Was für eine Enttäuschung. Erstes großes Manko ist die Geisteshaltung hinter dem Film. Die meiste Redezeit geht an Alex Winter und vor allem Richard Kraft, die andauernd betonen wie schlecht doch alles gewesen sei. Letzterer hat übrigens ein paar Cannon-Film-Credits und danach jahrzehntelang nichts (bis zu dem von ihm gedrehten "Finding Kraftland") nichts in seiner Filmographie. Kann man wahlweise so sehen, dass seine Karriere durch Cannon zerstört wurde (positive Lesart) oder er so untalentiert war, dass er danach keine Arbeit mehr fand (negative Lesart und meine) - da hat jemand gut reden. Währenddessen kommen Franco Zeffirelli und John Frankenheimer (via Archivmaterial) als positive Stimmen nur einmal zu Wort und die interessantesten, weil nuanciertesten Interviewpartner (z.B. Mark Goldblatt oder Sybil Danning) auch nicht so viel Redezeit. Ein vorgefertigtes "Höhö, wie blöd waren die eigentlich", das gar keinen anderen Blickwinkel zulässt. Selbst "Barfly" und "Runaway Train" werden daher als Betriebsunfälle ins Positive umgedeutet; Golan und Globus lediglich als begeisterte Stümper dargestellt. Zum anderen erzählt der Film fast nix außer lauter Anekdoten, die zwar mitunter witzig sind (Castinggespräch mit dem Affen, die "Stone Girl"-Story), aber wenig zum Gesamtbild von Cannon beitragen. Viel Zeit wird auf die Anfänge verwendet, weshalb meine Freundin mich nach rund 40 Minuten fragte, ob das eine Tittenfilm-Firma gewesen wäre, während die zentralen Actionsachen wenig Raum bekommen. Ein Film wie "Bloodsport" wird kurz erwähnt, sein Einfluss auf den (US-)Martial-Arts-Film aber nicht. Da alles Gegenlautende der Schlechtheitsthese entgegensteht, wird zwar mehr gesagt, dass Cannon im Kino oft Verluste machte, der erstarkende Videomarkt der 1980er aber mit keinem einzigen Wort erwähnt. Vergleiche zu den Praktiken anderer werden nicht gemacht (bei Roger Corman gab es oft Poster und Titel vor dem Drehbuch, das Pre-Sale-Modell hat Carolco mit viel teureren Genrefilmen ebenso ausgereizt usw.), und auch sonst jeder erhellende Kontext direkt für Talking Heads rausgeworfen, damit jeder mal kurz zu Wort kommt, aber keiner so richtig was erzählen kann. Interessant wird es erst gegen Ende, wenn tatsächlich einigermaßen nachvollziehbar über Cannons Niedergang berichtet wird, aber bis dahin ist viel Zeit vergangen und von einer Doku-Dramaturgie wenig zu merken. Und auch hier werden interessante Ansätze (Golan und Globus als Vorläufer der Weinsteins, Nu Image usw. als kommerziell erfolgreichere Nachahmer des Cannon-Modells) bloß angerissen und nicht vertieft. Noch dazu belaufen sich die Ausschnitte auf den Filmen fast immer auf hastig aneinandergereihte Titten- oder Blutszenen, die kaum einen Eindruck vom Film vermitteln. Vielleicht soll "Electric Boogaloo" auch ein Metafilm sein, denn Hartley vertritt ja die These, dass Cannon-Produktionen wenig filigran Zusammengestückeltes waren, das Schwächen mit Nacktheit und Gewalt ausgleichen wollte. Insofern ist das hier das Doku-Äquivalent dazu.
Ganz unabhängig davon war der Umgang mit dem Alter beim manchem ganz interessant: Der über 50jährigen, komplett natürlichen Catherine Mary Stewart sieht man ihr Alter kaum an, während die fast gleichaltrige Laurene Landon als Beispiel für das Altern in Schande stehen kann, denn deren Fresse ist so kaputtgebotoxt, dass man fünf Nicole Kidmans damit ausstatten kann.
Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]