Meister aller Klassen I - III

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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Meister aller Klassen I - III

Beitrag von Vince » 24.12.2005, 17:54

Meister aller Klassen

Bild

Originaltitel: Shi di chu ma
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 1980
Regie: Jackie Chan
Darsteller: Jackie Chan, Wai Pak, Yuen Biao, Lily Li Li-Li, Sek Kin, Ing Sik Whang, Fung Hak On, Li Hai Sheng, Tien Feng, Feng Feng, Fan Mei Sheng, Bruce Tong Yim Chaan u.a.

“Meister aller Klassen” ist Jackie Chans zweite Regiearbeit - gerne wird sie jedoch als sein Regiedebüt angesehen, denn es ist der Auftakt einer Zusammenarbeit, die erstens Jackies endgültigen Durchbruch bedeuten sollte, zweitens seinen nachhaltigen Erfolg und drittens eine langjährige Partnerschaft - die Periode der Kooperation mit dem Produktionsstudio Golden Harvest nahm hier ihren Anfang.
Bis hierhin war Jackie bei Lo Wei Productions unter Vetrag, einem Studio, das Jackie in den Siebzigern auserkoren hatte, die rechtwürdige Nachfolge von Bruce Lee anzutreten. Für den zum Star aufgebauten Jungschauspieler brachte diese Verbindung über einen längeren Zeitraum natürlich keine Möglichkeiten zur Entfaltung mit sich; Jackie wurde in eine Nische gedrängt, die Bruce Lee hinterlassen hatte.
Der Wechsel zu Golden Harvest vollzog sich dementsprechend schwierig; zur Erfüllung des Vertrags mit dem alten Studio fehlte noch die Realisierung eines Films, und Lo Wei wandte letztendlich gar Mafiamethoden an, indem die Triaden aktiviert wurden - die dunklen Machenschaften blieben glücklicherweise nicht ungesühnt, so dass Jackie schließlich doch zu Golden Harvest übergehen konnte und mit der Regie, dem Drehbuch und der Hauptrolle zur Premiere “Meister aller Klassen” erste Taten auf neuem Terrain folgen ließ.

Da nach Beendigung des Projekts bereits die USA riefen - und dass der erste Ausflug nach Übersee nur in Enttäuschung endete, soll hier nicht weiter interessieren - bildet “Meister aller Klassen” schließlich einen Übergangspunkt, der auch als erstes Sprungbrett für eine international ausweitbare Karriere verstanden werden kann. Unter Golden Harvest genoss Jackie also alle Freiheiten, die er benötigte, um seine Qualitäten - die spitzbübische, lockere Art, der eigensinnige Charme und die damit konglomerierende Körperakrobatik - voll zur Geltung zu bringen. Und das sieht man dem ersten Film an. Er bietet ein erfrischendes, nie neues, aber stets neu erscheinendes Spiel mit den Zutaten des gebräuchlichen Martial Arts-Films und sticht durch seine Ungezwungenheit hervor.

Dem nicht entsprechen kann leider die zugrunde gelegte Geschichte, die wohl in der Euphorie der Martial Arts untergegangen ist. Dabei hört sie sich auf dem Papier gar nicht so schlecht an. Jackie spielt Dragon, eine Rolle, die er zwei Jahre später wieder in “Dragon Lord” aufnehmen sollte. Er ist einer der zwei besten Schüler einer Kung Fu-Schule, die in Verruf geraten ist. Der Grund für die Schande: Der zweite Schüler, Tiger (Wei Pei), ist in eine Verbrecherbande geraten und hat die Schule verlassen. Dragon hat es sich nun zur Aufgabe gemacht, Tiger zurückzubringen. Auf dem Weg kommt es jedoch zu einer Verwechslung, so dass fortan Dragon für Tiger gehalten wird und von dem Polizeichef Sang Kwan (Shih Kien) und seinem Sohn (Yuen Biao) verfolgt wird. Alle Beteiligten befinden sich plötzlich in einem Strudel, bei dem Recht von Unrecht zu unterscheiden eine schwierige Sache wird...

Aus diesem Plot lassen sich viele Hoffnungen ziehen, die leider zu selten erfüllt werden. Weder wird die Buddy-Thematik konsequent angegangen (Tiger-Darsteller Wei Pei tritt nur sporadisch auf), noch die Verwechslungssituation ausgereizt. Jegliche Situationen, die entstehen, sind nichts als Vorwände, endlich die Fetzen fliegen zu lassen. Auch für Schauspielerei und Comedy bedeutet dies weitgehende Beschäftigungslosigkeit.
Wo man kurzzeitig so etwas wie Dramaturgie verspürt, das ist die Szene, in welcher der Kung Fu-Schulenbesitzer und Meister seinen Wutanfall bekommt und die Schüler anschreit, als Jackie dann vortritt und seinen rechtfertigenden Monolog hält - das hat beinahe etwas von einer Gerichtsverhandlung und schneidet zumindest bruchstückhaft kulturelle Elemente an. Davon abgesehen gibt es jedoch keine vergleichbaren Momente mehr im kompletten Film.
Um diesen leider verstümmelten Filmaspekt der Filmhandlung und aller daraus resultierenden Elemente (sprich: alles, was nicht die Action betrifft) abzuschließen, sei noch die zugegeben zwischenzeitlich hervorragende Chemie zwischen Jackie und dem Polizisten sowie seinem Sohn hervorgehoben, die in einem alles in allem etwa halbstündigen Exkurs voll zur Geltung kommt. Mit Yuen Biao hat Jackie Chan natürlich einen langjährigen Wegbegleiter zur Seite, aber beinahe noch mehr greift der Hauptdarsteller mit dessen Filmvater Shih Kien ineinander. Die Unterhaltungen vor dem Haus des Polizeikommissars, am Rande des Treibsands sowie später im Haus (und im Treibsand) funktionieren einfach optimal und sind kaum aus dem Film wegzudenken, da sie das Gerüst aufrecht erhalten - ohne Shih Kien und Yuen Biao wäre “Meister aller Klassen” nichts als eine einzige Aneinanderreihung von Martial Arts-Szenen.

Auf diese muss ich nun auch schon zu sprechen kommen, da ansonsten bereits alles gesagt wurde, was zu sagen ist. Bereits die erste Sequenz gibt ziemlich genau wieder, was der Film ist - eine unglaublich erfrischend wirkende Recycling-Maschinerie bereits bekannter Schemata. Da hätten wir nämlich zu Beginn eine von diesen als Duell aufgezogene “Wir verstecken uns unter Pappmaché und tun so, als wären wir ein Löwe”- Sache - jeweils im Zweierpack treten zwei von den Viechern, wie man sie speziell aus Paraden und Festaktivitäten kennt, gegeneinander an, hüpfen über Wassereimer, fischen dort Gemüse heraus, springen dann auf einen Balken, stellen sich gegenüber und versuchen dabei die ganze Zeit, sich unter dem Kostüm wie ein Tier zu bewegen. Ausgelutscht? Ja, das Motiv ist es sicherlich, nicht jedoch, was Jackie und seine drei Mitstreiter daraus machen. Es ist schier unglaublich, welche Körperbeherrschung die Darsteller hier an den Tag legen und welche verblüffenden Bilder sie damit kreieren, während sie dem dargestellten Tier eine absurde Metamorphose verleihen - vom Löwen zur Katze zur Schlange zur Raupe zum Pferd.

Ähnliche Prädikate sind den übrigen Martial Arts-Szenen zu attestieren, die den Zuschauer allesamt staunend dasitzen lassen, während Bänke, Messer, Speere und Kleidung dazu verwendet werden, sich gegenüber dem Gegner einen Vorteil zu erhaschen. Jackie Chan lebt hier seine perfektionistische Ader vor und hinter der Kamera aus wie ein Besessener; die neu gewonnene Freiheit, was seine Inszenierung betrifft, ist ihm deutlich anzumerken, was sich auch darin niederschreibt, dass alleine eine Szene gleich 329 Takes brauchte, bis sie endlich so im Kasten war, wie Jackie sie haben wollte.

Der nahezu 20 Minuten andauernde Endkampf ist diesbezüglich der letzte und stärkste Beweis des “Retorten”-Stils des Films. Einfallslos präsentiert sich die gewählte Szenerie -wieder mal tritt unser Held gegen den unbezwingbar erscheinenden Gegner (wie üblich älter und erfahrener als der junge Held) auf einer Wiese über den Wäldern an, auf einem offenen Feld, das den Himmel zeigt. Hundertfach gezeigt, und auch diesmal wollte man einfach nicht darauf verzichten. Wo sich dieses Finale von seinen unzähligen Vorgängern jedoch abgrenzt, das ist das Wie der Inszenierung. Chan inszeniert den Gegenspieler zunächst so, dass er unbezwingbar erscheint; jeder Versuch, die Arme gegen ihn zu benutzen, endet darin, dass diese Arme in die Zange genommen und gequetscht werden. Lange, fast zu lange, spannt uns Jackie auf die Folter, bis er sich selbst erstmals überlegen zeigt. Dafür bedarf es natürlich wieder eines Katalysators, wie es beim legendären “Drunken Master II” der Alkohol war - und tatsächlich, nachdem der “Schiedsrichter” (ein kleiner Kauz mit zerbrochener Brille, der Jackie unentwegt die Daumen drückt) dem fast Besiegten Öl einflößt, wird dieser zum Tier. Die Wucht, mit der dieser Kampf zu Ende geht, ist bemerkenswert. Wie ein mit Drogen vollgepumpter Stier rennt Jackie immer wieder auf seinen Opponenten zu und zwingt ihn schließlich unbeirrbar in die Knie. Deswegen vielleicht auch die 16er-Freigabe, denn der Endkampf ist an Gnadenlosigkeit kaum zu überbieten. Im erwähnten “Drunken Master II” stellte sich im Endkampf in der Fabrik ein ähnliches Gefühl ein, nachdem der Hauptdarsteller den industriellen Alkohol zu sich genommen hatte.

Wer also Martial Arts in graziler Perfektion sehen will, die sich zum Ende hin ins Unermessliche steigern und, was die Aggression betrifft, nicht ohne sind, für den ist “Meister aller Klassen” die richtige Wahl. Leider misslingen fast alle Elemente, die über die Fights hinausgehen. Nur das Zusammenspiel der Darsteller Jackie Chan, Shih Kien und Yuen Biao ist darüber hinaus bemerkenswert.
:liquid6:

Auf DVD ist der Film als fünfter Teil der "Jackie Chan Collection" von Splendid ungeschnitten zu bekommen - wahlweise im limitierten Metallschuber.
Zuletzt geändert von Vince am 09.10.2006, 15:48, insgesamt 1-mal geändert.

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Meister aller Klassen 2

Beitrag von Vince » 09.10.2006, 15:45

Meister aller Klassen 2

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Originaltitel: Kuen Cheng / Spiritual Kung Fu / Karate Ghostbuster
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 1978
Regie: Lo Wei
Darsteller: Jackie Chan, Chuen Li Rung, Dean Shek, James Tien, Wong Ching, Yuen Biao

In Hongkong hatte man in den 70er Jahren mächtig Spaß daran, auf welche Art auch immer die hohe Kunst des Kung Fu mit hierarchisch aufgeschichteten Superlativen zu überhäufen. Entpuppt sich in einem Kung Fu-Film dieser Zeit mal ein Akteur als “Meister aller Klassen”, so taucht später mit Sicherheit einer auf, der diesen vermeintlichen Meister mühelos schlägt - und im Finale dann selbst von jemand geschlagen wird. Es gibt immer einen noch größeren Fisch im Teich.

Für die jeweilige visuelle Entsprechung des fast unerreichbaren Superlativs des besten Kämpfers überhaupt, ein Ideal, nach dem jeder Akteur in einem Kung Fu-Film zu streben hat, muss man sich als Filmemacher schon einfallsreich zeigen, um aus dem unüberschaubaren Sumpf aus ewig gleichen Kung Fu-Filmen herauszuragen. Da dachte sich Lo Wei, er probiere es einfach mal mit Geistern. Jawoll, mit fünf Geistern, die nicht der menschlichen Fehlbarkeit unterliegen und alles verkörpern, was den perfekten Kämpfer ausmacht. Etwas von der Art, was lächerlicherweise im amerikanischen Copycat “Karate Tiger” der Geist des verstorbenen Bruce Lee verkörperte. Ein Ideal eben.

Das Ideal in “Spiritual Kung Fu” (ein in Anbetracht der Oberflächlichkeit des Gezeigten witzloser Titel) besteht aus fünf sich affig aufführenden Männern mit schneeweiß bemalten Gesichtern, ebenso weißen Ganzkörperkondomen als Kleidung und wuschigen roten Perücken. Diese fünf Geistermännchen kommen aus einem Loch in der Wand und sind nur mit einem speziellen Pergament sichtbar, das man sich vor das Gesicht hält, sonst sind sie unsichtbar (was die Kamera uns mit halb durchgeblendeter Darstellung der Geistermänner veranschaulicht). Sie benehmen sich wie ein Haufen Schimpansen, tragen aber auf ihren Perücken Stirnringe jeweils mit dem Symbol für eine Kampfkunst, die sie durch ihre Manifestation mittragen: Drachen, Schlange, Tiger, Kranich und Leopard. An Schwachsinn hat man sich in diesem Genre ja schon längst gewöhnt, aber das ist schon eine Marke für sich.

Leidtragender des Ganzen ist Jackie Chan, der in der ersten halben Stunde noch ganz nett den kecken Lehrling mimen darf, der jede Entscheidung seiner Meister hinterfragt und für seine vorlaute Art einiges an Problemen bekommt. Für die Mitschüler ist er der Held, für die Zuschauer wird er es wenigstens gen Ende, als das Schicksal der ganzen Mönchsschule von seinen Kampfkünsten abhängt. Immerhin beherrscht Jackie die Kunst der “fünf Fäuste”, womit er zumindest eine kleine Chance hat, den Ninja zu besiegen, der das Buch “Die sieben tödlichen Fäuste” (zwei Fäuste mehr!) gestohlen hat und sich anschickt, per Lektüre der “Meister aller Klassen” zu werden. Dumm nur, dass Jackie die Kunst der “fünf Fäuste” eben von den fünf Pumuckln lernt.

Ich will nicht sagen, dass die Geisterszenen keinen Unterhaltungswert hätten; als bekennender Jackie-Jünger steht es mir eigentlich sowieso nicht zu, mich großartig über Klamauk zu beschweren. Die übergreifenden Ebenen zwischen Realität und Geisterwelt sind optisch auch ganz nett umgesetzt worden und die Idee mit der “Brille” könnte beinahe bei William Castles “Das unheimliche Erbe” von 1960 abgeguckt sein. Aber gerade wenn die Geister auftauchen, verliert Lo Wei ein wenig die Übersicht. Jedenfalls weidet er sich so lange an den Spirenzchen, mit deren Hilfe der freche Schüler zum Meister wird, dass die Handlung um das gestohlene Buch total aus den Augen verloren wird. Das ist zwar typisch für Filme dieser Art, in diesem Fall aber besonders extrem. Was genau Love Interest Chuen Li Rung dann noch in der Handlung verloren hat, ist mir ein Rätsel - davon abgesehen, dass sich Jackie an ihr ein wenig austoben und Training betreiben darf.

Das Training häuft sich wenigstens mal nach einer sehr sparsamen Anfangsperiode und die Choreografien sind es auch, die über die verkorkste Handlung hinwegsehen lassen. Lo Wei ist kein besonders guter Geschichtenerzähler, aber wenigstens werden wir schließlich doch noch mit ordentlich “Kung Fu-tter” versorgt. Hier darf sich Chan wieder ausleben, wechselt mit Freude permanent zwischen Drachen, Schlange, Tiger, Kranich und Leopard und erreicht zuweilen fast die Qualität seines “Schlange im Schatten des Adlers”. Die Kameraeinstellungen sind auch auffallend ähnlich. Mit ein wenig Geduld kann man sich ins zweite Drittel retten, um sich von dort aus über die gelungenen Kämpfe (abgesehen davon, dass man in Einzelfällen zu deutlich spürt, dass alles einstudiert ist) ins Ziel zu retten.

Leider ist da noch die unerträgliche Geister-Mucke, wann immer die Weißmänner aus ihrem Loch kommen, zusammengemischt aus so etwas wie Bongos und Fideln. Zu Beginn noch erträglich, geht der permanente Einsatz dieser musikalischen Untermalung mit der Zeit ordentlich auf den Keks. Das war allerdings bei “Die Schlange im Schatten des Adlers” mit seinem Space-Funk nicht viel anders.

In letzter Instanz ein traditioneller Martial Arts-Film, der meint, superschlau zu sein, weil er die Kampfkünste mit lachhaften Geisterkobolden “spiritualisiert”. Lo Wei bekommt zum Verrecken keine Struktur in seinen Film, bürgt durch seinen Star Jackie Chan aber wenigstens wieder für gute Choreografien, die Spaß machen. Ansonsten ein eher hassenswertes Werk.
:liquid4:

Die alte "Masterpiece Edition" ist noch geschnitten, später reichte Splendid aber noch eine ungekürzte Version einzeln und im Paket mit "Meister aller Klassen I" und "Meister aller Klassen III" nach.
Zuletzt geändert von Vince am 10.10.2006, 15:50, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von Vince » 09.10.2006, 15:46

Meister aller Klassen 3

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Originaltitel: San Cheng Miu Moon / New Fist of Fury
Herstellungsland: Hongkong
Erscheinungsjahr: 1976
Regie: Lo Wei
Darsteller: Jackie Chan, Chen Sing, Siu Siu Cheng, Han Ying Chieh, Lo Wei, Nora Miao, Suen Lam, Chiang Kam, Lau Ming, Hon Siu, Shih Ting Ken, Liu Ping, Hau Pak Wai, Luk Yat Lung, Wang Chiang Liang

Ich muss leider gestehen, dass mir “Fist of Fury” kaum mehr im Gedächtnis ist, weshalb Parallelen zum vier Jahre älteren Vorgänger zwangsläufig wegfallen müssen. So sehr wie nirgendwo anders wird in “Meister aller Klassen 3" allerdings Lo Weis Anspruch deutlich, Jackie Chan zu Bruce Lees Nachfolger aufzubauen. Ebenso ist nicht zu übersehen, dass die Formel nie wirklich aufgegangen ist. Man kann keinen Schauspieler mit eigenen Vorstellungen dazu zwingen, in die Fußstapfen seines Vorgängers zu treten. Jackie Chan beweist das mit einer Vorstellung, die einfach nicht zu ihm passt. Sein Erbe der “Fist of Fury”-Reihe ist voller Inkohärenz, gefangen zwischen Komödie und dem Ernst einer gesonnenhaft erzählten Rachegeschichte von landeshistorischen Dimensionen.

Lo Wei ist ausgesprochen darum bemüht, die eigentlich überaus simple Story mit sehr viel Weitsicht zu erzählen. Er steuert unbeirrt und konsequent auf die nicht zu verhindernde endgültige Auseinandersetzung zwischen dem japanischen Besatzer und den chinesischen Rebellen zu. Der klassische Fehler, zu lange bei einer verhältnismäßig unwichtigen Szenerie zu verweilen, unterläuft ihm zu keiner Zeit, statt dessen wirkt jede Szene in Anordnung, Inhalt und Laufdauer verhältnismäßig gut durchdacht. Ein sehr düsterer Prolog leitet richtungsweisend in die Haupthandlung ein, wo fortan typische Muster wie der Aufstieg eines forschen jungen Kerls vom Angeber zum Kung Fu-Meister sinnvoll in den Plot integriert werden. Eigentlich sind die Motive allesamt sehr konventionell, ein Sachverhalt, der jedoch durch Lo Weis ruhige Hand wirksam in den Schatten gestellt wird.

Die andere Seite der Medaille ist der Umstand, dass es schlichtweg an Action mangelt. Ein echtes Dilemma, da man einfach sagen muss, dass zu viele Martial Arts-Sequenzen vor dem Finalkampf immer wieder den Erzählfluss gestoppt hätten, umgekehrt aber gerade diese Sequenzen nun mal besonders von Interesse sind. Wer viele Kämpfe erwartet, wird unter Garantie enttäuscht werden, was sicherlich auch die verhaltene filmhistorische Aufnahme erklärt. Dass dahinter noch eine ansprechende Regieleistung steckt, geht bei oberflächlicher Betrachtung schnell unter, zumal auch dieser Aspekt nicht überbewertet werden sollte, da Lo Wei letztendlich doch nur mit den üblichen Zutaten operiert.

Figuren wie der Großvater der Rebellin, Jackies kauziger Begleiter oder auf der anderen Seite die eindimensional gezeichneten Japaner hätten darüber hinaus allen Anlass dazu gegeben, zwischendurch mal ein wenig die Funken sprühen zu lassen. Man hätte die menschlichen Konflikte weiter ausbauen und mit Kanten versehen sollen, anstatt sie, wie geschehen, mehr oder weniger ohne Effekte verpuffen zu lassen. Die Möglichkeiten zur Betonung werden zu selten genutzt. Zwar bekommt der junge Jackie öfter mal ein paar auf sein loses Mundwerk, dies aber meist im komödiantischen Rahmen. Wünschenswerter wäre es gewesen, die düstere Linie auch im Detail beizubehalten, die im Ganzen (und nicht zuletzt durch den deprimierenden Ausgang) verfolgt wird. Den Einfluss Jackie Chans auf die Comedy kann ich nur erahnen, zu erkennen ist aber ein seltsam unzusammenpassender Bastard aus Bruce Lee und Jackie Chan, stets wechselnd zwischen einem lockeren Spruch und dem nötigen Ernst der Situation.

Endlich dann beim Höhepunkt in Form des einzigen großen Kampfevents am Ende angekommen, wird man doch noch dafür entschädigt, dass man so lange Zeit auf dem Zahnfleisch hat kriechen müssen. Die Bruce Lee-Wiederauferstehung geht weiter - zum einen durch vereinzelt eingestreute Frames mit seinem Antlitz in Reminiszenz an das Original, zum anderen durch Jackies Kampfstil. Die Fights sind recht hart und gut choreografiert, strukturell aber wieder im altbekannten Ablauf: Erst ein paar Sparringspartner als Aufwärmphase, dann die Tochter des japanischen Oberbefehlshabers, die zuvor schon mit ihrer Beintechnik beeindrucken durfte, und dann der Befehlshaber selbst als Krönung, von dem man bis dahin nur Befehle und amüsiertes Gelächter hören konnte.

Zieht man Kappes von der Sorte “Meister aller Klassen 2" zum Vergleich heran, ging Lo Wei mit “Meister aller Klassen 3" (ein inhaltlicher Zusammenhang besteht nicht, den glaubte lediglich der deutsche Verleih zu erkennen) eigentlich schon genau den richtigen Weg als Regisseur. Zumindest dramaturgisch sind ihm keine Fehler vorzuwerfen, obgleich es schön gewesen wäre, hätte er die sich ihm gebotenen Möglichkeiten dazu genutzt, die Materie etwas zu vertiefen. Insgesamt ein erzählerisch nicht zu unterschätzendes, dennoch wenig tiefgehendes Sequel eines Bruce Lee-Klassikers, der auch durch den Hauptdarsteller in Sachen Grundstimmung zu unentschlossen wirkt. Jackie Chan war deutlich erkennbar von Beginn an der falsche Mann für den Job, doch diese Lehre musste Lo Wei dann 1978 selbst durch die Produktionsfirma Seasonal ziehen, die dem neuen Zögling des ehemaligen Bruce Lee-Regisseurs mit “Die Schlange im Schatten des Adlers” und “Sie nannten ihn Knochenbrecher” alle Freiheiten bot, in eine komplett andere Richtung hinein zu arbeiten.
:liquid5:

In Deutschland gibt es nur eine um gut 30 Minuten geschnittene Version in verschiedenen Packs (u.a. zusammen mit "Meister aller Klassen I" und "Meister aller Klassen II"), die allerdings in Sachen Gewalt ungekürzt ist.
Zuletzt geändert von Vince am 10.10.2006, 16:21, insgesamt 2-mal geändert.

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Beitrag von Vince » 09.10.2006, 15:47

Nur als Hinweis: Eigentlich gehören die Filme alle drei in unterschiedliche Threads, weil die alle gar nüscht miteinander zu tun haben. Um aber die Zahl der Jackie-Threads etwas klein zu halten, nehme ich einfach mal die peinlichen Titelbezeichnungen des deutschen Verleihs so hin und verkaufe das hier als Trilogie. :wink:

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Beitrag von Sir Jay » 09.10.2006, 17:12

meister aller klassen war ganz nett, hat mich jedoch auch ein wenig enttäuscht, vor allem die musikalische begleitung in der deutschen Fassung war grauenhaft X.x

und welchen originaltitel trägt Meister aller klassen 3?
ich glaube new fist of fury ôô

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Beitrag von Vince » 10.10.2006, 15:51

Meister aller Klassen 3 ist jetzt auch online.

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Beitrag von Sir Jay » 10.10.2006, 21:32

scöhne teile wie immer....nur, findest du wirklich, dass die mukke aus Snake in the eagles shadow nervt?
Ich meine die rockt derbst, das kommt sowas von cool, wenn jackie die schritte übt und dann diese mukke da läuft, sie ma cht schon fast den halben film aus :lol:

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Beitrag von Vince » 10.10.2006, 22:55

Ja was heißt nervt, ich finde die schon etwas gewöhnungsbedürftig und irgendwo auch unpassend. Kann man nach Trash-Kriterien sicherlich auch positiv sehen. Die Geistermucke war jedenfalls schlimmer. :wink:

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Beitrag von Sir Jay » 11.10.2006, 15:37

also für mich persönlich schreibt die sites mucke musik geschichte xD

der, der für den score verantwortlich ist, dem werde ich bis in alle ewigkeit huldigen xD

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Beitrag von SchizoPhlegmaticMarmot » 16.01.2013, 10:19

Meister alle Klassen (See Dai Chut Ma) war mein erster Jackie Chan Film den ich gesehen habe,und ab diesem Zeitpunkt begleitet mich Mr. Chan mit seinen Filmen..wenn ich mal schlecht drauf bin oder ablenkung benötige,seh ich mir entweder Chan Filme an oder Slapstick Komödien ala "Die nackte Kanone" ;)

Aber zurück zum Film:
Schon faszinierend was man alles mit Körperbeherrschung erreichen kann.Das zeigt schon die Intro-Sequenz,die ich persönlich sehr kreativ fand.Komischerweise folgt dann eine recht ernste Szenerie,die den Film etwas ausbremst...Doch nach dieser Szene wird mächtig aufs Gaspedal(was Humor und Action betrift) gedrückt und man darf,unter anderem, Jackie in einem Schwertkampf bewundern,der wirklich perfekt inszeniert wurde und vorallem dadurch glänzt das er kaum Schnitte beinhält...Überhaupt muss ich sagen,das in den Kampfszenen sehr wenige Schnitte sind,so muß das aussehen!Der Humor kommt auch nicht zu kurz,und gefällt mir ausserordentlich gut,auch wenn viele Leute damit nichts anfangen können.Doch das grossartigste ist das Finale,ein ca. 20 Minütiger (!!) Fight!Als ich das zum ersten mal sah,hing mir ständig die Kinnlade runter,fantastisches Ende,ein Fest für Martial-Arts Liebhaber :D

Man merkt das der sympathische Jackie mit viel Herzblut und vollem Körpereinsatz dabei war(wie in fast jedem seiner Filme).

Ich gebe dem Film eine ganz klare :liquid9:
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2 minus 3 ergibt negativen spaß

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