-Familie, das verdammt gute Musik liefert, ohne dabei aber eben sonderlich Grenzen zu durchstoßen. NIN- und Filter-Hörer sollten aber unbedingt mal einen Blick wagen. Und wer Angst hat, Borland singen zu hören, der darf beruhigt sein: sein eingebautes Organ beherrscht er zwar nicht so grazil wie seine Gitarre, aber sehr, sehr solide.
Testequipment
AIWA NSX-SZ315
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