[CD] Can - Soundtracks

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[CD] Can - Soundtracks

Beitrag von gelini71 » 05.11.2012, 16:20

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Spoon Records 1970

- Holger Czukay - Bass
- Michael Karoli – Gitarre , Violine
- Jaki Liebezeit – Schlagzeug , Flöte
- Irmin Schmidt - Keyboards
- Malcom Mooney – Gesang (Track 5 & 7)
- Damo Suzuki – Gesang (Tracks 1 , 2 , 4 , 6)

Aufgenommen im Schloss Növenich (Kreis Düren / Nordrhein Westfalen) November 1969 bis August 1970
Edits by Holger Czukay

Trackliste
01. Deadlock – 3:07
02. Tango Whiskyman – 4:04
03. Deadlock (Instrumental) – 1:40
(alle drei Songs aus dem Film “Deadlock”)
04. Don´t turn on the light , leave me alone – 3:42
(Film: “Cream”)
05. Soul Desert – 3:48
(Film: “Mädchen mit Gewalt”)
06. Mother Sky – 14:31
(Film: “Deep End”)
07. She brings the Rain – 4:04
(Film: “Bottom – Ein großer Graublauer Vogel”)

Filmmusiken die nicht von dieser Welt sind – und mit „Mother Sky“ ist sogar ein richtiger Hit dabei

„Dies ist die zweite Veröffentlichung von Can , aber nicht das zweite Album“ – so stand es auf der Rückseite der alten Vinylveröffentlichung von „Soundtracks“ geschrieben. Die Musiker von Can sahen diese Songsammlung diverser Filmmusiken nicht als ein reguläres Album an. Und auch heute noch wird dieses Album als Bindeglied zwischen dem Debüt „Monster Movie“ & dem Doppelalbum „Tago Mago“ gerne vergessen – was aber ein Fehler ist beinhaltet diese Sammlung durch die Bank weg ausgezeichnetes Musikmaterial.

Filmmusiken waren für Can in der Anfangszeit eine wichtige Einnahmequelle & auch in späteren Jahren machten die Musiker gerne & oft Soundtracks für Kino- & Fernsehfilme. Treibende Kraft dahinter war Keyboarder Irmin Schmidt , der bis heute Filmmusiken komponiert. Und genauso unkonventionell wie bei den Aufnahmen zu ihrer Musik generell gingen Can auch bei der Komposition der jeweiligen Filmmusik vor: Lediglich Irmin Schmidt sah den Rohschnitt des jeweiligen Films & sprach mit den Machern was ihnen denn vorschwebe. Anschließend erzählte er den übrigen Mitgliedern eine Art Kurzfassung des Films im Studio , worauf dann die Musiker ihre Instrumente nahmen & einfach drauflos improvisierten. Später wurde das ganze wie üblich von Holger Czukay auf Songdienliche Länge runtergeschnitten.

Als Einstieg gibt es dreimal Musik aus Roland Klicks modernen Western „Deadlock“ – das Hauptthema (einmal in einer Vocalfassung sowie einer Instrumentalen Version , die aber beide deutlich hörbar aus der gleichen Session stammten) klingt wie eine moderne Rockversion einer Morricone Westernkomposition bei dem die Mundharmonika durch die elektrische Gitarre ersetzt wurde. „Tango Whiskyman“ ist (logisch) ein Tango , aber sehr cool & entspannt rübergebracht & sogar schon fast so was wie ein richtiger Song. Bei dem sanften „Don´t turn on the light , leave me alone” gibt Damo Suzuki seinen Einstand als Sänger , es ist sogar tatsächlich die erste Aufnahme die Suzuki mit Can machte. Durch die Flötenmelodie im Hintergrund (gespielt von Liebezeit) erhält der Song eine ganz angenehme Atmosphäre.

Mit „Soul Desert“ im Anschluß schließt sich ein Kreis , denn dies ist die letzte Aufnahme von Malcom Mooney. Bei diesem Musikalisch sehr minimalen Teil kreischt , jault , stöhnt Mooney aus allen Poren seines Körpers (singen kann man das auf keinem Fall nennen) & es wird einem Angst & Bange um den Gesundheitszustand des Sängers – nicht ganz unbegründet , denn kurz nach dieser Aufnahme hatte Mooney einen Nervenzusammenbruch & reiste zurück zu seiner Familie in die USA. Trotz des sehr eigenwilligen „Gesangs“ ist „Soul Desert“ ein richtiger Ohrwurm , zwar recht minimal in seiner Musikalischen Umsetzung aber irgendwie packend – geht nicht mehr aus dem Kopf.

Dann kommen zwei absolute Highlights im Songkatalog von Can: Zum einen „Mother Sky“ , ein knapp 15 Minuten dauernder Gitarrenorgasmus. Im Grunde besteht dieser „Song“ nur aus einem langen Gitarrensolo von Karoli das nur ab & an von einer ruhigen Passage unterbrochen wird wo Suzuki seinen Verse von der Mutter Himmel singen darf. Man sollte sich nicht durch den 60´s mäßigen Beatanfang täuschen lassen – „Mother Sky“ ist eine Rockige Groovebombe die sich unerbittlich in die Gehörgänge frisst.

Das zweite Highlight ist der Abschlusssong „She brings the Rain“ – ein ruhiges Jazzartiges Stück mit Czukay am gezupften Standbass. Die Überraschung ist aber Mooney – er singt mit ganz sanfter , völlig normaler Stimme & er beweist hiermit das er eben nicht nur Schreien , Stöhnen & Jammern kann sondern eben auch eine wirklich wunderschöne soulige Singstimme hat. Das der Song zudem ebenfalls ein absoluter Ohrwurm ist kommt dem ganzen natürlich entgegen. Witzig übrigens Michael Karolis Gitarre die sich in der zweiten Hälfte komplett aus den Song schält & irgendwann so klingt als würde er drei Zimmer weiter einen ganz anderen Song spielen.

Auch wenn der rote Faden eines am Stück produzierten Albums fehlt & auch wenn die dazugehörigen Filme heute kaum noch einer kennt - die „Soundtracks“ sind einfach ein wunderschönes Stück Musik. Einziger Nachteil: Die Stücke liegen hier nur als Fragment vor , da für die jeweiligen Filme nur bestimmte Teile benutzt wurden. So kommt es das fast alle Stücke etwas unsanft ausgeblendet werden (besonders stark bei den beiden „Deadlock“ Themen) . Trotz dieses Mankos ist „Soundtracks“ einfach ein Album was man immer wieder in den Player legt , weil die Songs so gut sind. Nicht ganz so schräg wie das Debüt „Monster Movie“ sondern etwas zugänglicher aber immer noch Meilenweit davon entfernt in irgendeiner Form Mainstream zu sein.

:liquid9:
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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