
Na sowas, die Deutschen trauen sich mal in die Phantastik. Unterstützt von einer durchaus interessanten Idee, die auf einem Bestseller von Akif Pirinci basiert, stört nicht einmal mehr das typisch deutsche Nebenstraßenflair sonderlich; Mads Mikkelsen irrt sich durch ein Zeitreisefenster, das nach dem ersten Schritt noch sehr konventionell wirkt, aber immer den Eindruck erweckt, dass da noch mehr kommen muss. Und tatsächlich, je mehr sich die beiden Dimensionen ineinander verkeilen, desto mehrphilosophische Fragestellungen zum Thema Identität wirft der Film in der Schnittmenge von "Die Körperfresser kommen" und "Being John Malkovich" auf. Erst das unnötig actionreiche Finale reißt wieder aus den Gedankenspielen.
Sehr schön übrigens, dass auf der DVD auch eine Tonfassung mit unsynchronisiertem Mads Mikkelsen untergebracht ist.

Joe Dante's The Hole

Ich werde den Eindruck nicht los, dass Joe Dante es verlernt hat. Die ganze Figurenkonstellation schreit geradezu nach Jugendabenteuerfilm à la "Goonies"; ähnlich verhält es sich mit der präzise genau in der Waage gehaltenen Abmischung von Momenten des Horrors und der Erleichterung. Aber das alles wirkt immer zurechtgebogen und auf Wirkung getrimmt - wo ist da die Natürlichkeit?
Der letzte Exorzismus

Dem Digicam-Subgenre wird ja hier immerhin endlich eine neue Facette zugefügt, indem nicht zufällig / beiläufig / aus Sensationsgier mitgedreht wird, sondern um etwas zu beweisen, das im direkten Zusammenhang mit den Ereignissen steht. Das Filmen und der Inhalt prallen also nicht per Schicksal zusammen, sondern zwischen ihnen bestehen mediale Bezüge, was dem Gesamten eine ganz besondere Struktur gibt. Dramaturgisch mag die Dämonenhatz trotz einiger netter Kniffe aber nicht aus den Pötten kommen, selbst suspensestreuende Elemente wie die beunruhigende Zeichnung hinterlassen seltsam wenig Eindruck und irgendwie ist der Spuk so schnell vorbei, das man fragen möchte, ob der Rest der Rolle noch irgendwo auf den Feldern des Landgutes liegt. Aber halt, es ist ja eine Digitalkamera...
Sigur Ros: Inni

Steiles Kontrastprogramm zur lieblichen "Heima"-Veröffentlichung: Kratzige Schwarzweißbilder in Stummfilmoptik, unterbrochen durch Interviewfetzen und psychedelische Muster, alles aufgehend in einem wortwörtlich Funken sprühenden Grande Finale, das die zugegeben gewöhnungsbedürftige Ästhetik nochmal voll ausreizt. Chapeau für diesen Mut zur Verwandlung - unmotiviertes Anhäufen von Standard-Livematerial sieht anders aus.
Die Tiefe

Zwei Jahre nach "Der Weiße Hai" entstanden und wegen des gleichen Drehbuchautors im direkten Wettbewerb meines Erachtens auch zu Recht untergegangen, weil Spielbergs Film einfach den deutlich besseren Spannungsbogen hat. Trotzdem lohnt "Die Tiefe" zumindest wegen der fesselnden Unterwasseraufnahmen, die mit Beteiligung der National Geographics Society gemacht wurden. Aber wehe, man bewegt sich aus dem Wasser - da wirken selbst die Verfolgungsjagden seltsam träge.
























