Anders als die 1960er Version, die ebenfalls ein Remake war, sucht „Die glorreichen Sieben“ von 1960 kaum nach einer künstlerischen Berechtigung für seine Realisierung, sondern schließt sich mit kommentarloser Zustimmung der Adaption des japanischen Konzeptes der „Sieben Samurai“ für das uramerikanische Western-Genre an. Rollennamen werden getauscht und mit ihnen manche Motivation, doch das sägt alles nicht an den Erkenntnissen, die eine Sichtung des Yul-Brynner-Films mit sich führt – es geht darum, ein Publikum von heute mit den Grundlagen von damals auf moderne Art zu unterhalten.
Dass ein Antoine Fuqua für solche Aufgaben ein Händchen hat, ist kein Geheimnis. Er modelliert stilsicher einen dreidimensional zerstörbaren Actionspielplatz mit brennbaren Kirchtürmen und zerlegbaren Saloons und konzentriert sich ganz bewusst auf die Choreografie der Schusswaffen- Dynamit- und Messerschlachten, auf die er in den ruhigeren Sequenzen mit Spannung schürenden Ansagen der charismatischen Sieben gezielt hinarbeitet.
Weshalb sich ein großes Publikum heute für eine staubige Kleinstadtwesternvariante mit Verteidigungstaktiken interessieren sollte? Weil Fuquas Hochglanz-Edelactionstil in Trailern sehr verführerisch geschnitten werden kann und weil der namhafte Cast dieses Ensemblefilms einfach zieht. Zwei Jahre zuvor hatten Regisseur und Hauptdarsteller erst einen großen Hit gelandet, Washington alleine wird eine Menge Zuschauer ins Kino gezogen haben und er liefert genau das, was man von ihm in der Rolle eines Marshals verlangt. Second Man Chris Pratt ist dank „Jurassic World“ und „Guardians Of The Galaxy“ der momentan wohl angesagteste der Darsteller und hält seine Rolle trotz einiger Westernklischees rund um Kartenspielertricks bzw. Sprengstoffexpertise etwas interessanter, weil er mal nicht hundertprozentig den knuddeligen Sympathischen spielt, sondern auch die Seite eines etwas arroganten und selbstsüchtigen Sonderlings abdeckt. Als Dritter im Bunde folgt Ethan Hawke, ebenfalls mit Klischees beschlagen (hier denen des von Selbstzweifeln geplagten Scharfschützen), die er mit seiner herrlichen Charaktervisage aber kraftvoll aus dem Weg räumt. Den Rest besorgen vier Minderheitenvertreter (Vincent D'Onofrio als gläubiger Bergmensch, Byung-hun Lee für das asiatische, Manuel Garcia-Rulfo für das mexikanische und Martin Sensmeier für das native Publikum), auf der Gegenseite wiederum darf Peter Sarsgaard das Ekel raushängen lassen.
Im Gesamtbild ergibt das eine bunte Mischung zugkräftiger Stars, gern gesehener bekannter Gesichter und interessanter neuer Gesichter, die sich auf offener Straße für eine gesichtslose Gemeinde einsetzen und Fieslinge zur Strecke bringen. Dass die Sieben ihre Motive in mitternächtlichen Zwiegesprächen vor dem Zuschauer nur unzureichend analysieren, interessiert den Fluss der Action nicht.
