Colossal

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Colossal

Beitrag von StS » 22.10.2017, 16:13

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Originaltitel: Colossal
Herstellungsland: Kanada-USA-Spanien-Südkorea
Erscheinungsjahr: 2016
Regie: Nacho Vigalondo
Darsteller: Anne Hathaway, Jason Sudeikis, Austin Stowell, Tim Blake Nelson, Dan Stevens, …

Nachdem sie ihr Freund u.a. aufgrund ihres übermäßigen Alkoholkonsums vor die Tür gesetzt hat, kehrt Gloria (Anne Hathaway) in Nacho Vigalondos "Colossal" widerwillig in ihr kleines Heimatstädtchen zurück, wo sie eines Tages feststellen muss, einen mächtigen Kaijū im fernen Seoul zu "kontrollieren", sobald sie zu einer speziellen Zeit einen bestimmten Bereich eines Spielplatzes betritt…

Zur Besprechung geht´s hier!

:liquid7:

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freeman
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Beitrag von freeman » 23.10.2017, 18:17

Vigalondo rockt und der Trailer macht Laune. Der steht schon auf der Merkliste!

In diesem Sinne:
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Beitrag von StS » 24.10.2017, 05:49

freeman hat geschrieben:Vigalondo rockt und der Trailer macht Laune. Der steht schon auf der Merkliste!
Trotz der Gurke "Open Windows" schätze ich Vigalondo auch.
Hauptsache man erwartet hier keine Monster-Action.
Aber ich denke, das habe ich deutlich genug herausgestellt. :wink:

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SFI
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Beitrag von SFI » 12.11.2017, 06:14

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ab 01.12.2017 von der UFA
Der Pfalzbote

"Fate: Protects fools, little children and ships named Enterprise."

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Beitrag von McClane » 07.12.2017, 06:06

Der etwas andere Kaiju-Film. Und gleichzeitig der erneute Beweis, dass "anders" nicht automatisch mit "gut" oder gar "besser" gleichzusetzen ist. Nacho Vigalondos Konzept ist durchaus reizvoll, bietet aber in der Version genug Stoff um eine Folge "Twilight Zone" oder "Outer Limits" zu tragen - für einen Film ist die Handlung entsprechend dünn, dass man einige Nebenfiguren herausstreichen könnte, ohne etwas zu verlieren, was dann auch dazu führt, dass ein Schauspieler wie Tim Blake Nelson hier vollkommen verschenkt ist. Anfangs noch mit dezent witzigem Ton wird "Colossal" immer zum bösen Drama, das vor allem mit der Enthüllung in Bezug auf eine bestimmte Figur an Reiz gewinnt - dumm nur, dass deren Charakterisierung nicht über ein paar Pinselstriche hinausgeht. Zumal der aus dieser Enthüllung erwachsende Konflikt dann doch vergleichsweise schnell wieder abgehakt ist. Zwar sind Kaiju-Film und Kleinstadt-Dramedy inhaltlich verbunden und doch fühlt es immer an, als ob hier zwei Filme nebeneinander liefen, die mehr schlecht als recht zusammenfinden. Jason Sudeikis ist grandios, Anne Hathaway gut und der Rest meist brauchbar, aber aus der reizvollen Prämisse wird wenig gemacht. Allegorie hin oder her - sonderlich komplex oder gut ausgearbeitet ist sie nicht.

:liquid5:
Jimmy Dix: "Du glaubst wohl nicht an die Liebe?" - Joe Hallenbeck: "Doch ich glaube an die Liebe. Ich glaube auch an Krebs." [Last Boy Scout]

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Beitrag von Vince » 04.02.2018, 03:44

Es gibt Komödien, die verwenden gerne Fantasy-Elemente, um ihre Themen bildhafter zu gestalten und Originalität vorzutäuschen, wo am Ende nur der altbekannte moralische Konsens wartet. Das können Bodyswitch-Stoffe sein oder solche, die Tools und Gadgets einbringen, um die Auswirkungen des zu Beginn stets dummen Verhaltens der Hauptfigur zu potenzieren. Adam Sandler und seine Fernbedienung bzw. magischen Schuhe lassen grüßen.

"Colossal" tarnt sich nun als eine solche Komödie mit betont romantischen Anklängen. Er stellt uns seine verpeilte Protagonistin vor (leider nicht so sympathisch wie angedacht: ), während sie gerade eine ziemliche Lebenskrise durchmacht; dazu ihren pedantischen Freund (), der nicht dazu in der Lage ist, sich in die Situation seiner Freundin einzufühlen oder ihr echte Empathie entgegenzubringen. Kurz darauf lernen wir einen sympathischen Schluffi aus Jugendtagen kennen (), der die gebeutelte Beziehung - wir kennen es aus x Romantikkomödien - zum Dreieck formt. Und dann kommt auch schon der magische Sandkasten ins Spiel, mit dem aus dieser generischen Suppe doch noch irgendwie etwas Besonderes entstehen soll.

Einen Kaiju zu materialisieren, indem man also auf der anderen Seite der Erdkugel in einem Sandkasten steht und sich bewegt, ist zugegebenermaßen eine ziemlich irre Idee, die der Unerklärlichkeit des Monsterfilm-Genres ebenso auf den Grund geht wie sie Fragen zu Virtualität aufwirft; außerdem fühlt man sich einmal mehr auf die Mechanismen sozialer Medien gestoßen, in denen es ebenso möglich ist, quasi aus dem eigenen Bett- oder in diesem Fall eben Sandkasten heraus sein Ego vor der ganzen Welt zur Schau zu stellen. Doch selbst ein weniger erfahrenes Filmpublikum bemerkt instinktiv, dass dieses ganze Possenspiel im Grunde nur eine Ablenkung sein kann, und zwar hinsichtlich der Erkenntnis, dass wir es mit einer völlig normalen Komödie zu tun haben.

Aber denkste! Während man sich innerlich schon darauf vorbereitet, den typischen RomCom-Abläufen mit all ihren Last-Minute-Wendungen beiwohnen zu dürfen (womöglich auf einem Flughafen oder an einem Bahnhof), beginnen die Charaktere sich angesichts der ungewöhnlichen Ereignisse zu verändern und von den Abziehbildern ihrer Rollenschemata zu lösen. Nicht jeder ist der, der er zu sein scheint; auch wenn einige Rollenklischees bis zum Schluss durchgehalten werden, drehen sich andere um 180 Grad.

Das kommt auch dem Fantasy-Element zugute, denn mit der Projektion emotionaler Ausbrüche instabiler Erwachsener auf gigantische Riesen, die sich in der Innenstadt von Seoul prügeln, stellt Vigalondo so viel mehr an als einfach nur eine Parodie auf die japanische Monsterfilm-Gattung, die mit "Godzilla" aus der Taufe gehoben wurde. Sie lässt Dinge mit ungewöhnlicher Härte eskalieren und regt zum Ende hin sogar zum Nachdenken an.

"Colossal" ist in der Endabrechnung ohnehin eher Indie-Film als Massenunterhaltung; insofern fällt es nicht weiter ins Gewicht, wenn sich ein Teil der Zuschauerschaft keinen Reim darauf machen kann, wohin die schräge Verquirlung aus Monsterfilm und Kleinstadt-Dramedy überhaupt führen soll.
:liquid7:

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