7 Mummies

Schlimmer als Kickboxer Filme? Der wahre Abschaum des Films -> bitte keine Comicverfilmungen.
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7 Mummies

Beitrag von StS » 06.04.2006, 15:07

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Originaltitel: Seven Mummies
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2005
Regie: Nick Quested
Darsteller: Matt Schulze, Cerina Vincent, Billy Wirth, Danny Trejo, Noel Gugliemi, Billy Drago, Max Perlich, ...


Man mag sich wundern, was mich dazu bewogen hat, aus der Masse der kostengünstigen „DTV“-Titel, welche Monat für Monat den Markt überschwemmen, ausgerechnet „7 Mummies“ für einen Lauf in meinem heimischen Player erwählt zu haben: War es etwa das Coverdesign (äh, nope!), Regisseur Nick Quested (who?) oder gar die Storyline (you´ve gotta be kidding!)…? Nein. Im Endeffekt war es die (für B-Film-Verhältnisse) erstaunlich solide Besetzung sowie die Aussicht, dass (selbst bei Missfallen) die Lauflänge von nur rund 72 Minuten (ohne Abspann) das Erlebnis wenigstens verhältnismäßig kurz und schmerzlos wirken bzw vorübergehen lassen würde…

Bei der Überführung einiger Sträflinge durch die weiten Wüstenflächen des amerikanischen Westens verunglückt der befördernde Van und landet im Straßengraben, worauf es den Verbrechern gelingt, sich zu befreien und die beiden Wachen zu überwältigen – den männlichen Officer erschießen sie dabei auf der Stelle, die weibliche Staatsbedienstete (Cerina Vincent: „Cabin Fever“), welche auf den Namen Lacy hört, wird zu ihrer Geisel. Unter der Führung des coolen wie brummigen Rock (Matt Schulze: „Blade 2“) begeben sie sich auf einen ungewissen Gang durch die karge Einöde in Richtung der mexikanischen Grenze, doch schon bald droht Orientierungslosigkeit und Dehydrierung ihr Schicksal zu besiegeln. Selbst der clevere Travis (Billy Wirth: Abel Ferrara´s „Body Snatchers“) kann mit seinem breit gefächerten Wissen keine Wasserstellen ausfindig machen – stattdessen entdeckt er eine vergrabene (mumifizierte) Leiche, welche ein goldenes Medaillon trägt, das Rock (natürlich) sogleich an sich nimmt. Mit der Zeit werden die Spannungen untereinander (angesichts der Situation) immer intensiver, so dass ein Sträfling (Andrew Bryniarski: „Pearl Harbor“) sein Glück gar auf eigene Faust versucht, bis man auf einen inmitten des Nichts lebenden alten Indianer (Danny Trejo: „Heat“) trifft, der ihnen Speis (Schlangenfleisch) und Trank (Wasser) zur Verfügung stellt. Als er das antike Fundstück sieht, erzählt er von einer Stadt ganz in der Nähe, in der ein unvorstellbar großer Goldschatz auf diejenigen wartet, welche das lang verschollene Medaillon dorthin zurückbringen. Inzwischen wieder etwas gestärkt, fällt die Entscheidung, zwecks Überprüfung der Geschichte auf dem Pfad zur Grenze einen überschaubaren Umweg einzulegen, deutlich leichter…

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen sie die abgelegene kleine (ehemalige) Pionierstadt und erleben erst einmal eine Überraschung: Es scheint, als wäre dort die Zeit stehen geblieben, denn alles und jeder wirkt so, als befinde er sich noch in der Epoche der Cowboys und Goldgräber. Im klassischen Saloon werden sie vom Besitzer (Martin Kove: „Rambo 2“) freundlich empfangen und mit Bier sowie willigen Frauen versorgt, so dass sich die sexuell ausgehungerten Männer umgehend auf die Zimmer verteilen und das Versäumte ausgiebig nachholen. Nur Travis, Rock und Lacy verbleiben reserviert. Sie wundern sich vielmehr darüber, warum sich alle so seltsam verhalten. Am merkwürdigsten ist allerdings noch immer der örtliche Sheriff (strange as always: Billy Drago aus „Cyborg 2“), der ihnen verwunderliche Geschichten vorpredigt, aus denen man einfach nicht schlau wird. Als die Sonne schließlich vollkommen hinter dem Horizont verschwunden ist, zeigen die Bewohner ihr wahres Gesicht: Es handelt sich bei ihnen um verfluchte, Blut-saugende Untote, welche den Eindringlingen von einen Moment auf den anderen schwer zusetzen. Ein verbitterter Kampf ums Überleben beginnt – ihnen steht eine harte, Action- und Verlust-reiche Nacht bevor…

Nach dieser Inhaltsangabe mag man sich durchaus die Frage stellen, warum der Film eigentlich „7 Mummies“ heißt – und nicht etwa „22 Vampires“ oder „6 Convicts & 1 Hostage“. Die Antwort ist in der Hintergrundgeschichte sowie den letzten 10 Minuten zu finden: Vor rund 400 Jahren förderten die spanischen „Conquistadors“ das reichhaltige Goldvorkommen eines indianischen Stammesgebiets zutage, indem sie jenes Volk ausbeuteten sowie unter widrigsten Umständen zur Arbeit in der Miene zwangen. Sieben Jesuitenpriester nahmen sich dem Projekt an und legten einen Schwur ab, das wertvolle Edelmetall an einem sicheren Ort zu schützen, bis man es (vermutlich nach Spanien) abtransportieren würde, was allerdings nie geschah. 300 Jahre später errichteten Siedler bei der Erschließung des Westens auf genau jenem Fleckchen Erde eine Stadt und stießen im Rahmen eigener Grabungen auf den Schatz – die Macht der (inzwischen mumifizierten) Hüter war jedoch ungebrochen, worauf diese zu neuem Leben erwachten und die Menschen für ihre Gier dadurch straften, dass man sie nach ihrem herbeigeführten Tode zu ewiger Verdammnis verurteilte. Künftig stellten sie die vornehmlichen Bewacher dar, während sich die Priester erneut in ihre Särge (in unmittelbarer Nähe des Goldes) legten – bis auf einen, dessen Körper nach einem Diebstahlsversuch (quasi als zusätzliche Schutzfunktion) in der Wüste gemeinsam mit dem Medaillon verscharrt wurde, ohne das kein Zutritt zum Aufbewahrungsort möglich ist. Da sie also bloß die letzte Verteidigungslinie darstellen, treten die Mumien folgerichtig erst zum Showdown in Erscheinung. Dies bildet zwar den unbestreitbaren Action-Höhepunkt, zugleich aber auch eine Quelle unfreiwilliger Komik, denn jene untoten Bewacher in ihren Mönchskutten beherrschen meisterlich die hohe Kunst des Kung-Fu! Zwar gibt diese Tatsache nahezu gar keinen Sinn, der unbestreitbare „Trash“-Faktor wird dadurch jedoch enorm gesteigert – und lustig anzusehen ist das mit „Wire Work“ unterstützte sowie gar nicht mal so furchtbar schlecht von HK-Regisseur Tony Leung Siu Hueng („Drunken Master 2“) mit-choreographierte Treiben ebenfalls. Es müssen ja nicht immer die „klassischen“ langsamen Mumien sein…

Das Drehbuch von Thadd Turner ist ein ziemliches Durcheinander, das sich konsequent jeder Ausprägung von Logik und Seriosität verweigert sowie es zugleich für rein gar nicht nötig erachtet, den Figuren Charakter-Zeichnung oder -Entwicklung zuzugestehen: Hintergründe werden überhaupt nicht erst angerissen, weshalb man sich zwangsläufig fragt, warum bzw woher Travis bestimmte Dinge weiß, und im Verlauf, welcher ohnehin nur knapp 20 Stunden umfasst, ändert sich das Verhalten der Personen nicht einmal geringfügig. Natürlich sind bestimmte Elemente vorhersehbar (Travis ist der gute Böse, Rock der böse Böse – wer nimmt sich wohl der Geisel an? etc), der Inhalt ist abstrus, die Dialoge sind schwach (Vincent und Wirth besitzen ohnehin arg wenig Text). Wer den Anfang verpasst, wird kaum erraten, dass Lacy tatsächlich eine Geisel und nicht festes Mitglied der Gang ist, denn sie versucht zu keinem Zeitpunkt zu fliehen, unterhält sich vornehmlich ganz normal (also nicht groß abweisend) mit ihnen und gehört letzten Endes anscheinend schlichtweg mit dazu. Eine Belästigung seitens der lange eingesperrten Häftlinge findet nur an einer Stelle (eher am Rande) statt – mit der Auslebung ihrer Triebe und Bedürfnisse warten sie (freundlicherweise) bis zum Aufeinandertreffen mit den „leichten Damen“ im Saloon, obwohl sich die junge, attraktive, ein knappes weißes (verschwitztes bzw später durchnässtes) Shirt tragende Lacy, welche ja zudem noch eine verhasste Vollzugsbeamtin ist, in ihrer Gewalt befindet. Hinzu kommt, dass sich Turner anscheinend nicht dafür entscheiden konnte, was für eine Ausrichtung (weit über die „Mumien oder Vampire?“-Frage hinaus) nun konsequent verfolgt werden soll, denn er kombiniert eine Vielzahl grober Stilmittel und Motive (Western, Action, Gangster-Thriller usw) zu einem merkwürdig erscheinenden Endprodukt, das zwar von der Story her umso (unfreiwillig) amüsanter wirkt, dafür jedoch keinesfalls mehr ernst genommen werden kann – womit wir erneut bei dem Begriff „Trash“ wären.

Kommen wir nun zu der Besetzung, welche man durchaus als einen Grund ansehen kann, dem Werk mal eine Chance zu geben: Zwar liefert keiner der Beteiligten eine wirklich gute Performance ab, auch weil das Skript ihnen keine Gelegenheit dazu bietet, doch sie füllen ihre Rollen zumindest (physisch) durchweg annehmbar aus. Cerina Vincent (bekannt aus David Lynch´s „Darkend Room“ oder „It Waits“) sieht hübsch aus und bietet dem Zuschauer genügend Eye Candy, muss allerdings hart an ihren schwachen Textzeilen („No Shit: This Town really is haunted!“) knabbern. Billy Wirth („Space Marines“) ist okay als verhältnismäßig stiller, geheimnisvoller Convict – viel leisten muss er dabei kaum. Matt Schulze („Torque“) nimmt man den harten, aber mit gewissen Manieren ausgestatteten Villain, wie schon in „the Transporter“ oder „Out of Reach“, problemlos ab, weshalb er seine Rolle noch am besten verkörpert, ohne dass ich dabei den Ausdruck „schauspielerische Leistung“ verwenden möchte. Es ist immer nett, Danny Trejo („the Devil´s Rejects“) zu sehen, doch sein Kurzauftritt als Indianer, inklusive spirituellem Gesang (zum Glück nicht ganz so schlimm wie in „Crow 4“), geriet eher nervig, denn nachdem er die Flüchtigen zur verfluchten Stadt gelotst hat, lacht er für eine ewig lang erscheinende Dauer in die Kamera, was mich wie keine andere Szene gestört hat. In weiteren Nebenrollen sind zudem noch Andrew Bryniarski (Leatherface aus Nispel´s „TCM“) und Max Perlich („the Missing“) als Knackis sowie Martin Kove (kaum gealtert seit „Karate Kid“) als Barbetreiber zu sehen. Aus dem Gesamtbild ragt einzig Billy Drago (aus Aja´s „the Hills have Eyes“ oder Miike´s „Imprint“) klar heraus, denn er ist herrlich creepy (wie immer), was die Macher vortrefflich einzusetzen wussten – es wirkt, als hätte man ihm bei seinen merkwürdigen Predigten und Monologen freie Hand gelassen, was nur gegen Ende, nachdem er sich ebenfalls verwandelt hat, leicht aufgesetzt wirkt.

Newcomer Nick Quested gibt hiermit (nach einer Reihe von Musik-Videos) sein Spielfilmdebüt – das Problem ist nur, dass er handwerklich noch viel lernen muss. Natürlich war es Budget-bedingt nicht möglich, große Schauwerte hervorzuzaubern, und vermutlich deshalb versuchte man die ganze Sache mit einigen Kamera- und Editing-Spielereien „aufzupeppen“: Hauptsächlich geschah dies in Form von Szenenüberblendungen, also zwei übereinander gelegte Images, um so Übergänge zu schaffen oder bloß einen optischen Effekt zu erzielen, der allerdings nur anfänglich annehmbar wirkt, nicht aber nach der x-ten Verwendung. Während die Kung-Fu-Fights noch spaßig anzusehen sind, wirkt die Actioninszenierung in anderen Momenten recht hölzern und einfallslos, was (u.a.) auf die Massenverwandlung im Saloon (inklusive großem Shoot-Out) sowie eine „Pferd vs Motorrad“-Verfolgungsjagd der Hauptkontrahenten zutrifft. Zudem erinnern diverse Vampirangriffe eher an gemächlicher verlaufende Zombie-Attacken. Die Musikuntermalung schwankt bedrohlich zwischen einem traditionellen Western-Score, HipHop und rockigeren Stücken (Crossover, Nu-Metal, etc), welche man mal recht cool (bei Slow-Motion-Aufnahmen der Gefangenen in der Wüste), mal ungeschickt (bei irgendwelchen ereignisreichen Sequenzen zwischendurch) eingebunden hat. Die Kameraarbeit ist an sich durchaus gelungen, vor allem beim Einfangen der trostlosen, aber schönen Landschaft Arizonas, welche, zusätzlich zu der aus verschiedenen anderen Produktionen bekannten Wild-West-Stadt, den Geschehnissen eine ansehnliche Kulisse bietet. Der Gore-Gehalt ist für eine „16er“-Freigabe angenehm hoch ausgefallen (z.B. abgetrennte Körperteile, eine Schere im Auge oder ein zerquetschter Schädel), die Make-up-Effekte bewegen sich innerhalb des mittleren Qualitätsbereichs, die (Gott sei dank) nur wenigen CGI-Einstellungen sind hingegen schwach und hätten ruhig weggelassen werden können. Abschließend gelingt es der kurzen Laufzeit sowie dem im Verhältnis zufrieden stellenden Action-Anteil, aller Schwächen zum Trotz, einigermaßen kurzweilige Unterhaltung zu generieren, an der man sich (je nach Stimmung, Geschmack und Herangehensweise) durchaus mal versuchen kann. Objektiv ruft der Film natürlich kaum Begeisterung hervor, doch eine unbedingt zu meidende Katastrophe ist er genauso wenig. Als Vergleichsbeispiel lässt sich, in vielerlei Hinsicht, „from Dusk till Dawn 3“ anführen – nicht nur aufgrund Danny Trejos Beteiligung, welcher den Zuschauer übrigens (lachend) in den (laut rockenden) Abspann entlässt…

Fazit: „7 Mummies“ ist ein storytechnisch unorigineller, aber einigermaßen abwechslungsreich gestalteter Low Budget Action-Western-Horror-Genremix, der mit lässigen Sträflingen, schönen Frauen, Vampiren sowie „Martial Arts“-beherrschenden Mumien aufzuwarten vermag – allerdings, wie schon der erst kürzlich von mir betrachtete (und geringfügig gelungenere) „All Souls Day“, dürfte er bestenfalls nur eingefleischten Trash-Fans vollends zusagen … knappe

:liquid4:


In Deutschland wurde der Streifen von "Splendid/Warner" auf DVD veröffentlicht: Erkennbare Schwächen bei der Bild- und Tonqualität (wenn auch nicht gravierender Art), kaum Bonusmaterial, nicht sonderlich einfallsreiche Menügestaltung: Letztendlich ist der Gesamteindruck trotzdem zwar weder besonders gut noch schlecht, doch eine leicht negative Tendenz ist nicht von der Hand zu weisen – man könnte demnach abschließend sagen, die Veröffentlichung befindet sich auf einem Level mit dem Film.

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Beitrag von freeman » 05.08.2007, 21:58

Dank Prämere gestern gesehen und ja, wo fangen wir da an? Also Cerina Vincents Ausschnitt und die Füllung desselben war :moppen: ... das Schaulaufen der B-Prominenz machte Laune und die Kung Fu Mumien haben imo alles weggerockt und passten ganz gut zu dem vollkommen schrägen Mix aus Western, Geistergeschichte, Vampir/Zombiewhateverschnullibullie, der einem hier vorgesetzt wurde. Leider zieht er sich zwischen der ersten Attacke der Vampire/Zombies doch enorm und will lange Zeit nicht viel passieren. Und wieso der Billy Drago (der vollkommen neben der Spur lief und damit echte Comedyhighlights setzte) am Ende zu Staub zerfiel, nur weil ihn die Sonne berührte, um kurz darauf bei hellichtem Tage ein paar Kerle zu schreddern, ist ein echtes Mysterium ... Auf ne derb blöde Art macht der ordentlich Laune ... aber eben nur auf ne blöde Art ;-)
:liquid5:

In diesem Sinne:
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Beitrag von TonyTorpedo » 06.08.2007, 17:47

Auf ne derb blöde Art macht der ordentlich Laune ... aber eben nur auf ne blöde Art
Welche Art Drogen meinst du genau ? :lol:

In Sachen Horror hab ich so manchen Müll gesehen, der hier ist die Schmerzgrenze.

Ne :liquid3: .......und armer Danny Trejo, so tief zu sinken !

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Beitrag von freeman » 06.08.2007, 19:26

Brauchte keine Drogen und ihn net als Horrorfilm zu sehen, hilft. Trash halt ... Trejo hab ich weggespult ... wie so oft ;-)

In diesem Sinne:
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