Schiller - Atemlos
VÖ Jahr: 2010
Label: Island
Genre: Ambient / Trip Hop / Leftfield
Wäre ich einer dieser seriösen & coolen Kritiker von einer Musikzeitschrift dann müßte ich dieses Album mit

bewerten , ganz einfach weil Christopher von Deylen mit seinem Musikprojekt zunächst unglaublich Erfolgreich ist , er zudem klaut wie ein Rabe & überhaupt es viel cooler ist irgendwelche Undergroundtypen zu feiern. Da ich so einer nicht bin gehen wir zunächst mal nach den Fakten. Schiller ist Erfolgreich , sehr Erfolgreich. Er hat Erfolg mit einer Musik die sonst absolut nicht Mehrheitsfähig ist , nämlich Ambient im weitesten Sinne. Wo Musiker vom Schlage eines Move D oder Pete Namlock seit Jahren sich mit dreistelligen Verkaufszahlen rumschlagen müßen & auch Kompakt mit seinen Ambient CDs mehr schlecht als Recht rumkommt ist der Erfolg von Schiller schon ein Phänomen. Wäre man jetzt böse könnte man auch sagen das die Käuferschicht die gleiche ist die vor gut 15/20 Jahren Enigma CDs gekauft haben.
Nun gut - hört man sich das neue Werk "Atemlos" an fällt zunächst einmal die verdammt gute Produktionstechnik & der (Sorry für so ein primitives Wort) Saugeile Klang auf. Hier macht aufdrehen richtig Spaß , alles klingt sehr Räumlich & Transparent. Auch über Kopfhörer macht das Album tierisch Spaß - wunderbare fette Klangwelten tun sich da auf. Natürlich sitzt hier jeder Ton an der richtigen Stelle , alles wirkt unglaublich perfekt (vielleicht auch zu perfekt & berechnend wie beim Ethno oder Opernsample).
Das Christopher von Deylen allerdings einen starken Hang zum Pathos bis hin zum Kitsch hat ist allerdings auch bekannt. Die Deutschen Texte (meist Lyrik) kommen Bedeutungsschwanger aus den Boxen und wenn er dann die Streicher auspackt ist für mich dann Schluß mit lustig - weniger wäre hier mehr gewesen.
Das Album ist immer dann am besten wenn von Deylen die Songs einfach Songs sein läßt , so wie bei der flotten Single "Try" oder "Let it Rise" mit Midge Ure als Sänger. Die Tendenz das die gesungen Titel die besseren sind ist auch bei diesem Album Fakt. Und wenn sich von Deylen sich seiner Hardtrance & Technovergangenheit erinnert werden die Sounds dann auch mal schön böse.
Auch wenn sich die Zuckerwatte Kilometerweise aus der CD Lade leiert ist "Atemlos" kein schlechtes Album , wenn auch mit über 130 Minuten Spielzeit viel zu lang. Man muß sich halt die Highlights rauspicken. Als ganzes am Stück gehört ist es wie eine 1Kilo Gummibärchentüte zu essen: Es schmeckt zwar ganz lecker , aber wenn die Tüte leer ist hat man Bachschmerzen & einem ist schlecht.
Hörbeispiel: Try

bis

Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note