Suburbicon

Filme abseits des Actiongenres aber mit Actionhelden [irgendwie so in der Art]
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McClane
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Suburbicon

Beitrag von McClane » 12.05.2018, 07:05

Suburbicon

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Originaltitel: Suburbicon
Herstellungsland: USA
Erscheinungsjahr: 2017
Regie: George Clooney
Produktion: George Clooney, Grant Heslov, Joel Silver u.a.
Darsteller: Matt Damon, Julianne Moore, Oscar Isaac, Glenn Fleshler, Alex Hassell, Gary Basaraba, Michael D. Cohen, Jack Conley, Noah Jupe, Marah Fairclough, Steve Monroe u.a.

George Clooney verfilmt ein Drehbuch der Coen-Brüder, Joel Silver produziert und in den Hauptrollen tummeln sich Matt Damon, Julianne Moore und Oscar Isaac. Beste Voraussetzungen für die schwarze Farce, die sich mit Intrigen und Rassismus in einer Vorstadt in den 1950ern beschäftigt. Denn in „Surbicon“ ist der Mord an der Frau von Spießer Gardner Lodge erst der Anfang turbulenter Ereignisse.

:liquid4:

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Beitrag von Vince » 19.05.2018, 04:25

Bin auch nicht sooo begeistert und hätte mir ein gelungeneres Resultat vorstellen können, wenn die Coens ihr eigenes Skript verfilmt hätten oder wenn Clooney konsequenterweise ganz auf Coen-Charaktere verzichtet und nur den Rahmen adaptiert hätte.

Es klingt so vielversprechend subversiv wie ein Häuschen mit Vorgarten in den amerikanischen Suburbs: "Suburbicon", eine im Amerika der 50er Jahre angesiedelte Gesellschaftsparabel, geschrieben in den späten 80ern und einwandfrei auf die Gegenwart anwendbar, könnte so viel Gewicht erzeugen. Sie ist bevölkert mit klassischen Coen-Figuren, die irrationale Schneisen ziehen und verrückte Dinge anstellen. Eine Katastrophe bahnt sich an, bei der sich das Verdorbene von innen nach außen zu drehen ankündigt. Dem von den Coens selbst geschriebenen und von George Clooney auf die Leinwand gebrachten Projekt liegt viel Potenzial zugrunde, denn es basiert auf einem starken Skript, dessen zweigleisige Erzählform inhaltlich voneinander getrennte Handlungen durch einen gemeinsamen gesellschaftspolitischen Überbau in einer langen Parallelmontage miteinander verknüpft, und das auf durchaus vielschichtige Art und Weise.

Den inzwischen leicht abgewetzten Coen-Ismen kann man natürlich kritisch gegenüberstehen. Gerade Matt Damons vermeintliche Bandbreite als Charakterdarsteller dampft zunehmend auf ein polarisiertes Pingpong-Spiel zusammen. Linkische, vom System unterdrückte Bürotypen variiert er ebenso gekonnt wie den tollkühnen Actionhelden, dazwischen klafft aber bereits eine breite Lücke. Auffallen kann das aber eigentlich nur, weil "Suburbicon" ein Puppentheater mit sehr speziell zu handhabenden Puppen ist, deren Marionettenkreuz in den Händen des falschen Strippenziehers liegt. Der politische Kontext mag Clooney liegen, die Figuren hingegen nicht. Er weiß all die Schmierlappen und bigotten Reinheitswächter nicht zu greifen, die entweder mit Feuer und Mistgabel auf die Barrikaden gehen oder unter der Maske des Gesetzes die Hände zum eigenen Vorteil aufhalten. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Oscar Isaac hier nicht eine Fargo-Schablone aus dem Lehrbuch spielt. Gelenkt wird sie aber synthetisch, wie ein einfaches Rad im Getriebe, ohne das Gespür für das Skurrile, das ihr innewohnt.

Weil die Figuren aber eben der Schlüssel zum Gelingen dieses satirischen Modellbausatzes sind, entgleitet Clooney das Heft schon im Ansatz. Man wird das Gefühl nicht los, mit störrischen, humorlosen, verbissenen Relikten nach "Mad Men"-Zuschnitt wäre er seinem angepeilten Ziel näher gekommen. Das Ergebnis liegt nun irgendwo zwischen Fisch und Fleisch. Zu schade um das Karikaturistische der Coens, zu schade um die Ambitionen Clooneys.
:liquid5:

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