Der Babadook

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Der Babadook

Beitrag von freeman » 06.05.2015, 09:13

Der Babadook

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Originaltitel: The Babadook
Herstellungsland: Australien
Erscheinungsjahr: 2013
Regie: Jennifer Kent
Darsteller: Essie Davis, Noah Wiseman, Daniel Henshall, Hayley McElhinney, Barbara West, Benjamin Winspear, Cathy Adamek, Craig Behenna, Adam Morgan u.a.

ines Abends liest Amelia ihrem Sohn Samuel aus einem Buch vor. In diesem geht es um den Babadook. Die Erzählung erschreckt den Jungen so nachhaltig, dass er fortan überzeugt ist, von dem Ungeheuer verfolgt zu werden. Das verschärft die stark angespannte Beziehung zwischen dem Jungen und seiner überforderten Mutter sehr. Kann der Kampf gegen den Babadook die kleine Familie vereinen? Und wie real ist der Babadook? Artifizieller, tiefgründiger Horror aus Australien.
:liquid7:

Zur "Der Babadook" Kritik

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Zuletzt geändert von freeman am 23.11.2015, 09:08, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von freeman » 06.05.2015, 09:15

Platzhalter für ursprünglichen Kurzfilm...

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Beitrag von StS » 06.05.2015, 09:33

Joa, den hatte ich letzten August bereits im Kino gesehen – und war angesichts so mancher begeisterter Vorabkritik aber ebenfalls ein wenig enttäuscht. Ist auf jeden Fall ein weiterer sehenswerter Film aus „Down Under“ – der aber mehr auf der Ebene eines Dramas funktioniert, während die Horror-Elemente nicht ganz so stark daherkommen, in erster Linie da man vergleichbare Szenarien inzwischen bereits relativ gut kennt. Das gezeigte Buch an sich ist herrlich creepy-cool, die Darsteller liefern tolle Leistungen ab – allen voran Essie Davis als Mutter, die einem (gerade in der Anfangshälfte) wahrlich leid tut – das Ende ist interessant, die Atmosphäre dicht und die Leistung der Regisseurin Jennifer Kent stellt eine Menge Talent zur Schau. Zudem bekräftigt das Werk mal wieder meine (derzeitige) Einstellung, lieber keine Kinder bekommen zu wollen – der Junge hier raubt einem mit seinem Gebaren nämlich wahrhaft so manchen Nerv…

:liquid7:

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Beitrag von freeman » 06.05.2015, 09:55

lieber keine Kinder bekommen zu wollen – der Junge hier raubt einem mit seinem Gebaren nämlich wahrhaft so manchen Nerv…
Wobei es sich ja im Laufe des Filmes gibt. Aber die erste Hälfte wäre wirklich DER Lehrfilm für Nachwuchsprävention schlechthin. Absolut :lol:

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Beitrag von LivingDead » 23.11.2015, 20:21

Ich dachte ich hätte zu dem Streifen schon was geschrieben. :shock: So kann man sich irren...
Nun: Anfangs mag einem das Kind doch ziemlich schnell auf die Nerven gehen, doch würde man dem Film damit schnell seinen besten Aspekt aberkennen. Würde der Film nämlich vor bildhaften Anspielungen nicht nur so wimmeln, würde man wohl auch schnell übersehen, dass es sich beim "Babadook" um ein in der Tat mitreißendes Familiendrama handelt. Gerade die ins krankhaft manisch-depressive abgleitende Überforderung der Mutter wird immer wieder ins Zentrum gerückt, sodass sich alle übersinnlichen Phänomene auch im Kopf der Darsteller abspielen könnten. Dass das Übersinnliche dann aber doch Überhand gewinnt, stellt insofern zufrieden, dass die Gruselszenen sehr einfallsreich gestaltet wurden. Doch gewinnen hierbei immer noch genau die Szenen, die eben nichts zeigen und durch knarzende Türen oder das gruselige Buch wohlige Gänsehaut erzeugen können.
Die Bildsprache verführt zwar immer wieder zum Holzhammer, doch insgesamt bleibt es bei einem sehr gelungenen Horrorfilm.
:liquid7:
Mit freundlichem Gruß
LivingDead

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Beitrag von Vince » 24.11.2015, 16:09

LivingDead hat geschrieben:Ich dachte ich hätte zu dem Streifen schon was geschrieben. :shock: So kann man sich irren...
Und ich dachte, ich hätte vernünftig nach dem Thread gesucht, aber so kann man sich irren... donge freemännsche... hier also der Nachtrag aus dem Filmtagebuch:

Nicht von der vermeintlichen Nervigkeit des Jungen beirren lassen (die im Übrigen absolut gewollt ist)! Mit dem „Babadook“ erschuf Jennifer Kent eine der unheimlichsten Gruselgestalten seit langer Zeit, obwohl sie sich für die schwarze Gestalt mit Zylinder freimütig auf jahrzehntealte Horrorfilm-Traditionen beruft. Das gesamte Artdesign, vom Bilderbuch bis zur Gestaltung des Hauses, zeigt sich vom expressionistischen deutschen Stummfilm der 20er Jahre und hier insbesondere von „Das Cabinet des Dr. Caligari“ beeinflusst. Kubistische Winkel ermöglichen schwarze Schatten, in denen Gegenstände zum Leben erwachen, Oberflächen erscheinen zweidimensional wie eine Kulisse aus Pappmaché und lassen aufschrecken, wenn sie plötzlich und unerwartet in den dreidimensionalen Raum greifen. Ästhetisch jedenfalls ist „Der Babadook“ schon ein Kunstwerk der sukzessiven Verwandlung des spielerischen Grusels ins Bizarre.
Vollends funktionsfähig wird er allerdings durch das Mutter-Kind-Drama. Kent spielt insbesondere in der ersten Filmhälfte herzhaft mit der Möglichkeit, die Mutter könnte aufgrund der traumatischen Ausgangssituation eine psychische Störung davongetragen haben oder der Junge habe sich aufgrund der belastenden Familiensituation ohne väterliche Stütze fehlentwickelt. Es dauert lange, bis sich das Monster überhaupt materialisiert und selbst dann tritt es überwiegend als Silhouette in Erscheinung. Das Spiel des Nichtzeigens weiß die Regisseurin jedenfalls mit Bravour zu spielen, es inspiriert sie gar zu experimentellen Perspektiven, bei der man dem sich entblößenden Babadook über die Schulter sieht und das entsetzte Gesicht des Opfers sieht, was zweifelsfrei eine intensivere Wirkung hinterlässt, als die Spannung mit einem Schwenk auf die Fratze des Babadook zu brechen.
Zu alldem muss das Rad gar nicht neu erfunden werden – es geht um altmodisches Gruselhandwerk, das hier äußerst effizient ausgeführt wird.
:liquid8:

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Beitrag von McClane » 29.12.2015, 09:21

Ja, das Kind mag nervig sein, aber das ist ja gewollt, nimmt der Film doch klar die Perspektive der Mutter ein, die Verlust des Gatten nie verwunden hat und deshalb Antipathien auf ihren Sohn projiziert. Ähnlich wie bei "Shining" weiß man nicht, ob der Babadook nun real oder nur imaginiert ist und so hundertprozentig wird das zum Ende auch nicht aufgelöst, wenn man bedenkt, wessen Perspektive man hier die ganze Zeit eingenommen hat. So folgt man intensiv eingenommen dem geistigen und sozialen Verfall der Hauptfigur, die Freunde, Ansehen und psychisch Gesundheit nach und nach zu verlieren droht, während der Horror sehr dezent eingesetzt wird und vor allem in den Aufnahmen des famos gestalteten Buches die wohligsten Schauer über den Rücken zu jagen weiß. Je lauter "The Babadook" ist, desto schwächer wird er dann: Die kreischende Mutter und das kreischende Kind reißen in den Horrorszenen eher raus als Angst zu schüren und der starken Idee fehlt leider ein starker Abschluss, weshalb der "Nightmare on Elm Street"-meets-"Kevin allein zu Haus"-meets-Besessenheit-Showdown dann doch etwas wirkungslos verpufft. Ansonsten aber ein stark gespieltes Zwei-Personen-Stück mit einfallsreichen Ideen (gerade auf visueller Ebene), die aus einem kleinen Budget enorm viel herausholen.

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