Filmtagebuch: Vince

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Beitrag von freeman » 24.02.2014, 09:07

So ist „Silver Linings“ zwar um Klassen besser als etwa der übliche RomCom-Backkatalog aus Timos Filmtagebuch, aber doch in seiner Unangepasstheit auch wieder so anbiedernd wie der französische Kinosaalbesetzer oder auch die Wonneproppenkomödie „Little Miss *Fügen Sie hier ihre Beleidung nach Wahl ein*“.
:lol: :lol: :lol:

Ich füge ein: *Asshole*! Gnihihihi

In diesem Sinne:
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Vince
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Beitrag von Vince » 02.03.2014, 08:46

Texas Chainsaw 3D
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Ignoranz bis über beide Ohren kann man dieser dreisten Fortsetzung wohl vorwerfen, weil sie, mal abgesehen vom Original, alle vorhergehenden Einträge ins “Texas Chainsaw”-Geschichtsbuch geflissentlich über den Haufen wirft; nicht aber kann man behaupten, dass kein unterhaltsamer Beitrag dabei entstanden wäre. Von der altmodischen Pre-Title-Stilisierung bis zum haarsträubenden Final Twist ist der „Texas Chainsaw“ mit dem überflüssigen Dimensionen-Suffix eine ebenso dümmliche wie kurzweilige Angelegenheit; weil das Anwesen eine attraktive Örtlichkeit ist, um die Kettensäge zu schwingen und weil herzerfrischend antiklimatische und damit unberechenbare Szenenwechsel für offene Münder sorgen. Der Zaun vor dem menschenbevölkerten Jahrmarkt wäre normalerweise jener Grenzübergang, den das Böse nicht überschreiten darf, so dass er sich sein Opfer schon vorher holen muss – nicht so hier. Mit der anschließenden Drehbuchentwicklung gehen dann zunehmend Absurditäten einher, die man einfach mal so schlucken muss – schließlich gibt’s dafür ja auch ein paar hübsche Splattereinlagen in retour.
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The House at the End of the Street
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Das um Raffinesse bemühte Drehbuch lässt die assoziativ bewusst an frühe Cravens und Carpenters angelehnte Slasherproduktion von Anfang an scheitern: Auch wenn später noch so manche (nicht allzu originelle) Wendung aufgefahren wird, letztlich wird die Wurzel des Bösen von Beginn an viel zu sehr begossen, so dass man sich gar nicht mehr gruseln mag, wenn mal wieder eine Attacke ansteht. Die Charakterisierung des Einzelgängers, ebenso wie die des Mädels mit Herz für Außenseiter, ist längst nur noch Klischee; das Anschneiden der Musikleidenschaft der Hauptfigur hat auch kaum Sinnvolles zum Kontext beizutragen. Man wird also mit dunklen Wäldern und gläsernen Häusern darin zugeschmissen in der Hoffnung, dass die Angst, beobachtet werden zu können, ohne selbst zu beobachten, bedient wird und betrachtet all das bedingt durch die Drehs im Plot in wechselndem Licht – aber am Ende hat man doch nur das schmutzige Setting vor Augen, das durch die Hochglanzproduktion reingewaschen wurde. Ein leidlich originelles Genre-Vehikel für einen aufstrebenden Kinostar letztlich, der irgendwann nur noch dazu dient, zu zeigen, welch abwechslungsreiches Portfolio Jennifer Lawrence am Anfang ihrer Karriere hatte.
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Felidae
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Man möchte gar nicht glauben, dass dies ein deutscher Zeichentrick sein soll, so radikal, schonungslos und konsequent wurde Akif Pirinccis Katzenthriller in Bilder umgesetzt. Die eindringlichen Bilder von Katzen mit abgerissenen Köpfen, aufgeschlitzten Bäuchen und zerfallenden Körpern wurden natürlich vielfach missverstanden, erst recht da es sich um einen Trickfilm handelt, den unaufmerksame Eltern ihren kleinen Kindern zeigen könnten, dabei sensibilisieren sie den Betrachter ganz enorm für die Vierbeiner und fördern die Empathie – gar kein Zweifel, dass hier keineswegs ein Sadist am Werk war, sondern ganz im Gegenteil ein Tierliebhaber. Darüber hinaus ist „Felidae“ ein ungemein beklemmender Kriminalthriller, für den es unabdingbar war, die Katzen zu vermenschlichen, indem sie Figuren aus alten Film-Noir-Filmen angeglichen wurden, jedoch wurde bei dem Rückgriff auf Anthropomorphismen darauf geachtet, die Besonderheiten der Katze stark zu betonen und zu verallgemeinern, so dass dem Titel „Felidae“ durchaus Rechnung getragen wird. Lediglich einzelne Charaktere mögen zu stark karikaturisiert worden sein (etwa Joker, der eher einer Bulldogge ähnelt als einer Katze), so dass die Feinheiten verloren gehen. Das mag zwar vielleicht dazu führen, dass im Buch noch mehr Details zur Geltung kommen, an der extrem dichten Atmosphäre rüttelt das jedoch nicht.
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Die Geheimnisvolle Insel
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Ray Harryhausen prägt mit seinen einmal mehr beeindruckenden Stop-Motion-Effekten diese Jules-Verne-Verfilmung und gibt ihr das überdimensionierte, exaggerierte Bild des Naturalismus, der aber mit jeweils einem Bein in der Prähistorik und dem Surrealismus verankert ist. Die Ballonfahrt zu Beginn provoziert Vergleiche zu Dorothys Reise nach Oz, und als dann aufgeblähte Versionen tatsächlich existierender Lebewesen hinter den Hügeln hervorkrabbeln, wird damit das Bild der Natur bedient, die jenseits menschlichen Eingreifens schalten und walten kann, wie sie möchte. Nicht zu verachten ist auch die Gruppendynamik innerhalb der Runde der Gestrandeten, die erst recht durcheinandergewühlt wird, als Kapitän Nemo ins Spiel eingreift. Mitunter beeindruckend auch die gebotenen Bilder, insbesondere des Tauchgangs an der versunkenen Stadt entlang.
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Darkman
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Ob man Sam Raimis ersten Beitrag zum Superheldengenre als Trockenübung für „Spider-Man“ bezeichnen kann, ist schwer zu sagen; vielleicht könnte man dem zustimmen, denn ähnlich wie „Spider-Man“ wird „Darkman“ eher von den Mechanismen seines Genres zur Entstehungszeit gelenkt als von der Hand des Leitenden, obwohl Raimi darum bemüht ist, einige seiner Trademarks (sei es in Form von wilden Kamerafahrten oder von Bruce Campbell-Cameos) einzubauen. Dabei ist der Film bei weitem nicht so hart wie seine Spitzen: Ungeachtet einiger brutaler Einlagen und des entstellten, nach Frankenstein-Prinzipien agierenden Titelhelden grüßen die 90er schon recht früh mit ihrem milden Grundton. Der von Liam Neeson verkörperte Darkman hat zwar mit filmisch interessant umsetzbaren Problemen zu kämpfen; die nur für einen begrenzten Zeitraum stabile künstliche Haut etwa böte gute Gelegenheiten für manch spannende Sequenzen. Allerdings werden weder die Figur noch ihre Probleme jemals richtig greifbar, so dass beispielsweise die hochkarätige Frances McDormand in einer Nebenrolle geradewegs verschenkt wird. Letztlich nur ein solider Unterhaltungsfilm, dessen größte Stärke wahrscheinlich die Inszenierung der finalen Hochhausgeländersequenz ist.
:liquid5:

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Beitrag von Vince » 03.03.2014, 09:49

Casa De Mi Padre
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Ein solches Gefälle zwischen Trailer und tatsächlicher Filmqualität gab’s auch schon länger nicht mehr. Verspricht ersterer noch eine typische Ferrell-Komödie mit einer hohen Frequenz des typischen Ferrell-Bullshits, den man eben lieben oder hassen kann, entpuppt sich das Endresultat als Ansammlung von Rohrkrepierern. Ein paar Western- und Mexikanerklischees werden mithilfe von überzeichneten Neo-Grindhouse-Methoden durch den Fleischwolf gezogen – mal wird die Offensichtlichkeit der Matte Paintings hervorgehoben, dann lugt eine Raubkatze aus Stoff hinter einem Felsen hervor. Was auf dem Papier ganz witzig klingen mag, verliert auf dem Bildschirm dank fehlenden Timings und schwach geschriebener Pointen jede Wirkung. Als Karikatur eines John Wayne hätte Farrell dabei durchaus die Physis für eine gute Westernparodie gehabt, allerdings hätte man sich dann wohl bessere Gagschreiber und Regisseure suchen müssen.
:liquid3:

The Master
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Zäh und weniger zugänglich als sein Meisterwerk “There Will be Blood” ist Paul Thomas Andersons Nachfolgewerk geworden, konzentriert man sich allerdings auf das Schauspielduell zwischen Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman, wird man Zeuge einer unvergleichbaren Demonstration der hohen Kunst der Darstellung. Insbesondere Phoenix deformiert sich selbst gemäß dem Drehbuch zu einem Häufchen Elend, wodurch die aufgrund historischer und ideeller Verfremdung nur schwer erreichbare Thematik greifbar wird. Ein ebenso unterkühlter wie auf seine distanzierte Art faszinierender Film, der den Zuschauer tief in fremde Geister eintauchen lässt; zur vollständigen Erfassung allerdings dürfte eine Mehrfachsichtung erforderlich sein.
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Die Unfassbaren – Now You See Me
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Im Film wird die These gestellt, dass der Drang des Menschen, Geheimnisse zu lüften, größer ist als der Drang, sich verzaubern zu lassen. Zumindest für diesen Film kann das nicht gelten, denn „Die Unfassbaren“ ist Entertainment in seiner ursprünglichsten Form, und zwar solches, das man nicht weiter hinterfragen möchte. Man will einfach die flotten Abfolgen von Handlungstwists auf sich einrieseln lassen und ist – im Gegensatz etwa zu „Prestige“ oder „The Illusionist“ – gar nicht weiter daran interessiert, wie welcher Trick funktioniert, auch wenn einem das meiste auf die Nase gebunden wird. In seiner ganzen Art ist das Ensemblestück aber von derart lockerer und ungezwungener Form, dass jegliche Verkopftheit spielend umgangen wird. So eignet es sich auch zum Sonntagabend-Ausklang nach einem Wochenende voller Anstrengungen, zumal die Publikumssequenzen (derer gibt es drei im Film) den Charme einer spektakulär aufgezogenen Live-Fernsehshow haben. Schade höchstens, dass Dreiviertel der Zauberer-Belegschaft (also alle außer Woody Harrelson) recht unsypathisch wirken, andererseits wiederum kann man so auch bei der realen Zauberer-Belegschaft denken.
:liquid6: ,5

Hüter des Lichts
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Temporeicher, spektakulär inszenierter Animationsfilm, bei dem man sich gar nicht entscheiden kann, zu welchen Feiertagen man ihn sich ansehen soll, weil Weihnachtsmann, Osterhase und all ihre Kumpels im gleichen Film auftreten. Das klingt jetzt uneinheitlicher als es tatsächlich ist; es gibt nämlich wie immer einen klassischen Antagonisten und die gewöhnlich solo auftretenden Helden der Kindheit werden nach Vorlage neuerer Fantasy- und Comicfilme zu einer neuen Gilde geordnet. Allzu viel Tiefe kann bei dem Überangebot klassischer und auf modern-cool getrimmter Figuren natürlich nicht entstehen; dieser Film macht das mit einem überbordenden Reichtum an Fantasie in den Details wieder wett. So gehört die Visualisierung der Sandmann-Träume und deren Verwandlung in Alpträume zu den designtechnischen Highlights des Films, indes die ameisenartige Organisationsstruktur beim Weihnachtsmann zwar beinndruckend wirkt, letztlich aber aus Humpa-Lumpa- und Minion-Eindrücken zusammengeklaut ist.
:liquid6: ,5

Metallica – Through The Never
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Die nächtlichen, durchaus atmosphärischen, letztlich aber inhaltsleeren Filmsequenzen sind von eher abstraktem Kurzfilm- bzw. Videoclipwert, daher kann „Through The Never“ nicht nach Filmmaßstäben bewertet werden. Eher ist es ein außer Konkurrenz stehendes, verschwenderisch aufwändiges Konzerterlebnis, dem zwischen riesigen Tesla-Spulen, zerbröckelnden Justitia-Statuen und Maschinengewehrfeuer natürlich die Authentizität abgeht, weshalb Hetfields „We don’t need all that shit“-Äußerung gegen Ende ein bisschen aufgesetzt klingt – aber egal, nach dem schonungslosen „Some Kind Of Monster“-Selbstportrait dürfen Metallica auch mal wieder Heldenposen einnehmen, und sie stehen ihnen verdammt gut. Das mit Klassikern zugepflasterte Konzert ist ein audiovisuelles Erlebnis der Extraklasse, bei dem der originale Kuttenträger natürlich wieder aufschreien wird, aber hey, das taten sie schon vor 25 Jahren anlässlich des Musikvideo-Drehs von „One“. Hervorhebenswert an dieser Stelle die Blu-Ray, die das Bild-Ton-Paket hervorragend umsetzt.

The Returned – Season 1
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Erstmals auf die Serie aufmerksam gemacht wurde ich durch das Mogwai-Album “Les Revenants”, das als Soundtrack zur französischen Mystery-Serie fungiert. Da ich es nicht so mit aus dem Zusammenhang gerissenen Soundtracks habe, konnte ich nicht anders, als das Album nur als „ganz nett“ einzustufen. Das Interesse an der Serie habe ich mir aber natürlich behalten. Dank watchever hatte ich jetzt die Gelegenheit – und was soll ich sagen, natürlich ist der Soundtrack doch gut. :D Nicht nur in dieser Kategorie, sondern auch in allen anderen geht die in den französischen Alpen gedrehte konsequent alternative Wege. Oft als „Zombie-Serie“ deklariert, ist „The Returned“ so viel mehr als das. Vielmehr ist es der Reiz, nicht zu wissen, wer diese Menschen sind, die gestorben sind und plötzlich wieder auftauchen, der im Rahmen der ersten acht Episoden so fasziniert. Die Rückkehr der Toten folgt keinen bestimmten Regeln, die Toten selbst verhalten sich kaum anders als vor ihrem Tod (abgesehen davon, dass sie ein erhöhtes Hungergefühl und ein verringertes Schlafbedürfnis verspüren). Es wird also sehr viel im Schatten gelassen, womit sich ein Mut zur Lücke auszahlt, der in einer amerikanischen Serie nur schwer vorstellbar wäre. Dennoch muss eine solche zum Vergleich herangezogen werden; nicht zuletzt dank der malerischen und doch mit urbanen Elementen durchsetzten Berglandschaft drängt sich die Parallele zu „Twin Peaks“ geradezu auf, wenngleich das Surreale bei „The Revenants“ nur aus der Handlung und zum Teil aus der hochwertigen Optik bezogen wird und nicht etwa aus Schnittechniken oder allzu ausgeprägtem Symbolismus.
Für mich die große Hoffnung im qualitativ ja nicht allzu dicht besiedelten Mystery-Sektor, bei dem ja schon Serien wie „Lost“ oder „Fringe“ zu Highlights hochgejubelt werden müssen, weil es sonst nicht viel gibt. Wenn sich die Gelegenheit bietet: Unbedingt reinschauen!
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Hannibal – Season 1
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Eigentlich hatte mir “Hannibal Rising” jedes Verlangen genommen, mehr über Hannibal Lector erfahren zu wollen; manche Figuren möchte man doch lieber als Enigma in Erinnerung behalten, wenn sie sonst mit hanebüchener Psychologie verschandelt werden. Deswegen war mein Interesse an einer TV-Serie zu unser aller Lieblingskannibale trotz des von mir sehr geschätzten Mads Mikkelsen in der Hauptrolle sehr verhalten. Gut, dass ich mich manchmal von positiven Kritiken überreden lasse – die Serie ist (zumindest in dieser ersten Staffel) großartig. Zuallererst: Hopkins hat man dank Mikkelsen bereits nach einer Folge vergessen. Der Däne macht sich die Figur scheinbar mühelos zu eigen, und anstatt sie auszuschlachten, lässt er sie mit stark reduzierter Mimik wieder geheimnisumwittert erscheinen. Aber noch viel überraschender als die Interpretation der Titelfigur: Drehbuch, Look und Atmosphäre sind höchste Güteklasse. Ansatzweise bewegt sich die erste Staffel konzeptionell in Monster-Of-The-Week-Schemata, weil in fast jeder Episode neue Serienkiller auf den Plan treten, aber gerade zum Ende der Staffel hin verzweigen sich die Handlungsstränge immer mehr miteinander, was auch daran liegt, dass die zunehmend surrealer anmutende Visualisierung eine Entsprechung des Geisteszustands von Hauptdarsteller Will Graham ist, der, beeinflusst durch die grausamen Fälle, immer tiefer in seiner eigenen Psychose versinkt. Damit verbunden generiert die eigentlich als Thriller deklarierte Serie in jeder einzelnen Folge mehr Horror als beispielsweise „American Horror Story“ über seine ersten beiden Staffeln.
Es bleibt abzuwarten, wie lange sich dieses Prinzip halten kann, denn es scheint zu instabil, um sein Niveau über mehrere Staffeln hinweg derart hoch zu halten, aber bisher ist „Hannibal“ für mich eine der größten Serienüberraschungen überhaupt, ein psychologischer Thriller, der in Sachen Drehbuch, Optik, Setdesign und Schauspiel die meisten Filme seiner Gattung in die Tasche steckt.
:liquid8: ,5

Misfits – Season 1
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Auch die Briten kommen um den Superhelden-Zug nicht herum, machen aber ihr ganz eigenes Ding daraus und widmen sich einer in Film- und Serienlandschaft stets ignorierten, dafür in Reality Soaps und Asi-TV bevölkerungsreich vertretenen Gattung: Dem Wohnbau-Jugend-Trash. Entsprechend harsch ist der Grundton der Serie, bei der nun wahrlich kein Blatt vor den Mund genommen wird. Der Zuschauer wird praktisch übergossen mit Obszönitäten, keine Verhaltensweise der zum Sozialdienst verdonnerten Jugendlichen wird ausgelassen, immer mit der Gefahr im Hinterkopf, dass dies an der Sympathie der Hauptfiguren knabbern könnte (insbesondere im Deutschen, wo eine der Figuren mit einer schwer erträglichen „Mitten im Leben“-Asisynchro versehen wurde). Allerdings lässt die Serie nie einen Zweifel aufkommen, dass sie sich den Figuren von außen nähern und hinter die trashige Fassade blicken möchte. Entsprechend sind die Superkräfte, die dem Quintett durch einen Blitzeinschlag zugekommen sind, jeweils Entsprechungen der Bedürfnisse der Betroffenen: Der schüchterne Simon kann sich unsichtbar machen, die unsichere Kelly kann Gedanken lesen, Schlampe Alicia wird für jeden begehrenswert, der sie anfasst, Läufer Curtis kann die Zeit zurückdrehen und Nathan… ja, der ist erstmal auf der Suche nach einer Superkraft… mit nicht uninteressantem Ergebnis Schrägstich Cliffhanger.
Auffällig instabil sind die Handlungsbögen; was in einer Folge gilt, kann in der nächsten schon wieder Schnee von gestern sein. Der rapide Wechsel von Ereignissen gepaart mit sehr schrägem Humorverständnis (das insbesondere von Robert Sheehan aka Nathan ausgeht) provoziert Vergleiche mit einer Serie wie „True Blood“, allerdings ist der Look sehr stark auf die grauen britischen Vorstadtslums ausgerichtet. Insgesamt eine erfischend andersartige TV-Serie, bei der es auf jeden Fall einen guten Magen braucht, um mit Elan bei der Sache zu bleiben.
:liquid7:

Misfits – Season 2
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Und weiter im Text. Die Superkräfte scheinen jetzt soweit etabliert, die frisch geborenen Superhelden haben sich gerade an ihre Kräfte gewöhnt, und da sehen sich die Drehbücher auch prompt herausgefordert, die Kräfte auf abgedrehteste Art und Weise miteinander zu kombinieren und vor allem immer wieder mit anderen Kräften kollidieren zu lassen, die jenseits der Fünfergruppe entstanden sind. Vor allem die Berühmtheits-Folge ist ein abgefahrenes Gedankenspiel, bei dem sich Drama und zynischer Humor spielend abwechseln. Robert Sheehan dreht immer weiter auf und lässt seine Co-Stars inzwischen weit hinter sich, auch wenn diese immer wieder ihre Momente bekommen. Tatsächlich wird um Iwan Rheon (Simon) auch langsam ein übergreifender Plot gestrickt, der weitere Ereignisse für die dritte Staffel schon mal vorbereitet und einen Bogen um das Ganze spannt, das bislang wie eine Anarcho-Wolke aus Sex, Gewalt und Schmuddelslang anmutete.
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Beitrag von Vince » 31.03.2014, 18:11

Die Verschwörung
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Unglaublich, dass das bloß ein TV-Film sein soll. Extrem hochwertig gefilmter britischer Agenten-Thriller, der mit zynischen Gesprächen in Großraumbüros (und engen Kopierräumen) allerdings mehr gemein hat als mit Autoverfolgungsjagden und Walter PPKs. Vom antiklimatischen, trockenen Aufbau her zu vergleichen mit der jüngsten Le-Carré-Verfilmung „Dame, König, As, Spion“, aber noch unspektakulärer und unaufgeregter, ist „Die Verschwörung“ hochgradig nuanciertes Schauspielerkino, bei dem Hauptdarsteller Bill Nighy zu ganz großer Form aufläuft als Mann der alten Schule, dessen Prinzipien und Werte von der neuen Regierungsebene auf eine harte Probe gestellt wird. So gesehen eine One-Man-Show mit dennoch hochwertigem Supportcast (Rachel Weisz und Ralph Fiennes nach „Der ewige Gärtner“ wieder gemeinsam in einem Film, aber nie in einer Szene). Nur geeignet für ein Publikum, das die vollständige Abwesenheit von Tempo und Gewalt über eine ganze Filmlänge erdulden kann.
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Noch 1000 Worte
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Wenngleich man um den Aufbau und Ausgang einer solchen Sonntagnachmittagskomödie normalerweise schon vor dem Drehbuchautoren weiß, haben sie aufgrund ihrer ungewöhnlichen, abstrakten bzw. bildhaft zu interpretierenden Prämisse doch manchmal noch einen kleinen Reiz an sich. So wie Jim Carrey in „Der Dummschwätzer“ nur noch lügen bzw. in „Der Ja-Sager“ nur noch ja sagen und nicht mehr ablehnen konnte, spielt Eddie Murphy in „Noch 1000 Worte“ das Plappermaul, das sich auf einmal im goldenen Schweigen üben muss – und damit auf seine Glanzzeiten in den 80ern an, als ihm in Sachen Small Talk keiner das Wasser reichen konnte. Dem Baum und seinem mythischen Kontext, der ein wenig an Murphys „Der Guru“ erinnert, kann man immerhin eine grundsätzliche Originalität zusprechen, leider rettet das nicht viel – zu stark ist der Einfluss des schablonenhaften Skripts, das vorhersehbar seine Bahnen läuft und dadurch zu Tode langweilt, auch wenn das unerbittliche Fallen der Blätter einige Möglichkeiten bietet, mit der Pace zu spielen, was zumindest zaghaft genutzt wird. Trotzdem eine fahle Vorstellung, die nur ein Schatten des 80er-Jahre-Murphy ist und sich damit unauffällig in die lange Reihe der vorangegangenen Rohrkrepierer stellt.
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Intruders
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Öde Special-Effects-Gruselkiste mit dem Scare-Faktor von „Boogey Man“ oder „Das Geisterschloss“, also praktisch 0. Die schwarze Gestalt erschreckt nicht, sondern fegt bloß als Fremdkörper durch die verkrampft auf unheimlich getrimmten Londoner Reihenhaus-Mietwohnungssets. Der „Star“-Faktor Clive Owen zieht auch nicht, und schon gar nicht intensiviert er die Atmosphäre, eher im Gegenteil. Tut nicht wirklich weh, ist aber ein klar unterdurchschnittlicher Genrevertreter.
:liquid4:

Aushilfsgangster
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Einen seltsam ernsten Ton schlägt dieser Stiller-plus-Ensemble-Film an, der eigentlich als Komödie verkauft wird, am Ende aber doch mindestens genauso viel Drama beinhaltet. Dabei eignet sich der haarsträubende Plot nur bedingt für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Arbeits- und Sozialsystem, besser wäre man beraten gewesen, ganz und gar auf die Klamaukschiene zu vertrauen. Schwamm drüber, jetzt ist es eben so und das wertig besetzte Heist Movie nimmt seinen im Ton unentschlossenen, dadurch aber auch wieder ungewöhnlichen und höchstens mit „The Watch – Nachbarn der 3. Art“ vergleichbaren Lauf. Szenenweise funktioniert das auch ganz gut, denn einzelne Gags wie auch rührseligere Momente haben ihre Wirkung, unter dem Strich aber will der Film zu sehr auf die „Komödie zum Nachdenken“ hinaus.
:liquid5:

Flesh & Blood
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Nur einem Paul Verhoeven verzeiht man das dermaßen unverfrorene Scheißen auf historische Einordnung. „Flesh & Blood“ ist eine verflucht unterhaltsame Angelegenheit, versteht sich aber nicht als historische Aufarbeitung, sondern ist eher am mittelalterlichen Setting per se und der Gruppendynamik der Hauptfiguren interessiert, die gemeinsam durch die Lande ziehen und Verhoevens Arbeit zur Abenteuerreise machen. Dabei wird streng genommen selbst die Charakteranalyse eher ausgeschlachtet als ernsthaft betrieben; dass sich ein vergewaltigtes Mädchen etwa in die Situation hineinsteigert, den Spieß einfach umdreht und plötzlich selbst die Zügel in der Hand hält, ist wohl eher einer Fantasie zuzuschreiben als einer fundierten psychologischen Ausarbeitung der Figuren, aber gerade solche Momente tragen enorm zum Unterhaltungswert bei, wahrscheinlich auch, weil Verhoeven einmal mehr den menschlichen Trieb zur monströsen Ausartung stilisiert – nicht etwa, um sie zu verurteilen, sondern um sie wieder ins Bewusstsein des zivilisierten Menschen zu befördern. Das Mittelalter dient Verhoeven an dieser Stelle als ideale Kulisse, bietet es ihm doch reichlich Gelegenheit, Nacktheit, Gewalt und Perversion zu illustrieren, wobei „Flesh & Blood“ in allen Kategorien zwar explizit ist, nie allerdings voyeuristisch.
:liquid7:

Camel Spiders
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Gähnend langweilige Wüsten, steife Militärs, zugeknöpfte Babes und Walzenspinnen, die von CGI wegen zehn Zentimeter über dem Boden schweben – „Camel Spiders“ ist eben lupenreiner Creature Trash, in diesem Fall inspiriert durch Berichte von Soldaten, die bei Wüsteneinsätzen auf riesige Exemplare gestoßen sein sollen. „Riesig“ wird von Trash-Spezialist Jim Wynorski zuweilen als metergroß interpretiert, und so lässt er die verschiedensten Ausmaße auf Teenies und G.I.s los, von Handteller- bis Autogröße, wobei die Opfer bevorzugt im Gesicht attackiert werden und jenes, wild auf dem Boden rollend, begleitet von einer CGI-Blutexplosion als erstes verlieren. Tatsächlich sind die Attacken recht amüsant anzusehen, auch einige Einzelszenen sind fast schon putzig (etwa als der Spinnenexperte in Flussnähe versucht, sich einem Exemplar zu nähern), abseits der Angriffe allerdings ist der Film auch gerade wegen seiner kargen Sets ultrafad.
:liquid3:

Hitchcock
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Ich erwarte von einer Film-im-Film-Biografie nicht unbedingt tiefere Erkenntnisse über die Person, daher habe ich mir “Hitchcock” wohl besser munden lassen können als die meisten Anhänger des Altmeisters – denn trotz der fragwürdigen, viel zu karikaturistisch anmutenden Maskierung Hopkins’ macht der Film einen Heidenspaß. Wer sich ein wenig mit der Person Hitchcocks auseinandergesetzt hat, sei es durch Truffaut-Lektüre oder durch einfache Filmrecherche, der weiß bereits um die Besessenheit des Regisseurs für seine Hauptdarstellerinnen, seine Faszination für das Morbide und die spezielle Beziehung zu seiner Frau Alma, all das ist nicht neu. Doch gerade die Beziehung zwischen Hitchcock und Reville wird von Hopkins und Mirren mit unvergleichlicher Süffisanz geradezu zelebriert und überstrahlt den sehr kulissenhaften, quasi im Aufbau begriffenen Film inmitten der Paramount-Kulissen. Herrlich locker-leicht, auch wenn man zugeben muss, dass „Hitchcock“ auch gerade als Appetizer für eine echte, inhaltlich wertvolle Biografie funktioniert.
:liquid7:

Misfits – Season 3
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Robert Sheehan, der mit seiner wuseligen Art über zwei Staffeln zum Showrunner avancierte, ist erstmal weg vom Fenster, allerdings findet er in Joseph Gilgun einen mehr als würdigen Ersatz, denn sein Rudy hat die gleichen Klassenclown-Qualitäten und definitiv die coolere Superkraft, denn der „doppelte Rudy“ sorgt in so mancher Folge für sehr starke Drehbuchkniffe. Die restliche Truppe ist noch die gleiche, und die Episoden vermischen abgeschlossene Kurzgeschichten mit dem übergreifenden Handlungsbogen um die von Simon (Iwan Rheon) ausgelöste Zeitreise-Ellipse, die in der letzten Episode durchaus zufrieden stellend gelöst wird. Derweil entwickelt der Humor enorm selbstironische Qualitäten, unter anderem über einen Running Gag zu den fortlaufend wegsterbenden Aufsehern; man kann die daraus entstehenden Gags streckenweise fast schon als hysterisch bezeichnen. Insgesamt ein würdiger Abschied von der alten Crew, die ja ab Staffel 4 fast vollständig ausgewechselt wurde (nur Nathan Stewart-Jarrett wird als Curtis noch kurze Zeit dabei sein).
:liquid7:

Weitere Sichtungen:
Thor – The Dark Kingdom
Sharktopus
300 – Rise Of An Empire
The Conjuring
The Wicker Man
Das Kind
The Apparition
Stoker
Thomas Crown ist nicht zu fassen
Frozen Ground

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Beitrag von Cinefreak » 31.03.2014, 23:22

Noch 1000 Worte fand ich nicht schlecht, sogar etwas nachdenklich machend.

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Beitrag von Vince » 04.04.2014, 07:54

Die Jagd
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Am Ende wird es zwar ein bisschen zur Hexenjagd, andererseits führt „Die Jagd“ gerade durch das Ausufern der Ereignisse deutlich vor Augen, wie weit soziale Ausgrenzung führen kann. Das Drama wagt sich an ein sehr schwieriges Thema und meistert es mit nuancierter Vorgehensweise. Ausgangspunkt ist lediglich eine unbedachte Formulierung eines Kindes, die – anfangs noch mit Wohlwollen und lediglich aus Pflichtgefühl – weitergetragen wird, bis sie zu einem Eregnis hochstilisiert wird, das einen Unschuldigen zum Monster stigmatisiert. Der Film verzichtet auf Schwarzweißmalerei und zeigt lediglich von Angst getriebene Menschen, die in der jeweils anderen Partei eine akute Bedrohung erkennen und sich deswegen mitunter verhalten wie Tiere. Mikkelsen in der Hauptrolle ist wieder mal ein Pfund, seine Co-Stars stehen ihm nicht nach. Ein Film mit langem Nachhall.
:liquid8:

Insidious – Chapter 2
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Dankenswerterweise eine Fortsetzung, die sich um einen Sinn bemüht und den ersten Teil rückblickend nur zusammen mit “Chapter 2” vollständig erscheinen lässt, wohingegen der jetzige Cliffhanger mit „Insidious 3“-Versprechen eher angeklebt wirkt. In „Insidous 2“ regiert nun Perspektivwechsel und Neustrukturierungswille – alte Darsteller in teils neuen Rollen und Herausforderungen, neue Darsteller in alten Rollentypen, Zeit- und Sphärenwechsel, neue Gruselelemente kombiniert mit wiederkehrenden Methoden, um Gänsehaut zu erzeugen. Der nun wohl ins Actionfach wechselnde Horror-Neumeister ist in dieser Phase nicht mehr daran interessiert, Neuland zu erkunden, sondern lotet den Winkel des Altbekannten eher aus, um charakteristische Merkmale zu verformen. Dabei gelingen ihm wieder diverse unheimliche Momente, wenngleich man die Mechanik seiner Arbeiten inzwischen bereits kennt (insbesondere, da auch gerade erst „The Conjuring“ erschienen ist) und sich entsprechend weniger schnell auf dem falschen Fuß erwischen lässt. Dennoch ein spannendes, volles, handlungsreiches Sequel mit deutlichem Mehrwert, das bei mir gegenüber „The Conjuring“ in Sachen Atmosphäre und Plot auch leicht den Vorzug bekommt.
:liquid7:

Rock Of Ages
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Lebhafte Musical-Zeitreise mit intensivem 80er-Flair, bei der allerdings die beiden Hauptdarsteller gegenüber der hochwertigen Nebenbesetzung sehr blass bleiben. Gerade Tom Cruise stiehlt den beiden unbekannten Babyfaces mühelos die Show – immer wieder beweist er, dass er gerade in Nebenrollen noch überraschen kann, wobei es schon arg ironisch ist, dass er seine beste Leistung seit langem ausgerechnet in einer Rolle als Superstar liefert, die er ja letztlich in jeder seiner Hauptrollen automatisch bedient. Hervorhebenswert natürlich auch Alec Baldwin als Barbesitzer mit offensichtlichen Hippie-Ursprüngen und Paul Giamatti als schmieriger Agent. Einige Szenen mögen etwas erzwungenes (Over-)Acting bieten, im Gesamtbild relativiert sich das aber, da sehr viel mit Selbstironie gearbeitet wird (wunderbar: die Boyband-Einlagen zum Ende hin). Außerordentlich gut vor allem auch die Ausstattung und das gesamte Produktionsdesign, das zwar protzig und oberflächlich daherkommt, schließlich geht es bei „Rock Of Ages“ aber ja auch um den Untergang der Rockmusik, als Glam-Rock und Kuschel-Pop das Regiment übernahmen.
:liquid7:

Sherlock Holmes – Der Hund von Baskerville
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Da wird gleich sichtbar, was bei der aktuellen „Sherlock“-Serie noch fehlt: Hochatmosphärischer Einstieg in die Detektivreihe mit Basil Rathbone, der durch neblige Kulissen in Kombination mit unheilvollen Andeutungen eine Schaueratmosphäre erzeugt, die aber auch immer wieder durch süffisante Einlagen aufgelockert wird. Schön kurz und knackig, ganz ohne Längen, Sherlock agiert noch mit Watson anstatt zu delegieren, so macht das Ermitteln einen Riesenspaß und die Vorfreude auf die restlichen 13 Episoden der Filmreihe wird entfacht.
:liquid7: ,5

Hemlock Grove – Season 1
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Vampire und Werwölfe... schon wieder, Herr Roth? Man möchte es nicht gerade Perlen vor die Säue nennen, aber den herrlich schnoddrigen Local-Look, dieses Nebeneinander von Wohnwagen-White-Trash, Slasher-Woods und Biochemie-Industrie, von Anzügen, Villen, Aristokraten, Mondlicht und billigem Tand in kranken Gelb- und Grünpastelltönen, das hätte man sich ja auch mal für einen neuen Horror-Themenbereich aufsparen können. Immerhin, allzu offensiv ausgesprochen wird die Anbiederung an aller weiblicher Geschöpfe Lieblingshorrorgestalten nicht, und manchmal deutet man die Nähe zu Stephanie Meyer auch selbstironisch an; überflüssig ist es dennoch, zumal die Produktion des Hostel-Machers (der im Piloten, dem optisch besten Teil der ersten Staffel, auch Regie führt) über seine ersten 13 Folgen nicht genau weiß, wie es all die Mythologien zusammenwerfen soll, die es aufgreift. So gesehen ein unfreiwillig komischer kleiner Bruder von „True Blood“ mit einem Hauch „Twin Peaks“ in trashy – optisch / ausstattungstechnisch immerhin interessant und auch wegen einiger Nebendarsteller sehenswert (u.a. Famke Janssen, Lili Taylor und die Battlestar-Galactica-Veteranen Kandyse McClure und Aaron Douglas).
:liquid5:

Bates Motel – Season 1
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In diesem Fall haben mich die Vorschusslorbeeren dann doch ein wenig in die Irre geführt. Angestachelt durch die wider Erwarten großartige erste Staffel von „Hannibal“ wurde ich auch angefixt auf „Bates Motel“, das mit einer ähnlichen Hypothek ins Rennen ging, nämlich eine Figur mit Hintergründen zu illustrieren, die von Film wegen gerade durch ihre unklaren Hintergründe und Motivationen Faszination ausstrahlte. Steigerte „Hannibal“ diese aber sogar noch, kann man bei „Bates Motel“ schon fast von Entmystifizierung sprechen, wenn auch auf hohem Niveau und bei großem Unterhaltungswert; mag die Verlagerung der Handlung in die Jetztzeit noch unter die künstlerische Freiheit fallen (wenngleich mir die Serie mit schöner Retro-Ausstattung wohl besser gefallen hätte), so gilt dies nicht für die Charakterisierung Norman Bates’ und auch gerade Norma Bates’, die in Hitchcocks Vorlage eben nur andeutungsweise mit von der Partie ist. Das Mutter-Sohn-Verhältnis widerspricht jedenfalls so ziemlich jeder Vorstellung, die man sich aufgrund des Films bilden konnte, sie wirkt klischeehaft und oberflächlich; die Mutter eine nervige, mit Psychosen und Altlasten gebeutelte Self-Made-Woman, ihr Sohn ein schüchternes, gleichwohl sturköpfiges und neugieriges Balg, das unerklärlicherweise an seiner Schule als Frauenmagnet funktioniert. Dazu noch ein ausgestoßener Bruder, der so gar nicht ins Konzept passen mag, und die Stadt mit all ihren kleinen Nebenstories als zusätzlicher Antagonist, der die Serie ausdauernd mit neuen Handlungsbögen versorgt. Keine Frage, die Produktionswerte sind hoch, die Motel-Sets sind den Originalen authentisch nachempfunden, der Drehort wirkt herrlich abseitig (und damit zeitlos, was all die iPhones und anderen verräterischen Gegenstände der Gegenwart etwas abmildert) und generell stimmt der Unterhaltungswert, aber irgendwie hätte man sich dann doch etwas Geschmackvolleres erhofft als ein hysterisches, psychologisch unterentwickeltes Prequel zum Film.
:liquid4: ,5

The Munsters – Die komplette Serie
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Die Munsters folgen eher als die „Addams Family“ dem typischen Ablauf einer Sitcom, stellen sie doch weniger abstrakt und kalt bzw. phantastisch das Negativ einer typisch amerikanischen Familie dar und fungieren damit quasi als Vorläufer von Serien wie „Roseanne“ oder auch den „Simpsons“. Viele Gags basieren darauf, dass bei den Munsters als angenehm empfunden wird, was „normalerweise“ als abstoßend empfunden wird, womit die Serie den Fokus auf gesellschaftliche Abgrenzung des vermeintlich Abnormalen legt – und die Pointe liegt darin, dass die Außenseiter gar nicht bemerken, dass sie von der restlichen Welt als andersartig empfunden werden. Die Gags sind im Aufbau recht stupide und direkt, werden dabei meist durch visuelle Hilfsmittel unterstützt; gerade das alte Haus ist quasi eine bewohnbare Trickfalle: An jeder Ecke verbirgt sich eine Mechanik, die kuriose Dinge zum Vorschein bringt, welche die Familie amüsiert und gelegentliche Besucher erschreckt. Hier, bei der geschmackvollen Innenausstattung volle Spinnweben und Effekte, haben die „Munsters“ ihre größten Stärken, zu denen aber auch die Darsteller beitragen. Zumindest Fred Gwynne, Yvonne de Carlo und Al Lewis haben ikonische Figuren erschaffen, während Butch Patrick als Sohnemann und Pat Priest (anfangs Beverley Owen) als hübsche, blonde Außenseiterin (die von der Familie als hässlich empfunden wird und dennoch fester familiärer Bestandteil ist) Stichwortgeber bleiben. Über 70 Folgen in zwei Jahren sind dabei schon eine Menge Holz, und das merkt man auch, als die Plots bereits Mitte der ersten Staffel beginnen, sich stark zu wiederholen (meist wird irgendein heimliches Talent bei Herman Munster entdeckt und er wird zum Star). Immer noch amüsant und mit dem stark überkontrastierten Schwarzweiß von einem besonders staubigen Charme, aber in seinen komödiantischen Mitteln auch stark begrenzt.
:liquid6:

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Beitrag von Montana » 11.04.2014, 12:48

Hannibal S1 hat mir auch sehr gut gefallen. Die Qualität der Folgen, die sehr Ruhige herangehensweise haben mich enorm angesprochen. Die figur des Hannibal wird dermassen normal dargestellt das man sich zwischenzeitlich fragt ob nicht wohl doch Will Graham als Hannibal installiert werden soll. Dieser selbst wird auch herrvoragen portraitiert. Die besten "Hannibal" scenen blieben dann auch einem "nachahmungstäte" vorbehalten welcher gleich 2 Folgen beschert bekommt die mir ausserordentlich gefallen haben. Das Fall der Woche prinzip ist bei dieser Serie fast schon störend, auch wenn die Fälle immer hervorragend in die Hauptstory integriert werden. Zum glück trifft dieser Fall der Woche aber nur zu beginn ein und im verlauf der Serie taucht mann immer mehr in die Psyche von Will Graham ab. Sehr gelungen finde ich auch das man nicht strickt den Vorlagen folgt sondern ein neues Universum aufbaut, das zwar auf das Wissen um die Vorlage aufbaut, diese aber nicht kopiert.

Der Auftackt ist überigens schwer genial, hab in ob den lobgesängen der Kritiker auf Englisch gesehen und was soll ich sagen? Ich kann die 2te Staffel kaum erwarten, Der aufftakt ist dermassen Intensiv und Verheissungsvoll! Auch die retslichen Folgen habe durchwegs sehr gute Bewertungen erzielt und bei dieser Serie decke ich mich meist mit den Kritikern:-)

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Beitrag von Vince » 02.05.2014, 11:49

Mega Monster Movie
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Die übliche Scary-Movie-Chose eben, wie gehabt noch eine Etage tiefer angesiedelt als die zuletzt ja in die fünfte Runde gegangene Originalreihe, die ihrerseits ja schon davon träumt, auch nur in die Nähe der “Nackten Kanone” zu kommen. Um so tragischer, dass die „Nackte Kanone“ himself hier kurz vor ihrem Tod teilnimmt, warum auch immer. Den Film macht Leslie Nielsen als Transen-Barkeeper nicht besser, und so stolpert die als Halloween-Road-Movie angelegte Filmzitaterie in ihr albernes Schicksal, fährt pflichtbewusst von Freddy (mit Gangster-Outfit) über Pinhead (mit Heroinnadeln und Heftwecken anstatt Nägeln in der Birne) bis Jason (sieht eigentlich so doof aus wie immer) so ziemlich alle Horrorikonen auf, die man von solch einem Film eben auch erwarten würde. Und das so ganz ohne gute Pointen. Spitzenleistung.
:liquid3:

Tarzan
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Eines der vielen generischen Disney-„Meisterwerke“, die allesamt sicher schöne Filme sind, aber „Tarzan“ gehört zu der Sorte Disney, die über ihren designierten Status hinaus keinerlei herausstechende Merkmale aufweisen. Eindrucksvoll und inzwischen mit Computerunterstützung animiert (die von Donner und Blitz gepeitschte Opening Sequence sticht heraus), waghalsige Achterbahnperspektiven durch sattes Grün, wenig Zivilisation und viel nativer Elan reichen nicht, um zu den wahrhaft gefühlten Disney-Meisterwerken aufzuschließen, auch wenn handwerklich keine Vorwürfe zu machen sind und mancher Besonderes mit dem Film verbinden mag. Mir ist die Hauptfigur zu hampelig gezeichnet, der Culture Clash nicht durchbrechend genug, die Gut-Böse-Zeichnung zu holzschnittartig. Trotzdem natürlich Entertainment auf hohem Niveau, weil die Erzählung wie immer sehr geschlossen und mit viel Elan umgesetzt wird.
:liquid7:

Liebe
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Der vielleicht unerträglichste Film seit Ingmar Bergmans „Schreie und Flüstern“. Haneke interpretiert das große L-Wort schon sehr ungewöhnlich, aber nicht minder interessant, allerdings doch extrem schmerzhaft. Was wie eine fast schon komische Pointe an einem gewöhnlichen Morgen beginnt, entpuppt sich als quälender Alptraum für die Hauptfigur. Abgesehen von der hervorragenden Schauspielführung (Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva liefern Hervorragendes) erkennt man den Regisseur am inzwischen gedämpften Spiel mit der zeitlichen Abfolge (wobei der Hauptteil des Filmes allerdings chronologisch abläuft) und der klinischen Bildsprache im gehobenen Milieu, die vor allem „Caché“ wieder ins Bewusstsein ruft. Hanekes Figuren sind dem Schicksal des Todes völlig ausgeliefert, was auch daran liegt, dass es ihnen an nichts außer Jugend und Gesundheit mangelt, und der Regisseur interessiert sich in erster Linie für den Umgang der einen Person mit der Krankheit der anderen. Äußere Faktoren, die der sensiblen Beziehung eine neue Richtung geben könnten, finden lediglich als Steppvisite statt (Besucher der [Schwieger-]Tochter oder eines ehemaligen Klavierschülers, der inzwischen ein gefragter Pianist ist), die wahren Diskurse finden innerhalb der privaten Aura der beiden Ehepartner statt. Von der Eröffnungssequenz, die sofort dichte Traurigkeit über den Film legt, zur Traumsequenz, die sehr an jene aus Bergmans „Wilde Erdbeeren“ erinnert, über die geradezu schockierende Waschszene bis zur Pointe, wie man sie hat kommen sehen, ist „Liebe“ ebenso groß wie niederträchtig und so sehenswert wie abstoßend.
:liquid8:

Big Ass Spider!
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Über zahnlose Trashvertreter der Marke „Camel Spiders“ erhebt sich Mike Mendez’ Beitrag zum Spinnen-Horrorfilm immerhin in die Liga von „Arac Attack“ und „Infestation“, auch wenn die Suche nach Ebenbürtigkeit zu „Arachnophobia“ erwartungsgemäß weiter anhält. Die in Zeitlupe ablaufende Eröffnungssequenz, bei der die Spur des Helden sich mit derjenigen der fortlaufenden Zivilisten kreuzt, bereitet schon mal einen idealen Start – so muss man so ein Ding aufziehen. Mendez hat verstanden, dass man von Anfang an eines klar machen muss: Das Teil soll rocken und bloß soll es keiner zu ernst nehmen. Dafür ist auch mit Hauptdarsteller Greg Grunberg („Heroes“) gesorgt, dem man den Helden ähnlich gut abkauft wie einem Kevin James.
Seine Dramaturgie bestreitet Mendez über das countdownartige Anwachsen der Spinne von Normal- bis zu King-Kong-Ausmaßen, und obwohl der Film dadurch darauf angewiesen ist, sich überwiegend mit nur einem Exemplar über Wasser zu halten, anstatt wie „Arac Attack“ den Weg der Artenvielfalt zu gehen, glückt die Konzentration auf das eine Kugelspinnenweibchen. Mit ihrer Masse verändern sich eben auch die Angriffsstrategien, was sich das Drehbuch klug zunutze macht: Anfangs gibt es ein paar hinterhältige Attacken mit erhöhtem Ekel- (Angriff im Kanalrohr) bzw. Gruselfaktor (Angriff im Krankenbett), später verschiebt sich alles zugunsten von Effekten und Spektakel, wenn ein ganzer Park geräumt und später ein Hochhaus bestiegen wird. Von Grunberg und seinen Mitstreitern (u.a. Ray Wise) darf man durchweg ein gutes Maß an ironisch angelegtem Humor erwarten, der vor allem deswegen gefällt, weil ihr das genretypische hysterische Aneinanderreihen von Gags abgeht, um eine Quote zu erreichen. Am Ende hätte man sich vielleicht tatsächlich noch mehr Szenen mit vielen kleinen als nur einer großen Spinne gewünscht, aber dafür wurden ja dann Sequels erfunden…
:liquid6:

Cabin Fever 3 – Patient Zero
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Mit dem Bitchfight der Infizierten am Strand hat „Cabin Fever 3“ zwar ein echtes Highlight der Sauereien zu bieten, ansonsten überrascht der Film mit recht wertiger Kameraarbeit (starke Eröffnung) und einer verhältnismäßig komplex arrangierten Auflösung der Story, allerdings geht „Cabin Fever 2“ der eigentliche Reiz ab, den der erste und der unterschätzte zweite Teil ausübten. Der Titelzusatz deutet es an – „Patient Zero“ dekoriert eine Idee, die eigentlich nur als impressionistische Momentaufnahme für den kleinen Ekel zwischendurch funktioniert, mit einem überambitionierten Plot, wo man einen solchen gar nicht braucht – erst recht nicht, wenn ein Charterboot mit Junggesellenabschieds-Trio hindurchgeleitet. Die Versessenheit auf eine überzeugende Story wirkt sich leider negativ auf einige nichtssagende Drehbuchmomente auf, die man besser mit puristischen Andeutungen der Ausbreitung des Virus gefüllt hätte – ganz ohne Wissenschaftseinrichtungen oder andere Interessensgruppen als jene, die dem Virus entgehen wollen. Keineswegs ungenießbar, aber doch klar das Schlusslicht der Reihe.
:liquid4:

Tyrannosaur
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Kann man einen Film als geglückt betrachten, der die Hauptfigur in der Eröffnungsszene ihren eigenen Hund aus Wut über einen anderen Menschen tot treten lässt und der dann versucht, im weiteren Verlauf seine Menschlichkeit zu betonen? Schwierige Frage, die letztlich von der Toleranz jedes einzelnen Zuschauers abhängt. Mir persönlich hing die Szene die gesamte Laufzeit über schwer im Magen und auch wenn ich dem Regisseur abkaufe, dass sein Produkt nur eine durch die Umwelt geprägte arme Wurst ist, wollte ich ihr doch gleichermaßen die Rippen eintreten. Womit bewiesen wäre, dass Paddy Considines Regie-Langspieldebüt eben doch funktioniert. Obwohl der Film viele poetische Züge im Sinne einer Yin-Yang-Ausgeglichenheit trägt, ist er zugleich ein authentisch wirkendes Milieudrama mit teils unerträglich wirkenden Schandtaten verschiedener Menschen, die sich Grausames antun. Ein unbequemer Film, den ich wahrscheinlich nie wieder ansehen werde, aber er regt eben auch zum Nachdenken über die abstrakte Vorstellung des Bösen / Monströsen an.
:liquid7:

The Colony
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Unoriginelle Eiszeit-Dystopie mit Versatzstücken aus allseits bekannten Vorlagen, die aber mit unerwartet atmosphärischen Bildern, einem geschickt eingesetzten Budget und einem guten Cast aufwarten kann und aufgrund dieser Faktoren durchweg starke Unterhaltung bietet. So wurden beispielsweise preiswertere Aufnahmen im Inneren der Kolonie raffiniert mit aufwändigeren Außenaufnahmen verschnitten, so dass die Illusion einer endlosen Eiswüste entsteht, obwohl man von ihr vielleicht nur wenig sieht, wenn man nach der Netto-Spielzeit geht. Der Trip zur nächsten Kolonie und zurück hält so manchen Drehbuchkniff bereit, der die Darsteller immer wieder vor neue Herausforderungen stellt; auch die Parallelmontage der Geschehnisse vor Ort, wo Paxtons Figur die Führung der Gruppe langsam an sich reißt, und auf Tour, wo Fishburnes Figur Paxton nicht unmittelbar unter Kontrolle hat, geht wunderbar auf. Will man Kritik anbringen, muss man dies vielleicht noch am ehesten an dem eher am Reißbrett entworfenen Grundszenario und an den zwischen „30 Days Of Night“ und „Doomsday“ angelegten Gegnern.
:liquid6:

The Impossible
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Das Einzelschicksal einer Familie macht sich das Katastrophen-Melodram zu eigen, um vielleicht im weitesten Sinne darauf aufmerksam zu machen, welche Auswirkungen eine Naturkatasrophe auf Individuen haben kann; eine Leistung, die verwaschene Amateurbilder aus den Nachrichten nicht zu bringen imstande sind, weil sie einfach zu abstrakt, eben „unvorstellbar“ sind. Zwar hangelt sich der Regisseur trotz des „true story“-Unterbaus an erzählerischen Klischees entlang (besonders später, als ein Junge durch kleine Dienste an den Hilflosen Großes vollbringt), allerdings lässt das Resultat unter Garantie nicht kalt. Die gewählte Perspektive ist gnadenlos, nichts entgeht dem offenen Auge der Kamera in der Mittendrin-Position, auch nicht unangenehme Situationen (wie die vor dem eigenen Sohn entblößte Brust), wodurch ein extremes Maß an Empathie erzeugt wird, was den Zuschauer intensiv mitfiebern lässt. An den größeren wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Konsequenzen des Tsunamis hält sich „The Impossible“ in der Folge gar nicht erst auf, womit man ihm eine gewisse Oberflächlichkeit unterstellen könnte, da das Interesse rein auf den dramaturgischen Faktor beschränkt ist. Aber er ist einfach so soghaft umgesetzt, auch dank der starken Leistungen von Watts, McGregor und der Kinderdarsteller, dass man diese Vorwürfe kaum stellen möchte.
:liquid7:

Demons 2
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Die Fortsetzung des eigenwilligen Dämonenschockers „Demons“ ist nochmals um einiges trashiger und vor allem zerfahrener ausgefallen. Folgte der erste Teil in seiner Kompaktheit noch eher dem Terrorkino der 70er, zeigt sich „Demons 2“ vom Körperhorror der 80er inspiriert. Die Schlüsselszene gleich zu Beginn zollt überdeutlich Cronenbergs „Videodrome“ Tribut, während ein wild kichernder Gnom, der aus dem Körper eines Besessenen bricht, stark an „Gremlins“ angelehnt ist. Ein ganzes Miethaus ist diesmal Schauplatz, womit größere Längen wie im Vorgänger vermieden werden, auch wenn in Punkto Kontinuität und Logik geschlampt wurde: Wann sich die Infizierten verwandeln, unterliegt völlig der Willkür des Drehbuchautoren, auch werden unzählige Handlungsstränge aufgemacht und nicht immer geschlossen. Die Effekte knüpfen im Wesentlichen an Bestehendes an, wobei einige Einfälle übers Ziel hinausschießen und eher albern als eklig wirken. Argentos Tochter Asia ist hier übrigens in ihrer ersten Rolle zu sehen.
:liquid5:

Weitere Sichtungen:
Return Of The First Avenger
Tomorrow, When The War Began
Universal Soldier – Day Of Reckoning
Trespass
Star Trek VII – Treffen der Generationen
Star Trek VIII – Der erste Kontakt

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Beitrag von MarS » 06.05.2014, 15:38

Vince hat geschrieben: The Colony
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Unoriginelle Eiszeit-Dystopie mit Versatzstücken aus allseits bekannten Vorlagen, die aber mit unerwartet atmosphärischen Bildern, einem geschickt eingesetzten Budget und einem guten Cast aufwarten kann und aufgrund dieser Faktoren durchweg starke Unterhaltung bietet. So wurden beispielsweise preiswertere Aufnahmen im Inneren der Kolonie raffiniert mit aufwändigeren Außenaufnahmen verschnitten, so dass die Illusion einer endlosen Eiswüste entsteht, obwohl man von ihr vielleicht nur wenig sieht, wenn man nach der Netto-Spielzeit geht. Der Trip zur nächsten Kolonie und zurück hält so manchen Drehbuchkniff bereit, der die Darsteller immer wieder vor neue Herausforderungen stellt; auch die Parallelmontage der Geschehnisse vor Ort, wo Paxtons Figur die Führung der Gruppe langsam an sich reißt, und auf Tour, wo Fishburnes Figur Paxton nicht unmittelbar unter Kontrolle hat, geht wunderbar auf. Will man Kritik anbringen, muss man dies vielleicht noch am ehesten an dem eher am Reißbrett entworfenen Grundszenario und an den zwischen „30 Days Of Night“ und „Doomsday“ angelegten Gegnern.
:liquid6:
Das kann man fast unterschreiben. Ich würde nur "atmosphärisch ziemlich dicht" hinzufügen und einen Punkt mehr geben. Was mich an dem Streifen aber echt gestört hat, war die Verfolgung. Bei dem dort gezeigten Schneetreiben bezweifle ich, dass die Fußspuren tatsächlich noch sichtbar gewesen wären. Dadurch wirkte dieser Teil etwas zu konstruiert, was an der Spannung genagt hat.

Und Tarzan könnte man ruhig auch einen Punkt mehr geben. :wink:
Alleine die Musik von Phil Collins haut hier eine Menge raus.

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Beitrag von Vince » 06.05.2014, 17:51

Zugegeben, der deutsch singende Collins (in der deutschen Fassung) ist irgendwie putzig. ;)

Bzgl. des Schneetreibens bei Colony: Ach naja, ich glaub in dem Moment war da ja gar nicht son dichter Schneesturm und die Typen waren auch nicht so weit hinterher, ich halte das schon für möglich, dass man die Spuren da noch nachverfolgen konnte.

Wieder Neues:

Wolking mit Aussicht auf Fleischbällchen 2
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Die kindliche Überdrehtheit ließ sich beim ersten Fleischbällchenfilm noch verschmerzen, weil die Grundidee viel Potenzial hatte und man dieses bisweilen auch nutzte, um auf dem Bildschirm eine Orgie der CGI-Texturen abzuhalten: Von der Wackelpuddingburg bis zum Spaghettitornado ging da so einiges, wobei der angeschlagene Ton sich wohltuend von anderen Computeranimationsfilmen abhob. Das Sequel hat all diese Vorzüge nur noch bedingt, denn zu sehr sticht der schablonenhafte Plot hervor, das sich bei der Kreuzung von Essen und Tier (wobei die Tatsache, dass auch Tiere in unserer Gesellschaft teilweise als Nahrungsmittel betrachtet werden, kaum genutzt wird) viel zu ausladend auf dem Drehbuch von „Vergessene Welt“ ausruht. Auch ist die Handlung viel zu abstrakt – Der ehrenwerte Ansatz eines kleinen Erfinders wird von der Massenindustrie überrollt und für böse Zwecke eingesetzt, so what? Die Corporate-Industry-Elemente sind einfach nicht greifbar, im ganzen Design viel zu sehr SciFi, um Emotionen zu erzeugen, und auch die an sich ja ganz originellen Essen-in-Tierform-Kreaturen erzeugen nur wenig Empathie. Darüber hinaus wirken die Animationen viel zu glatt und strukturlos, was den hysterischen Charakter des Humors unvorteilhaft unterstreicht.
:liquid4:

Dick Tracy
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Eigenwillige Comicstripverfilmung, quasi die Neon-Version von Tim Burtons „Batman“, bedingungslos originalgetreu in Sachen Farbgebung und Maske, damit samt und sonders Geschmacksfrage. Klischees der schwarzen Serie werden in quietschbunten Bildern herausgehoben und dabei Kontraste verwendet, die denen der Blütezeit des Film Noir in nichts nachstehen. Die Stadt ein grelles Labyrinth aus Matte Paintings und Studiokulissen, ebenso künstlich wie eindrücklich. Warren Beatty, der auch auf dem Regiestuhl saß, ist die Idealbesetzung für den Privatdetektiv, Al Pacino unter seiner Maske ein wenig gewöhnungsbedürftig, Madonna als Femme Fatale mit deutlichen Marilyn-Monroe-Zügen funktioniert abgesehen von ihrer dünnen Stimme sehr gut, und in den Nebenrollen lassen sich allerlei Gangster- und Charaktervisagen wie William Forsythe, James Caan, Dustin Hoffman und Kathy Bates finden. Da muss man schon Appetit drauf haben, aber wenn’s knallt, dann knallt’s.
:liquid7:

Glaubensfrage
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Meryl Streep und Philip Seymour Hoffman ideal besetzt in einem stark kontextbezogenen 60er-Jahre-Drama über einen Komplex aus Vertrauen und Glauben, greifbar gemacht über Minderheitenthemen wie Homosexualität und Rassismus. Der insgesamt bedächtig gehaltene, eher innerlich aufwühlende Dialogfilm wird perfiderweise mit den Mitteln eines klassischen Hitchcock-Thrillers gewürzt, insofern man ebenso wie Streeps Charakter im Dunkeln darüber gelassen wird, ob und welche Leichen der Priester verbirgt, dabei dreht sich die Kernfrage nicht darum, was wer getan hat, sondern wie Misstrauen das Leben von Menschen zu zerstören neigt – und weil man selbst zunehmend Misstrauen hegt, steigt die Identifikation mit der Schwester trotz ggf. extrem unterschiedlicher Lebenseinstellungen enorm. Manchmal streut das Drehbuch zu offensichtlich seine kleinen Hinweise für oder gegen die Schuld des Priesters ein, angesichts der herausragend geschriebenen, vielschichtigen Dialoge, von denen ein Gespräch zwischen Streep und Hoffman sogar als denkwürdig herausragt, ist das aber zu akzeptieren.
:liquid8:

Sightseers
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Eigenwillige britische Roadmovie-Groteske im HD-Look, deren schwarzer Humor – welcher hier gar nicht mal so typisch britisch anmutet – beißend ist und dessen finale Pointe all die halbgaren Enden so vieler vermeintlich bissiger Filme mühelos abfrühstückt. Großartig. Die beiden Hauptdarsteller verbinden Drama und Komödie zur untrennbaren Einheit, mit jeder Episode ihrer Wohnmobiltour verschärft sich der angeschlagene Ton ein bisschen mehr. „Sightseers“ ist ganz klar Geschmackssache, aber wenn er einen Nerv beim Zuschauer trifft, dann so richtig.
:liquid7:

Werner – Eiskalt
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Nach „Gekotzt wird später“ nun also „Eiskalt“, und tatsächlich, beim hier Gebotenen kriegt man das kalte Kotzen. Sich selbst als ausrangierten Comicautoren zu inszenieren, der nicht mehr im Trend der Zeit ist, hat anno 90 vielleicht noch funktioniert, inzwischen ist der Keks aber längst ausgebröselt. Die wieder offensichtlich (und schlecht) mit Computeranimationen unterstützten Trickaufnahmen entbehren längst jedem Reiz und jeder Pointe, was bei den Realfilmsequenzen ohnehin durchweg der Fall ist, obwohl es ja mal ganz witzig ist, die Vorlagen der Comicfiguren in Natura zu sehen. Dennoch, Brösel verpasst hier die Chance, dem Rockerkult ein Revival zu verpassen. Die Chance wäre dagewesen in einer Zeit, in der Vintage angesagter denn je ist – aber die ganze Flaschbier-Attitüde wirkt einfach ausrangiert und bemitleidenswert.
:liquid2:

Weitere Sichtungen:
Prisoners
Frankensteins Todesrennen

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Beitrag von MarS » 06.05.2014, 19:11

Vince hat geschrieben: Bzgl. des Schneetreibens bei Colony: Ach naja, ich glaub in dem Moment war da ja gar nicht son dichter Schneesturm und die Typen waren auch nicht so weit hinterher, ich halte das schon für möglich, dass man die Spuren da noch nachverfolgen konnte.
:shock: Hab ihn auf DVD gesehen. :shock: Vielleicht macht das doch einen Unterschied aus. :D

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Beitrag von Vince » 11.05.2014, 11:19

Die Sehnsucht der Frauen
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Für Bergmans Verhältnisse ein ungeheuer lockeres, helles, dabei auch unstrukturiertes Werk, bestehend aus Episoden, die von verschiedenen Erzählerinnen getragen werden und stark unterschiedliche Stimmungen aufweisen. Insbesondere die letzte Episode hat kaum noch etwas mit dem typischen Bergman zu tun, der doch immer das große Drama sucht, sondern reiht sich fast nahtlos in die US-Screwball-Comedy der 40er Jahre ein (beinahe glaubt man, Cary Grant mit Greta Garbo im Aufzug stecken zu sehen). Der Schwede kann also auch heiter. Im Gesamten trägt „Die Sehnsucht der Frauen“ natürlich dennoch einen nachdenklichen Ton, der oft in emotionalen Wirrungen aufgelöst wird, wie sie eben nun mal entstehen, wenn sich Frauen über ihre Gefühle unterhalten. Ein schöner Film, wenngleich sicher eher eine Art Fingerübung und weniger von jener zwingenden Sorte, die man zu Bergmans Meisterwerken zählen würde.
:liquid6:

Die Zeit mit Monika
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„Die Zeit mit Monika“ folgt chronologisch der „Sehnsucht der Frauen“ und greift auch dessen Abschlussmotiv wieder auf: Ein Junges Paar ergreift die Flucht vor den Zwängen der Erwachsenenwelt und verschwindet mit einem Boot, um den eigenen Träumen nachzujagen. Der dabei entstandene Film ist einer der unscheinbaren Art geworden: Vermeintlich schlicht gestaltet sich die Erzählung, bündelt aber in einfach gehaltenen Bildern dermaßen viele Informationen, dass sich am Ende aus einem geradlinigen, eskapistisch motivierten Jugendabenteuer das Bild eines komplexen Dramas lichtet, das viel mehr Substanz beinhaltet als es vielleicht auf den ersten Blick preisgibt. Zugleich ist dies auch ganz klar der Film von Harriet Andersson, die als 21-Jährige in ihrer ersten Hauptrolle ein bildschirmfüllendes Charisma ausstrahlt, das für eine lange gemeinsame Karriere mit Ingmar Bergman sorgen würde. Bergmans Philosophie über die Beziehung zwischen Mann und Frau zeichnet sich hier so essenziell wie nur möglich ab, wenigstens war sie selten weniger von Metaphern und Bildern verdeckt als hier.
:liquid8:

Wie in einem Spiegel
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Nach Ansicht von „Die Zeit mit Monika“ ist es nur folgerichtig, dass Ingmar Bergman seine Stamm-Aktresse Harriet Andersson auch einmal als eine Frau besetzen würde, die einer Reihe von Männern – ihrem Vater, ihrem Bruder, ihrem Mann – als Spiegel dienen würde. Das Kammerspiel mit nur vier Akteuren ist schon klar der düsteren Mittelphase des Regisseurs zuzuschreiben – ein „Spinnengott“ offenbart sich da einer geistig Kranken, die immer häufiger die oberflächlich harmonisch und innerlich brodelnde Realität verlässt und sich in den Dienst höherer Mächte auf der anderen Seite stellt, derweil die Männer, die mit ihr umgehen müssen, sich ihrem eigenen Inneren stellen. Bergman selbst mochte den Film nicht, weil er ihm zufolge zu sehr der Verdrängung folge und daraus könne kein großes künstlerisches Werk hervorgehen, dabei ist „Wie in einem Spiegel“ herausragendes Bühnenkino, das gekonnt mit Metaphern spielt und spielend mit Stimmungen der Geborgenheit, der Bedrohung und der Bedrückung jongliert.
:liquid8:

Nosferatu (Werner Herzog)
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Weil der Murnau-Film nach wie vor alles überstrahlt, wird Herzogs Remake oft unter Wert verkauft. Die Komposition aus Bild und Ton ist in seiner Version meisterhaft und dient der ohnehin erdrückenden Präsenz Klaus Kinskis als Verlängerung in den Szenen, in denen er nicht selbst auftritt: Fahle, oft in der Flüchtigkeit des Zwielichts eingefangene Farben, ausgefallene Licht- und Schattenspiele insbesondere in den blassen, hohen Gemäuern des Grafen und der expressionistische Look aller Schauplätze verknüpfen sich mit der bedrückenden Musik Popol Vuhs und erzeugen eine surreale Atmosphäre, die von Trauer und Verzweiflung gezeichnet ist. Kinskis Maske wirkt in vielen selbst harmlosen Szenen verstörend, gerade weil man spürt, wie er sie von innen heraus zum Leben erweckt, und Bruno Ganz’ Darstellung trägt ganz die Züge eines Opfers in sich, insofern er voller Elan an einer Aufklärung zunächst seines Auftrags und dann seiner persönlichen Motive arbeitet, jedoch dem Grafen, der gerade durch seine Überlegenheit eine endlose Depression ausstrahlt, spürbar immer einen Schritt hinterher ist. Auch Isabelle Adjani erweckt den Eindruck, besser hätte man ihre Rolle nicht besetzen können, weil sie die Ansprüche, Verletzlichkeit und Schönheit zu vereinen, einmal mehr sogar übertrifft.
:liquid8:

Der Clan der Sizilianer
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Mafiadrama trifft Heist-Movie bei der nüchtern eingefangenen Planung und Durchführung eines Coups, die für logistischen Spektakelwert sorgt. Eine hochkarätige Besetzung kann der Film wuchten, derweil das Drehbuch immer wieder neue Kniffe aus dem Hut zaubert, die sich bis zum Finale steigern, das aber wegen des trockenen Tons nicht etwa explodiert, sondern trocken aufpufft. So vermisst man hin und wieder die geballte Emotionalität eines „Paten“, aber „Der Clan der Sizilianer“ spricht auch eine ganz andere Klientel an, insofern er sich ganz der Mechanik der Kriminalität widmet und weniger deren menschliche Konsequenzen.
:liquid7:

Killing Season
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Ein für das älteste Motiv der Welt, die Auge-um-Auge-Rache, ein relativ banaler Beitrag. Dem ursprünglichen Western-Motiv, das schon so oft durchdekliniert wurde, so wenig Neues beisteuern zu können, das kann eben nicht wirklich gut ausgehen. Nicht nur lassen sich den Motiven der Travolta-Figur kaum tiefere Ebenen entlocken, auch wirkt seine Annäherung an de Niro willkürlich, indes dieser wiederum durch platte Symbolik sehr oberflächlich charakterisiert wird (Einzelsiedler in einer Blockhütte, der in sicherer Distanz von seiner Familie und der Zivilisation getrennt lebt, und der nun lieber mit dem Fotoapparat „schießt“ als mit der Waffe). So gesehen ist „Killing Season“ eine in jeder Hinsicht schwächere Variante von „Die Stunde des Jägers“. Einen primitiven Unterhaltungswert kann man ihm dennoch nicht streitig machen. Alleine Travoltas martialische Gestalt, die man natürlich mit bösem Willen schnell ins Lächerliche gezogen hat, macht was her, de Niro wehrt sich nach Leibeskräften und ein paar recht ungewöhnliche Gewaltspitzen (eher psychologischer Natur, Blut fließt vergleichsweise wenig) setzen den fliegenden Wechsel der Machtverhältnisse der Kontrahenten hübsch in Gang. Das Ende wird viele enttäuschte Gesichter hinterlassen, geht aber auch mal wieder einen alternativen Weg. Noch
:liquid5:

Inside Llewyn Davis
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Beliebte bzw. massentaugliche Themen haben die Coens längst nicht mehr nötig. Mit einem Film über die New Yorker Folkszene der 60er kann man die Leute eigentlich jagen, aber „Inside Llewyn Davis“ bezieht seine ungeahnten Stärken gerade daraus, dass man ihn so gnadenlos unterschätzt. Mit der fiktionalen Doku um Llewyn Davis (Oscar Isaac), der dem Bob-Dylan-Förderer Dave Van Ronk nachempfunden ist, schöpft das Bruderpaar quasi aus dem Nichts die Magie der Komödie, aus einem Stoff, der eigentlich gar nicht zum Lachen geeignet ist, einem Stoff, der bei genauer Betrachtung nicht einmal unbedingt einer Erzählung würdig ist (wenigstens nicht würdiger als die Geschichte eines jeden anderen Straßenmusikers). Die Erzählung verläuft scheinbar linear, um sich dann immer an den Moment der Gelegenheit zu haften und Zufälle oder Möglichkeiten bestimmen zu lassen, was als nächstes geschieht. Wenn die Coens später die Heringe wieder einfangen, die sie schon früh ausgeworfen haben, wird dem einfachen Leben des Musikers auf beispiellos unaufdringliche Art und Weise eine Poesie verliehen, die hier eindeutig nicht nur von den Szenen ausgeht, in denen musiziert wird. Doch selbst diese Szenen atmen nicht das Showflair von „Ray“ und „Walk The Line“, sondern sind angenehm schlicht angelegt, eingefangen wie von einem unlackierten Rahmen aus Eichenholz. Ein wunderbares Roadmovie, das quasi im Vorbeigehen ein Szenepanoptikum des 60er New Yorks portraitiert und Isaac in der Hauptrolle die Aufgabe gibt, die Stimmung zu prägen, was ihm mit der perfekt getimten Comedy eines Mannes, der unter einem Scheißhaufen begraben steht und darüber nur noch die Schultern zucken kann, hervorragend gelingt. Ebenso wie der Katze.
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Bedevilled
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Das Gewalt- und Vergewaltigungsdrama bemächtigt sich derselben Werkzeuge wie ein Film über häusliche Gewalt, setzt sie aber in einen bislang eher unzureichend beackerten Kontext: Nicht ist es das Böse, das unbemerkt vom Fußgänger auf dem Bürgersteig hinter verschlossenen Türen operiert, sondern stattdessen waltet es offen seines Amtes und wird vom Umfeld sogar als gerecht und natürlich angesehen. Das Verborgene bezieht sich in einem größeren Kontext eher darauf, dass diese Dinge auf einer Insel geschehen, fern von der Aufgeklärtheit des Festlandes, und somit regelrecht eine soziale Akzeptanz innerhalb der eigenen autonomen Grenzen genießen. Jang Cheol-Soo verschwendet in seinem Regiedebüt keine Zeit damit, ähnlich „The Wicker Man“ einen Außenstehenden erst langsam hinter die schrecklichen Geheimnisse der Insel kommen zu lassen, sondern zeigt die frei ausgelebte Brutalität und das paralysierte Denken der Umliegenden von Beginn an, wobei die tatsächliche Eskalation erst spät eintritt. Ab hier nimmt der Film eine Wende zum überstiegenen Rachedrama, das schamlos den Blutdurst des Zuschauers befriedigt und zur Groteske wird, die den kritischen Ansatz der ersten beiden Drittel aushöhlt. Manipulativ, aber nicht ganz uneffektiv.
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I Saw The Devil
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Eine vorgeblich edel inszenierte, arthausgeschwängerte, mit gewissem Kalkül durchgeplante, im eigentlichen Wesen aber wilde und hysterische Gewaltorgie, die sich in den Dienst stellt, das Bestialische im Menschen hervorzubringen und zu sezieren. Was Choi-min Sik („Oldboy“) verkörpert, ist eine menschliche Hülle, die schon schnell in der Handlung zur grotesken Karikatur mutiert, was besonders deutlich wird, weil ihr vom ungewöhnlichen Aufbau des Drehbuchs sehr viel Platz zur Reue geboten wird, die sie aber eher nutzt, um den eigenen Trieben weiter nachzugehen. Denn schon früh wird ihr Wesen vom Angehörigen eines Opfers durchschaut, der seine Vergeltung aber hinauszögert; wohl weniger, um die eigene Befriedigung durch Rache länger genießen zu können (obwohl auch für diese These reichlich Hinweise im Drehbuch zu finden sind), sondern eher, um irgendwo in diesem Mann, den er jagt, einen Funken Empathie zu finden, einen Hinweis darauf, dass der Tod der Frauen auf die Unvollkommenheit eines Menschen zurückzuführen ist und nicht auf die Unergründlichkeit eines Monsters. Dass der Jäger dadurch selbst zum Monster wird, gehört zu den verlässlichen Eigenschaften derartiger Geschichten, allerdings ist das „Wie“, diese absurde Schrittfolge im Katz- und Mausspiel, voller Zufälle und Missgeschicke, ein ganz Besonderes. Kino, wie es lebt: kunstvoll, bei voller Erhabenheit so niederträchtig, gleichzeitig impulsiv und voller Chaos.
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Die Abenteuer des Sherlock Holmes
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Der zweite Teil der 14-teiligen Reihe mit Basil Rathbone entbehrt zwar der schaurigen Atmosphäre des Vorgängers und wirkt insgesamt auch etwas zerfahren, allerdings hat er mit Professor Moriarty einen äußerst namhaften Gegner zu bieten, der herrlich überheblich von George Zucco verkörpert wird – so überheblich gar, dass er in völliger Überzeugung der eigenen Überlegenheit einem Schergen gegenüber zu Beginn des Films all seine Pläne ausbreitet, woraufhin dem Zsuchauer natürlich sofort klar ist, dass das gemeine Doppelspiel des Professors an der Pfiffigkeit Holmes’ scheitern wird, insbesondere insofern, als dass die Handlung mit einer Niederlage Holmes’ gegen Moriarty vor Gericht beginnt und anschließend eine Kutschenfahrt mit den beiden Erzfeinden eine von gegenseitigem Respekt geprägte Fehde einleiten wird, bei der im Sinne des Fair Play am Ende nur einer gewinnen kann. Daher konzentriert sich die Regie weniger auf Spannungserzeugung als vielmehr auf das Querlegen von Handlungssträngen, garniert mit kuriosen Dialogen zwischen Holmes und Watson, die sich insbesondere um das Vertreiben einer Fliege durch einen bestimmten Ton auf einer Geige drehen – ein Diskurs, der mit einem schönen Konter Watsons gegen seinen Meister abgeschlossen wird und für den Abspann vorbereitet (einer der wenigen Triumphe, die man Watson zugestand). Insgesamt etwas zu holprig, aber dennoch ganz charmant.
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Boardwalk Empire – Season 3
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Die Prohibitionsserie hält ihren hohen Produktionsstandard mühelos in allen Disziplinen. Einen gewagten Sprung machen die Drehbücher, denn für die Hauptfigur der Serie haben die Ereignisse der dritten Staffel gewaltige Auswirkungen, die ihn von alten Freunden trennen und neue Freunde finden lassen, derweil die Geschehnisse aus Staffel 2 nicht ohne Folgen abgehakt werden. Das lässt die Gesamterzählung insgesamt wie aus einem guss wirken, gleichwohl nicht unerwähnt bleiben soll, dass einige Handlungsstränge nach mühsamem Aufbau einfach im Nichts fallen gelassen werden, allerdings ja nicht ohne die Option, dass sie in der vierten Staffel wieder eine Rolle spielen werden. Die Rechnung mit dem Hauptbösewicht immerhin wird noch innerhalb dieser Staffel beglichen, wenn auch vielleicht nicht ganz in der Form, wie man erwarten würde, so dass darüber gestritten werden kann, ob der „Abschlussfetischist“ in uns hiermit zufriedengestellt wird oder nicht.
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Justified – Season 1
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Ein altmodisches Case-of-the-Week-Prinzip (wenn auch im neumodischen 13-Episoden-Block) – was könnte besser zum schießwütigen Oldschool-Kleinstadthelden passen, der hier mit sämtlichen ihm zur Verfügung stehenden Westernmethoden mächtig aufräumt? Inkarniert in Form des lässigen Timothy Olyphant, beruft sich „Justified“ auf die frühen 90er, in denen charisamtische Eigenbrötler in richtender Funktion noch gefragt waren. Ehre, Stolz und Ehrfurcht spielen eine große Rolle für den „Southern Comfort“ in der Stadt, da fragt dann auch keiner nach, wenn im Eifer des Gefechts mal ein paar Leichen mehr aufgetischt werden. Eine regelrechte Befreiung ist die Unabhängigkeit von Auflagen und der Verantwortung gegenüber höheren Instanzen, mit denen jeder FBI-Agent zu kämpfen hatte. Olyphant muss das zwar auch, doch wischt er diese Pflicht mit einem Schmunzeln einfach weg. Mag der Südstaatenakzent aller Beteiligten und die Schlichtheit der Gemüter auf Dauer auch etwas nerven, der Anachronismus von „Justified“ kann je nach Stimmungslage Balsam auf die gebeutelten Seelen der Postmoderne sein.
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Futurama – Season 7
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Immer noch so stark, als hätte es die vorübergehenden Tiefs bei einigen der Langspielfilme nicht gegeben. Futurama bleibt einfach ein Füllhorn an Retro- und Futurismus-Gags für Nerds, Wissenschafts- und Kulturfanatiker. Auch wenn die Verhaltensweisen der Charaktere ähnlich wie bei den Simpsons langsam vorhersehbar werden, die Plots scheinen im Gegensatz zu denen aus Springfield noch Potenzial für hundert Staffeln zu versprechen, weil es in Sachen „Quoteability“ einfach keine Grenzen zu geben scheint – einfach alles, was jemals in der Popkultur stattgefunden hat, würde bei Futurama gut funktionieren. Da dies nur der erste Teil der letzten Staffel ist, kann man immerhin noch eine Staffelbox in Deutschland erwarten, danach ist dann ja leider erstmal wieder Sense, zumindest solange Groening keinen neuen Sendeplatz gefunden hat.
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Weitere Sichtungen:
2 Guns
Durst

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Beitrag von Vince » 01.06.2014, 13:58

Als das Meer verschwand
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Als Romanverfilmung imitiert „Als das Meer verschwand“ überraschend authentisch die Struktur eines Romans: Man hat das Gefühl, zuerst mit wenigen, abstrakt wirkenden Sätzen zurechtkommen zu müssen, bevor sich erst die Landschaft, dann die Charaktere und schließlich die dramatischen Plotwendungen mit jeder Seite mehr entblößen, bis das Bild im Rahmen vollkommen ist. Da die Hauptfigur selbst ein Heimrückkehrer ist, fühlt man sich mit ihr durch das nur allmähliche Aufdecken der Geschehnisse und die kunstvoll verwobenen zeitlichen Ebenen stark verbunden; ebenso wie Fotograf Paul Prior (Matthew Macfayden) geistert man durch das Jenseits zwischen Vergangenheit und Realität und ist um deren Ordnung bemüht. Neuseeland wird als prägnanter Nebendarsteller stets wie ein solches Jenseits eingefangen: Es ist real, dann aber doch wieder nicht, die Objekte im Vordergrund greifbar, die Farben am Himmel jedoch unwirklich. Für die kernige Besetzung (insbesondere Emily Barclay sticht neben Macfayden hervor) kann man dankbar sein, sie steigert den emotionalen Wert des Films maßgeblich und sorgt dafür, dass insbesondere die endgültige Auflösung ihre Wirkung nicht verfehlt. Unkonventionell und sehenswert.
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Ausnahmesituation
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Dass dieses Gutmenschendrama nach realen Geschehnissen überhaupt einen gewissen filmischen Wert hat, liegt, liegt mehr oder weniger nur an Harrison Ford, der als Forscher der Krankheit Morbus Pompe eine starke Show mit dem typischen Ford-Charisma ablegt. Den Zyniker mit gutem Kern tanzt er dem eigentlichen Hauptdarsteller Brendan Fraser nur so vor den Latz, dessen leicht gedunsene Form und traurige Hundeaugen vor allem mit Hilfeschreien beschäftigt sind. Atomwaffe des Filmes ist immer wieder das mitleidig zur Schau gestellte Leiden von Einzelschicksalen; entsprechende Szenen von Kranken und deren Angehörigen, die sich zusammenschließen, winkt man daher eher ab und stellt sich auf die Seite der gemäßigt negativ konnotierten Forscherkollegen Fords, die ihre Arbeit (vollkommen zu Recht) mit Rationalität betrachten.
Immerhin verheddert sich „Ausnahmesituation“ nicht vollständig in Rührseligkeiten, sondern nimmt die realistischen Probleme bei der Forschung und Vermarktung eines neuen Medikaments im Mittelteil durchaus auf. Hier entstehen auch die interessantesten Momente, wenn der eigenbrötlerische Ford und der ehrgeizige, von persönlichen Schicksalen geleitete Fraser Meinungsverschiedenheiten austragen und einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Am Ende bleibt ein weitgehend formelhaftes Drama mit einem immerhin sehenswerten Harrison Ford.
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Gone Baby Gone
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Als direkter Vorläufer von „The Town“ auf Anhieb identifizierbar, erweist sich „Gone Baby Gone“ als der intimere Film, gleichwohl er ebenso sehr ein Stadtportrait ist wie jener Nachfolger, der die „Town“ als Essenz konsequenterweise schon im Namen stehen hat. Bens Bruder Casey dreht richtig auf, derweil er sich als Privatermittler durch das wirre Geflecht der Kindesentführung schlägt, eine Suche, die von der erbarmungslosen Stadt erschwert wird. Michelle Monaghan macht ihre Sache zwar auch nicht schlecht, fungiert letztlich aber nur als jene Nadel, an der ihr Partner im Finale, das Vorstellungen über das Gute und Böse in einem moralischen Nebel verschwimmen lässt, seinen eigenen Charakter ablesen wird. Das Skript lässt mit eingeflochtenen Machtspielen, milieubezogenen Drohgebärden und Verfolgungsjagden immer mal wieder den Puls ansteigen, was auch durch die außergewöhnlichen Nebendarstellerleistungen sehr begünstigt wird – einmal mehr ist Ed Harris hier herauszuheben. Ein bemerkenswertes Regiedebüt Afflecks, der mit seinen Fähigkeiten als Dirigent jene als Schauspieler auf Antrieb zu übertreffen versprach.
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Amok - He Was A Quiet Man
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Ambitionstrash, der zwischen treffsicher und grottig pendelt, sei es in Sachen Regie, Drehbuch, Kostüm, Darstellerleistung oder Spezialeffekte. Ihr interessantes Sujet nutzt die Christian-Slater-Show für ein paar steile Thesen und Gedankenspiele, wobei sich das kontroverse Potenzial ein wenig hinter der Schludrigkeit der Effekte und vor allem dem unerlässlichen Experimentieren mit Wirklichkeits- und Fantasieebenen versteckt, weshalb es nicht völlig genutzt werden kann. Slater ergibt sich als hässlicher, kleiner Mann mit Halbglatze und Fliegerbrille dem Overacting in dem Versuch, unter all den routinierten Standardauftritten endlich nochmal aufzudrehen wie in alten Zeiten, und sorgt dafür zumindest beiläufig für guten Unterhaltungswert, den auch sprechende Goldfische und Gebäudeeinstürze wie aus den frühen 90ern nicht bedrohen können. Ein paar überraschende Wendungen hat „Amok“ in jedem Fall auch zu bieten, obwohl die vielen Twists am Ende vielleicht zu weit vom Kern abweichen, bei dem es doch eher um die Stromlinienförmigkeit des amerikanischen Gesellschafts- und Arbeitsystems gehen sollte, weniger um eine Liebesgeschichte, auch wenn Elisha Cuthbert eine interessante Variation der klassischen Femme Fatale spielen darf. Überhaupt ahmt der Film ein wenig die Einsamkeit der Film-Noir-Protagonisten nach, hier als Reflexion des Selbstmitleids der Hauptfigur, die von der Umwelt unmerklich so sehr kastriert wird, was den Titel „He Was A Quiet Man“, der die Oberflächlichkeit im Umgang mit den Nächsten moniert, so brillant macht.
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God Bless America
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Das gleiche Sujet von der anderen Warte aus betrachtet: Wo “Amok” den eskapistischen Weg hin zur tagtraumgeschwängerten Tragikomödie beschreitet, schlägt „God Bless America“ in die Kerbe der intellektuellen American-Surface-Satire, was ihn dastehen lässt wie eine frühe Tarantino-Kurzgeschichte oder einen Erstentwurf von „Natural Born Killers“. Der Originalitätsgrad hält sich daher in Grenzen, allerdings ist der Gedanke hinter „God Bless America“ aktueller denn je und längst nicht nur eine amerikanische Problematik: Das Road Movie dient nicht einfach nur als Frustventil für solche, die sich an der Entwicklung zu einer Gesellschaft der Oberflächlich- und Rücksichtslosigkeit stören (aber gerade zu Beginn kann man den Schmerz des Protagonisten angesichts grenzdebiler TV-Sendungen, respektloser Nachbarn und einer fern der eigenen Kontrolle befindlichen kleinen Tochter, die das gesellschaftlich legitimierte Handeln langsam schon zu imitieren beginnt, vollkommen nachfühlen), sondern sensibilisiert zugleich dafür, narzisstische bzw. egoistische zugunsten altruistischer Beweggründe beiseite zu schieben. Natürlich fordert Regisseur Goldwaithe dafür einen gewissen Grad an Grips vom Zuschauer: Gerade die Diskussionen des Killerpärchens entlarven die (eigentlich sowieso auf der Hand liegende) Widersprüchlichkeit ihres mörderischen Vorgehens, wenn etwa Frank (sehr komplex und einfühlsam gespielt von Joel Murray) aus dem Affekt heraus „High Five“ machen möchte, eine spontane Handlung, die kurz vorher noch als Grund für eine Tötung festgelegt wurde. Dass das Finale zwangsläufig auf der Bühne einer Castingshow stattfinden muss, ist nach „Little Miss Sunshine“ und „American Dreamz“ ebenso ein alter Hut wie die Monologe zu Beginn über die amerikanischen Werte intellektuell überkonstruiert sind, dennoch muss man „God Bless America“ seine entlarvenden Qualitäten zugestehen.
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C2 – Killerinsect
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From the streets into the woods – hüpft Alfonso “Carlton” Ribeiro zu Anfang noch im hippen MC-Hammer-Outfit auf dem Basketballplatz herum und zieht Seth Green ab, geht’s später ins klassische Hüttenhorrorambiente, wo man inmitten von Nadeln und Fichten auf die Filmmonster trifft, die in einer Pre-Title-Sequenz schon mal effektiv vorbereitet werden – monströse Zecken, die im Handlungsverlauf noch weiter anwachsen und schließlich bisweilen abstruse Ausmaße annehmen. Die Mechanismen und Muster des Films sind typisch für die Entstehungszeit, allerdings trumpft „C2“ mit durchaus ekligen Effekten auf, die handmade sind und dabei zwar durchschaubar, aber dennoch herrlich greifbar: Da wuseln mehrbeinige Viecher mal über den Nadelboden oder den Baum hinab und erinnern stark an Spinnenhorror, da wird ein Puppenkörper von innen heraus zum Platzen gebracht und entblößt widerliche, verharzte Gliedmaßen. Kein Geniestreich, macht aber wegen der originell gestalteten Viecher und der ironischen Handlung mit einigen bekannten Gesichtern eine Menge Spaß.
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Das Gesicht
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Formell ein ungewohnt offener und unzusammenhängender Nachweis der Bergman’schen Filmkunst, zwar der Theaterdramaturgie folgend und in Abfolgen von Szenenbildern gestaffelt, aber doch in Sachen Tempo und Stimmung stark schwankend, dekonstruiert der schwedische Filmemacher das Fach der Künste ähnlich stark wie in seinem Spätwerk; vorher hat er wohl nie derart das eigene Schaffen metaphysisch abstrahiert. Nicht nur erlangt der Film dadurch ein distanziertes Bild, dass er zeitlich 100 Jahre vor seiner Entstehung angesiedelt ist, auch die Darstellung der Charaktere bleibt vergleichsweise typenhaft und Bergman zeigt nur wenig Interesse daran, ihr Seelenleben auszuleuchten; es ist diesmal eher ihr Antrieb, der das Interesse genießt. Magie und Zauberei werden auch nur teilweise durch das Zeigen von Theaterkulissen „entzaubert“, mitunter lässt Bergman seinen Film ins Surrealistische kippen, um den Zuschauer nicht vergessen zu lassen, dass zwischen Handwerk und Kunst ein flüssiger Übergang bestehen kann. Insofern ist „Das Gesicht“ ein Plädoyer für die Kunst und gegen deren Skeptiker.
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The Broken
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Ästhetisch den 00er-Japano-Geisterhorror bedienend, hält sich der Mystery-Horrorfilm von Sean Ellis („Cashback“) auch inhaltlich an dessen Motive; insbesondere „Into The Mirror“ steht mit seiner Spiegelthematik offensichtlich Pate. Hochwertig gefilmt, zirkuliert die Handlung um einen in Ultrazeitlupe eingefangenen Autocrash und streut anschließend diverse Spiegel- und Doppelgänger-Elemente in die Handlung, die vor allem daran interessiert sind, wie in Philip K. Dicks Kurzgeschichte „Das Vater-Ding“ die Angst zu schüren, dass etwas Fremdartiges Besitz ergriffen haben könnte von nahe stehenden Menschen. Lena Headey meistert ihre daraus entstehende Doppelrolle gut, das Drehbuch hat indes das Problem, seine prinzipiell nicht reizlose Prämisse allzu platt auf den Tisch zu knallen, womit dem Zuschauer jeder Interpretationsspielraum verwehrt bleibt. Auch kommt das Ende so schnell und unkopliziert wie der Anfang eingetreten war – ein nicht unspannender Film in schönen Bildern, gleichwohl nicht sehr tiefreichend.
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Die Wand
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Eine Frau findet sich eines Morgens in ihrer Ferienhütte eingesperrt von einer unsichtbaren Wand wieder und ist fortan darauf angewiesen, mit einer Kuh, einer Katze und einem Hund ihr Leben ohne andere Menschen zu meistern. Fragen nach Logik könnten den Zuschauer bei dieser Romanverfilmung plagen; warum klopft die Frau beispielsweise nicht die Wand ab, um nach Lücken zu suchen? Warum scheint ihr bald schon egal zu sein, was jenseits der Wand geschieht? Warum verhält sie sich sowohl unmittelbar nach dem unerklärlichen (und unerklärt bleibenden) Geschehnis sowie auf lange Sicht bisweilen so irrational? Doch sind das Fragen, die auf zweierlei Art entkräftet werden können: Erstens erfährt der Zuschauer nur soviel, wie in ihrem Tagebuch steht, welches – wie explizit erwähnt wird – auch der Autorin wichtig erscheinende Dinge außen vor lässt. Zweitens lässt sich „Die Wand“ natürlich als Metapher lesen für eine Frau, die schon vor ihrer Einsperrung offensichtlich den Kontakt zu den Mitmenschen meidet (warum überhaupt der Urlaub mit dem älteren Paar in einer einsamen Berghütte? Warum auch ist sie nicht mit dem Paar ins Dorf gegangen und zog die Einsamkeit vor?), was den Film davon handeln ließe, wie sie sich endgültig in sich selbst zurückzieht. Eine derartige Lesart ließe die Suche nach einem Ausgang unlogisch erscheinen, da dies ja voraussetzen würde, dass die Frau wieder in Kontakt mit der Welt treten möchte.
Stattdessen schildert der minimalistisch durch die schöne Landschaft, die Schauspielleistung Martina Gedecks und ihrer Monologe getragene Film ihre Abkehr vom Menschsein und den sich ihr öffnenden Zugang zu den Tieren, wobei ihr selbst im Tierreich Muster der Ausgrenzung erscheinen, die sie selbst in der Gesellschaft erfahren haben muss, diese aber im Tierreich als natürlichen Lauf der Dinge betrachtet.
Mag man Julian Pölslers statischer, geradezu erstarrender Regie mit all den langen, ereignislosen Naturdarstellungen auch eine gewisse Langatmigkeit, wenn nicht gar Unerträglichkeit vorwerfen, die von ihm gewählte Erzählperspektive ist insbesondere in Funktion einer Literaturverfilmung als gelungen zu bezeichnen: Nichts als das Innenleben der Hauptfigur lässt er in die Isolationskuppel, der Zuschauer weiß immer nur so viel, wie die geschriebenen Seiten – manchmal vor- und zurückblätternd – hergeben, was die Einbettung der Figur in ihre Umgebung, ihre Absorption der Tiere zu Teilen ihrer selbst, vollständig möglich macht. Die Ereignisse im Film sind von Verlusten und inneren Widerständen gezeichnet, allerdings lassen sich keine Anzeichen finden, dass von außen Mühen zur Figur durchringen, sie zurück in die Zivilisation zu befördern. Insofern ist auch das offene, banalerweise durch das Ausgehen des Papiers (die begrenzte Fähigkeit zur Selbstauseinandersetzung ihres Gehirns?) besiegelte Ende des Films mutig und konsequent, aber auch wenig hoffnungsvoll.
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Weitere Sichtungen:
The Cold Light Of Day
X-Men – Days Of Future Past
Godzilla (2014)

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Beitrag von MarS » 02.06.2014, 11:47

Vince hat geschrieben: I Saw The Devil
Bild
Eine vorgeblich edel inszenierte, arthausgeschwängerte, mit gewissem Kalkül durchgeplante, im eigentlichen Wesen aber wilde und hysterische Gewaltorgie, die sich in den Dienst stellt, das Bestialische im Menschen hervorzubringen und zu sezieren. Was Choi-min Sik („Oldboy“) verkörpert, ist eine menschliche Hülle, die schon schnell in der Handlung zur grotesken Karikatur mutiert, was besonders deutlich wird, weil ihr vom ungewöhnlichen Aufbau des Drehbuchs sehr viel Platz zur Reue geboten wird, die sie aber eher nutzt, um den eigenen Trieben weiter nachzugehen. Denn schon früh wird ihr Wesen vom Angehörigen eines Opfers durchschaut, der seine Vergeltung aber hinauszögert; wohl weniger, um die eigene Befriedigung durch Rache länger genießen zu können (obwohl auch für diese These reichlich Hinweise im Drehbuch zu finden sind), sondern eher, um irgendwo in diesem Mann, den er jagt, einen Funken Empathie zu finden, einen Hinweis darauf, dass der Tod der Frauen auf die Unvollkommenheit eines Menschen zurückzuführen ist und nicht auf die Unergründlichkeit eines Monsters. Dass der Jäger dadurch selbst zum Monster wird, gehört zu den verlässlichen Eigenschaften derartiger Geschichten, allerdings ist das „Wie“, diese absurde Schrittfolge im Katz- und Mausspiel, voller Zufälle und Missgeschicke, ein ganz Besonderes. Kino, wie es lebt: kunstvoll, bei voller Erhabenheit so niederträchtig, gleichzeitig impulsiv und voller Chaos.
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Wirklich ein großartiger Film mit einem irre gutem Ende.

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Beitrag von MarS » 02.06.2014, 11:53

Vince hat geschrieben:Als das Meer verschwand
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Als Romanverfilmung imitiert „Als das Meer verschwand“ überraschend authentisch die Struktur eines Romans: Man hat das Gefühl, zuerst mit wenigen, abstrakt wirkenden Sätzen zurechtkommen zu müssen, bevor sich erst die Landschaft, dann die Charaktere und schließlich die dramatischen Plotwendungen mit jeder Seite mehr entblößen, bis das Bild im Rahmen vollkommen ist. Da die Hauptfigur selbst ein Heimrückkehrer ist, fühlt man sich mit ihr durch das nur allmähliche Aufdecken der Geschehnisse und die kunstvoll verwobenen zeitlichen Ebenen stark verbunden; ebenso wie Fotograf Paul Prior (Matthew Macfayden) geistert man durch das Jenseits zwischen Vergangenheit und Realität und ist um deren Ordnung bemüht. Neuseeland wird als prägnanter Nebendarsteller stets wie ein solches Jenseits eingefangen: Es ist real, dann aber doch wieder nicht, die Objekte im Vordergrund greifbar, die Farben am Himmel jedoch unwirklich. Für die kernige Besetzung (insbesondere Emily Barclay sticht neben Macfayden hervor) kann man dankbar sein, sie steigert den emotionalen Wert des Films maßgeblich und sorgt dafür, dass insbesondere die endgültige Auflösung ihre Wirkung nicht verfehlt. Unkonventionell und sehenswert.
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Den habe als recht ruhig in Erinnerung. Wie du schon geschrieben hast, kam die Auflösung etwas unerwartet. Zumal vorneweg mit dem Zuschauer ziemlich gespielt wird und man erst mal in eine andere Richtung geschickt wird.

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Beitrag von MarS » 02.06.2014, 11:56

Vince hat geschrieben: C2 – Killerinsect
Bild
From the streets into the woods – hüpft Alfonso “Carlton” Ribeiro zu Anfang noch im hippen MC-Hammer-Outfit auf dem Basketballplatz herum und zieht Seth Green ab, geht’s später ins klassische Hüttenhorrorambiente, wo man inmitten von Nadeln und Fichten auf die Filmmonster trifft, die in einer Pre-Title-Sequenz schon mal effektiv vorbereitet werden – monströse Zecken, die im Handlungsverlauf noch weiter anwachsen und schließlich bisweilen abstruse Ausmaße annehmen. Die Mechanismen und Muster des Films sind typisch für die Entstehungszeit, allerdings trumpft „C2“ mit durchaus ekligen Effekten auf, die handmade sind und dabei zwar durchschaubar, aber dennoch herrlich greifbar: Da wuseln mehrbeinige Viecher mal über den Nadelboden oder den Baum hinab und erinnern stark an Spinnenhorror, da wird ein Puppenkörper von innen heraus zum Platzen gebracht und entblößt widerliche, verharzte Gliedmaßen. Kein Geniestreich, macht aber wegen der originell gestalteten Viecher und der ironischen Handlung mit einigen bekannten Gesichtern eine Menge Spaß.
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Was will man da anderes zu schreiben?! Stimme dir hier voll zu. Sollte man auf jeden Fall mal gesehen haben, wenn man auf Tierhorror steht. Gehören Zecken nicht irgendwie zu den Spinnen?! Von daher würde es ja passen, dass der Streifen dich an Spinnenhorror erinnert hat.

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Beitrag von Vince » 18.06.2014, 17:04

Venus im Pelz
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Polanski im reinsten Format, das auf Film möglich ist: Eine Fahrt die stürmische Pariser Allee entlang in den Theatersaal hinein, zwei Akteure im Dunkeln und das Scheinwerferlicht. Ja, Theater und Minimalismus kann der Mann. Seine Frau Emmanuelle Seigner schickt er in ein Duell mit einem jüngeren Ich seiner selbst (Mathieu Almaric) und inmitten des leeren Theatersaals treffen Geschriebenes und Reales aufeinander und vermischen sich zunehmend. Wann gab es im großen Kino zuletzt einen derartigen Atemstocker wie jenen Moment, als das Mädchen von der Straße ihren White Trash ablegt und in Sekundenbruchteilen erstmals ihre Rolle einnimmt? Begünstigt durch den grandios pointierten Score und das extrem nuancierte Foley Design, welches Geräusche zu hören vorgibt, die tatsächlich gar nicht stattfinden, verwandelt sich das flapsig geführte, nur von einseitigem Interesse bewegte Bewerbungsgespräch zu einer Szenerie, der man wie im Bann folgt – ein Moment des Innehaltens, bis die 90 Minuten, die sich anfühlen wie eine ganze magische Nacht, verstrichen sind. Dann erst löst sich die Spannung, doch da führt die Kamera wieder aus dem Saal und bereitet den Abspann vor. Die Dialoge, mal aus einem Drehbuch rezitiert und dann nahtlos doch wieder zu Metadiskussionen transferiert, stecken voller Raffinesse, wirken so einfach und erweisen sich am Ende doch als so komplex – eine Form, die schließlich auch der Film als solcher annimmt.
Auch wenn ich in Unkenntnis der Romanvorlage oder etwaiger anderer Verfilmungen das Gefühl habe, dass mir eine Menge Anspielungen entgangen sind, so steht doch das Gefühl, einen der besten Filme des Jahres gesehen zu haben, eine noch intensivere, konzentriertere Ausarbeitung des ohnehin schon vorzüglichen „Gott des Gemetzels“. Chapeau dafür.
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Bounty Killer
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Eine temporeiche Actionsause im B-Format mit Mad-Max-Look, unterhalten von gut aufgelegten Schauspielern der 2. Reihe, da wird man schon reich beschenkt mit Kristanna Loken,Beverly D’Angelo, Abraham „Kubiak“ Benrubi und natürlich dem Cameo von Gary Busey, und alle sind sie super aufgelegt. Christian Pitre kann sich in ihrem Dress mit Krankenschwester-Anleihen in der Hauptrolle durchaus sehen lassen und ist bei weitem sexier als alle sechs Titten von „Bitch Slap“. Die Handlung schreitet impulsiv voran, immer geführt von total bekloppten Ideen wie ein Wohnmobil, das wie eine Kutsche betrieben wird, nur mit Motorrädern statt Pferden. Dass die Effekte dabei nicht immer ganz rund aussehen, verzeiht man da gerne, insbesondere insofern die Produktionswerte an sich stimmen – das Ganze sieht wesentlich teurer aus als es tatsächlich gekostet haben muss. Hervorzuheben ist ansonsten vor allem der Humor, der nicht einfach nur auf Hysterie setzt, sondern sich auch mal stille Momente gönnt und gerade hier den größten Witz transportiert (ich sage nur „Bürorenovierung“). Unbedingt sehenswert.
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Die Haut, in der ich wohne
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Schwer zu glauben, dass Pedro Almodóvar einen derart inkonsistenten, gerade dadurch aber so besonderen Genrebastard gedreht hat. Eine visuelle Trägheit legt sich über unvorhergesehene Stimmungswechsel und Plotwendungen nieder. Der spanische Regisseur spielt mit Zeitebenen und erzeugt durch relativ geringen Aufwand einen emotional aufwühlenden Twist nach etwa der Hälfte der Spielzeit, hat seine Munition bis dahin aber noch längst nicht verschossen, sondern baut darauf überhaupt erst den Hauptakt auf. Mag man es Science Fiction nennen oder Melodram, Thriller oder Horror, Komödie oder Kunstfilm, Recht hätte man wohl mit alldem. Die Übergänge zwischen den einzelnen Sequenzen sind zu alldem auch noch (bewusst?) holprig montiert und auch optisch unschön, was das Ganze sogar zum Trash macht. Wie etwa passt ein verrückter Krimineller im Leopardenkostüm ästhetisch in den Film? Fragen wie solche stellt sich Almodóvar gar nicht erst, er baut die Szenen einfach ein. Antonio Banderas ist genau der richtige Mann zum richtigen Zeitpunkt für eine solche Sache, er wandelt unbekümmert durch die Staffage, als sei es das Natürlichste der Welt. Ein Film, der außerhalb jedweder Konkurrenz läuft.
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Seelen
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Da denkt sich Stephenie Meyer eine ganze Alienrasse aus, versucht, eine invasive Art von Intelligenz zu beschreiben, ihren Ausbreitungsdrang, grast die gesammelte Paranoia-SciFi-Literatur der 50er ab, betreibt einen Riesenaufwand, um sich von der eigens in Gang gesetzten Vampir-Werwolf-Welle zu distanzieren, und wofür? Für einen Seelenporno! Dieses ganze Universum steht im Dienste des Töpfchen-finde-dein-Deckelchen-Spiels, und solange nicht auch die letzte Seele ihr Äquivalent gefunden hat, kann der Abspann nicht laufen.
Nicht, dass es originell wäre, ein Buch zu schreiben bzw. einen Film zu drehen über Aliens, die Menschenkörper besetzen, eine gewisse Komplexität vor allem auf der emotionalen Ebene kann man „Seelen“ trotzdem nicht absprechen. Zwar klingen die Off-Dialoge der Gefangenen im eigenen Körper und ihr Dialog mit dem Besatzer mitunter banal und unnatürlich, doch die Grundidee hat durchaus ihren Reiz. Dieser kann immerhin eine Zeit lang gehalten werden, auch wenn er gegen die behäbige, ereignislose Handlung, wie man sie schon aus den „Twillight“-Filmen kennt, ankämpfen muss. Am Ende jedoch, als die Philosophie der Autorin preisgegeben wird, fällt alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen und die Handlung entpuppt sich als romantische Fantasie einer Träumerin, keinen Deut besser oder schlechter als einige Männerfantasien, die in der Vergangenheit gedreht wurden.
Da kann man wenigstens froh sein, dass eine Saoirse Ronan die Hauptrolle spielt, die Kristen Stewart in allen Belangen überlegen ist und mit ihrer kühlen Melancholie für Lichtblicke gesorgt, die von der starken Vaterfigur (eine der wenigen konstanten Stärken der Meyer-Verfilmungen) William Hurts vervollständigt wird.
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Duell in Diablo
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Harter und spannender Western mit vielen Qualitäten und nur wenigen Schwächen eines B-Movies: Erzählerisch nichts aussparend, dennoch dynamisch gefilmt, nimmt sich Ralph Nelson konsequent der schwarz-weiß-roten Rassenproblematik an, besetzt mutig Sidney Poitier in einer charakterstarken Zugrolle und auch gerade die Indianer sind nicht nur irre Wilde, sondern werden mit Sorgfalt charakterisiert. James Garners weitere Co-Stars wie Dennis Weaver und Bibi Andersson steigern den Wert des Films zusätzlich Sehenswert, auch wenn manchmal der Fokus zwischen der Thematisierung persönlicher Vergeltungsschläge und größerer Konflikte verschwimmt.
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Passion
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Weit abgeschieden vom Festland erzählt Ingmar Bergman im dritten Teil seiner Insel-Trilogie nach „Die Stunde des Wolfs“ und „Schande“ von einer Lebensgemeinschaft zwischen zwei Menschen, die, obwohl sie sich in Bitterkeit entwickelt, eigentlich schon von Beginn an kühl und fast argwöhnisch dargestellt wird. Im Mittelpunkt stehen Menschen, die mit der Einsamkeit stärker verbunden sind als miteinander und diese Erkenntnis auf die harte Tour lernen müssen. Beileibe allerdings ist „Passion“ kein Film, der vollkommen auf die Hauptfiguren konzentriert bliebe wie später etwa „Szenen einer Ehe“; tatsächlich nimmt das Umfeld, das vom unsichtbaren Bösen in Form eines Tierschänders heimgesucht wird und Rachsucht bei der Inselbevölkerung auslöst, einen enormen Einfluss auf die Personenentwicklung. Szenen wie jene, in denen die getöteten Schafe in eine Grube geworfen werden, sind von höchstem Symbolwert geprägt. Mittendrin bricht Bergman den Filmrahmen brutal auf, indem er Liv Ullman, Max von Sydow, Bibi Andersson und Erland Josephson über ihre eigenen Rollen in kurzen Interviews als Schauspieler reflektieren lässt – ein filmtheoretischer Meta-Akt, der die Distanz zur Handlung noch weiter erhöht.
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Rush
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Da hat sich Ron Howard jeden Respekt verdient. Der Rivalität zwischen James Hunt (Chris Hemsworth) und Niki Lauda (Daniel Brühl) gewinnt der Regisseur, der gerade noch Vince Vaughn und Kevin James durch „Dickste Freunde“ gejagt hatte (?!?), so vieles ab – er portraitiert den Bezug der Menschen in den 70ern zum Rennsport mit unglaublichem Einfühlungsvermögen und macht deutlich, welch radikalen Wandel die Formel 1 seither durchgemacht hat. Er treibt seine beiden Hauptdarsteller – auf ihre Art – jeweils zu Höchstleistungen. Er kreiert berauschende Bilder von den Rennen und ihrem Umfeld. Und er erschafft eine unfassbare narrative Balance. Wie leicht hätte man Lauda in das Korsett eines Filmbösewichts zwängen können, seine teutonische Disziplin und Arbeitswut zur Tugend der Bösen machen können und den Lebemann Hunt auf der anderen Seite zur Lichtgestalt erheben. Denn diese Ansätze werden durchaus sorgsam thematisiert. Lauda sei eine „Ratte“, deutet Hunt einmal an, doch der Film gibt sich die Mühe, eben gerade Laudas Motivationen zu analysieren und zu verstehen, was Brühls Rolle bei weitem zur dankbareren macht, denn seine Figur ist einfach noch interessanter. Aber dabei bleibt es ja nicht, das alleine scheint Howard nicht zu genügen, also erhebt sich die Dynamik zwischen den Rivalen zum Hauptthema, denn durch die imposante Charakterisierung Laudas profitiert wiederum auch Hemsworth’ Charakter, den man – das gilt auch umgekehrt – ebenso schnell zum oberflächlichen Macho hätte reduzieren können. Stattdessen geht er in der letzten Szene als das Enigma der schnellen Lebensweise tiefer in den Fokus der Kamera hinein, entschwindet langsam aus dem Vordergrund, ohne dass man weiß wohin, während Lauda weiterhin von seinen Obsessionen getrieben wird.
Ein Charakterdrama von ungeahnter Tiefe, mit nur einem Nachteil: Es muss fortan schrecklich banal wirken, wenn man ihn mit Kai Ebel am Streckenrand stehen und in die RTL-Kamera sprechen sieht.
:liquid8:

The Walking Dead – Season 3
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Das Beste, was die Endzeitserie bisher zu bieten hatte, liegt im ersten Drittel der dritten Staffel. Die Eroberung des Gefängnisses ist Überlebenskampf in all seiner Zweckgerichtetheit, und die Ironie, dass die Gitter nicht mehr Freiheit rauben, sondern sie gewähren, wird dankend zur Kenntnis genommen. In der gewollten Pointenlosigkeit erreicht „The Walking Dead“ hier neue gesellschaftsphilosophische Bereiche, denn letztendlich erscheint es vollkommen irrelevant, wo und wie man seine Tage durchsteht, in der Konsequenz ist jede Minute des Daseins der Überleben eine Minute in Gefangenschaft. Insofern wäre „The Prisoners“ ein ebenso guter Titel für die Serie gewesen, und das nicht nur in unmittelbarer Nähe des Gefängniskomplexes, dessen triste Blockwände spannende neue Szenarien aufbieten können.
Kritischer ist dagegen die Darstellung der Überlebenden-Kleinstadt im Mittelteil und der an Schach erinnernde Wechselschnitt zwischen beiden Handlungsorten im letzten Teil der Staffel zu bewerten: Zwar überzeugt die Grundidee, auch weil sie den Menschen endgültig als größtes aller Monster entlarvt und weil die inzwischen sehr vertrauten Charaktere sich durch die Drucksituation entwickeln müssen (und das nicht immer zwangsläufig in eine positive Richtung), was die Gruppendynamik immer wieder in unvorhergesehene Bahnen treibt. In der Umsetzung hapert es dann leider ein wenig. Sobald der General (David Morrissey) auf den Plan tritt, verliert die nunmehr immerhin auf 16 Episoden angewachsene Staffel ein wenig ihre Dichte und holpert so ein bisschen von einem Ereignis ins Nächste, bevor das Ende der Season, das eigentlich dank diverser Western-Elemente auf einen großen Showdown hinauszielte, relativ ereignislos verpufft, ganz anders noch als in der zweiten Staffel. Aber gerade weil eben auch mal dramaturgische Formeln nicht bis zum Ende ausgereizt werden, sondern immer wieder der dumme Zufall dazwischen kommt, behält sich das Konzept ja auch irgendwo wieder seinen Reiz.
:liquid7:

How I Met Your Mother – Season 7
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Heiraten, Kinder, Familiengründung bedroht Freundeskreis, bla. Das Identifikationspotenzial hat die New Yorker Yuppie-Bande für mich längst verspielt (wenn ein solches denn überhaupt jemals da war), gerade in Liebesdingen (und davon handelt die Sitcom natürlich in erster Linie) handeln die Figuren oft dermaßen unreif und unsympathisch, dass ich ihnen alles Pech der Welt wünsche. Um die Serie also weiterhin halbwegs mögen zu können, habe ich mich dazu entschlossen, Ted, Marshall, Barney, Lily und Robin nur noch als Strichmännchen mit karikaturistischer Strichführung zu betrachten. Dann, ja dann macht auch die siebte Staffel noch Spaß. Barneys Krawattenodyssee als Fortführung der Reihe ikonischer Gegenstände vom blauen Horn bis zum gelben Regenschirm, die unermüdlichen „Wait For It“-Variationen, Teds durchaus vorhandene Witzigkeit wie von einem amphetaminisierten Backenhörnchen, wenn er eben gerade mal nicht Trübsal bläst, sondern als schräge Type in Erscheinung tritt Robins Kanada-Ticks und Marshals und Lilys Pärchen- und bald eben Familienlogik, die Drehbuchautoren verpacken nach wie vor gelungene Gags in diese Gerüste und spielen auch weiterhin folgenweise mit Regie-Kabinettstückchen, diesmal in Form einer tarantinoesk zeitlich und räumlich rückwärts laufenden Short-Story-Folge. Originell im Detail, zunehmend innovationsloser im emotionalen Kern – „How I Met Your Mother“ läuft endlich auf sein überfälliges Ende hinaus. Wait For It…
:liquid6:


Weitere Sichtungen:
The Place Beyond The Pines
Escape Plan
I, Frankenstein

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Beitrag von SFI » 18.06.2014, 17:18

Es muss fortan schrecklich banal wirken, wenn man ihn mit Kai Ebel am Streckenrand stehen und in die RTL-Kamera sprechen sieht.
:lol: Zum Glück rennt der ja als MOF durch die Gegend und Lauda hängt eher mit Florian König ab. :wink:
Die letzte Wahl - Vom Ende des politischen Urteils

„Fate: Protects fools, little children and ships named Enterprise.“

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Beitrag von gelini71 » 18.06.2014, 18:28

Zum Glück bleibt mir als SKY Seher der blöde Ebel erspart :lol:
Ich mache keine Rechtschreibfehler, ich gebe Wörtern lediglich eine individuelle Note

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Beitrag von Vince » 08.07.2014, 19:10

Epic
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Da kann man mal sehen, was neue Impulse so alles bringen. Während sich 20th Century Fox’ Animationsabteilung mit ihrem Zugpferd „Ice Age“ seit geraumer Zeit einen abwürgt, gelingt ihnen mit „Epic“ unerwartet einer der stärkeren Animationsfilme dieser Tage, der auch Pixar in deren aktueller Form in die Schranken verweist. Die Story um einen Mikrokosmos inmitten unserer Natur wirkt frisch, die Erzählweise ist flott und setzt doch nicht nur auf Spektakel. Vor allem aber der Blickwinkel ist es, der begeistert: Chris Wedge (der eben auch für „Ice Age“ verantwortlich zeichnet) befördert den Zuschauer in eine Art Froschperspektive, d.h. auf das kleine Volk im Gras schaut er hinab, während die ahnungslosen „normalen“ Menschen im Film über ihm schweben, ahnungslos, was da auf dem Boden alles so wuselt. Diese besondere Perspektive lässt „Epic“ nun nicht gerade episch, aber doch andersweltlich erscheinen, womit der höchste Zweck des Filmes auch schon erreicht wäre: Er entführt in ein Paralleluniversum, das zum Staunen anregt.
Darüber hinaus ist die Handlung sehr verständlich umgesetzt, ohne dass ihr die Komplexität im Inneren abgehen würde. Auch in Sachen Pacing ist der Film sehr ausbalanciert, kein Vergleich zur überfrachteten „Ice Age 4“-Achterbahnfahrt. Es gibt Tempo und Spektakel, aber zwischendrin ist immer zur rechten Zeit Platz für die noch unverbrauchte Geschichte. Weniger gefallen hat mir allenfalls das Design der Charaktere, die irgendwie puppenhaft dargestellt sind, fast wie botanische Spielzeugsoldaten.
:liquid7: ,5

Tropa de Elite
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Lässt leider durch seinen semidokumentarischen Ansatz die Spannung eines „City Of God“ vermissen. Die Handlung wirkt zerfahren, streut sich in alle Winde und betrachtet das Sujet wie durch zufällige Blicke in die tiefsten Winkel brasilianischer Kriminalität. Das hat allerdings den Vorteil, dass „Tropa de Elite“ wirklich mit dem höchsten Maß an Authentizität auffahren kann. Dem Realismus als oberster Prämisse hat sich eben auch der Unterhaltungswert unterzuordnen, allerdings, das muss man schon sagen, die Tragik der Geschehnisse kommt dennoch oder gerade deswegen zum Tragen. Unbequem, nicht immer mit dem Fokus am rechten Platz, aber trotz der distanzierten, unnahbaren Bilder auf seine Weise durchaus intensiv.
:liquid7:

Grave Encounters 2
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« Grave Encounters » war doch eigentlich ein ganz brauchbarer Horrorstreifen, wieso hat der so ein mieses Sequel nötig? Nicht nur wird das Original als Film-im-Film in die fiktionale Handlung gebettet und nebenbei quasi zum Meilenstein verklärt (trotz oder sogar weil auch einige der mitspielenden Hirnis sich darüber auslassen, wie scheiße der Film eigentlich ist), nein, es muss auch noch der Found-Footage-Ansatz immer wieder mit amateurhaften Aufnahmen eines Horrorfilms aufgebrochen werden, der gerade innerhalb der Filmhandlung gedreht wird. Mit der ganzen Meta-Kiste soll wohl die Doppelbödigkeit des letzten Drittels vom ersten Teil erfasst werden, tatsächlich kommen diese Versuche aber als genau das rüber, was sie sind – ein armseliges Häufchen Elend. Gegen Ende geht dann ein bisschen die Post ab, aber es gibt auch hier einfach zu wenig Monster und kranke Ideen; stattdessen ein unpassender CGI-Strudel am Ende, der mal wieder sinnbildlich für die kreative Ohnmacht diverser Horror-Sequels steht.
:liquid3:

Fando Y Lis
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Mit seinem Spielfilmdebüt (vorher gab’s nur den Kurzfilm „Die Krawatte“) hat Jodorowsky bereits so ziemlich jede Instanz gegen sich aufgebracht, die hinter freier Kunst das potenzielle Verderben vermutet. Denn „Fando Y Lis“ nutzt die künstlerische Freiheit in vollen Zügen aus. Setzt surrealistische Gebilde in die Reise ohne Ziel und verstört mit irritierenden Bildschnitten, schockiert mit religiöser Symbolik in ketzerischen Kontexten, Sexualität (auch mit Konnotationen der Homosexualität und der Travestie) und körperlicher so wie psychischer Gewalt, verschiebt das soziale Gleichgewicht der Charaktere zueinander und lässt so permanente Unsicherheit im Raum schweben. Der in schwarzweiß gedrehte Film, der visuell auch in Konkurrenz zu Werken von Fellini stand, wird in starken Kontrasten präsentiert und lässt das von Fando und Lis bereiste Ödland bedrohlich und schattenhaft wirken. Bunuels / Dalis „Andalusischer Hund“ erweist sich letztlich als offensichtlichste Inspirationsquelle; so reicht unter anderem Jodorowsky den Surrealismus an eine neuere Generation weiter. Die relevanteren Werke hat der Regisseur später mit „El Topo“ und „Montana Sacra“ nachgereicht, ähnlich wie David Lynchs „Eraserhead“ eignet sich „Fando Y Lis“ aber besonders, um die Essenz des Regisseurs in seiner rohsten Form zu erkennen.
:liquid8:

Ender’s Game
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Eine Story gewiss nicht ohne Reiz (allerdings schreit sie verräterisch geradezu von den Dächern, dass sie einem Roman entnommen wurde), wenngleich sich die Schockwirkung des Twists aufgrund der medialen Eigenschaften des Films (dramaturgischer und laufzeittechnischer Natur) sehr in Grenzen hält; so etwas funktioniert dann doch eher in Romanform, erst recht, insofern die Konsequenzen des Twists nur oberflächlich angerissen werden. Visuell macht „Ender’s Game“ eine sehr gute Figur, die – wenn auch sehr distanziert eingefangenen – Himmelsschlachten sind kleine Kunstwerke bildfüllenden Schwirrens, Schießens und Explodierens. Nur die gelegentlichen Traum- bzw. Visionssequenzen sehen allzu sehr nach Videospiel aus, auch wenn bewusst eine gewisse Befremdlichkeit und Abstraktheit in diese Szenen getragen werden sollte. Der junge Hauptdarsteller ist immerhin schon mal kein Jayden Smith, von einer wirklich starken Leistung ist er allerdings auch noch ein Stück entfernt – was auch für sämtliche jüngere Co-Akteure gilt. Wie gut, dass man einen erfahrenen Mann wie Harrison Ford im Aufgebot weiß, der dann im späteren Verlauf auch noch von Ben Kingsley unterstützt wird, die Beiden retten durch ihre zynischen Auftritte so manche Kohle aus dem Feuer. Insgesamt ein nettes Gedankenspiel in durchgestylten Bildern, allerdings mit vielen strukturellen und inhaltlichen Schwächen. Noch
:liquid5:

Only Lovers Left Alive
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War doch eigentlich klar: Wenn Jim Jarmusch einen Vampirfilm macht, ist das immer noch ein Jim-Jarmusch-Film. Die Figuren treiben durch ihren Alltag – wie immer. Sie verschmelzen mit der Stadt, durch die sie geistern – wie immer. Sie finden poetische Worte für das Gewöhnliche – wie immer. Der Regisseur nutzt diesmal die Gelegenheit, die klassische Unsterblichkeitsprämisse für die Nostalgie einzusetzen, Nostalgie für die Kunst und das menschliche Vermächtnis, hier insbesondere für die Musik, die richtiggehend zelebriert wird, wenn hunderte Jahre alte Gitarren von den Vampiren durch reines Abtasten mühelos erkannt und perfekt beschrieben wird, und wie reizvoll ist es anschließend, in den kalten, leeren Vampirgeschichtern die Euphorie, wenn nicht gar Liebe für das Alte und Handgemachte zu entdecken. Ein Film mit hervorragender Ausstattung und ebensolchen Sets und Darstellern, so greif- und erlebbar wie altes Vinyl.
:liquid8:

Die Tribute von Panem – Catching Fire
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Sicherlich betet die Fortsetzung zur erfolgreichen Buchverfilmung die Regeln für anspruchsvolle Sequels geradezu herunter, kann damit aber auch nicht die vielen Schwächen herunterspielen, die schon den ersten Teil plagten. „Catching Fire“ rezitiert vor allem alte Gladiatoren- und Sklavenfilme wie „Ben Hur“ ausgiebig, zerfällt dabei aber sichtbar in zwei Teile und kann weder die erzählerische Komplexität noch den Bombast der großen Epen aus den 50ern und 60ern aufrufen. Die dialoglastige erste Hälfte bemüht sich um vielschichtige Charakterisierung des im ersten Teil vorgestellten Gesellschaftssystems und verteilt den Blickwinkel sorgfältig auf mehrere Perspektiven, die mediale (vorgaukelnde) ebenso wie die persönliche (ehrliche). Dann geht’s auf die Insel und die dystopischen Elemente verdunsten zu SciFi-Abenteuer-Action, wie es sie eben auch im ersten Teil gab und wie es der Zuschauer auch irgendwo erwartet. Das ist alles gut (wenn auch mitunter künstlich) gemacht, einen zugkräftigen Star hat’s auch in der Hauptrolle und die hochkarätigen Nebenrollen veredeln die Peripherie, aber all das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte als solche einfallslos wirkt. Das ist wohl schon der Vorlage anzudichten, dem Film aber ebenso anzukreiden. Bei Gefallen des ersten Teils aber durchaus weiterzuempfehlen.
:liquid6:

Betas – Season 1
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Amazon präsentiert: Ein Produkt aus der Marketingabteilung. Millionen von Hangover- und Big-Bang-Theory-Fans wurden auf ihr Konsumverhalten hin analysiert und „Betas“ ist das, was als gewünschtes Produkt aus dem Analys-O-Maten purzelt. Eine weitere Serie über das Neo-Gesellschaftsphänomen um Nerds bzw. Geeks und ihre Macken, hier mit eher unsympathischen Repräsentanten in der Hauptrolle. Das Humorverständnis von „30 Rock“ gestohlen, die Grundidee bei Finchers „Social Network“ (oder auch direkt bei Zuckerberg) und Jon Daly ging in die Lehre bei Zach Galifaki…faka… ach fuck you. Man sieht, sonderlich sympathisch ist mir die Webserie nicht unbedingt, allerdings muss man die Qualität der gewitzten, den Nagel auf den Kopf des Zeitgeistes treffenden Drehbücher trotzdem anerkennen; der übergreifende Handlungsbogen wird nach elf Episoden sauber zu einem runden Ende gebracht und zwischendrin gibt’s jede Menge Seitenhiebe auf alles und jeden. Das macht’s mir aber trotzdem nicht sympathischer.
:liquid5:

Justified – Season 2
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Insgesamt dichter und spannender als die erste Staffel, weiß die zweite vor allem mit einem guten Gegenpol zum schießwütigen Gesetzeshüter aufzubieten. Gerade Jeremy Davies, in Staffel 1 noch ein wandelndes Comic Relief, profitiert sehr davon, ebenso wie Margo Martindale. Der Mainplot fesselt bis zum dramatischen Ende, und ihm wird auch ein wenig die Prägnanz der Plots-of-the-Week geopfert. So hat Givens es zwar auch immer mal wieder mit neuen Szenarien zu tun, allerdings immer mit dem großen Ganzen im Hinterkopf. Ansonsten ist „Justified“ weiterhin altmodisches Krimi-Entertainment mit Texas- und Kleinstadtflair, voller Cowboys und Ladies, die gerettet werden wollen.
:liquid6:

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Nurse 3D
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Beitrag von StS » 08.07.2014, 19:15

Deine Meinung zum JJ-Streifen kannste ja auch im entsprechenden Thread posten - und bei den Hungerspielen auch. :wink:

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Beitrag von Vince » 08.07.2014, 19:28

Oha, sind mir gleich zwei durchgerutscht... habs nachgetragen. ;)

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Beitrag von StS » 08.07.2014, 19:30

:yeah: :wink:

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Beitrag von SFI » 09.07.2014, 08:43

Betas fing ich auch vor paar Wochen mal an, sehe ich genauso wie du, habs aber nicht bis zum Ende ertragen. Auch Justified habe ich nach ein paar Folgen abgebrochen, ziemlich lausige Serie, die eher in die 80er Serienlandschaft passt. :lol:
Die letzte Wahl - Vom Ende des politischen Urteils

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Beitrag von Vince » 11.07.2014, 15:32

SFI hat geschrieben:Auch Justified habe ich nach ein paar Folgen abgebrochen, ziemlich lausige Serie, die eher in die 80er Serienlandschaft passt. :lol:
Eigentlich ja eher 90er, diese ruhige Cowboynummer aus der Kleinstadt passt eher zu Walker, Texas Ranger als zu Knight Rider. ;)

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