Der Admiral - Kampf um Europa

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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Der Admiral - Kampf um Europa

Beitrag von McClane » 13.01.2018, 05:07

Der Admiral - Kampf um Europa

Bild

Originaltitel: Michiel de Ruyter
Herstellungsland: Niederlande
Erscheinungsjahr: 2015
Regie: Roel Reiné
Darsteller: Frank Lammers, Sanne Langelaar, Barry Atsma, Lieke van Lexmond, Egbert Jan Weeber, Rutger Hauer, Charles Dance, Derek de Lint, Filip Peeters, Rouland Fernhout, Tygo Gernandt u.a.

Zwischen seinen Arbeiten als Actionregisseur in den USA kehrte Roel Reiné in seine Heimat zurück um dem dortigen Nationalhelden Michiel de Ruyter ein filmisches Denkmal zu setzen. Bildgewaltige Seeschlachten hat „Der Admiral“ in seiner Bebilderung eines weniger bekannten Kapitels europäischer Geschichte aus dem 17. Jahrhundert allerdings ebenso zu bieten wie Rutger Hauer in einer Gastrolle.

:liquid5:,5

Hier geht's zur Kritik
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Beitrag von StS » 13.01.2018, 06:40

Also alles wie immer beim Regisseur: Abseits der Schauwerte sieht´s nicht so hübsch aus

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Beitrag von SFI » 13.01.2018, 12:47

Europa im 17. Jahrhundert. Die Niederlande ist die einzige europäische Republik und umzingelt von feindseligen Monarchien. Das goldene Zeitalter meint es jedoch gut mit den Niederlanden und dank Michiel de Ruyter schmecken sowohl die Engländer als auch die Franzosen bald das Salz des Meeres. Mit einem vergleichsweise mageren Budget von 8 Mio. € arrangierte Roel Reiné (Pistol Whipped, The Marine 2) ein starkes Historienabenteuer, welches jedoch geradezu durch die Zeit schasst. Wenn beispielhalber Michiel de Ruyter die Geschichte einholt, dann wirkt es, als seien gerade ein paar Wochen vergangen. Inszenatorisch muss sich der Streifen dabei keineswegs vor übersteigerten US-Produktionen verstecken. Rasende Kamerafahrten mitten in die Betriebsamkeit eines Schiffes hinein wechseln sich mit Totalen ab, die dutzende Schiffe in die taktisch fokussierten und beeindruckenden Gefechte begleiten. Pathetisch erschallt der Score und spätestens wenn die englische Fahne in Zeitlupe im Meer versinkt, hält der Micheal Bay US-Pathos auch in Europa Einzug. Wohlwollend nimmt man indes den Verzicht gängiger Stereotypen, nerviger Love-Interests oder [alberner] Sidekicks zur Kenntnis. Der Nachteil hierbei: Tendenziell steifer Tagesschau Charakter mit leicht trockenem Doku-Habitus, zu dem die wenig gefällige deutsche Synchronisation [kein O-Ton auf der BD] sicher auch beiträgt. Immerhin, die Kulissen versprühen einen nostalgisch-romantischen Charme und erinnern sofort an vergangene Age of Empires III Abende. Ein sehenswertes Historienabenteuer, dem eine geschliffenere Inszenierung bei den Subplots [etwa Familienleben] aber sicher gut gestanden hätte.

:liquid8:
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Beitrag von McClane » 13.01.2018, 20:06

StS hat geschrieben:Also alles wie immer beim Regisseur: Abseits der Schauwerte sieht´s nicht so hübsch aus
Gibt schon Unterschiede zu seinen direct-to-video-Arbeiten, auch wenn die Action wieder schick im Stil eines Michael Bays für den Videomarkt gedreht ist. Gibt aber weniger davon, der Film ist deutlich ambitioniert, aber weniger schnörkellos - wo mancher Reiné-Actioner zu wenig zu erzählen hat, da hat der hier eben zu viel zu erzählen, sodass vieles nur halbgar angerissen wird.
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Beitrag von SFI » 14.01.2018, 05:37

Das war auch mein Hauptärgernis. Kritische Stimmen merkten zudem an, dass die Stilisierung des Protagonisten zum bescheidenen Helden viel zu einseitig gewesen wäre. Trotz seiner Schwächen dennoch wunderbar bebildert und das mit einem vergleichsweise mickrigen Budget. Da bot die ähnliche Thematik "Elizabeth: The Golden Age" deutlich weniger imposante Schiffsaction und das beim siebenfachen Budget.
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Beitrag von StS » 14.01.2018, 06:39

SFI hat geschrieben:Da bot die ähnliche Thematik "Elizabeth: The Golden Age" deutlich weniger imposante Schiffsaction und das beim siebenfachen Budget.
Ich glaube, da hat man halt andere Prioritäten gesetzt - aber ich weiß, was Du meinst. :wink:

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Beitrag von SFI » 14.01.2018, 08:15

Unbestritten. Dennoch, die übergeordnete Thematik handelte von der spanischen Invasion. Das erinnerte dann stellenweise doch sehr an GoT Verhältnisse, bezüglich Zahlenspiele und tatsächlicher Statisten. :lol:
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Beitrag von freeman » 15.01.2018, 16:02

"Der Admiral" hätte sich selbst gut und gerne 60 Minuten mehr Laufzeit befehlen sollen. Das ist schon irre, mit welchem Tempo da durch die Zeit gerast wird. Infolgedessen bleibt leider vieles schwammig, wenig greifbar. Etwa die Motivation de Ruyters, weiter für die Krone zu arbeiten. Allgemein hätte man gerne mehr von ihm erfahren. Das kann man sich zwar irgendwo anlesen, es hätte dem Film selbst aber sehr gut gestanden. Auch seine Frau hätte man gut und gerne mehr in den Fokus rücken dürfen. Und die allgemeinen Ränkespiele hätten mehr Fett auf den Rippen ebenfalls gut vertragen. Vielleicht ist das bei den Niederländern aber so bekannt, dass man es einfach weglassen kann. Außerhalb des Landes wirds aber sicher schwer mit den größeren Zusammenhängen auf Du und Du zu bleiben.

Inszenatorisch ist "Der Admiral" feinstes Augenfutter, wenngleich man Reine schon vorwerfen könnte, alles ein wenig zu hollywoodesk aufzuziehen. Vor allem in Verbindung mit dem prinzipiell guten, aber halt doch schwer vom US-Pathos geprägten Score fallen einige Szenen auf, die man sich lieber ein wenig "europäischer" gewünscht hätte. Auch fand ich die Schauplätze für die bebilderte Zeit immer einen Tick zu steril und sauber.

Das fällt besonders im Zusammenhang mit der wirklich mal krass entgleisenden Lynchmobszene auf, die ja so krass um Authentizität bemüht ist, dass einem nur der Mund offen stehen bleibt und die Einordnung als Massaker im weiteren Verlauf des Filmes mehr als stimmig ist. (Da ist der Film exakt so dreckig, wie ich mir die Zeit allgemein vorgestellt hätte)

Actiontechnisch knallt es einige Male amtlich. Hier schaltet mir Reine zwar auch ein wenig zu sehr in seinen Amilook aus Zeitlupen und Kameraflügen, aber so wirken die Einlagen auch krass bombastisch. Von den Taktikeinlagen hätte ich auch gerne ein wenig mehr gesehen. Und prinzipiell fand ich es meist leider ein wenig schwierig, zu erkennen, wer hier nun gerade halb versenkt wird. Da fehlte mir ein wenig der Überblick.

Und da das bis hierhin wie ein großer Meckermarathon klingt, muss ich auch anmerken, dass Rutger Hauer zu kurz zu sehen ist.

Doch - Yeah, unvorhersehbare Wendung!!! - in der Summe seiner Teile ist "Der Admiral" echt ein fettes Stück Kintopp, das derart kurzweilig unterhält, dass die 128 Minuten Laufzeit förmlich an einem vorbeifliegen und man eben - Bogen zum Anfang - gerne Nachschlag hätte!
:liquid7:

In diesem Sinne:
freeman
Zuletzt geändert von freeman am 16.01.2018, 16:30, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von McClane » 16.01.2018, 07:52

freeman hat geschrieben:Das fällt besonders im Zusammenhang mit der wirklich mal krass entgleisenden Lynchmobszene auf, die ja so krass um Authentizität bemüht ist, dass einem nur der Mund offen stehen bleibt und die Einordnung als Massaker im weiteren Verlauf des Filmes mehr als stimmig ist.
Auf jeden Fall. Hab bei nem Hollandurlaub mal was davon gelesen beim Sightseeing (könnte sogar in Den Haag an dem entsprechenden Platz gewesen sein) und musste wieder daran denken, als ich die Szene sah.
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