Shadow und der Fluch des Khan

Der Action Film der 80er, der 90er und heute.
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Shadow und der Fluch des Khan

Beitrag von Vince » 06.05.2006, 19:23

Shadow und der Fluch des Khan

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Originaltitel: The Shadow
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 1994
Regie: Russell Mulcahy
Darsteller: Alec Baldwin, John Lone, Penelope Ann Miller, Peter Boyle, Ian McKellen, Tim Curry, Jonathan Winters, Sab Shimono, Andre Gregory, Brady Tsurutani u.a.

Geschrieben am 16.06.2005

Ähnlich wie der „Grinch“ ist „The Shadow“, wenn auch mit etwas weniger Zugkraft, ein Stück US-Popkultur, während er in Europa bislang ungefähr so berühmt war wie Schmitz von der Ecke. Während der Grinch jedoch nach der erfolgreichen Verfilmung mit Jim Carrey auch hier in aller Munde ist bzw. eine Zeit lang war, gehört der Schattenmann nach wie vor zu den Mysterien der Comic- und Superheldenwelt. Nur Wenige kennen die plötzlich aus dem Boden gepuffte Comicverfilmung. Denn die lief nicht nur hier erwartungsgemäß schlecht, sondern auch in ihrem Heimatland. In Anbetracht der relativen Popularität der Figur vielleicht überraschend, nicht jedoch daraufhin bezogen, dass die erste der insgesamt 325 Ausgaben bereits 1931 erschien. Zudem schoss der Film wie gesagt ziemlich unerwartet aus dem Boden und musste zu allem Überfluss letztendlich aussehen wie eine unmotivierte Kopie der nur wenige Jahre zuvor entstandenen Genrereferenz „Batman“ (und „Batman Returns“) von Tim Burton. Man bedenke, die Comicverfilmung hat erst in den letzten Jahren ihre Revolution erfahren, und alles, was in den Neunzigern erschien, musste sich am dunklen Rächer von Gotham City messen lassen.

Tja, und dank Einsteins Relativitätstheorie sah „Shadow und der Fluch des Khan“ dann auch gegenüber dem großen Bruder Batman trotz schicker Optik und mehr als zeitgemäßer Spezialeffekte relativ alt aus. Dabei wird der extreme Misserfolg dem Treiben auf der Leinwand nur bedingt gerecht, denn ansehbar ist das allemal. Nur ist es eben auch nix Besonderes. Speziell, was das Drehbuch anbelangt.

Das mutet nämlich an wie eine bunte Schnitzeljagd durch das retro-futuristische New York der 30er Jahre, bei der mit altbekannten Bösewichterphrasen vollkommen zusammenhangslos um sich geworfen wird. Da wird dann mal eben vom letzten Nachkommen des Dschingis Khan dessen Welteroberungsplan weitergeführt, was vom gefallenen Dämon Shadow aka Lamont Cranston (aka Alec Baldwin), der Khan in seiner Bösartigkeit einst ebenbürtig war, verhindert werden muss. Das ist schon im Ansatz ein verzerrt-satirischer Schrei an die Schwarz-Weiß-Mechanismen der frühen Comic-Historie und persifliert damit das Ur-Comic an sich, mit all seinen bereinigten, simplifizierten und überzeichneten Tuschestrichen. Da fällt die Überleitung nicht schwer zum knallig-bunten „Dick Tracy“, der übrigens als Realverfilmung wenige Jahre zuvor auf ganz ähnliche Weise auf die Nase fiel.

Dementsprechend lässt sich auch über den Cast leicht orakeln. Allen voran über Tim Curry, der gemäß seiner üblichen Rollenwahl (die sich wohl auch aus einem recht eng und auf eine Richtung ausgelegten Rollenangebot ergibt) mal wieder den fiesen Handlanger gibt, nicht anders als ein beliebiger Batman-Gegner-Helfershelfer oder gar Kevin J. O'Connor in „Die Mumie“. Den (Anti?-)Helden macht Alec Baldwin, als Sympathieträger wie immer auch hier ungeeignet. Und das ist ein wesentlicher Makel des Films, denn der Zuschauer dringt nicht durch die bunten Linien und Formen zu den Figuren hindurch, was eben gerade beim Hauptdarsteller ein wesentliches Problem ist. Man merkt schon in der Anfangssequenz, dass Baldwin als Bösewicht vielleicht besser aufgehoben wäre. Besonders der mit einem lebenden Dolch erzwungene Wandel zum Gutmenschen kommt nicht glaubhaft rüber, vor allem, weil er in der einen Szene von grundauf böse ist und in der nächsten die pure Güte gegenüber den Guten verkörpert (an die Bösen werden natürlich in Asskicker-Manier Prügel verteilt). Eine innere Zerrissenheit, ein quälender Kampf zwischen den beiden Seiten ist nie zu finden; ein weiteres Qualitätsdefizit gegenüber dem Flattermann aus Gotham City, möglicherweise auch gegenüber der eigenen Comicvorlage (die mir jedoch nicht bekannt ist, weshalb ich das nicht beurteilen kann).
Allerdings, und das muss man Baldwin zugestehen, er versteht es, seine Figur trotz des fehlenden Identifikationspotentials unglaublich cool und mysteriös erscheinen zu lassen. Sicherlich auch durch den ein oder anderen Effekt forciert, verschmilzt Baldwin mit den Fähigkeiten und Eigenschaften seiner Figur, stiert mit hypnotisierenden Augen sein Gegenüber an und strahlt eine faszinierende Leinwandpräsenz aus, die es durchaus in sich hat. Insofern ist er dann doch nicht fehlbesetzt.
John Lone spielt den Gegenspieler Shiwan Khan ganz ähnlich wie Baldwin: keineswegs in irgendeiner Art und Weise nachvollziehbar, jedoch mit einer überraschenden Tiefe, die wiederum bevorzugt durch die Augen ausgestrahlt wird. Zumindest macht er das Beste aus dem Drehbuch, das die Figur dann doch auf den wahnsinnigen Welteroberer reduziert und ihr damit unzählige Klischees aufdrängt. Penelope Ann Miller agiert lediglich als verschiebbares Objekt, sozusagen der Prototyp dessen, was einst Patricia Arquette berühmt gemacht hatte, und ist in ihrer Funktion ähnlich wie Tim Curry ein klassisches Utensil des Comicfilms, wenig überraschend, aber irgendwie beruhigend. Ian McKellen ist leider mal ganz verschenkt.

Nun handeln und dialogisieren sich diese Figuren also durch einen Plot, der auf Authentizität pfeift und lieber auf Action und Eyecandy setzt. Das beginnt bei dem anfänglichen Kampf mit dem lebenden Dolch und endet im ultimativen Endkampf, der aber leider kein bisschen spektakulärer ausfällt als das, was man zuvor sehen durfte. Sich stets auf einem Level bewegend, wird es zwar nie langweilig, jedoch auch nie so wirklich aufregend, was daran liegt, dass einfach ein Klimax fehlt, der den dramaturgischen Aufbau strukturieren könnte. Nun kommt es aber so, wie es halt kommen muss: Böse wird zu Gut, Gut trifft in einer Art Spiegelsituation auf Böse, Böse will Gut auf eigene Seite bringen, Gut schlägt aus, es folgt ein Fernduell zwischen Gut und Böse, dann trifft Gut auf Böse's Helferlein, bevor Gut zum letzten Mal auf Böse trifft und es plattmacht. Hupps, war das jetzt ein Spoiler?

Was nun über die enorme Vorhersehbarkeit des Plots weghilft, das ist die tricktechnische Inszenierung, die vielleicht auch wegen fehlender Kenntnis über die Comicvorlage zum Glück mit Unvorhersehbarkeit glänzt und das ein oder andere Schmankerl zu bieten hat. Wirklich verblüffend gut, wenn auch sehr zentral präsentiert sind die zahlreichen Spezialeffekte, die 1994 noch zur Spitze des Möglichen gehört haben dürften. Das 30er-Jahre New York wirkt dadurch zwar alles andere als authentisch, dafür aber ungemein lebhaft und detailverliebt. Besonders bemerkenswert ist es, dass man immer, wenn die Aussicht auf glaubwürdige Special Effects gering war, lieber auf Altbewährtes wie Schatten- und Lichtexperimente gesetzt hat. Nie hat man das Gefühl, ein Effekt sei störend oder dränge sich in seiner Unvollkommenheit vor den beabsichtigten Zweck. Das war sicherlich auch gerade in Hinblick auf die Thematik ein geschickter Schachzug, denn die Story über einen Menschen, der in seinem eigenen Schatten verschwinden kann, erfordert auch etwas Subtilität und Undurchsichtigkeit. Und erfreulicherweise bekommen wir trotz der knallbunten Schauplätze davon auch etwas zu sehen: der nächtliche Kampf auf der Brücke wirkt mit Shadows schallendem Gelächter niemals lächerlich, sondern erreicht stattdessen sogar eine gewisse Dreidimensionalität, während die Vorstöße aus dem Dunkeln schon das erahnen lassen, was in Paul Verhoevens „Hollow Man“ beinahe zur tricktechnischen Perfektion getrieben wurde. Ganz stark bleiben jedoch die Beleuchtungstricks im Gedächtnis hängen, vor allem, als Lamont Cranston Margo Lane im Restaurant geistig vernebelt und sich dabei sein Gesicht ganz dezent in Schatten hüllt, ebenso wie die Szene, in der man bei wechselnden Lichtverhältnissen im Rückspiegel eines Taxis sieht, wie sich Lamont Cranston in „The Shadow“ verwandelt. Das ist alles wunderbar subtil, zumal sich die Gesichtskonturen bei der Verwandlung auch noch leicht verändern. Ohne den Comic zu kennen, kann man hier schon beinahe von vorlagengetreuer Umsetzung sprechen.

So ist „Shadow und der Fluch des Khan“ in der Summe eine ebenso knallig-bunte wie angenehm-subtile Comicverfilmung, die optisch einige Sehenswürdigkeiten zu bieten hat, handlungstechnisch jedoch daherkommt wie eine unfreiwillige Comicfilmparodie. Dazu trägt auch das fehlende Identifikationsvermögen der Hauptfigur bei, die dafür sorgt, dass man dem Geschehen nur auf Distanz folgt. Auch sämtliche andere Charaktere geben sich eher als Typen denn als individuell interessante Figuren. Außerdem stagniert der Spannungsaufbau durchweg. Das Interesse des Zuschauers wird dennoch durch die visuelle Umsetzung erhalten. Des Schauwertes wegen:
:liquid6:

Eine DVD gibt es in Deutschland bisher noch nicht. Will man den Film auf deutsch haben, sollte man sich dem Free TV zuwenden, denn dort wird er immer mal wieder ausgestrahlt.
Bevorzugt man den Griff zu einer ausländischen DVD, so ist die britische Version, die auch deutsche Untertitel beinhaltet, gegenüber der US-RC 1 die bessere Wahl, weil anamorph 16:9, während die RC1-Variante in Vollbild angeboten wird.
Zuletzt geändert von Vince am 08.05.2006, 17:26, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von StS » 06.05.2006, 23:43

Unterschreibe ich alles einfach mal so! :wink:

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Beitrag von freeman » 07.05.2006, 00:54

Shadow mag ich als Old School Comic Verfilmung wirklich sehr. Optisch ist er eh eine Klasse für sich und das sogar aus heutiger Sicht. Wirklich viel hat mich an dem Film bisher eigentlich nicht gestört, habe ihn aber auch schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Was ich aber IMMER seltsam fand, war, dass sich seine Gesichtszüge, wie von dir erwähnt, so stark veränderten, wenn Baldwin eben zu Shadow wird. Das fand ich immer deplatziert und weiß auch bis heute nicht, warum man das eigentlich gemacht hat ... Ich weiß auch nicht, aber das hat mich immer massivst gestört ...

In diesem Sinne:
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Beitrag von Vince » 07.05.2006, 15:52

Könnte evtl. auf die Comicvorlage zurückzuführen sein, denn das war ja ganz bewusst so gemacht mit falscher Nase et cetera - wird wohl kein Zufall gewesen sein.
Ich fand das mit den veränderten Gesichtszügen aber eigentlich ganz nett - wirkte auf mich schön düster-geheimnisvoll.

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Beitrag von Carlito » 07.05.2006, 17:04

Als Kind und auch heute noch, einer meiner Lieblingsfilme.
:liquid9:
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Beitrag von StS » 07.05.2006, 17:31

Batman hat auch ne andere Stimme als Bruce... :wink:

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Beitrag von Samir » 07.05.2006, 19:34

StS hat geschrieben:Batman hat auch ne andere Stimme als Bruce... :wink:
Ja und Clarke Kent ist ohne Brille auch kaum wieder zu erkennen wenn er zu Superman wird ;)

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Beitrag von Vince » 07.05.2006, 19:42

Nur Spiderman ist mit und ohne Kostüm das gleiche Weichei. :lol:

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Beitrag von Samir » 07.05.2006, 19:47

klasse Review, wie gesagt ich mag den Film eingentlich auch sehr gerne, klar die über Comicverfilmung ist es nicht aber es hat schon etwas. würd ihm auch so 6,5 geben.

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Beitrag von Alucard » 08.05.2006, 16:52

Nettes Review. BTW gibt's zwar keine deutsche DVD, aber die Disc aus UK hat zumindest deutsche Subs.
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Beitrag von Vince » 08.05.2006, 17:26

Alucard hat geschrieben:Nettes Review. BTW gibt's zwar keine deutsche DVD, aber die Disc aus UK hat zumindest deutsche Subs.
Eine sinnvolle Zusatzinfo, die ich jetzt auch mal oben im Text hinzugefügt habe.

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Beitrag von MysteryBobisCREEPY » 09.05.2006, 20:04

Carlito hat geschrieben:Als Kind und auch heute noch, einer meiner Lieblingsfilme.
:liquid9:
Dito!
Wollt Ihr 'nen Ritt auf meinem Discostick?
Putzt euch die Zähne mit 'ner bottle of shit
Nein Mann ich will noch nicht gehen
Ich will weiter auf dich schiffen
Solang bis du erkennst
Dass meine Pisse keine Fanta ist :D
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Beitrag von Alrik » 05.01.2008, 22:21

:liquid8:
ganz klar.

Er ist nicht perfekt. Dennoch hebt er sich von manch anderen überfrachteten Comicverfilmungen ab. Er hat seinen Charme find ich.

Was die Gesichtsverwandlung angeht das hab ich auch nie verstanden. Sicherlich um sich mehr zu maskieren.
Hab für ein Rollenspielforum mal eine Nachfolgerin von Shadow erfunden. Ist diesesmal eine Frau und heißt Romy. *g* Aber diese Veränderung des Gesichtes hab ich da ausgelassen. Ich fand das sieht in einem hübschen Gesicht einer Frau nicht so prickelnd aus ^^
"Rourke vor Gericht bringen? Ja sicher...und wenn ich dieses Wunder vollbracht hab schlage ich Gott K.O."

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Beitrag von djoli » 16.01.2008, 19:12

StS hat geschrieben:Batman hat auch ne andere Stimme als Bruce... :wink:
Bruce hat seine Stimme trainiert um als Batman anders zu klingen.
Vielleicht war das Pulver feucht...
Oder du bist einfach nur scheiße!

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Re: Shadow und der Fluch des Khan

Beitrag von McClane » 13.07.2019, 12:57

Dass Russell Mulcahy vom Musikvideo kommt und seine Ästhetik auch in seine Spielfilmarbeiten einbrachte, sieht man "The Shadow" (mit dem angemessen pulpigen deutschen Abenteuerfilmtitel "Shadow und der Fluch des Khan") zu jeder Zeit an. Es ist ein todschicker Film, der den Zuschauer nach allen Regeln der Kunst ist das New York der 1930er zurückversetzt: Mit einer Kombination aus entsprechender Ausstattung, liebevoll gebauten Sets, Matte Paintings und relativ dezente eingesetzten CGI-Effekten wird hier eine Epoche wieder zum Leben erweckt bzw. zumindest deren Pulp-Comic-Version. Schließlich handelt es sich beim Shadow ja um einen Urahnen der Superhelden und sonstigen Vigilanten, der in Pulp-Romanen seinen Anfang nahm und danach in fast jedem Medium, vom Comic über Radioprogramme bis hin zum Serial, auftauchte. Ähnlich wie beim Kollegen Lone Ranger dauerte es bis zur Hollywoodverfilmung allerdings auch eine Weile, auch wenn "The Shadow" rund 20 Jahre zuvor auf den Leinwänden reüssierte.
Damit kam er noch vor dem ganz großen Comicboom, ist aber auch von kontemporären Blockbustern wie der "Indiana Jones"-Reihe beeinflusst. Und handlungstechnisch ziemlich kalter Kaffee. Im Sauseschritt erleben wir den Wandel vom skrupellosen Opiumschmuggler Lamont Cranston zum nachaktiven, maskierten Vigilanten, der dann seinen ersten Superschurken bekämpfen muss, der natürlich nahezu identische Fähigkeiten hat und ihn zuerst auf seine Seite ziehen will. Natürlich lehnt der Shadow ab und was der Schurke, der Nachfahre von Dschingis Khan, dann macht, grenzt an Arbeitsverweigerung. Ein lächerlicher Mordversuch am Helden, ansonsten fast nur Arbeit an einem Plan, der diffus bleibt, aber eine Atombombe beinhaltet, damit es was zu entschärfen gibt. So bleiben Held und Schurke immer etwas auf Distanz, wenn sie fast schon halbherzig des jeweils anderen Pläne durchkreuzen wollen, ehe es dann einen zweiten, etwas besser vorbereiteten Mordversuch am Hero und das Aufeinandertreffen im Finale gibt. Die Action ist ganz solide, aber manchmal etwas statisch, der Shadow gern mit zwei Pistolen feuernd rumsteht oder aus dem Schatten auftauchend zuschlägt. Auch steigert sich die Action nicht, wie von Vince bereits im Review gesagt: Jedes Scharmützel ist von ähnlich solider Qualität, aber es fehlt da eine Dramaturgie auf einen Höhepunkt hin.
Durchwachsen ist der Film bei den Nebenrollen: Da stehen lauter interessante Figuren herum, die aber alle nur angerissen werden - als wolle man sie erst in einem Sequel ausbauen. Darunter der väterliche Polizeichef-Freund, der treue Chaffeur und selbst das Love Interest mit der Gedankenlesekraft. Alles tolle Figuren, aber alle irgendwie unterentwickelt. Alec Baldwin macht sich gut als zwielichtiger Antiheld, vielleicht weil er nie so blütenrein wirkt, das Ensemble der Nebendarsteller leistet durchweg Gutes, auch wenn einige nach Schema F besetzt sind, allen voran Tim Curry, der zum x-ten mal den ekligen Schmierlappen gibt. Aber immerhin führt das zu einer schönen Szene, in der man sieht wie Shadows "Gnade" gegenüber Schmierlappen aussieht.
Unterm Strich also ein zwiespältiges Erlebnis, denn die "Shadow"-Welt sieht toll aus und hat viele faszierende Details, über die man in einer Fortsetzung gerne mehr gesehen hätte. Die kam dann aber nicht, vielleicht auch der 08/15-Story und der gleichförmigen Dramaturgie ohne Höhepunkte und Steigerungen wegen. So steht "The Shadow" im Schatten der ähnlichen "Batman"-Filme von Burton, hat aber auch Anklänge von jenen Pulp-Verwurstungen asiatischer Kultur durch Amerikaner Marke "Big Trouble in Little China".

:liquid6:
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