Filmtagebuch: Fäb

Besucht unsere Filmtagebücher, eröffnet euer eigenes Filmtagebuch oder wundert euch einfach nur über manchen Filmgeschmack.

Moderator: SFI

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 27.03.2008, 14:33

freeman hat geschrieben:LOL, saugeiles Trafficklaubild LOOOOL

Und wieso schreibste net mal n'Review zu den Tomaten oder den letztgenannten? Wir stehen doch hier alle auf Trash Galore ... Mach ma' faule Schwarte ;-)

In diesem Sinne:
freeman
ruhig blut brauner, war ja schon fast fertig. 8-)

http://www.liquid-love.de/forum/viewtop ... 167#164167

da kann der McClane noch sein Review druntersetzen ;)

wenn ich meins in die ofdb stelle, verlinkt ihr das gar nicht oder? wäre ja eigentlich schade drum :lol:


wieso eigentlich Trafficklaubild? wird das hier nicht angezeigt? naja auf der reviewseite bin ich nummer sicher über imageshack gegangen...

Benutzeravatar
freeman
Expendable
Expendable
Beiträge: 64259
Registriert: 12.12.2004, 23:43
Wohnort: Rötha

Beitrag von freeman » 27.03.2008, 16:36

Jupp, was schon in der OFDB ist, verlinken wir net nochmal dahin ... wollen den Jungs mit Neuem unter die Arme greifen und net mit doppelten Content ...

Jau, also bei mir wird da nen Trafficklaubild angezeigt ... irgendwas mit nem Ständer in der Unterhose ;-)

In diesem Sinne:
freeman
Bild

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 08.04.2008, 12:55

Der menschliche Makel

Bild
Trotz (oder gerade wegen?) aller Schwermütigkeit ein interessantes Drama abseits von ausgetretenen Pfaden belangloser Liebesschnulzen. Tragisch, grandios gespielt, nachdenkliches Ende.
:liquid7:


Zwei Tage in L.A.

Bild
Da schlägt "Pulp Fiction" kurz zuvor ein wie eine Bombe und da dachte man sich wohl, man könne mal eben auf den Zug aufspringen. Leider passt in dieser Gaunerkomödie/groteske nicht vieles zusammen. Die Figuren werden planlos durch ein scheinbar nach Schema F schnell aufgerissenem Drehbuch geschickt, kreuzen ihre Wege und durchkreuzen ihre Pläne - aber alles wirkt wirr erdacht und einfallslos aneinandergestückelt. Trotz einiger guter Schauspieler (u.a. Charlize Theron in ihrer ersten richtigen Rolle) will ich noch nichtmal das Rädikat "Potential verschenkt" vergeben, denn das ganze scheint wirklich nur auf der fixen Idee einer "trendy" Gaunerstory mit "kultigen" Figuren aufgebaut.
:liquid5:


No Country for old men

Bild
Letztens endlich mal ins Kino geschafft, wenn schon die ein oder anderen Filme links liegen blieben und bis auf eine DVD-Sichtung warten müssen, musste wenigstens der Coen-Film auf der Leinwand geschaut werden. Und, ja, es hat sich gelohnt. Viel düsterer und pessimistischer als die letzten 7-8 Filme des genialen Regiebrüderduos kommt "No Country for old men" daher und macht es dem Allerweltszuschauer nicht unbedingt leicht, sich für ihn zu erwärmen. Doch schafft man für sich erst einmal einen Zugang zu diesem teilweise explizit brutalen, stets unheilschwangeren staubigen Südstaatendrama, wird man mit tollen Bildern und spannend (wenngleich selbst in den 'Actionszenen' grandios langsam, und dadurch noch bedrohlicher) inszenierten Duellen und Momenten voller unaufhaltsamer fatalistischer Fügung belohnt. Die drei männlichen Hauptdarsteller (Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin) sind genial und selbst der nur kurze Auftritt von Woody Harrelson scheint nicht verschenkt, bietet er doch eine lustige Anspielung auf Oliver Stones "Natural Born Killers", als Woody Harrelsons Figur sagt, von "denen" (gemeint sind gemeingefährliche skrupellose Killer) laufen sowieso genug/zuviele rum ;).
:liquid8:


Lemmy Caution gegen Alpha 60 ("Alphaville")

Bild
Poetische, universell geltende dystopische Totalitatrismusfantasie gepaart mit Film Noir-Elementen. Das ganze durchaus "abgehobener" als herkömmliche Utopien, aber zum Glück auch nicht zu verkopft, wie es Godard-Filme ja gerne mal sind...
:liquid8:

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 18.04.2008, 02:08

Spartan

Bild

Fängt irgendwo mittendrin an, baut dann fix einen standardminimalplot à la Präsidenten-Tochter-Affäre auf um allerhand Val Kilmer-screentime zum besten geben zu können und verschwindet so belanglos wie er angefangen hat... aufgrund eines einigermaßen passablen Mittelteils keine Totalgurke, aber einigermaßen öde und einfallslos ist das ganze schon. William H. Macy spielt übrigens eine ihn geradezu lächerlich unterfordernde Nebenrolle, da hätte man vielleicht mal noch was rausholen können.
:liquid5:


The Crying Game

Bild

Manchmal etwas stures, aber unterm Strich dennoch irgendwie stimmiges Genre-Gemenge zwischen rührseligem Gesellschaftsdrama und angedeutetem Politthriller mit überaus interessantem Gender-Diskussionsstoff und grausigen End-80er/Anfang-90er-Kleidung! :lol: Zum Inhalt kann man nur sagen, dass man lieber nichts über den Film im vorhinein liest...
:liquid7:


Der Tod trägt schwarzes Leder

Bild

Von geilen Greisen und Metzelmetzgern... Nein, dieser Giallo ist schon nicht schlecht. Die Polizei hat einen heiklen Fall an der Backe, als sie einem ominösen Zuhälterring auf die Pelle rückt, der Heranwachsende Mädchen verschleppt und/oder überredet, für Sex das Taschengeld aufzubessern. Immer weiter dringt man in die Strukturen dieser perversen Machenschaften vor und es fließen reichlich Körperflüssigkeiten - ich rede natürlich von Blut! ;) In einer größeren Nebenrolle Mario Adorf, dessen Part ich mir aber etwas einnehmender gewünscht hätte (zumal man ja nicht von ungefähr in Deutschland seinen Namen werbewirksam für diesen Film einsetzt, der ansonsten wohl wirklich nur Genre-Vögel interessiert ;) erinnert ein bisschen an die Methoden der trashigen italowestern, die für 2 Minuten screentime Klaus Kinski verpflichtet haben, nur um seinen Namen auf alle Plakate megagroß draufpappen zu können ;) )
:liquid7:


Augen der Angst - Peeping Tom

Bild

Ganz hervorragender psycho-thriller-slasher, der seiner Zeit vielleicht etwas voraus war (1960) und sicherlich die Vorlage so einiger Versatzstücke des populären Horrorkinos darstellt. Besonders interessant natürlich die subjektive Kamera und das Psychogramm des zwar krankhaften aber nicht unintelligenten Täters. Ein kleines Juwel des dramatischen Horrorfilms mit einem tollen Karlheinz Böhm, der davor und danach wohl nichts vergleichbares gespielt hat und damals hoffentlich einigen "Sissi"-Knalltüten einen ordentlichen Schock versetzt hat. Hat aber derlei Publikum gar nicht erst erreicht glaub ich... wie dem auch sei, wer den noch nicht kennt: Anschauen!
:liquid9:

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 03.05.2008, 14:57

Die Lethal Weapon-Reihe zwar irgendwann-irgendwie mal im TV gesehen, aber wirklich in Erinnerung hatte ich nur noch Teil 1. Bis jetzt die DVDs nicht bessesen und daher letztens bei Saturn mal zugeschlagen als es die Silberbox für 18,99 Öcken gab! :) In den letzten paar Tagen dann nochmal alle durchgezogen.

Lethal Weapon
Bild
Grandioser Auftakt.
:liquid9:


Lethal Weapon 2
Bild
Jau, das Konzept passt!
:liquid9:


Lethal Weapon 3
Bild
Müdigkeitserscheinungen? Achwas!!
:liquid8:


Lethal Weapon 4
Bild
Würdiger Abschluss dieser tollen Buddy-Filme.
:liquid8:


!Zusammen!
Bild
Sehr charmante Gesellschaftskomödie anhand einer schwedischen Familie vor dem Hintergrund der 70's, will sagen: Familiendrama zwischen K-Gruppen, Flower Power, Sexueller Befreiung und Spießbürger vs. Kommunenbewohner. Gelungen!
:liquid8:


Shaft - Liebesgrüße aus Pistolen
Bild
Der zweite Teil der drei Shaft-Filme kann weiter durch seine coole Hauptfigur und dem gewohnt lässigen score punkten, schlägt aber schon nicht mehr so ein wie der erste Film. Zwar attestieren die meisten dem danach folgenden dritten Shaft nur noch trash-charakter, aber immerhin versuchte man da neue Wege zu gehen, was imo auch gar nicht so schlecht gelang. Daher sieht meine abschließende Shaft-Wertungsskala nun folgendermaßen aus:
Shaft (1971) - 8/10
Liebesgrüße aus Pistolen (1972) - 6/10
Shaft in Afrika (1973) - 6/10
Shaft - Noch Fragen? (2000; Remake) - 6,5/10


Fido
Bild
"Pleasentville" meets Zombie-Satire. Amüsant!
:liquid7:


Ich glaub ich hab irgendwas vergessen, aber naja, drauf geschissen.
Gestern während der Pfannekuchenorgie nochmal Hot Fuzz - haben uns mal wieder weggeschmissen, einfach nur hammer! (9/10 konstant!) Ich sollte demnächst wirklich mal mit meiner feschen "Hot Fuzz"-Umhängetasche in die Uni gehen, gerade als "Fuzz" (rothaariger) wie man hier im Rheinland sagt, ist das ja eigentlich Pflicht. 8-) :lol:

Benutzeravatar
Vince
Actioncrew
Actioncrew
Beiträge: 21071
Registriert: 30.09.2005, 18:00
Wohnort: Aachen

Beitrag von Vince » 04.05.2008, 15:45

Den Hot Fuzz hab ich letzte Woche auch mal wieder gesehen. Geiler noch als beim ersten Mal. Nach wie vor stört mich ein bisschen die visuelle und akustische Sprache - zu "Shaun of the Dead" haben diese plötzlichen Soundgewitter mit Schockwirkung gut gepasst, nicht aber zu "Hot Fuzz". Aber ansonsten... der Humor ist granatenstark und von British Comedy per se bin ich eigentlich nicht gerade DER Überfan...

Zu Lethal Weapon: Fast 100-prozentige Übereinstimmung, Fäb! :26
Nur den vierten Teil seh ich nen Punkt schwächer...

Und Fido interessiert mich auch über alle Maßen. Den muss ich unbedingt mal gucken.

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 04.05.2008, 17:32

Vince hat geschrieben:Und Fido interessiert mich auch über alle Maßen. Den muss ich unbedingt mal gucken.
jo, erwarte aber nicht zuu viel. Der ist zwar echt dufte, ruht sich aber einen tick zu sehr auf seiner Grundidee aus und könnte etwas temporeicher als die Bewegungen seiner untoten Protagonisten sein ;)

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 06.05.2008, 00:07

Blutige Seide

Bild

Top-Giallo von Top-Regisseur Mario Bava, der mit diesem Film das Genre überhaupt wesentlich beeinflusste. Kommt insgesamt recht edel und ohne jedwede trashigen Auswüchse daher, konzentriert sich vornehmlich auf das "who dunnit" und setzt die Morde zwar nicht immer triefend, aber auch alles andere als zimperlich in Szene. Das Krimi-Konstrukt ist zwar nicht wahnsinnig einfallsreich, aber dafür macht der Film auf visueller Ebene die ein oder andere Plattheit des Krimi-Konstrukts (das aber auf gar keinen Fall gänzlich einfallslos ist) locker wett. Gehört auf jeden Fall zur Giallo-Spitzenklasse und qualifiziert sich damit für einen breiteren Zuschauerkreis.
:liquid8:

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 08.05.2008, 16:44

Juno

Bild

Zuerst einmal: Ellen Page ist einfach nur genial! Im gleichen Atemzug muss man hier übrigens auch mal die deutsche Synchro loben, die ihre Marotten und Sprüche super rüberbringt - auch wenn ich auf DVD sicher auch mal das Original dagegenhalten werde. Die Geschichte besticht durch ihre unaufgeregten leisen Tönen angesichts eines Themas, dass eigentlich keinen kalt lässt - außer bisweilen die Hauptperson selbst. Bekringeln kann man sich außerdem vor Lachen ob der schnodderigen liebevollen Art des Vaters, der ganz lebensnah und ungekünstelt von einem tollen J.K. Simmons interpretiert wird. Ein schöner kleiner Film, lustig ohne lächerlich zu sein, ernst ohne überdramatisch oder peinlich zu sein.
:liquid8: ,5


Warlock - Der Mann mit den goldenen Colts

Bild

Klassiker mit interessanter Protagonistenkonstellation und souveränem Fonda hin oder her: Über weite Strecken überwiegt schlicht und einfach die Vorhersehbarkeit und Langeweile. Als leicht schwule gendertheoretische Cowboystudie geht das wohl in Ordnung, wirklich Spaß macht der Film aber zu keiner Zeit.
:liquid5: ,5

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 09.05.2008, 19:42

Yankee

Bild

Frühes Werk und einziger Western des exzentrischen und oftmals als Pornoregisseur verschrieenen Tinto Brass ("Caligula"), das optisch auf ganzer Linie überzeugt. "Yankee" kann in jeder Phase mit einem sehr edlen look aufwarten und entzückt zudem durch ausgefeilte Kamerablickwinkel. Letztlich bleibt aber die anfangs noch vielversprechende Geschichte im Verlauf des Films auf der Strecke und besonders das in meinen Augen einigermaßen verkorkste Ende zerren leider arg am Gesamtbild, aber aus der breiten Masse sticht "Yankee" trotzdem noch mühelos heraus. Wenn neben der schicken Inszenierung auch noch ein fähiger Drehbuchautor mit an Bord gewesen wäre und auf diesem Gebiet für Ebenbürtigkeit zum Rest gesorgt hätte, wäre es wohl ein absoluter Italowesternknaller geworden.
:liquid6: ,5 - mit Tendenz zur 7

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 14.05.2008, 00:45

Ssssnake Kobra

Bild

Hatte nicht allzuviel vorher gelesen, mir aber insgeheim einen 70er Jahre Tierhorrorgeheimtipp oder wenigstens eine rassige trashgranate erhofft. Nichts von alledem ist "Ssssnake Kobra", der über die gesamte Laufzeit vorhersehbar und inszenatorisch einfallslos vor sich herdümpelt. Das schlimmste ist das grausig schlechte Ende, das deshalb grausig schlecht ist, weil man keinen Mut zum trash zeigte und der Versuch, das ganze irgendwie am Ende realistisch darzustellen, vollkommen peinlich wirkt - jedenfalls peinlicher als jeder ehrliche Darstellungsversuch gewesen wäre, der ungeachtet der 1973 angesichts eines sicherlich geringen budgets zur Verfügung stehenden tricktechnischen Mitteln unternommen worden wäre. Achja: Dafür schwingt man nur zu gerne die auf der bildlichen Ebene eingesetzte Moralkeule à la 'Natur setzt sich dem Eingriff des Menschen zur Wehr' etc. - naja, das macht die Sache in keinster Weise besser. Insgesamt: Schade, mit ein bisschen mehr Mut und etwas mehr (sehr viel mehr) Tempo oder wenigstens Blut und Gekröse hätte da ein kleiner feiner tierhorrorspaß draus werden können. Doch man wählte die "seriöse Schiene" und scheiterte grandios. Daran konnte auch der spätere A-Team "Faceman"-Darsteller Dirk Benedict in der Hauptrolle ;), gut gemeinte Anleihen beim Klassiker "Freaks" (1932) sowie das Plakat, das womöglich auf "Deep throat" (1972) anspielt, nichts ändern.
:liquid3:

Benutzeravatar
Vince
Actioncrew
Actioncrew
Beiträge: 21071
Registriert: 30.09.2005, 18:00
Wohnort: Aachen

Beitrag von Vince » 14.05.2008, 11:14

Hahaha, geiler Titel. :lol:

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 16.05.2008, 14:03

The Brown Bunny

Bild

Tja was soll man da von halten? Vincent Gallo als benommene One-Man-Show in einem Selbstfindungsroadtrip, der sich anfühlt und ausschaut als betrachte man die Welt durch einen Schleier oder sei betäubt - genau dies ist auch der Protagonist. Betäubt vom Schmerz über den Verlust seiner Freundin fährt Gallos Figur Bud quer durch die Wallachei der südlichen USA und versucht mal hier und mal da anzubandeln, erliegt aber immer wieder seiner tiefen Depression. Dabei ist der an vielen Stellen fast ganz fehlende und sonst nur sehr sehr sehr spärliche oder rauschende Ton meiner Meinung nach mehr störend als effektiv in der Unterstützung des Zustand des Betäubtseins, Dialoge sind oft derart leise, dass man Untertitel einschalten muss. Aber nun gut, das alles sei verziehen, mit gutem Willen ist dies der Förderung des angesprochenen Effekts des Zustandes des Betäubtseins der Figur zuzuschreiben. Der Clou am Ende zeigt, wie sehr sich Bud in seiner Trauer der Realität entzogen hat, kommt aber alles andere als übergenial daher. Die explizite Oralsex-Szene am Ende hat natürlich von sich Reden gemacht. Man könnte sagen, sie sei purer Selbstzweck. Man könnte aber auch sagen, die Person Vincent Gallo ist Selbstzweck.

Benutzeravatar
EatenAlive
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1743
Registriert: 10.09.2006, 15:37
Wohnort: Lübeck

Beitrag von EatenAlive » 16.05.2008, 20:22

Für mich ist "Brown Bunny" purer Narzissmus. Seitdem ich mal gelesen habe, dass Vincent Gallo sein eigenes Sperma für eine Million an willige Frauen verkaufen wollte, wundert mich bei dem gar nichts mehr. :lol:

Sein Buffalo '66 war trotzdem richtig gut.
Trust Me, I'm a Doctor!!

"Denn um dem Denken eine Grenze zu ziehen, müßten wir beide Seiten dieser Grenze denken können (wir müßten also denken können, was sich nicht denken läßt"

Mein Last.FM Profil

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 17.05.2008, 04:47

EatenAlive hat geschrieben:Für mich ist "Brown Bunny" purer Narzissmus.
Jau, so kann man das mit Fug und Recht sehen, das meinte ich ja in etwa mit "Die Person Gallo ist Selbstzweck". Narzissmus trifft es noch direkter.


Mother of Tears

Bild

Peinlicher Abschluss der Mutter-Trilogie des einstmals tollen Giallo und Horrorregisseurs Argento, der nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein scheint und sich dermaßen selbst der Lächerlichkeit preisgibt, dass es schon fast traurig ist - wenn es nicht dermaßen unfreiwillig komisch wäre. Denn das wenigstens ist der vollkommen misslungene "La Terza Madre" in fast jeder Faser. Lachhafte CGI fast auf "Gen Soldat" bzw. "S.S. Doomtrooper"-Niveau (für die die es kennen :lol: und jaaa, auch ich habe mir den scheiss mal die ersten paar Minuten lang auf Premiere angesehen...), billigste Reduzierung des Ganzen auf schlechten Gore, miese TV-Optik ohne den Glanz und die schicke Optik aus längst vergangenen "Suspiria" oder wenigstens "Horror Infernal"-Zeiten, arme Inszenierung, sinnlos-script, schlechte oder lustlose Darsteller von A (A wie Asia Argento) bis Z (das lustige Englisch was die Italiener und Deutschen drauf haben ist hierbei noch nichtmal so störend), lachhaftes Ende mit - auch wenn ich es schon ganz zu anfang bei der Aufzählung sagte - peinlichen computereffekten die dergestalt schon seit langer Zeit nur unfreiwillige Komik verbreiten. Jede gerenderte Zwischensequenz bei Videospielen stellt sowas locker in den Schatten - seit JAHREN. Meine Empfehlung: Angucken ja, aber nicht unter 2 Promille!
:liquid2:


Just a Kiss

Bild

Ken Loach ist ja bekannt für seine sozioproblematischen Themen - wobei ich zugeben muss, bislang sonst nur den gelungenen "Sweet Sixteen" wirklich gesehen zu haben. Aber bleibe ich dennoch mal nach allem was man so aufschnappt bei dieser Annahme, so stellt "Just a Kiss" da keine Ausnahme dar und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes pakistanischer Einwanderer und einer einheimischen Lehrerin. Deren Liebe zueinander wird erschwert durch die Zwänge die sich für Casim, den einzigen Sohn der strenggläubigen Pakistischen Familie, bestehend aus quasi-Zwangsheirat und strengen Rieten ergeben. Obwohl er und seine Schwester in Glasgow aufgewachsen sind und sich vollkommen als Teil dieser westlichen Welt fühlen, sollen sie mit von den Eltern ausgesuchten Partnern verheiratet werden etc. Lange Zeit versucht Casim den Spagat zwischen beiden Welten, doch kann er einerseits nicht so "tun als ob" und seine Eltern andererseits nicht aus ihrer seit Jahrzehnten eingefahrenen Rolle heraus. Insgesamt ein teils tragischer, aber aufgrund seines recht klaren statements (zumindest ist dies die sehr naheliegende Lesart) doch eindeutig positiv stimmender Film - zumindest in Bezug auf das Einzelschicksal der Protagonisten. Das gesellschaftliche Problem tritt hier für die Dauer des glücklichen Moments zurück, aber sicherlich noch Jahrzentelang für viele andere Menschen real bestehen. Dies macht die Tragik aus.
:liquid7:,5


Catch-22

Bild

Trick 22 oder: Wie die Kriegswirren die Menschen verrückt werden lassen. Dieses Kult-Ding von 1970 verblüfft von Minute zu Minute mehr durch eine zunächst völlig krasse und teils ironisch-menschenverachtende Haltung und dann immer mehr durch die fast beispielhaft durchexerzierte Verrücktheit des Systems Krieg und Systems US-Army. Eine bissige Satire auf den Krieg als Unterfangen im allgemeinen und vor allem die Sinnlosigkeit der Rolle eines einzelnen Soldaten im Speziellen. Perverse Kommandanten und eine Starriege inbegriffen (u.a. kleiner Auftritt von Orson Welles). Hat mich streckenweise übrigens an "Army Go Home!" erinnert, der zwar auf einem Stützpunkt in Friedenszeiten spielt, sich aber vielleicht das ein oder andere von "Catch-22" abgeschaut hat. Wer auf sowas steht, irrsinnige Satire abkann oder auch auf so Militärhumor à la "Stoßtrupp Gold" steht, muss diesen Klassiker unbedingt mal sehen.
:liquid8: ,5

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 23.05.2008, 16:33

Der Tag als Bobby Ewing starb
Bild
Ganz amüsant, frag mich wieso der teilweise so in den Boden gestampft wird. Filmisch sicherlich kein weiter Wurf, aber sympathisch gespielt und durchaus mit Gespür für Situationskomik/-tragik.
:liquid6:


Lonely Hearts Killers
Bild
Obwohl ich eigentlich ein Problem mit von A nach Z erzählten und das Ende schon vorweggenommenen Geschichten habe, schafft es der Film zeitweise mit einigen beklemmenden Situationen so etwas wie Spannung aufzubauen und kann mit einem stets klasse aussehenden look und hervorragenden Darstellern aufwarten - wenngleich ich seltsamerweise dauernd das Gefühl hatte, John Travolta ist irgendwie fehlbesetzt für die Rolle (Russel Crowe o.ä. wäre ein Traum gewesen), das hat nichts damit zu tun, dass ich Travolta nicht gerne sehen würde - im Gegenteil! Aber gerade hier hat sich irgendwas die ganze Zeit gewehrt. Naja. Dafür überzeugen Jared Leto und Salma Hayek als Duo Infernale auf ganzer Linie! Insgesamt reichts trotzdem nur für passable:
:liquid6:


The Fountainhead
Bild
Ziemlich formelhaftes Melodram mit "Mr. integer" Gary Cooper als prinzipientreuer eigenwilliger Architekt, der lieber erhobenen Hauptes in die Gosse der Gesellschaft geht als seine Seele zu verkaufen - und am Ende natürlich trotzdem als strahlender Held und Gewinner dasteht. Naja, wer's mag... beeindruckende Wolkenkratzeraufnahmen sowie tolle Innensettings sind aber auch für nicht ausgewiesene Melodramafreunde auf der Habenseite zu verbuchen-
:liquid5:


Purely Belter
Bild
Zwei Freunde aus den ärmlichen Arbeitervierteln (resp. "Arbeitslosenvierteln"...) Newcastles fassen den Beschluss mit kiffen etc. aufzuhören und auf Dauerkarten für ihren Club zu sparen um Alan Shearer & Co. live im Stadion zuzujubeln. Eine schöne Geschichte, nette bis sehr geile Gags, zwei klasse Nachwuchsdarsteller und eine zum Glpck nicht zu aufdringliche Moralkeule zeichnen dieses Milieudrama aus. Sunderland, fuck off!!
:liquid7: (<- edit, hatte die wertungswelle vergessen)


Spoiler-Warnung


Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Bild

Zunächst einmal: Ich hatte schlimmeres befürchtet und wurde positiv überrascht. Der Mythos Indy wird von Spielberg nicht unfreiwillig demontiert sondern durchaus ehrenhaft um eine neue Altersepisode erweitert. Ford ist noch passabel in Form, sein gesetzteres Alter wird oft genug (aber nicht penetrant) thematisiert und teils ironisch kommentiert und eine runde Kombination aus der Arbeit von Stuntmen-Kompanien und Computererffekten sorgen bei rasanten Verfolgungsjagden, wüsten Kloppereien oder diversem übernatürlichen krimskram für eine schöne äußere Form. Storytechnisch betritt man ebenfalls zunächst gewohnte Schemata, führt die Personen und das Thema ein, schickt dann die ganze bagage auf Reisen um sich gegenseitig zu behaken (vornehmlich im Dschungel), feine one-liner rauszuhauen und schön konstruierte Situationen, in denen unsere Freunde gegen Fallen/Tiere/Eingeborene/Russen und was halt sonst noch so alles kreucht und fleucht bestehen müssen, zur Geltung kommen zu lassen. Doch dann schlägt dieser vermaledeite Spielberg mit seiner nicht zu bändigenden Affinität zu Außerirdischen am Ende doch noch über die Stränge, indem er einen etwas unpassenden Schlusspunkt setzt, wilde computergenerierte dimensionenstrudel und alien anstelle eines zünftigen Schlusskampfes wie sich das gehört setzt. In dieser Form wäre dies wahrlich nicht mehr nötig gewesen, aber sei's drum, versauen konnte er damit seinen Film auch nicht mehr, der trotzdem als gelungen - wenn auch nicht bahnbrechend genial - bezeichnet werden kann. Zudem gibt die letzte Szene in der Kirche Grund zur Hoffnung, dass es keinen Indy-Teil mehr ohne Harrison Ford geben wird: Es gibt nur einen Indy und der Hut passt keinem Nachfolger. 8-)
:liquid7:

Benutzeravatar
Frances TM
Disney Fan
Beiträge: 170
Registriert: 04.06.2007, 16:20

Beitrag von Frances TM » 23.05.2008, 19:38

Fäb hat geschrieben:Ziemlich formelhaftes Melodram mit "Mr. integer" Gary Cooper als prinzipientreuer eigenwilliger Architekt, der lieber erhobenen Hauptes in die Gosse der Gesellschaft geht als seine Seele zu verkaufen - und am Ende natürlich trotzdem als strahlender Held und Gewinner dasteht. Naja, wer's mag... beeindruckende Wolkenkratzeraufnahmen sowie tolle Innensettings sind aber auch für nicht ausgewiesene Melodramafreunde auf der Habenseite zu verbuchen-
Dann würdest du lieber deine Seele verkaufen? ;)
Ne, im Ernst: Die Romanvorlage von Ayn Rand ist ziemlich genial. Welche Frau kann schon von sich behaupten Begründerin einer neuartigen Philosophie zu sein, und diese dann noch in Prosaform der Masse zugänglich machen zu können? Vom Objektivismus kann man halten was man will, aber er vermittelt viele gute und imo auch für den Alltag nützliche Moral- und Wertvorstellungen. Obwohl ich bei Weitem nicht alles an ihm gutheiße. Das ganze Spektrum an Gefühlen (um Donnie Darko mal zitieren zu dürfen) wird von ihm einfach ausgeblendet. Auch, dass Mrs Rand (sie ist 1982 gestorben) den Kapitalismus der USA als beste Wirtschaftsform deklassiert ist so ein zweischneidiges Schwert. Aber damit würde sich auch ihre Affinität zu Happy Ends erklären lassen. Im Buch war es nämlich irgendwie genauso unpassend, aus der Ferne betrachtet. Allerdings hat der Protagonist in seiner Schlussrede uns Menschen (wer sich nicht angesprochen fühlt, möge den ersten Stein werfen) so plausibel als Heuchler dargestellt, dass mich so geschämt hab und ihm sein Happy End natürlich gegönnt habe.

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 23.05.2008, 19:58

Frances TM hat geschrieben:Allerdings hat der Protagonist in seiner Schlussrede uns Menschen (wer sich nicht angesprochen fühlt, möge den ersten Stein werfen) so plausibel als Heuchler dargestellt, dass mich so geschämt hab und ihm sein Happy End natürlich gegönnt habe.
ja schon klar, trotzdem sind mir in derlei Filmen die Hauptfiguren und ihre Antagonisten oft zu schwarz/weiß gemalt (auch wenn sie in Farbe wären, haha). Das mag gerade bei Fountainhead mit dem Zeitungsmogulen nicht unbedingt zutreffen, da dieser ja einer Wandlung unterliegt, jedoch knickt er erstens auch selbst noch ein und weiß zweitens ja zu diesem Zeitpunkt noch nichts von der Liason zwischen Roark/Miss Francon. Aber natürlich sollte man einem Film von 1949 noch ein gehöriges Maß an Naivität zugestehen, schon klar ;) Gefallen hat er mir trotzdem eher mäßig. :)

Benutzeravatar
Frances TM
Disney Fan
Beiträge: 170
Registriert: 04.06.2007, 16:20

Beitrag von Frances TM » 24.05.2008, 12:27

Im Buch kam es eigentlich ganz gut rüber, dass man es eher mit einer Parabel zu tun hat. Im Film dann wohl nicht so.

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 06.07.2008, 17:56

The Holy Mountain

Bild
Durchgeknallt und einfallsreich, wirr und trotzdem schlussendlich geerdet. In Worten schwer wiederzugeben, vor allem wenn es einige Wochen zurückliegt ;) Ein großer visueller "Spaß" und netter Wink am Ende. Nicht ganz so genial wie "El Topo", aber Jodorowsky interessiert mich immer mehr. Leider hat er außer dem für mich noch bald folgenden "Santa Sangre" ja fast nix mehr gemacht, schade.
:liquid8:


Die syrische Braut

Bild
Eine Hochzeit zwischen einer Drusin von den von Israel besetzten Golanhöhen mit einem Juden aus Israel gerät zum Aufhänger einer pointierten Sicht auf die hoffnungslos verfahrene politische Situation der Region. Israele Machtpolitik vs. Syrische Ansprüche vs. UN-Vermittlungsversuche, Stammesgrundsätze vs. Öffnung, Familienhierarchie vs. Emanzipation - ein tolles Drama ohne anklagenden Holzhammer, dass die aberwitzigen Situationen sclicht für sich sprechen lässt.
:liquid8:


König der Diebe

Bild
Zum zweiten mal gesehen, nach wie vor unfassbar gutes Drama ohne jegliche als "typisch deutsch" bezeichnete Schwächen. Mit grandiosen Jungdarstellern (der kleine Kerl sowie Oktay Özdemir) und genauso mitreißenden Routiniers (Katharina Thalbach, Birol Ünel und Lazar Ristovski, der jedoch super aber mir vorher unbekannt war). Unfassbarer Weise gibt es immer noch keine deutsche DVD-Auswertung (sogar die Amis haben den mittlerweile rausgebracht!) und so wird der Film auch weiterhin einem größeren Publikum verschlossen bleiben, skandalös. Da muss man also weiterhin hoffen, dass er nochmal im free-tv ausgestrahlt wird oder von einer jenen Aufnahme zehren.
:liquid9:


Noi Albinoi

Bild
Herrlich lakonisches coming of age-Drama aus dem hohen Norden der sehr (SEHR!) einsamen Peripherie Islands! Könnte fast schon ein Kaurismäki sein.
:liquid7:


Eine andere Liga

Bild
Sicherlich überragend gespielt von der hübschen Karoline Herfurth. Aber zum Ende hin leider teils etwas danebengehauen und Fußball im deutschen Film (im Film generell) ist nunmal meistens leider absolut grauenhaft dargestellt. Üble Witz-Versuche gehen unter wie ein Stein und passen zudem so gar nicht zu dem schwermütigen Drama um Brustkrebs und Liebe, das der Film erzählt. Keine Ahnung was man sich dabei gedacht hat, vermutlich vorher zuviel "Kick it like Beckham" geguckt und vor der WM gedacht, das trifft den Zeitgeist. Urks, leider zieht dies das toll gespielte Drama ziemlich runter.
:liquid6:,5

Benutzeravatar
Ed Hunter
Action Fan
Action Fan
Beiträge: 2649
Registriert: 15.10.2007, 18:02

Beitrag von Ed Hunter » 06.07.2008, 18:04

"Holy Mountain" hat mir auch sehr gut gefallen, sogar noch besser, weil abgefahrener, als "El Topo".
All we are is dust in the wind.
Bild
Mein Filmtagebuch

Benutzeravatar
daemonicus
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 2433
Registriert: 01.12.2005, 17:17
Wohnort: Berlin

Beitrag von daemonicus » 06.07.2008, 18:39

Zu Jodorowsky:
Dieses Boxset enthält neben El Topo und Montana Sacra noch Fando y lis und den Kurzfilm La Cravatte. Sehr empfehlenswert.

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 29.07.2008, 15:04

seit einer Woche auch endlich mal wieder zu ein paar filmchen gekommen. Neben "Fargo" und "Big Lebowski", die ich zum gefühlten 78. mal gesehen hab - musste aber nochmal sein, da man ja nicht zulassen kann, dass Kumpels unerleuchtet bleiben ;) - waren diese hier neu für mich:


Der zerrissene Vorhang
Bild
Zählt nicht unbedingt zu den besten Hitchcocks, wenngleich natürlich seine weniger brillianten immer noch gute Filme sind. Bin aber allgemein auch eher Fan seiner Horror- und Thriller- als seiner reinen Agentenfilme. Der hier war mir von Anfang an etwas zu vorhersehbar und kam irgendwie nie so richtig aus dem Tran. Aber wie gesagt, alles auf Hitchcock-Level, was auch meckern auf hohem Niveau bedeutet. Eins noch: Die bluescreen-Aufnahmen bei Autofahrten konnte man auch 1966 schon sauberer hinkriegen oder? Sah für mich (ich wiederhole mich: zumindest in einem Hitchcock!) sehr unscharf und oft von den Bewegungen her unsauber aus. Da fragt man sich, ob der gute Alfred nicht mal lieber öfter besser draußen gedreht hätte, anstatt jeden pups mit viel Aufwand im Studio zu machen ;)
:liquid6: ,5


Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul
Bild
Interessante Einblicke in eine seltsame Underground-Musikszene eines Landes, das so voller Widersprüche und gleichzeitig voller Möglichkeiten ist. Das Fazit, dass man nur an der Oberfläche gekratzt habe, stimmt sicherlich. Faszinierend aber allemal. Wenn mich allerdings jemand ein paar Stunden lang zwingen würde, Saz-Gedudel untermalt mit elegischem Jammergesang anzuhören laufe ich Amok :twisted:
:liquid7:


Swallowtail Butterfly (Yentown)
Bild
Wunderbarer Film über menschliche Abgründe, Leid, Freundschaft, Gewalt - und Geld. Japaner und Südkoreaner haben ja des Öfteren kein Problem damit, wilde Genremixturen anzurühren. Und so ändert auch "Yentown" öfter mal die Richtung, von düsterem Drama zu Gangsterfilm zu Coming of Age-Tragikomödie zu Gewaltgroteske... ein einziger Rausch, aber mit erkennbarem roten Faden und gesellschaftskritischem Grundton.
:liquid8:,5


Monday
Bild
LOL, nach der letzten Woche bin ich froh, dass es mir nicht ähnlich schlimm ergangen ist: Ein Mann wacht Montags im Hotelzimmer nach durchzechtem Wochenende auf und allmählich fügen sich die bruchstückhaften Erinnerungen zu einem halben Ganzen zusammen und führen zu schlimmen Erkenntnissen...
Das Ende nervt zuerst gewaltig, doch dann lässt man es als Groteske durchgehen und schließlich funktioniert es als eine Art Satire auf die Erwartungshaltung des Zuschauers, der nämlich öfters die Seiten wechselt und schließlich gleichzeitig Erleichterung und Mitleid empfindet. Irgendwie kurios, manchmal enervierend, aber auf jeden Fall hochinteressant.
:liquid7:


Blessing Bell
Bild
Nachdem eine Fabrik und somit sein Arbeitsplatz dicht gemacht wird, beginnt ein Mann loszuwandern. Das ganze erinnert ein bisschen an Forrest Gump auf Valium. Oder an ein Roadmovie dem man das Auto geklaut hat. Jedenfalls erlebt der Protagonist in beinahe-Superslomo jede mange Skurrilitäten, bevor er die Heimreise antritt...
Auf Dauer fehlt mir glaube ich die Geduld für diese hochtrabende Kinokunst, die aus jeder Pore zu ätzen scheint: "seht her wie langsam und stilisiert ich inszeniert bin, denn schließlich bin ich echtes großes-kleines Arthousekino! Daher müsst ihr mich gut finden und anhimmeln, egal ob ich langweilig bin oder nicht!" Nunja, ganz so schlimm ist es nicht. Aber ein richtiger cinema-asia-freak werde ich in diesem Leben dennoch nicht mehr.
:liquid6:


The Devil's Backbone
Bild
Ein durchaus gelungener Mix aus einer Art Internatsdrama (wenngleich es sich eher um ein Kinderflüchtlingslager handelt), Spukgeschichte und handfestem Horror vor dem Hintergrund der spanischen Bürgerkriegswirren. Dabei spielt der Horroranteil zwar eine tragende Rolle, kommt aber trotz detailliert und mit Hilfe von Computertricks sauber und nicht billig in Szene gesetzten Effekten angenehm dezent rüber. Das Unbehagen geht eher von der Habgier und dem Überlebenskampf der Menschen untereinander aus. Bestimmt nicht weltbewegend aber trotz verschiedener Genre-Strömungen nicht zerfasert, sondern am Ende recht stimmig, sodass ein kleiner feiner Gruselfilm im Kriegs- und Jugenddrama-Gewand bleibt.
:liquid6:,5

Benutzeravatar
Fäb
Action Prolet
Action Prolet
Beiträge: 1490
Registriert: 23.07.2006, 20:34
Wohnort: Köln

Beitrag von Fäb » 04.08.2008, 17:40

Im Auftrag des Teufels
Bild
Zum ersten mal richtig von Anfang bis Ende geschaut, vorher immer nur Versatzstücke verschiedener Stellen. Ein atmosphärisch unglaublich dichter bis beklemmender Streifen mit tollen Darstellern aus der ersten Liga. Horror im Anwaltslook. Großes Kino.
:liquid8:


Little Miss Sunshine
Bild
Zusammen mit "Garden State" wohl der schönste solcher Dramödien der letzten Zeit. Dieser hier hat aber noch mehr Tempo. Einfach nur köstlich, dabei jedoch nie kitschig, perfekt!
:liquid9:


Apocalypto
Bild
Als Actionfuim unterhaltend, auch darüberhinaus zwar ambitioniert aber eher dünn. Zwischendurch natürlich (herz)reißerisch brutal inszeniert, aber ich muss sagen, das ging noch einigermaßen klar soweit. Dass der gute Mel an sowas 'n Narren gefressen hat, wiss'mer ja ;) Langweilig wirds nie, schnell vergessen ists aber auch. Das Ende erinnert dann streckenweise sehr an Rambo und Predator :D
:liquid6:


American Heart
Bild
Gut gespieltes Vater-Sohn-Drama mit Jeff Bridges und Edward Furlong (beide noch jung). Bridges überzeugt mit einer pampigen Art als Ex-Knacki-Papi und der Film zeichnet eine allmähliche Annäherung der beiden. Bei der genauen Charakterzeichnung hat man allerdings vergessen, den ein oder anderen interessanten Tupfer mehr in die Handlung einzubauen. Dennoch ist das Verhältnis der beiden und ihre problembehaftete Auseinandersetzung intensiv umgesetzt und das Ende besticht durch eine Traurigkeit, die man sich im größeren Mainstreamkino so leider kaum mehr erlauben kann.
:liquid6:,5


Der Letzte König von Schottland
Bild
Endlich nachgeholt! Ein toller Film. Sozusagen ein bewusst verschleierter Blick aus dem Auge des Orkans, dessen beschönigender Nebel sich für unseren Protagonisten erst allmählich lichtet und den Blick frei gibt auf das ganze Ausmaß des Irrsinns. Forest Whitaker als Diktator Amin ist genial.
:liquid8:


Sunshine
Bild
Beginnt gut und fühlt sich "anders" an. Stürzt dann aber im letzten Drittel ziemlich ab und endet mehr als konventionell. Dissonanzen innerhalb der Crew, unheimliche Störelemente, Jagen und gejagd werden in den Gängen. Weltenretterfilme sind generell nicht so ganz mein Fall, aber von dem hier hatte ich irgendwie originelleres erwartet. Nunja, reicht noch für ganz guten Durchschnitt.
:liquid6:

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste