Meine Sichtung liegt schon einige Wochen zurück und ich habe den Film ne Weile sacken lassen, da viele Leute, mit deren Meinung meist ich konform gehe, etwa Chris Stuckman oder Vince, den Film super fanden und mich Villeneuves "Prisoners" so begeistert hat; und ich hätte ihn auch gern gemocht. Doch trotz dieser Zeit und der Sichtung von
Stuckmans Erklärungsvideo, das mir zeigte, dass ich mit meiner Interpretation auf dem richtigen Weg war, und half die Lücken darin zu füllen (die manchersorts vorgebrachte Weltverschwörungstheorie hat für mich nicht so viel Sinn gemacht), muss ich sagen: Ich finde den Film immer noch enttäuschend. Ein sprödes Gedankenspiel, das zwar zum Entschlüsseln und Interpretieren anregt, was ja nicht das Schlechteste ist, darüber hinaus aber furztrocken bleibt. Gyllenhaals Figuren sind beide bestenfalls begrenzt sympathisch, die Regie zeigt auf, dass auch Toronto so trostlos wie ein im Berliner-Schule-Look gefilmtes Köln Kalk erscheinen lassen kann, ist aber ansonsten in erster Linie darauf bedacht Fährten für des Rätsels Lösung zu streuen. Atmosphärisch beeindruckende Szenen, etwa den Auftakt in dem Undergroundclub, hat "Enemy" zwischendurch auch zu bieten, aber insgesamt ein recht freudloser, trockener Aufgabenstellungsfilm, einer Matheklausur nicht unähnlich. Denis Villeneuve sagte in einem Interview einmal, dass man "Enemy" zweimal sehen müsste, um ihn (ohne Hilfen) zu verstehen. Dann, lieber Denis, sollte dein Film aber genug Interesse erzeugen, dass ich ihn überhaupt ein zweites Mal sehen will. Was der vergleichbare "Mulholland Drive" beispielsweise spielend schafft.

Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]
Perry Van Shrike: "Look up 'idiot' in the dictionary. You know what you'll find?" - Harry Lockhart: "A picture of me?" - Perry Van Shrike: "No! The definition of the word idiot, cause that is what you fucking are!" [Kiss Kiss, Bang Bang]