the Guest

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StS
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the Guest

Beitrag von StS » 01.02.2015, 18:00

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Originaltitel: the Guest
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2014
Regie: Adam Wingard
Darsteller: Dan Stevens, Maika Monroe, Brendan Meyer, Sheila Kelley, Leland Orser, Lance Reddick, Tabatha Shaun, Chase Williamson, Joel David Moore, Ethan Embry, AJ Bowen, …

Mit "the Guest" haben Drehbuchautor Simon Barrett und Regisseur Adam Wingard eine ebenso schwarzhumorig-clevere wie stylish-coole (Genre-übergreifende) Hommage an klassische Werke der späten ’70er, Achtziger und frühen ’90er erschaffen – quasi eine Kombination aus Action- und Slasher-Thriller, die speziell für Freunde jener Genres überaus sehenswert ist…

Zur Kritik geht´s hier!

sehr starke :liquid8:

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Nachtwaechter
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Beitrag von Nachtwaechter » 02.02.2015, 12:05

Auf den bin ich nach interessanten Trailern auch ganz neugierig....
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McClane
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Beitrag von McClane » 24.02.2015, 09:14

Starker Film der kleineren Budgetklasse, durchweg gut gespielt und souverän inszeniert. Gerade der Synthiesound weiß zu gefallen, aber auch der Showdown macht extrem viel aus kleinen Mitteln. Mit angenehm schwarzem Humor und Understatement (vor allem bei den ungewöhnlichen Problemlösungsansätzen der Titelfigur) erzählt "The Guest" die Geschichte vom Wirken des titelgebenden Gastes, bei dem anfangs geschickt offen gelassen wird, ob er denn nun Schutzengel oder Bedrohung ist, egal was er nun zu verbergen haben mag. Leider kann der Film im letzten Drittel dann nicht mehr ganz halten, was der vorige Teil verspricht, vor allem als es ans Auflösen geht: Nachdem sich der Film so viel Mühe gibt den Gast und seine Motive zu verklären, dass die Frage danach nun das Zentrum des Films wird, ist die von Lance Reddick kurz runtergespulte 08/15-Wegwerf-Erklärung fast schon eine mittlere Frechheit: "Das ist ein Psycho, an dem wir Experimente durchgeführt haben und das war's", um es mal zu paraphrasieren. Warum er auf Calebs Familie kam bleibt offen, eine kurze Erwähnung, dass beide im gleichen Programm waren, gibt den einzigen Hinweis. Dass der Gast Caleb mit neuem Gesicht ist, glaube ich nicht, aber der Film bietet auch nicht genug Punkte die Theorie zu beweisen oder zu widerlegen. Dafür punktet der Film mit kurzen, aber starken Actioneinlagen, von denen vor allem die herrlich süffisante Barszene (Stichwort: Blowjob-Shots, *hihihi*) raussticht. Hin und wieder könnte der Film allerdings etwas subtiler inszeniert sein. Wenn der Gast dem Sohnemann das Butterfly gibt und der es im Finale hat, dann ist schon offensichtlich, womit der Gast wohl später noch Bekanntschaft machen wird - da hätte es die Szene, in der Junior das Ding in seinem Versteck auspackt nicht gebraucht, höchstens für die ganz Unaufmerksamen. Und Schlussgags sind nicht unbedingt Wingards Stärke, das sah man ja schon bei "You're Next". Immerhin: Der hingeworfene Der-Killer-lebt-Moment könnte für Sequels sorgen. Und wenn die so gut sind wie der hier, dann dürfen die gerne kommen. Das ist aber Meckern auf hohem Niveau, "The Guest" ist geradliniges, schnörkelloses und stimmiges B-Entertainment der derberen Klasse und darüber kann man froh sein.

:liquid7:
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Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]

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Beitrag von StS » 24.02.2015, 09:28

Das mit der Messer-Szene sehe ich auch so - aber klassische B-Movies zeichnen sich ja eh nicht gerade durch Subtilität aus, daher passt das schon imo. Seine "finsteren Blicke" (u.a. aus zum Fenster raus) recht früh im Geschehen fallen ebenfalls in diese Kategorie. Ich glaube auch nicht, dass das Caleb ist - dafür gibt es keine echten Hinweise, denke ich. Hab den jetzt schon 2x gesehen und bin weiterhin sehr zufrieden mit dem Streifen. :wink:

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Beitrag von McClane » 24.02.2015, 09:31

Ich auch, keine Frage. Sieht man ja auch an der Wertung, auch wenn der Text vielleicht etwas negativ klingt. Ich fand es halt schade, dass DIE zentrale Frage des Films dann doch etwas lieblos abgehandelt wird. Stark gemacht ist er ja, vor allem den Soundtrack find ich sehr geil. Schade, dass ich den letztes Jahr in England nicht im Kino gesehen hab, wär bestimmt ne Erfahrung gewesen.
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Beitrag von MasonStorm » 24.04.2015, 13:43

Hab ihn mir gerade zu Gemüte geführt und bin begeistert. Ein durch und durch cooles Stück Film. Spannend, brutal, mit allerlei denkwürdigen Szenen gesegnet und gerade in den Hauptrollen richtig stark gespielt. Hab ich schon "cool" erwähnt. :D :D
An dieser Stelle einen Dank ans Forum, dass mich immer wieder auf Filme stößt, die mir sonst wahrscheinlich durchrutschen würden. Sehe den wertungstechnisch bei :liquid8:, vielleicht wird es beim nächsten Gucken sogar noch ein bisschen mehr.

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Beitrag von John Woo » 01.05.2015, 14:08

Inszenatorisch und optisch überzeugender Film, dessen cooler Soundtrack und guten Darsteller ebenfalls zur speziellen Atmosphäre beitragen und relativ problemlos über manch inhaltliche Schwäche (warum ruft der Major gegen Ende nicht erneut Verstärkung?) und dem etwas einfallslosen Ablauf in der zweiten Hälfte (da hatte ich nach dem stimmigen Beginn mehr erwartet) hinwegsehen lassen. Einzig das Ende ist sehr enttäuschend und ruiniert den Film leider ein grosses Stück - schade. Trotzdem bleibt unter dem Strich ein überdurchschnittlicher Thriller ohne Längen.
:liquid6:

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Beitrag von StS » 01.05.2015, 14:56

John Woo hat geschrieben:(warum ruft der Major gegen Ende nicht erneut Verstärkung?)
Weil er inoffiziell (gegenüber seinen Vorgesetzten verborgen) mit Hilfe rasch angeheuerter Söldner agiert und schnell handeln muss, bevor der Gesuchte erneut abtaucht. ;)

John Woo hat geschrieben:Einzig das Ende ist sehr enttäuschend und ruiniert den Film leider ein grosses Stück - schade.
Bitte, was? :shock:

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Beitrag von John Woo » 01.05.2015, 14:58

StS hat geschrieben:Bitte, was? :shock:
Dass David am Ende noch lebt, hat mich extrem gestört und fand ich sehr unpassend.

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Beitrag von StS » 01.05.2015, 15:03

John Woo hat geschrieben:
StS hat geschrieben:Bitte, was? :shock:
Dass David am Ende noch lebt, hat mich extrem gestört und fand ich sehr unpassend.
Alles andere wäre eher unpassend gewesen, imo. Der Film ist schließlich eine augenzwinkernd-gewitze Verbeugung vor klassischen Slasher-Streifen á la "Halloween" (etc.) - und da gehört genau das im Grunde mit dazu. :wink:

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Beitrag von John Woo » 01.05.2015, 15:04

Hier hat es imo trotzdem nicht ins Bild gepasst - Referenz hin oder her, das ist für mich keine Entschuldigung.

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Beitrag von Vince » 12.09.2015, 12:26

Wie lust- und kraftvoll man mit alten Prämissen spielen kann, die sich bis zu Hitchcock zurückführen lassen. Der Fremde im Haus und all der Suspense, der von ihm ausgeht – Adam Wingard nimmt ihn nicht ernst, ihn und seine zahllosen Themenkomplexe. Von 80er-Jahre-Revenge-Mechanismen bis zum Growing-Up-Jugenddrama wirft er alles in den Ring, kleidet es mit einer abgeschiedenen Breaking-Bad-Optik und einem Refn-Retrosoundtrack ein.
Das kann er sich auch leisten, denn „The Guest“ ist ein bekennendes B-Movie mit all seinen Vorzügen. Es schneidet nur an, was A-Filme ausbuchstabieren müssen. Es muss sich nicht um immanente Logik scheren. Wingard arbeitet in dieser Hinsicht höchst effizient. Die Auflösung schert ihn kaum, also müht er sich nicht um sie und stellt sein Publikum herausfordernd vor eine Zwei-Satz-Enttäuschung, die im Grunde gar nichts erklärt.
Doch welche Fässer lässt der Regisseur von seinem Hauptdarsteller Dan Stevens aufschlagen, der mit vergleichsweise kleinem Kreuz, aber großer Ausstrahlung wie ein rebellischer Steve McQueen durch den Film schwebt. Action, die aus dem nichts kommt, Einzeiler, die den gesamten Sachverhalt auf den Kopf stellen, Klischees, die bestätigt werden- Man verspürt beim Schauen nicht nur das aufrichtige Gefühl von Adrenalin, sondern verfügt leicht zeitversetzt auch über das entlarvende Wissen, dass man gerade mit verhältnismäßig einfachen Tricks manipuliert wurde, insbesondere, als das Drehbuch im letzten Drittel so manchen Tabubruch begeht, wie er zwar heute nicht mehr einzigartig sein kann, richtig angepackt aber durchaus noch zur Verstörung in der Lage ist.
Ein aufregendes, kurz angebundenes Nischenwerk mit ganz speziellem Flair und gleich zwei Neuentdeckungen: Dan Stevens und Maika Monroe, die „The Guest“ beide auf ihre Art als Sprungbrett nutzen werden.
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Beitrag von LivingDead » 25.03.2016, 12:40

Adam Wingard, eigentlich im Genre des Horrors verankert, zelebriert mit "The Guest" den Geiste eines reinrassigen B-Actioners mit all seinen Vorzügen, nur um zeitgleich noch mit den Befindlichkeiten des klassischen 80er-Jahre-Horrorkinos zu kokettieren. Herausgekommen ist ein so eigensinniges, wie dadurch hervorragend gelungenes Konglomerat aus so vielen Bausteinen, dass es eine wahre Freude ist, dem gewitzten Treiben zuzusehen. Mittendrin ein hervorragender Dan Stevens ("Downtown Abbey"), der bestens verstanden hat, wie er seine Rolle auszulegen hat. Gerade seine Rolle als undurchsichtiger Gast, die als zentrales Motiv für etwaige Coming-of-Age-Geschichten, das Gute, das Böse und Undurchsichtige in diesem Film steht, und sich letztlich alles in B-Action-Gefilden auflöst, bei denen Erklärungen so unnötig wie irrelevant sind, steht für den ganzen Film: Adam Wingard nutzt ähnlich wie ein Tarantino verschiedene Genre-Paradigmen und lässt sie so unvorhersehbar aufeinander treffen, sodass sich im besten Falle etwas ganz eigensinniges ergibt. Unterstützt wird er dabei von dem tollen Synthie-Soundtrack, den er so ansatzweise schon für "You're Next" verwendete.
Unter dem Strich bleibt eine kleine Wundertüte für jeden B-Actionfan und Fan der Filme und Musik der 1980er Jahre (und wer schon "Donnie Darko" mochte, wird diesen Film in der Hinsicht ebenfalls lieben lernen).
:liquid8:
Mit freundlichem Gruß
LivingDead

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