Basket Case I - III

Auch Trashfilme haben ihre Daseinsberechtigung.
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Vince
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Basket Case I - III

Beitrag von Vince » 02.02.2006, 19:33

Basket Case

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Originaltitel: Basket Case
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1982
Regie: Frank Henenlotter
Darsteller: Kevin VanHentenryck, Terri Susan Smith, Beverly Bonner, Robert Vogel, Diana Browne, Lloyd Pace, Bill Freeman, Joe Clarke, Ruth Neuman, Richard Pierce, Sean McCabe, Dorothy Strongin, Ilze Balodis, Kerry Buff, Tom Robinson u.a.

Geschrieben am 20.06.2005

Ja ja, der Klump mit Armen. Ein Semi-Kultobjekt, das unter dem Strich zwar doch recht unbekannt ist, einen gewissen Fankreis jedoch vorweisen kann. Das kann eigentlich nur an dem absurden Geschöpf liegen, ein unförmiger Gummiklumpen, dem die Herkunft aus einer Maskenwerkstätte auch im Film von der Nase abzulesen ist und der deswegen durchweg unfreiwillige Komik ausstrahlt. Wie gerechtfertigt der Mini-Trubel um den Klump aus filmischer Sicht ist... nun, wollen wir doch mal sehen.

Wem es nicht bekannt ist: es geht um einen jungen Mann namens Duane (Kevin VanHentenryck), der als Teil eines siamesischen Zwillingspaars auf die Welt gekommen ist. Sein Bruder Belial ist ein unförmiges Geschöpf mit Gesicht und Armen, das an seiner Seite festgewachsen war. Gegen den Willen der beiden Brüder wurden sie als Kinder operativ getrennt. Jahre später machen sie sich zusammen auf nach New York, um die Verantwortlichen für die Operation zu töten...

Geht man mit Logik an die Story heran, scheitert man bereits an der Unmöglichkeit des bösen Zwillings, der sich nicht nur durch sein Plastik-Aussehen als biologische Absurdität entpuppt. Nach wissenschaftlichen Maßstäben wäre unter keinen Umständen das eigenständige Überleben möglich, und das ist so offensichtlich, dass es jedes Kind verstehen würde. Daran jedoch die Qualität des Films festzumachen, wäre ganz sicher falsch. Zunächst einmal handelt es sich bei Frank Henenlotters Werk um reinsten Trash. Mit Unstimmigkeiten darf man daher nicht ganz so arg ins Gericht gehen, und wenn sie so offensichtlich sind wie hier, darf man sie sogar als beabsichtigt unterstellen.

Tatsächlich verfolgt man wohl auch eher die symbolische Bedeutungskraft des Zwillingspaars, in deren Konzept die Körperfunktionen der unförmigen Mensch-Monster-Kartoffel wohl kaum Berücksichtigung finden. Vielmehr bemühte man sich, ein psychologisches Profil des Hauptdarstellers Duane zu erstellen, wobei sein Zwillingsbruder als dunkles Alter Ego fungiert und er damit zum materiell manifestierten Teil von Duanes Persönlichkeit wird.
Und prinzipiell ist das gar nicht mal so schlecht gemacht. Betrachtet man den Film unter dem Standpunkt, dass Duane und Belial ein und dieselbe Person sind (keine Angst, das ist kein Spoiler auf einen eventuellen finalen Plottwist), gewinnt man der Figur sehr viel Tiefe ab. Zwar beginnt die psychologische Analyse des Duane sehr grobschlächtig, doch verfeinert sie sich mit zunehmender Laufzeit. Wir sehen Duane mehrmals im Dialog mit Belial, an sich ein völlig natürliches Verhalten, denn er beschwert sich, dass sein Bruder Krach macht, während er schlafen will. Unter dem Aspekt betrachtet, dass es sich hier um einen Monolog handelt, kommt jedoch ein innerer Konflikt zum Vorschein, der in Schlaflosigkeit mündet, die stets ein Zeichen für Schuld ist (siehe „Insomnia“). Gleiches gilt später beim Kennenlernen der Arzthelferin und beim Ermorden der Zielopfer.

Mehrere Punkte lassen jedoch das Potential des Films, als Studie an einem psychisch kranken Menschen zu gelten und womöglich die Ursprünge der Krankheit aufzudecken, erheblich zusammenschrumpfen.
Über allem steht sicherlich die handwerkliche Begrenztheit der Möglichkeiten und wohl auch die fehlende Erfahrung, die die Macher mitbringen. „Basket Case“ ist und bleibt ein Low Budget-Movie und hält sich als solches auch an Dingen auf, die der Intention des Films nicht nützlich sind. Dabei sind die Szenen und ihre Abfolge noch recht gut ausgewählt; man könnte nicht ohne schlechtes Gewissen sagen, dass viele Szenen besonders überflüssig wären. Dennoch führt schon alleine der Prolog in die falsche Richtung, wirft er doch durch Kameraarbeit (Egoperspektive, wackelige Handkamera) und Schnitttechnik alle Merkmale eines Slashermovies auf. Und tatsächlich wuseln sich durch den ganzen Film immer wieder kleinere Splatter- bzw. Goreszenen ein, die in ihrer Machart wie ein Fremdkörper wirken. Beinahe hat man das Gefühl, man wolle gewissen Erwartungen an einen Schmuddelfilm gerecht werden, dessen Image sich durch die billige Optik nie ganz ablegen lässt. Das beißt sich ganz empfindlich mit den psychologischen Ansprüchen und legt sich in Dissonanzen dar, die den Zuschauer das psychologische Potential der Story nicht ganz ernstnehmen lassen.

Zu allem Überfluss gesellt sich auch noch reichlich unfreiwillige Komik dazu, die sich wie gesagt vor allem durch den Monsterzwilling ergibt. Dieser bietet dabei reichlich Sehwert, aber von atmosphärischem Grusel oder Suspense kann man nicht reden; dies alleine hier zu erwähnen, ist schon lächerlich. Wenn man sieht, wie ein Arzt mit einem Gummiklops vor die Brust gebunden „um sein Leben kämpft“, wie der Klump mit Stop Motion-Technik und verzerrten Schreien durch das Zimmer wütet, wie sich der Baskenkorb (das Heim des Klump) bei der Fütterung hin- und herbewegt und dabei glucksige Fressgeräusche ertönen, das ist lächerlich hoch drei und genau deswegen für Trashfans spaßig. Aber es ist eben auch Gift für die Grundidee, Duane als psychisch zerrissenen Menschen darzustellen.

Zudem wird noch ein weiterer Punkt versucht, anzusprechen, nämlich die Frage, was einen Menschen zum Menschen macht. Gerade in der Rückblende kommt das zur Sprache, wenn eine Gutachterin von „dem Kind“ spricht und die Tante korrigiert, dass es „die Kinder“ seien, oder wenn eine Ärztin bei der Beratschlagung argumentiert: „Ich glaube nicht einmal, dass es menschlich ist“ (übrigens erneut eine Phrase, die gerade aus dem Munde einer Ärztin unheimlich lächerlich klingt und wiederum die unfreiwillige Komik füttert). Auch das deckt sich nicht mit dem zentralen Psychogramm, es widerspricht ihm sogar in dem Vorhaben, die Zwillinge wirklich als zwei Menschen zu sehen. Wenngleich dieser Aspekt durch die relative Beschränkung auf die Rückblende auch nur sehr zurückhaltend eingefügt wird, haben wir hier dennoch zwei Ziele von ein und demselben Film, die sich gegeneinander ausspielen.

Was positiv überrascht, sind die Charaktere, die zwar von ihrem äußeren Erscheinungsbild und den ersten Eindrücken her Klischees vermuten lassen, im weiteren Filmverlauf dann jedoch Persönlichkeiten preisgeben, die man so nicht erwartet hätte. Der Betreiber des billigen Hotels, den man als schmierigen Mistsack eingeschätzt hätte, wird zum rücksichtsvollen und aufrichtigen, wenn auch genervten Mann, der sich sofort um alles kümmert; die schwarze Mitbewohnerin, vom ersten Eindruck her beinahe ein drogensüchtiges Flittchen, wird zur freundlich-fröhlichen Partygängerin, die gegenüber anderen Menschen sehr offen ist. Das lässt sich auf die meisten anderen Figuren übertragen, die allesamt trotz des erwartungsgemäßen schlechten Schauspiels Interesse wecken können.
Weiterhin überzeugt der strukturelle Aufbau, bei dem das langsame Eintreffen in New York und das stetige Zuspitzen der Katastrophe nicht zuletzt durch Schnitttechniken wie die Parallelmontage (als Duane gerade ein Date hat und Belial zu Hause Unsinn anstellt) überzeugend umgesetzt wird.

Fazit: „Basket Case“ ist eine aus logischer Sicht absurde Story mit einer allerdings psychologisch überverhältnismäßig ausgereiften Grundidee, die auf das zerrissene Innenleben eines Menschen mit einem schweren Kindheitstrauma abzielt. Diese Idee wird leider durch den recht hohen Trashfaktor ebenso abgeschwächt wie durch einen weiteren anthropologischen Ansatz, der sich mit dem Psychogramm des Hauptdarstellers schneidet. Die Hauptattraktion, nämlich der Belial-Klump, sorgt für die ein oder andere komische Szene und hat wohl daher auch seine Fanbase, jedoch unterschlägt auch seine Präsentation das eigentlich recht hohe Potential der Grundidee. Bei allen lobenswerten Ansätzen bleibt „Basket Case“ am Ende doch bodenständiger Trash und ist daher auch nur solchen Leuten zu empfehlen, die das Genre mögen.
:2of5: ,5

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Basket Case 2

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Originaltitel: Basket Case 2
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1990
Regie: Frank Henenlotter
Darsteller: Kevin VanHentenryck, Judy Grafe, Annie Ross, Heather Rattray, Chad Brown, Beverly Bonner, Leonard Jackson, Alexandra Auder, Brian Fitzpatrick, Gale Van Cott, Kuno Sponholz, Kathryn Meisle, Dominic Marcus, Doug Anderson, Jason Evers u.a.

Geschrieben am 22.06.2005

So, der Klump geht in die zweite Runde. Und was hat Regisseur Frank Henenlotter in den acht Jahren seit dem Original dazugelernt? Leider so gut wie nichts. Vergessen hat er aber auch nix.

Mit der Geschichte um Duane und seinen verunstalteten Zwillingsbruder Belial hält sich also alles in der Waage, jedoch ist erfreulicherweise das Terrain gewechselt worden. Henenlotter besitzt so viel Kreativität, dass er sich nicht einfach um eine Fortführung des Psycho-Dramas zwischen den beiden geistig verbundenen Zwillingen bemüht, sondern dass er mit der Freak-Familie wieder einen vollkommen neuen Aspekt hinzuzieht. Das war so beinahe zu erwarten, wurden doch schon im Original zwei relativ unterschiedliche Ansätze verfolgt.

Diese sind nun als abgeschlossen zu betrachten, und man konzentriert sich im Kontrast zum vorher bestehenden psychologischen Anspruch auf eine Gesellschaftstheorie mit dem Fokus auf das Entstehen von Normen. Zumindest in Ansätzen an “Freaks” angelehnt, wird eine Familie von körperlich Verunstalteten ins Spiel gebracht, innerhalb derer Grenzen die “Normalen” zu den Außenseitern werden. Diesmal wird also die Soziologie bemüht, wenn gefragt wird, nach welchen Maßstäben sich Normen entwickeln, und nach welchen Kriterien entschieden wird, was “normal” ist. Die Botschaft? Es ist alles eine Frage der Gesellschaft, in der man lebt; die Merkmale, die am häufigsten vorkommen, gelten als normal, und niemand hat das Recht, einen “Anormalen” zu diskriminieren.

Besetzung und Örtlichkeiten des Films haben sich komplett geändert, mit Ausnahme des Regisseurs und des Hauptdarstellers Kevin VanHentenryck, der acht Jahre später seine Figur unmittelbar nach dem Sturz vom Hochhaus wieder aufnimmt. Gerade nach dem Wechseln der Lockenmatratze gegen einen pfiffigen Kurzhaarschnitt sieht man ihm die vergangenen Jahre an, was jedoch halb so tragisch ist, wo es doch genug Elemente gibt, die von Duanes älterem Erscheinungsbild ablenken.
Gemeint sind natürlich die Freaks, die in ihrer Designvielfalt wirklich das Ziel erreichen, den Belial-Klump normal und unscheinbar wirken zu lassen; insofern ist das erste Teilziel erreicht. Obwohl auch hier wieder die Gummimasken und Gesichtsprothesen ganz klar als solche zu erkennen sind, lässt sich die Kreativität der Macher hübsch ansehen. Die “Monster” glänzen mit bemerkenswerter Individualität und unterstreichen damit die Aussage, die getätigt werden soll bezüglich einer Gesellschaft, die Individualität und Selbstentfaltung erlaubt und dennoch ein Zusammengehörigkeitsgefühl entfaltet.

Das erste Problem liegt jedoch, wie schon damals bei Belial, in der biologischen Absurdität der Designs, die schon im Ansatz jegliche ernsthaften Ansprüche zunichte macht. Da hätten wir einen riesigen Klops, der praktisch nur aus einem Maul besteht und natürlich mit engelshafter Stimme Opern singt; oder auch ein Exemplar, bei der von Überbiß zu sprechen reinste Schmeichelei wäre. Bei allem Sehwert, den Monsterdesigns kann man geradezu von der Nase ablesen, wie gerade ein Zeichner über seinem Brett sitzt und mit Deformierungen der Gesichts- und Körperzüge experimentiert, bis er etwas gefunden hat, das “witzig” oder “cool” aussieht. Aber die Monster-Community besteht durchweg aus zwar optisch interessanten, jedoch auch unfreiwillig komisch erscheinenden Witzfiguren, die niemandem ernsthaft weismachen könnten, dass sie in der Form real existieren können.

Eng damit in Verbindung steht die alberne Darstellung der Freaks, die mit ihrer kindgerechten Präsentation seit Pixar unweigerlich an die “Monster AG” erinnern. Zuvor war sicherlich der ein oder andere Gedanke an die “Muppet Show” oder die “Sesamstrasse” da, denn ganz genau so wirken die Figuren: wie fremdartige, brummige Fantasiemonster mit gutem Herzen und Aufklärungsarbeit bei den Bösen. Man denke nur an Ruths Villa, wo die Freaks umherlaufen wie Statisten. Und gerade in einer prinzipiell sehr ansprechenden Szene, dem Treffen in der Bar, wird das Mißverhältnis deutlich: da wird demonstrativ ein Zusammengehörigkeitsgefühl demonstriert, dem “Bösen” eine Moral auf die Nase gebunden und ein Rollentausch vollzogen, bei dem der “Normale” zum Freak wird und umgekehrt. Da haben wir’s doch ganz deutlich: das sind die Schemata einer Kinderserie. Die Schlümpfe, die Gummibärenbande, Ghostbusters, MASK... was auch immer, die Prinzipien sind immer dieselben, und sie finden auch hier Verwendung, in einer Szene, die ansonsten mit düsterer Atmosphäre, guter Beleuchtung und sogar ein paar treffenden, wenn auch etwas abgenutzten Witzen (“Wie ist noch gleich Ihr Name, Sir?” “Was...was zum Teufel geht hier vor?” “Also, ich und Mr. Waszumteufelgehthiervor haben eine Wette abgeschlossen.”) punktet.
Und nun der Anti-Clou: “Basket Case 2" soll ein Horrorfilm sein! Der Anspruch ist da, und das liegt in der Tradition der Serie (Teil 1 hatte auch ein paar Splatterszenen zu bieten). Auch hier lassen einige Szenen immer wieder vermuten, dass Horroratmosphäre aufgebaut werden soll, wenn etwa der Fotograf auf den Dachboden gerät, wenn die Reporterin in ihrer Wohnung von den Freaks bedroht wird oder wenn Duanes Freundin (piieeep - Spoiler!).
Und da fragt sich dann doch: wer ist nun das Zielpublikum? Die Horrorfans werden sich über kindische Szenen aufregen, tja, und was die Kinder betrifft, ist zu sagen, dass “Basket Case 2" sogar in so mancher FSK18-Fassung noch geschnitten ist. Jedoch könnte man den Film durch noch ein paar weitere Schnitte auf Sonntagnachmittagsformat zuschneiden und ihn direkt neben dem kleinen Vampir und dem Monster im Schrank einordnen.

Und hier ist die Lächerlichkeit noch nicht vorbei: Ruths Führung der Freaks mutet an wie eine verquere Sekte, die ihre Ziele ins Absurde hat abdriften lassen. Das wird beispielsweise deutlich bei der Überreaktion gegenüber dem Betrüger, der eine Freakshow mit Plastikmonstern führt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, weshalb er nach einer Begegnung mit Belial stattdessen sein Leben verliert. Gleiches gilt natürlich für die Reporter, deren Bestrafung (trotz der unsympathischen Charakterisierung) ein klitzekleines bisschen zu hart ist. Man kann das so machen, aber dann sollte man die Monster auch wirklich als Psycho-Familie im Stil von “TCM 2" darstellen, anstatt sie nach Kinder-Art eine aufrichtige Moral verbreiten zu lassen. Psycho-Sekte und Kindergarten - das passt nicht zusammen.

Strukturell geht der Film in Ordnung, wenngleich “Basket Case” doch kurzweiliger geschnitten war, während sich hier die ein oder andere Länge einschleicht. Die Rückblenden, die auch schon im Vorgänger Verwendung fanden, hätten sicherlich nicht in aller Ausführlichkeit noch einmal gezeigt werden müssen. Die Schauspieler sind trotz eines geradezu zwanghaften Overactings gerade der Reporterin etwas besser als im Original, gelangen aber nicht so nahe an den Zuschauer heran wie dort, was vielleicht auch an der dominierenden Freak-Familie liegen mag. Das Finale ist weitaus spektakulärer als im ersten Teil, wenn auch nicht jeder unbedingt Monster-Sex sehen muss. Dafür gibt sich Duane als Psycho Deluxe, womit ein Kreis zum Vorgängerfinale geschlossen wird.

Insgesamt aber bleibt alles zu unausgegoren und damit beim Alten: Frank Henenlotter lässt durchaus die Bereitschaft erkennen, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Missgestaltung und soziale Ausgrenzung zu führen, jedoch versaut er den vielversprechenden Ansatz einmal mehr durch die unprofessionellen Stimmungsschwankungen, die es schwer machen, zwischen Kinderfilm und Horrorfilm zu unterscheiden. Dazu tragen auch die Masken bei, die zwar schön anzusehen sind und in ihrer Individualität auch die Botschaft mittragen, allerdings zu sehr den Trash heraufbeschwören, der für ungewollte Komik sorgt. Selbst der Vorgänger war in seinem Vorhaben, Duane und Belial als eine psychisch gestörte Persönlichkeit zu zeigen, noch einen Tick besser organisiert. Schön dagegen ist der Mehrwert gegenüber dem Original durch eine thematische Neuorientierung. Im Gesamteindruck gibt’s dennoch nur
:2of5:

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Basket Case 3

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Originaltitel: Basket Case 3 - The Progeny
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1992
Regie: Frank Henenlotter
Darsteller: Kevin VanHentenryck, Annie Ross, Gil Roper, Dan Biggers, Jim O'Doherty, Tina Louise Hilbert, Carla Morrell, Carmen Morrell, Jackson Faw, Jim Grimshaw, Tim Warle, Jerry G. White, Beverly Bonner, Jeff Winter, Berle Bowken u.a.

Geschrieben am 22.06.2005

Der Klump beweist Durchhaltevermögen, denn 1992 war das Jahr, in dem er es zum dritten Mal an die Öffentlichkeit schaffte. Und nun ist die Trilogie komplett. Aber leider ist der dritte Teil nur ein hässliches Anhängsel, nicht anders als Belial selbst.

Und wieder gilt, dass Regisseur Frank Henenlotter keine Fortschritte gemacht hat, denn “The Progeny” krankt an denselben Stellen, die schon zuvor zu bemängeln waren. Nur werden diesmal die Mängel nicht durch einen vielversprechenden psychologischen oder soziologischen Ansatz wettgemacht, denn ein solcher fehlt diesmal leider. Mögen dem guten Frank wohl die Ideen ausgegangen sein?

Das ist schon erstaunlich, denn im ersten “Basket Case” haben sich die Ideen noch gegenseitig behindert. Nun beschränkt sich das Skript sowohl oberflächlich als auch botschaftlich auf eine simple Geschichte, in der Belial mit seiner Monster-Familie raus aufs Land fährt, weil seine Monster-Frau monstermäßig schwanger ist und nur ein Doc helfen kann, der eben auf dem Land lebt. Und wie es dann so kommt, macht Belials inzwischen bescheuert gewordener “normaler” Bruder Duane (Kevin VanHentenryck) Ärger und lenkt die Aufmerksamkeit des ganzen Städtchens auf die Freak-Familie.

Irgendwann beim Ansehen wird einem als Zuschauer bewußt, dass mit dem dritten Teil wohl eine Art Kleinstadtatmosphäre aufgebaut werden sollte, wie man sie eindrucksvoll in Filmen wie “Der Blob” zu Gesicht bekam. Das erzeugt allerdings einen empfindlichen Schnitt gegenüber den ersten beiden Teilen der Trilogie und ist darüber hinaus derart mißlungen, dass man wirklich gerade mal mitten im Film darüber nachdenkt, ob die Macher so etwas eventuell intendiert hatten. Wie auch immer, in Kenntnis der Vorgänger ist man zunächst stets auf der Suche nach irgendwelchen gesellschaftskritischen Ansätzen oder sonstigem Tiefgang, bis man irgendwann merkt, das wurde komplett aufgegeben.
Beibehalten wurde dagegen die unverträgliche Mischung aus Kindergeburtstag und Horrorfilm, die durch weitere Extreme noch verstärkt wurde. Die alten Freak-Masken wurden wieder ausgegraben und durch neue Freak-Figuren erweitert, die das Ganze noch weiter ins Lächerliche ziehen (man denke nur an die unsägliche Transvestiten-Krankenschwester). Der Zusammenhalt der Monsterfamilie ist stärker denn je, und deshalb müssen wir Zuschauer ertragen, wie aus dem Reisebus auf dem Weg zum Landarzt ein grässlich kitschiges Lied über Persönlichkeiten ertönt (erfahren Sie ihre persönliche Glücksmelodie!), während die (Sekten-)Führerin Ruth singt und einige der Freakazoids Instrumente spielen. Da darf man schon mal vor Übelkeit aufstoßen. Seht ihr, Kinder, das geht auch ohne Blut.

“Basket Case” ohne Blut, das geht jedoch nicht. Und wenn die Splatterszenen (allesamt schön auf eine Szene gebündelt) auch hier wieder unpassend wirken, sind sie doch so ziemlich das einzige, was den Film erträglich macht. Da mag man den Belial ob seines Polizeirevier- Massakers gleich mal am liebsten die Hand schütteln, denn die Attacken auf die Cops, die sind fein.

Ganz anders verhält es sich da mit dem Monster-Mash. Im Mittelpunkt steht die Geburt der Belial-Kinder, die sich als absolut langweilig entpuppt, gerade weil irgendwie nie so richtig ein Ziel zu erkennen ist. Die inzwischen todesnervigen Freaks feiern mal wieder ne Party, während Belials Frau oben brütet, so dass man sich ständig fragt, was das soll. Hatte die Sozialkritik in “Basket Case 2" noch den entscheidenden Ausschlag dafür gegeben, dass man dem Geschehen halbwegs interessiert folgte, ist davon hier leider nicht mehr viel übrig. Ein paar Cops schnüffeln herum, aber die reine Neugierde der Landeier macht den Kohl auch nicht so richtig fett.
Dabei hätte das Finale durchaus spannend werden können in Anbetracht der vorhergehenden Geschehnisse. Schließlich hatte Belial allen Grund dazu, den Sheriff zu meucheln und umgekehrt. Ein Brian Yuzna hätte daraus sicherlich ein aller Logik entbehrendes, aber dafür sauspannendes Splatterfinale im Versus-Style gemacht (wenn einmal damit angefangen, kann man ja beim Splatter bleiben; außerdem hätte Yuzna auch die lustischen Kinderpartymonsterszenen zu verhindern gewusst). Henenlotter fehlt aber leider so ein bisschen das Gespür für Spannung und Dramatik, weshalb zwar ein Finale stattfindet, dieses aber so ziemlich das spannungsärmste ist, das unter den gegebenen Umständen drin war. Dabei war er mit dem Maschinen-Untersatz für Belial doch auf dem richtigen Weg: Film- bzw. Comicparodie (Krang von den Turtles dürfte dunkelrosa vor Neid werden) und cooles Fortbewegungsvehikel in einem. Wenn die Transformers noch “in” wären, dann wär das voll der Hammer. Im übrigen ist dieses Maschinending die einzige Sache im Film, der man so etwas wie philosophische Ansätze abgewinnen könnte (Ghost in the Machine, Medium vs. Mittel etc.); allerdings bezweifle ich, dass solche Ansätze hier wie sonstwo im Film überhaupt beabsichtigt wurden.

Was den Film vor dem absoluten Untergang bewahrt, ist der immer wieder eingestreute Humor, der gerade von Kevin VanHentenryck ausgeht. Der muss immerhin einen mental abgekackten Schwachsinnspatienten spielen, der am Ende des zweiten Teils noch versucht hatte, sich seinen Bruder wieder an die Seite zu nähen. In vollem Bewusstsein, einen Psycho nicht überzeugend und realistisch spielen zu können, mischt VanHentenryck eine gehörige Portion Selbstironie und Übertreibung in sein Schauspiel, die es zum Genuß macht, zu erraten, welchen Schwachsinn sein Charakter Duane als nächstes baut. Leider ist Duane inzwischen zum absoluten Nebencharakter degradiert worden und kann nicht den kompletten Film mit seinem Humor füllen. Der restliche Humor ist ziemliche Geschmackssache (die Reime des Geburtshelfers bei der Geburt der Belial-Kinder) und wird nicht jeden überzeugen können.

Wie auch immer, der Humor alleine hätte den total verkorksten Rest sowieso nicht retten können. “Basket Case 3” ist überflüssig wie eine fünfundzwanzigste Nase (fragt das mal den Nasen-Freak, als er bei der Beerdigung heulen muss) und entbehrt leider jeglicher gesellschaftskritischen Ansätze, welche die beiden Vorgänger vor einem ähnlichen Absturz gerettet hatte, wie ich ihn hier leider attestieren muss. Die Splatterszenen sind ganz hübsch gemacht, aber im wesentlichen auf eine Szene konzentriert, während sich der Rest-Film mit dem fröhlichen Herumgehampel der lustigen Monster-Gemeinde herumschlagen muss. Die Nachzeichnung einer stimmungsvollen Dorfatmosphäre funktioniert ebenso wenig wie der Rest des Films.
Hopp, zurück in den Baskenkorb!
:liquid2:

Auf DVD gibt's die Filme in mehreren Fassungen. Nur diejenige von Legend Films ist halbwegs empfehlenswert, weil uncut; um die Astro, Best Entertainment und Laser Paradise-Scheiben sollte man einen Bogen machen.

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Beitrag von freeman » 03.02.2006, 01:10

LOL, der Kartoffelmann, GEIL!!!

Der erste ist der Lieblingsfilm von nem Kumpel und mir (also in Trashhinsicht). Ich habe meinen Kumpel noch nie so feiern sehen, wie bei dem Film. Genialst. Und im Grunde ist der Kartoffelmann DER Superheld schlechthin im Trashuniversum, der toppt mit seinen ultimativen Fähigkeiten ALLE Hebelgesetze zu brechen sogar Toxie LOL

GEIL! Und die Reviews rocken. Die Dinger muss man alle mit einem sehen, der auch saufen, lachen und gucken kann, dann rocken die alle noch mehr als von dir beschrieben!

In diesem Sinne:
freeman, der empfiehlt, die Dinger mal mit ihm zu gucken ...

LOL, Bild gefunden ...
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und hier ... Muhar har har ... mit seinem Haus:
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am geilsten is, wenn seine Augen rot leuchten ... Ich brech gerade wieder ab! Danke für die Reviews. LOL
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Beitrag von StS » 03.02.2006, 08:36

Feine Reviews zu Streifen, die ich noch nie mochte und welche wahrlich hier in die "Trash"-Ecke gehören! :wink:

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Beitrag von Vince » 03.02.2006, 15:19

Lol, ich danke euch...also fest steht, dass der Klump tatsächlich enormes Partypotenzial hat. Ich meine, so ein Klops muss doch einfach jeden Trashfan zum Feiern bringen. :wink: Ist natürlich klar, dass man dafür auch nen Faible haben muss. Aber wenn ich an die Szene denke, wo der Klump durch das Hotelzimmer wütet... LOL, Harryhausen's in da house. :lol:

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Beitrag von urgh » 03.02.2006, 15:26

Moin,

Geil, Klumpenmann rules :lol: .

miche
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"Sehnsucht (kommt aus dem Chaos)." - Einstürzende Neubauten
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