Verstehen kann ich die zahlreichen negativen Bewertungen ja schon. In seiner Anlage ist "Only God Forgives" in seiner Ambivalenz geradezu auf Streit aus.
Nicolas Winding Refn, der nach "Drive" ein weiteres Mal mit Publikumsmagnet Ryan Gosling zusammen arbeitet, macht es sich und dem geneigten Publikum mit dem Film sicherlich nicht einfach. Die Gangart, die er wählte, erweist sich um einiges zynischer, und mit dem mainstreamigen "Drive" hat der Film kaum noch etwas gemein (außer eben dem Regisseur und Hauptdarsteller). Vielleicht mag die Erwartungshaltung ein weiterer Nebendarsteller des Filmes sein, denn ist es gerade dieser Aspekt, den Refn immerzu unterwandert. Und es scheint ihm Spaß zu machen.
Die Bildsprache, in welcher vor allem dunkelrote Töne dominieren und lange Szenen (die mit wenigen Dialogen auskommen), sowie Traumsequenzen die Szenerie bestimmen, orientiert sich eher an voran gegangene Filme wie "Fear X" oder auch "Walhalla Rising". Auch der Soundtrack untermauert die düster-brodelnde Stimmung des Filmes. Optisch und akustisch also wieder mal ein Leckerbissen, so scheint Refn einmal mehr in eine Falle zu tappen, welche ihn schon bei "Fear X" fast das Genick brach: Oft wird ihm bei "Only God Forgives" vorgeworfen eine reine Gewaltorgie abzuliefern, die kaum etwas zu sagen hat. Dies mag auf den ersten Blick so zu scheinen, doch würde man es sich doch recht einfach machen, den Film als nichtssagenden Gewaltfilm abzustempeln, der er nicht ist. Alleine die viel gescholtene Gewaltszene im letzten Drittel des Filmes (in der ein Mann minutenlang vor einem Dutzend von Prostituierten gefoltert wird) ist in ihrer Anlage durchaus diskussionswürdig. In dieser Szene geht es um das Nicht-Hinsehen (der Prostituierten, die sich ihre Augen verdecken und reglos das Ende der Schreie abwarten). Die Kamera (und somit der Zuschauer) hält jedoch drauf und zelebriert die Szenerie in ihrer Gesamtheit, und so wird der surrealistischen Szene plötzlich eine sozialkritische Komponente hinzugefügt, welche dem Ganzen einen doch etwas anderen Anschein verleiht. Bezogen auf den gesamten Film scheint Refn sich und den Film manchmal sogar nicht ganz so ernst zu nehmen, sodass viele Szenen ironische und gar parodistische Züge annehmen, sodass auch einmal los gelacht werden darf.
Insgesamt also ist der Film eine ambivalente Angelegenheit, in deren interpretationsschwangeren Szenen viel oder auch gar nichts hinein gedichtet werden kann. Meiner Meinung nach findet Refn sich hier aber auf dem richtigen Weg nach "Drive". Und so ist "Only God Forgives" weniger Unterhaltungsfilm, denn ein Statement eines Regisseurs, der sich seines eigenen Anspruchs noch nicht beraubt fühlt und dies mit diesem Film sehr gut zum Ausdruck bringt.
Gute
