The Da Vinci Code & Illuminati

Filme die viel kosten aber meistens nicht das halten, was der Trailer verspricht
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The Da Vinci Code & Illuminati

Beitrag von freeman » 19.05.2009, 12:19

The Da Vinci Code – Sakrileg

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Originaltitel: The Da Vinci Code
Produktionsjahr: 2006
Herstellungsland: USA
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks, Audrey Tautou, Ian McKellen, Alfred Molina, Jürgen Prochnow, Paul Bettany, Jean Reno u.a.

Sakrileg und Popetown oder wie ich es gerne nenne: Marketing von Gottes Gnaden ... Dabei habe ich nur einmal die aktuellsten roten Tücher der Medienlandschaft für die Institution der christlichen Kirche hergenommen, die allerdings beide belegen, dass sich die Kirche herrlich darauf versteht, Werbung für fremde Produkte zu betreiben. Manchmal meint man gar, die Kirche sei eine Art PR Maschinerie geworden, die mit umgekehrter Psychologie arbeitet. Nehmen wir Popetown. Eine absolut belanglose, wahrlich traurige Satire auf eine der heiligsten Kühe des Christentums: den Papst. In Zeiten von "Wir sind Papst", scheint es besonders blasphemisch zu sein, den Stellvertreter Gottes auf Erden "anzugreifen". So hieß es schon früh, ohne dass man überhaupt ansatzweise wusste, was da überhaupt auf uns zukommen würde: „Verbietet Popetown.“ „MTV, ihr DÜRFT das nicht ausstrahlen.“ Grund dafür war einzig und allein eine Werbung von MTV, die den vom Kreuz gestiegenen Jesus zeigte, der sich eine Folge Popetown im TV anschaute! Also nicht einmal die Serie selbst, sondern eine Werbung dafür war Stein des Anstoßes! Abgesehen davon, wie ewig gestrig ein solches Verhalten anmutet, wetterte man dann auch gegen erste Folgen der Serie und bescherte MTV ein Medienecho sondergleichen! Dabei – und hier zeigt sich die Unerfahrenheit der christlichen PR-Maschine Kirche - vergaß man einiges: 1. keine Sau guckt MTV (was 300 000 Zuschauer bei der Popetown Premiere belegen) und 2. schafft man durch derartiges Verhalten nur Neugier. Ob sich MTV für diesen "Quotenhit" allerdings bei der Kirche bedankte, ist mir nicht bekannt ... Kihi. Ähnlich erging es Dan Brown mit seiner "Neuinterpretation" des Christentums, allerdings schlug bei ihm die „Kritik“ der Kirche voll an und bescherte ihm Auflagen in Millionenhöhe. Das gleiche galt dann im Umfeld des Starts des Kinofilms, was dem Film mehr Aufmerksamkeit bescherte, als es jedes Eigenmarketing hätte tun können. Von daher sollte man der Kirche vielleicht empfehlen, entweder eine eigene PR Agentur im Medienbereich zu eröffnen oder sich einfach mal zurückzuhalten, vielleicht würden dann Filme "gegen" die Christenheit auch von ganz alleine gemieden werden? Denn dass die öffentliche Aufregung und das daraus resultierende Medienecho freilich nichts mit der Qualität eines Filmes oder einer Publikation zu tun haben, hat ja Popetown mit seinen armen Witzchen bereits gezeigt und auch The Da Vinchi Code bekleckert sich nicht unbedingt mit Ruhm, wenn es um seinen cineastischen Wert geht ...

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Robert Langdon, ein Kunsthistoriker, der gerade in Paris eine Gastvorlesung über Iconographie abhält, wird von der Pariser Polizei gebeten, zum Schauplatz eines Mordes im Louvre zu kommen. Da Langdon nicht versteht, warum man ihn da haben will, zeigt ihm Polizeikommissar Fache ein Foto, durch das klar wird, warum man als erstes auf Langdon kam: Der ermordete Chefkurator des Louvre hat vor seinem Dahinscheiden eine Unmenge an Zeichen und scheinbaren Codes hinterlassen. Langdon kommt an dem Tatort aber nicht sonderlich voran, als plötzlich eine junge Französin auftaucht, die sich als Enkelin des Verstorbenen entpuppt und Langdon zu verstehen gibt, dass Fache in ihm den Mörder sieht, hat doch der Tote auch einen Hinweis hinterlassen, der Langdon namentlich benannte! Allerdings wurde dieser Hinweis von Fache vollkommen falsch gedeutet! Gemeinsam mit Sophie kolportiert Langdon einen scheinbaren Fluchtversuch, dem Fache auch aufsitzt. Dies gibt den beiden ausreichend Gelegenheit, einigen Spuren von Sophies Großvater genauer auf den Grund zu gehen.

Dabei finden sie den Schlüssel zu einem Schließfach in einer Bank, in dem sie den ultimativen Hinweis finden, auf welche Spur sie Sophies Großvater bringen wollte. Es gilt den heiligen Gral zu finden, der bei weitem nicht das ist, was alle dahinter vermuten. Im Zuge ihrer weiteren Untersuchungen werden Fragen für Sophie und Langdon aufkommen, deren Beantwortung das ganze christliche Weltbild in sich zusammen fallen lassen könnte ...

Jesus als Feminist, Jesus als normaler Mensch mit menschlichen Bedürfnissen, Geheimbünde, der heilige Gral, verschlüsselte Botschaften und und und ... Ein hochinteressantes Storykonstrukt hat sich da Dan Brown für sein Buch einst zurechtgebastelt. Die Macher des Da Vinci Code Films erachteten es daraufhin als ihre Pflicht, den größten Teil von Browns Theorien in den Film zu integrieren, die es dann auch mühelos schaffen, den Film zu tragen. Diese Theorien kommen dabei teils verblüffend schlüssig daher und schaffen es mühelos, die Weltsicht der christlichen Welt doch ordentlich umzudichten. Die Figur des Langdon ist es dann, die verhindert, dass diese Storyaspekte irgendwann zu abstrus/überzogen werden, denn Hanks legt Langdon alles andere als leichtgläubig oder naiv an. Seine Figur sorgt immer für den nötigen Abstand zum Thema, da Langdon immer hinterfragt und abzuwägen versucht. Damit hat man sicher einen guten Weg gefunden, den - vor allem - kirchlichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Wobei das, wenn man einmal logisch nachdenkt, gar nicht nötig wäre: Denn die Kirche hat ihre Theorie über den Lauf der Dinge und Dan Brown eben seine. Es treffen hier zwei Gedankenansätze aufeinander, die BEIDE NICHT bewiesen sind. Wo liegt dann also das Problem? So sei den kirchlichen Kritikern empfohlen, Buch und Film als das zu sehen, was sie sind: auf ihre Art jeweils sehr interessante Verschwörungsgeschichten, nicht mehr und nicht weniger. Dabei will ich hier keineswegs andeuten, dass ich Dan Browns Ansatz nicht ernst nehmen würde. Er ist für mich genauso "schlüssig" und "glaubhaft" - also schlicht unbewiesen - wie die kirchliche Sicht der Dinge - ich denke, als Atheist darf ich mir dieses salomonische Urteil durchaus erlauben ;-). Und als Verschwörungsgeschichte funktioniert der Da Vinci Code sehr gut und erschafft eine filmeigene Logik, die immer funktioniert.

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Der Film hat dabei ganz andere Probleme. Als erstes kommen einem da enorme Tempodefizite in den Sinn, denn der Film ist schlicht und ergreifend zu lang und hat einige arg redundante Szenen an Bord, die bereits Bekanntes und vor dem Zuschauer bereits breit Ausgewalztes nochmals wiederholen und damit die Pace massivst herunterbremsen. Hier kommen einem ALLE Szenen mit Alfred Molina in den Sinn und auch die Jean Reno Storyline bremst den Film gehörig. Beide Storyaspekte hätten mühelos beseitigt werden könne, ohne dass man ihr Fehlen bemerkt hätte. Insbesondere bei dem Part von Jean Reno merkt man dies massivst, denn Renos Fache wird lanciert, um eine weitere Bedrohung für Langdon zu sein, als solche funktioniert er aber nicht eine Sekunde, da er IMMER zu spät kommt oder von seinen Vorgesetzten eingebremst wird. So wirkt er wie ein Hund an der Leine inklusive Beißkorb und obendrein kastriert. Schade.

Das zweite große Problem der Geschichte ist, dass sobald man in die Mythologie der Story eingestiegen und eben auch durchgestiegen ist, erschließen sich dem Zuschauer - auch wenn er wie ich, das Buch NICHT kennt - die größeren Zusammenhänge arg schnell, so dass sich der große Clou des Filmes schon sehr früh abzeichnet, was teils enorm zu Lasten der Spannung geht. Auch hier stört ein wenig das behäbige Tempo mancher Szenen, in denen man irgendwie zuviel Zeit zum Nachdenken und Schlüsse ziehen hat. Auch die endgültige Schlusspointe fand ich extrem lasch, da sie zu sehr auf dem zuvor Gesehenen aufbaut und im Endeffekt nur noch einmal wiederholt, was man zu diesem Zeitpunkt schon wusste. Vielleicht wäre ein böser, in eine vollkommen andere Richtung gehender (ich sage nur Antichrist und dergleichen mehr) Schock effektiver gewesen? Ich kann es nicht sagen, ich weiß nur, dass ich am Ende recht unbefriedigt im Kinosessel saß ...

Dazu tragen die Darsteller und Regisseur Ron Howard als Schauspielführer viel bei. Zu einem großen Teil des Castes, vor allem der bekannteren Beteiligten, bleibt abschließend nur ein Urteil zu verkünden: Unterfordert. Davon ausschließen möchte ich Tom Hanks und Ian McKellen. Klar, Dan Brown schrieb schon in seinem Buch, dass sein Langdon einem Harrison Ford sehr ähnlich sei. Und auch wenn viele nach der Besetzung von Hanks in Heulgesänge verfallen sind, muss man nun, nach Ansicht des Filmes, konstatieren, dass Hanks als Langdon absolut idealbesetzt ist und man sich mittlerweile niemand anderen mehr in der Rolle vorstellen kann. Vor allem in der ersten Hälfte spielt er extrem nuanciert und glaubwürdig den verkopften Wissenschaftler, dessen Waffe nun einmal in erster Linie immer sein Gehirn ist. Und - nichts Böses gegen Harrison!!! - derartige Rollen stehen einem Hanks dann doch deutlich besser als dem Mann der Tat, der schon als Archäologieprofessor lieber mit einem Headbutt Nazis ausschaltete, als sie dank rotierender Gehirnwindungen leise schleichend zu umgehen ;-). Vor allem im zweiten Teil zeigt dann Hanks, was für ein großer Darsteller er ist, indem er sich einfach zugunsten des zweiten großen Mimen im Cast von The Da Vinci Code zurücknimmt und ihm entweder komplett die besten Szenen zukommen lässt oder sich mit ihm gegenseitig die Bälle zuspielt: Ian McKellen als Sir Leigh Teabing stürmt mit einem Verve und einer Energie in den Film, dass er ihn automatisch an sich reißt und wirklich nicht mehr hergibt. Grandios.

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Neben diesen einzigartigen Performances sieht dann der Rest nicht mehr so gut aus, wird aber auch vom Drehbuch weitestgehend allein gelassen. Die hinreißende Audrey Tautou muss nicht mehr machen als süß aussehen und ihre großen Kulleraugen aufreißen. Beides kann sie und beides macht sie - und nicht mehr. Paul Bettany als Silas wurde im Vorfeld von The Da Vinci Code enorm gehyped als neuer Überbösewicht, der alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen sollte. Das Ergebnis sieht dann allerdings ganz anders aus. Sein Silas definiert sich nur über sein Albinoäußeres und seine Eigenschaft, alles und jeden über die Klinge springen zu lassen. Bedrohlich macht ihn das aber keinen Deut. Er wirkt wie ein Freak, was er durch eine seltsame Mimik ab und zu noch herausstellt, und freakig ist nicht gleich böse oder bedrohlich. Wer Bettany als genialen Bösewicht sehen will, der MUSS sich Firewall anschauen! Im Da Vinci Code bekommt man davon allenthalben eine Ahnung. Das Jean Reno verschenkt, ja verheizt wird, habe ich bereits anklingen lassen. Zudem hat der charismatische Franzose diesmal eine ungewohnte, eher schwache Synchronisation verpasst bekommen, was seine Figur irgendwie noch mehr unterminiert. Das gilt unisono für Alfred Molina, der die überflüssigste und sinnfreiste Figur des Filmes geben muss. Wieso er sich für diese Rolle hergegeben hat, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben.

Hinsichtlich der Schauspielerführung und der Umsetzung der Story hat Regisseur Ron Howard also mit diversen Problemen zu kämpfen. Doch im Bereich der Optik kann Howard einiges wieder gut machen. Den größten Teil des Filmes lanciert er düstere, immer gelungene Bilder, die den Standards des Thrillergenres voll und ganz entsprechen. Zum Schmankerl wird The Da Vinci Code immer dann, wenn Howard seinen Kameramann Salvatore Totino zaubern lässt und dieser Kabinettstückchen zelebrieren darf, die Staunen machen. So eine tolle Kamerafahrt in ein Auto hinein, um den Fahrer herum, wieder aus dem Auto heraus und um das fahrende Auto herum. Das wahre Highlight - auch tricktechnisch - sind die Rückblenden. Gedreht auf extrem körnigen Material mit einer reduzierten, stark überstrahlenden Farbpalette, die auf den Komplementärfarben Rot und Blau beruht, was auf eine wichtige Erkenntnis von Dan Brown in Bezug auf das Bild „das letzte Abendmahl“ zurückgeht, verpasste man den Rückblenden einen ganz eigenen Look, der sich stark vom Rest des Films abhebt. Diesen Ausführungen zum Trotz gelingt es Howard dennoch, dass sich die Rückblenden niemals zu stark vom eigentlichen Film abtrennen. Das erreicht Howard, indem er diese Rückblenden geschickt in das aktuelle Leinwandgeschehen einbindet. So redet Hanks von den Kreuzzügen und im Hintergrund wird eine Wand plötzlich zu einer Art Leinwand, auf der nun die Rückblende über jene Zeit abläuft. Irgendwann wird Hanks ausgeblendet und wir befinden uns mitten im hervorragend getricksten Sturm auf Jerusalem. Als Hanks Stimme wieder erklingt, um etwas zu ergänzen, sitzt er plötzlich mitten im Kampfgetümmel und erzählt. Kurzum: optisch ist der Film eher ein kleines Wunder denn ein Sakrileg geworden.

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Unser aller liebster Hans hatte nun den Auftrag, zu derartigen Bildgedichten einen ordentlichen Score zu zimmern und es ist ihm bedingt durchaus gelungen. Denn wie der Cast wirkt Zimmer teils ein wenig unterfordert. Insbesondere der langsame Auftakt geriet ihm daher ein wenig arg belanglos. Kein griffiges Thema, kein Druck, kein Pathos und eben keine Gelegenheit für Zimmer, um sich zu entfalten. Mit der zweiten Hälfte, in der The Da Vinci Code endlich Fahrt aufnimmt, darf auch Zimmer endlich glänzen und alles einbringen, was einen Score wuchtig macht: Choräle, massive Orchestrierung und endlich auch Themen, die ins Ohr gehen. Letztendlich ist sein Score aber dennoch weit von seinen echten Meisterwerken entfernt und dürfte es vor allem ohne die Wirkung der Bilder ziemlich schwer haben zu bestehen ...

Was bleibt ist somit im Großen und Ganzen ein netter Thriller, dem aber der Vorstoß in die Phalanx der wirklich großen Spannungsfilme verwehrt bleibt, weil er in vielen Belangen weit hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt.
:liquid6:

In diesem Sinne:
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Illuminati

Beitrag von freeman » 19.05.2009, 12:21

Illuminati

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Originaltitel: Angels & Demons
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2009
Regie: Ron Howard
Darsteller: Tom Hanks, Ewan McGregor, Ayelet Zurer, Stellan Skarsgård, Pierfrancesco Favino, Nikolaj Lie Kaas, Armin Mueller-Stahl, Thure Lindhardt, David Pasquesi u.a.

Der Papst ist tot! Was nun folgt, wissen wir, seit Deutschland kollektiv zum Papst ernannt wurde, nur zu gut. In einem Konklave wird aus verschiedensten Kardinälen der neue Papst bestimmt. Doch da geschieht das Unfassbare! Vier Preferiti (besonders aussichtsreiche Kandidaten) werden entführt. Zudem drohen die Entführer damit, ihnen sowohl das Lebenslicht auszublasen als auch ganz Vatikanstadt mittels Antimateriebombe aus dem Schweizer CERN dem Erdboden gleichzumachen. Ein am Entführungstatort zurückgelassenes Symbol lässt die kirchlichen Würdenträger die Illuminaten hinter dem Anschlag vermuten. Und da der Teufel in der Not sogar Fliegen frisst, ziehen die Katholiken den alles andere als beliebten Symbologen Robert Langdon hinzu, ist jener doch ein Spezialist auf dem Gebiet kirchlicher Symbole, Logen, Verschwörungen und Gruppierungen ...

Dass nicht wie im Buch das CERN den umtriebigen Forscher beauftragt, sondern die Kirche selbst, ist nur eine der vielen brisanten Änderungen, die Ron Howard und sein Drehbuchteam gegenüber der Vorlage vorgenommen haben. Und sie taten gut daran, war doch der Vorläufer „The Da Vinci Code“ gerade wegen seiner fast sklavischen Vorlagentreue ins Fegefeuer der Kritik geraten. Aus gutem Grund, denn im Vorgänger raschelte das Papier wirklich bei jeder Dialogzeile und geriet das Endergebnis unglaublich redselig, langatmig und seltsam verkopft. Fast hätte man den Eindruck haben können, dass die Macher auch ein wenig das Publikum aus den Augen verloren hatten und mit ihrem 1:1 Abfilmen des Buches irgendwie auch die Regeln spannender Filmunterhaltung untergruben.

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Bei der Fortsetzung pumpt nun schon alleine die Tatsache, dass man mit Illuminati den Da Vinci Code / Sakrileg Buchvorgänger zum Ideenlieferanten der filmischen Fortsetzung machte, ordentlich Spannung in die Handlung, denn dass das Verhältnis zwischen Langdon und Kirche nach den Ereignissen im Da Vinci Code mehr als nur angespannt ist, sollte klar sein. Dementsprechend misstrauisch wird Langdon auch beäugt und dementsprechend wenig herzlich fällt die Zusammenarbeit aus. Dies sorgt alleine schon für eine ungemein interessante Dynamik zwischen den Figuren. Zudem geht man das Unternehmen Illuminati deutlich temporeicher an, als das beim Vorgänger der Fall war. Fast schon atemlos hetzt Langdon von Schauplatz zu Schauplatz und das gestellte Ultimatum der Illuminaten von vier Stunden sorgt fast schon für Echtzeitspannung. Zudem werden Erkenntnisse eher beiläufig gemacht, große Erklärungen werden in der Bewegung getätigt und hier und da muss man sich sogar seinen Teil denken, weil Illuminati bei seiner wilden Schnipseljagd durch Vatikanstadt einfach keine Zeit zum Vertiefen bleibt. Ein erstaunlicher Fakt für einen 140 Minuten langen Film.

Dabei bleibt vor allem die Logik schnell auf der Strecke. Dies beginnt im Kleinen, etwa bei Originalschriftstücken von Galileo Galilei, inklusive englischen Notizen am Rand, oder der sehr witzigen Vorstellung, dass Preferiti VOR der Konklave bestimmt werden würden, geht über einen immer in Eile befindlichen Langdon, der sich, als er mit Blut bespritzt wird, lieber mal komplett neu einkleidet und wäscht, als der gebotenen Hektik anheim zu fallen und endet noch lange nicht in der Umdeutung der Illuminaten zu einer Art terroristischen Schläferzelle. Spätestens beim Erschaffen von Antimaterie sollte es jedem halbwegs physikalisch beflissenen Zuschauer die Schuhe ausziehen. Aber hier greift dann eben genau dieser wilde Mix aus Wahrheiten, Halbwahrheiten und schlicht falsch recherchierten oder interpretierten Fakten im Verbund mit diversen Verschwörungstheorien, die auch schon die Buchvorlage von Dan Brown zu einem Bestseller machten und offenkundig nun auch der Filmversion nicht wirklich im Weg stehen. Dazu wird dieser wilde Mischmasch einfach mit zuviel Schmackes und Spaß am wilden Fabulieren vorgetragen.

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Dabei ist Illuminati alleine die Show des vor allem physisch erstaunlich präsenten und fitten Tom Hanks in der Rolle des Robert Langdon, der sich hier über Geländer hechtend und Kugeln ausweichend fast als eine Art Actionnovize bewirbt und der in der teils herrlich schnippisch und schnoddrig vorgetragenen Schnipseljagd durchaus auch an eine etwas edler bezwirnte Indiana Jones Variante erinnert (Wir erinnern uns: Dan Brown hatte beim Erschaffen der Figur des Robert Langdon Harrison Ford vor Augen). Und Hanks hat sichtlich Spaß an der neuen, sehr körperbetonten Seite der Figur, hat er sie doch charakterlich im Da Vinci Code bereits ausgiebig ausgelotet. Dennoch hat er natürlich auch den einen oder anderen Moment, in dem er dann seine schauspielerischen Qualitäten in die Waagschale werfen darf, verlässt sich aber weitgehend auf seine physische Präsenz und seinen Charme. In der deutschen Fassung wird der agile Hanks aber deutlich veraltert, denn entweder fehlen seinem Synchronsprecher inzwischen ein paar Zähne oder aber er hat einfach die ganze Zeit einen Kaugummi im Mund gehabt, auf jedem Fall klingt Hanks im Deutschen aufgrund eines Dauerlispelns wie ein alter Opa ...

Gegen die große Tom Hanks Show kommt vor allem Ayelet Zurer als sein weiblicher Sidekick überhaupt nicht an. Ist sie anfangs zumindest noch als besserer Stichwortgeber halbwegs gut beschäftigt, verblasst sie mit zunehmender Laufzeit immer mehr neben dem druckvollen Hanks und wird irgendwann von Regisseur Howard auch wohlweislich komplett aus der Schussbahn genommen. Dagegen agieren die potentiellen Gegenspieler Robert Langdons auf durchweg hohem Niveau. Dabei definiert vor allem der Deutsche Armin Mueller-Stahl mit wenigen, dafür hochcharismatischen Auftritten seiner sehr ambivalent angelegten Figur den Begriff der Leinwandpräsenz vollkommen neu. Stellan Skarsgård gibt mit viel Spielfreude einen nur schwer einzuschätzenden Lumpenhund von einem Polizeichef und der nordeuropäische Superstar Nikolaj Lie Kaas sorgt als europäischer Killerscherge (im Buch war er noch aus dem Nahen Osten!) für die konsequenteren, erstaunlich brutalen Höhepunkte im Film, die den leidlich verquasten Albinokiller aus dem Da Vinchi Code fast schon wie ein harmloses Muttersöhnchen erscheinen lassen.

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Einen mittleren Bärendienst erwies man sich aber mit der Besetzung des Camerlengo – eine Schlüsselfigur in Buch und Film – mit dem Schotten Ewan McGregor, bei dem man aufgrund der passiven Anlage seiner Figur von Anfang an weiß, dass einen in Bezug auf diese Figur noch einiges zu erwarten hat. Und obwohl McGregor seine Rolle auf den Punkt spielt, wäre hier ein weniger bekannter Schauspieler - mit einem weniger bekannten Figurenrepertoire - die definitiv bessere Wahl gewesen.

Keinen Grund zur Beschwerde gibt es in Sachen technischer Umsetzung. Alleine die brillanten „Neuerschaffungen“ von Petersdom und Petersplatzes – für die man aus hinlänglich bekannten, angeblich kirchenfeindlichen Gründen keine Dreherlaubnis erhielt – sind eindrucksvolle Muskelspielereien der Production Values hinter diesem auf Hit getrimmten Film. Doch auch der große Big Bang im Showdown, der als einziger Effekt eindeutig als solcher im Film erkennbar ist, ist einfach nur megafett umgesetzt wurden. Auch die Bilder aus Vatikanstadt kommen dank des Bilderzauberers Salvatore Totino hervorragend zur Geltung und der Italiener schafft es obendrein, ohne großes Kameragewackel nur über Montage und stylische Kamerafahrten ordentlich Dynamik in seine Bilder zu pumpen. Selbige haben immer einen leichten Hang in Richtung Sepiafarben und geben sich ein wenig freundlicher als im Vorgänger. Weitaus besser als noch beim Da Vinci Code kommt Hans Zimmer mit der Neuausrichtung der Reihe zurecht. Seine Musik wirkt hier deutlich präsenter als im Vorgänger, hat ein paar grandios treibende Scorelelemente im Gepäck und weiß auch diverse sakrale Choräle gewinnbringend in seine Komposition einzuweben. Erstaunlicherweise bleiben bei allem musikalischen Pomp auch und vor allem die ruhigeren Themen im Gedächtnis. Top!
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Wäre nicht die niedliche Audrey Tautou, die trotz Unterbeschäftigung in The Da Vinci Code als Langdongirl ihrer Nachfolgerin Ayelet Zurer gar mühelos den Rang abläuft, Illuminati wäre in wirklich allen Kategorien deutlich besser als sein etwas zu behäbiger und so manche Chance auslassender Vorgängerfilm. Illuminati packt den Zuschauer schon in den ersten Minuten und lässt ihn die gesamte, recht beachtliche Laufzeit hinweg nicht mehr los. Zwar wird es gegen Ende schon ein wenig abstrus und hätte man sich vielleicht eine deutlichere Abkehr vom Buchende gewünscht, dennoch wird man hier hochtourig und spannend unterhalten und weiß vor allem Tom Hanks als diesmal eher hemdsärmliger Heldentypus auf ganzer Linie zu überzeugen. Natürlich ist das Ganze nicht mehr als gelackte Hochglanzunterhaltung, die man nicht einmal ansatzweiße ernst nehmen sollte, aber hey, ist es nicht genau das, was das Kino noch heute zur unterhaltsamen Weltflucht Nummero Uno macht?
:liquid8:

In diesem Sinne:
freeman

Living Dead sah nen anderen Film:

Romanverfilmungen haben es per se nicht einfach. Entweder hat man sich so weit vom Buch entfernt, dass alle Fans desselbigen aufschreien, oder – wie in diesem Fall – scheint sich der Stoff auf der großen Leinwand einfach nicht entfalten zu können. Und dabei hätten die Verantwortlichen eigentlich klüger sein müssen, da ähnliche Kritikpunkte schon bei „Da Vinci-Code“ (der eigentliche zweite Teil) zur Sprache kamen. Doch bei einem Einspielergebnis von weit über 800 Millionen Dollar wähnte man sich wohl - zu Recht - auf der sicheren Seite, denn auch „Illuminati“ wird die Massen in die Kinos locken.

Ein ganz großes Problem der Filme ist, dass sich Regisseur Ron Howard zu eng an die Romanvorlagen hält. Auf den ersten Blick mag das gar nicht mal so verkehrt sein, da sich die Bücher von Dan Brown partiell schon wie Drehbücher lesen: Viele Schauplatzwechsel und ein zügiger Erzählstil. Meist in Echtzeit und ohne große Zeitsprünge. Da müsste es doch eigentlich ein Leichtes sein, diesen Stoff auf die große Leinwand zu bringen. Müsste…
War „Da Vinci Code“ ein zwar etwas zäher Film geworden, so faszinierte die Geschichte auch im Kino durch eine großartige Grundidee, die „Indiana Jones“- Elemente mit denen eines realistischen Thrillers kreuzte. Dabei waren die (für die Kinofassung abgespeckten) Rätsel, die sich wie ein Puzzle Stück für Stück zusammensetzten, amüsant anzusehen, auch wenn mit Klischees nicht gespart wurde. Im Großen und Ganzen eine gelungene Romanverfilmung. Kein Wunder, dass früher oder später auch „Illuminati“ verfilmt werden sollte…

Ein großer Unterschied zu „Da Vinci Code“ ist die Einfältigkeit der Geschichte, die kaum Raum für Subtilität oder großes Rätselraten lässt. Das Strickmuster bleibt aber dasselbe: Zuerst wird eine Leiche mit Zeichen gefunden, dann wird Robert Langdon (plus hübsche Frau) dazu geholt und schon geht die Schnitzeljagd los. Diesmal im Vatikan. Dass die Geschichte extrem vorhersehbar ist und die Figuren ziemlich flach sind, störte im Roman weniger, da es Brown hervorragend versteht, seine Leser Kapitel für Kapitel bei der Laune zu halten. Zudem glänzt Brown mit einem interessanten wissenschaftlichen Unterbau und klaren Erläuterungen.
Leider gehen dem Film beide Aspekte komplett abhanden. Weder die Spannung, noch die interessanten Hintergründe haben es in den Film geschafft. Ron Howard verlässt sich ausschließlich auf seine Stars und einer Inszenierung, die komplett auf Blockbuster getrimmt ist.

Exemplarisch seien hier nur einmal die ersten Minuten des Filmes benannt, die in Genf in der europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) spielen. Nimmt dieser Teil im Buch eine zentrale Rolle ein, so handelt Brown dies in wenigen Minuten ab und lässt mal nebenbei Antimaterie entstehen, die auch sofort gestohlen wird. Was nun diese Antimaterie ist, und wieso sie erzeugt wurde, wird nur in kurzen Nebensätzen abgehandelt. Dass auch gerade dieser Aspekt (der Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion, der daraus entsteht) so vernachlässigt wird, ist nicht nur schade, sondern auch ein ganz gewaltiger qualitativer Missstand, der dem Film angerechnet werden muss. Da nützt auch nicht eine rasende Kamerafahrt quer durch die kilometerlangen Gänge der CERN nichts.

Wer noch immer darauf plädiert, dass sich ein Film nicht zu einhundert Prozent an ein Buch halten muss, dem sei beigepflichtet. Doch wenn zentrale Aspekte der Geschichte einfach ausgeklammert werden, so wird’s gefährlich. Wenn dann auch noch der Rest nicht stimmt, so kann’s ganz übel enden. Denn Ron Howard versteht es den gesamten Film über nicht, Spannung zu erzeugen. Zwar kommt Robert Langdon kaum zur Ruhe, doch viel mehr als ein Gehetze von A nach B, ganz im Stile einer Schnitzeljagd, ist das nicht wirklich. Die Spannung, die sich eigentlich einstellen müsste, wird kaum greifbar, zumal die „dramatischen“ Szenen immer wieder ungeschickt durch lange (und auch zähe) Dialogpassagen der Kardinäle und Priester unterbrochen werden. Dass die Protagonisten jeweils nur eine Stunde Zeit haben, einen Kardinal zu retten, wird ebenfalls kaum spürbar inszeniert. Selbst die Szene, in der Robert Langdon in einem Vakuum eingesperrt ist, bleibt seltsam spannungslos. Immer mehr beschleicht einen das Gefühl, dass Ron Howard hier der falsche Mann für den Stoff war.

Dass nicht einmal an Originalschauplätzen gedreht wurden durfte, macht den Film, der eigentlich von Schauwerten leben sollte, unspektakulär und synthetisch, da nun Vieles sichtbar aus dem Computer stammt und dem Film so viel von seiner Authentizität genommen wird.
:liquid4:
Zuletzt geändert von freeman am 20.05.2009, 08:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von StS » 19.05.2009, 12:26

Reviews lese ich mir heut Abend in Ruhe mal durch - aber wir scheinen da auch auf ähnlicher Wellenlänge zu sein: :D

The Da Vinci Code (Sakrileg)
Solider und einigermaßen interessanter, aber leider auch arg vorhersehbarer Mainstream-Blockbuster, der zudem so einige Längen aufweist und ebenso recht antiklimaktisch endet…

Knappe :liquid6:


Angels & Demons (Illuminati)
Angenehm unterhaltsamer Mainstream-Blockbuster, der seinen Vorgänger in nahezu jeder Hinsicht übertrifft, über ein straffes Tempo sowie einen netten Action-Gehalt verfügt und alles in alles durchaus weitläufig zu empfehlen ist. Habe den Film übrigens in der englische OV im Kino geschaut – daher kann ich nichts zu Tom´s angeblich mieser Synchro sagen…

Knappe :liquid8:


Eine Kritik zum passenden "Mockbuster" aus dem Hause "the Asylum" - "the Da Vinci Treasure" - lege ich übrigens in den kommenden Wochen mal nach... :wink:

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Beitrag von SFI » 19.05.2009, 14:44

Letzendlich wird sich die 8/10 für Illuminati auch bei mir einpendeln, von daher gehe ich mit beiden Reviews komplett konform, sehr treffend auf den Punkt gebracht.
Der Pfalzbote

"Fate: Protects fools, little children and ships named Enterprise."

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Beitrag von LivingDead » 19.05.2009, 17:08

Review zu Illuminati:

umgetopft
Mit freundlichem Gruß
LivingDead

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Beitrag von freeman » 20.05.2009, 08:22

Deinem letzten Absatz kann ich irgendwie so gar nicht zustimmen. Seltsam ... ich war in ner digitalen Vorführung des Filmes, in der keiner der Schauplätze irgendwann synthetisch wirkte ... seltsam - aber vielleicht poliert ne digitale Ausstrahlung ja die digitalen Effekte auf Normalmaß? ... und abgesehen von Petersdom und -platz wurde doch an Originalschauplätzen gedreht? Selbst das CERN öffnete die Tore?! Brille putt? ;-)

In diesem Sinne:
freeman
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Beitrag von Hannibal » 31.05.2009, 15:49

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Illuminati

Manchmal muss der Mensch sich einfach entscheiden...zwischen Wissenschaft und Religion, zwischen Buch und Film, zwischen Anspruch und Unterhaltung. Von den letzten beiden Kontrahenten ausgehend, versucht Ron Howard's jüngste Bestsellerverfilmung beides zu erreichen, schafft aber im Endeffekt nichts richtig.
Im Vergleich zur fast schon staubtrockenen Buchkopie "The DaVinci Code" dreht man in "Illuminati" das gesamte Konzept um 180° und liefert eine freiere Interpretation des Stoffs mit massiver Jack Bauer/Indiana Jones-Schlagseite. Fast in Echtzeit wuselt ein - wie schon in "DaVinci Code" - erschreckend blasser, unmotivierter Tom Hanks durch Rom im Kampf gegen insgesamt 5 Ultimaten. An seiner Seite agieren eine noch blassere Ayelet Zurer, ein mittelmäßiger Ewan McGregor und ein wenigstens halbwegs charismatischer Armin Müller-Stahl. Wirkliche Zeit wird sich für keinen der Charaktere genommen, auch der vielversprechende Konflikt zwischen Kirche und Wissenschaft/Robert Langdon wird mit ein paar Sprüchen und Handlungen nach Schema F abgehakt. Gerade hier hätte die Geschichte eine Menge Potenzial gehabt, welches man zugunsten der Jack Jones/Indiana Bauer-Umsetzung aber gekonnt gegen die Wand fährt.
Über die Beweggründe für die Hetzjagd nach den sagenumwobenen Illuminati wird mit einem Affenzahn hinweggeholpert. Das im Schweizer Teilchenbeschleuniger CERN Antimaterie entwendet wurde, bekommt man noch gerade so mit und das diese jetzt als Bombe eingesetzt werden soll. Antimaterie wie wo was?
Im Vatikan scheint der exotische Sprengstoff niemanden ernsthaft zu stören...sucht das Teil halt und gut is! Startsignal für Hanks, der sich fortan durch gefühlt hunderte von Kirchen wurschtelt und an Statuen herumanalysiert von Künstlern, deren Namen nebenbei in den Dialog integriert werden, ohne dass für den Zuschauer ein halbwegs vernünftiger Zusammenhang zur Geschichte erkennbar wäre.
Das Ron Howard keine Drehgenehmigung für den Vatikan bekam, ist angesichts dieses Drehbuchs auch nicht weiter verwunderlich. Ich bin ja nun weit davon entfernt ein gläubiger Christ zu sein, aber dass im Kirchenstaat soviele Idioten rumlaufen, die keinen blassen Schimmer von der Vergangenheit ihrer Institution haben, kann ich mir dann auch als überzeugter Atheist nicht vorstellen.
Wenn dann mal gerade die Luft raus ist, schustert man selbiges Szenario in den Film und lässt Hanks in einem entstehenden Vakuum gegen die Zeit bzw. den abnehmenden Sauerstoffgehalt kämpfen, nur um danach wieder zur nächsten Kirche weiter zu hetzen...wieder eine Statue von irgendwem...wieder zeigt sie irgendwohin....ein Blick auf die Landkarte...und wieder zur nächsten Kirche...
Das Finale wird nach all den Kirchenbesuchen dann wenigstens extralarge ausgewalzt, kann aber dank mehrerer Logikfehler und einem End-Twist, den man schon etwa 60-70 Minuten gegen den Wind riechen konnte, auch nicht so wirklich überzeugen.
Ich hab kein Problem mit schnellen, spannenden Filmen, die über Logiklöcher dank ihres hohen Tempos hinwegholpern. Ich hab auch (meistens ;-)) kein Problem mit anspruchsvollen Filmen. Aber wenn man sich als Filmemacher zu einem Crossover aus einem Jack Jones/Indiana Bauer-Konzept mit einem geschichtlich, theologisch und physikalisch gestützten Unterbau entschließt, verlange ich schon etwas mehr als
-"Aus unserem Labor wurde Antimaterie entwendet, die jetzt als Bombe benutzt wird."
-"Aja, der alte Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion...dann sucht das Ding mal!"
(leicht überspitzt)

Bei der Inszenierung hat man es mit klassischer moderner Blockbuster-Kost zu tun. Howard wechselt meistens gekonnt zwischen ausufernden, edlen Kameraschwenks und -fahrten und hektischem Schnitt-Salat der "Bourne"-Marke. Dazu überzeugende Effektarbeit, die nur selten als solche zu erkennen ist (erwähnt seien hierbei mehrere relativ lausige Hubschrauber-Sequenzen) und in einem bildgewaltigen Finale gipfelt.
Hans Zimmer zieht dazu noch eine schwer durchschnittliche Soundtrack-Spur über die glitzernden Blockbuster-Bilder und fertig ist der Publikumsmagnet!

Mit anderen Worten ist "Illuminati" ein unsympathischer Mainstream-Film der übelsten Sorte. Er mischt eine Brise aller populären Zutaten in einen Topf, pappt das ganze in die Mikrowelle und tischt einem das Resultat als anspruchsvolles Gourmet-Gericht auf. Dabei ist den Machern das Ganze vollkommen egal, schließlich hat man die Liste publikums-wirksamer Mittel doch fachgerecht abgehakt...ein namhafter Hauptdarsteller, ein Bestseller als Basis, dicke Produktion, ein bisschen historisches Halbwissen, neumodischer Stakkato-Schnitt, ein paar Ekeleffekte...wieso sollte das nicht funktionieren? Die Seele fehlt, die Logik fehlt und man wird noch nicht mal richtig satt. Stattdessen hat man dieses fade, eklige Gefühl im Mund, als hätte die Hälfte die Zutaten schon ihr Haltbarkeitsdatum überschritten gehabt.
Aber wie den Einspielergebnissen zu entnehmen ist, frisst das Massenpublikum eben doch alles und verlässt das Kino noch in dem Glauben, sich nun über eine clevere Literaturverfilmung unterhalten zu können...in Bus, Straßenbahn, Zügen....."Illuminati" ist ein guter Grund in den nächsten 4-5 Wochen erstmal mit dem Auto zum Arbeitsplatz zu fahren...Antimaterie ist eh viel schlimmer als CO2...
:liquid4:

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Beitrag von freeman » 01.06.2009, 20:04

Aber wie den Einspielergebnissen zu entnehmen ist, frisst das Massenpublikum eben doch alles ...
Und die, die meinen, sich ausserhalb zu bewegen, schütten ihr Geld mit dazu! Scheeeen ;-)

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Beitrag von Hannibal » 01.06.2009, 20:46

freeman hat geschrieben:
Aber wie den Einspielergebnissen zu entnehmen ist, frisst das Massenpublikum eben doch alles ...
Und die, die meinen, sich ausserhalb zu bewegen, schütten ihr Geld mit dazu! Scheeeen ;-)
Nur aus christlicher Nächstenliebe, da wollen ja momentan alle rein...und da ich schon soviele Leute in soviele unbekanntere Filme reingeschleppt habe, musste ich da diesmal durch ;-)

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Beitrag von freeman » 01.06.2009, 20:57

Das issen Argument, das zieht ;-)

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Beitrag von McClane » 30.10.2009, 10:13

So, gestern auch mal den zweiten Langdon gesehen, gefiel mir besser als die eins

The Da Vinci Code

Erschien mir teilweise als jugendfreie, actionarme Variante von Indy Jones meets Jason Bourne, eine putzige kleine Hatz durch Europa mit zahlreichen historischen Fact-meets-Fiction-Einlagen, nie über die Maßen aufregend und ein Stück zu lang, doch als nettes Filmchen für den DVD-Abend immerhin ganz passabel. Gute Besetzung, eine treibende Filmmusik, die so manche Szene spannender macht, als sie sonst wäre, dafür etwas zu lang geraten und in keinem Moment herausragend, aber was soll's.

:liquid5:

Illuminati

Der Vatikan braut Antimaterie, doch die klaut ein mörderischer Geheimbund und ein Prof soll's richten? Das hätte vor wenigen Jahren als Prämisse für den nächsten Trashfilm abgetan, Dan Brown sei Dank darf Hollywood sowas jetzt auch und tatsächlich ist das Teil besser als der Vorgänger, was vor allem an der Reduzierung von Locations, Zeit und Hintergrundgebimmel liegt - gerade in letzterem Punkt hatte "The Da Vinci Code" ja den Rundumschlag gestartet. Überraschend heftig ist auch die Menge an Kopfschüssen und Kehlenschnitten für einen derartigen Film, der Film ist wesentlich packender erzählt als der erste Teil, dafür wird man mit exzessivem Rechenknechteinsatz gequält. Indiskutabel ist dagegen allerdings das Finale, das dann in wahrhaft hanebüchene Gefilde abdriftet (den bräsigen Oberbösewichtsplan, der zu oft auf Zufälle baut, muss man sich erstmal ausdenken). Wieder gut besetzt, vor allem Skarsgard und der Darsteller des Killers überzeugen, nur McGregor ist gelegentlich etwas blass. Solide Unterhaltung mit Tempo, die mit einem besseren Finale noch wesentlich mehr hätte sein können.

:liquid6:
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Beitrag von The Punisher » 30.10.2009, 11:26

McClane hat geschrieben: Illuminati

Der Vatikan braut Antimaterie,
Dann hast du aber einen anderen Film gleichen Namens gesehen wenn der Vatikan die Antimaterie gebraut hat :lol:
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Beitrag von SFI » 30.10.2009, 14:38

Mal vom lustigen brauen abgesehen hat der Vatikan doch rein gar nix mit der Herstellung von Warpenergie am Hut. Im Endeffekt fand ich dieses Szenario wirklich gelungen, denn der Teilchenbeschleuniger in Cern (wenn er dann mal wieder geht) produziert vielleicht keine Warpenergie, wurde aber immerhin sehr realistisch dargestellt.
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Beitrag von freeman » 30.10.2009, 14:46

Was wohl auch daran lag, dass man vor Ort filmte ;-)

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Beitrag von SFI » 30.10.2009, 14:58

Ja klar, dass sowieso aber eben auch der Einsatz des LHC kam cool rüber, freu mich druff wenns endlich los geht und das schwarze Loche kummt. :lol:
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Beitrag von McClane » 31.10.2009, 10:19

Hab ich mich da vertan? Da sitzt doch ganz klar ein Priester in der Forschungskammer oder wie war das?
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Beitrag von The Punisher » 31.10.2009, 11:16

Leonardo Vetra (im Film Silvano und nicht der Adoptiv Vater von Vitoria) ist Wissenschafler bei CERN und Priester. Der Vatikan hat mit dem LHC in dem die Antimaterie erschaffen wurde nix zu tun. Die einblendung das es sich um CERN in der Schweiz handelt war auch deutlich zu erkennen
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Beitrag von freeman » 02.11.2009, 08:30

Da ich nix mit Musikgefrickel und so am Hut habe, hier mal der Inhalt vom DVD Uffkleber über das Musikfrickelprogramm: Komponieren sie ihren eigenen Soundtrack mi dem "Hans Zimmer Musik Studio" powered by Sequel 2!

Vielleicht kann man ja aufgrund des tollen Programmnamens mal rumgoogeln, ob das Progie was kann. Es ist eh nur eine Testversion, die für einen begrenzten Zeitraum gilt und eben auf dem DVD Rom Part der DVDs enthalten ist.

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Beitrag von McClane » 02.11.2009, 10:21

Hab noch mal reingeschaut, hatte ich wohl übersehen, da ich beim Gucken gegessen hab und in dem Moment wohl auf den Teller schaute. Andrerseits: Als Dan Brown Unkundiger weiß ich auch nicht, was CERN sein soll :lol: :lol: :lol:
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Beitrag von tech-c » 02.11.2009, 11:59

naja mit dem hat Cern auch nix zu tun, erfunden habens die Schweizer. :lol:
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Beitrag von freeman » 03.11.2009, 08:29

Den Clane hätte man mal zur Dissertation meines Kumpels einladen sollen. Thema: Schwarze Löcher. Wichtiger Inhalt: Cern ;-)

In diesem Sinne:
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Beitrag von Vince » 10.08.2011, 10:02

Illuminati

Da mich der ganze Kirchenhokuspokus herzlich wenig tangiert, bin ich bei einem solchen Film gezwungen, auf Pacing und Dramaturgie zu achten. Da schneidet "Illuminati" klar besser ab als sein zäher Vorgänger, speziell gen Ende wird's relativ temporeich, ein Kracher vor dem Herrn ist's dann aber immer noch nicht. Seelisch so leer, dass mir sonst nix mehr einfällt. ;) Wahrscheinlich auch der Grund, warum ich bisher meine Meinung zum Vorgänger noch nicht veräußert habe (der bei 4/10 lag).
:liquid5:

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Beitrag von Sir Jay » 10.08.2011, 11:42

Ich habe bisher beide Filme gemieden, weil ich allein schon die Story hoffnungslos beknackt finde...

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Beitrag von SFI » 10.08.2011, 14:08

Da werden die Grundvoraussetzungen des Warpantriebs und der Lösung aller Energieprobleme geschaffen und ihr ignoriert das? Aber für den Atomausstieg sein, klar! :lol:
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