[DVD] Metallica - Some Kind of Monster

Eindrücke, Klangchecks aktueller aber auch älterer Scheiben im Review. Dazu Musik DVDs und Konzertberichte.

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Hannibal
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[DVD] Metallica - Some Kind of Monster

Beitrag von Hannibal » 07.01.2006, 11:53

Metallica: Some Kind of Monster

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Technische Daten
Vertrieb: Paramount
Regionalcode: 2
Laufzeit: 141 Minuten
Regie: Joe Berlinger, Bruce Sinofsky
Darsteller: James Hetfield, Lars Ulrich, Kirk Hammett
Bildformat: 1,33:1
Sprachen: Englisch DD5.1
Untertitel: Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Deutsch, Polnisch, Rumänisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch
Freigabe: ab 6 Jahren

Film:
1981 gründet der gebürtige Däne Lars Ulrich in Los Angeles, nachdem aus der angestrebten Tennis-Karriere nichts wurde, zusammen mit dem damals 18-jährigen James Hetfield die Band „Metallica“. Was sich zunächst auf die lokale Szene in der Metropole des amerikanischen Films beschränkt, schlägt 1983 mit der Veröffentlichung der LP „Kill ’em all“ größere Wellen. Die Band, deren Mitglieder-Karussel sich – die beiden Gründer ausgenommen – noch eine ganze Zeit lang weiterdreht und schließlich mit Kirk Hammett und Cliff Burton ihre vermeintliche Stammbesetzung findet, gilt als Vorreiter der Musikrichtung Thrash-Metal. Eine Musikrichtung, bei der damals die Eltern der Fans, genauso wie meine Eltern heute und sicherlich auch der ein oder andere hier im Forum ihren Kopf voller Unverständnis schütteln.
Nach dem tragischen Unfalltod des Bassisten Cliff Burton im Jahre 1986 tritt Jason Newsted in dessen Fußstapfen. Das „Black“-Album von 1990 verkauft sich über 15 Millionen mal und erschließt sich mit teilweise ruhigeren Songs wie „Nothing Else Matters“ auch kurzhaarigen Hörerkreisen. Doch auch Newsted verlässt die Bands nach 14 Jahren, dieses mal nicht durch einen Unfall sondern freiwillig.
Man steht 2001 schließlich ohne Bassist in den Startlöchern für ein neues Studioalbum und merkt, dass das fehlende Glied im Metallica-Reigen nicht das einzige Problem ist…

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In dieser Ausgangssituation startet „Some Kind of monster“, von den zwei Dokumentarfilmern Joe Berlinger und Bruce Sinofsky, welche eigentlich die Aufnahmen zum neuen Album als Hauptfilmthema geplant hatten.
Doch schon zu Beginn kristallisieren sich tiefgehendere Probleme in der Band heraus, man engagiert einen Band-Coach für 40.000 $ im Monat, der den drei Mitgliedern helfen soll, ihre Probleme zu überwinden.
Ungefähr hier setzt der Punkt ein, wo der langjährige Metallica-Fan mit offenem Mund dasitzen wird und nicht glauben wird, dass diese herumzickenden, erwachsenen Männer die selben sind, die alle Jahre wieder auf ausverkauften Tourneen ihre Instrumente geradezu godlike hoch und runter spielen, die einige der bedeutensten Rock-Songs aller Zeiten kreiert haben und die sich dank ausufernder Partys den Spitznamen „Alcoholica“ eingehandelt haben.
Aus den jungen, langhaarigen Rebellen sind Familienväter geworden, was ganz neue Probleme hervorruft. Sänger James Hetfield will nur von 12-16h täglich proben, um den Rest des Tages bei seiner Familie sein zu können, Lars Ulrich will proben wann er will und sich nicht festlegen, davor hat Hetfield, gerade erst von der Alkohol-Therapie zurück, Angst und so entwickelt sich ein Streit, in dem die Beteiligten heulend Türen hinter sich zuschlagen, fluchen, ihr Gegenüber übelst beschimpfen. Zickenterror bei einer Thrash-Metal-Band.
All diese Momente werden von der Kamera mitgefilmt und es ist eindeutig, dass hier nichts gestellt oder beschönigt wird. Der ursprüngliche Albumfilm entwickelt sich zu einem waschechten Psychodrama, dem Kampf zweier Egos, doch gleichzeitig bester Freunde um die Vorherrschaft in der Band.
Als Bindeglied dieser Show dient die Musik, denn es geht nach wie vor um die Produktion des Albums und der Film zeigt, wie ich es bisher in keinem anderen sehen durfte, was Musik bewirken kann. Einen Streit zwischen 2 Parteien mit den Worten „Lasst uns jammen“ zu unterbrechen und anschließend zu sehen, wie all der Stress, der eigentlich völlig unwichtige, lächerliche Streit beim Musikmachen verschwindet und aus drei streitenden Männern eine Einheit wird. Dabei spielt die Geschmacksfrage bzgl. der Musikrichtung gar keine Rolle, denn die Ausschnitte aus dem Proberaum spiegeln ziemlich genau die aktuelle Gefühlslage der „Hauptdarsteller“ wieder, das Spektrum reicht von aggressiven Riffs, über donnernde Schlagzeug-Solos bis hin zu balladesken Melodien. Dementsprechend entwickelt sich auch das Album. Wie ein roher Befreiungsschlag hört es sich an und nach dem Film versteht man auch wieso. Viele Lyrics behandeln gerade die Probleme, die die Band im Moment des Schreibens durchmachte, was perfekt in den Streifen eingearbeitet wurde.
Die musikalische Faszination, die Metallica ausstrahlt, spielt im Film eine eher untergeordnete Rolle und so kann man die Aussage auf dem Cover „Auch für Nicht-Metallica-Fans ist […] Some Kind of Monster eine Offenbarung […]“ auch unterstreichen.
Die Dokumentation führt einem eindrucksvoll vor Augen, dass auch Stars nur hundsgewöhnliche Menschen sind, welche Fehler machen und weit vom Perfektionismus entfernt sind. Wie es sich für einen ordentlichen Film gehört, werden die Probleme nicht ungelöst im Raum stehen gelassen, sondern zumindest mehr oder weniger wieder alles auf die richtige Bahn gebracht. Die Band findet einen neuen Bassisten und stellt ihr Album fertig. Insbesondere „das Finale“ wird vorbildlich von den Doku-Filmern umgesetzt, wenn in einer Art Abschlussgespräch der Band mit Produzenten und Band-Coach Bilanz gezogen wird. Weit über 700 Tage hat der Entstehungsprozess zum Album „St. Anger“ gedauert und nun heißt es mit Tränen in den Augen Abschied nehmen von den Wegbegleitern, die Metallica in dem langen Zeitraum bei den Aufnahmen zur Seite gestanden haben. Sehr schön wird das Vergangene auch dem Zuschauer noch mal in Erinnerung gerufen, lächerliche Streitereien, welche eine der größten Metal-Bands aller Zeiten beinahe zur Auflösung getrieben hätten, auch diesmal alles ohne unglaubwürdig zu wirken. Zu keinem Moment fühlt sich „Some Kind of Monster“ wie ein gestellter Film an, dem Zuschauer wird eher eine unangenehme Mitten-Drin-Rolle zugeteilt, in der er hilflos zwischen den streitenden Parteien hockt und nicht eingreifen kann, doch gerade das bringt Erkenntnis im Bezug auf Zusammenleben, Kommunikation, Freundschaft. Einen Streit so von außen zu betrachten, explizit mitzuerleben ohne Beschönigung & Zensur, lässt den Zuschauer nachdenklich zurück und ihn u.U. die nächste eigene Konfliktsituation ganz anders erleben. Verstärkt wird diese Wirkung durch die in diesem Zusammenhang perfekt passende Einarbeitung von Cliff Burton’s Unfalltod, denn nicht nur der Band wird dabei noch mal bewusst, wie schnell eine Freundschaft vorbei sein kann, die man leichtsinnig und unüberlegt durch unbedeutende Streitigkeiten auf’s Spiel gesetzt hat.

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Dann ertönt die Titelmelodie von „The Good, the Bad & the Ugly“, die jedes Metallica-Konzert einleitet……zigtausende Menschen starren in freudiger Erwartung auf einen gigantischen Bühnenaufbau, die Kamera folgt Hetfield durch den Backstage-Bereich, dazwischen das Publikum, Hetfield summt das Theme mit, wie ein Trommelwirbel fordern die Zuschauer ihre Band….ein letztes Einschlagen beim Bassisten, dann auf die Bühne, die Fans heben ihre Hände, die Band startet mit „Frantic“ und der Abspann beginnt im Hintergrund.
Kein anderes Ende hätte besser gepasst, als das, was die Metal-Legenden am besten können, nämlich live vor abertausenden Fans zu spielen. Ich blicke zurück auf 141 Minuten, eine lange Laufzeit, von der ich mir nicht vorstellen konnte, dass man sie mit den Problemen einer Band komplett ohne Längen auffüllen könne. Hätte ich gewettet, ich hätte die Kiste Bier wohl verloren, denn Berlinger & Sinofsky lösen das Problem mit Bravour, noch dazu ohne den Hauptfokus auf die Musik zu legen. Somit bietet sich der Film auch Nicht-Fans an, denn er hält – wie James Hetfield auf einer Pressekonferenz sagte – nicht nur der Band einen Spiegel vor, sondern auch dem Publikum, denn in den Grundsituationen, die zu Streit führen, kann sich jeder von uns wieder erkennen … Trotz des interessanten psychologischen Teils erfährt der Fan natürlich auch so einiges über die Band, über ihre Vergangenheit, über frühere Probleme usw. Schnitt-technisch zu jedem Zeitpunkt perfekt eingebunden passt immer alles wunderbar in den Erzählfluss und das ist ohne Frage eine Leistung bei dieser Vielfalt an Themen. Die beiden Doku-Filmer bieten visuelle Abwechslung, indem die Studioszenen mit zahlreichen Außenaufnahmen u.a. von San Francisco kombiniert werden. Auch musikalisch stimmt alles, themenbedingt fällt der Soundtrack natürlich sehr Metallica-lastig aus, was den Fan sicherlich nicht stört aber auch objektiv gesehen immer gut passt. Zusammengefasst eine beeindruckende, erstaunlich tiefgehende Rock-Dokumentation, die es schafft unzählige Themen unter einen Hut zu bringen und dies dem Zuschauer durchgehend unterhaltend und spannend zu übermitteln und dafür haben die beiden Regisseure meinen Respekt. Respekt hat auch die Band verdient, welche durch die Veröffentlichung des Films einen öffentlichen Seelen-Striptease hinlegen, eine Aktion, zu der wohl nicht viele Bands bereit wären…
:liquid10:

Bild:
Aufgrund von verschiedenen Ausgangsmaterialien schwer zu bewerten, da es immer mal wieder Fenrsehausschnitte oder ähnliche gibt, dann Digicam-Aufnahmen usw. Die Farben sind meist in Ordnung, oft gibt’s material-bedingtes Bildrauschen oder Kontrastschwächen, die Schärfe ist ok.
:liquid6:

Sound:
Die Musik kommt sehr schön druckvoll über alle Lautsprecher und fordert auch den Subwoofer. Nicht ganz ideal ist, dass die Musik oft die Dialoge übertönt und das in einem solch dialoglastigen Film überaus störend wirkt.
:liquid6:

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Ausstattung:
Im Hauptmenü der Bonus-DVD sieht’s zunächst recht leer aus, doch die Entfallenen Szenen erweisen sich als unglaublich zahlreich (ca. 40). Außerdem gibt es ein Interview mit Metallica über den Film, Highlights von Filmfestivals & Premieren, 2 Audiokommentare (Band & Regisseure), 2 Trailer und 1 Musikvideo. Die DVD kommt zudem in einem schönen Schuber.
:liquid8:

Fazit:
Ein auf viele Lebenssituation anwendbares beeindruckendes, fließendes Psychogramm einer Rockband, dass den Mythos von „Sex, Drugs & Rock’n Roll“ mit beängstigender Präzision zerstört und den Fans und allen anderen auf einprägsame Weise zeigt, dass auch Rockstars nur Menschen sind. Die DVD bringt den Film in angemessener Weise ins Heimkino und bietet auch noch viel Bonus-Material, welches sich aber leider nur mit dem Film und nicht mit bspw. Konzertausschnitten oder der anschließenden Tour beschäftigt.
:liquid8:

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...Und der Vince sieht das nicht viel anders:

Geschrieben am 06.02.2005

Es mag sein, dass ich nicht unbedingt der neutralste Rezensent bin, der von dieser Musikdokumentation über die wohl größte, traditionsreichste und bedeutendste Heavy Metal-Band aller Zeiten berichten kann. Ich kann aber mit ruhigem Gewissen behaupten, dass meine These auch in die objektive Sichtweise hinein verallgemeinert werden kann. Diese These lautet: „Some Kind of Monster“ ist ohne Zweifel eine der besten Musikdokumentationen überhaupt und geht damit über den Tellerrand der Zielgruppe „Metallica-Fan“ weit hinaus.

In gut 140 Minuten komprimierten Joe Berlinger und Bruce Sinofsky das Wichtigste aus hunderten von Stunden an Videomaterial, das im Konsens der Vorbereitungen für das bis dato letzte Album „St. Anger“ aufgenommen wurde. Die quasi durchgehende Begleitung von James Hetfield, Lars Ulrich und Kirk Hammett durch die Kameras ermöglichen einen tiefen, analytischen Blick in die Probleme rund um die Band, die ja der Kern des Inhalts sind. Angereichert werden die aktuellen Einblicke durch gelegentliche Einwürfe von Archivmaterial, bei denen bevorzugt auf den bei einem Autounfall verunglückten Ursprungsbassisten Cliff Burton eingegangen wird. Dazu aber später mehr.

Erwartungsgemäß bilden sich Frontmann James Hetfield und Drummer Lars Ulrich als Protagonisten heraus. Dreh- und Angelpunkt aller Probleme ist nämlich der Kampf um die Machtposition, um den goldenen Thron, von dem aus das Endresultat „Metallica“ entscheidend geprägt wird. Hetfields Alkoholprobleme, der Streit zwischen Hetfield und Ulrich, die Napster-Problematik, Jason Newstedts Ausstieg... all das lässt sich deduktiv aus eben diesem Streben nach dem entscheidenden Machtanteil ableiten.

Die Struktur der Dokumentation orientiert sich deshalb auch an eben diesem Kern. Einleitend mit einer Anhäufung von Interviewfragen (ohne Antwort) läuft dieser Interview-Zusammenschnitt letztendlich auf eine simple, an Hetfield gerichtete Frage hinaus: „Wie würdest du die gesamte Geschichte von Metallica mit einem Wort umschreiben?“ Hetfield lacht zuerst, dann versteinert sich sein Blick, gedankenverloren, nach Worten suchend... und keine Antwort findend.
Es folgen einige Informationen zur Bandgeschichte, dann steigen Berlinger und Sinofsky sofort drei Jahre vor dem Release von „St.Anger“ ein, gehen über Newstedts Ausstieg, Hetfields Auszeit bis hin zu seiner Rückkehr, wo sich dann die entscheidenden Ereignisse anhäufen. Produzent Bob Rock als provisorisches Bandmitglied, die „Ego-Collision“ zwischen Hetfield und Ulrich schließlich als Auslöser für das Hinzuziehen eines Psychologen, was von Ex-Bassist Jason Newstedt aus dem Hintergrund noch kritisch hinterfragt wird. Dann das emotionale Treffen mit Ex-Mitglied und Megadeth-Frontmann Dave Mustaine, schließlich die Napster-Klage, bevor sich die Arbeiten an „St. Anger“ intensivieren und in der Konsequenz verstärkt nach einem neuen Bassisten gesucht wird, den man in Robert Trujillo, ehemals Suicidal Tendencies und Ozzie Osbourne, findet. Abgeschlossen wird das emotionale Bilderfeuerwerk schließlich mit einem Höhepunkt in jeder Hinsicht: dem ersten Auftritt seit Jahren.

Einer der roten Fäden, die das Geschehen durchziehen, geht von der Bassisten-Position aus. Cliff Burtons Tod kommt laufzeitmäßig eigentlich verhältnismäßig kurz; in einer anderen Dokumentation über die Band wird er weiter ausgeführt und untersucht. Dennoch spielt er hier eine nicht zu verachtende Rolle, stellt er sich doch bei näherem Hinsehen als entscheidender Baustein für den weiteren Verlauf heraus. Wir erfahren, dass nur einen Tag nach Burtons Beerdigung nach einem neuen Bassisten gesucht wurde. Überhaupt hatte Newstedt bei seinem Einstieg ein schweres Erbe zu tragen, denn die Band trauerte noch und verschloss sich dem Neuen, der sich zwar als technisch brillant herausstellte, sich jedoch trotz allem nicht in den Kreis eingliedern durfte. Nach mehr als eineinhalb Jahrzehnten hatte sich Newstedt zwar lange als vollständiges Mitglied etablieren können, doch selbst hier war er nicht mehr vollkommen zufrieden, fühlte sich nicht ausgefüllt. So rief er diverse Nebenprojekte ins Leben, darunter die Combo „Echobrain“. Das wiederum konnte Hetfield nicht akzeptieren, weil er den Gedanken nicht ertragen konnte, dass sich eines der Bandmitglieder durch Metallica nicht vollkommen ausgelastet fühlen könnte und weil er niemanden verlieren wollte. Doch genau das passierte: Newstedt stieg aus, denn er fühlte sich eingeengt.
Ganz andere Voraussetzungen also als bei der Verpflichtung von Robert Trujillo. Hier musste der Neue auch zwischenmenschlich passen, was dann auch zu einem entscheidenden Kriterium bei der Auswahl wurde. Die Vorstellung des neuen Bassisten darf daher als positiver Neuanfang verstanden werden.

Doch so schnell ging es natürlich nicht. Die Zeit zwischen Newstedt und Trujillo war eine steinige. Hier wandelte man zeitweise bedrohlich nahe am Abgrund. Wie nahe das Aus wirklich war, wird auf bedrückende Art dargestellt. Ausgangslage nach Newstedts Ausstieg war – wie nicht zum ersten mal – der Alkohol. Nicht umsonst hat man sich während all der Jahre des Tourens und Saufens den Namen „Alcoholica“ erarbeitet. So gerät Hetfield bei einem Urlaub wieder in die Alkoholspirale und benötigt Hilfe, um ihr wieder zu entfliehen. Es ist eine Wanderung auf einem schmalen Grat, zwischen Familie (sowohl Hetfield als auch Ulrich sind Väter) und Depression. Die Auszeit verändert alles: Als Hetfield zurückkehrt, will nichts mehr funktionieren. Er erweist sich als Egozentriker, fordert ein Arbeitsende täglich um Punkt vier Uhr nachmittags, will aber unter keinen Umständen, dass die anderen noch weiterarbeiten, damit er selbst nicht vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Hier beginnt der Zweikampf, der mitunter an eine „King Kong vs. Godzilla“-Paarung erinnert. Zwei Minuspole, von denen keiner nachgeben will, und die positive Quintessenz will sich auch nicht herausstellen. Hatte sich das schon in der Auseinandersetzung zwischen Hetfield und Newstedt angedeutet, gibt es nun endgültig kein Zurück: Es gibt keine andere Wahl, will man das Monster namens „Metallica“ am Leben erhalten, darf man keinen Rückzieher machen.

Hetfield befindet sich also erneut in einer Endlosschleife, diesmal zusammen mit Kollege Ulrich. Beide stoßen gegen die Wand. Kirk Hammett versucht zu schlichten und will mit der Zurücknahme des eigenen Egos den anderen ein gutes Beispiel sein, doch es bedarf einer Kraft von außen. Also heuert man einen Psychologen an. Der Rest ist bekannt.

In den Auseinandersetzungen zwischen Hetfield und Ulrich findet man ein Stilelement, das neuerdings sehr gerne vor allem in Filmbiographien angewandt wird (sei es in „Aviator“ oder in „Ray“), und nun scheinbar auch in Realdokumentationen: die Selbstkritik. In einer offiziell beglaubigten Dokumentation sollte man davon ausgehen, dass die Betroffenen den Inhalt gutheißen. Oftmals war dies in der Vergangenheit ein Problem, Objektivität zu bewahren, denn in der Regel will niemand schlecht aussehen, so dass immer die Schokoladenseite betont wurde. Nun springt das Publikum aber offenbar besonders auf Ehrlichkeit an, was auf das Gesamtwerk natürlich den positiven Effekt hat, dass gnadenlose Unverblümtheit und Unverfälschtheit gewährleistet werden kann. Natürlich muss man nun aufpassen, dass dieses Stilmittel nicht zum Selbstzweck verkommt, dass man also negative Charaktereigenschaften um des Ehrlichkeitseffektes Willen einbaut. Allerdings kann davon in „Some Kind of Monster“ keine Rede sein. Die Offenheit wirkt in keiner Einstellung gekünstelt, ganz im Gegenteil lernt man die Menschen James, Lars und Kirk viel besser und vollständiger kennen. Psychische Beweggründe werden deutlich, Entscheidungen nachvollziehbarer. Auch hieraus schöpft das Werk von Berlinger und Sinofsky eine Tiefe, die vielen anderen Dokumentationen einfach fehlt: Die Subjekte werden in ihrer Vollständigkeit gezeigt, nichts wird dem Zuschauer vorenthalten.

Das neue Album „St. Anger“ dient währenddessen als Kulisse, die Arbeit daran als Vorwand für die Aufeinandertreffen der Protagonisten. Vielmehr darf der Titel aber auch als Metapher auf das fragile Bandgerüst und den Befreiungsschlag verstanden werden, der das schon zerbrochen geglaubte Fundament wieder mit einem einzigen Knall aufrichtete.
Interessanterweise wurde das Album bei Erscheinen von vielen Fans und Kritikern trotz guter Verkaufszahlen eher verhalten aufgenommen. Vielleicht fehlte einfach das erklärende Gegenstück, das nun mit „Some Kind of Monster“ nachgereicht wurde. Denn Vieles, was missverstanden oder übersehen wurde, klärt sich hiermit auf. Prägnante Textzeilen wie „All The Shots I Take, I Spit Back At You“ werden in ihrer Entstehung gezeigt und daher um so nachvollziehbarer, zumal man sich durch Parallelen zu gezeigten realen Geschehnissen selbst noch weiter ein Bild von der Bedeutung aufbauen kann.
So, wie also die Probleme rund um die Band das Album beeinflusst haben, dient dieses Album also auch wieder als Reflexion dieser Probleme. Fast stellt sich die berühmte Frage, ob nun das Huhn oder das Ei eher da war.

Eine gewisse Aussage ist auch herauszufiltern. Bei aller Selbstkritik ist man letztendlich doch der Meinung, richtig gehandelt zu haben. Newstedts Äußerung, es sei unverständlich, die Probleme durch fremde Hilfe lösen zu wollen, wird negiert: Der Psychologe führt die Band wieder ins Licht; einmal dort angekommen, nimmt sie das Zepter wieder gemeinsam in die Hand, diesmal vereint, verstärkt und mit einer durch die adrenalingetriebene Gangart des neuen Albums symbolisierten positiven Kraft versehen. Jeder geht seinen Weg. Ob die Richtung, die Metallica eingeschlagen haben, wirklich so sinnvoll war, wie es dargestellt wird, lässt sich zum derzeitigen Stand der Dinge noch nicht sagen. Fakt ist aber, dass alles wieder gesünder erscheint als noch vor zwei, drei Jahren.

Fazit: Der Titel ist Programm. Das Phänomen Metallica ist eine Art Monster, bestehend aus zusammengefügten Teilen, die für sich alleinestehend nicht existieren können und nur zusammen einen Sinn ergeben. Der schmale Grat zwischen Leben und Tod ist dabei präsenter, der Lebensfaden dünner gewesen, als man es als Außenstehender je für möglich gehalten hätte. Immer wiederkehrende Schicksalsschläge wie Cliff Burtons Tod oder Jason Newstedts Ausstieg bohrten tiefe Wunden in das Fleisch, die nun mit dem Einstieg von Rob Trujillo und der schieren Wucht von „St.Anger“ wieder geheilt werden sollen. Joe Berlinger und Bruce Sinofsky schaffen es, diese Thematik technisch und inhaltlich geradezu perfekt in Szene zu setzen und verzichten dabei auch nicht auf Tiefgang und Vielschichtigkeit. Ein wahres Monster unter den Dokumentationen.
:liquid9:

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Beitrag von daemonicus » 07.01.2006, 11:57

Schöne Narrenwertungen.... :D

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Beitrag von DaMike » 07.01.2006, 12:14

ja......hab ich mir auch mal angeschaut.
Die Jungs waren mir danach verdammt unsympathisch. Wie egozentrisch Star-Musiker sind is echt manchmal schwer nachzuvollziehen. Und dass, was mir bis heute nicht aus dem Kopf geht, ist das was Jason Newstedt zu dem ganzen drumherum gemeint hat:
nen Coach für ne Band ranzuholen, die seit 15 Jahren zusammen spielt, weil sie mit ein paar ihrer Problemchen nicht klarkommt "is pretty fuckin' lame"
(so ungefähr gings..)

Wie gesagt, mal schauen, was das neue Album bringt. Ich hab ein Jahr lang gebraucht, bis mir ein zwei Lieder von St.Anger gefallen haben.
Aber so zu tun haben möchte ich mit den Leuten nichts.
"what is democracy?"
-"it's got something to with young men killing each other, i think.."

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Beitrag von Hannibal » 07.01.2006, 13:13

Ja, is schon komisch. Wenn man sich die Metallica-Chronik "So what" durchliest, ist auf allen paar Seiten von irgendwelchem Psycho-Gequatsche die Rede. Mich persönlich interessiert das eigentlich recht wenig, stellenweise nervt das RUmgeheule sogar.
Als Starallüren würde ich das aber nicht deuten, denn viele Bands scheinen mit sowas Probleme zu haben. Ich erinnere mich noch gut an meine limpbizkit-Zeit, da hat Fred Durst auch nur rumgeweint...

MFG
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Beitrag von Vince » 07.01.2006, 13:27

Hey Hanni,
hast du was dagegen, wenn ich meine Kritik noch unter deine druntersetze? Wir müssen das Forum ja füllen. :wink:

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Beitrag von Hannibal » 07.01.2006, 14:53

Vince hat geschrieben:Hey Hanni,
hast du was dagegen, wenn ich meine Kritik noch unter deine druntersetze? Wir müssen das Forum ja füllen. :wink:
Kein Thema ;-) Wenn sie irgendwo reinpasst, dann hier :-D

MFG
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Beitrag von Vince » 07.01.2006, 15:22

Okay, erledigt. :wink:
Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Review zur Live Sh*t-DVD/CD...

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 07.01.2006, 15:27

Völlig anderes Thema... immer wenn ich was von Metallica lese muss ich an MuZaK aus Vision Forum denken..... wenn wa den noch hier hätten... Elite sag ich da nur ;)
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
Callejon <3

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Beitrag von Vince » 07.01.2006, 15:30

Jo, der MuZaK... für dessen Homepage hab ich sogar mal zwei Bilder gebastelt, die stell ich demnächst auch mal in den Output-Fred.
Was issn eigentlich mit dem? Hat der sich mal abgemeldet?
Übrigens haben Porcupine Tree einen Hammer-Song nach ihm benannt: "The Sound of Muzak". :wink:

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 07.01.2006, 15:33

lol... keinen Plan.. stand ja mal in ICQ Kontakt mit ihm.... aber da kommt och nichts mehr und gelegentlich postet er ja im Vision.... oder hatte es mal.. :?
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
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Beitrag von Hannibal » 07.01.2006, 16:24

Vince hat geschrieben:Okay, erledigt. :wink:
Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Review zur Live Sh*t-DVD/CD...
Nicht zu vergessen S&M, die ich wohl in nächster Zeit mal machen werde. Live Shit könntest du ja übernehmen ;-)

MFG
Hannibal

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Beitrag von The rejected » 07.01.2006, 18:12

Hannibal hat geschrieben:
Vince hat geschrieben:Okay, erledigt. :wink:
Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein Review zur Live Sh*t-DVD/CD...
Nicht zu vergessen S&M, die ich wohl in nächster Zeit mal machen werde. Live Shit könntest du ja übernehmen ;-)

MFG
Hannibal
Könnt ich rein theoretisch auch machen....
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Beitrag von Vince » 07.01.2006, 18:25

Jau, mach das mal, mir ist das momentan zu viel Stoff zum reviewen.
Würde sowieso gerne mal ein Re-Jected Re-View lesen... :wink:

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Beitrag von The rejected » 07.01.2006, 19:23

Vince hat geschrieben:Jau, mach das mal, mir ist das momentan zu viel Stoff zum reviewen.
Würde sowieso gerne mal ein Re-Jected Re-View lesen... :wink:
Werd sehen, ob ichs dieses Wochenende noch hinkriege....

Edit:
Wird wohl doch noch ein wenig länger dauern, muss ja schließlich 2 DVDs und 3 CDs durchgehen... ;)
Hab allerdings auch schon ca. 2,5-3 Wordseiten verfasst.
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Beitrag von Vince » 26.01.2006, 21:33

Keine Ahnung, wann dein "EDIT" kam, aber ich freu mich schon drauf. :D

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