
Tracklist:
1. Induction
2. Dethrone Tyranny
3. Heart of the Unicorn
4. Heaven or Hell
5. New World Order
6. Damn the Machine
7. Solid
8. Fire Below
9. Follow Me
10. Eagle
11. Lake of Tears
Review:
1988/89 nach vier Alben inklusive der Überklassiker „Keeper of the Seven Keys 1&2“ bei den Power-Metal-Veteranen Helloween ausgestiegen, gründete Metal-Gitarrero Kai Hansen nach einem kurzen sich auf Studioarbeit erstreckenden Blind Guardian – Intermezzo seine eigene Band, die mittlerweile zur mit Helloween mindestens gleichaufliegende Institution der deutschen Genrespeerpsitze avanciert ist: Gamma Ray, wo Kai seit 1994 auch den Job als Sänger übernimmt.
Mit ihrem ersten Album im neuen Millennium ließen die Jungs auf das nicht schlechte, aber doch nicht durchgängig überzeugende „Powerlpant“ mit „No World Order“ ein wahres Meisterstück folgen: Genau so und nicht anders hat eingängiger und gleichzeitig harter Powermetal zu klingen.
Bereits das spacige Cover mit gewohnt atmosphärischen Gamma Ray – Creatures ist eines der gelungensten Artworks der Bandhistorie und auch musikalisch präsentieren sich Hansen und co. voll auf der Höhe: Der einminütige Opener „Illuminati“ eröffnet mit Drum-unterstützten, atmosphärischen Chorgesängen, ehe „Dethrone Tyranny“ den Hörer mit einem spitzen Scream begrüßt und dann in gewohnt melodiöser und gleichzeitig atemlos nach vorne rockender Manier empfängt, seinen Refrain zwar teilweise in allzu zuckerige Passagen entlässt, das aber mit einer noch immer präsenten Speedmetal-Komponente umgehend relativiert. „Dethrone Tyranny“ erreicht noch nicht die Meisterklasse diverser Folgesongs der Scheibe, als klassisch abgehender, mitreißender Opener erfüllt der Track seinen Zweck aber voll und ganz. Virtuose Gitarrensoli, mitreißende Schreie und hohe Backgroundvocals im treibenden Highspeed-Gewand – was will der Powermetalfan mehr?
Mit „The Heart of the Unicorn“ gehen die Mannen von Gamma Ray im Anschluss noch ein gutes Stückchen brachialer zu Werke: Kai schreit sich in den Strophen die Seele aus dem Leib und kann erst im eingängig epischen und obligatorisch melodischen Refrain ein wenig verschnaufen. Auch hier gelingt die Gratwanderung aus Härte und Ohrwurmpotential nahezu perfekt.
Der erste echte Überhit schließt sich mit „Heaven or Hell“ an: Musikalisch fährt man die gleiche Schiene, eröffnet mit düsterem, spannungssteigerndem Gesang und feuert schließlich einen episch-geilen, gleichzeitig kompakten Refrain ab, der seinesgleichen sucht. Anstatt endlich einen Gang zurückzuschalten oder mit einem schwachen Filler zu enttäuschen, hauen Hansen und co. dem geneigten Hörer mit dem Titeltrack „New World Order“ gleich die nächste Granate vor den Latz und zelebrieren das unangefochtene Highlight der Scheibe: Bohrende Gitarren und ein treibender, in mitreißend hohen Gesangslagen und schließlich harten Gitarrenriffs kulminierender Refrain machen den Song zum Vorzeige-Prototyp der „No World Order“-Meisterklasse. „Damn the Machine“ vervollständigt seine grandiosen Vorgänger zum Hittriple: Im klassischen Gamma Ray – Stil aufgebaut, zunächst jedoch scheinbar mit einigen Schwächen zu kämpfen habend, legen sich einmal mehr spätestens beim Chorus alle Qualitätszweifel: Refrains wie dieser sind es, die ich stellvertretend für alles anführen möchte, was ich unter geiler Musik verstehe. 8)
„Solid“ brettert mächtig krawallig los, um seine epische Meisterklasse dann einmal mehr erst im Refrain in voller Schönheit zu entfalten: „So glorious we'll fly like the eagle in the sky
And I know it's gonna be victory“ – Zum Niederknien! Dass Kai auch wieder ein feines Gitarrensolo-Feuerwerk abbrennen darf, versteht sich ohnehin von selbst. „Fire below“ bietet als erster Track der Scheibe „nur“ guten Standard, was aber qualitativ bereits mehr ist, als sich ein Großteil anderer Bands auch nur erhoffen kann, gleiches gilt für das verglichen mit dem Rest der CD recht poppige „Follow Me“. Das epische „Eagle“ reiht sich qualitativ jedoch wieder mühelos neben „Damn the Machine“, „Heaven or Hell“ oder „New World Order“ ein und auch mit dem Abschlusssong stellen Kai und Kollegen ein letztes Mal Meisterklasse zur Schau: „Lake of Tears“ kommt recht sanft daher und rundet die Scheibe als netter balladesker Ausklang ab, der freilich ebenfalls mit bombastischer Melodie aufzuwarten vermag und lediglich Geschwindigkeit und Härte diesmal außen vor lässt.
Fazit: Mit „No World Order“ haben die Genrelegenden Gamma Ray ein nahezu perfektes, gleichermaßen hartes wie melodiöses Powermetal-Album mit astronomischem Ohrwurmfaktor eingespielt, das ich jedem Fan dieser Musikrichtung nur wärmstens ans Herz legen kann. Hier darf „All Killer, No Filler“ durchaus in den Mund genommen werden.



