
Vertrieb: Island (Universal)
Laufzeit: 47:21 Min
Anzahl der Tracks: 12
Extras: keine
Verpackung: Jewel Case
Tracklist:
1. Big Exit
2. Good Fortune
3. A Place Called Home
4. One Line
5. Beautiful Feeling
6. The Whores Hustle And The Hustlers Whore
7. This Mess We're In
8. You Said Something
9. Kamikaze
10. This Is Love
11. Horses In My Dream
12. We Float
Kritik:
They call me The Wild Rose
But my name was Elisa Day
Why they call me it I do not know
For my name was Elisa Day
Diese Zeilen waren es, die Nick Cave, mit Unterstützung von der zuckersüßen Kily Minogue, seinen ersten und bisher einzigen weltweiten Charterfolg bescherten. Doch im Zuge dieses Erfolges, blieb ein zweites Duett fast vollkommen unbeachtet. Polly Jean Harvey war es, die den weiblichen Part von „Henry Lee“ sang. Ein Song, der vor sexueller Anspannung fast zu zerbersten droht. In Verbindung mit dem dazugehörigen minimalistischen Video entsteht eine echte, unverfälschte Erotik, die ich so nie wieder in der Musik gesehen habe. Was folgte, war eine kurze aber scheinbar intensive Affäre, welcher Nick Cave ein ganzes Album widmete. PJ Harvey versank darauf in eine sehr düstere musikalische Phase, die in dem Album „Is This Desire?“ , aus dem Jahre 1998, ihren Höhepunkt fand. Zwei Jahre später erblickte „Stories From The City, Stories From The Sea“ das Licht der Welt.
PJ Harvey war zuvor für längere Zeit in New York, was man dem Album auch sofort anmerkt. Den Platz der düsteren, introvertierten Melancholie nimmt ein leichter Hauch von amerikanischen Selbstbewusstseins ein. So wird eine niemals schlafende Metropole, inklusive der in ihr lebenden Menschen, welche scheinbar niemals zur Ruhe kommen, der Dreh und Angelpunkt eines musikalischen Werkes.
I see danger come
I wanna' pistol
I wanna' gun
I'm scared baby
I wanna' run
This world's crazy
Mit diesen Lyrics, unterstützt von rockigen Gitarrenriffs, beginnt auch schon unsere New York Reise, durch die Augen von PJ Harvey. Zur simplen, rauen musikalischen Untermalung schreit sie ihre wenig erbaulichen Ersteindrücke förmlich heraus. Das darauf folgende „Good Fortune“ kommt wesentlich poppiger daher, wirkt auf den ersten Blick gar fröhlich und versöhnlich. Doch der Schein trügt, denn zum Ende des Songs wird uns jede Illusion genommen. Nun nimmt PJ Harvey zum ersten Mal das Tempo heraus und vermittelt auch inhaltlich einen melancholischen Optimismus. Wie von einer sanften Strömung gefangen, fließt die Musik im Fluss des Optimismus weiter. Es geht um Liebe, der daraus entstehenden Nähe, dem unwichtig werden von Raum und Zeit. Der Hörer wird gefangen genommen, er wird förmlich umgarnt. Nur um dann von „The Whores Hustle And The Hustlers Whore“ hinterrücks mit einem stumpfen Messer erstochen zu werden. Alles zuvor Geträumte verschwimmt und wird letztendlich von der kalten Realität verdrängt. Nach diesem Ausbruch nimmt sich PJ Harvey zurück. Von einer ruhigen Melodie begleitet, setzt die zerbrechlich wirkende Stimme von Tom Yorke ein, welche wieder das Thema der menschlichen Nähe aufgreift, auch wenn diese in unserer schnelllebigen Zeit oft nicht für die Ewigkeit zu sein scheint. Mit „Kamikaze“ und „This is Love“ werden schließlich nochmal zwei knackige Rocksongs aufgefahren, wobei jegliche thematische Schwermütigkeit dem Lauf der Ding weichen muss. PJ Harvey selber schließt wohl mit den Lyrics des letzten Songs den Kreis des Albums besser, als ich es jemals ausdrücken könnte.
We wanted to find love
We wanted success
Until nothing was enough
Until my middle name was excess
And somehow I lost touch
When you went out of sight
When you got lost into the city
Got lost into the night
But now we float
Take life as it comes
Zum Schluss sei gesagt, auch wenn die musikalische Untermalung über weite Strecken sehr rocklastig ist, so ist „Stories From The City, Stories From The Sea“ trotz alledem ein Singer-Songwriter Werk. Die Musik ist nur ein Transportmittel für das eigentliche Herzstück des Albums und das sind seine Texte, die immer zwischen Poesie und klarer Direktheit schwanken. Oft fließt beides sogar nahtlos ineinander über. Von der musikalischen Seite aus gesehen, ist dieses aber das Zugänglichste ihrer Alben.
Fazit:
Wer in das Schaffen von PJ Harvey einsteigen will, der sollte mit diesem Album beginnen. Meiner Meinung nach ist es auch ihr Bestes, auch wenn „Uh Huh Her“ auf dem selben qualitativen Niveau anzusiedeln ist.


