the Informers

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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the Informers

Beitrag von StS » 04.02.2010, 07:28

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Originaltitel: the Informers
Herstellungsland: USA / Deutschland
Erscheinungsjahr: 2008
Regie: Gregor Jordan
Darsteller: Jon Foster, Billy Bob Thornton, Kim Basinger, Amber Heard, Brad Renfro, Mickey Rourke, Austin Nichols, Lou Taylor Pucci, Mel Raido, Rhys Ifans, Winona Ryder, Cameron Goodman, Angela Sarafyan, Chris Isaak, Jessica Stroup, Simone Kessell, ...

Trailer:
http://www.apple.com/trailers/independent/theinformers/


„You can´t really make it in this town unless you´re really willing to do some awful things...”


Bei dem ebenso stilvollen wie masseninkompatiblen 2008er Drama „the Informers“ handelt es sich um die Verfilmung des gleichnamigen Romans aus der Feder des US-Kult-Autors Bret Easton Ellis, welcher 1994 veröffentlicht sowie ganz bewusst innerhalb des überaus stark von Geld, Macht, Sex, Drogen und Geltungssucht geprägten „Show-Business-Umfelds“ der „Stadt der Engel“ (Los Angeles) angesiedelt wurde – und das im Jahre 1983, also in einer Zeit, in der die Reichen die Vorzüge der „Reaganomics“ in vollen Zügen zu genießen vermochten, in welcher der nach außen hin zu wahrende „Schein“ einen wesentlich ausgebildeteren Stellenwert innehielt als das tatsächliche „Sein“ sowie sich eine Krankheit, deren Name den meisten damals noch gänzlich unbekannt war, mit zunehmender Geschwindigkeit wie ein wucherndes Geschwür unter der Oberfläche dieser geradezu versessen auf ihr Äußeres achtenden Bevölkerungsschicht ausbreitete. Eingebettet in diesem speziellen kultur-historischen Kontext sowie dargeboten in Gestalt verschiedener Geschichten, die allesamt bestimmte Verknüpfungen und Überschneidungen aufweisen bzw. auf unterschiedlichen Ebenen miteinander verwoben sind, wird dem Zuschauer eine zeitlich begrenzte sowie nicht weiter hinterfragende oder analysierende „Momentaufnahme“ des Lebens und Treibens einiger auserwählter Individuen präsentiert: Trotz all ihrer Möglichkeiten und Privilegien sind diese Personen vorwiegend gelangweilt und/oder anderweitig unglücklich – und sowohl ihre Suche nach etwas, das ihnen ein Gefühl von „Authentizität“ verleiht, als auch ihre oftmals genau daraus resultierenden Versuche, gewisse „innere Verlangen“ zu stillen, die im Prinzip jedoch unstillbar sind, führt sie jeweils (früher oder später) stracks in die (mehr oder minder ausgeprägte) Selbstzerstörung…

Rund drei Jahre verbrachten Ellis und sein Kollege Nicholas Jarecki im Vorfeld damit, das Projekt auf die Beine zu hieven sowie ihr gemeinsam verfasstes Skript zu vollenden: Eine weitestgehend werkgetreue, kantige Satire sollte es werden – bis die verantwortlichen Produzenten dann allerdings (unmittelbar vor Drehbeginn) doch noch „kalte Füße“ bekamen und die ganze Angelegenheit in ihre eigenen Hände nahmen: Jarecki, der bis dato für den Posten des Regisseurs angedacht war, wurde kurzerhand durch den australischen Filmemacher Gregor Jordan („Buffalo Soldiers“/„Ned Kelly“) ersetzt, welcher sich infolge dessen zudem daran begab, die Vorlage noch einmal (ausgiebig) zu überarbeiten. Um dem Werk eine vom Studio gewünschte „zugänglichere“ Beschaffenheit zu verleihen, wurde der ursprüngliche Umfang um ein gutes Drittel gekürzt – vornehmlich per Zusammenfassen einiger Charaktere und Handlungsstränge. Ein besonders „abnormer“ Sub-Plot, in dem es u.a. um den Vampir Jamie und einige seiner „Artgenossen“ ging, wurde sogar vollständig entfernt – unabhängig dessen, dass Brandon „Superman Returns“ Routh für die Rolle des Hauptprotagonisten in diesem Bereich eigentlich schon fest gecastet worden war. Obgleich schade und ärgerlich: Nichtsdestotrotz aber auch ein wenig nachvollziehbar. Das Ironische an der Sache ist bloß, dass der Streifen selbst in seiner fertigen Form und Fassung noch immer viel zu mühsam und unergiebig für den „Mainstream“ ist – etwas, das sich in erster Linie auf seine lose Erzähl-Struktur sowie die generellen Inhalte des entsprechend gearteten Ausgangsmaterials zurückführen lässt…

Im Zentrum dieses weit verzweigten Geflechts aus Freundschaften, Business-Connections und Sexualpartnern steht Graham Sloan (Jon Foster: „Stay Alive“) – ein mit blendendem Aussehen gesegneter Drogen-Dealer, Sohn eines kurz vor der Scheidung stehenden Society-Paares sowie Bettgefährte seiner zwei engsten Wegbegleiter, nämlich des Music-Video-Directors Martin (Austin Nichols: „Glory Road“) und seiner eigenen Freundin Christie (Amber Heard: „the Stepfather“), zu der er sich insgeheim eine „deutlich innigere Verbindung“ herbeisehnt, zu welcher sie aber wahrscheinlich weder bereit noch fähig ist. Auch wenn man als Zuschauer nie eine echte Verbindung zu ihm aufzubauen vermag, agiert Foster dennoch absolut solide, während Nichols (abgesehen von seiner ins Auge fallenden Frisur) durchweg eher blass verbleibt. Amber zuzusehen ist dagegen eine wahre Freude – und das nicht nur, weil sie einen nicht unerheblichen Teil ihrer Screen-Time nackt verbringt, so als wäre es das Natürlichste auf der Welt, sondern da sie Christie (ein Mädchen, welches ihr Dasein einfach nur ohne Reue genießen will) schlichtweg perfekt verkörpert. In keinem Moment betrachtet man sie abschätzend, etwa angesichts ihres leichtsinnigen wie promiskuitiven Verhaltens: Es ist eher traurig mitzuerleben, wie sorglos sie mit allem umgeht – und am Ende schafft es ihr Schicksal sogar tatsächlich, einen in gewisser Weise zu berühren…

Die Ehe der Eltern Grahams, ihres Zeichens der einflussreiche Hollywood-Produzent William (Billy Bob Thornton: „A Simple Plan“) und seine Frau Laura (Kim Basinger: „9 1/2 Weeks“), liegt in Scherben – speziell seit ersterer sich auf eine Affäre mit der (jüngeren) Nachrichten-Sprecherin Cheryl (Winona Ryder: „Dracula“) einließ, welche inzwischen allerdings „offiziell“ der Vergangenheit angehört, weshalb sich beide aktuell gerade darum bemühen, ihren vor Jahren geschlossenen Bund doch noch irgendwie zu retten. Ohne Pillen ist es Laura kaum mehr möglich, die Tage vernünftig zu überstehen – aber auch sie wahrt so einige Geheimnisse, wie dass sie sich bis vor kurzem noch regelmäßig auf sexueller Ebene mit Martin vergnügte, welcher das anscheinend (nebenbei) für Geld „praktiziert“. Auf der einen Seite versucht William, die entstandenen Probleme zu lösen, auf der anderen sucht er aber noch immer Kontakt zu Cheryl – die vorgebrachten Zweifel von Graham´s Schwester Susan (Cameron Goodman: „Shuttle“) sind also durchaus berechtigt. Äußerlich gibt er sich ruhig, ist innerlich jedoch hin und her gerissen, will keine der zwei Verbindungen aufgeben – Laura indessen ist seelisch zwar (von so vielen Dingen) derart betäubt, dass ihr beinahe alles egal ist, doch hofft ein kleiner Teil von ihr noch immer, dass er seine Beteuerungen wirklich ernst meint. Eines Abends kommt es zwischen ihnen im Verlauf zu einer ungemein aussagekräftigen Situation bzw. Szene, in welcher er sie um etwas sehr Intimes bittet – und die kühle Beiläufigkeit, mit der sie seiner Anfrage (frei etwaiger Umschweife) nachkommt, ist ebenso bezeichnend wie verblüffend anzusehen. Überzeugend dargeboten von Thornton und Basinger, markieren ihre Leistungen die „Speerspitzen“ des Werks in dieser Hinsicht, während sich Winona anständig und wacker schlägt, innerhalb der Geschehnisse aber nur eine Randposition einnimmt…

Tim (Lou Taylor Pucci: „Horsemen“) ist der jüngste aus Graham´s Clique und zugleich, mit Ausnahme des weinerlichen, nicht aber wirklich zu dem „engeren Kreis“ gehörenden Raymond (Aaron Himelstein: „Fault Line“), der einzige, der nicht aktiv an den Exzessen seiner Freunde teilnimmt, sondern diesen überwiegend nur (bisweilen annähernd angewidert) beiwohnt. In dem alleinigen Plot-Strang, der vorrangig außerhalb von L.A. spielt, fliegt er jedenfalls (nach langem Widerstand) nun doch noch mit seinem entfremdeten Vater Les (Chris Isaak: „Little Buddha“) – einem charmanten, wohlhabenden, Frauen und Drinks nicht abgeneigten Mann – für einige Tage nach Hawaii, da dieser seit kurzem auf einmal den „Draht“ zu seinem Sohn zu verbessern wünscht. Vor Ort entpuppt sich diese Kluft allerdings rasch als viel zu breit und tief – zumal er ebenso darauf aus zu sein scheint, herauszufinden, ob Tim denn nun eigentlich homo- oder heterosexuell ist. Die Versuche seines Vaters, für sie beide an der Hotel-Bar Frauen aufzureißen, erntet zügig seinen Unmut – und doch lernt er am nächsten Tag selbst ein tolles Mädel (Jessica Stroup: „Homecoming“) am Strand kennen, welches er seinem Dad schließlich beim Abendessen vorstellt. Im Zuge der aufkommenden Konversation treten aber schon bald einige Meinungsverschiedenheiten (z.B. bezüglich des Rauchens) hervor: Statt zu ihm zu halten, tendiert Les jedoch zu ihrer Seite – beginnt sie sogar (anfangs beiläufig, später dann direkter) anzubaggern und Tim (u.a. wegen seiner auf den ersten Blick unklaren Sexualität) aufzuziehen, was natürlich zum Eklat bzw. endgültigen Bruch führt. Der treffend besetzte Pucci und der primär ja als Sänger bekannte Isaak („Wicked Game“) liefern jeweils gute Performances ab, die hübsche Jessica Stroup sehe ich ohnehin immerzu gern…

Währenddessen kehrt der berühmte „New Wave Rock Star“ Bryan Metro (Mel Raido: „Clubbed“), welchen man sich in etwa als eine Kreuzung aus Bryan Ferry und dem „Sisters of Mercy“-Frontmann Andrew Eldritch ausmalen kann, in die „Stadt der Engel“ zurück, in welcher ein großes Konzert ansteht sowie er erneut den Kontakt zu seiner Ex-Frau (Simone Kessell: „Liquid Bridge“) zu suchen gedenkt, die das Sorgerecht seines kleinen Sohns innehält. Parallel dazu bemüht sich sein Manager (Rhys Ifans: „Notting Hill“) darum, ihm ein Filmprojekt an Land zu ziehen – was an sich aber kaum bis zu Bryan durchdringt, der aufgrund seines ausschweifenden Drogenkonsums ständig (weit) neben sich steht, also kaum mehr richtig etwas mitbekommt. Am Morgen nach seiner Ankunft findet er sich im Rahmen des Erwachens jedenfalls mit zwei nackten Adoleszenten (m/w) im Hotelbett wieder, lässt diese daraufhin von seinen Sicherheitsleuten rauswerfen, bevor er sich mit einer Flasche Wodka in eine mit Eis gefüllte Badewanne legt, beim Aussteigen aus dieser allerdings ausrutscht, mit der Hand in die (so entstandenen) Scherben greift sowie anschließend gebannt auf das aus der Wunde austretende Blut starrt. Der Mann ist am Ende. Als ihm seine Frau, die übrigens mit Martin und Christie befreundet ist, irgendwann das Telefonieren mit seinem Kind verweigert, nimmt ihn das so sehr mit, dass er das Konzert kurzerhand abbricht sowie nach seiner Rückkehr im Hotel ein junges Groupie verprügelt, das sich in seine Suite geschlichen hatte. Raido nimmt man den Part des kaputten Stars in vollem Umfang ab – und es übt schon (noch mehr als bei den anderen Beteiligten) einen gewissen „perversen Reiz“ aus, als Zuschauer Zeuge seines „Lebensstils“ zu werden…

Und dann wäre da noch Jack (Brad Renfro: „Bully“), der seiner kleinen Heimatstadt entflohen ist, um sein Glück in L.A. zu suchen, wo er nun als Portier in einem der Gebäude arbeitet, in denen sich Graham, Martin und Christie regelmäßig aufhalten Schrägstrich vergnügen: Der Traum von einer Schauspiel-Karriere hat sich zwar noch nicht erfüllt – doch er ist bescheiden und kann sich weitestgehend mit dem zufrieden geben, was er mit Fleiß und auf legalem Wege erreicht hat. Leider holt ihn seine Vergangenheit eines Tages wieder ein, als sein Onkel Peter (Mickey Rourke: „Sin City“) plötzlich bei ihm vor der Tür auf der Matte steht: Trotz seiner vehement vorgebrachten Einwände, die aber nie eine wahre Chance auf Erfolg hatten, quartiert sich jener, der außerdem von einem ständig zugedröhnten minderjährigen Mädel (Angela Sarafyan: „A Beautiful Life“) begleitet wird, nun also für eine Weile bei ihm ein, da er für die Dauer der Durchführung eines „Jobs“ eine Bleibe benötigt – denn momentan ist er gerade dabei, einen zuvor von ihm entführten Jungen an eine Gruppe Pädophiler zu verkaufen. Als einer jener (Diego Klattenhoff: „Mean Girls“) die „bestellte Ware“ schließlich abholen will, Jack es (in Peter´s Abwesenheit) jedoch nicht fertig bringt, das Kind herauszugeben, ist klar, dass die einzige Überlebenschance des Trios fortan nur noch in der Flucht liegt. Rourke agiert hervorragend als muskulöser, braungebrannter, Lollis lutschender sowie Hawaii-Hemden tragender Krimineller – und es ist seinem famosen Talent zuzurechnen, dass er nicht nur Jake, sondern vor allem das Publikum (z.B.) in Form nur eines einzigen Satzes (restlos und ohne Zweifel) davon zu überzeugen vermag, dass diese Männer „Monster“ sind, vor denen sogar er Angst hat. Jack selbst ist eigentlich anständig, im Ansatz aber zugleich auch ein wenig armselig – und Renfro, der ja nicht lange nach Drehschluss im Alter von nur 25 an einer Überdosis starb, verkörpert diesen einen der wenigen Verbliebenen, die in dieser seelenlosen Stadt noch über so etwas wie ein Gewissen verfügen, ebenfalls ziemlich gut. Obwohl sie beileibe nicht reich sind, stellen Jack und Peter allerdings keinerlei „Antithese“ (hinsichtlich der „generellen Botschaft“ des Streifens) dar – denn ersterer muss ebenfalls an einem Punkt gestehen, dass er für eine Karriere im Show-Business so manch eine ursprünglich mal gezogene Grenze überschreiten würde…

Ganz bewusst in der kalifornischen High-Society und ersten Hälfte der 80er angesiedelt, also in einer stark von Sex und Drogen geprägten (hedonistisch-exzessiven) Zeit, bevor so einige „Veränderungen“ (wie AIDS und seine Folgen) so etlichen Leuten eine gehörige Portion ihres Spaßes ruinierten, zeichnet „the Informers“ ein düster-fatalistisches Bild einer im Prinzip (auf der Basis von Reichtum und Macht) in sich geschlossenen Gesellschaftsschicht: Frei von Sitten, Werten und zu befürchtenden Konsequenzen, dekadent und gefühlskalt – sowie auf Dauer ohne Reiz und/oder Perspektive für all diejenigen, die sich in jenen „privilegierten“ Kreisen bewegen. Rücksichtslos (sich selber und auch anderen gegenüber) wird nach immer neuen „Kicks“ gesucht, um die Trostlosigkeit des Alltags zu bekämpfen – oder zumindest nach etwas, das einen betäubt, um genau diese (negativen, belastenden etc.) Empfindungen nicht mehr spüren zu müssen. Der Film verlangt von seinen Zuschauern, diese Menschen beim ihrem Schreiten durch ein nicht gerade ereignisreiches Leben (ohne echtem Sinn, Antrieb oder Ziel) zu begleiten – verständlich, dass vielen ein solcher Inhalt schlichtweg kein ausreichendes Maß an „Entertainment“ bietet, zumal die beabsichtige (!) Oberflächlichkeit an sich bereits definitiv nicht jedermanns Sache ist. Es gilt nicht, diese verwöhnten, unsympathischen, verdorbenen, tragischen, unmoralischen, in gewisser Weise hilflosen Personen, die jeweils irgendeine Form von Schuld auf sich geladen haben, richtig kennenzulernen – beinahe wie ein Voyeur soll man ihnen im Grunde genommen bloß dabei zusehen, wie sie sich (unabhängig voneinander) zielstrebig auf einen (individuell gearteten) Abgrund zubewegen. Den ebenfalls nur schwer auseinanderzuhaltenden Yuppies in „Less than Zero“ und „American Psycho“ nicht unähnlich, verfügen die Figuren über so gut wie keine „Tiefe“, heben sich kaum voneinander ab – weshalb es adäquat passt, dass die Hauptrollen überwiegend mit vergleichsweise „unmarkanten Gesichtern“ besetzt wurden. Sofern er es denn möchte, kann sich jeder Betrachter selbst irgendwelche Gedanken zum Gebotenen machen – aktiv animiert wird man dazu jedenfalls nicht. Den jungen Leuten bietet ja auch keiner klare Richtungsangaben oder gar Antworten...

Unterschiedliche mehr oder minder lose miteinander verbundene, meist parallel zueinander verlaufende, sich in bestimmten Situationen aber auch gegenseitig überkreuzende Schicksale und Handlungsstränge, vereint innerhalb eines gemeinsamen Kontexts: Werke mit einem konzeptionellen Aufbau dieser Art sind ja inzwischen beileibe keine Seltenheit mehr (vgl. „Crash“, „21 Grams“, „the Air I Breathe“ oder „Powder Blue“, um nur einige zu nennen) – nur steht im vorliegenden Fall weder die Plot-Entfaltung noch konkrete Beschaffenheit der einzelnen Charaktere im Zentrum bzw. Fokus des Präsentierten, sondern viel gewichtiger die transportierte Stimmung der verschiedenen „umgebenden Einflüsse“ (Milieu, Zeitgeist etc.). Dieser Blick zurück auf die 80er kommt nahezu vollständig ohne der unfreiwilligen Komik schlimmer Frisuren, greller Farben sowie anderer Mode-Entgleisungen jenes Jahrzehnts daher – stattdessen mutet alles quasi wie von einem dunklen Schatten umhüllt an, welcher Gefühle wie Spaß, Freude oder Glück förmlich zu absorbieren bzw. unentwegt im Keim zu ersticken scheint. Obgleich einige Momente durchaus zum Schmunzeln anregen, wie etwa der Besuch eines Video-Clip-Sets oder die Musik-Auswahl auf einer Trauerfeier, habe ich persönlich den rechten Biss (seitens des Skripts) vermisst, mit dem zum Beispiel Roger Avary´s 2002er Ellis-Adaption „the Rules of Attraction“ aufzuwarten vermochte. Die gewählte Symbolik (á la eine tote Ratte im Abfluss eines noblen Pools, blaue Flecken auf makelloser Haut oder eine Fliege auf der Innenseite eines weiblichen Oberschenkels) ordne ich da sehr ähnlich ein: Per se fern von schlecht, unterm Strich aber leider irgendwie nicht „scharfkantig“ genug – was mit Sicherheit aus der „Glättung“ und „Ausdünnung“ des Drehbuchs resultiert, die nicht unbemerkt verblieben ist und zudem zu so manch einer kleineren „Unebenheit“ im Story-Fluss führte. Immerhin stimmt das „Drumherum“: Unterstrichen vom Score Christopher Youngs („Swordfish“) sowie abgerundet von dem erstklassigen „Eighties-Soundtrack“, auf dem Künstler wie Pat Benatar, Devo oder Wang Chung zu finden sind, hat Cinematographer Petra Korner („the Wackness“) die vielen schicken Kulissen (u.a. Dachterrassen, Strände, Villen, Hotels und Luxus-Appartements) in entsprechend ansehnlich arrangierte Bilder verpackt, welche dem Film eine Impression verleihen, die sich durchaus als eine Kombination aus einer „Hochglanz-Doku“ und „Soap Opera from Hell“ umschreiben lässt. Zwar wäre mir ein versierterer Regisseur mit höherer Erfahrung lieber gewesen, der vermutlich auch mehr aus der Materie hätte herausholen können, doch hat Jordan dennoch inszenatorisch absolut solide Arbeit abgeliefert – einschließlich der (auf gleich mehreren Ebenen) grandiosen Schluss-Sequenz, mit welcher das Publikum in den Abspann entlassen wird…

Fazit: In „the Informers“ geht es u.a. um Themen und Dinge wie Sex, Drogen, Reichtum, Macht, Langeweile, Einsamkeit, menschliche Leere und Verzweiflung, den Pfad ins Verderben sowie die Klänge, Ideologien und Mentalitäten der Achtziger – eine „sachlich-kühle Zeitreise“ zurück in ein Jahrzehnt, in dem sich verschiedene moralisch korrupte Personen allesamt (ebenso halbherzig wie letzten Endes vergeblich) auf der Suche nach klaren Zielen und Perspektiven in ihrem Leben befinden. Viele Zuschauer werden es nicht unbedingt als „unterhaltsam“ empfinden, ihnen dabei zuzusehen – einige von ihnen könnten sogar die gebotene Oberflächlichkeit der Figuren und Geschehnisse dem Film an sich zum Vorwurf machen, statt genau darin den beabsichtigten Kritik-Ansatz zu erkennen: Aus Gründen wie diesen ist er auch definitiv nichts für die breitere Masse, welche „klassische Standards“ (wie etwa einen dritten Akt, der alles bündig unter Dach und Fach bringt) benötigt, um zufrieden gestellt zu werden. Wen das allerdings nicht abschreckt, der sollte getrost mal einen Blick riskieren – Fans von Bret Easton Ellis sowieso. Insgesamt ist Gregor Jordan, speziell dank der Unterstützung einer fähigen Cast&Crew, alles in allem eine relativ interessante, wenn auch leicht hinter den Erwartungen zurückbleibende Adaption der eigenwilligen literarischen Vorlage gelungen – zwar ohne der erhofften Bissigkeit und irgendwelchen Vampiren, dafür aber atmosphärisch dicht sowie mit einer umwerfenden Amber Heard gesegnet, welche sich im Zuge dessen überdies so zeigt, wie der gütige Gott sie (an einem seiner besseren Tage) schuf…

:liquid7:


Ein deutscher Veröffentlichungstermin ist mir bislang noch nicht bekannt.
In GB ist der Film indes bereits auf DVD zu haben, in den USA zudem auf BluRay (codefree).

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Beitrag von freeman » 04.02.2010, 08:44

Vermerkt! Hab dank der im Netz schon oft kolportierten Nacktszenen von Amber immer gedacht, Informers sei Informer mit Matt Damon, zumal der Titel auch oft falsch geschrieben wurde. Dann hab ich Amber gar net im Cast gefunden :lol: ... war eine verwirrende Zeit ;-)

Aber wie gesagt, schon wegen dem Cast vorgemerkt. Vor allem Billy Bob hab ich nun schon länger in keinem richtig guten Film mehr gesehen ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von Dr Dolph » 07.02.2010, 18:46

Wird geguckt!
Chris Isaak spielt mit und es ist nach einer Vorlage von Bret Easton Ellis.
Mehr Gründe brauch ich eigentlich nicht, aber dein Review unterstützt das Ganze nochmal.
Mal schauen ob ich die britische DVD günstig kriege.

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Beitrag von Vince » 15.09.2013, 08:21

Obwohl die Produzenten ja am Ende arg reingeredet haben sollen, fällt es nicht allzu schwer, vom fertigen Produkt auf den Autoren zu schließen. Die Charaktere agieren kühl und berechnend und kleiden die sonst so poppig gezeichneten 80er in ein unwirtliches Gewand. "The Informers" lässt Schicksale wie Autos zusammenstoßen und analysiert dann die Verhaltensweisen der Gestrandeten. Ein äußerst unbequemer Film, der nicht immer rund wirken mag, dies aber manchmal auch gar nicht soll, auch wenn er in seiner jetzigen Form unvollendet erscheint. Auch als Ensemblestück ein Gewinn mit Kim Basinger, Billy Bob Thornton, Winona Ryder, aber auch unbekannteren Darstellern wie Lou Taylor Pucci oder Mel Raido, die viel Eindruck hinterlassen.
:liquid7:

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Beitrag von kami » 15.09.2013, 15:37

Hab mal irgendwann geschrieben:

Bret Easton Ellis' Roman „American Psycho“ wirkt noch heute, zwanzig Jahre nach Veröffentlichung, wie ein Tritt in die Magengrube, die Gegenüberstellung der phrasen- und ritualummäntelten Leere und Langeweile des Lebens der amerikanischen Oberschicht und der expliziten Beschreibung sadistischster Mordexzesse eines ihrer Vertreter sorgt noch einige Zeit nach dem Lesen für Beklommenheit. Entfernt man das verstörende zweite Element aus diesem Konzept, dann bleibt allerdings auch wenig mehr als Langeweile übrig, von der es in „The Informers“, einer Verfilmung von Ellis' gleichnamiger Kurzgeschichtensammlung, eine ganze Menge gibt. Denn wer einige der vorangegangenen Ellis-Verfilmungen wie „Unter Null“ oder „Die Regeln des Spiels“ kennt, der kennt auch den freudlosen Inhalt dieses Filmes: Schöne und reiche Menschen langweilen sich, versuchen die Leere ihres Lebens zu füllen und/oder machen sich das Leben zur Hölle. Die dabei immer wieder auftretenden Zutaten sind Sex, Drogen, Designerklamotten und 80er Jahre-Musik. In der nüchternen Darstellung seiner vornehmlich jugendlichen Protagonisten erinnert „The Informers“ gelegentlich an Larry Clarks allerdings deutlich pointierter erzählten „Kids“, dessen tragisches Element AIDS auch in der im Jahre 1983 angesiedelten Ellis-Adaption eine nicht unwichtige Rolle einnimmt. Freunde des literarischen Originals können sich immerhin über die vorlagengetreue Umsetzung freuen, so nahe am geschriebenen Wort war bisher noch keine der vier Ellis-Verfilmungen. Es ist aber auch genau dieses uninspirierte Kleben an der Vorlage, das aus „The Informers“ einen wenig aufregenden Film macht. Man vermisst den Schwung und die Originalität, mit der zum Beispiel Roger Avery das drogengeschwängerte Treiben der „Die Regeln des Spiels“-Protagonisten auf Zelluloid brachte, der zugunsten der Filmwirkung bisweilen auch auf Vorlagentreue pfiff, dafür im Geiste deutlich näher an Ellis heranreichte als der biedere „The Informers“.
Fazit: Mehr Gähnen als Schock: Trotz eines engagiert agierenden Darstellerensembles und handwerklicher Solidität ist „The Informers“ nur redundantes Wiederkäuen zuvor schon besser erzählter Schicksale und Geschichten.
:liquid5:
BTW, die Nacktszene mit Amber Heard ist aber sehr sehenswert.

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Beitrag von Sir Jay » 15.09.2013, 15:38

wie schlecht und dumm ist das eigentlich auf dem cover direkt unter den gesichtern teilweise die falschen namen zu schreiben? das werde ich nie verstehen...

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Beitrag von Vince » 15.09.2013, 19:11

kami hat geschrieben: BTW, die Nacktszene mit Amber Heard ist aber sehr sehenswert.
Jo, das auf jeden Fall, dass sie deswegen nun aber unbedingt besonders gut spielt, wie Stefan in seiner Kritik andeutet, kann ich nicht unbedingt erkennen. Hab in den Szenen, in denen sie angezogen war, mal aufs Gesicht geachtet, sie spielt genauso wie immer. ;)

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Beitrag von StS » 15.09.2013, 19:42

Abgesehen davon, dass sie die Rolle ebenso treffend wie gut verkörpert, ist sie auch sonst nicht gerade eine schlechte Schauspielerin (obgleich auch keine unbedingt tolle). Dass sie an sich nicht gerade preisverdächtige Parts bzw. Filme dreht - was eigentlich auch ganz gut so ist - steht indes auf einem anderen Blatt... :wink:

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