seit einer Woche auch endlich mal wieder zu ein paar filmchen gekommen. Neben "Fargo" und "Big Lebowski", die ich zum gefühlten 78. mal gesehen hab - musste aber nochmal sein, da man ja nicht zulassen kann, dass Kumpels unerleuchtet bleiben ;) - waren diese hier neu für mich:
Der zerrissene Vorhang

Zählt nicht unbedingt zu den besten Hitchcocks, wenngleich natürlich seine weniger brillianten immer noch gute Filme sind. Bin aber allgemein auch eher Fan seiner Horror- und Thriller- als seiner reinen Agentenfilme. Der hier war mir von Anfang an etwas zu vorhersehbar und kam irgendwie nie so richtig aus dem Tran. Aber wie gesagt, alles auf Hitchcock-Level, was auch meckern auf hohem Niveau bedeutet. Eins noch: Die bluescreen-Aufnahmen bei Autofahrten konnte man auch 1966 schon sauberer hinkriegen oder? Sah für mich (ich wiederhole mich: zumindest in einem Hitchcock!) sehr unscharf und oft von den Bewegungen her unsauber aus. Da fragt man sich, ob der gute Alfred nicht mal lieber öfter besser draußen gedreht hätte, anstatt jeden pups mit viel Aufwand im Studio zu machen ;)

,5
Crossing the Bridge: The Sound of Istanbul

Interessante Einblicke in eine seltsame Underground-Musikszene eines Landes, das so voller Widersprüche und gleichzeitig voller Möglichkeiten ist. Das Fazit, dass man nur an der Oberfläche gekratzt habe, stimmt sicherlich. Faszinierend aber allemal. Wenn mich allerdings jemand ein paar Stunden lang zwingen würde, Saz-Gedudel untermalt mit elegischem Jammergesang anzuhören laufe ich Amok :twisted:
Swallowtail Butterfly (Yentown)

Wunderbarer Film über menschliche Abgründe, Leid, Freundschaft, Gewalt - und Geld. Japaner und Südkoreaner haben ja des Öfteren kein Problem damit, wilde Genremixturen anzurühren. Und so ändert auch "Yentown" öfter mal die Richtung, von düsterem Drama zu Gangsterfilm zu Coming of Age-Tragikomödie zu Gewaltgroteske... ein einziger Rausch, aber mit erkennbarem roten Faden und gesellschaftskritischem Grundton.

,5
Monday

LOL, nach der letzten Woche bin ich froh, dass es mir nicht ähnlich schlimm ergangen ist: Ein Mann wacht Montags im Hotelzimmer nach durchzechtem Wochenende auf und allmählich fügen sich die bruchstückhaften Erinnerungen zu einem halben Ganzen zusammen und führen zu schlimmen Erkenntnissen...
Das Ende nervt zuerst gewaltig, doch dann lässt man es als Groteske durchgehen und schließlich funktioniert es als eine Art Satire auf die Erwartungshaltung des Zuschauers, der nämlich öfters die Seiten wechselt und schließlich gleichzeitig Erleichterung und Mitleid empfindet. Irgendwie kurios, manchmal enervierend, aber auf jeden Fall hochinteressant.
Blessing Bell

Nachdem eine Fabrik und somit sein Arbeitsplatz dicht gemacht wird, beginnt ein Mann loszuwandern. Das ganze erinnert ein bisschen an Forrest Gump auf Valium. Oder an ein Roadmovie dem man das Auto geklaut hat. Jedenfalls erlebt der Protagonist in beinahe-Superslomo jede mange Skurrilitäten, bevor er die Heimreise antritt...
Auf Dauer fehlt mir glaube ich die Geduld für diese hochtrabende Kinokunst, die aus jeder Pore zu ätzen scheint: "seht her wie langsam und stilisiert ich inszeniert bin, denn schließlich bin ich echtes großes-kleines Arthousekino! Daher müsst ihr mich gut finden und anhimmeln, egal ob ich langweilig bin oder nicht!" Nunja, ganz so schlimm ist es nicht. Aber ein richtiger cinema-asia-freak werde ich in diesem Leben dennoch nicht mehr.
The Devil's Backbone

Ein durchaus gelungener Mix aus einer Art Internatsdrama (wenngleich es sich eher um ein Kinderflüchtlingslager handelt), Spukgeschichte und handfestem Horror vor dem Hintergrund der spanischen Bürgerkriegswirren. Dabei spielt der Horroranteil zwar eine tragende Rolle, kommt aber trotz detailliert und mit Hilfe von Computertricks sauber und nicht billig in Szene gesetzten Effekten angenehm dezent rüber. Das Unbehagen geht eher von der Habgier und dem Überlebenskampf der Menschen untereinander aus. Bestimmt nicht weltbewegend aber trotz verschiedener Genre-Strömungen nicht zerfasert, sondern am Ende recht stimmig, sodass ein kleiner feiner Gruselfilm im Kriegs- und Jugenddrama-Gewand bleibt.

,5