[DVD] Nine Inch Nails - And All That Could Have Been

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[DVD] Nine Inch Nails - And All That Could Have Been

Beitrag von Vince » 22.02.2006, 23:39

Nine Inch Nails
And All That Could Have Been

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Technische Daten
Vertrieb: Nothing
Regionalcode: 0
Laufzeit: 50:37 Min. (Disc A) + 34:57 Min. (Disc B)
Regie: n/a
Darsteller: Trent Reznor, Charlie Clouser, Jerome Dillon, Robin Finck, Danny Lohner
Bildformat: 4:3
Sprachen: DD 5.1 Englisch, DD 2.0 Englisch
Untertitel: Keine
Freigabe: FSK 12

Film

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Lange hat’s gedauert, bis es endlich so weit war und NIN-Mastermind Trent Reznor das erste Live-Event seiner Band in DVD-Form auf die Welt losließ. Der Release von “And all that could have been” verzögerte sich mehrfach, längst geifernde Fans wurden immer wieder vertröstet, bis es dann so weit war und ein sehr schönes, aber auch happig besteuertes Produkt auf den Markt kam - dem sich aber trotz des hohen Preises wohl kaum ein Fan verwehren konnte, denn als Perfektionist, der er ist, hat Reznor da ein hochwertiges, äußerst edles Stück veröffentlicht.

Enthalten sind rund eineinhalb Stunden Live-Material aus der “Fragility 2.0"-Tour von 2000. 18 Songs von “Pretty Hate Machine” bis “The Fragile” werden hier ekstatisch abgefeiert wie ein grandioses Feuerwerk und machen die Doppel-DVD alleine inhaltlich zum unvergleichlichen Erlebnis, das sich von den grandiosen Studioalben nochmals abzuheben vermag - und das, ohne die Songs auf der Bühne überhaupt drastisch zu verändern. Im Wesentlichen sind die Unterschiede zu den Album-Versionen nur marginal, denn Veränderungen waren überhaupt nicht nötig, um einen Neuwert zu erschaffen.

Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal gerät hier die technische Komponente ins Spiel, die man unmöglich einfach nur separat in einer Bild- und Tonbewertung abhandeln kann, weil sie einen nicht zu verachtenden Effekt auf die Wirkung der Aufnahmen haben. Ja, man muss gar die Menügestaltung mit einbeziehen... es ist unglaublich, aber eine derartige Gänsehaut und eine solche Vorfreude hat mir bislang noch kein DVD-Menü bescheren können. Da vernimmt man bereits einzelne Soundfragmente, die sich, von etwas zurückgedrängt, den Weg in die Lautsprecher bahnen konnten. Da will etwas entfesselt werden. Reznor ist Ästhet, und so ist man von dichtester Atmosphäre aus visuellen und akustischen Reizen bereits gefangen, bevor man überhaupt die Möglichkeit hatte, den “Start”-Button zu drücken.
Dem entspricht auch die audiovisuelle Umsetzung des Konzertes. Wenngleich ich das durchaus gute Bild nicht unbedingt wie einige andere Rezensenten als “brillant” bezeichnen würde, so ist doch wenigstens der Sound eine einzige alles niedermähende Wucht. Man mag solche Phrasen vielleicht nicht mehr hören können, aber man steht da wahrhaftig mitten in der Zuschauermenge, schreit, schwitzt, riecht den Schweiß der Meute und atmet dicke Luft. Schon rein technisch ist es ein absolutes In-Depth-Erlebnis, was Reznor selbst mit seinen Kollegen da am heimischen Computer zusammengemixt hat in wochenlanger penibler Detailarbeit. Man hört es aus jeder Pore. Vieles, was sich “live” schimpft, ist es nicht... dies hier ist es aber zweifellos.

Befassen wir uns nun mit dem Inhalt, so stoßen wir auf eine hervorragende Bühnenshow. Reznor erscheint beim ersten Song wie eine Mischung aus einem Bauarbeiter und “The Crow”, und dem stehen seine Kollegen Charlie Clouser, Jerome Dillon, Robin Finck und Danny Lohner in nichts nach. Nach nur wenigen Songs hat der Schweiß seine Arbeit getan, um Reznor seine Maske zu nehmen - der Mann ist hier in seinem Element, denn er schreit, schlägt sich das Mikro gegen seinen Kopf und rennt herum wie ein Wahnsinniger. Wenngleich er einer der wenigen Künstler ist, die sich dazu bekennen, auch die Studioarbeit von ganzem Herzen zu lieben, so schließt dies doch nicht seine Liebe zur Live-Preformance aus.

Das Song-Spektrum ist basierend auf den drei Eckpfeilern “Pretty Hate Machine”, “The Downward Spiral” und “The Fragile” eine groteske Mutation von Reznors Seelenleben, das er mit den drei Alben schön geordnet konzipiert hat, um es hier miteinander verschmelzen zu lassen. Eingeleitet wird das Konzert mit einer “Pretty Hate Machine”-Phase bestehend aus “Terrible Lie” und “Sin”, bevor mit den “Schweine-Songs” vom Spiral-Album nach vorne geprescht wird, mitten durch die dunkle Spirale bis hin zur Fragilität, die in dem atmosphärisch hervorragend eingefangenen “The Wretched” vom “Fragile”-Album ihren lautstärkemäßigen Höhepunkt findet. Ebenfalls “The Fragle” entspringt dann eine bedächtige, melancholische Phase aus “La Mer” und “The Great Below”, die aber nur die Halbzeit markiert. In der zweiten Hälfte folgt ein Brecher nach dem anderen, darunter der Magnet “Closer”, die Maschinengewehrsalve “Head like a Hole” und der interstellare Sternenkrieg “Starfuckers, Inc.”, bevor mit dem vollkommen isolierten “Hurt” auf persönlicher Ebene der traurige Abschluss gebildet wird.

Gewissermaßen ist hier von der Songauswahl her und von der Bühnenperformance ein Tryptichon auszumachen. In der rasenden Spirale des Anfangsdrittels bestimmen knallige Strobelights den Rhythmus, schwingen hin und her wie irre und vermelden ein packendes Tempo, das dem Industriellen der Band am nächsten kommt. Der sanfte Mittelteil wird visualisiert durch Video-Impressionen von Bill Viola, der auf drei Leinwandtafeln kleine Geschichten erzählt, die sich optisch der Stimmung der Songs und auch des Covers von “The Fragile” anpassen. Wir sehen Regentropfen, die auf der Wasseroberfläche aufschlagen, die Farbespirale eines Sonnenuntergangs und eine Blume, die im Zeitraffer erblüht. Der letzte Teil des Konzertes ist gewissermaßen eine Mischung der ersten beiden Teile - zwischen den Vorantreibern um “Starfuckers, Inc.” befinden sich immer wieder gemäßigtere Stücke wie das klavierbetonte “Just like you imagined”.

Positiv sticht die einfache Identifikation der einzelnen Instrumente hervor - bedingt natürlich wiederum durch den perfiden Sound - durch welche jedem Instrument eine spezielle Position zuzuteilen ist und die doch zu einer unglaublichen Symbiose finden. Der Sound ist einfach noch einen Tick anders als auf den Studioalben, er gewinnt der Band noch neue Facetten hinzu, neue Bedeutungsfelder, durch die sich im Endeffekt sogar die Texte neuen Interpretationsmöglichkeiten zuwenden.

Es ist schlicht und einfach eine fantastische Collage bestehend aus vielen der besten NIN-Songs überhaupt und mehr als treffend ausgewählten Zwischenpassagen, die jedem, der nicht persönlich an diesem Konzert teilgenommen hat, die Möglichkeit geben, dieses Konzert nachzuempfinden. Wer dagewesen ist, wird glauben, ein Dejà Vu zu erleben, so stark ist der Sog, den diese Bilder und diese Töne loslassen. Einen intensiveren, echteren Flashback kann man mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten einfach nicht rekonstruieren.
Danke.
:liquid10:

Screenshots

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Bild
Das Bild stammt von Mini-DV-Kameras und ermöglicht zweifellos einen guten Blick auf das Geschehen bei einer Dokumentform, die traditionell eher mit schwächerer Bildqualität gesegnet ist. Intern kann man deswegen durchaus sagen, dass sich die digitale Bearbeitung gelohnt hat, denn die Farben leuchten prächtig, was speziell bei den Viola-Impressionen positiv auffällt, und sämtliche Effekte kommen gut zur Geltung. Der Kontrast ist ansprechend und ansonsten ja immer ein großes Problem bei Konzerten, Verunreinigungen gibt es nicht. Wenn man nun aber von “brillant” oder “perfekt” spricht, so könnte das zu falschen Erwartungen führen. Speziell die Bildschärfe ist nicht einmal annähernd mit einer Kinoproduktion zu vergleichen. Diesen Vergleich muss sich eine Live-Aufnahme natürlich auch nicht gefallen lassen, aber es sei darauf hingewiesen, das man sich nun keine Wundertaten erwarten sollte.
:liquid7:

Ton
Der Sound ist dann wohl die größere Empfehlung wert, denn besser hätte man dieses Ding wohl kaum abmischen können. Alle Instrumente sind einzeln lokalisierbar und verschmelzen doch im Gesamtbild zu einer Einheit. Die Zuschauer erzeugen Live-Atmosphäre in Reinform. Der Bass erzeugt ein Gänsehaut erregendes Brummen. Trent Reznor kreischt sich im Center die Seele aus dem Leib, während die restlichen Compadres entsprechend ihrer Anordnung auf der Bühne auf die verschiedenen Kanäle verteilt wurden. Die Kanäle werden damit allesamt voll ausgereizt und haben über die komplette Laufzeit mächtig zu tun, was zur Folge hat, dass man sich niemals aus dem Geschehen gerissen fühlt - abgesehen von dem Moment des DVD-Wechsels, da das Konzert leider auf zwei DVDs verteilt wurde - wenn dabei dann aber der Speicherplatz für einen derart guten Sound geopfert wird, nimmt man diese kleine Störung gerne in Kauf.
:liquid10:

Menüs

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Wahnsinn. Künstlerisch hegte man ja schon viele Erwartungen durch die Artworks und Aufmachungen der Alben, aber was man in diesem Menü durch reinsten Minimalismus bekommt, ist schon außerordentlich. Animationen scheinen nämlich zunächst kaum vorhanden zu sein, bis sich dann nach längerer Zeit irgendwo was regt, dass man es kaum mitbekommt. Das tiefschwarz gedruckte NIN-Logo prangt in der oberen rechten Ecke, scheint fast auseinanderzulaufen, bewegt sich in Wirklichkeit aber gar nicht; manchmal flackert der Hintergrund. Der wiederum besteht aus unscharfen und scharfen Fragmenten, was eine plastische Tiefe erzeugt, die wiederum die Illusion zur Folge hat, dass sich da etwas bewegt, auch wenn dem nicht immer so ist - ein Auge, ein Stachel oder was auch immer. Dabei sind die Motive kaum zu definieren.
Untermalt wird dieses alleine optisch höchst atmosphärische Szenario durch fast schon gruselig-ätherische Soundabmischungen, die sich ändern, wenn man zwischenzeitlich in Untermenüs war und wieder zurück ins Hauptmenü geht. Sei es nun eine Spannungsleitung, Seufzen, Uhrenticken... es ist fast unheimlich, dieses Menü, und es ist, zumal die Navigation sehr gelungen ist, trotz der geringen Animationen eines der besten, wenn nicht das beste, das ich je auf einer DVD bewundern durfte.

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:liquid10:

Extras
Die DVD kommt, um zunächst auf die Verpackung einzugehen, in einem optisch einwandfreien silbernen Digipack. Ein Booklet gibt es leider nicht, dafür eine Plastikplakette, die auf die Linke geklebt wurde mit einigen schwer lesbaren Hinweisen zur DVD und den darauf enthaltenen Aufnahmen.
Die Extras halten sich in Grenzen - es gibt zunächst die Möglichkeit, einige der Songs mit multiplen Kameraeinstellungen zu betrachten (La Mer, The Great Below, The Mark has been made). Weiterhin steht es frei, sich zu Beginn jedes Songs den jeweiligen Titel einblenden zu lassen.
Auf der zweiten DVD ist zudem ein Audiokommentar von Künstler Bill Viola anwählbar, der die Videosequenzen erklärt, die im Hintergrund bei manchen Songs ablaufen.
Den Abschluss macht eine Fotogalerie.
:liquid2:

Fazit
Auch wenn gerade bei einem Doppel-DVD-Set mit einem Konzert von gerade einmal eineinhalb Stunden gerne noch ein paar Extras mehr dabei hätten sein dürfen, ist dieses Set eine Offenbarung für NIN-Fans. Über Verpackung, Menüs, technische Umsetzung und Inhalt handelt es sich hier um ein kleines Gesamtmeisterwerk, das in so ziemlich jeder Hinsicht einfach nur perfekt ist. Dass das Konzert auf zwei DVDs verteilt ist, kann man insofern verschmerzen, als dass der Speicherplatz anderweitig gut genutzt wurde: Das Bild ist gut und der Sound haut komplett weg, so dass man direkt in dieses Konzert hineingesogen wird. Reznor & Co. liefern darüber hinaus eine bemerkenswerte Show ab, die gleichermaßen effektetechnisch wie von der Songauswahl her zu begeistern weiß. Für den Anfangspreis von rund 40 Euro ist sicherlich zunächst eine Überlegung erforderlich; die derzeitigen knapp 20 Euro kann man für dieses hochwertige Produkt aber in jedem Fall ausgeben.
:liquid8:

Testequipment
TV-Gerät: Tevion 4:3
DVD-Player: Pioneer XV-DV313 5.1 Komplettsystem

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 22.02.2006, 23:42

Wünsche ich mir von Dir zum Geburtstag ... 15.07. ;)
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
Callejon <3

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Beitrag von Vince » 22.02.2006, 23:48

Lol, na klar... :wink: Hab gerade mal bei amazon geguckt, dat kostet wieder 42 Moppen.

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 23.02.2006, 00:00

:cry: ... aber nen wiedermal tolles Review isses geworden ;)
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
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Beitrag von freeman » 23.02.2006, 00:16

Ich stimme dem Bob zu ... sehr feines Review. Ich habe für das Ding dereinst 18 euronen gezahlt, einen Tag später kostete das Ding 30!!! :shock: :shock: :shock:

Ich war ein wenig enttäuscht, dass da nichts an Extramaterial draufgekommen ist, vor allem, da ich mir ein paar seiner Videos gewünscht hätte ... naja, das Konzert reißt dann ja alles raus. Vor allem wenn seine Musiker zum Schluß irgendwie alles einreißen ... da dachte man echt, die haben sich in den kleinen Pausen vollkommen weggelötet ... Cooles Ding ...

In diesem Sinne:
freeman
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Beitrag von deBohli » 23.02.2006, 09:58

Nice :D

Da kann ich gleich als Vorlage zu meine U2-Review missbrauchen ;)
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Beitrag von Vince » 23.02.2006, 13:19

Danke, danke, Jungens. :wink: Ich hab die auch damals für 18 Euro bestellt, vorher war mir die schlichtweg zu teuer. Die 18 Euro treffen das Preis-Leistungs-Verhältnis da schon besser.
Aufs U2-Review freue ich mich auch sehr, obwohl ich mit deren Mucke leider nix am Hut habe - was nicht heißt, dass ich die zwangsläufig schlecht finden würde. :wink:

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Beitrag von Sir Jay » 16.12.2008, 22:37

Mei wieso gibt es hier eigentlich noch keine Reviews zu den alten Alben? *zum Vince guck*

Der Name der Band ist mir ungefähr die letzten 6 Jahre lang immerwieder (meistens im Netz) begegnet, aber erst vor über einem Jahr habe ich angefangen mir die anzuhören...als stark verspäteter NIN hörer hier mal all meine Eindrücke zu deren Alben, die ich alle mal mehr, mal weniger intensiv durchgehört habe...

Pretty Hate Machine
Gutes Album, das auch ordentlich den Industrial Rock geprägt hat.
Head Like a Hole hat mir mit der Zeit verdammt gut gefallen, und die Ballade "Something I can never have" ist auch grandios.
Der Rest unter anderem "Sanctified" geht auch in Ordnung, Reznors Gesang ist auf jedenfall erhaben.
:liquid8:

The Downward Spiral
Das Album mag ich ehrlich gesagt irgendwie am wenigsten.
Grund da für ist, es funktioniert als Konzeptalbum viel zu gut, als dass ich mir da "Greatest Hits" herausholen könnte.
Die ganzen Tracks gehören einfach alle zusammen, wie Schlüsselszenen alle in einen Film gehören...da kann man nichts rausschneiden.
Insofern ist die ganze Geschichte, in der sich der Protagnist aus Religion und Gesellschaft zu entziehen versucht höchst dramatisch und am Ende auch traurig.
Abartige (im positiven Sinne) Töne und Sounds werden hier von Reznor abgelassen, die tatsächlich irgendwann in den Wahnsinn treiben.
Sehr gelungen fand ich das plötzliche ruhige Piano Stück aus "March of the Pigs", und der Refrain von "I do not want this" ist das wohl der brutalste Wutausbruch, den ich je gehört habe; Reznor macht einem hier echt Angst, aber man merkt auch, dass er selber Angst hat, wenn er "I do not want this" mehrfach vor sich hin fleht.
Von "Closer" gefällt mir eigentlich nur die tanzbare zweite Hälfte, ansonsten will aber das Stück nicht so Recht zum Rest des Albums passen, außerdem gefällt mir die Zeile "I wanna fuck you like an Animal" mal überhaupt nicht.
Äußerst Reznor damit seinen sodomistischen Charakter, weil er sich sein "Opfer" als Tier vorstellt, oder ist die Aussage eher auf sich bezogen, womit er bei sich auf eine animalische Fickwut deutet? :lol:
Hurt beschert mir am Ende dann auch eine Gänsehaut...toller Epilog, wenn auch mir der der etwas zu üppig geratene Gitarrensound im zweiten Refrain etwas gegen den Strich geht.
Insgesamt für sich ein tolles Album, aber ich hatte echt probleme da etwas heraus zupicken für eine persönliche best of CD
Außerdem spricht das Album mir als Nicht-Atheisten auch nicht unbedingt zu 100 prozent aus der Seele.
Trotzdem wirklich gelungen!
:liquid7:,5

The Fragile
Jawohl, hier sind nun die ganzen Schmankerl.
Beim gnadenlos derben "Somewhat Damaged", das am Ende den Hörer mit seinen apokalyptischen Durchdrehsounds wirklich in den Wahnsinn treibt krieg ich immer wieder ne Gänsehaut; welch ein Wahnsinns-Ende.
Die darauffolgenden Tracks machen auch alle Laune, aber mit dem Titel Song habe ich auch meinen persönlichen Lieblings NIN-Track gefunden...ich hab mic hecht verliebt in den Refrain "I won't let you fall apart" und die stark Industrial-lastige Bridge zieht mich da geradezu in ihren Bann, welch ein Sog, da muss ich immer den Kopf dazu bewegen.
der Rest der ersten Scheibe ist dann Durchschnitt, bis dann auf CD 2 der geilste Dance-Track überhaupt anläuft "Into the Void" absolute Klasse das teil, und auch "where is everybody" rockt gut...
Starfuckers find ich auch garnicht so nervig, wie der Vince meinte, der Refrain macht Laune, und Reznors lautes "don't You" in der Bridge animiert mich immer wieder zum mit schreiben :lol:
dann wars das aber auch.
Der Rest wirkt dann irgendwie überflüssig für...manchmal hört sichs ganz nett an, ist aber entbehlrich; schade eigentlich, gerade fürs Ende eines solchen Albunms hätte ich mir nochmal einen richtigen Hammer gewünscht, der derbe unter die Haut geht.
Sowas ähnliches wie Hurt, nur etwas rockiger wäre nicht schlecht gewesen; aber naja Ripe rundet das ganze auch einigermaßen sinnvoll ab.
Auf dem Album finde ich jedenfalls jede Menge kandidaten für ein best of Album
:liquid9:

With Teeth
Mein erster bewusster Kontakt mit der Band.
The Hand that Feeds ging sofort ins Ohr, das hat kein anderer Nin song geschafft, mir sofort auf anhieb zu gefallen...alle musste ich mir mehrmals anhören, aber der hier saß sofort.
Genauso Everyday is exactly the same; das höre ich jeden tag mindestens 5 mal, passt irgendwie gut zu meinem alltag :lol:
der zweite Teil des startsongs "all the love in world" gefällt mir auch sehr gut...es klingt fast so wie das Lied, das ich mir schon immer gewünscht habe lol...ich liebe diesen Refrain "why do you, why do you..."
Ich liebe Sunspots, und ich finde den Refrain von Only auch geil, auch wenn mir der weg bis zum Refrain etwas zu lang geraten ist...
aber das Album enthält auch jede Menge schwache songs wie the collector oder den titel song...
Aber auch auf dieser Scheibe finde ich die meisten Lieblinge.
:liquid9:

So und weil mir die Band insgesamt so gut gefiel, hab ich mir neulich das Album "Year Zero" für 17 Euro gekauft
Hiervon bin ich wieder enttäuscht.

Ich dachte, der weg den Reznor mit With Teeth eingeschlagen hat, war gut, aber in Year Zero finde ich kaum noch brauchbares.
ist mittlerweile alles viel zu elektronisch und Reznors Gesang ist ziemlich im Hintergrund.
Zu dem Album soll es ja ein Remixalbum gehen, aber finde bereits diese original platte hört sich an wie ein Remixalbum...die 17 euro tun mir echt weh.

Was ich aber interessant fand, war dass die CD (nachdem ich sie z wei mal durchlaufen ließ) plötzlich ihr Cover änderte!!!!
Frisch aus der Hülle entnommen war sie noch komplett schwarz, und als ich sie rausnahm war sie weiß, und nun auch mehrfach mit zahlen und Namen beschriftet... LooooL?
Sowas hab ich noch nicht erlebt, wo gibts denn sowas noch?
ansonsten ist das album so naja...track 4 und 7 gingen...
:liquid4:

So das waren meine Eindrücke über die Nine Inch Nails :)

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Beitrag von Vince » 17.12.2008, 10:57

Schöne Zusammenfassung Jay. Ich würd mal sagen, dann lass besser auch die Finger von "The Slip", das geht eher Richtung "Year Zero" (obwohls net ganz so wild und anarchisch ist). Wobei, gibts ja normalerweise genauso wie "Ghosts I-IV" als legalen Gratisdownload auf deren HP...

Ansonsten geh ich tendenziell auch in deine Richtung und mag eher die melodische Seite der NIN. "The Fragile" ist für mich sogar eine :liquid10: , da ist so viel Begeisterndes drauf...

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Beitrag von Sir Jay » 17.12.2008, 15:15

the slip hab ich mir auch schon gedownloaded, und "Discipline" gefällt mir da eigentlich auch ziemlich gut, track 6 und 7 auch, aber das wars dann auch...ghost hätte ich auch beinahe gekauft, wollte es aber dann doch sein lassen, und nachdem ich dein kurzkommentar zum album gelesen hab, wirds dabei auch bleiben.

ach ja es gibt da ja noch die EP "Broken" aber die hab ich mir nie so richtig intensiv angehört, weiß auch nicht warum; irgendwas stört mich dran, und sei es das dazugehörige, mega brutal perverse Video zu "happiness in slavary"...welch kranke fantasie ._.

aber was ich mal ansprechen möchte ist deren Bekanntheitsgrad...ich dachte immer NIN wäre ein Name den man in deutschland zumindest gehört hat, aber Pustekuchen, bei mir auf der ARbeit kennts keine Sau...und das bisschen was die da von mir gehört haben (Into the Void, the hand that feeds, only) fanden sie alles schlecht....gerade die sachen aus dem "With Teeth" album sind doch eigentlich recht mainstream-zugänglich, aber irgendwie finden die das alles scheiße, und lachen auch über den namen, der ihnen absolut nichts sagt.

das ist nur eines von dutzenden erlebnissen, die mir klar machen wie alleine ich in meinem Umfeld mit meinen Hobbies und Vorleiben dastehe...hab ichn Glück :lol:

naja jedenfalls is NIN nun zu meiner Lieblingsband (neben stabbing westward) geworden :)

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Beitrag von Vince » 17.12.2008, 15:25

Sir Jay hat geschrieben: naja jedenfalls is NIN nun zu meiner Lieblingsband (neben stabbing westward) geworden :)
Wundert mich ja schon ein bisschen bei deren Nihilismus, aber warum net, is nicht die verkehrteste Lieblingsband die man haben kann. ;)

Was mich auch wundert ist, dass bei dir auf der Arbeit die keiner kennt... weil die kannte ich sogar schon (vom Namen her), als ich sonst nur Michael Jackson und Guns n Roses kannte. Die sind eigentlich schon recht bekannt. Wo arbeitest du, hinterm Mond? ;)

"Ghosts I-IV" solltest du trotzdem mal antesten, manche sagen, das erinnert an Fragile... und was es ist, es ist auf jeden Fall sehr relaxt. Und der freeman mochte es sehr und cdstarts vergibt sogar irgendwas an die 9.5/10. Ist ja gratis... also why not.

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Beitrag von Sir Jay » 17.12.2008, 15:39

Vince hat geschrieben:
Sir Jay hat geschrieben: naja jedenfalls is NIN nun zu meiner Lieblingsband (neben stabbing westward) geworden :)
Wundert mich ja schon ein bisschen bei deren Nihilismus, aber warum net, is nicht die verkehrteste Lieblingsband die man haben kann. ;)
Am nihilistischsten ist ja das Downward spiral album, und das mag ich ja auch am wenigsten :lol:
Naja ich find Reznors gesangsstil halt doch ziemlich geil, und die sounds die er fabriziert sind auch der hammer, finde es echt erstaunlich, dass der kerl allein im studio hockt und 5 instrumente spielt, und das alles dann selber zu einem Song zusammen bastelt *übertreib*

Und ich arbeite in der Diakonie Neuendettelsau...
naja die zivi kollegen mir sind halt so hip hop und radio hörer...kennen halt keine anspruchsvolle Musik...ach ja einer von denen durfte sich bei mir mal den ganzen bust lang das "fear of a blank planet" album anhören, und meinte am ende: "was ist das für ein Mist den du da hörst"

ich bin echt allein, vince ich brauch dich in meinem umfeld :lol:

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Beitrag von Vince » 17.12.2008, 16:16

Echt komische Bande da drüben... kommt wir ziehen alle zusammen in ne LiquidWG. ;)

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Beitrag von Sir Jay » 17.12.2008, 23:05

warste eigentlich auf diesem konzert vince? haste da im review was von deja vu geschrieben

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Beitrag von Vince » 21.01.2009, 20:19

Bin grad zu faul die Deja Vu Stelle zu suchen, aber aufm Konzert war ich leider net.

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Beitrag von Sir Jay » 21.01.2009, 21:29

nochn kleiner nachtrag zu the fragile.

finde dass das album mit der zweiten hälfte von CD2 so langsam echt abnimmt...was nach starfuckers kommt ist für mich ziemlich überflüssiges geschrammel auf der Gitarre.
Der Abschlusstrack rundet das werk dann zwar sinnvoll ab, und baut eine leicht bedrohliche Stimmung auf, aber persönlich wäre mir nochmal ein absoluter hammertrack wie der titelsong "The Fragile" oder "Into the Void" nur mit einer gehörigen Portion Melancholie lieber gewesen.
Ich muss da immer wieder an das klasse Konzeptalbum "Darkest Days" von stabbing westward denken, die am Ende mit "Waking up beside you" dem album wirklich die absolute krone aufsetzten...welch intensität, welche power, welch gefühl, welch geniales songwriting....sowas hätte ich mir für für den abschluss von "The Fragile" auch gewünscht, aber da tut sich die letzten 20min nichts großartiges mehr (ok complication hat schon was)...

aber wie gesagt der Titelsong "The Fragile" ist mein persönlicher lieblings NIN song...absolut derbe geiler track!!!

es bleibt aber weiterhin dabei, dass keine sau in meiner umgebung was mit dem namen der band, geschweige denn der musik anfangen kann :lol:

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