Terminator: Dark Fate
Die Terminator-Reihe teilt das Schicksal vieler anderer Filmreihen. Am Anfang grandios, bahnbrechend, kultig. Aufbauend auf den Erfolgen der ersten Teile will/muss man weiter machen, hat aber keine Ideen mehr wie man die Geschichte sinnvoll weiter schreibt und vor allem wie man die aufgebaute Stimmung weiter transportieren kann. So eben auch hier. Inzwischen kann man klar sagen, dass nach Teil 3 hätte Schluss sein müssen, und der ist auch nur aus dem Grunde in Ordnung, weil er sich auf gelungene Weise selber persifliert. Bei allem was danach kam, ist deutlich der Krampf beim Versuch eine vernünftige Fortsetzungen zu kreieren zu spüren. War Terminator: Die Erlösung noch eine riesige Enttäuschung, ging Genisys wieder etwas in die richtige Richtung, strauchelte vor allem inhaltlich, war aber wenigstens unterhaltsam. Dark Fate macht aus meiner Sicht auch wieder mehr richtig als falsch und bietet durchaus einiges an Unterhaltung. 2 Mankos stören den Unterhaltungswert aber deutlich spürbar.
Als erstes kratzt man sich mehrfach am Kopf, warum eigentlich so ein Brimborium um den Anschluss an den 2. Teil gemacht wurde. Nun ja, eigentlich ist die Frage einfach zu beantworten: aus Marketing-Sicht war das ein Versuch das Franchise wieder zu beleben. Inhaltlich wurde praktisch nichts daraus gemacht. Eigentlich dient das drücken des Reset-Knopfes nur dazu, um einiges an Fanservice zu bieten und die bekannte Geschichte noch mal durchkauen zu können. Das was man inhaltlich nach dem Reset zu sehen bekommt ist banal, ausgekaut und liefert einige ordentliche Logiklöcher. Da hätte man nicht nur mehr heraus holen können, sondern auch müssen.
Die inhaltlichen Schwächen sind schon schade, was aber noch schwerer wiegt ist der Marvelfaktor, welcher inzwischen in viel zu vielen Filmen präsent ist. Je nach Film können übermenschliche Kräfte durchaus der Unterhaltung zuträglich sein, hier zerlegt es aber zu großen Teilen die Atmosphäre, welche eben die ersten beiden Teile ausgemacht hat. Was war denn das schon hypnotische an den Filmen?! Diese schweißtreibende Horror-Action-Atmosphäre, dieser nicht zu gewinnende Kampf Mensch gegen Maschine. Die Terminatoren hatten sich zudem noch wie Maschinen verhalten und sind primär unnachgiebig und unaufhaltsam folgend hinter den Flüchtenden her. Da hat es gereicht, dass sie nur schwer zerstörbar waren. Der neue Terminator ist hingegen nicht nur sehr agil, sondern besitzt auch außergewöhnliche Fähigkeiten. Um dem Entgegenwirken zu können stellt man eine menschliche Widersacherin mit einem modifiziertem Körper und ebenso erstaunlichen Fähigkeiten entgegen. Selbst Sarah Connor kommt mit solch ordentlichen Actionheldenqualitäten daher, dass Arnie Bauklötze staunen dürfte. Die Sache verkommt zur Superhelden-Posse. Aus diesem Grund hat mir das 4 gegen 1 Finale auch nicht so gefallen wie freeman. Vor allem raubt dieser Umstand dem Film seine notwendige Bedrohlichkeit und zeigt, dass die Filmemacher auch trotz reset nicht verstanden haben, was die Fans an den ersten Teilen so liebten. Das letzte mal als es mir so erging, war als ich Alien: Covenant sah und bestaunen durfte, wie sich 2 Androiden marvelwürdig gegenseitig verkloppten. Aber die Alien-Reihe durfte ja auch fast noch mehr leiden als die Terminator-Reihe.
Das man sich der Stärken der Reihe nicht so recht bewusst zu sein schien, merkt man übrigens auch daran, dass die Terminator bekannten Sprüche, welche die Filmwelt nachhaltig geprägt haben, ziemlich mau und unpointiert platziert waren.
Was den Film primär rettet ist neben der hohen Dynamik (was irgendwie schon wieder paradox ist, da diese auch Grund des Scheiterns ist) ganz klar Arnie. Ihn als Terminator zu sehen ist halt einfach eine Wonne. Mag es inhaltlich noch so unsinnig sein, der Fanservice funktioniert hier einfach wunderbar.
Unterhaltsam war Terminator: Dark Fate durchaus, er hat aber zu keiner Sekunde auch nur ansatzweise die Chance so haften zu bleiben wie die ersten beiden Teile, auch nicht wie Teil 3. Man kann ihn daher durchaus schauen, man sollte sich aber bewusst sein, dass dieser Film der Grund sein kann, dass das Terminator-Franchise zu Grabe getragen wird. Und das spürt man irgendwie beim Sehen. Das Franchise hat seine besten Tage hinter sich und Großes wird wohl leider nicht mehr zu erwarten sein.
