La Linea I + "II"

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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freeman
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La Linea I + "II"

Beitrag von freeman » 08.01.2010, 14:28

La Linea

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Originaltitel: Linea, La
Herstellungsland: Mexiko / USA
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: James Cotten
Darsteller: Ray Liotta, Andy Garcia, Esai Morales, Armand Assante, Valerie Cruz, Danny Trejo, Bruce Davison, Joe Morton, Jordi Vilasuso, Kevin Gage, Gary Daniels u.a.

La Linea heißt ein mexikanisches Drogenkartell, dessen Anführer - Javier Salazar - schwer erkrankt ist und dem Tod ins Auge blickt. Unter seinen Nachfolgern Pelon und Diablo herrscht fortan ein erbitterter Machtkampf. Beider Idee: Die Allianz mit afghanischen Heroinhändlern. Das sieht das amerikanische CIA nicht sehr gern, würde doch der Hauptabnehmer der Salazardrogen - die USA bzw. deren Dealer - über den allgemeinen Heroinhandel fortan indirekt die Taliban finanzieren. Also schickt man ein Killerkommando los, um die Situation zu klären. Und als wäre das noch nicht genug, taucht auch noch ein schweigsamer Profikiller namens Mark Shields auf, bei dem man überhaupt nicht weiß, für wen er eigentlich arbeitet...

Wenn du ein System mit grundlegenden Schwachstellen stilllegen willst, musst du das System nur missachten und es legt sich selbst still.

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La Linea ist einer dieser Filme, bei dem man sich wünschen würde, er würde noch tiefer in sein Figurengeflecht eintauchen und noch etwas komplexer daherkommen, als er ist. Man hat nämlich ziemlich oft das Gefühl, dass die wirklich interessanten Figuren und Figurenkonstellationen weitaus mehr hergeben würden, als sie es in dem Streifen letztlich tun. Dennoch fasziniert der ab und an etwas oberflächlich anmutende La Linea zutiefst. Über einen steten Wechsel aus mal brutalen, mal rein charaktergetriebenen Momenten baut er eine dichte Spannung auf, die immer wieder Rätsel dahingehend aufwirft, wer hier nun eigentlich mit wem paktiert, oder wer letztlich ein falsches Spiel spielt. Dabei konzentriert sich Regisseur James Cotten idealerweise auf die Figur des ausgebrannten Auftragskillers und Kopfgeldjägers Mark Shields, der Herz und Seele von La Linea ist und bis zum klug konstruierten, durchaus überraschend daherkommenden Ende die meisten Fragen zu seiner Person aufwirft.

Gegeben wird Mark Shields von dem mit grandiosem Understatement aufspielenden Ray Liotta, der als Auftragskiller mit aller Ruhe der Welt seinem Job nachgeht und seine inneren Dämonen bekämpfen muss. Dabei gibt es nicht einen der typischen Liotta Momente, in denen er mit weit aufgerissenen Augen und zur Fratze erstarrten Gesichtszügen Dialogzeilen bellt, was vor allem seinen Fans durchaus klar machen sollte, dass er hier endlich einmal wieder nicht nur auf Standgas fährt, sondern der Film ihm wirklich etwas bedeutet. Das sieht man ihm auch optisch an, denn fitter als hier wirkte er lange nicht mehr. Obendrein hat er den Streifen auch als ausführender Produzent mit auf den Weg gebracht. Und dieses Engagement und dieser Wille, endlich mal wieder richtig einen vom Stapel zu lassen, kommt La Linea in jeder Szene entgegen. Denn obwohl eindeutig an komplexer erzählte Werke wie Traffic angelehnt, wird das Ensemblestück hier zu einer One Man Show vom Allerfeinsten und wenn diese Welt gerecht wäre, gäbe es für Liottas Leistung zumindest eine Oscarnominierung.

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Doch auch Liottas Co-Stars liefern eine durchweg überzeugende Performance ab und sind durchaus interessant besetzt. Andy Garcia ist aus aktueller Sicht wohl das Schwergewicht hinter La Linea, hat er doch dank der Oceans Trilogie durchaus noch eine A-Karriere vorzuweisen. Und er macht einen hervorragenden Job, insbesondere zu Beginn ist sein körperlicher Zustand (er spielt den kranken Salazar) fast schon schockierend zu nennen. So kaputt hat man Garcia noch nie gesehen. Zudem schanzt ihm das Drehbuch auch noch tolle Dialogzeilen zu, die immer wieder ahnen lassen, wie brillant das Drehbuch hinter La Linea war/ist. In einer kleinen Nebenrolle taucht zudem Armand Assante auf (Judge Dredd), der schon alleine mit seiner Charakterfresse viel Souveränität in den Film einbringt. Valerie Cruz (Dexter) darf Ray Liottas Killer als Hure mit Herz aufbrechen, hat dabei aber mit den meisten Klischees zu kämpfen. Esai Morales punktet als Pelon vor allem dank seiner physischen Präsenz und entwirft wie nebenbei einen vollkommen uneinschätzbaren Psycho, von dem man gerne mehr gesehen hätte. Aus B-Filmsicht ist das Mitwirken von zwei Ikonen interessant. Die eine taucht aktuell immer wieder in kultigen Produktionen wie Planet Terror auf und ist inzwischen selbst so etwas wie eine Kultfigur. Die andere war in den späten 80ern / frühen 90ern einer der Kickergötter im Actiongüllegeschäft. Die Rede ist von Kultfigur Danny Trejo und Kickergott Gary Daniels (der hier so cool wie selten zuvor rüberkommt). Beide geben die jeweils rechte Hand von einem der rivalisierenden Bandenchefnachfolger und machen einen sehr guten, hochsouveränen Job, der sich rundweg gelungen in den grandiosen Gesamteindruck einfügt.

Doch nicht nur die Darsteller machen einen tollen Job. Regisseur Cotten hat seinen Film jederzeit im Griff und inszeniert straff und zügig seine brutale Mär um Heroin, fragwürdige Handlungsmotive und gebrochene Charaktere. Dabei lässt er seinen Kameramann Miguel Bunster fiebrige Bilder Mexikos einfangen, die einen dank einer sehr unmittelbaren, hochgradig nervösen Kamera mitten ins Geschehen katapultieren und teils förmlich in die hier aufgefahrenen Charakterfressen eintauchen lassen. Die dabei entstehenden Bilder sind geprägt von intimen Close Ups der agierenden Figuren, kraftvollen, erdigen Farben und sparen Postkartenmotive mexikanischer Landschaften vollkommen aus. La Linea soll erdverbunden, brutal und dreckig wirken und genau das macht La Linea auch. Ein großes Lob geht an den Soundtrackschöpfer David Torn, der mittels flirrenden Soundgeweben und interessant eingeflochtenen, niemals aufdringlichen folkloristischen Elementen einen ganz eigenen Soundkosmos erschafft, der ebenfalls ordentlich Spannung in den Streifen pumpt und in den präzise gesetzten, von hochkalibrigem Waffengetöse geprägten Actionszenen richtig gut durchstarten darf.

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Das Ergebnis ist ein Film, bei dem man nach der grandiosen und wirklich melancholischen Schlussszene das unbestimmte Gefühl hat, dass der Film noch gar nicht zu Ende sein darf. Man würde gerne noch viel mehr von den Figuren erfahren, tiefer in das Handlungsgerüst des Filmes eintauchen, mehr über die ganzen Verstrickungen wissen und mehr über das „Warum?“ erfahren. Doch vielleicht ist es auch gerade die knackige Konzentration auf das Wesentliche hinter der klug konstruierten Story, die La Linea so gut funktionieren lässt. Natürlich erfindet La Linea das Drogenthriller Genre nicht neu, geschweige denn ist er gefeit davor, alle Klischeefallen zu umschiffen oder den Eindruck der Oberflächlichkeit gänzlich abzuschütteln, aber La Linea ist wirklich ein großartiges Stück Spannungskino mit hervorragenden Darstellerleistungen, einem zu gigantischer Form auflaufenden Ray Liotta, knackigen Actionsequenzen, klugen Dialogen und vor allem gibt er niemals vor, irgendeine Lösung oder ein Allheilmittel für die realen Zustände anbieten zu können. Er ist eine Momentaufnahme, ein Ausschnitt aus einem „The Show Must Go On“ Kreislauf, in dem der Ausfall eines Bösewichtes das Nachrücken von zwei neuen Schachfiguren bedeutet.
:liquid8:

Die deutsche DVD kommt von dem Label Planet Media und wird über Ascot Elite vertrieben. Die FSK 16 freigegebene Fassung ist uncut, kommt in sehr guter Bild- und Tonqualität und hat auch ein paar kleine Extras zum Film in petto.

In diesem Sinne:
freeman
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Beitrag von StS » 08.01.2010, 16:09

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Originaltitel: Across the Line: The Exodus of Charlie Wright
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2010
Regie: R. Ellis Frazier
Darsteller: Aidan Quinn, Andy Garcia, Mario Van Peebles, Danny Pino, Claudia Ferri, Luke Goss, Jordan Belfi, Gina Gershon, Raymond J. Barry, Elya Baskin, Corbin Bernsen, Bokeem Woodbine, Gary Daniels, Geoffrey Ross, ...

Hier geht´s zur vollständigen Kritik!

nahe der Grenze zur :liquid5: zu verortende :liquid4:

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Beitrag von John_Clark » 08.01.2010, 17:22

Interesting *notiert sich das Teil mal in meiner iPhone-Liste* :)

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Beitrag von Dr Dolph » 12.02.2011, 02:29

Hab ihn eben gerade gesehen. Sehr starker Film, mit einem grandiosen Ray Liotta. Grade in letzter Zeit hat man ihn nicht so engagiert erlebt. Die finale Wendung habe ich mir zwar schon nach dem ersten Auftritt Garcias Denken können (Die Rückseite der DVD-Hülle spoilert indirekt durch ein Bild), aber es blieb lange Zeit nur ein Verdacht, erst als eine bestimmte Person die Radieschen von unten betrechten durfte war es vollends klar.
Aber trotzdem habe ich mich super unterhalten gefühlt und mit Liotas Figur mitgefiebert bis zum Schluss.
:liquid8:

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Beitrag von Seemi » 13.02.2011, 10:24

von mir auch :liquid8:

Was ich allerdings nicht verstanden habe, SPOILER:
ist der Teil mit den Opiumbauern. Diablo sagt, Pelon soll auf sie aufpassen, obwohl Diablo den Deal mit ihnen machen will. Dann bleiben die eine Woche lang in seinem Domizil um unverrichteter Dinge wieder abzureisen oder hat Pelon den Deal abgeschlossen?
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Beitrag von Dr Dolph » 13.02.2011, 14:31

Ne das hat ja jetzt Diablo gemacht, wurde ja auch immer wieder gesagt das er sich den Deal unter den Nagel reissen will.

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Beitrag von StS » 31.05.2011, 19:15

Hab mir mal die "Pseudo-Fortsetzung" vorgenommen - einfach das Bild unten clicken oder nach oben scrollen. Die Kritik hatte ich übrigens geschrieben, noch bevor ich entdecken musste, dass man den Streifen hierzulande tatsächlich als "La Linea 2" herausbringt...

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...auch geil, dass der Film im Grunde genommen nichts mit dem "Drogenkrieg in Mexiko" (vgl. Cover) zutun hat! :lol:

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