Die irre Heldentour des Billy Lynn

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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McClane
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Die irre Heldentour des Billy Lynn

Beitrag von McClane » 19.08.2017, 09:33

Die irre Heldentour des Billy Lynn

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Originaltitel: Billy Lynn's Long Halftime Walk
Herstellungsland: USA/Großbritannien/China
Erscheinungsjahr: 2016
Regie: Ang Lee
Darsteller: Joe Alwyn, Kristen Stewart, Chris Tucker, Garrett Hedlund, Vin Diesel, Steve Martin, Beau Knapp, Jackie Dallas, Ismael Cruz Cordova, Makenzie Leigh, Deirdre Lovejoy, Tim Blake Nelson, Bruce McKinnon u.a.

Ang Lees „Die irre Heldentour des Billy Lynn“ ist eher eine eingängige Momentaufnahme als das ganz große Drama zum Thema Irak-Krieg, wenn er die Erlebnisse der Titelfigur bei einem Promo-Event beschreibt, aber dadurch eingängig. Zum Cast um Newcomer Joe Alwyn gehören Garrett Hedlund, Kristen Stewart, Chris Tucker, Steve Martin und Vin Diesel.

:liquid7:

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Beitrag von Vince » 03.09.2017, 07:50

120 Bilder pro Sekunde – ist man damit fünfmal näher an der Realität, fünfmal tiefer in der Gefühlswelt des Soldaten, verglichen mit dem klassischen Kinoformat?

Die technische Innovation in Ang Lees amerikanischer Heldensage, die eigentlich eine Heldennegation sein möchte, ist Symptom für den Irrglauben, unmittelbare Nähe führe zu unmittelbarer Wahrheit. Einerseits beginnt die Geschichte mit einem scharfen Bewusstsein dieser Problematik. Ein Kamerahelm fängt eine Handlung auf dem Schlachtfeld ein, die eigentlich ein durch die Ausbildung erzeugter Automatismus ist, an der nun aber ein ganzes Land teilnimmt, das die Handlung fortan zur Heldentat deklariert.

Ab hier zelebriert Lee jedoch Heimkehrer-Klischees. Er zeigt ein hysterisches, oberflächlich denkendes Land, das sich betäubt von Show und Feuerwerk die Helden selbst zimmert, die es benötigt. Die Soldaten werden als leere Hüllen zurückgelassen. Chris Tucker und Steve Martin verkörpern dabei Eckpfeiler des amerikanischen Kapitalismus in Form ungehaltener Versprechen, Täuschung, Geiz und Egoismus.

Aus diesem Zusammenhang, der zur Verdeutlichung der Extreme auch vor stereotypen Charakterdarstellungen nicht halt macht, entwickelt sich automatisch Empathie für die junge „Bravo“-Einheit. Dass die Männer mehr verdient haben als von ihrem Land zu heroischen Puppen reduziert zu werden, versucht der Film mit aller Macht zu demonstrieren.

Dies kann aber nicht gelingen, indem man sich einfach an die Fersen des Hauptdarstellers heftet, mit ihm auf der Bühne steht, werden Destiny's Child in Rückansicht performen und der Blick freigelegt wird auf ein riesiges Publikum, das wiederum ein Repräsentant ist für Millionen Haushalte, die diese pompöse Halbzeitshow für ein banales Footballspiel live am Fernseher mitverfolgen. So wie Vin Diesel jedem seiner Schützlinge ein „I love you“ ins Gesicht haucht, hält sich Lee mit Verbrüderungsarien auf, die letztlich nicht minder oberflächlich sind als die Heimat, die sie auf ihre eigenartige Weise willkommen heißt.

Dem fahnenschwenkenden Patrioten wird die Intention sicherlich in einfachen Buchstaben deutlich gemacht, einen echter Blick in die Seele Billy Lynns, geschweige denn seiner Kameraden, gelingt jedoch trotz Einnahme seiner Perspektive nicht.
:liquid4:

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