Gymkata (aka Asia Mission)
Beim Durchforsten der Fernsehzeitung bin ich auf "Gymkata" gestoßen. Schon alleine der Titel ließ mich aufhorchen. Das Enstehungsjahr 1985 forcierte mein Interesse umso mehr. Also forschte ich ein wenig weiter. Recht schnell fand ich dann heraus, dass man hier den (mir bis dato unbekannten) Turner und Weltmeister Kurt Thomas versuchte in das Filmgeschäft zu hieven. Dabei dachte man sich dann, dass es scheinbar cool wäre Gymnastik und Karate zu kombinieren. Gymkata was born!
Diesen Film muss ich unbedingt sehen, dachte ich mir, programmierte das Teil im Digitalrekorder ein und wurde nicht enttäuscht. Natürlich handelt es sich bei "Gymkata" um die absolute Obergülle und der Streifen ist total bekloppt. Aber genau das macht den Film eben so sehenswert.
Alleine die Story hat schon Hitqualitäten: Irgendwo in dem fiktiven Bergstaat Parmistan wird jedes Jahr ein brutaler Wettkampf, welcher eigentlich nichts weiter als eine Menschenjagd ist, veranstaltet, den die letzten 900 Jahre aber keiner der Teilnehmer überlebt hat. Aber wer den Wettkampf gewinnt, ja der hat einen Wunsch frei. Davon haben die Amis Wind bekommen und wollen deshalb Kurt Thomas dort hin schicken, damit er sich (aufgepasst!) wünschen kann, dass die Amis dort einen Satelliten hinbauen dürfen. Mit diesem Satelliten könnte man den Weltfrieden sichern, denn würde die "andere Seite" unseren Helden zuvor kommen wäre das Ende vorprogrammiert. Ich darf übrigens nicht vergessen zu erwähnen, dass der Vater von unserem Protagonisten ebenfalls schon bei den Spielen gescheitert ist. Damit Kurt Thomas das nicht passiert, wird er intensiv darauf vorbereitet und der Wahnsinn beginnt filmisch mit einer Trainingsmontage... Ach so wartet, unser Protagonist bekommt natürlich auch eine Love-Interest, welche (so viel darf ich verraten) nicht nur seine geheimnisvolle Trainingspartnerin ist, sondern auch die Tochter des Königs von Parmistan (was habe ich gelacht, die einzige asiatisch aussehende Schauspielerin ist die Tochter des Königs) und die versprochene Gemahlin des Oberschurken. Da ist Ärger vorprogrammiert!
Gymkata bietet also ein buntes Potpourri abstruser Ideen, was darin gipfelt, dass der Höhepunkt des Films, die Szenen in dem Dorf der Verfluchten, auch dicke in einen Horrorfilm gepasst hätte. Ich wollte es vorher nicht glauben als ich das las, es ist aber tatsächlich so. Allgemein lässt sich feststellen, dass die Schauplätze gut gewählt wurden (gedreht wurde in ehemals Jugoslawien). Es muss da teilweise aber schweinekalt gewesen sein. Bei den Reitszenen könnte man meinen, die Pferde sind Dampfloks, so wie das aus deren Mündern qualmt. Da beneide ich Richard Norton (der vielleicht bekannteste Schauspieler in dem Film) nicht, der lange Zeit mit nur leicht bekleideten Oberkörper zu sehen ist.
Kurt Thomas lässt jedenfalls erkennen, dass er durchaus akrobatisch ist. Wenn er mit Salto und Schraube auf einen seiner Gegner springt, dürfte auch Super Mario ins Staunen geraten. Der Härtegrad ist auch recht ordentlich. So ist "Gymkata" zwar nicht wirklich blutig, die Kills sind aber eiskalt und trocken. Wenn da mal wieder einer beim Sturz von der Klippe hart auf den Boden aufkommt, zwinkert keiner der restlichen Darsteller.
Auch wenn das jetzt alles nicht schlecht klingt, darf man nicht vergessen, dass "Gymkata" absolut bekloppt ist und sich dabei vor allem noch ziemlich ernst nimmt. Von einem guten Film sind wir Lichtjahre entfernt. Trotzdem sage ich, dass man sich den Film unbedingt mal ansehen sollte, wenn man was mit 80er Actionern anfangen kann. So etwas bekommt man nicht alle Tage zu sehen.
Da können Trashschmieden wie The Asylum noch so viele Haie auf die Filmwelt losschicken, so einen Irrsinn werden die vielleicht nie erreichen.
Edit: Jetzt habe ich fast vergessen zu erwähnen, dass es natürlich auch so etwas wie Ninjas gibt. Ja, hier gibt es die volle Dröhnung und zeitweise spürte ich beim Sehen des Films wie anspruchsvoll "American Fighter" tatsächlich ist.
