Spetters – knallhart und romantisch

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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Spetters – knallhart und romantisch

Beitrag von freeman » 13.08.2014, 09:03

Spetters – knallhart und romantisch

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Originaltitel: Spetters
Herstellungsland: Niederlande
Erscheinungsjahr: 1980
Regie: Paul Verhoeven
Darsteller: Hans van Tongeren, Renée Soutendijk, Toon Agterberg, Maarten Spanjer, Rutger Hauer, Marianne Boyer, Peter Tuinman, Saskia Ten Batenburg, Yvonne Valkenburg, Ab Abspoel, Rudi Falkenhagen, Hans Veerman, Ben Aerden u.a.

Die Freunde Rien, Hans und Eef hoffen mittels des Motorsports aus ihrem spießigen Umfeld ausbrechen zu können. Als die Imbissbudenbesitzerin Fientje in ihr Leben tritt, verändert sich für die jungen Kerle jedoch alles… Das Drama von Paul Verhoeven mit Rutger Hauer in einer Nebenrolle galt in Holland mehrere Jahrzehnte lang als echter Skandalfilm.
:liquid8:

Zur "Spetters – knallhart und romantisch" Kritik

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Beitrag von Vince » 10.01.2015, 08:47

Starke und informationsreiche Kritik mit einer sehr richtigen Einordnung des Films, freeman!

Spetters
Einer der größten und wichtigsten Jugendfilme überhaupt. Paul Verhoeven verwendet praktisch die 70er Jahre, um eine retrospektiv erschreckend treffsichere Prognose für das Folgejahrzehnt abzugeben. "Spetters" ist Beobachtung des Zeitgeists, mit all den Strömungen aus der amerikanischen Kultur, die ihn geprägt haben, wie Travolta-Poster im Inneren eines Wohnwagens und das Disco-Life in den Nachtclubs belegen. Und doch gräbt Verhoeven tief im heimischen Boden, indem er seinem Film ein starkes Lokalkolorit verleiht. Die Rotterdamer Innenstadt sorgt für nahbar gefühlten Realismus und Vorbildfunktion für das im Zentrum der Handlung stehende Trio junger Motocrossfahrer und Mechaniker stellt kein Hollywood-Star, sondern ein Nationalheld seines Sports, den Rutger Hauer in einer Nebenrolle mit einer faszinierenden Dualität darstellt: Einerseits vermittelt er durch seine Arroganz in gewissen Szenen etwas Ikonisches, eben jenes Ideal, dem die Jugendlichen nachstreben, andererseits kennt er den Nachwuchs beim Namen und feiert und prügelt sich in lokalen Kneipen durch den Abend, als sei er nie aus seinem Nest herausgekommen. Bereits die Kombination dieser beiden Seiten verleiht dem Film eine poetische Tragik und nimmt gewissermaßen bereits die Ereignisse vorweg, die dennoch analytisch scharf in allen Details geschildert werden.

Als Renée Soutendijk irgendwann in der weiblichen Hauptrolle auf den Plan tritt, verleiht Verhoeven der bis dahin unkoordinierten Handlung eine klare Linie, scheint sie doch das Verhalten der drei jungen Männer nach Belieben steuern zu können und gibt der Kraft sexueller Manipulation damit ein symbolisches Gesicht. Weshalb "Spetters" so dramatisch missverstanden wurde, wird angesichts expliziter Schwulensex- und Drogenmissbrauchsszenen, nicht zuletzt aber auch des eiskalten Verhaltens der Soutendijk-Figur wegen offensichtlich. Dass sie wiederum nahezu die einzige Figur ist, der man wenigstens empathische Züge im Gesicht ablesen kann, gehört zu den vielen subversiven Details, die angesichts der provokativen Inhalte vielmals untergegangen sind.

Als Verhoeven schließlich, nur scheinbar ohne direkten Zusammenhang, auch noch mit der Religion abrechnet, wirkt das nicht etwa überladen, sondern schmiegt sich zu einem zusammengehörigen Organismus zusammen - Gottglauben, konservative Elternhäuser, soziale Ausgrenzung von Minderheiten und die Bildung von Idealen zur Ausbildung des eigenen Ichs nehmen ein komplexes Bild mit streckenweise dramatischem Ausgang an, wobei Verhoeven passenderweise mit Bildern einer Autobahn abschließt.
:liquid8: ,5

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Beitrag von freeman » 12.01.2015, 09:28

Vince hat geschrieben:Starke und informationsreiche Kritik mit einer sehr richtigen Einordnung des Films, freeman!
Vielen Dank und fein, dass dir "Spetters" auch zugesagt hat! Hast du dir das Mediabook gegönnt?

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Beitrag von Vince » 12.01.2015, 18:29

Gegönnt bekommen, lag unterm Weihnachtsbaum. Bzw. bis dahin bei Amazon auf meinem Wunschzettel. ;)

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